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Full text of "Aegyptens stelle in der weltgeschichte : geschichtliche untersuchung ..."

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5^ 


ff- 


LIBE  AR  Y 


Theological  Seminary 

PRINCETON,  N.  J. 


Gase 

Shdf.. 

Book 


39.4.... 




DIE    GROSSE  SFHINX 


Steppten^ 

©teile  in  ber    eltgef d^tc^te. 

©ef#i$tltcfK  Unterfuc^ung 

in 

fünf  £3  u  d;  e  r  n 
(5  &  r  t  ji  i  a  n  (5  a  1 1  Sofias'  Fünfen, 

ber  $pf)tlofopt)ie  unb  ber  SRedjte  £octor,  ber  Äöntgl.  Iii  abernte  ber 
äBiffenfcfyaften  in  S?erltn  unb  ber  Äontgl.  ©efellfcfyaft  ber  Literatur  in 
Sonbon  (Sfjrenmitglteb,  be§  ardjaologtfctjen  Snftttutö  in  Sftom 
©eneraU  ©ecretär. 

€01  i  t   16  3inftafeln. 


Hamburg,  1845* 
S3  e  i   Srtebrid)  |>  e  r  t  f)  e 


^rtebrtc^  gßttyelm  bem  SSierten, 


Äonige  tton  Greußen: 

be£  2tttertf)um$  unb  ber  gorfdjun*}  erleuchtetem  greunbe: 

bem  erffen  beutfd)en  Surften, 
welcher  jur  Unterfucfyung  ber  dlteften  gefdbtd&tltd&en  ^enf* 
mdler  eine  wtfienfdjaftttcfye  Unternehmung  nad)  2Cegt)pten, 
Tlttyiopkn  unb  bem  <5inat  gefanbt: 

bem  gürten, 

welker  $u  biefem  Söerfe  9fluge  unb  greubigfett  gegeben: 
feinem  allergndbigften  $errn  unb  Sefcfyüfcer 

weiset 

bie  Drillinge  feiner  gefcf)idf)tlidf)en  gorfcfyuwj 
banfbat  unb  et)rfurd^töiooU 

ber  33erfaffer, 


©  t  jl  e  8   23  u  <S). 


SB  e  g    ttnb    &  i  t  L 


9£  i  e  t>  u  l) 


©roßeS  §aji  S5u7jerp6rt ,  bod)  ©rofereS  roieber  gebauet, 

#1$  fpätflügelnben  SrugS  täufdjenbeS  QSilb  Du  $erfd)lugft, 
5Ö5abrf)cit9tdubtö/  im  ^)er^en  gwifj  be$  verborgenen  <Sd)a£eS, 

$Barfjt  Du  ber  $orfd)ung  Sot^  fü&n  in  bie  Klüfte  ber  3eit. 
2feltejte  5BaJ>rJ>eit gelangte  an'S  2td^t/  unb  ftatt  Wlävfym  unb  gabeln 

©tieg  un$  leibhaftig  empor  Seben  romulifcfyer  ßeit: 
5Biege  fünftigen  9?uf)m$,  uralte  gretyeit  unb  £)rbnung, 

Unb  mit  bem  allen  ber  ©eij>,  welcher  bie  gormen  ftcj)  fdjafft. 
2(lle3  erfcfyaute  Dein  S3licf,  ba$  ©etrennte  twrf nüpftcjl  Du  fmnreid), 

5ttifjt>erjtanbene$  5öort  beutenb  nad)  älterem  <Sinm 
2fber  {>6t>er  nod)  (fef)t  be$  ©erüiffenS  fyeilige  Sreue, 

Unb  Dein  golbeneS  Jperj,  roelcfyem  nidjtS  9ftenfd)lid)e$  fremb, 
föotf e  unb  Gegenwart  treu,  burcfylebteft  Du  ftnnenb  vergangne 

©röjje  ber^enfd)l)eit  im©eijt,  füf)lenb  t&r  SBo&l  unb  it>c  9Bct). 
Stebenb  §roar  fytng  Dein  SSlicf  an  £etla$  ©d)6ne  unb  greifet, 

SRoma'S  erhabenem  9?ul)m  »etr)teft  Du  Seben  unb  Äunjf  : 
Dod)  Du  tiergaßeft  nid)t  be3  Borgens  fyeilige  Urwelt, 

2aufd)tejit  mit  gläubigem  ©inn  ältefter  Stufen  ©efang, 
2(ud)  tfegpptenS  ©efHrn  begrüßtet*  Du  freubig  unb  cr)cenb, 

2(13  e3  §u  leuchten  begann  ob  ^oramtbengeftlb. 
Dorthin  baljnenb  ben  2Beg,  errod^l'  id)  Did),  Spater,  §um  Seitdem : 

2eud)t'  im  Dunfel  Du  oor,  ftarfe  beS  ©udjenben  S3lid 


SS  o  r  r  e  b  e. 


td)  Dor  nun  ad)t$fyn  Sauren  burd)  @f)ampol= 
lionS  münblidje  23elef)rung  unb  @rf>riften  unb  burd) 
bie  2fnfd)auung  bei:  dgpptifdjen  £)enfmdler  SRomS,  na= 
mentlid)  ber  SbeltSfen,  t>on  ber  2Baf)rf)eit  unb  ge^ 
fd)id)tlid)en  ^tdjttgfeit  ber  großen  tyieroglt)pf)ifd)en 
Chttbecfung  mid)  überzeugt  ^atte,  traten  mir  Dorn 
©tanbpunfte  ber  beutfdjen  Sötjfenfcfjaft  unb  meiner  et= 
genen  SBejlrebungen  brei  Sragen  entgegen* 

Sft  bte  Beitreibung  ^egpptenS  nad)  ben  mane^ 
tf)onifd)en  Stynaftieen ,  »ermitteljl  ber  £)enfmdler  unb 
ifjrer  $6nig6namen,  gan§  ober  §um  großen  Steile 
l)er(Mlbar?  £djüt  ftd)  burd)  bte  dgpptifdje  (Sprache 
bem  SSolfe  ber  2fegt)pter  eine  (teuere  ©teile  in  ber 
älteren  SS6l!ergefd)id)te  ankeifen,  unb  namentlich  bef= 
fen  33erf)dltniß  §u  ben  Golfern  aramdifdjen  unb  in= 
bogermanifdjen  <§tamme$  beftimxtim?  Grnblid),  barf 
man  fjoffen,  burd)  eine  fortgefe|te,  auf  baS  ®efd)id)t= 


x  SSorrebc* 
ltd)c  im  J>6d)jlen  (Sinne  be$  SBorteS  gerichtete  §or-- 
fd)ung  über  tfegppten,  für  bie  ^ilofo^ie  ber  ®t= 
fd)ic()te  ber  $cenfd$eit  eine  [teurere  unb  aut>erldf= 
figere  ©runblage  §u  gewinnen,  als  wir  bis  je£t  be= 

Sie  nnffenfd;aftlid)en  aSorauSfefcungen  unb  2fn= 
fiepten,  »on  welchen  itf)  bei  biefen  brei  fragen  ausging, 
waren  im  Mgemeinen  folgenbe* 

£)ie  romifdjen  gorfdjungen  ^iebu^rö  fyattm  mir 
bie  Unftdjer^eit  aller  abenbldnbtfcf)en  3eitred)nung  jen-- 
feite>  ber  Slpmpiaben  beriefen:  ber  armenifcfye  (£ufe= 
biuS  lieferte  für  bie  affprtfd)  =  babt>lomfrf>e  ßl)ronolo= 
gie,  über  bie  Beitrete  Sftabonaffarö  hinaus,  allerbingS 
wichtige,  jeboef)  einzeln  fteljenbe  SBejlimmungem  28aS 
aber  bie  jübifcfye  Seitrechnung  betrifft,  fo  war  mir 
burd)  bie  btblifche  gorfefjung  langjl  flar  geworben, 
bap  bie  (Schriften  beS  alten  SöunbeS  leine  §ufammen= 
hdngenbe  3eitrecbnung  jenfeitS  (Salome  geben*  SöaS 
außer  biefen  fejlen  fünften  je£t  als  (Softem  ber  al= 
ten  (Sljronologie  gilt,  ift  baS  traurige  S5ermdd)tnip 
beS  ftebenjehnten  unb  achtzehnten  3al;rhunbertS ,  ein 
SÖerf  theilS  abftd)tlicher  Sdufchung,  tl;eilS  gdnjlidjeS 
SScrfenncnö  ber  ©runbfdfce  gerichtlicher  gorfd)ung- 
3Me  dgtrp^f^)e  ©efd)id)te  ift  bie  einige,  welche  gleid)= 
jeitige  £)enfmdler  auS  jenen  früheren  Sahrhunberten 
beftfct,  unb  §ugleid)  SBerührungSpunfte  mit  jenen  Ur= 


SSorre&e. 


XI 


Dolfern  Iffens,  namentlich  aud)  mit  bem  iübifdjen, 
Don  ben  fpdteften  bis  §u  ben  alteren  Seiten  batbk= 
tet  Söenn  irgenbwo,  fo  ift  l)ier  8tafy  §u  fjolen  für 
bie  SBegrünbung  einer  Chronologie  ber  dlteften  $6lfer= 
gefd)id)te,   <So  Diel  über  bie  erjle  grage. 

SMe  beutfcfye  <£:prad)wiffenfd)aft  t>at  Sebent,  ber 
tyr  feit  griebrirf)  (Stiegel  gefolgt,  bie  große  2öal)r= 
I>eit  barttyun  müffen,  baß  eine  Sftettyobe  gefunben  wor= 
ben  ift,  »ermittelft  ber  (Sprache  bie  ©efd)led)tStafel 
ber  9ttenfd)f)eit  f)er§ujMen:  nid)t  ttermittelft  gewagter 
ober  vereitelter  (Stpmologieen,  fonbern  burd)  bie  2ütf= 
faffung  unb  £)ar(Mung  bee>  organifdjen,  un§erftorba= 
ren  23aue$  ber  einzelnen  (Sprachen  nad)  ben  <Sprad)= 
flammen»  SÖSenn  mir,  t>on  biefem  ©tanbpunfte  au$, 
fdjon  burd)  ba$  $opttfd)e,  Derglidjen  mit  ben  bamalS 
bereits  gefunbenen  altdgt)ptifd)en  2Bur$eln  unb  §or= 
men,  ber  aftatifd>e  Urfprung  beS  dgt)ptifd)en  SBolfeö 
unb  feine  $8erwanbtfd)aft  mit  bem  femitifd)en  ober 
aramdifdjen  ©tamme  unbe^weifelt  fein  mußte;  fo  war 
td)  außerbem  burd)  eine  allgemeinere  (Sprad)forfd)ung 
fdjon  lange  §u  ber  2fnftd)t  gelangt,  baß  bie  Söilbung 
be$  menfd)lid)en  ©efd)led)t$  t>or$ug$n>eife  baä  Söerf 
jener  §wei  großen,  eben  fo  unverkennbar  verwanbten, 
als  früf)  getrennten  SBolfSfamilien  fei*  2BaS  wir  2öelt= 
gefd)id)te  nennen,  mußte  mir  alfo,  Don  biefem  @tanb= 
punfte,  als  bie  ©efd)id)te  zweier  ©efd)led)ter  erfd)einen, 


XII 


23orre&e* 


bie  unter  betriebenen  Namen  auf  bem  gropen  <3d)au-- 
pla£e  ber  (£ntn>icflung  beS  menfcf)ltcf)en  ©eifteS  auf= 
treten:  unb  §roar  ersten  mir  baS  inbogermanifdje 
als  baS  ben  großen  (Strom  ber  2öeltgefd)irf)te  fort= 
leitenbe  Clement,  baS  aramätfrf)e  als  baS  benfelben 
burd)freu§enbe  unb  bie  Grpifoben  jeneS  göttlichen 
£>ramaS  bilbenbe*  £)ie  <Sprad)bilbung  beiber  $6lfer= 
flamme  festen  mir  nun  geeignet,  unb  gerabe  in  unfe= 
rer  Seit  berufen  §u  fein,  bie  ©runblage  aller  gor= 
fcfyung  über  bie  Anfange  beS  9#enfd)engefd)led)teS  unb 
bte  @efe£e  feiner  dnttt)ic£lung  ju  werben*  SSon  bie= 
fen  2£nftd)ten  auS  hatte  id)  mir  bereits  in  ben  Saf)= 
ren  1812  bis  1815  eine  Sftettyobe  §u  büben  gefudf)t, 
baS  eigentlid)  gefd)id)tlirf)e  ?>rincip,  baS  ^eipt  baSje= 
nige,  welches  baS  Söerben  ber  Srfcfyemungen  bebingt, 
in  ber  ©pr act>n>iffenf cf>aft  §u  ftnben  unb  §ur  £)arjlel= 
lung  §u  bringen»  Sei)  mar  baburd)  $u  ber  Ueber#eu= 
gung  gelangt,  bap  eine  folcfye  9ftetf)obe  $u  entbeefen 
fei,  unb  l;atte  bie  Don  mir  angewanbte  früher  befon= 
berS  in  $\x>ei  £Rid)tungen  »erfolgt  Gnnmal  in  ben 
romanifdjen  Sprachen:  ndmlid)  jur  Gfntbecfung 
beS  ©efe£eS,  roonad)  ftd>  neue  (Sprachen  au£  einer 
untergel)enben  Dermittelft  eines  neuen  $ol!Sbett>upt= 
feinS  unb  gewöhnlich  auch  eineö  neuen  (Stoffes  hüben. 
Dann  in  ben  ffanbinaöifdjen,  §ur  tfufftnbung  ber  aü= 
gemeinen  gormel  für  baS  SSerhältnip  einer  buref)  \Xe= 


>Oorrcbc. 


XIII 


berftebelung  unb  Vereinzelung  feft  geworbenen  (Sprache, 
einerfeitS  §u  ber  untergegangenen  alt=ttatertdnbifd)en,  an= 
brerfeitS  §u  ben  neueren  formen  berfelben,  welche,  nad) 
bem  (5kfe|e  ber  2Cbfd)leifung  ber  formen  unb  ber  Verall= 
gemeinerung  ber  SBur^elbegriffe ,  ben  £auf  if)rer  dnt= 
roidflung  ungehemmt  Dotfenben»  £)enn  baS  festen  mir  bie 
große  SBebeutung  beä  36ldnbifd)en ,  als  rücfweifenb  auf 
baS  ?at=9?orbtfcf)e  unb  als  ben2(u$gangSpunftbilbenb  für 
baS  @d)tt>ebifd)e  unb  £)dnifd)e*  gfic  bie  2üm>enbung  tiefer 
50?etf>obe  unb  ber  burd)  fte  gefunbenen  Wormeln  tyatte  id) 
mid)  aud)  früf)  nad)  einem  tt)ettgefd)td)tlid)en  »£)ebel 
umgefe^en:  benn  rcaS  im  (Heineren  Greife  wafjr  tft, 
muß  e$  aud)  im  größeren  unb  größten  fein*  £)ie  dgt)p= 
tifdje  <Sprad)e  fdjien  mir,  in  golgebeö  burd)  bie  if)ie= 
roglt)|)l)if  aufgelegten  unverhofften  2id)teS,  enblid)  ei= 
nen  foldjen  *£>ebel  $u  bieten.  <&ie  ftef)t  offenbar 
fdjen  bem  ©emitifd)en  unb  Snbogermanifdjen:  benn 
ü)re  gormen  unb  Söuqeln  erfldren  ftd)  nid)t  au$  (§i= 
nem  allein,  unb  weifen  auf  beibe  f)in*  Sft  fte  nun 
aftatifd)en  UrfprungS,  alfo  eine  burd)  Ueberftebelung 
abgeleitete  unb  im  9ftltf)ale  fejlgett>orbene>  fo  muß  Don 
if)t  auö  ein  gefd)id)tlid)er  SRücffdjluß  mit  ©idjerfyeit 
moglid)  fein  auf  bie  dltefte  <Sprad)e  ber  aftatifdjen 
9)?enfd)l)eit,  alfo  auf  einen  gefd)id)tlid)  untergegangen 
nen  3ettpunft  ber  Grntttncfelung  beS  ©eifteS  in  Ur- 
2Cften.    (So  triel  f)ier  über  bie  Vorau6fe|>ungen,  Don 


XIV 


SSorrebe. 


welchen  id)  bei  ber  fetten  jener  brei  fragen  aue>= 
ging- 

£)f)ne  Chronologie  für  bie  gerichtliche  Seit,  unb 
of)ne  @prachforfd)ung  für  bie  Urzeit,  ift  offenbar  an 
feine  fruchtbare  ^erjMung  ber  dlteften  SBolferge^ 
fcf)td)te  unb  feine  Söegrünbung  einer  wahren  ?)f)Uofo= 
pf)ie  ber  Urgefd)td)te  ber  50?enfd>t>eit  Dom  l;i(lorifd)en 
©tanbpunfte  au£  ^u  benfem  2Cber  fotlte  nid)t  für 
beibea  burd)  bie  dgi)ptifd)e  (SJ)ronologte  unb  (Sprach 
forfd)ung  ein  neues  £eben£element  gegeben  fein?  ©oll* 
ten  ftd)  nid)t  in  beiben  fruchtbare  23erührung6punfte 
mit  ber  alten  unb  dlteften  aftatifd>en  S36lfergefd)idf)te 
barbteten?  23eft£en  ferner  bie  dgt)ptifd)en  £)enfmdler 
nic^t  fd)on  baburd)  einen  großen  SSor^ug  ttor  allen  i 
übrigen,  baß  fte  burd)  i^re  Snfd)riften  unb  3eitbe= 
ftimmungen  über  ben  ©ang  ber  (Entwicklung  ber  $unft 
feinen  Sweifel  übrig  (äffen ,  beren  (£pod)en  fo  wichtig, 
unb  bod)  anbermdrtö,  felbft  in  ber  gried)ifd)en  $unfl, 
für  bie  einzelnen  £>enfmdler  nur  t>ermuthungSrc>eife  §u 
beftimmen  finb?  £)ie  dgt)ptifd)e  $unft  ift  aber  offen= 
bar  fo  alt  at6  bie  dgpptifche  £Solf$gefd)ichte,  unb  eine 
tt>eltgefd)id)tUcf)  bebeutenbe  (Erfd)einung*  Sollten  fer= 
ner  bie  mptfjologifchen  £)enfmdler,  nad)  einmal  h^= 
ftellter  Zeitrechnung,  nicht  auch  wichtige  ©rgebniffe  lie= 
fern  für  bie  ©efd)id)te  beS  dgt)ptifd)en,  unb  im  2(11= 
gemeinen  beS  menfchtichen  ©eifteS,  in  bem  ©ebiete  ber 


XV 


Ueberlieferung  unb  gorfd)ung  über  bte  göttlichen  Singe? 
Unb  enbltd),  foüte  uor  Mem  bte  (Sprache,  baS  un= 
mittelbare  ©ebilb  unb  Sßerfjeug  beS  ©eifteS,  nid)t 
»or^ugSweife  burd)  bie  dgt)ptifd)e  gorfd)ung  §ur  Söürbe 
ber  alteren  urfunblidjen  £f)atfad)e  be$  $venfd)engeifte£ 
in  ber  Urzeit  unfereS  ©efd)led)teS  erhoben  werben  I6n= 
nen?    Saß  eS  ©efe|e  für  bie  ©ntwicflung  beS  5^en^ 
fd)engeifteS  in  allen  biefen  ©ebieten  gebe,  wie  2ßincfel= 
mann  fte  für  bie  $unftgefd)id)te  annahm  unb  fanb, 
unb  wie  fd)on  ^erber  fte  für  bie  allgemeine  ©efd)id)te 
ber  SDvenfcfytyeit  afjnbete,  war  mir  $ön  Anbeginne  mei= 
ner  f)tftorifd)en  £5eftrebungen  eben  fo  gewiß,  aH  baß 
fte  weber  burd)  ibeenlofe  Sorfdjung,  nod)  burd)  for= 
fdjungSlofe  Sbeologie  gefunben  werben  fonnen*  £)jfen= 
bar  gef)t  bie  beutfdje  SBiffenfdjaft  feit  SBincfelmann, 
$erber  unb  $ant  bewußt  unb  unbewußt  auf  eine 
weltgefd)id)tlid)e  ^Betrachtung  unb  ©rfenntniß  ber  gott= 
litym  unb  menfd)lid)en  Singe  tyxi,  unb  fud)t  tiefe  burd) 
bie  Bereinigung  ber  ^^Uologie,  ^)iflouie  unb  $P£tlofo= 
pf)ie  §u  bewerfflelligen ,  beren  Trennung  in  ben  legten 
§weü)unbert  Sauren  bie  £luelle  enblofer  $vißt>erftdnb= 
niffe  unb  Verwirrungen  gewefen  ifL    ©ine  @rwette= 
rung  beS  weltgefd)id)tlid)en  ©eftdjtSf  reifes,   wie  bie 
dgpptifdje  gorfdjung  if)n  fd)on  bamati  barbot,  fann 
nid)t  of)ne  (Einfluß  auf  bte  £ofung  jener  Aufgabe,  ober 
wenigjienö  auf  bie  2Cnndl)erung  ju  biefer  ßofung  fein. 


XVI 


$on  tiefen  2Cnftd)ten  unb  S8orauSfe§ungen  aus 
befd)lop  id)  tue  dgi)pttfd)e  gorfd)ung  felbftdnbtg  §u 
verfolgen,  Offenbar  mupte  mir  bie  d)ronologifd)e  gor= 
fd;un9  bte  erfte  (ein,  benn  if)r  Belingen  mar  mir  bie 
S3ebingung  atteö  wetteren  §ortfd)reiten6*  Sterbet  aber 
fonnte  td)  nifyt  verfemten,  baß  biefeS  Belingen  ttor* 
jug£weife  t)on  ber  9ttetf)obe  abl)än$m  muffe*  {)an= 
belte  ftcf)  um  bte  TTnwenbung  ber  ©runbfd^e  ber  frt= 
ttfcben  ©ef$id)tSwiffenfd)aft  auf  bte  pf)ilologifd)en  £luel= 
len  ber  dgt)pttfd)en  Chronologie,  welche,  au$  erklär- 
lichen ®rünben,  btG  batyin  nod)  gar  md)t  uerfud)t  war, 
wie  fte  eS  benn  aud)  eigentlich  bis  auf  ben  heutigen 
Sag  md)t  ijh  Sie  ©runbloftgfeit  ber,  im  2htgen= 
blicfe  ber  (Entbetfung  ber  gropen  gefchid)tlid)en  tarnen 
Don  $Pfammettd) ,  ©efaf  unb  ^ameffeö  erfunbenen 
ober  angenommenen  d)ronologifd)en  (Spfteme  würbe 
mir  fef)r  balb  flar:  bie  Safel  Don  2Cbpboö  forberte  auf 
unb  ermutigte  jur  £6fung  beö  2öiberfprud)e6  §wi= 
fdjen  £)enfmdlern  unb  9flanetf)o*  (£3  war  im  £)ecem= 
ber  1832,  als  eS  mir  §uerft  gelang,  ben  <Sd)lüffel 
§ur  Herstellung  ber  achtzehnten  unb  neunzehnten  £)*)= 
naftie  $u  ftnbem  £)er  Erfolg  war  fo  unmittelbar, 
bap  td)  biefe  (Spur  mit  gropem  @ifcr  »erfolgte,  unb  im 
folgenben  Saljre  bte  £er|Mung  ber  Chronologie  be$ 
neuen  $eid)e$,  t>on  ber  achtzehnten  bis  §ur  breipigften 
Stynaftie,  t>ollenbete.    3m  Sah**  1834  entbeefte  td) 


35orrcbe.  xvn 

in  ber  Sifte  beö  GrratoftheneS  ben  @d)lüffel  §ur  SSSie- 
berherftellung  ber  erften  §molf  £)pnaftieen  SRanetho'8, 
unb  baburd)  §ur  Bejttmmung  ber  £)auer  beS  alten 
SReid)e£*  3Me  Auffüllung  bef  Abgrunbef  §mifd)en  bem 
alten  unb  neuen  deiche,  meld)e  man  gewöhnlich  bic 
^pffoäjett  nennt,  fcfjtofl  ftd)  t>on  felbft  an  jene  bei= 
ben  erften  Beftimmungen  an,  unb  nafybem  bie  einjel= 
nen  Vorarbeiten  über  bie  Ärtttf  ber  Quellen  ttollenbet 
maren,  erfolgte  im  3af)re  1835  bie  Aufarbeitung  bef 
d)ronologifd)en  ^eileö  ber  Unterfud)ung ,  von  bem  An= 
fange  §u  bem  «Spateren  tyerabfteigenb,  vote  bie  §orfd)ung 
ben  umgekehrten  28eg  tyatte  einklagen  muffen»  3>n  al= 
len  Hauptpunkten  mar  baf  d)ronologifd)e  ©rgebnip  biefer 
Arbeit  baffelbe,  maf  je|t,  nad)  neunjähriger  Prüfung, 
in  ben  bret  erften  Büchern  biefef  SBerkef  vorliegt 

£)te  £)enkmdlerforfd)ung  §eigte  jebod)  bei  btefen 
Aufarbeitungen  fo  Diele  £ücken,  baß  id)  mich  niemals 
entfd)loffen  haben  mürbe,  an  eine  §ufammenhdngenbe 
Durchführung  btf  inf  Gnn^elne  §u  gehen,  menn  nid)t 
baf  grühjafjr  1836  mir  mit  2epfütf  siele  bif  baf)in 
unbekannte  ©d)d|e  ber  in  ben  europdifd)en  <5amm= 
tungen  fd)lummewben  Denkmäler  Aegyptens,  ^al)lrei= 
d)e,  bebeutenbe  Berichtigungen  unb  ßrgdn§un= 

gen  bef  Bekannten,  unb  Dor  Allem  bie  unfd)d|bare 
©abe  einef  befreunbeten  unb  i>ulfreid)en  Strebend  ge= 
fdjenkt  l;dtte»   3d)  erkenne  in  biefer  SSerbinbung  mit 
I.  ** 


XVIII 


SBorrebe. 


2ep{tuS  baS  glücfticfyfte  ber  tnelen  günftigen  @reignijfe, 
welche  mir  auf  bem  SÖege  ber  dgpptifcfyen  $orfd)ung 
fo  ga^lreid)  entgegengekommen  ftnb*  $on  jefct  an 
backte  id)  ernftlid)  baran,  bae>  SBerf  in  ber  ganzen 
Auebefjnung  jener  brei  gragen  aufzuarbeiten,  unb  Ke? 
ber  e£  barauf  ankommen  §u  laffen,  baß  anbere  §or= 
fd)er  baf  Don  mir  ©efunbene  t>orwegndf)men,  als  meine 
ttnterfudjungen  um>ollftdnbig  unb  Doreilig  ber  Seffent 
lid)feit  ju  übergeben»  3u  bem  Swetfe  arbeitete  id)  in  ben 
Sauren  1836  unb  1837  9M)reref  über  bie  gefcf)ic^ttid)en 
®(eid)3ettig!eiten  auf,  unb  bereitete  bie  Unterfud)un= 
gen  im  fprad)lid)en  unb  mt)tf)ologifd)en  ©ebiete  t>or* 

Alf  nun  mit  bem  Sanuar  1838  eine  $rife  unb 
jeweilige  (Stockung  meiner  amtlichen  ZfyätiQtat  in  SRom 
eintrat,  unternahm  td),  im  S3ebürfniffe  einer  großen 
Anftrengung,  mit  bem  Anfange  bef  3al;ref  $anb  ön 
bie  t>ollftdnbige  Aufarbeitung  bef  Söerfef  §u  legen» 
Sie  Arbeit  fd)ritt  fo  rafcf)  fcorwdrtf,  baß  bie  d)rono= 
logifd)en  Unterfud)ungen  bef  je|igen  feiten,  britten 
unb  werten  23anbef,  bem  größten  Steile  nad),  todJ)= 
renb  ber  erften  brei  Monate  jenef  Safjref  im  28efent= 
ticken  fo  bargeftellt  unb  ben  greunben  mitgeteilt  wur= 
ben,  wie  fte  je|t  nad)  fteben  3faf)ren  erfdjeinen:  aud) 
bie  mt)tf)ologifd)e  Arbeit,  welche  je£t  ben  fed;ften  Afc 
fdjnitt  bef  erften  23ud)ef  bilbet,  würbe  bamalf  großen^ 
ttyeilf  »erfaßt,  in  5D?ünd)en  aber  »ollenbet 

Sie  Anfd)auung  ber  @d)d|e  bef  brittifdjen  $Ru= 


23orrebe. 


XIX 


feumf,  unb  befonberS  ber  in  unb  bei  ben  großen  ty\)= 
ramiben  gefunbenen  Snfdjriften  unb  ^unjiwerfe,  gab 
in  btefem  unb  im  ndd)fien  3af)re  SSeranlaffung  unb 
£ufit  §u  manchen  Ergänzungen  unb  tfyeilweife  §ur  Um= 
arbeitung*  Sie  Sarpeilung  trug  in  manchen  Steilen 
nod)  $u  fetyr  bie  ©puren  ber  Ünter[ud)ungen  unb  Sor= 
arbeiten,  auf  benen  fte  hervorgegangen  war*  Eine 
Dotfftdnbige  neue  Aufarbeitung  begann  im  Sanuar 
1841  in  23ern,  in  golge  ber  von  SepftuS  im  turiner 
Äonigfpappruf  gemalten  ©ntbecfungen  unb  anberer 
neuen  Senfmalforfd)ungen  jenef  ©elef)rtem  Samalf 
würbe  ber  bxitte  23anb  bef  gegenwärtigen  Söerfef, 
bi£  auf  Heine  SSerdnberungen,  (o  verfaßt,  wie  er  je£t 
gebrucf  t  worbem  %ud)  würben  bie  Seittafeln  ber  agt)p= 
ttffym  ©efd)icf)te,  mit  if)ren  jübifcfyen,  babplonifcfyen, 
afft>rtfd)en  unb  perftfcfyen  ©leid^ jeitigf eiten,  bie  id)  für  mei= 
nen  ©ebraud)  angelegt,  in  biefem  Seitraume  vollenbet 
unb  für  ben  vierten  23anb  tiefet  SöerFef  aufgearbeitet 
%n  ben  %xveitm  S3anb  warb  bie  le|te  *£)anb  im 
Secember  1842  gelegt,  alf  baf  wichtige  Söerf  von 
Ferring,  bie  gortfe^ung  bef  SSpfe'fc^en  S5end)teö  über 
bie  $Ppramiben  von  ©ifef),  mit  ben  Grrgebniffen  ber 
SDeffnung  unb  Surd)fud)ung  ber  übrigen  ^pramiben* 
gruppen,  gan$  unverhoffter  SBeife  mir  neuen  unb  reu 
d)en  ©toff  lieferte  für  ben  SBeweif  ber  S3ef)auptung, 
bafi  wir  in  ben  sppramiben  bie  ©rdber  ber  Könige 

**  2 


XX 


25orret>c. 


beS  alten  $eid)e3  unb  bie  wid)tigflen  Senfmdler  feU 
ner  ©roße  beft£em  SRit  bem  Anfange  be£  SahreS 
1843  begann  ber  Srucf  be£  feiten  23anbe$  unb 
würbe  gegen  (Snbe  beffelben  befd)loffem 

Sic  im  (September  1842  erfolgte  ©enbung  t>on 
fiepftuö  nach  liebten  warnte  einerfeitö  fcor  UebereU 
lung  f)inft'd)tlicf)  ber  wegen  Langel  an  Senfmdlern 
ungewijfen  fünfte  ber  gorfcfyung,  unb  mahnte  anbrer= 
feitö  an  Bekanntmachung  be£  ftdjer  ©efunbenen  unb 
burd)  bie  Senfmdler  ^tnretc^enb  Betätigtem  Bebeu= 
tenbe  Ergänzungen  unb  Berichtigungen  beS  aufgeftell= 
ten  d)ronologifd)en  ©pftemS  burd)  neu  §u  entbecfenbe 
Senfmdter  fonnten  nur  für  ba$  alte  £Reid)  erwartet 
werben:  un&  §war  nur  burd)  bie  Unterfud)ungen  auf 
ben  SPpramibenfclbern  »on  ©ifef)  unb  ©affaral)  unb 
im  S<*jum,  mit  .welchen  jene  Unternehmung  §u  beginn 
nen  fyatU.  %ud)  hierfür  fdjien  ee>  jebod)  wünfd)en3= 
n>erth,  bie  gorfd)ung  fo  §u  geben,  wie  fte  bis  §u  je= 
ner  Unternehmung  ftanb,  unb  baö,  wa$  fte  wdhrenb 
be$  SrucfeS  liefern  mürbe,  feines  £>rteS  §u  ermahnen, 
fo  weit  eS  ber  chronologifd;=gefchid)tlid)e  ©harafter  bie= 
fcS  Sßerfeä  erforbert,  atteö  Uebrige  £epftu£'  weiteren 
Unferfuchungen  unb  eigener  SarjMung  uberlaffenb* 
Sagegen  fd)ien  e6  entfd)ieben  nicht  unwichtig,  baS  feit 
1833  auögebilbete  allgemeine  ©ebdube  ber  dgpptifchen 
Chronologie,  wie  eS  im  ©ropen  unb  ©an§en  auch 


93orret>e.  xxi 

»Ott  ßepftuö  6ei  fernen  gorfdjungen  $um  ©runbe  ge= 
legt  worben,  je£t  anS  £td)t  treten  §u  (äffen* 

2Cudf>  bie  Sftücfftcfyt  auf  bte  allgemeinen  23ebürf= 
niffe  ber  ägpptifcfyen  SBejfrebungen  festen  biep  wün= 
fcfyenewertl)  §u  machen.  (£6  ift  nichts  für  tiefen  Ztyeil 
ber  Ätiologie  §u  ^offen,  fo  lange  nid)t  bte  £f)etlnal)= 
nie  ber  gefammten  gefcfyid)tlid)en  SSiffenfcfyaft  bafür 
gewonnen  wirb*  £)ieß  aber  fe|t  zweierlei  Dorauö: 
einmal  bte  3ufammen|Mung  unb  Darlegung  alles 
beffen,  wa$  burd)  bte  £>ieroglppl)tf  bis  je|t  für  bte 
ägpptifcfye  unb  bte  allgemeine  Chronologie  unb  SJ6H erge- 
föifyte  gewonnen  ift,  ober  gewonnen  werben  Hann; 
anbererfeitö  eine  t)om  gefd)id)tlid)en  ©tanbpunfte  un= 
ternommene  3)arjMung  ber  (Sprache  unb  @d)rift 
eben  fowol)l  ale>  be£  ©otterfpftemS  ber  Aegppter* 
%n  23eibem  fel)lt  eS,  nid)t  allein  in  £)eutfcf)lanb,  fon= 
bern  überhaupt  $lad)  unferer  2fnftd)t  unb  narf)  bem 
^)lane  biefeö  SöerfeS  mupte  eine  £)ar(Mung,  wie 
bie  §ule|t  angebeutete,  alö  bte  £f)atfad)en  ber  t>or= 
d)ronologifd)en  Seit  unb  ber  Ur§eit  entfjaltenb,  im  er= 
ften  SBanbe,  neben  ber  allgemeinen  frttifdjen  Unter- 
fudjung  über  bte  Quellen,  if)ren  $)la|  ftnbcm 

£)ie  Aufarbeitung  biefeö  erften  23anbeS  erforderte 
meinerfeitS  ntd)t  allein  ein  tieferes  (Eingeben  in  alle 
@tn$ell)eiten  ber  f)ierogh)ptyifd)ett  <Sprad)  =  unb  ©d>rtft= 
letyre,  al£.  eS  bis  bai)in  mir  moglid)  unb  wdljrenb 
SepftuS'  2fnwefenf)eit  notf)ig  gewefen  war,  fonbern  aud) 


XXII 


gewiffermafkn  einen  2Cbfd)Iu^  über  bie  Hauptpunkte 
ber  ben  betben  legten  23dnben  t>orbef)altenen  Unterfu= 
jungen*  <So  ifi  eS  gefd)ehen,  bap  biefeS  erfie  23ud) 
fpdter  als  baS  zweite  gebrüht  worben  unb,  nad)  man= 
cf)en  Unterbrechungen,  crjl  je£t  vollenbet  tfi»  3d)  J)offe, 
baß  bie  d)ronologifd)e  gorfd)ung  beS  britten  S3ud)eS, 
mit  bem  Urtebenbucfje,  als  britter  23anb  gleichzeitig 
wirb  erfd)einen  fonnem  £)amit  iji  bie  rein=dgt)ptifd)e 
$orfd)ung  abgefd)loffem 

6S  fam  mir,  tro|  beS  <5d)eineS  ber  Unbefcf)ei= 
benfjeit,  unerläßlich  vor,  ben  Sefern  eine  fo  ausführliche 
®tfd)id)U  biefeS  SöerfeS  vorzulegen,  nicht  allein  um 
mich  gegen  Vorwürfe  zu  vertheibigen,  baß  baffelbe  §u 
früh  Su  fr^  erfdjeine,  fonbern  inSbefonbere,  um 
ben  ©ebanfengang  beutlich  zu  machen,  auS  bem  eS 
hervorgegangen,  unb  nad)  bem  eS  beurteilt  §u  werben 
wünfd)t:  cnblid)  aud),  um  bie  Einheit  ber  vergebenen 
Zfydle  unb  bie  Beziehungen  berfelben  auf  bie  gegen= 
»artigen  S^gen  ber  SBiffenfdjaft  vorläufig  anfehaulich 
ZU  mad)em  @S  ifi  übrigens  wohl  faum  nothig,  nod) 
auSbrücflid)  zu  bemerken,  baß  waS  im  £)btgen  als 
allgemeine  S3orauSfe|ung  angenommen,  in  bem  Söerfe, 
nach  haften,  wenigjienS  fo  weit  begrünbet  unb  erwie= 
fen  werben  foll,  als  baffelbe  bebarf,  um  felbfidnbig 
ba§ujiehen  unb  felbfidnbigeS  ^ad)ben!en  anzuregen» 

Ueber  bie  in  bemfelben  burchgeführte  £)arjiellung 
glauben  wir  nur  QaneS  bevorworten  §u  müffem  2ßir 


s£orret>e. 


XX1I1 


f;aben  bie  gefd)id)tlid)e  £)arjMung  angestrebt  SBaö 
aud)  immer  ber  ©egenftanb  ~unb  Umfang  ber  Unter= 
fucfyung  fei,  mir  fyabm  in  ber  £)arfMung  2Clle$  §u 
befeitigen  unb  abjufcfyneiben  t>erfud)t,  wa6  jenem  Q>i)a= 
rafter  nid)t  §u  entfpredjen  fcfyiem  <So  J>at  alfo  t)om 
Unterbau  unferer  §orfd)ungen  manches  §urücf  bei)  alten 
werben  müffen,  waö  mir  fonft  voofyl  gern  2(nre= 
gung  weiterer  gorfd)ung  unb  in  ber  Hoffnung  belel)- 
renber  Berichtigungen  aufgenommen  tyaben  würben, 
(Sprache,  @d)rift,  SÖtytljologie,  Chronologie,  £)enf= 
malfunbe  ^aben  alle  eine  (Seite,  woburd)  fte  ftd>  ber 
gefd)id)tlid)en  £)arjMung  ent§ief)en,  wenn  aud)  ber  @e- 
fchtd)t£forfd)er  fte  bei  feinen  Vorarbeiten  für  ft'd)  felbft 
nid)t  übergeben  barf*  Mein  in  ber  gefd)id)tlid)en  £)ar= 
jMung  mup  eS  fein  Beftreben  bleiben ,  allen  jenen  gro= 
fien  (£rfd)etnungen  bie  gefd)id)tlid)e  Bebeutung  ab§uge= 
Winnen,  manche  Cnnjelljeit  auSfdjetbenb,  bagegen  MeS 
t)eroorf)ebenb,  wa$  auf  ben  abgefonberten  ©ebieten  je^ 
ner  befonbern  2ßiffenfd)aften  in  ben  ^intergrunb  txxtt, 
ja  oft  ganj  übergangen  wirb*  @S  ift  meine  fefte 
Ueber^eugung,  baß  jeber  au£  ber  ©efd)id)te  ber  9flenfd)= 
J>ett  entnommene  «Stoff,  flehte  er  aud)  nod)  fo  frocfen 
unb  fpröbe,  ftd)  für  biefe  gefd)id)tlid)e  Betrachtung  unb 
£)arjMung  eignet  unb  fügt,  unb  bap  er  erft  burd)  fte 
feine  Dolle  Bebeutung  §u  erhalten  unb  ©egenftanb  ber 
©efd)id)te  §u  werben  beftimmt  ijh  £)er  Verfaffer  bie= 
feS  SÖSecfeö  ift  ftd>  nur  §u  febr  bewußt,  wie  weit  er 


XXIV 


23orret>e, 


hinter  tiefem  Sbeale  zurückgeblieben ,  allein  er  tyat  bep= 
f)alb  ntrf>t  weniger  eS  erffreben  §u  muffen  geglaubt  (gr 
ijl  überzeugt,  bap  beim  gortfdjritte  feiner  unb  ber  ägpp* 
ttffyen  §orfd)ung  überhaupt  ba$  Söerf  nid)t  weitläufiger, 
fonbern  füqer  werben  wirb»  ($6  fcfjien  je£t  nod)  notyig, 
9ftand)eS  ausführlich  $u  erörtern,  waö  ftd)  nad)  gel>n 
Sauren  vielleicht  fo  Don  felbft  tterfteht,  bap  man  »ergipt, 
eS  fei  einmal  notf)ig  gewefen,  eS  3U  beweifem 

3u  biefer  gefd)id)tlid)en  £)ar(Mung  rennen  wir 
nun  feineSwegS  baS  Verbergen  ber  Quellen  unb  ber 
reinen,  nacften  Sl)atfad)en»  Umgekehrt,  eS  ift,  unfe- 
rem  (£vad)ten  nad),  ber  glud)  ber  unlebenbigen  ge= 
fd>id)tlid>en  £)arjMung  vieler  teueren,  bap.  fte  bem 
gebilbeten  2efer  bie  2Cnfd)auung  ber  Quellen  t>erfd)liepen, 
unb  bie  thatfdd)lid)e  ©runblage  ber  ttnterfud)ung ,  auS 
Sßotntymfyeit  ober  Ungrünblid)feit,  gar  nicht  §ur  lin= 
fd)auung  bringen* 

2öir  haben  itnfrerfeitS  in  allen  Zfyeikn  biefer  Un= 
terfud)ung  eS  für  $Pflid)t  erachtet,  jeben  gebilbeten  £e- 
fer  §u  einer  2lnfd)auung  ber  Quellen  ber  gorfdjung  unb 
§u  einer  t>otlftdnbigen  tteberftd)t  ber  überlieferten  Zl)at= 
fachen  ohne  alle  3utf)aten  §u  führen*  Süperbem  geben 
wir,  als  2lnf)ang  beS  brttten  23anbeö,  für  bie  pf)ilo= 
logifc^en  £efer  ein  Urfunbenbud),  weld)eS  bie  Sejcte 
unferer  Gewährsmänner,  fo  weit  fte  nid)t  in  §ufam= 
men^dngenben  gefd)id)tlid)en  Derlen,  wie  $erobot  unb 
£)iobor,  enthalten  unb  jebem  §ugdnglid)  unb  geläufig 


SSorrebe. 


XXV 


ftnb,  urfunblid)  unb  frtttfcf)  »orlegt  Sn  bemfelben 
«Sinne  geben  wir  für  ben  2fegt)ptologen,  auf  ad)t  £a= 
fein  unb  wenigen  23ogen  (Irfldrung ,  im  2Cnf)ange  §u= 
fammengebrdngt  alleS  Styatfdcpdje,  wag  bie  f)ieroglt)^ 
ptyifdjfc  §orfd)ung  bis  jefct  über  bie  ©d>rtft  ber  2Tegt)pter 
unS  §u  liefern  im  ©tanbe  fcfyeint  dben  fo  ftnb  tyin= 
ftd)tlid)  ber  ©pradje  nid)t  allein  bie  mit  ©td)erf)eit 
gefunbenen  altdgpptifd)en  grammattfd)en  formen  im 
&ejcte  nad)  if)rem  inneren  3ufammenf)ange  überftd)tlid) 
bargeftellt,  fonbern  aud)  bie  urfunblid)  nachweisbaren 
Söur^eln  unb  Söorter  in  einem  2Cnl)ange  alpfyabetifd) 
georbnet  (Enbltd)  geben  bie  mt)tf)ologifd)en  Safein, 
in  SSerbinbung  mit  ber  DarjMung  be$  fedjflen  unb 
legten  2tt>fd)nitte6  biefeS  SBanbeS,  bie  tf)atfdd)lid)e  £)ar= 
legung  ber  ©otterfreife  ber  3Tegppter,  wie  bie  burd) 
G^ampoUionö  Gnttbecf  ung  erfd)loffenen  Dermaler  fie  jum 
erften  5D^ale  feit  bem  Untergange  ftegpptenS  unö  feigem 

Denjenigen,  welche  bie  Langel,  gel;ler  unb  3rr= 
tfjümer  biefeS  SöerFeS  §u  rügen  ftd>  berufen  füllen, 
fagen  wir  in  SBorauS  unfern  2)<tnJ>  bitten  fte  jebod) 
niä)t  $u  Dergeffen,  in  welchem  Sujianbe  wir  bie  dgpp= 
ttfdje  §orfd)ung  gefunbem 

SSSir  fd)lteßen  mit  innigem  Danfe  an  alle  bieje= 
nigen,  welche  un£  auf  bem  langen  unb  einfamen  Söege 
fjülfreid)  unb  freunblid)  bie  $anb  geboten*  Den  ba= 
fyin  gefd)iebenen  greunben  in  Stalten,  Sötlliam  ®ell 
unb  Sppolito  SRofeltini,  ift  unfere  Siebe  unb  @etynfucf)t 


XXVI 


Söorrebe. 


gefolgt :  ben  nod)  lebenben,  2ttej:anber  t>on  «£mmbolbt 
in  Berlin,  Setronne  unb  ßtyampollion  gigeac  in  $)ari$, 
Söilliam  Hamilton,  Soctor  $rid)arb,  SBilfinfon  unb 
Ferring  in  ßonbon,  t>or  allen  aber  unfern  fyülfretcfyen 
9ttitforfd)ern,  ben  eben  üon  9tteroe  nad)  Sieben  rücf- 
fetyrenben  greunben  £epftu3  unb  2Cbefen,  unb  (Samuel 
SMrcf)  am  brittifdjen  Sttufeum  (in  melcftem  ein  proper 
Sfjett  ber  brei  le£tm  2Cbfrf>nittc  be$  erften  23ud)eö  ge= 
fcfyrieben  ift),  fagen  wir  San!  mit  freubigen  2öün= 
fcfyem  Sic  groge  ©üte  unb  $reunblid)feit  ber  $or= 
jWjer  ber  !6niglid)en  2Mbliotl)ef  in  $Pari$  unb  bee> 
brittifcfyen  9)?ufeumö  in  Bonbon  nod)  auöbrücflid)  ^u 
rühmen,  wäre  unnötig  unb  anmapenb:  benn  ft'e  finb 
in  ber  ganzen  gebilbeten  Söelt  befannt  unb  banfbar 
anerfannt  9^od>  ganj  befonben?  aber  tyabe  id)  bie 
©üte  §u  erwähnen,  mit  welcher  $err  Sföorifc  (Sd)tt)ar£e, 
ber  SSerfaflfer  beS  gelehrten  Söerfeö  über  2(egt)pten,  je|t 
3)rofeffor  ber  fopttfdjen  (Sprache  unb  Literatur  in  Berlin, 
ntd)t  allein,  bei  meiner  Entfernung  Dom  Srucforte,  bie 
Otoifton  beö  £)ruc£ee>  ber  beibm  legten  2tt>fd)nitte  be£ 
erften  33ud)e6  übernommen,  fonbern  aud)  meine  3u= 
fammenftellung  ber  dgpptifd)en  SBur^eln  mit  einer  grfinb= 
liefen  S5ergleid)itng  ber  foptifdjen  formen  unb  einer 
furzen  SarfMung  beS  lopttfcfyen  2llpl;abetö  bereichert 

Sonbon,  14*  (September  1844. 


beS    erflen    SJ  u  $  e 


(Seite, 

Einleitung   1  —  24 

Chrfiet  2Cbfd&nttt.  2Me  gefcf)ttf)tlid)e  Ue* 
berlieferung  unb  gotfd)ung  ber  2(egt)pter         25 — 136 

A.  Q5efd)affenf)ett  unb  Hilter  ber  ägnptifd)en  Ue* 
berlieferung  unb  ber  fyetltgen  35üd)er  tnöbe* 
fonbere   25 

I.  Sie  beiben  Duellen,  3af)rbud)er  unb  £te* 

ber,  nad>  ben  ©ried)en   25 

II.  £)aö  2Jlter  ber  ©ebrift  bei  ben  ?legt)ptern  29 

III.  2llter  unb  gefd)td)tltd)er  ©efyalt  ber  fyilfr 

gen  Q5üd)er  ber  2legppter   34 

l.SMe  aroei  23üd)er  be$  (Sängers  ...  35 

2.  £)ic  4  afironomtfebett  ^Süd)cr  be$  £o* 
roffopen   36 

3.  £ie  10  23üd)er  bc££terogratnmaten  ,  .  38 

4.  £ie  10  gotte6btcnfUid)en  Q5üd)er  beö 
(gtolttfen   42 

5.  Sie  10  *5üd)er  beS  *J)ropf)eten  ...  44 
6. 2Be(tgefd)id)tlid)e  (Stellung  ber  f>etl. 

Q5üd)er   48 

IV.  Sobtenbud),  ein  erhaltenes  ©tücf  ber 
heiligen  33üd)er   52 


XXVIII 


(Seite* 

V.  rntcv  ber  erhaltenen  gleid)?eitigen  ®enb 
maier  u.  gefd)id)tltd)en  Urfunben    ...  58 

B.  £>ie  dn*onologifd)en  Urfunben  auö  ber  erften 

Seit  beö  neuen  <}Jf)araonenreid)ö   02 

I.  £)ic  2uthmoft'6tafel  ober  bie  5t6ntgörei^e 

pon  ftarnaf   62 

II.  £)ie  SKameffeötafel  ober  bie  Ä6ntgörctr>c 

pon  2lbpbo6   74 

III.  £)er  ftonigöpappruS   82 

C.  9}?anetf)0  ber  (gebennpt  unb  feine  9}ad)folger  88 
I.  9Wanetf)0'6  ^)erf6nltd)feit   88 

II.  Sftanetho  ber  Sbeolog   91 

III.  39i<tnetl)0  ber  @efd)id)tfd)reiber  unb  fein 
2Berf   99 

IV.  £)ie  manetf)omfd)e  Chronologie  ber  Urjett  102 

V.  5föanetl)o'6  bretfng  CDpnaflxecn    ....  107 

VI.  £)ic  Seitbauer  pon  9)?ene$  bi$  ?Ueranber 

nad)  9??anetf)o  119 

VII.  9^nnetl)o'ß  ^nd)fo!gcr:  <ptolemuuS,  2lpion, 

Gharemon,  £erat'6fug  125 

@d)lujj.  Sufammenfafjung  132 

3  weit  er  2£bfd)nitt  £)ie  gorfcfyung  ber 
©rieben  über  bie  ä^pttfcfye  3ettrec^- 
mmg   137  —  200 

(Einleitung.  25te  altefte  Ucberlieferung.  £o-- 
mer6  unb  ber  (Späteren  2f)on  (Shoniä)  unb 
Proteus.  Sie  3oner  bei  ben  2Jeg«ptern  ...  137 

£  r  |U  ö  £  a  u  p  t  ü  cf.  £erobot   141 

1.  £erobot£  (Stellung  ju  feinen  unmittelbaren 
Vorgängern  unb  9?ad)folgern  141 

2.  jperobotö  agoptifd)e  Zeittafel  por  ben  tyfam- 
metid)en  143 

3.  £erobotö  Beitredwung  pon  *Pfammetid)6 
£f)ronbefteigung  an  145 

4.  Vorläufige  ftritif  ber  3eitred)nung  ...  145 
3roeite$  £aupt(lucr\  2lrijtotele$  @d)Ule.  — 

£)ie  Slleranbriner  unb  ihre  Bettgcnoffcn  ...  148 
1.  Slritfoteleö,  Sheophrafi,  £)tcäard)  ....  148 


3nf)aft6per$eid)nif?.  xxix 

(Seite. 

2.  £>ic  Aferanbriner.   Allgemeiner  (ZfyavaHcv  151 

3.  jpefatauS  t)on  Abbera  —  £pnceu$  ber  (Sa* 
mter  — tarnen  beim  @d)0lia|fen  be$  Apollo* 
niuS  —  Gaftor  —  SITc^anber  Cpo(pf?tilor  unb 

feine  ©eroäf)r6männer  154 

drittes  £auptftücf,  (Eratojt{)ene$unbApol* 
loboruö   155 

1.  ©er  Q3erid)t  beö  (gpncelluS  ubcr(Erato|u)es 

neö  unb  Apollobors  ägpptifd)e  flönigSliften  155 

2.  (EratoftbeneS  unb  bie  55ebeutung  feines 
gorfebens  158 

3.  Apolloboruö  ber  @f)ronograpf)  161 

4.  <£ratofn)ene$  £itfe  oon  38  agnptifd)cn  £5* 
nigen,  t)erglid)en  mit  ben  manetf)onifd)en 
£>pnaftien  163 

5.  Allgemeine  Anbeutung  beö  33erf)ältni(fe6  t)on 
(Sratoftyeneß  su  Sftanetbo  166 

6.  ©efd)id)t(id)e$  (Ergebnifj  ber£tffenpon  (Era* 
tojtyeneS  unb  ApoUoboruS  171 

Söierteö  £auptfru  ct\  £)iobor  t>on  (gicilien  176 

1.  £)iobor:  feine  ©pnafh'een  unb  @f)ronologie 

in  ber  oorgefd)id)tlid)en  Beit   176 

2.  £)iobor$  3?itred)nung  t)on  SföeneS  biö 
Aleranber   181 

3.  Ueberftdn  ber  bioborifd)en  ÄonigSliften    .  183 

4.  groei  befonbere£iften:  bie  (Erbauer  berbrei 
großen  ^pramiben  unb  bie  ©efeßgeber  .  .  187 

@d)lufi*  £)ie  gried)ifd)e  5orfd)ung  unb  bie 
SKömer   190 

dritter  2Cbfc&nttt  £)ie  Ueberlteferung 
unb  gorfdjung  ber  Suben  unb  bie  gors 
fcfyung  ber  cf)rijftttf)en  SSotfer  über  bie 
Seiten  ber  #egt)pter   201  —  304 

(Einleitung.  SBenbepunfte.  23erf)ältmf}  ber 
Offenbarung  aur  3ntred)nung   201 


XXX 


©eite. 

grfteS  a u p t fl ü cf ♦  Sie  biblifdK  Ueberliefe; 
rung  unb  gorfd)ung  über  bie  B«t  t)om  £em* 
pelbaue  bis  $ur  (Etntpanberung  in  Aegypten, 
ober  pon  ©atomo  bis  3ofepb   209 

A.  £auer  beS  Zeitraumes  pon  (Salomo  bis 
9fftofeS  209 

B.  Sauer  beS  SeitraumeS  pon  9??ofeö  bis  3ofepI) 
ober  Sauer  beS  2Jufentf)aiteS  ber  Ätnber  3S= 

rael  in  2fegppten  214 

C.  Sie  Ursctt  in  Äanaon  unb  S^afbÄa  ...  223 

StPeiteS  £auptfiücr\  Sie Sorfd)ungbeS9ttor* 
genlanbeS  über  bie  agpptifd)en  Seiten   ...  227 

A.  ü)ic  jübifd)e  gorfd)ung   227 

Sie  (giebenjig  227 

3ofepl)uS  unb  fein  d)rono(ogifd)eS 
©pftem  229 

B.  Sie  apotfolifd)e  Q3enu$ung  ber  Zeitangaben 
unb  bie  §orfd)ung  ber  morgen(änbifd)en  §.iv- 

d)e  in  ben  Tätern  beS  feiten  StoMunbertS  238 

Ser  2ipojW  $au(us   239 

Oufitnuö  5D?artpr  unb  XatianuS  ....  240 

GfemenS  pon  2Jleranbrien   240 

C.  Sie  Herausgeber  ber  manetf)omfd)en  £iften 
unter  ben  Tätern   245 

3uliuS  SlfrtcanuS  unb  fein  d)ronologifd)eS 

©pjlcm   245 

SufebiuS   251 

D.  Sie  bp$antintfd)en  §orfd)er   253 

S&cop&UuS   253 

tyanoborus  unb  2fntanuS   253 

©eorgiuS  ber  ©pncelluS   254 

E.  SaS  2ßerf  beS  falfd)en  9ttanetf>o  Pom 
£unbsflern   256 

F.  Sie  fogenannte  alte  ägpptifd)e  dijronif  .  •  260 

G.  Sie  SönigSlitfen  beS  Ungenannten  ....  263 

H.  Ser  (gpncellus  in  23ergletd)  mit  SufebtuS 
unb  ben  fpäteren  Q3pjanttnern.  9)?alala$,  @e- 
brenuS,  Sie  Dtferdjronif   274 


3n()alt6t>er$eid)ni§.  xxxi 

(Seite* 

Drittes  #auptjtü<f.    Die  gorfdjung  beö 
SlbenblanbeS  über  tue  Seiten  ber  2Jegppter.  .  278 

A.  Die  gorfd)ung  ber  clafftfd)en  Biologie  •  •  278 

Sofepb  <Scaliger   279 

Sflarftam   281 

$eri3ont'uö   283 

£epne  unb  feine  ©d)ule.  beeren, 

Soega   286 

Die  (Sinologen  unb  Onbologen  ....  288 

Wdmb  unb  SKaSf   291 

B.  Die  gorfd)ung  ber  Siegpptologen  ....  292 

C^ampoüion   292 

£orb  qjrubfjoe  —  gelir  -  SCBilfinfon  .   .  297 

SKofcttini  .   299 

©d>uitj.   Uebergang  ju  ben  Anfangen    ...  303 

SSterter  2Cbfd&nttt   &te  ©prad)&tlbung 

ber  #egt)pter   305  —  362 

Einleitung.   Die  allgemeine  ^atur  ber  2ln* 

fange   305 

<£ rfteS  £auptftü cf.  ©efd)td)te,  (gtanbpuntt 

unb  9fteti)obe  ber  gorfdjung  über  bie  ©pradje 

ber  2legppter   310 

BroeiteS  £aupt|tücr\   Die  ägppttfd)e  £aut* 

unb  SBortbübung   322 

©ritt es  #auptflücr\  Die  gornten*  u.SBort-- 

lefore  ber  ägppttfd)en  ©prad)e   337 

Einleitung.    Q5egriff  ber  gormroörter  unb 

gormen  337 

A.  ^erfonlid)feitSbe3eid)nung   beS  Kennworts 
(perfönf.  gürroörter)  339 

B.  SKäumlid)feitsbe$eid)nung    beS  9tennroortS 
(Sfrtifel  —  Demontfrattoe  —  SKelatipe)  .  .  340 

C.  *})erf6nlid)e  Q3eiroörter  CPoffcfftopron.)    .  .  341 

D.  3al)ltt)6rter  343 

E.  Die  Slbroanblung  ber  9}enn*  unb  55eiro6rter  346 

F.  Die  2lbroanblung  beS  (gageroorteö  ....  349 

G.  Die  s£erf>altni&rü6rter  (tyräpofttionen)    .   .  355 

H.  Die  Q5efh'mmungSroörter  (2lbt>erbien)  ...  359 
L  ©afebefhmmungSroörter  (Gonjunctionen)  .  .  361 
K.  2utSrufung$n>örter  Gnterjectionen)    ...  362 


XXXII 


©ette. 

gfinfter2Cbfd>nttfc  ®te.©d&rtftbftbimg 
ber  2(e$t)pter   363—422 

(Einleitung   363 

@rfte$  £auptjtuct\  ©efd)td)teber@ntbecfung 
ber  ägppttfd)en  @d)rift  unb  (Erflärung  ber 
2)arffetlung  bei  (Siemens  pon  2Jleranbrta  .  .  367 

A.  £)ie  (Entbecfung  be£  £)enfmal$  unb  baö  große 
ägpptifd)e  SBerf  '  .   .  367 

B.  (Erfter  @d)ritt:  bie  ftöntgSnamen  unb  ba$ 
end)ortfd)e  2Jlpf)abet,  ©ploefler  be  (gacp, 
Slcferblab  370 

C.  gortfd)ritt  in  ber  end)ortfd)en  ©d)rift  unb 
9?ad)roctfung  pbonetifd)er/;>teroglppfKn.  So- 
rnas 9)oung  375 

D.  £>a6  &icro.qlpp&tfd)c  Sllpfyabet:  Ctyatnpollion 

ber  jüngere  382 

E.  @l)ampoUion6  wettere  gorfd)ung  unb  ©d)ule* 
SKofellini.  (Saloolint.  £epftu6.  £eemanö .  .  388 

F.  2)ie  2)arftellung  beö  Clement  »on2Jleranbrten  393 
Sroetteö  £auptflucr\  £>teägpptifd)en(gd)rtft'' 

aeid)en   403 

3bee  einer  gefd)td)t(id>en  ©artfellung  beS  gc-- 

fammten  l)teroglppf)tfd)en  @d)riftfptfem$  .  403 
Ueberftd)t  aller  i)ieroglppl)ifd)en  3eid)en    .  .  .  419 

©elfter  2Cbfd&nttt.  2Me  ©otterbtlbung 

ber  2£egt>pter   423  —  516 

Einleitung,  £)ie  bret  ©ötterfretfc  ....  423 
(Erfteö  £auptftucf.  SDfe  ad)t  ©otter  ber  er* 

flcn  Drtmung   436 

I.  AMN,  simmon   436  ; 

IL  Khem,  ber  @ott  pon  <£f)emmi$  (*}Janopoli$)  440 

III.  NUM,  Äncpb/  Gfuiubiö  442 

IV.  a.  AMNT ,  Pimente  445 

IV.  b.  MUT,  bie  ©Sttermutter,  £f)emö  ©e-- 

ma&ltn  445 

V.  a.  ANK,  2(nufe  (pgU  JDnfa),  Änepbö  ®e* 

noffin   445 

V.  b.  STI,  ©atc,  bie  grofd)f 6p ji'ge  ...  445 

VI.  PTH,  *PMa,  SpepWM  CPatäfe)     .  .  450 
VII.  NT,  9iettfo,  2W)ena   453 


jnfjaltSoerjetcbniij. 


XXXIII 


(Seite 

vm.  Ra,  qjfjra,  Jpelioö   455 

Ueberftd>t  ber  bisherigen  gorfdwng  ....  456 
3  weite  6  Jpnuptfrücf.    CDic  jroolf  ©ottfyeiten 

ber  aroetten  JDrbnung   460 

A.  I.  ©aö^mmongftnb:  KHUNSU,  GfjonS,  £e* 

rafleö   460 

B.  II.  «Daö  £nepf)finb:  TET,  Tet,2&ot&,  £er* 

me$   462 

C.  £)ie  qJtaf)ftnoer   465 

III.  ATW1U,  fltumu    465 

IV.  PCHT,  <ped)t,  bi'c  ©ottin  oon  «ubafh'S  468 

Imatep,  Innith,    2f6flepio6   469 

D.  £)ie  JpelioSfinber   470 

V.  HET  HER,  2W)pr,  2Ipl)robite    ...  470 
2lpf)rot)ite   470 

VI.  Maü   472 

VII  Ma   473 

VIII.  TEFNU   474 

IX.  MNTU,  2#anbuli$   474 

X.  SEBAK,  (geoef   475 

XI.  SEB ,  Sronoö   476 

XII.  NU  ITE,  di\)ca   476 

2lnf)ang:   2tnbere  ©ötternatnen  be6  feiten 

Ärcifeö   478 

©rittet  £auptftu  cf.    SDte  britte  ©6tterorb-- 

nung,  ober  bie  Dftri^©ottf)eiten   483 

Einleitung   483 

A.  £)te  große  ©ottin   489 

I.  HS,  3fiS   489 

II.  NBTHI,  Wepf)tbpö   492 

B.  ©er  gro&e  ©Ott   494 

L  Ösiris   494 

II.  Set  —  Nubi  -  2npf)0n   496 

Anfang:  Ofiriö  als  ©ott  ber  Unterwelt  unb 

bie  oier  ©enien  ber  Unterwelt    ...  501 

C.  ©er  ©ofen  ber  großen  ©ötter   505 

I.  Harpocrates  unb  Horus   505 

1.  Harpocrates   505 

2.  Horus  Arueris   506 

IL  Anupu,  2lnubi$   507 

T  *** 


XXXIV 


(geitc 

D.  «Borlouftoe  Ueberfid)t  ber  Elemente  be$  Oft* 

riöniDt^uö  508 

SlUgcmcinc  Ueberfid)t  unt>  <5d)lufi  511 

2Cnfyang  I.  9lad)trda,lid)e  SSemerfungen 
über  ba$  ^optifd^e  unb  befien  SSerT^dltntg 
$u  bem  2(ltaqt)ptifd)en   517  —  645 

A.  93crg(ctd)cnt>e  Ueberftd)t  be$  foptifd)en  2(1= 
pfyabeteS,  t>on  @d)tt)arße  520 

B.  23etrad)tung  be$  foptifd)en  2([pf>abctcö  in 
feiner  (£ntroicfefung  unb  in  feinem  2}erf)alt-' 

niffe  ju  bem  flltä<i»pttfd)en,  Don  bemfelben  .  550 

C.  Surücffufrrung  ber  altag»ptifd)en  2B5rter  auf 

bie  entfpredjenben  foptifd)en  557 

D.  3ufä$e  $ü  bem  23ergleid)e  berägt)ptifd)en  unb 

f  optifd)cn  i'aute  unb  SBortletyre,  t)on  @d)tt)nr(je  «08 

2(nl)ang  II.  (Srttdruncj ber vfneroQtypfyen-- 
Safein  (I  — VIII.)   646  —  694 

A.  460  £)ingbi(ber  (Safel  I-IV.)   647 

B.  Seutbilber  (Sofcl  V.)   665 

C.  £autbilber  (Safel  VI.  vil.)   672 

D.  9}?ifd)biiber  (Safel  VIII.)   686 

mhm  ßöo 


tt  e  b  rt  f  i  $t 

ber 

ju  bem  erflen  S3ud&e  gehörigen  SEafelm 


£)em  Titelblatt  gegenüber:  £5te  grofe  @pt)inr. 
£)en  £)ifti$en  auf  SRiebufyr  gegenüber:  SKtebufjr. 

A.  £terogl9pf)t fcfye  Tafeln  (I— VIII.). 
Tafel      I.  ©ingbilber   1  —  120. 

II.        >       121  —  240. 

III.  *       241  —  360. 

IV.  *       361  —  460. 
V.  £eutbtlber  (1-120% 

5      VI.  ßautbilber  (bis  &ur  XIX.  Stynaftte)* 

s     VII.       s       (neuere,  von  ber  XX.  ©*)n.  an), 

*    VIII.  Sföifcfybtlber,  3af)laei$en,  Schriftprobe» 

B.  s^tljologtfche  Tafeln  (IX-XIV.)- 
Tafel  I.  II.  Sie  12  ©otttyeiten  bes  erjten  JtreifeS  (a): 

Amen  —  Khem  —  Nura  —  Ament  —  Mut  —  Anek 
Khunsu  —  Tet  —  Atumu  —  Pecht  —  Hether  —  Mau. 

Tafel  III.  IV.   Sie  ©ottfjeiten  beg  fetten  ÄreifeS  (b): 
Hekt  —  Seti  —  Pteh  (bis)  —  Net  —  Ra 
Ma  —  Tefnu  —  Muntu  —  Sebak  —  Seb  —  Nutpe. 

Tafel  V.  Vi.  Sie  ©Odetten  beS  brttten  ÄreifeS  (c)  unb  bie  vier 
Tobtengenien : 

Hes  —  Nebthi  —  Hesiri  (bis)  —  Set  —  Her 
Her  uer  —  Anupu  —  Her  pe  chruti 
Kheb-senuf  —  Siu-mutef  —  Hapi  —  Amset. 


£)rucf  fehler  =  Se  t  j  e  t  $  n  t  ß 
jum  erjf  en  S3ud)e. 


370.  3.  7      u.  gorföeng  I.  gorf^erS. 

371.  *    8».  o,  elfteren  U  erftetn 

379.  9?0te  206,  3.  5,  may  me  l.  may  be. 

381.  3.  10  o.  o.  Gbjnefen  l.  ©inefen. 

385.  s  17  *   s  dnneftfcben  l.  ftneftfdjen* 

391.  s    1  ,    ;  13  l.  15. 

392.  *    3  ;   ;  romifcben  I«  fpdteren. 

393.  *    3  *   ;  breijefm  I.  funfjefjn. 
407.  ;  10  t>.  u.  uub  t.  unb, 

412.  *  10     o.  ber  l.  betu 

648.  n.  17,  2.  %et  l  s.Zet. 

*  n.  22,  3.  füge  fjtnp :  L.  T.  XXIH,  63,  3. 

s  n.  26,  2.  ber  Sagb  pflegen  I.  fpielen,  (Spiel  treiben. 

*  n.27,2.  ftreiten  l.  fcbrecfen.  3.  fügebin*u:  P.  Ath.  XVII,  k. 
1.  15. 

n.  30,  2.  ftretten  l.  fcbrecfen. 

649.  n.  46,  2.  Äbem,  füge  binfcu :  (L.  T.  Einl.  uta.  Ch.  Harsaphes). 

*  n.  49,  1.  @ott  t.  SStlb. 

652.  n.  109,  1.  mit  het  unb  te^er  1.  mit  le^er. 

654.  n.  171,  2  ahn  (?)  l.  teb  (Ch.abu).    33ei  3.  füge  bin&u: 
Arch.  XIX,  14. 

655.  n.  199,  2  I.  Hesiri. 

658.  n.  297,  2.  ma^a  l.  map. 

659.  n.  331,  2.  %et  U  s.jfet. 

s  n.  337,  3.  füge  binju:  M.  C.  If,  54. 

661.  n.  374,  2.  fi  i.  tami  (Ch .  fi;.   3.  füge  bin^u :  P.  A.  264. 
Sgl.  L.  T.  XLVII,  17.  21. 

662.  n.  415,  1.  Unbef.  I.  (Stuhlbeine. 

663.  n.  431,  2  füge  bjnfcu:  „ber  £err  ber  äöelt"  (Pe-neb-ti). 
s  n.  437,  2.    s       s      beffcr  se%,  einfdjliefjen. 

s  n.  437,  3.    s  P.  Äthan.  L.  T.  VII,  k.  1.  16. 

666.  n.  15,  2.  «Kamen  unb  ©ig.  I.  tarnen,  Sßürben  unb  (Sig. 

667.  n.  18,  3.  füge  binju :  M.  d.  C.  XXIX,  3. 
s  n.  23,  2.  ftreidje  bie  Sßorte:  bauen  (atn). 

*  n.  25,  2.  füge  bjnju:  burcbbobren  (ter). 

*  n.  25,  3.  f  s  Pyramidion  Magaz.  Louvre. 
s  n.  32,  2.  3.  2.  rr  (Süngltng)  U  %er  (Süngltng). 

668.  n.43,2.  etnbatfamiren,  ßeidje  l.  ßetdje  (jaat)  einbalfamircn, 

*  n.  44,  3.  Salv.  6.  I.  Salv.  G. 

669.  n.  69,  2.  tiap  l.  terp. 

*  d.  72,  2.  ©lan&  (maüi)  l.  geber. 

*  n.  81,  1.  3.  2.  ap  t.  arp.    3.  füge  f)in&U  :  Sh.  42,  2. 
671.  n.  103,  2.  füge  binju :  ark,  binben. 

=     s    3.    f       >       B.  Exc.  h.  XXXIII. 

>  n.  111,  3.  ßambrtbge  U  Dublin, 

*  n.  112,  2,  füge  funju:  teb,  Soften. 

-  *     ?    3.    *       *      M.  C.  CXXXV1II,  1. 


Einleitung* 


*\5nbem  wir  e£  unternehmen,  #egtwtenS  ©teile  in  ber  2Belk 
gefliehte  auftufuchen,  beginnen  wir  einen  langen  unb  fd)we; 
ren  2Beg  $u  einem  fernen  unb  ^ot)en  Stete.  SBeld&eS  bie 
©<f)wierigfeiten  jenes  SöegcS  feien ,  unb  bie  Wittd  unb  33e; 
bingungen  ihrer  ßöfung,  unb  wie  biefeS  3(<#  ein  höchf!  we; 
fenhafteS,  aber  nur  auf  jenem  müfyfamen  2Bege  erreichbares 
fei,  foll  ba§  erfte  unferer  &3üd)er  t>erfud)en  ben  £efern  biefe£ 
SBerFeS  anftfjaulich  machen, 

SBir  betrauten  alfo  511er  jt  bie  Aufgabe  felbjt  in  ihrer 
ganzen  ©roge,  eben  fowohl  um  ben  ßefern  SSlutf)  jur  eigenen 
gorfchung  unb  ^Betrachtung  ju  erregen,  al§  um  für  un3  felbf! 
Shcilnahme  unb  9la<fy\i<fyt  p  gewinnen,  wenn  ee>  erfannt 
wirb,  baß  wir©rogere3,  als  unfere  Gräfte  erlauben,  nur  befc 
wegen  angehebt,  weil  baS,  waS  wir  fud)en,  bei  bem  gegen; 
wärttgen  ©tanbe  ber  dgpptifchen  2Btffenf<f)aft ,  nur  in  einer 
SSerbinbung  t>erfd)iebenarttger  Unterfuchungen  gefunben  wer; 
ben  fann, 

2legt)pten3  ©teile  in  ber  2öeltgefd)tcl)te,  wenn  fte  befiimm; 
bar  ijr,  muß  offenbar  jitöorberjl  ber  3eit  nach  gefunben  wer; 
ben  fonnen:  bann  aber -ber  inneren  SBebeutung  nach.  £)a3 
1.  1 


2 


ftnb  bie  ^wct  cinanber  bebingenben  Sjcavptfytik ,  wie  unferS 
ganzen  SBerfeS,  fo  auch  biefeS  etnleitenben  33ucheS.  £)te  S3e^ 
grünbung  bes>  ^weiten  liegt  im  erpen :  aber  ber  zweite  tjt 
3tet  unb  £obn  alles  SBorfeergehenben. 

3m  erjfen  v£)aupttheile  alfo  haben  wir  zu  oerfuchen,  bie 
3eitrechnung  be$  dltejta  £)enfmalool?e$>  ber  Gürbe  barjujtellen, 
oonSlfteneS  bis  2lleranber,  in  einem  3eitraume  oon  minbeftcnS 
bret  Sabrtaufenben.  (53  tft  ba3  erjtemal,  fett  SO^anet^o  unb 
(Sratojtheneö,  baß  btefe  £cr|Mung  im  Siebte  ber  £)enfmdler  unb 
Zum  Steile  felbftbcrjentgenitrfrmben  unternommen  wirb,  welche 
jene  gorfcher  t>or  ftd)  Ratten.  2öir  bürfen  auef)  nid)t  oerfebwet^ 
gen,  baß  wir  biefe  ^erfMung  an  ber  £anb  tton  £)enfrnd= 
(ent  unternehmen,  bereu  (Schrift  erft  in  unfern  Sagen,  nicht 
ofenc  t>tetfad>e  33ejfrcttuncj  unb  fortbauernbe  Anzweiflung,  wte^ 
ber  entbeeft  woroen,  unb  auf  ben  ©runb  alter  ßonigSliflen 
unb  Ueberlieferungen,  bereu  Verwirrung,  tro£  ber  %xbtittn 
jener  großen  gorfcfycr  bc3  2Cltertf)um§ ,  ©riechen  unb  Horner 
balb  nachher,  alfo  oor  mehr  ale>  jwcttaufenb  Saferen,  beflagg 
ten.  dbm  fo  wenig  enblid)  -jMen  wir  in  Abrcbe,  baß  bie 
feitbem  oon  ben  teueren  gemalten  SSerfucfee,  jene  SSerwir* 
rung  51t  löfen,  eine  folcfye  Älage  nur  zu  fefer  zu  rechtfertigen 
fdjetnen. 

SQStr  ftnb  jeboeb  feft  überzeugt,  baß  e3  unferer  3eit/  »ntt 
bem  Sickte  ber  f)ieroglv>pf)ifrf)en  2Btfifenfd)aft  unb  mit  ben 
£ülf§mitteln  ber  neuen  gefcf)icbtltcben  gorfcfmng,  felbft  nach 
bem  großen  (Schiffbruche  ber  Urfunben  ber  alten  SBelt,  ge^ 
lingen  fann  unb  wirb,  ben  oerwirrten  jtnduel  ber  dgtwtifchen 
3eitrechnung  zu  entwirren  unb  ben  aufgefunbenen  gaben  ber 
weltgefcbichtlichen  3eitretf)nung  für  immer  um  bie  (Scheitel 
unzerstörbarer  unb  nicht  mehr  oerfchloffener  9)m*amtben  zu 
fchlingcn. 


(Einleitung. 


3 


2lber  gefefct,  bieg  gelange,  fo  i|t  bamtt  nur  ber  allere 
bingS  fcr)tr>ierig|re  unb  langroierigfre  Ztyil  be3  d)ronologtfcr)cn 
2Öege5  ^urücfgelegt,  aber  feineeroegS  jene  erfre  Aufgabe,  bie 
£3efttmmung  ber  (Stelle  2legt)pten6  in  ber  3ett,  geloff.  dine 
dgpptifche  3eitreif)e  oon  breigtg  ober  mehr  Sahrrmnberten 
fann  ntcr)t  eine  weltgefd)id)tlid)e  2£nerfennung  forbern,  ohne 
eine  n?eltgefd)icrjtlicr)e  Prüfung  burchgegangen  $u  fein.  3u 
bem  S^ecfe  werben  mir  ^uerft  jenen  gaben  unten  an  bem 
roeltgef#irf)tlid)en  $>unft  ber  ©rünbung  beS  macebonifchen 
SßeltreicheS  befeftigen,  unb  if)n  von  ba  ungebrochen  aufwärts 
ju  Riehen  fudjen,  bei  ben  2Benoepun!ten  in  ber  ©efct)id)te  ber; 
jenigen  SSolfer  vorbei,  mit  welchen  2£egpptenS  ©efchicfjte  in 
SSerbinbung  fteht.  Suerjf  alfo  burct)  bie  Seiten  ber  perftfcr)en 
unb  babplonifchen  vf)errfd)aft,  bie  beibe  uns?  burrf)  aftronomi= 
fd)e  unb  l)i(rorifd)e  (Bewahr  feftjrehen:  bann  über  bie  ©ran; 
$en  ber  gried)ifcr)en  3eitred)nung ,  bie  Dlpmpiaben ,  unb  über 
bie  ©chwelle  ber  jübifcfyen,  bie  falomonifche  Sempelweihe. 
SenfeitS  biefeS  fünftes  haben  wir  nirgenbS  mehr  Rammen; 
hdngenbe  3ahrsdf)lung,  fonbern  nur  einzelne  unb  großenteils 
etnanber  rotberfprect)enbe  Settbejrimmungen ,  bie  alfo  mehr 
einer  ^Bewahrung  unb  SBefrdtigung  beburfen,  als  ftc  um>  ge; 
wahren  fönnen.  2lber  roir  bttrfen  begwegen  bodj  nicht 
flehen  bleiben,  fonbern  müffen  jenen  gaben  bei  ben  Anfangen 
ber  affprtfchen  $errfchaft  unb  bei  ber  erhabenen  ©effalt  be§ 
i^raelitifchen  ©efe^geberS  vorbeiführen,  um  julefct,  burch 
fcheinbar  obe  Sahrhunberte  vermeintlicher  Anfange  bermenfcf); 
liehen  ©eftttung  hinburcr),  §u  bem  2lat$>gange>punfte  aller 
dgpptifchen  3^itrechnung ,  ber  ©rünbung  etnea  Meiches  von 
£)ber;  unb  Unterdgppten  burch  9#ene3,  gelangen. 

Der  zweite  &heil  unferer  chronologtfehen  Unterfuchung 
roirb  alfo  bie  weltgefchichtliche  Bewahrung  unb  Erläuterung 

1* 


4 


@rjic$  «Such. 


ber  rein  dgmptifchen  $orfcr)ung  fein.  (£$  wirb  unS  Sterbet  nicht 
genügen  bürfen,  bar^utl)un,  bag  bie  übrigen  fterfireuren  3?efte 
dlteffer  3ettrec^nung  unb  gefcbichtlicher  Ueberlieferung  jener 
dgt)ptifrf>en  3eitfolge  ntd)t  wiberfprechen.  3ff  tiefe  würflich 
bie  richtige,  fo  muffen  ntd>t  allein  bie  auS  ben  bisherigen  ©r^ 
(lernen  unS  entgegentretenben  fcheinbaren  2Biberfprücr)e  ftd> 
lofen ,  fonbern  eS  mufj  aud)  bie  gan^e  SBobenloftgFeit  unb  in^ 
nere  £altloftgfeit  jener  Annahmen  ftet)  buret)  bie  aufgefunbenc 
SöaWeit  oon  felbf!  an'S  Sicht  jletten.  ßünfrlich  üerf (etfterte 
9fifje  unb  £ücfen  werben  ftcr)  geigen  unb  ausfüllen,  unb  mer> 
rere  jerjrreute  ober  füngier)  jerrtffene  Steile  ber  3ßeftgefd)idjte, 
gleichfam  rote  üerrenfte  ©lieber  cineS  organifdjen  ÄorperS, 
ftd),  bei  v^erfrellung  beS  natürlichen  3ufammenhangcS,  oon 
felbfl  lieber  in  ihre  ©teile  einfügen,  unb  gegenfettig  bap 
beitragen,  ber  alten  2Beltgefcr)icf)te  eine  lange  entzogene  SebenS^ 
fraft  wieber^ugeben. 

hiermit  haben  wir  bie  %mi  2£btheilungen  unfereS  cf)ro= 
nologifchen  SBegeS  bezeichnet:  bie  dgt)ptifcf)e  3eifrecr)nung  für 
ftd),  in  bem  alten,  mittleren  unb  neuen  9?etd)e;  unb  bann  bie 
©leich^eitigfeitcn  ber  dlteften  $6lfergefd)tchte ,  welche  in  bie 
dgpptifchc  SRcthe  eingefügt  werben  muffen.  Sene  gwfchung 
geht  oon  SfteneS  bis  2tteranber  herab,  biefe  oon  2(leranber 
bis  $u  9fteneS  hinauf.  Sene  ift  bie  Rechnung,  biefe  bie  ?)robe. 

2(ber  bamit  ift  bie  Jorfchung  noch  nid)t  ^um  Stele  ge^ 
langt.  MerbingS  barf  fte  hoffen,  auf  jenem  SBege  bie  ©teile 
2(egtwtenS  in  ber  3ßeltgefchicr)te  ber  Seit  nach  $u  befh'mmen: 
unb  bie  3^tt  tfl  bie  S5ebingung  aller  gefährlichen  (£ntwt<flung. 
2Tucr)  Fann  ber  unbebingte  2Bertf)  einer  fefren  3eitrecr)nung  in 
ber  alten  SSolfergefchichte  nicht  leicht  ^u  hoch  angefchlagen 
werben.  £)enn  je  mehr  wir  unS  ben  Anfangen  ber  ©efchichte 
unfereS  ©efchlechtS  nähern,  unb  je  groger  bie  3eitrdume  wer^ 


Einleitung» 


5 


ben,  um  beten  geffffettung  e£  ftch  hanbelt,  beffo  bebeutenber 
wirb  jene  äußerliche  33efrtmmung,  beffo  mehr  gewinnt  fte  zU 
wa3  oon  bem  Sßefen  einer  innerlichen.  Sn  ben  (ritten  SRdu^ 
men  ber  dlteffen  Vergangenheit,  in  jenen  3eitaltem,  beren 
%t)\in  unb  treiben  langff  verzollen  iff,  in  benen  felbff  große 
^erfonltchfetten ,  bie  ©lan^punfte  ber  Ueberlieferung  unb  ber 
menfchltche  £ebel  aller  ©efebtehte,  böchjfenS  noch  buret)  eaS 
3eugniß  il>reö  üftamenS  unb  bie  Wlafyt  ihrer  SBürfung  auf 
Mitwelt  unb  Fachwelt  ftch  funb  geben,  entfeheibet  bie  3eife 
(rimmung,  oft  bejahenb,  voeit  bduftger  noch  verneinenb,  über 
bie  legten  fragen,  welche  wir  an  bie  Urzeit  ber  Voller  ju 
richten  pflegen.  <5o  namentlich  in  ber  ©efchtchte  2(cgt>ptenS. 
$at  2(egr;pten  einen  bebeutenben  Hinflug  auf  bie  ©effaltung 
ber  Religion,  ber  ©efefee  unb  (Sitten  be$  jübtfehen  VolfeS 
gehabt?  $at  eS  einen  Cnnfluß  auf  ©riechenlanb  ausübt? 
unb  in  welcher  3eit?  unmittelbar  ober  burch  anberer  VolFer 
Vermittlung?  Unb  bie  2fegt)pter  felbff,  fönnen  fte  bie  Anfange 
ber  2Bei6l)ett  unb  ber  ©eftttung  t>on  ben  Snbern  erhalten 
haben?  Stammen  fte  aus>  Äthiopien  ober  auö  2Cften,  au6 
Sfteroe  ober  @halbda?  £)iefe  unb  ähnliche  Sra9en  fm0/  wie 
in  ben  frühften  3eiten  ber  gorfchung,  fo  auch  wieber  in  un; 
fern  Sagen  hduftg  aufgeworfen  unb  fehr  r>erfd)ieben  beank 
wertet  Einige  berfelben,  wie  bie  ber  inbifchen  Verleitung, 
beantworten  ftdt)  vielleicht  fchon  oon  felbff  burch  bie  ^erfrek 
lung  ber  dgpptifchen  3ettreil>e ,  nämlich  vernetnenb:  bie  S3e= 
antwortung  aller  wirb  aber  offenbar  burch  biefe  ^erjrellung 
vielfach  bebingt  werben  muffen»  SBenn  wir  unS  nun  gar  in 
ber  Urzeit  2(egt)pten3  ben  Anfangen  unfereS  ©efchlechtS  nd^ 
hern,  unb  bie  Ueberlieferungen  ober  Sheorieen  über  biefelben 
in'6  2tuge  faffen,  — wa3,  bmu$t  ober  unbt\vu$t,  freiwillig  ober 
gezwungen ,  alle  ©chrtft|retter  ber  chrifrltchen  3eit  gettjan  — ; 


fo  erfd>etnt  jene  äußerliche  33ejtimmung  ber  (Stelle  %t$Wi 
ten£  t>on  einer  noch  Diel  t)6l)cren  unb  würflig  weltgefchichts 
ltdjen  2Bid)tigfeii  ©ttmmt,  fo  fragen  wir,  bie  gefunbene 
Seit  beö  UrfprnnaS  beS  dgpptifchen  3veid)e6  mit  ben  Ueber; 
lieferungen  ber  33tbel  üon  ben  Anfangen  ber  9ttenfd)heit?  be* 
jtdttgt  fte  bie  bis  jefct  barauf  gebauten  ©pfieme  ber  3ettrec^= 
nung?  2Bie  t>erl)dlt  fte  ftd)  ju  ben  Annahmen  ber  griecfyt; 
fcfeen  Äirche  ober  ber  lateinifd)en?  £)ber,  wenn  wir  (wa£ 
bas  Söetfefte  fein  bürfte)  ntd)t  um  einige  Safyrtaufenbe  recr> 
ten  wollen,  auf  einem  ©ebiete,  in  welchem  ee>  ftd)  um  um 
enbltd)  t)6J)ere  ©egenfdfee  hanbelt:  wie  (teilt  ftd)  nad)  jenem 
©rgebnifie  bie  §rage  t>on  ben  Anfangen  überhaupt?  mug  fte 
gdnjlid)  ablehnenb  beantwortet  werben?  gufyrt  bie  dgpptifchc 
gorfd)ung  $ur  Annahme  einer  legten  allgemeinen  glutf),  ober 
erfd)eint  bie  gefchtd)tltd)e  (^ntwicflung  ber  5D?enfc^l) eit  be= 
btngt  burch  mehrere  unb  burd)  örtlich  befchrdnfte  gluthen? 
SBeifen  überhaupt  bie  älteften  Ueberlieferungen,  namentlich 
ber  2legt)pter,  auf  gcwaltfam  unterbrochene  Anfange  beS  £es 
ben3  hin  ober  nicht?  Enbltd)  aber,  welches  £id)t  wirft  unfere 
gorfdwng  auf  bie  großen  fragen  t)on  ber  Einheit  be£  $£en^ 
fchengcfd)lechte$  unb  feiner  Uranfänge? 

£)er  Beantwortung  biefer  Sra9^n  ^wn  M  fttn  ©e^ 
fd)id)tSforfchcr  entgehen,  welcher  in  unferer  3eit  bie  @hnmo^ 
logie  2legt)pten6  reblid)  unb  gewiffenhaft  $u  behanbeln  untere 
nommen  hat.  £enn  bas  barf  jefct  unbebenflich  gefagt  unb 
aller  weiteren  gorfchung  vorweggenommen  werben,  bag 
bie  ^eitfunbig  bejlimmbaren  £>enfmdler  2legt>ptens>  hoher  l)tn- 
aufreichen,  als  bie  irgenb  eines  SßolfeS,  von  beffen  Urfunben 
bi6  jefet  in  ber  3Beltgefchid)te  bie  $ebe  gewefen  tfh  ndmltcr) 
über  funftaufenb  Sahre  vor  unferer  &\t  SMefe  Sfjats 
fache  mug  erfldrt  werben:  fte  ju  laugnen  würbe,  nach  ®®* 


(finletumcj. 


mal  angeregter  unb  begonnener  Untermietung,  eine  geringe 
Äunbe  ober  nod)  geringere  $eblicr;feit  beS  gorfd)erS  t>orauS= 
feiern 

©o  werben  wir  alfo  burd)  baS  unmittelbare  (^rgebniß 
ber  dgt)ptifc^en  3eitforfd)ung  fd)on  weit  über  baS  rein  d)ro; 
nologifdje  ©ebiet  fyinauS  gebrdngt,  unb  nid)t  allein  in  ben 
7?lug  ber  dgtwtifcfyen  @efd)ic!jte  geführt,  fonbern  in  baS  um 
abfef)bare  Sfteer  ber  *&cltgefd)id)te  geworfen,  Unb  wenn  gleid) 
bie  Ufer  biefeS  9tteereS  unS  entfdjwinben  brofyen,  gerabe 
tnbem  wir  hoffen  burften  unS  tt)nen  $u  nähern;  fo  bürfen 
wir  bod)  twn  unferer  gorfd)ung  nirf)t  ablaffen.  £)te  2(eg^^ 
ter  ftnb,  felbf!  in  ber  3eitred)nung,  ein  weltgefd^td)tltd)eS  SSolF. 
9ftemanb  fann  ben  (Strom  ber  alten  $6lfergefd)td)te  fyinaufc 
fcfyiffen,  ofyne  2(egt)ptenS  ©teile  $u  fud)en  unb  mit  Qj;l)rfurcf)t 
^u  begrüßen:  aber  Sftiemanb  fann  aud)  biefe  ©teile  bejfim* 
men,  ofyne  bie  ©ipfel  ber  Seiten  $u  bezeigen  unb  nad)  ben 
Anfangen  beS  ^enfd)engefd)led)teS  $U  forfcfyen. 

Unb  jwar  ntd>t  allein  um  ber  weltgefd)id)tlid)en  3^tbe= 
Kimmungen  unb  ber  unmittelbar  baran  ftd>  fnüpfenben  gra^ 
gen  willen.  Sft  bie  3ßeltgefcr;icr;te  nid)t  olme  aHen  ©inn,  fo 
mu§  angenommen  werben,  eS  entwickele  ftd)  in  ber  3ett  QsU 
wa§  auf  (Srben:  eS  gefye  bie  SD?enfd^t?ett  ben  fcfyweren  ©ang 
burd)  baS  £)unfel  ber  @efdf)tcf)te  nicbt  ofme  ein  ewiges  ©e^ 
fe&  &u  erfüllen,  unb  ^war  nid)t  ein  dugerlicfyeS ,  fonbern  ein 
tfyr  eigenes,  innerliches,  erfennbareS.  ©ntweber  ift  bie  ©e= 
fd)id)te  nur  ein  ewiges  Einerlei  unb  if>re  (£inf)ett  ein  Sraum 
unb  leereS  Söort:  ober  tJ>rc  3eitrdume  frellen,  richtig  ü er; 
jtanben,  bie  notfywenbigen  Steile  einer  erhabenen  ©efammk 
entwicflung  bar.  9htr  bei  biefer  2(nnal)me  fann  gefagt 
werben,  bag  bie  9ftenfd)l)eit  in  ber  3ett  ein  inneres,  über^eifc 
licfyeS  Seben  füfyrt,  burd)  bie  Äraft  beS  ©ebanfenS  unb  baS 


8 


Weg  Q5ud), 


©treben  feiner  S3erwurftid)ung :  unb  ycoax  nicht  alfein  in  ein; 
feinen  $erfonlid)feiten,  fonbern  auch,  unb  auf's  Bebeutenbfre, 
in  ihrem  grogen  ©an^en.  £)ie  ©efe^e  einer  folgen  @ntwi<fc 
lung  ber  5Ö?enfd)f)ett  haben  ?)()tIofop!)en  unb  ©efd)id)tfcf)rei; 
ber  t>tetfad^  gefugt.  2ßir  fehen  l)ier,  als  in  einem  gefchid)t= 
liefen  2ßer!e,  ganj  oon  ber  grage  ab,  ob  fte,  üermitteljt  ber 
hochjren  Hebung  beS  £)enfenS,  als  nothwenbige  folgen  ber 
Statur  beS  oberen  (SeinS,  beS  göttlichen  SBcfenS,  erfannt 
werben  fonnen»  2£ber  fragen  wie  bie  folgenben  werben  wir 
bod)  aud)  auf  unferm  ©ebiete  nicht  abwerfen  fonnem  (ix- 
giebt  ftd)  auS  bem  burd)  bie  dgt)ptifd)e  gorfd)ung  bebeutenb 
erweiterten  ©eftc^tSf reife  ber  Sßeltgefchichte  ntct)t  ein  flarerer 
Ueberblicf  beS  SufammenhangS  ber  ©efammtentwieflung  ber 
50?enfd)J>ett  ?  3?eid)t  bie  Beobachtung  eineS  folgen,  ntd^t  ge= 
ringen,  (Schnittes  beS  bisherigen  S3ogenS  ber  2Öeltgefd)ichte 
in  ber  3ett  nicht  ba^u  hin,  bie  Üftatur  biefer  ganzen  Bogen; 
linie  ju  befrimmen?  Sßenn  aber  bie  Statur  berfelben,  wie 
bann  nicht  bie  ©efefce  biefer  Parabel  ber  ©efchichte,  ober  wie 
bie  Bogenlinie  beS  ©eiffeS  in  ber  2Beltgefchid)te  wirb  genannt 
werben  muffen? 

©o  wäre  benn  im  ©runbe,  felbft  mit  ber  hochften  (Stei; 
gerung  ber  cr)rono(ogifcr)en  gorfd)ung,  noch  nicht  jener  2lufc 
gäbe  entfprochen,  bie  (Stelle  2(egt)ptenS  in  ber  SBeltgefchichte 
fmben,  ober  minbefrenS  ^u  fuchem  SBenig  wäre  boch  am 
Crnbe  für  ben  haften  Vorwurf  ber  ©efchichte  burd)  jene 
gorfdjung  erreicht,  wenn  wir  burch  fte  nur  ben  (Stammbaum 
ber  2Cegt)pter  ober  felbft  ber  9ttenfd)heit  gewannen»  (Sdjon 
bie  ©efchichte  eineS  SSolfeS,  infofern  fte  biefen  ÜJkmen  oer; 
bient,  ift  $u  ernfl  unb  groß,  als  bafj  fte  einem  (Stammbaume 
jur  Verherrlichung  bienen  fönnte,  #ber  noch  unenblid)  we; 
niger  fann  bie  welthiflorifche  Betrachtung  bie  eineS  ©efchled)tS= 


(Einfettung. 


9 


regijterS  fein.  ©elbjr  ©tammeSetnrjeit  unb  (2tammt>erroanbts 
fetjaft  groger  SSolfer  ift  entroeber  nur  äugerlicf)e  Sarffellung 
einer  inneren  Gnnfyeit,  eineS  inneren  gufammenfeangS,  ober 
fte  ifl  oon  feiner  voefentltcr)  grogeren  SBebeutung  al$  bie  üftad&s 
roeifung  be3  SSaterlanbeS  irgenb  eines  £f)iergefd)ledjte6  ober 
ber  £ei*natf)  einer  ©etretbeart:  eine  2BunDerlid)feit  ber  %U 
tertf)ümler  neben  ben  ©eltfamfeiten  ber  ^aturforfefeer.  Sene 
innere  (Einheit  nacr^uroeifen,  als  2r)atfad)e  ber  ©efct)icf)te, 
mug  a(fo  norferoenbig  Aufgabe  ber  roeltgefcr)icr;tlicr)en  S5e^ 
ttadjtung  fein,  mag  e£  nun  ber  2ßiffenfd)aft  be3  ©ebanfenS 
gelingen  ober  nid)t,  eine  fold&c  Gnnfyeit  als  notferoenbig  unb 
auf  erfennbaren  ©efe^en  berufyenb  naef^uroeifen  unb  bar^u* 
jleüen. 

Unfer  3tel  ifl  un§  alfo  fdfton  burd)  ba3  Grrgebnig  be$ 
erfreu  STfeeilS  unferer  gorfd)ung  gar  fciel  r;6t)er  geffeeft,  als 
e3  beim  erjten  9kd)benFen  fcr)einen  mochte:  unb  unfer  3ßeg 
ifr  baburd),  roenn  aud)  oiel  belolmenber,  bod)  {ebenfalls 
aud)  otel  langer  unb  fd)roieriger  geroorben.  (£$  mug  für  un3 
nod)  eine  bebeutenbe  Aufgabe  übrig  bleiben,  roenn  roir  an 
ba£  Siel  ber  ct)ronologifcr)en  gorfct)ung,  bie  (5mretr)ung  ber 
ägpprifd&en  3eitrecr)nung  in  bie  ©leid^eitigfeiten  ber  übrigen 
©efd)id)te,  gelangt  ftnb.  £)er  SSerfucr),  biefe  Aufgabe  innere 
t)alb  ber  ©rangen  eines"  gefer)  id)tlid)en  SBerFes  $u  löfen,  ijr 
ber  zweite  v^aupttr>etl  unferes  Sßerfes,  unb  bie  Einleitung  in 
benfelben  roirb  alfo  bie  legten  2Cbfd&nttte  beS  üorliegenben  er^ 
ffen  S3ud)s  ausmalen. 

Um  nun  feter  bie  erfren  ttmrtffe  jener  Aufgabe  ju  §etdt)= 
nen,  faffen  roir  ben  oben  angebeuteten  ^Begriff  ber  Anfange 
ber  9)?enfcr)engefd)icr)te  tn's  2ütge. 

2Bir  gelangen  burd)  bie  bezeichnete  jeitfunbige  Unterfu^ 
cr)ung  $u  ben  Anfängen  eines  dgtjptifdjen  SReid)es  unb  au 


10  &m  «ud)+ 

Königen,  beren  tarnen  nicf)t  allem  fcon  ben  2legt)ptern  ser* 
jetdfrnet  unb  unS  überliefert  worben,  fonbern  nod)  jefct  üon 
un3  auf  ben  dgr;ptifcr)en  DenFmdlern  %u  lefen  ftnb,  unb  jwar 
großenteils  auf  gleichzeitigen.  33or  btefem  üttity,  unb  fcor 
biefer  cf)ronologifcf;en  äSerjeicrjnung  fetner  Könige,  liegt  nun 
notfywenbig  unb  nachweislich  eine  Seit  ber  Anfange  beS  dgpp^ 
ttfd>cn  SSolfS.  Unb  ba  wir  burrf)  bie  J&erjMung  ber  Bett- 
rei^e  jeneS  9?eid)eS  ben  Anfangen  ber  dltcfien  SSolfergefdf)ic^te 
überhaupt  bebeutenb  ndfjer  gefommen  ftnb,  als  bisher  mog^ 
lief)  eracfytet  würbe;  fo  wirb  bie  Unterfucfyung  ber  dgt)ptifd)en 
Anfange  uns  melleicfyt  mef)r  als  irgenb  eine  anbere  auf  bie 
ber  9)tenf$engefcf)icr;te  einen  £3licf  eröffnen, 

S5etrad)ten  wir  nun  jene  Anfange  felbft  febdrfer,  fo  enk 
beefen  wir  leidet,  baß  biefer  2(uSbrucf  $wei  gdn^lid)  t>erfd)te- 
bene  Staunte  begreift.  Sundrfjfl:  ftnben  wir  üor  unS  einen 
3eitraum,  ber  fiel)  burdjattS  ntcf>t  wefentlicf)  oon  bem  vorigen 
unterfcfyeibet.  £)ort  tyaüm  wir  Berechnung,  alfo  3ufams 
menl)ang  unb  SBefrimmbarf  eit  in  ber  3ett:  hier  l)aben  wir 
un^ufammenljdngenbe  Zfyatfafytn,  S5rud)flücfe  gefd)id)tlicf)er 
Ueberlieferung :  fefyr  oft  burdf)  alte  £)td)tung  ober  neue  ga^ 
beln  unter  einanber  oerbunben.  2lber  jebenfallS  haben  wir 
auch  in  biefem  Stitxaumt  ein  SSolf  oor  unS,  mit  (Sprache 
unb  Religion,  ja  ohne  3«>eifel  fd)on  mit  einer  (Schrift:  alfo 
nur  Anfange  tton  bem,  was  wir  bort  hatten,  oon  bemSSolfS^ 
leben,  2Bir  fonnen  biefe  Anfange  alfo  wol)l  bie  oolflichen 
nennen,  (5S  bewegt  ftch  in  tr)nen  ein  fcf)on  ©eworbeneS,  wenn^ 
gleich  aud)  ein  bebeutenb  SÖerbenbeS,  £)ie  reiflichen  Anfange 
ber  2legt)pter  ftnb  aber  noch  nicht  bie  dltejien  ber  SÖfenfdfo&eit: 
benn  für  baS  dltcjlc  SSolf  ber  drbe  wirb  fein  ©cfchichtSfor; 
fcher  bie  2legt;pter  galten,  auch  ehe  er  noch  üom  ©prachfor; 


(Einleitung* 


11 


fd)er  unb  oom  SDfytfjologen  eines  SBefferen  belehrt  wirb, 
©dbon  ihrer  ©efchtchte  nach  erfchemen  fte  als  baS  SSolf  beS 
großen  Mittelalters  ber  Sftenfchheit,  ©dbe  eS  alfo  feine 
wettere  «ftunbe  ber  menfchltchen  Anfange,  fo  würben  wir 
bnrd)  bie  jener  oolflichen  Anfange  ber  2legtwter  feine  wefents 
lief)  neueunb  lofynenbe  Belehrung  empfangen,  2Btr  hatten  einen 
mühfamen  ©ang  burch  bunfle,  unbeftimmbare  Sahrhunberte, 
unb  fdnben  am  (£nbe  befjelben  baS  wahre  3tel  ber  gorfchung, 
bie  Grrfenntntg  ber  Anfange,  wefentltch  noch  eben  fo  weit 
ttor  unS  als  oorher,  eben  fo  unerfldrt  unb  unerfldrltcf), 

SStelletcht  erhielten  bie  ttrodter  beS  dgt)pttfcf)en  SSolfS 
ihre  Anfange  oon  einem  üerwanbten  ©ramme,  ber  fte  wies 
berum,  in  ähnlicher  SBetfe,  oon  einem  anbern  überfommen 
hatte,  2lKetn  bag  eS  ju  trgenb  einer  3«t  einmal  einen  ans 
bern  ßuftanb  ber  menfehlichen  £)inge  gegeben  haben  muffe, 
bamtt  überhaupt  ©tdmme  unb  SSölfer  mit  @pract)e  unb 
Mythologie  auf  ben  <5<$)aupla%  ber  d$efd>td)te  treten  fonm 
ten,  wirb  bei  einigem  9?acf)benfen  jefct  wor)l  ein  Seber  juges 
ben,  £)enn  wer  auch  annehmen  wollte,  bag  bie  ©prache 
unb  bie  Äunbe  oon  ben  göttlichen  fingen  gar  nicht  oom 
Menfcr)en  erfunben,  fonbern  ihm,  als  beS  Prometheus  &e&& 
geS  Jeuer,  oom  Gimmel  gebraut  feien,  fann  boch,  ohne  gdnjs 
lict)eS  Ißerfd&ltegen  oor  aller  Jorfchung,  ntd)t  laugnen,  baß 
baS  ©eoffenbarte  ober  ©elehtte  fein  ganj  fertiges  gewefen, 
(5S  ift  oielmehr  flar  unb  §ugef!anben,  bag  bie  Menfchen  baS 
ihnen  überlieferte  ober  mitgegebene  dxbtytit  als  einen  Mm 
eigentümlich  entwicfelt  unb  ganj  oerfchteben  auSgebtlbet  fyü 
ben.  £)te  neue  ©prachwtffenfchaft  inSbefonbere  hat  nachges 
wiefen,  bag  biefe  oerfcfytebene  ©eftaltung  allmdhltg,  unb  ofc 
fenbar  nach  inneren  ©efe&en,  ftattgefunben.  ßie  gett  benn, 


12 


in  welcher  tiefet  gefcfjefyen,  wirb  btc  eigentliche  Seit  ber  2ta 
fange  feigen  muffen,  unb  $war  eine  dd)t  gefchid)tlicf)e:  fte 
allein  wirb  mit  SRttyt  als  Urcjefd^td^te  bemjenigen  gegenüber 
aufteilen  fein,  wae>  wir  gewöhnlich  ©efd)id)te  nennen,  ©treng 
genommen  alfo  ijr  unfere  fogenannte  ^eltgefchichte  nur  bie 
ber  neueren  SOZenfdt)l)ett  ober,  wenn  e$>  t>on  jenen  Anfangen 
eine  ©efcfetchte  geben  follte,  bie  neuere  ©efd)id)te  unfereö 
©efchlechtS,  Sn  biefem  gälte  ftnb  bie  fogenannten  Anfange 
berSSolfer  offenbar  ntd)t6  weiter,  aB  berUebcrgang  Don  ber 
alten  ©efchichte  $u  biefer  neuem 

2Öir  haben  angebeutet,  bag  bie  dgM)ttfd)e  3eitforfdmng 
ben  9?aum  ber  zeitlich  jrreng  befrtmmbaren  ^enfchengef dachte 
nothwenbig  fehr  bebeutenb  erweitere.  2Btr  haben  gefagt,  bag 
ttor  biefem  befrimmbaren  S^itraume,  nad)  innerlichen  unb  du^ 
gerlid)en  ©rünben,  eine  nicht  fur^e  3ett  liege,  bie  aber  ber 
jufammenl)dngenben  3eitredmung  entbehre.  2lber  nun  frellt 
ftd)  t?or  biefeS  zwiefach  geseilte  ©an^e,  ben  chronologifcf)  be= 
fiimmbaren  unb  ben  ohne  fefte  3eitred)nung  überlieferten  3?it2 
räum,  ein  anbere£,  bebingenbeS  ©an^e:  noch  gefchichtlicf),  alfo 
zeitlich  unb  räumlich,  aber  gan$  t>erfd)teben.  Unb  e3  fcheint, 
bag  biefer  S&etl  ber  ^enfd)engefd)ichte  fehr  tiefe  SGBurjeln  in 
ben  S5oben  ber  3eit  gefchlagen  haben  müffe,  ba  au3  ihm 
fchon  üor  fecf)3  ober  fteben  Safjrtaufenben  im  9ftlthale,  bem 
langfamen  ©efchenfe  be£  ^lufteS,  ein  £3aum  heworgefproffen, 
beffen  Äeim  bort  nirf)t  einhetmifch  tfi. 

MeS  wirb  hernach  für  ba3  ©elingen  einer  folgen  Um 
terfuchung  baoon  abfangen,  ob  bie  gefchicf)tliche  Urzeit  be£ 
9ttenfd)engefchlechte3  einer  gcfchtchtlichen  @rforfd)ung  unb 
£>arjiellung  fähig  fei.  £)te  ^Beantwortung  biefer  grage  fcheint 
nun  üon  jwet  Urnftanben  abfangen  ju  muffen:  ob  wirken?; 


Einleitung. 


13 


mdler  ber  Urzeit  bef%n,  itnb  ob  wir  in  ifmen  eine  QtnU 
wieflung  nad)weifen  fonnen.  £)te  erfte  gwge  ergiebt  ftcf)  aber 
im  Allgemeinen  als  eine  ganj  müßige.  Söenn  wir  Die  rntys 
t^ologtfd^cn  Anfange  hier  gänzlich  unbeachtet  laffen  wollen; 
fo  tft  eS  boch  t>on  felb|f  flar,  bag  bie  ©prägen  ber  SSolfer 
wie  baS  urfprüngltchffe,  fo  baS  grofiartigffe  2)enfmal  ber 
9ttenfd)heit  feien.  £>enn  eS  bebarf  nur  etneS  geringen  9lafy 
benfenS,  um  gewahr  gu  werben,  baß  baS  gan^e  vernünftige 
S5ewugtfein  unb  alleS  fpdtere  geizige  (Schaffen  ber  SSolfer 
ber  (£rbe,  unb  unfer  eigenes  inSbefonbere,  auf  ber  (Sprache 
ruhe  unb  burd)  fte  bebingt  fei.  SBenn  aber  bei  allen  ein^el* 
nen  SBölfem,  wie  benn  nicht  bei  ber  Sftenfchh eit? 

3ur  Erforfchung  jener,  für  bie  ©efchichtSfunbe  neuen 
SBelt,  welche  aber  bie  eigentliche  alte  SBelt  ijl,  bebarf  eS  alfo, 
t>om  dgpptifchen  unb  t>om  weltgefchtcfetltchen  ©tanbpunfte, 
gar  nid)t  ber  $xa$t,  ob  wir  £)en?mdler  von  ihr  befugen,  fon* 
bern  nur,  ob  wir  eine  Sttetfyobe  ftnben,  einen  2öeg  aufweifen 
fonnen,  um  in  benfelben  baS  gefd)  tätliche  Clement,  baS  3ei3 
d)en  beS  gortfchreitenS  $u  erfennen.  Sebe  ©efd^td)te  fefct 
vorauf,  baf  eine  Entwicklung  frattgefunben,  bag  ftd)  in  ber 
Seit  etwas  gehaltet  ftabe,  was  bie  Entfaltung  beS  $u@runbe 
liegenben  ©etnS  beurfrmbe.  ©o  entfreht  polittfehe  ©efdfjtchte, 
fo  ©efd)id)te  ber  Äunjr.  hierüber  mag  an  biefer  (Stelle  gok 
genbeS  genügen.  Sebe  Entwicklung,  infofern  fte  nicht  burd) 
3ufdlligfetten  ober  baS  (Spiel  ber  SßillFühr  tterjtecft  unb 
gleichfam  t>erJ>ülXt  i(l,  wirb  im  2Befentlidf)en  auf  ber  Statur 
jenes  (SeinS  berufen,  welches  ftcf>  entwicfelt.  Entwicklung 
ifr  ein  Sterben,  unb  alleS  äußerliche  SBerben  in  9£atur  unb 
©efchtchte  ift  nichts,  als  baS  ftd)  entwicfelnbe  innere  ©ein. 
£)ie  Entwicklung  ber  ^flanje  ift  burch  ihren  Äeim,  bie  ber 


14  grffeg  SBucb» 

SSolfer  burrf)  ihre  Anfange  dugerltd^  unb  innerlich  bebingt 
9hm  wirb  wof)l  Seber  §ugeben,  baß  Sufall  unb  Söttlfübr  be3 
(Sin^ernen  nirgenbS  weniger  vermögen,  als  bei  ber  (Sprach* 
bilbung.  £)enn  bie  (Sprache  ijr  nicht  allein  (5igent()um,  fon* 
bern  auch  gewifjermaßen  SBewußtfem  jebeS  ^in^elnen.  2CB 
gemcinfame  ^Bezeichnung  ber  &inge  muß  fte  ftcr)  nach  inne* 
ren  ©efe^en  entwicfeln,  unb  $war  t>or  allen  anbern:  benn 
(Sprache  ifr  fogar  fd)on  bie  SBebmgung  beö  üerffdnbltcrjen 
2(u3brucfe3  be3  ©otte3bewußtfein3 :  unb  biefe  beiben  fünfte 
^ufammen  bebtngen  bie  (£nt|ref)ung  eineS  jeglichen  menfcr)lt* 
d)en  ©efammtlebcnS,  wie  aller  Äunjt  unb  2Biffenfcr)aft.  2öer 
nun  hierüber  ftcf>  m9$  Mau  gefegt  fyat,  fann  ^wei  burcbauS 
fcerfcbiebene  SBege  ber  ^Betrachtung  einklagen,  um  jene  Ur* 
werfe  be3  9ftenfchen  &u  t>erfref)en.  G?t  fann  v>erfucf)en,  bie 
9Zotl)wenbigfetten  ber  SBilbung  oon  (Sprache  wie  oon  Sfltys 
tbologie  au3  ben  obersten  ©efe^en  bes>  bocbfren,  unbebingten 
(SeinS  ^u  erfldren,  ober  wenigffenS  eine  gorm  aufjujMen, 
in  welker  ftch  bie  (üntwicf  fang ,  wie  aßeS  (üblichen,  fo  auch 
jener  beiben  großen  Urbilbungen  bes  ©etftea  x  notbwenbig 
bewegen  muß.  £)teß  ifr  bie  ffreng  pl)ilofopf)ifche  fD^ettjobc, 
unb  ftc  tterbient  il)ren  tarnen  eigentlich  nur  bann,  wenn  fte 
barauf  hingest,  alle  ©efe^e  ber  ^ntwtcflung  au3  ber  Statur 
jenes  fyo'cfyjfen,  unbebingten  (SeinS  nicht  allein  erfldren,  fom 
bern  als  notbwenbig  b^orgeben  laffen. 

£)iefe  Verhöbe  nun  t|i  nicht  bie  unfereS  SßerfeS. 

£)te  anbere  SDMbobe  nennen  wir  bie  gefd)icf)tlicf)e,  unb 
in  ihrer  bocbjten  2inwenbung  bie  weltgefd)id)tlicr)e.  2facr)  fte 
forfcht  nach  ber  (gntroief  fang ,  unb  fucht,  um  ftc  §u  begreif 
fen,  nach  bern  gef<$irf)tlicr)en  Elemente  in  ber  Grrfrf) einung. 
2£ud)  fte  fucht@efe^e  biefer  ßntwtcf  fang ,  aber  unmittelbare, 


(Einleitung. 


15 


enblicfye,  unb  alfo  bebingte:  baS  tyetgt  fold)e,  roeld^e  au§  Oer 
bebingten,  abgefcf) (offenen ,  enblid)en  üftatur  be£  ftd)  entroi* 
cfelnben  ©egenftanbeS  felbjr  fliegen.  <So  verfud)t  fte  aUmal); 
lt<5  von  einzelnen  Sfyatfacfyen  $u  allgemeinen  gormein  auftus 
(feigen.  £)iefe  aber  ftnb  nicf)t  gormein  metapbpftfdjer,  t)6ty 
per  ©eltung,  fonbern  nur  2luSbru<f  beS  befonberl)eitlid)ert 
(SeinS,  von  beffen  ©efd)id)te  e3  ftd)  fjanbelt,  Snbem  fte  fei; 
nen  2lnfpritd)  barauf  machen,  als  notfyroenbig  errotefen  unb 
als  unbebingt  erfannt  &u  werben,  beftef)t  tf>r  Söertf)  bartnf 
bag  ber  rol)e  (Stoff  ber  Grrfcfyeinungen  nad)  ben  Kategorien 
be3  oorliegenben  enbltd)en  SeinS  georbnet  roerbe.  £)enn 
bie  gefd&td)tltd)e  gorfefjung  mug  fehlten,  bag  ber  (Stoff 
ol)ne  eine  fold)e  vorhergegangene  £)rbnung  unfähig  fei,  ©e; 
genftanb  beS  reinen  ©ebanfenS  $u  roerben.  Sene  Sftdjtung 
unb  2lnorbnung  verroanbelt  gletd)fam  erff  bie  »erroirrenben 
Linien  ber  ptolemdifd)en  S5al)nen  ber  9ttenfd)f)eit  in  bie  ifyreS 
roaljren  Sonnenlaufs,  unb  bebingt  bie  2lufftnbung  ber  Äep* 
lerfd)en  ©efe^e  beffelben.  £)te  gefd)icf)tlicr;e  gorfefjung  lagt 
e£  bat)tn  gejtellt  fein,  ob  eS  eine  f)6f)ere  (Menntnig  biefer 
©efefce  au3  bem  SÖBefen  be§  unbebingten  (SeinS  gebe  ober 
nid)t  ©iebt  e3  eine  folcfje,  fo  roirb  fte  geroig  etroaS 
2lnbere3  unb  £6l)ere3  fein  müffen,  als  roaS  bei  ben  £im; 
melSforöern  ba3  9?erotonfcfee  ©efefc  ijl  <5cf)on  bie  einfache, 
vorläufige  grage,  ob  ftd)  ein  gortfcfyreiten  ber  9>?enfd)J)eit  in 
ber  ®efd)id)te  nad)roeifen  laffe,  entfpriefet  einer  nod)  ungelo^ 
fien  ajtronomifdjen  Aufgabe:  ob  unfer  ©onnenfpjlem  ftd)  im 
Raunte  beroegt  f)at  ober  nidfot?  Seber  gortfcfjritt  auf  unferm 
©ebtete  roirb  aber  aud)  eben  fo  geroig  buref)  bie  gefd)id)tlidje 
gorfcfyung  nicfyt  minber  bebingt  fein,  als  buref)  ben  metapfjt); 
ftfd)en  S3eroei3  jener  oberen  ©efefce. 


16 


£)iefe  fS^ct^obc  ber  gorfdjung  nun,  welche  wir  bie  welk 
gefchtchtltche  nennen,  werben  wir  in  unferem  SBerfe  jur  (£x* 
forfchung  ber  eigentlichen,  wahren,  urgcfchichtlichen  Anfange 
ber  5D?enfd>f>cit  anwenben.  £)urd)  fte  werben  wir  t>erfucf)en, 
ob  e3  möglich  fei,  in  ber  Urzeit  unfereS  ®efd)lechte$  bie  Ith 
lagerungen  unb  (Schichten  ^u  entbecfen,  welche  bie  neuere 
Crrbfunbe  aus  ber  Urzeit  unfereS  Planeten  nachgewiefen  unb 
über  ben  ganzen  Grrbboben  verfolgt  hat  2Bie  bie  ©eologie 
in  biefen  (Schichten  einen  gortfcfyritt  entbecfen,  unb  bar* 
nach  bie  ($pod)en  unfereS  drbforperS  %u  befttmmen  mit  fo 
grogem  Erfolge  t>erfuct)t  hat;  fo  wirb  bie  Äunbe  ber  Urge^ 
fd^td^te  in  (Sprache  unb  SQtythologie  baS  keltere  unb  teuere 
Sur  £)arjrellung  ju  bringen  haben,  um  barnad)  bie  ^Benbe* 
punfte  ober  (Epochen  fefoufrellen,  welche  in  jenen  3eitrdumen 
ftd)  tf)atfdd)ltcf)  funb  geben.  Unb  falle  tyx  bie  £)enfmdler 
ber  Urzeit  gerabe  für  bie  weltgefd)td)tltch  wichtigen  33olfer 
nic&t  ganj  fehlen;  fo  barf  fte  hoffen,  hierin  oiel  weiter  $u 
gelangen,  als  ihre  altere  (Schwerer,  £)enn  in  ber  Grntwicf; 
lung  ber  Statur  herrfd)t  baS  ©efe£  ber  Materie  unb  baS 
^ebeneinanberfem  oor:  eine  golge  in  ihr  bar^uftellcn  ift  fchwer, 
ein  mehr  als  förmliches  ®efe&  ber  ©ntwicflung  aber  nicht 
in  ihr  5U  erfennen.  Sn  ber  ®efd)ichte  bagegen,  als  ber  SBelt 
beS  ©ei|re$,  geht  bie  Grntwtcflung  nach  etnanber,  in  ber 
Seit  *>or,  unb  baS,  was  ft'd)  entwickelt,  ifr  eben  ber  ©eijt 
felbfi  Snfofern  alfo  überhaupt  ©efe^e  ber  ©ntwicflung  er* 
lennbar  fmb,  fallen  hier  bie  ©efefce  beS  Grrforfchten  unb  beS 
gorfchenben  unmittelbar  jufammen. 

£)ie  auf  biefe  SBeife  jur  2(nfchauung  gebrachten  Epochen 
unb  ©efe^e  ber  dntwicflung  ber  Urgefd)td)te  fonnen  aber 
wefentlid)  feine  anbern  fein,  als  bie  ber  eigentlichen  SSolfer- 


gmleitung. 


17 


gefd)id)te.  2£n  ber  gefcfyicfytlid)  nachweisbaren  @pi|e  ber 
dgt)ptifd)en  Anfange  angelangt,  werben  wir  alfo  oon  if)r  au$ 
bie  gange,  in  ben  erften  33üd)ern  cfyronologifd)  fyergefMte 
©efd)td)te  be3  dgppttfcrjen  SSolfeS  überbauen,  unb  bie  we; 
fentlid&en  fünfte  berfetben ,  als  bie  (£ntwicflung  einer  in  ftd) 
äufammenfydngenben  dtttyt  t>olflid)en  <5tin$,  $u  begreifen  jus 
crjen:  unb  gwar  als  eines  Steiles  ber  allgemeinen  ©efd)id)te 
be$  ©eifteS.  2Bie  bei  ben  Anfangen,  werben  wir  üon  bem 
2legppttfd)en  auf  bie  mit  ü)m  oerfnüpften  (£rfd)einungen  ber 
SBeltgefd)td)te  J>tnfel>en  muffen,  unter  welchen  ba3  2legpptifd)e 
feine  (Stelle  ftnben  foll. 

£)ieg  ift  ba£  le£te  3tel  unferer  gorfcfcung. 

£ternad)  wirb  eS  ntd)t  fd)wer  fein,  ben  Snfjalt  unb  3u; 
fammenfyang,  wie  ber  einzelnen  S3üd)er  überhaupt,  fo  inSbe; 
fonbere  ber  Wdjnttte  be3  erften  einleitenben  ju  überfein. 

^iefeS  erfte  33  ud)  alfo  juüorberfi  wirb  2Beg  unb 
3tel  unferer  gorfdwng  baburcö  ndt)er  §u  beftimmen  fyaben, 
bag  e3  fowofyl  für  bie  Seiten  2£egt)pten3  all  für  feine  2£n; 
fange  bie  tl)atfdd)lid)e  ©runblage  &u  gewinnen  fud)t.  Sn 
bem  erften  Steile  wirb  ber  gegenwärtige  «Stanbpunft  ber 
gorfd)ung  burd)  brei  Umftdnbe  bebingt  fein  muffen;  einmal 
burd)  bie  SBefdbaffen&ett  unb  ben  SBertl)  ber  Quellen  unferer 
gorfd&ung:  bann  burd)  bie  aus>  ber  bisherigen  SBenufcung 
unb  2(nwenoung  berfelben  uns  gegebenen  $ülf$mtttel :  enbltd) 
burd)  bie  ©runbfd^e,  welche  auS  beiben  für  bie  eigene  gor; 
fd)ung  hervorzugehen  fdbetnen.  Offenbar  tji  ber  erfte  Um; 
(tanb  ber  wid)tigfte:  unb  tnsbefonbere  für  ben  erften  &t)t\l 
unferer  Unterfud)ung,  ndmlid)  ben  d)ronologifd)en.  2)enn 
hier  ifl:  ber  Langel  an  Quellen  unerfefcltd),  unb  überhaupt 
gar  fein  SSerfldnbnig  ber  gorfd)ung  mogltd)  ol)ne  eine  an; 
t  2 


18 


fchaultche  tontnig  berfelben.  2fu3  biefem  ©runbe  werben 
wir  l)ter  aud)  bie  £>uellen  felbft  urfunblid)  nachweifen,  unb 
5tx>ar  aus  $wei  abgefonberten  SBcrfen,  £Me  gefd)id)tlichen 
Ueberlieferungen,  infofern  fte  nicht  in  allgemein  bekannten 
©efchichtSwerfen,  rote  ^erobotuS  unb  £>ioboru3,  enthalten 
ftnb,  (teilen  wir  mit  fritifd)  berichtigtem  &erte  in  einem  Ur^ 
funbenbuche  ^ufammen,  welches  als  Anhang  bem  Dritten 
£f)eile  unfereS  SBerfeS  beigebrueft  ift.  £)ie  wid)tigjten  dgt>p; 
tifd)en  2)enFmdler  felbfi  aber  erfd)einen  gleichzeitig  in  einem 
Zu  biefem  3wecfe  t>on  £epftu3  t>or  feiner  2Cbretfe  auSgearbei* 
teten  unb  unter  feinen  2(ugen  geffochenen  Äupferwerfe.  S3eb 
bes  nun,  gefchid)tlid)e  Ueberlieferung  unb  dgr>pttfd)c  ^enfmd^ 
ler,  wirb  bie  gefd)id)tlid)e  £)arftellung  bicfeS  S3ud)3,  il)rem 
wefentlidben  Snhalte  nach,  aud)  benjenigen  £efern  zur  "Km 
fchauung  bringen,  welche  Feinen  S5eruf  fühlen,  in  jenen  £Uiel* 
len  felbft  zu  forfchen.  Leiber  ftnb  bie  Quellen  ber  gefamm* 
ten  alteren  3eifted)nung  fo  fparlid),  bag  eS  eineS  geringeren 
9?aumeS  bebarf,  fte  urfttnblid)  unb  anfd)au(id)  oorzulegen, 
als  irgenb  etwas  (SrlduternbeS  über  fte  fagen,  waS  bod) 
am  (£nbe  bie  2Infd)auung  ber  Quellen  nicht  erfefcen  !anm 
Um  fo  unverzeihlicher  fcheint  eS,  gebtlbete  Sefer  in  berglet* 
cfyen  Unterfuchungen  einzuführen,  ohne  ihnen  biefe  ©runblage 
berfelben  fo  weit  wenigstens  anfchaulid)  zu  machen,  bag 
jeber  von  ihnen  ber  weitem  gorfdjung  felbftdnbig  folgen 
Fönne,  S3et  fchwierigen  Unterfuchungen  ber  tybtyxtn  ©e^ 
fchichtSforfchung  hangt  2ttleS  bat>on  ab,  bag  man  ben  grö^ 
geren  unb  geringeren  ©rab  ber  (>tfi:orifd>en  ©ewigheit  unb 
(Sicherheit  Fenne  unb  fühle,  beffen  ein  gegebener  $unft  fd* 
hig  iji  £>hne  eine  folche  anfehauliche  (£rFenntnig  wirb  man 
einem  fc>on  zwei  grogen  Uebeln  nicht  leicht  entgehen.  dnU 


Einleitung.  19 

weber  wirb  man  bae>  weniger  ©tehere  $tt  fe^r  orangen,  $ur 
©efdhrbung  beSjenigen  2öertf)eS,  welchen  e3  t)at,  unb  ber 
gefammten  gefchichtlichen  SBahrheit:  unb  alSbann  entfielt 
jene  unfrittfche,  unlebenbige  unb  unerquicfliche  ©efd)id)tfchrei; 
bung,  welche  ftch  ein)!  in  S5p^anj  unb  jule^t  wieber  im  ftcbs 
ahnten  unb  achtzehnten  S«()r{)unberte  in  Europa  fe(!fe^te» 
£)ber  man  wirb,  ©ewiffeä  unb  UngewiffeS  gleichmäßig  an= 
^weifelnb,  am  (£nbe  &u  einem  Unglauben  an  aller  Sicherheit 
ber  ©efcbichte  unb  mit  ihr  aller  gefchichtlichen  äBatytfyett  fuh- 
ren, £)enn  bie  9ftenfcf)en  pflegen  Alles,  wa$  fte  Verzweifeln 
ju  ernennen,  gering  ju  achten,  als  unbequem  möglichjt  in 
ben  £intergrunb  $u  brdngen  unb  allmdhu'g  als  gar  nid)t 
ttorhanben  ansehen.  £)iefe  leitete  ©efahr  iff  namentlich  in 
unferer  3ett  &u  befürchten,  wo  e§  bei  ber  neu  erwarten  ®e* 
fd)icht3forfchung  unb  bei  ber  Allgemeinheit  be£  mit  ihr  na; 
türlirf)  üerbunbenen  Anzweifelnd  bes  Shatfdch liehen  bem 
©eijte  fchwerer  al8  je  geworben  zu  fein  fcheint,  ftd)  ben  ge^ 
funben  9ftenfchent>erftanb  unb  bae>  gefunbe  Urtheil  zu  bewah* 
rem  (5ine  folche  ©efunbhett  be3  UrtheilS  geigt  ftd)  aber  noch 
t>iel  mehr  in  ber  Jdhigfeit,  ba£  ©efd)ichtliche  ju  glauben,  al§ 
in  ber  £eid)tigf  eit,  e3  zu  laugnen,  £)enn  btefeS  liegt  bem  fla= 
chen  Sinn,  in  Sutten  gefchwdchten  ober  gehemmten  Sebent 
triebet  wie  ber  unfrigen,  entfehieben  gundd)|t:  ein  großes  Un^ 
glücf,  weil  bae  Verneinen  beS  ©egenjtanbeS  bem  ©etfte  fa(r 
unvermeibltch  ben  nötigen  @rn|f  unb  bie  bamit  eng  üerbun^ 
bene  (£hrfurtf)t  t>or  bem  Vorwurfe  ber  gorfchung  xaubt 
£>hne  Gefurcht  aber  ijt  feine  Siebe  zum  ©egenffanbe,  unb 
ohne  biefe  feine  Hoffnung  be§  Erfolges  ber  gorfchung  mog= 
lieh.  Unfdhtgfeit,  ^Bezeugtes  zu  glauben,  ift  bie  leiste  $orm 
ber  fleißigen  Untuchtigfeit  einer  abgefchwdchten  3ctt  unb  ein 

warnenbeS  Seichen  be3  brohenben  Unterganges. 

9* 


20 


€rfie$  «Sud), 


Sene  5D?et^obe  wenben  wir  mm  aud)  bei  ben  2(nfdns 
gen  an,  £)te  erffe  groge  ur,qefd)td)tltd)e  &l)atfacf)e,  bie  im3 
fyier  begegnet,  ifr  bie  ©prad)e.  2Ötr  fucfjen  fte,  wie  ir= 
genb  ein  anbereS  £>enFmal,  anfdjaulid)  machen,  inbem 
wir  ücm  ifyren  SQBiirjctn  unb  formen  (SBorterbud)  unb  ©pract); 
Xefjre)  alles  SBefentlidje  geben,  wag  ftd)  al§  @:rbtf)eil  ber 
Urzeit  im  alten  9?eict)e  nad)n>etfen  lagt.  £>ie  zweite  £l)atfacr)e 
ift  bie  SDtytrjologie,  #ter  ftnb  eS  bie  ©6 tter! reif e,  welche 
eine  anfct>aultd)e  £)arfrelhmg  erlauben  unb  alfo  crt)eifd)en. 
£)ie  britte  ijf  bie  ©d)rift:  auet)  fte  werben  wir  urfunbltct), 
tmb  ^war  nacr)  ben  gefdbtd>t£td>cn  ©rufen  barfretten,  welct)e 
fte  bei  if)rer  üolljldnbigen  Grntwicflung  im  alten  $eicr)e  burct> 
gegangen  fein  muß.  hiermit  hoffen  wir  für  bie  weltgefct)id)k 
licfye  SBürbigung  ber  Anfange  2(egtwten3  ben  2Öeg  gebahnt, 
ättgleict)  aber  aud)  ben  Unterbau  für  bie  d)ronologifcr)  ge; 
fcr)id)tltcr)e  3^it  gewonnen  ju  r)aben,  mit  beren  Darlegung 
ba$  zweite  S3ucr)  beginnt 

2Mefe  ganje  etnleitcnbe  Untcrfucr)ung  fyaben  wir  mit 
9ltebut)r&  efyrwürbigem  tarnen  bejetdjnet,  um  baSjenige 
auSjubrücf  en ,  wa§  wir  als  t)6ct)freö  Sorbilb  in  bem  ©ebiete 
ber  gcfct)ict)t(icr)en  Äritif  t>erer)ren.  2ßir  wunfd)en  bamit  auSs 
5ufprcct)cm,  bag  une>  ba£  wafyre  (Siegel  unb  bie  ftct)er(ie 
©ewdl)r  achter  jtrttif  nict)t  in  ber  23ermd)tung,  fonbern  in 
ber  2(ner!ennung  unb  ^erjreüung  be£  ©efct)ic&tlicr)en  ju  lie- 
fen fdjeint.  Unb  inbem  wir  einer  mein*  altertümlichen  als 
gefd)id)tltd)en  £)arjiellung  jenen  tarnen  Dorfefcen,  mochten 
wir  unfereUeber^eugung  anbeuten,  bag  bie  gefd)id)tlid)e  £)ax* 
(rellung  un3  bie  lefcte  unb  üoütommenfre  gorm  aller  Unter; 
fudmngen  auf  bem  ©ebiet  ber  2tttertf)um5f  unbe  fein  fd)eint 
dergleichen  Unterfucfeungen  bebürfen  allerbingS  be£  @mqe&en§ 


Sin  reitung. 


21 


auf  phifologifd)e  unb  altertümliche  Cnn^elheiten,  unb  eben  fo 
einer  Üftachweifung  bes  auf  bem  barjuflellenben  ©ebiete  bereits 
©eletfleten.  Mein  jene  din^elforfchungen  follten  möglich  fr  ge- 
brannt unb  allgemein  tterffdntlicf)  fein,  unb  biefe  Sftacr); 
weifung  follte  t>on  einer  Aufführung  oon  33üd)erttteln  ^u 
einer  gerichtlichen  £)arjleüung  teS  ©angeS  ber  gorfdjung 
erhoben  werten.  9ta  burdft  eine  folche  wirb  bas  würflich 
S3emerfen3werthe  richtig  gewürbigt,  bas  Uebrige  ber  S3ud)er^ 
funbe  ober  ber  SSergeffenfyeit  anheim  gegeben.  Äeine  gelehrte 
£eiffung  ifr  ber  (Erwähnung  in  einem  gefd)id)tlid)en  SBerFe 
Werth,  welche  ftct)  nicr)t  fetbft  als  ein  wefentltcher  9)unft  in 
bem  SSerftdnbniffe  beS  ©egenftanbeS  barjMen  lagt. 

£)a3  zweite  23uct)  wirb  bie  £erffellung  ber  ($\)xonot 
logie  be6  alten  3?eicr)eS  in  1076  Söhren  nad)  Gfratojir) eneS 
unternehmen,  beffen  grofjen  tarnen  wir  tiefem  Steile  t>ors 
gefegt  haben. 

£)a§  t ritte  SBuch  bemäntelt  bie  3eitbauer  be3  mittleren 
unb  neuen  Geichs,  in  einem  3^itraum  von  neun  unb  t>on  bret= 
$er)n  Sa  Wunberten,  an  ber  v£)anb  Wl  an  et!)  o'  6 ,  t>on  weis 
ehern  e£  ben  tarnen  tragt. 

3)amit  hoffen  wir  2ttle3  vorbereitet  haben  jur  $ufam= 
menhdngenben  Ueberftcr)t,  unb  jur  innern  unb  dugern  9)ru* 
fung  ber  burct)  bie  einzelne  Jorfrf)ung  bis  bahin  gewonnenen 
chronologifcr)en  Grrgebniffe,  £)tefe  Prüfung  wirb  auf  boppelte 
SBeife  ^u  bewerf  jMigen  fein:  einmal  burd)  Aufftnbung  un= 
feblbarer  ajironormfct)er  £altpunfte,  bann  burd)  gefchichtlid)e 
©leicr)}etttgfeiten :  ober  mit  anbern  SÖBorten,  burch  9lad)mU 
fungen  ber  ©leidfoeitigfetten  ber  ©ejlirne  unb  ber  (£rbe.  Sene 
erfte  Prüfung  wirb  offenbar  oon  ber  unmittelbar|ten  2Btct)= 
tigfeit  für  unfere  bisherige  Unterfucr)ung  fein,  unb  beghalb  fya- 


22 


@rfle$  «Sud)* 


ben  wir  ba3  vierte  Surf)  nad)  (Sfyam&ollion  genannt, 
ber  auf  tiefem  ©ebtet  bie  gldn^eubfre,  folgenreiche,  obgtetcf) 
auger  granfreid)  !aum  beachtete  Grntbecfung  gemalt  f)at. 
(5inen  fran^oftfd^en  tarnen  würbe  baS  33ud)  aud>  ofyne  t(>n 
tragen;  benn  ber  *£>elb  beS  feiten  £f)eiles>  beffelben,  ber  ge^ 
fd)id)tlid)en  ©leicfoeitigf  eiten ,  ifi  unb  bleibt  für  alle  Seiten 
Sofepl)  (Scaliger :  unb  (Scaliger,  obwohl  ttalifcfyen  ©tarn; 
me§  unb  ber  $ul)m  vgwllanbS,  war  ein  geborener  gran^ofe. 

£>a3  fünfte  33ud)  iff  ba$  S3 u cf>  ber  weltge  = 
f$id)t liefen  UeberficH  [ft  benimmt,  ba3  SÖBeltge; 
fd)ic&tlid)e  in  ber  Ghitwicflung  2legt)pten3  bar^ujMen,  unb 
e3  mit  ber  gefammten  ©efd)id)te  bee>  ©etfre6  ^u  vermitteln, 
(53  wirb  alfo  guerfl  bie  Anfange  2£egt)pten6  mit  ben  allge- 
meinen Anfangen  beS  $?enfrf)engefd)led)tS  in  SSerbinbung  fe- 
fcen  unb  jwar,  nadf)  ben  angebeuteten  brei  (Stufen,  ben  fpracfc 
liefen,  ben  mt)tf)ologifd)en  unb  ben  volflicfyen  Anfangen.  Sn 
feinem  ^weiten  Steile  wirb  es  bie  mit  biefen  Anfangen  be; 
ginnenbe  unb  burd)  fte  bebingte  (£ntwicflung  ber  eigentlichen 
dgpptifcfyen  ©efcr>td^te  vorn  weltgefi^icfytlicfyen  (StanbpunFte 
au3  anfdjaulid)  ju  mac&en  fud)em 

£)iefeS  le^te  S5ucr) ,  ben  ^miten  £auöttf)eil  unfereS 
SBerfS,  fcfymücfen  wir  mit  bem  tarnen  (S  et;  elltng unfere 
SSerefyrung  für  biefen  $txo$ ,  unb  augleicfy  bie  Ueberjeugung 
au^ufprecfyen ,  baß  er  bie  wafyre  $)f)ilofoal)ie  ber  ©efcf>tcr>tc 
nicf)t  alkin  burd)  fein  pf)ilofopf)ifd)e§  (Spflem,  fonbern  au<$ 
burcl)  feine  5°rWun9en  in  ben  f)6cf)ften  ©ebteten  ber  ©es 
fdf)idf)te  begrünbet  f)abe.  £)ie  dgtwtifcfye  SDtytfyologie  bietet 
augerbem  in  einer,  von  ifym  geforberten  unb  er|t  je£t  entbeefs 
ten  £f)atfad)e  einen  fd)lagenben  ^Beweis  für  bie  2Bid)tigfeit 
ber  pl)ilofopf)ifcr)en  gorfcfyung  bar. 


Einfettung. 


23 


dlati)  tiefer  allgemeinen  Ueberftcfyt  beS  SÖerfeS  gelten 
wir  ^u  ber  ndfyeren  ^tntt)et(ung  beS  erften  33ud)eS  über. 

&  befreit  au6  f e  d)  6  2£  b  f  rf)  n  1 1 1  e  n,  beren  erfte  £dlfte 
bie  3eiten  befyanbelt,  bie  zweite  bie  Anfange. 

Sn  ber  Chronologie  fommt  $uerji  bie  Ueberlieferung 
ber  2Ce,qt)pter  über  ifyre  ©efd^tcf>te  unb  ^eitredjnuncj,  unb  t^re 
eigene  gorfcfyung  §ur  <3prad)e.  £)er  erfte  2Cbfd)nttt  wirb 
beibe  anfcfyaultd)  Darzulegen  fudfjen.  (£r  umfaßt  einen  StiU 
räum  ber  Ueberlieferung  t>on  breißig  3<*f)rf)unberten,  ber  gor^ 
fcfyung  t>on  funfjetyn. 

£)ann  folgt,  im  ^weiten  ^bfc&nttte,  bie  gorfcfyung 
ber  ©rieben  auS  jenen  Quellen,  wdf)renb  fünflmnbert  3af)re, 
üon  v£>erobot  bis  £>iot>or. 

£)ie  gorfcfyung  ber  d)rijftid)en  2öelt  i|t  bebingt  burd) 
jene  bä^tn  unb  burd)  bie  Ueberlieferung  unb  gorfd)ung  ber 
33ibel.  £>er  brttte2Cbf$nitt  beginnt  f)iernacf)  mit  ber  3eit= 
redmung  ber  SBtbel,  aufwarte  üom  £empelbau  ©alomo'S 
bis  ju  ben  Anfangen  beS  jübifcfyen  SöolfS:  einer  3ettred)nung, 
bie  für  bie  dgt)ptifd)e  oon  eben  fo  großer  2Bid)ttgfeit  iff,  wie 
bie  dgpptifdje  für  fte.  £)ie  £ar)Mung  berfelben  bilbet  enfc 
lid)  au<$  bie  ©runolage  ber  Unterfucfyung  über  bie  Anfange. 
Sötr  werben  l)ier  einer  gorfcbung  oon  mefyr  als  einem  3af)r= 
taufenbe  begegnen,  unb  an  bie  ©rdn^e  ber  dltefren  Ueberlie^ 
ferungen  üon  ben  Anfangen  geführt  werben.  £)ann  folgt 
bie  gorfcfeung  ber  Suben  üon  ben  ©ieben^ig  bis  ju  Sofe^ 
plmS,  unb  bie  beS  d)rijtlid)en  9ftorgenlanbeS,  oom  ^weiten  bis 
neunten  3af)rf)unberte  unferer  3ettred)nung ,  enblirf)  bie  beS 
djriftlid)en  2fbenblanbeS,  oom  fed^el)nten  bis  auf  unfere  Sage. 

£>ieß  ijt  ber  erjle  £f)eil  biefeS  33ud)eS:  ber  jweite  be; 
fjanbelt  in  eben  fo  xnelen  2Cbfdbmtten  bie  Anfange.  Sm  er- 


24 


ffen  berfelben,  bem  vierten,  werben  wir  bie  urfunblicr)  nad&z 
weisbaren  SBortfldmme  ber  (gpradbe  be3  alten  9?etd)e6  auS 
ben  £)enFmdlem  ber  erften  jwölf  £)t)naftieen  geben;  baneben 
bie  gefammte  Formenlehre  jener  <2pradf)e  au3  benfelben  Urs 
funben.  £)ee>  innern  3ufammenf)ange5  wegen  ftf)ließen  wir 
an  biefe  £)arjMung  ber  erften  ©tufe  unmittelbar  bie  ber 
brirten  an,  ber  ©dfjrift.  SBir  geben  alfo  im  fünften  2Cb= 
frfjnttte  bie  erjte  §ufammenf)dngenbe  Ueberftd)t  beS  gefamm^ 
ten  fyierogtypbtfd&en  ©djriftfyjlemS,  mit  befonberer  ^Bejeid)^ 
nung  t>on  bem,  wa$  ftd&  bereits  im  alteren  3?eid)e  nacfyweu 
fen  lagt.  Unfer  gefcf)id)tltd)e3  S3ilb  jener  SSor^eit  üollenbet 
(im  fed)(len  2fbfdf)nttre)  bie  £er|fetfung  ber  brei  grogen 
dgt)ptifd)en  ©ötterfreife,  als  be§  gefd)id)tlid)en  ÄerneS  ber 
©ötterbpnafüeen ,  welche,  burd)  bie  Vermittlung  einer  heroi; 
fd)en  SSorjeit,  bie  Einleitung  jum  iafyre^drjlenben  3?eid)e  beS 
9J?ene3  bilben.  SCRiglingt  biefer  erfte  SSerfud)  rein  gefdjicfyk 
licfyer  SBerjanblung  t>on  ©prad&es,  ©cfjrtfts  unb  ©otterbilbung 
nid)t  gdn^lid) :  gelingt  e6  un£,  in  jenen  Urfunben  bie  (Sd)tc^- 
ten  unb  Epochen  &u  entbecfen,  nad)  welchen,  (latt  nad)  Safc 
ren,  bie  altgefd)id)tlid)e  3ett  rechnet;  fo  werben  wir  baburcr) 
nicbt  allein  ba$  Sfjun  unb  £)en!en  ber  alten  ©efdf)led)ter  be§ 
^iltfyalS  anfcf)aulid)  machen,  auf  beren  üielfarf)  abgeftuftem 
©runbbaue  ftd)  ba3  rein  gefd)td)tlid)e  S5ilb  be3  dgnptifcfjen 
«ftarls  be3  ©roßen  ergebt;  fonbern  wir  bürfen  aud)  hoffen, 
unS  unb  2Inbern  ben  2Beg  gebahnt  $u  haben  jur  Ermcffung 
unb  jum  gefd)id)tlid)en  SBerffdnbnijTe  ber  Anfange  unfereS 
©efdjtedjteS,  beren  ^Betrachtung  ber  eine  £auptgegenjtanb 
be3  legten  Sucres  fein  wirb. 


erper  Äbf^nttt 


®te  geftyi^tlic^e  tteberliefenmg  unb  gerf^ttttg 
ber  JCegtypter* 


S5efd)affen^eit  unb  2f t tcr  ber  <igt)pttfcf)en 
Ueberlieferung  unb  ber  ^eiligen  33üdf)er 
tnäbefonbere* 

t    £)te  betben  Duetten,  3<xf)rbüd)er  unb  lieber,  nacf) 
ben  ©rieben* 


^crobot  nennt  bte  2Ce<}9pter  beS  btbauUn  ßanbeS  bte  un= 
terrtd)tetften  ober  gelefyttejten  SO^enfd^en  r),  £)enfelben 

*)  II,  77:  Avxmv  8s  drj  Atyvmicov  ot        nsgl  rr\v  GnsiQOfis- 


öxf'ofTfg  [iccXi6TCi,  Xoyi(oraroi  fiöt  fiaxQO)  rcüv  iyco  ig  diu- 
nstqciv  ctntyiöfirjv.  2)ie  alte  Ueberfe^ung,  bajj  fie  bas  ©ebädjt* 
ntfj  üben/  iffc  aUerbingS  ntcfyt  faltbar :  ober  aud)  ©djwetgfjäus 
fers,  son  SBäfjr  angenommene  <5rf  tärung  fcfyetnt  ntc^t  ganj  ge* 
nau :  bafj  fte  bie  öreigntfie  unb  Stjaten  ber  SSergangentjett  »or* 
&ug$weife  bewahren*  3m  ganzen  2Cbfdmitte  (c.  77  —  91.)  iffc 
burc&auö  nidjt  »on  tyrer  gefdjidjtlicfcen  Äunbe  bte  SRebe,  fon= 


A. 


26 


€rfte$  55ud).  grtfer  Sfbfcbnttt. 


brucf  gebrauste  oon  iftnen  Sbeopbraft,  in  einem  untergegan* 
genen  SBerFe:  offenbar  aud>  in  SBejtebung  auf  ba£  bobe  2Ct= 
tertbum  ibrer  Ueberlieferungen 2).  £erobot  giebt  ale  ©runb 
an,  bag  oon  allen  9J?enfd)en  fte  am  meiffen  UeberlieferteS 
üben;  ma$  alfo  betgt,  bag  fte  alte  ©irre  unb  baS  2lnbenFcn 
ber  Skrgangenbeit  oor^ugSmeife  bcmabren,  Ungeacbret  er 
bierbei  nid)t  unmittelbar  bie  ^unbe  ber  Seiten  unb  ©efcbid); 
ten  tbreS  SBolfeS  im  2utge  t>atte,  fo  i|r  e3  botf)  au£  ber  gan= 
^en  £)arff  eilung  be$  feiten  33utf)e3  ftar,  bag  v£>erobot  bie 
gefcbicbtlicbe  unb  cfyronologtfcbe  Ueberlieferung  ber  2£egr;prer 
mit  bcfonberer  2lufmerffamf  eit  bemäntelt:  bag  er  fte  felbfr  ba 
mitteilt  unb  ber  33eact)rung  empfteblt,  mo  fte  ibm  unreabr^ 
fd)einlid)  ober  faum  glaubltdb  erfebeint.  (Selrfame  unb  aufs 
fallenbe  Güreigniffe  genau  ftrf)  auftu^eiebnen,  üerfdumt  fein  Iii- 
gppter,  fagt  $erobot  (II,  82.)«  £ag  bie  2fegt)pter  ununterbros 
ct)ene  Äomg^oer^eicbniffe  fcon  SfteneS  an  befagen,  fagt  ber  dd)te 
SJflanerbo,  übereinjrimmenb  mit  allen  griecbifcfyen  S3ertd)ter- 
flattern»  £erobot  meig  (II,  99  ff.),  bag  bie  Äonigelijren  ber 
9)rteffer  auet)  bie  SBerfe  unb  £enfmdler  eineS  jeben  £err^ 
fcr)er£  anfübrtem  @§  mar  au£  einem  folgen  23ud)e,  bag  fte 
ibm  bie  tarnen  oon  330  Königen  oorlafen,  als  9ttenee>  ^ad)- 

bern  r>on  ben  ©ttten  unb  ©ebraudjen :  tiefe  ft'nb  fammtlid)  ein* 
tjetmifdje  (ioteUetct)t ,  meint  £erobot,  mit  tfuSnahme  beö  SÜfas 
nero$s©efange6),  eigentfjümlidje,  ererbte,  mit  großer  SSegelmä* 
fjigfeit  (mir  mürben  fagen:  pbjliftermäjjig)  /  flon  allen  gleich- 
mäftg  geübte  unb  bematjrte» 
2)  Sei  ^>orpt)t)rtug :  de  abstin.  II,  5.  Cp.  106.  de  Rh.)  —  »gl, 
Euseb.  Praep.  Ev.  I,  9.  —  rdys  ttuvtcov  loyiazarov  yivog. 
35a6  Uebrige  beö  @a|eö  get)6rt  ^orp^riug:  ober  bie  ttjeopfyra* 
jrifd}e  (Sdjrift,  bie  er  bei  jenem  SÖer!e  fo  oft  anführt,  enthielt 
offenbar  einen  Beitrag  jur  S?eligion6gefd)id)te  ber  alten  2Belt* 
©♦  de  Ilhoer  $u  §.  20.  U.  21.  Sgl.  Fabric.  Bibl.  Gr.  Theo- 
phrastus. 


A.  I.  3n^rbüd)cr  unb  £teber. 


27 


folgern  (IT,  100.).  SMobor  tft  ausführlicher  über  bie  Statur 
tiefer  KonigSliflen  ober  $)riefrerannalen ,  obwohl  aud)  roern* 
ger  genau,  rote  rotr  balb  fctjcn  werben.  „2Me  ^riefter"  (fagt 
er  in  ber  (Einleitung  jut  gefd^td)t(td>en  £>arjMung,  I,  44.) 
„hatten  üon  allen  ihren  Königen"  (üon  ben  Heroen  an  bis 
ju  ben  Seiten  ber  ^tolemder)  „fchriftliche  2Ser§eicbni(Te 3) 
in  ihren  ^eiligen  33üchern,  bie  r>on  alten  Seiten  l)er  jiamms 
ten  unb  immer  ben  Nachfolgern  im  2tmte  überliefert  würben. 
Sn  biefen  roirb  angegeben,  welcher  2£rt  jeber  König  geroefen 
fei,  an  Körpergröße  unb  ©emütfySart ;  bann  auch  eines  jeben 
Saaten,  ber  3eitorbnung  nach"  £)iefe  SSer^etdjniffe  nahm 
2Crtarerre3  auf  feinem  Buge  burd)  ba§  £anb  au$  ben  Sem* 
pelard)it>en  roeg4),  unb  fein  (Statthalter  SBagoaä  gab  fte 
erft  fpdter  ben  ^Prtejlern  gegen  fcf)roeree>  ©elb  ^urücf.  GrS 
roar  in  folgen  „fBeräetd&mffen",  alfo  minbeftenS  in  SBerfen, 
bie  ftd)  glaublich  auf  fte  beriefen,  baß  &heoph™ff  Kunbe 
fanb  t)on  einem  ©maragbe  unerhörter  ©roge,  roelchen  ein  K6; 
nig  t)on  Skbplon  einjl,  mit  anbern  Koflbarfeiten,  einem 
dgpptifchen  Konige  —  roahrfcheinlich  Nechao  —  als  ©efd)enf 
gefanbt  ftatte  5).    £afs  9ttanetho'3  unb  (£ratofthene3  SSer^ 

3)  dvayqacpai.  £)ief$  tft  bic  fleljenbe  SSejetdmung.  (Sr  nennt  fte 
audj  teqcti  dvayqacpcci :  unb  XOXZ  er  t)ter  fagt :  dvayqacpcci  iv 
rcclq  Uqctlg  ßlßXotg,  fo  tjei^t  eö  anbertt>ävt6 :  iv  Uqalg  ßi'ßXoig 
dvaysyqafififvat  7rqd^H$:  alfo  ntcfyt  btoe  -»KamenSioeräeidjnitfe«. 
£)iefe  unb  alle  anberen  ©teilen  gtebt  3oega  mit  gewohnter  Sreue 
unb  ©rünblidjfett  im  SBerfe  de  obeliscis:  voxn  bem  Serte  nad), 
unb  nad)t)er  im  SBerfe  felbfl  p.  458  ff.  unb  anberwärtö» 

*)  XVI,  51.  "Hvsyxs  ds  xai  (2£rtarerre6)  rag  ix  rmv  dq%cticov 
Isqav  dvayqcccpdg  (ttietletdjt  rag  in  rcov  dqxetcov  Isqicov 
dvayqatpdq  ?). 

5)  Theophr.  de  lapidibus  p.  692.  ed.  Schneider.  'H  de  Gfidqa- 
ydog  iori  Gntxvi'cc,  xal  ro  fiiyt&og  ov  fisydXrj'  nXr\v  si  iti- 
GTtvsiv  Talg  dvccyqaqxxlg  ösl  vnlq  rcSv  ßccGtXscov  rcov  Alyv- 
Tcticov  NEXAOl  ydq  cpaßi  xofiio&Tjvai  nox  iv  dcoqoig  naqä 


28 


@rftcö  93ud).  <£rfter  2(bfd)mtt. 


äetcbniffe  au§  tiefen  ÄonigSannalen  gefcfjopft  waren,  fagen 
ihre  unS  erhaltenen  ^u^üge,  unb  biefe  felbft  beweifen  eS. 

Sieben  tiefen  2lnnalen,  in  welchen  (wie  wir  fct)en  wer* 
ben)  Reichen,  <5eltfamfeiten,  (Sreignijfe  unb  Saaten  an  bie 
nach  ihrem  tarnen,  SBucbS,  3?egierung3zeit,  unb  ohne  3weu 
fei  nach  ©tamm,  £erfunft  unb  2tfter,  aufgeführten  Könige 
angereiht  waren,  ging  aber,  benfelben  gorfebern  unb  23erid)t= 
ergattern  zufolge,  eine  ganz  anbere  Quelle  gefcbtd)tlidf>ev  (Hx? 
Gablungen  t)tx:  lieber:  unb  zwar  febeinen  bieg  nicht  allein 
SSolfölieber,  fonbern  auch  priefterliche,  heilige  gewefen 
ftu  fein.  „Ueber  ben  ©cfoöfiS",  fagt  £iobor  (I,  53,),  „flttn^ 
men  nicht  allein  bie  helfemfdben  (Schriftfreller  nicht  überein, 
fonbern  auch  btc  9)rteffer,  unb  bie  im  ©efange  ihn  Greifens 
ben  berichten  oon  ihm  ^erfcbiebenartigeS6)".  Sftanetbo  führte 
in  ber  ©efchichte  ber  neunzehnten  £)pna)lie  nach  ben  2Cu^ü= 
gen  bes>  SofepbuS,  bie  wir  im  Verlaufe  be£  SÖerfcö  genauer 
unterfuchen  werben,  (Erzählungen  an,  für  welche  er  feine  ©e= 
wahr  namhaft  machen  fonnte,  unb  bie  er  al§  folche  auSbrücf; 
(ich  bezeichnete 7  )♦ 

tov  BaßvXcovtcov  ßaaiXecog,  (irjxog  filv  tst  qocrcr}%vv  tccvtcc 

filv  ovv  ot '  xutcc  t^v  ixeivcov  yqacprjv.  (<2.  (Kommentar  p-  557.) 
SCKan  lieft  feit  Surneb:  tvioi  ydq  qpaai.  £)te  SSaöler  #u$; 
gäbe  t)Qt  mit  bem  Cod.  Voss.  **vovg> 

6)  dXXcc  xcä  tcov  xdct  Aiyvnxov  ot  tf  ?f§8?s  xal  ol  Sicc  Trjg 
coSfjg  avTov  fyxcofiid^ovTtg  ovx  OfioXoyovfisvcc  XiyovCiv. 

7)  Joseph,  c.  Apion.  16  unb  26.  <S.  im  Urf unbenbudje.  3n  ber 
erften  v£)aupt{hlle  t)eipt  eö :  vnlq  cov  6  Mavt&cbg  ovx  ix  tcov 
necq'  AlyviiTiOig  yqufifidTmv ,  dXX\  oog  avTog  coftoXoyrjxEv,  ix, 
tcov  dStanoTcog  fiv&oloyovfifvcov  itqosTt&sixe.  3n  ber  ans 
bem  I  öioc  tov  qpdvai  (Mccvt&cö'vcx)  yqdtystv  toc  fiv&svofitvu 
xcci  Xeyofisvcc  vnlq  tcov  'lovöccicov. 


A.  IL        2f(ter  bcr  ©djrift  bei  Den  2(egpptern.  29 

II.    £)a3  2£ tt er  ber  @ d& rt f t  bei  ben  2(egt)ptern. 

(So  pellt  ftd)  un£  benn  fd)on  hiernach  bie  gefc^trf)tttd>e 
Ueberlieferung  ber  2£egppter  a(3  eine  au3  &wei  gan^  oerfcf)te; 
benartigen  Quellen  geflogene  bar:  auS  trocfnen,  aber  genauen 
prieperlichen  Verzeichnungen,  unb  au3  bichterifchen  dröätyimz 
gen.  £>ieg  r)at  aud)  bie,  mit  $er;ne  begmnenbe,  frtttfd^c  gors 
fd)imq  ber  ^^ilologen  nicht  üerfannt  Mein  bie  betben  gro* 
gen  fragen,  treibe  biefe  ©elehrten  ftcr)  pellen  mugten,  fonn* 
ten  boct)  hieraus  noch  nicht  genügenb  beantwortet  werben: 
nämlich  einmal,  ob  wir  im  (Stanbe  feien,  bas  rein  ©efct)tdc)t= 
lid)e,  wenn  and)  nur  in  ber  Seitorbnung,  auS  ben  Krümmern 
biefer  Ueberlieferung  herzufallen?  unb  bann,  ob  bie  ^egr;^ 
ter  be3  fur$  oor  SftofeS  begtnnenben  neuen  3?etd)e$>  felbp 
dd)te  gerichtliche  £unbe  über  tt)tc  SSor^eit  au$  ber  3ttffö* 
rung  ber  £t)ffo3  hinaus  gerettet  haben?  9Ziebuhr,  ber  an  bie 
v£)erjrellbarfeit  ber  3eitred)nung  be6  neuen  Meiches  —  alfo 
bte  §ur  achtzehnten  £)r;napie  hinauf  —  fep  glaubte,  bezweifelte 
biefeS,  wie  feine  SSorlefungen  auSweifen8).  2üle3  fommt  am 
(5nbe  auf  ba$  2Hter  ber  (Schrift  unb  ba$  ^afetn  unb  bie 
(Spaltung  fd)riftlid)er  Urfunben  be$  alten  Meiches  an.  £>ag 
nun  bie  £errfd)aft  ber  vfnrtenfonige  würflig  einen  mittleren 
Seitraum  bilbe  jwifc^en  biefem  neuen  unb  einem  alten  deiche, 
war  ben  2(egr;pto  logen  fd)on  lange  fein  ©eheimnig  mehr. 
2lud)  barüber  war  bereite  (Shampollion  im  klaren,  bag  burd) 
jene  ^>errfct)aft  bie  dgrwtifche  Ueberlieferung  nirf)t  fo  habe 
unterbrochen  fein  fonnen,  wie  man  e3  ftd)  gewohnlich  oorpellt, 
unb  bag  DberdgrwtenS  £>enfmdler  in  biefem  Seitraume  nicht 

8)  (Sie  »erben  jefct,  ^tr-olf  Safjre  na$  SRiebubrS  Scbe,  in  einer 
engtifa>n  ^Bearbeitung  burd)  einen  ehemaligen  3ut)örer  begSBer* 
jrorbenen,  Dr.  <Sd)mi§  aus  tfad^en,  in  Sonbon  herausgegeben. 
Sie  über  römifa>  ©efdjidjte  büben  ben  <3$lu£banb  ber  Ueber* 
fe|ung  beö  ©efajia^tswerfeg. 


SO  @r|teö  Q5ud>-  <£rtfer  5Xbfd)mtt. 

aufböten.  Um  fo  mehr  ift  e3  jii  bebauem,  bag,  nad)bem 
eine  fold)e  ©runblage  gewonnen,  man  ber  Grrforfchung  unb 
©ichtung  ber  Quellen  felbjt  nicht  naher  getreten  fei,  2)enn 
fo  t>te(  mugte  flar  fein,  bag  Die  gan^e  SDWgltd&fett  be3  2Ber; 
the6  ber  dgtwtifchen  fowohl  als  ber  griechifchen  Ueberliefe^ 
rung  über  jene  altere  ©efd)id)te  t>on  Einern  Umftanbe  ak 
hangt:  nämlich  welchen  Söerth  Dasjenige  haben  fonne,  wa$ 
bie  2(egt)pter  be$  neuen  [Reiches  oon  ihrer  aftejien  3^ 
recfynung  wugten:  benn  nur  ba3  fann  un$  wohl  überliefert 
fein.  £)ie  anfct)aultd)e  Beantwortung  biefer  $xa$t  fefct  ak 
lerbings  t>orau£,  bag  man  jene  Ueberlieferungen  felbfr  ber 
9?eif)e  nach  prüfenb  Durchgängen,  unb  beghalb  müffen  roir  fte 
bem  vierten  33urf)e  auffparen,  nacfybem  bie  2efer  un3  an  ber 
£anb  jener  Ueberlicferung  unb  ber  £)enFmdler  burd)  alle  bret 
9?eid)e  ^egtwtenS  begleitet  haben.  Mein  an  ber  gegenwärtigen 
©teile  h^ben  roir  auf  baSjenige  aufmerffam  jit  machen,  wa£ 
baS  2üter  unb  ben  chronologifchen  ©ehalt  jener  Quellen  im 
OTgemeinen  beweift,  unb  bie  2(nfprüd)e  berfelben  in  beiber 
Beziehung  üor  allen  anberen  Urfunben  ber  (5rbe  begrün* 
ben  fd)eint. 

Sßir  bürfen  ty'm  nicht  bie  allgemeinen  3eu<mtffe  über 
ba3  2üter  ber  <5cf)rift  bei  ben  2(egt)ptem  roieberholen,  (£3 
hanbelt  ftd)  nicht  mehr  barum,  auS  ihnen  ba3  2ttter  ber 
©chrift  bei  ben  2Cegpptern  $u  beroetfen:  ba6  urfunblich  t>or* 
liegenbe  2ttter  ber  ©chriftbenfmdler  unb  ber  33üd)er  beroei(t 
aber,  bag  jene  SeugnifTe  Achtung  üerbienen.  £>ie  2fegr;pter 
haben,  wie  alle  anbem  SSolFer  alten  ©ebdchtniffeS,  bie 
ben  allein  aufgenommen,  oon  frühen  3eiten  bie  £)auer  ihreS 
2(lterthum3  übertrieben,  ober  mit  migoerjldnblichen  unb  mig; 
serjtanbenen  ajrronomtfchen  Satyrn  ber  Urgefchichte  ber  @rbe 
t>ermtfd)t,  welcher  fte  nahe  jtanben.  2Cegt)ptifd)e  unb  fmufche 


A.  n.       Hilter  ber  <5d)rift  bei  ben  STegpptcrn.  31 

9toplatonifer  be6  britten  unb  oierten  SafjrfmnbertS,  unb 
(griffen  berfelben  unb  fpdterer  Seit,  f)<*ben  ferner  ungenaue 
unb  mtgöerfianbene  Angaben  mit  deuten  unb  fixeren  oers 
mtfcjjr,  unb  eigene  2ügen  fjm&ugefyan.  2Bir  trollen  alfo  m; 
ber  sptato'S  äermtaufenbjdfyrige  ©efdnge  unb  ßunftroerfe  ber 
2£egppter  anführen,  nod)  feine  arf)ttaufenbjd^rigen  2lnnalen 
tton  <5ai3:  aud)  ntcftt  bes  jüngeren  £efatdo3  ober  anberer 
©rieeben  $lad)xlä)t  bei  £)iobor  9)  oon  be3  uralten  ÄonigS 
DfpmanbpaS  33ibliotf)e£:  am  roenigjren  enblitf)  be3  Sam* 
bndt)uS ,  £um  Sfjetl  oielleicfyt  oon  tf)m  felbjt  erlogene  2fnga^ 
ben  in  bem  33ud)e,  roeldjeS  er  unter  bem  tarnen  beS  dgtjps 
tifd&en  ^riejferS  2(bammon  über  ber  2£egppter  SDtyjrerien  ges 
fcfyrieben 1  °),  6r  fcfjreibt  bem  Kermes  —  alfo  natürlich  ber 
Urzeit  oor  SDceneS  —  1100  S3üd)er  ju:  ©eleucu6  berichtete 
narf)  it)m  oon  20,000  S5dnben  be$  i>erme3:  2ftanetf)0  fogar 
oon  36,525  SBdnben.  £)iefe  lefete  3al)l  tjt  nic&tS  als  bie 
3af)l  ber  Safyre  ber  SBeltbauer,  in  25  #unb3frernfretfen  üon 

9)  Plato  Legg.  IT,  657.  Tim.  $.  6.  Diodor.  I,  49. 
10)  SBefanntlidj  ruljt  biefe  tfnnafyme  junddjffc  auf  einer  ben  £anb* 
fdjrtftcn  sorgefefcten  Angabe:  $)roclug  bezeuge  in  feinem  (5oms 
mentar  &u  ben  (Snneaben  ^Oloting,  Samblidjug  fei  ber  83erfaf> 
fer  btefeg  SSudjeg,  gleid)fam  als  tfntroort  auf  Sporptjnriug  S3rief 
an  ben  ^priejter  tfnebo,  für  beffen  ßebrer  ber  erbidjtete  Hbam* 
mon  ftä>auggebe.  Sennemann  unb  S^fdjirner  ($aü*  beg  £et* 
bentb*  @.  419,  2(nm.)  tjaben  bie  ©ülttgfett  biefeS  -Jeugnifjeg  ge* 
gen  Heiners  sertf)eibigt.  £)en  entfd^tebenflen  SSeroetg  aber  gemährt 
baßSSud)  felbft:  j^uerft  fein  @tr)l :  bannbie2(nfüf)rung(VIlI,8.)beS 
SBerfeg  über  bie  ©ötter,  Siefeg  S3udj  führen  als  beg  Sam* 
blidjug  9Ber!  an  SamaSciug ,  «proclug,  £Hr)mpioborug,  Sulia* 
nug :  ja  Samblid)  felbj!  in  ber  (Srflärung  ber  pt)tf)agoreifd)en 
©^mbola  (Gale  ju  jener  ©teile),  Sambltd)  fonnte  audj  rool)l 
ber  SSerfafJer  einiger  ober  aller  fyermetifdjen  35üd)er  fein,  bie 
©tobäug  anführt.  SKerfrcürbig  tjt  wenigfteng,  baf?  bei  betben, 
nadtj  allen  *£>anbfd)riften ,  ein  fonft  unbefannter  ©Ott  Emeph 
{'Hfirjcp)  üorfommt.   ©ie^e  VII f,  2. 


32 


(Srfteö  Q5ud).  @rfter  2lbfd)nitt. 


1461  Sauren11),  ©te  ift  entweber  wn  Samblicf)  fetbjr  ers 
bietet,  ober  t>on  einem  fatfd)en  S^anet^o,  beffen  ©djriften 
wir  unten  betrauten  fjaben  werben,  (üben  fo  wenig  woU 
(en  wir  t>ter  bie  Unterfutfjung  erneuern  über  bie  welbes 
fprod)enen  ©aulen  ober  Safein  (©tclen)  ber  ttorflutfytgen 
3eit.  auf  welken  bie  Äunoe  biefer  Urwelt  unb  alle  S0Bet6t>ett 
berfelben  überliefert  fein  follte.  9>tato  erwähnt  folcfye  ©dulen 
befanntlid)  im  ©ingange  bc£  SimduS,  2Bir  werben  im  fünf: 
ten  33ud)e  unterfudjen,  was  baüon  mefyr  als  gorm  ber  £>ars 
jfettung  fein  fonne,  unb  ob  ein  3ufammmenf)ang  an^unef)s 
men  fein  bürfe  jwtfcfyen  einer  folgen  dgtwtifcfyen  ©age  unb 
ben  jwet  ©dulen  be3  ©etij),  beren  3ofepl)u3T2)  erwähnt, 
unb  bie  offenbar  mit  ben  ©agen  be$  33ud)eS  v£>enocr)  jus 
fammenfydngen  I3)t  t>ielleid)t  aud)  mit  ber  <5dule  beS  2£ft- 
faru§,  ober  2(fid)aru3,  be$  babplonifdjen  ober  boeporanifcf)en 
Propheten,  beffen  2Betöt)ett  £)emofrit  follte  geffofylen  haben, 
unb  über  welken  Zfyopfyxafi  ein  33udf)  gefd)rieben  hatte14). 
Sn  ben  un$  aufbewahrten  dgrmtifct)en  Ueberlieferungen  ers 
fcheinen  biefe  Safein  ber  Urgefd)id)te  nur  im  britten  unb 
Merten  Sahrfmnbertc,  ^uerft  in  ben  fogenannten  f)ermetifd)en 
33ruchfrücfen  bei  ©tobduS,  wo  fte  in  mpjtifche  Seiten  ber 
£)inge  verflüchtigt  ftnb  l5),  bann  in  3oftmuS  bem  ^anopolis 

IJ)  lamblich.  de  myster.  VIII,  1.  2. 

12)  Ioseph.  Antiqq.  I.  c.  2. 

13)  $Xan  fe^>c  bie  engti[a>  Ueberfefcung  biefeö  S3ud)eö  auö  bem 
tfetfyiopifdjen,  von  Caurence,  £)rforb  182! :  unb  ioergletd)e  bamtt 
bie  tfuöjuge  aus  bemfelben  beim  ©tjncelluS  (p.  9  —  14.)  über 
bie  (Sgregoren,  auf  reelle  im  SSrtefe  Subä  (23er$  6.)  SRütfftdjt 
genommen  wirb, 

Clem.  Alex.  Strom.  \,  357.  P.  2$aJ.  Strabo  XVI.  p.  762.  Diog. 
Laert.  V,  50:  unb  barüber  Rottet  a,  a.  £>,,  unb  Fabric.  Bibl. 
Gr.  I,  87  ff. 

15)  Stobaei  Ecl.  Eth.  Aoyog  "IölSoq  p.  930.  tjgl.  978.  ©er  23er* 
faffer  war  ein  SReuplatonifer ,  aber  roaijrfdjeinliaj  2Cegt)pter. 


A.  II.  £)oi  2Uter  ber  ©cfortft  bei  ben  STegpptcrn»  33 


ten,  offenbar  in  ganz  iübtfrf)  tf)riffltcf)er  gdrbung16),  unb 
bann,  in  ber  atofd)led)tejten  gorm,  bei  einem  33etrüger,  beS 
vierten  SafyrfyunbertS  etwa,  welcher  9ttanetl)o'3  tarnen  ans 
genommen:  l)ier  {ebenfalls,  burd)  bie  Erwähnung  be3  „ftria^ 
bifcfyen  2anbe$",  mit  ber  jofepfyifcben  (^dhlung  ^ufammem 
fydngenb. 

MeS  biefeS  unb  2fef)nlid)e3  nun  übergefyenb  erwähnen 
wir,  bag  £epftu3  ba3  SBtlb  ber  SBücfjerrolle  fd)on  in  ben 
£)enfmdlern  ber  zwölften  £)pna|tie  —  ber  oorle^ten  bes>  aU 
ten  3?eicf)ee>  —  gefunben:  ©rtffei  unb  Tintenfaß  aber  fcfyon 
in  benen  ber  werten17),  alfo  im  fünften  Safyrfyunberte  ber 
3eit  be3  9ftene£,  ba3  fyetgt  überhaupt  fo  früf),  att  wir  i>tero^ 
glt)pf)tfcf)e  £>enfmdler  fyaben:  benn  au£  ber  Dritten  £tynaftie 
fennen  wir  bis  je£t,  mit  gang  geringen  Ausnahmen,  nur  M= 
nigSfdjilber  unb  ^Ppramiben  ofyne  v£)ierogh)pf)en. 

£)ie  £enfmalfcf)rift  fonnen  wir  aber  nod)  über  ein  Saf)^ 
fumbert  f)6f)er  auf  gleichzeitigen  £)enfmdlern  verfolgen:  unb 
Zwar  eine  burcfyauS  mit  ber  fpdteren  gleite  (Schrift.  <2cr)on 
hiernach  barf  man  wofyl  faum  anfielen  anzunehmen,  fo  t>iele 
ttorgefagte  Meinungen  eS  aud)  »erlebt,  oa§  biefeS  dd)t  dgpp; 
tifd)e,  auS  ßaut^etdben  unb  33ilbern  gemifd)te  <5d)rifttf)um 
in  feinen  wefentlicfyen  S5cflanbtr)etlen  wenig|fen3  fo  alt 
fei  als  SOZeneö.  £)ag  mit  ifym  bie  regelmäßigen  SSerzeidmun? 
gen  ber  dgt)ptifd)en  Äontge  begonnen,  ijr  allgemeine  lieber; 
lieferung  ber  2£(ten :  unb  eS  giebt  feine  Ueberlieferung  beS 
2tttertf)um$,  Die  ftd)  beffer  bzwäfyxen  liege. 


16)  Syncell.  p.  13  f.  auö  bem  neunten  83udje  feines  SESerfeg  Imuth 
(MlepioS),  worin  aud)  bie  „G^emta"  vorgetragen  rourbe  (Kvfr 
neüefyre  mit  tflcfyiQmie,  »on  Gbemt  ÜCegqpten). 

17)  SepftuS,  ba$  Sobtenbud)  ber  tfeg^pter.  2eip*.  1842,  Socrebe 
<3.  17. 

I.  3 


34 


(Srfleö  Q3ud).  @rjter  2lbfcfonitt. 


III.    2tttet  unb  gefd)id)tüd)er  ©efyalt  bei:  f)eiltcjen 
23üd)et  bei*  ^fe^ppter» 

Wit  tiefen  £h<rtfad)en  verlohnt  ee>  ftcf>  rooht  ter  9ttül)e, 
einer,  bis  jcfet  oon  ben  2Cegppto(ogen  oernachldffigten,  gragc 
entgegenzutreten:  ob  unb  in  roelcber  gorm  bie  achten  33üd)er 
be§  £ermeS,  ba§  heigt  bie  roürf  lieft  heiligen  £8ücfter  ber  t?£c= 
gppter  ©efcfticfttlicftcS  enthalten  fyaben  mögen  ?  SBaren  bie 
älteffcn  jener  ÄönigSocr^eicftnifTe  melleicftt  felbjt  ein  33)eil  ber 
^eiligen  33ücftcr?  ober  enthielten  fte  nur  mancfteS  ©efcfticftt; 
tiefte  au§  ber  Regierung  ber  dltcften  Könige?  Saaten  fte  aueft 
nur  bas>  £e£tere  irgenbroie,  fo  haben  wir  in  ihnen  geroig 
eine  vgmuptqueu'e  ber  gefcfticfttlicften  Ueberlieferung  anjunefts 
men :  benn  in  ben  heiligen  (Schriften  roaren  nothroenbig  aueft 
bie  dlteffen  ©efcfticfttSbücfter  eines?  23o(fe5  enthatten,  befien 
Scftriftthum  oon  Sieligion  ausging,  unb  immer  in  ben  vf)dn* 
ben  ber  ^riejfer  blieb.  £>er  Jortgang  ber  Unterfuchung  roirb 
geigen,  roie  roieftttg  für  bie  ^Beurteilung  ber  un$>  erhaltenen 
©efcfticfttSquellen  eine  fotefte  Unterfuchung  roerben  fann,  bie 
unS  vielleicht  augerbem  auch  f^on  einiges  S^eue  über 
bie  heiligen  S3ücher  überhaupt  ergiebt. 

£>ie  ftchere  Äunbe  oon  tiefen  Schriften  oerbanfen  roir 
einzig  tem  ateranbrinifeften  (Siemens?,  teffen  höcftft  merfroür* 
bige  Stelle  roir  im  Urftmbenbuche  geben18).  2uts>  ihr  geht 
heroor,  bag  bie  '.tfegtroter  Siemens  3ett  jroet  unb  oter^ig 
heilige  33ücfter  hatten:  ein  Äanon,  ber  fpdteftenS  mit  ben 
9)fammeticften  gefchlojfen  fein  mug,  es?  aber  roaftrfcftemticf) 
fefton  früher  roar.  £)ie  feefts?  legten  tiefer  33ücfter  hantelten 
t>on  ter  2£r$neifunt  e,  einer  im  grauften  2ttterthume  2£eg9p* 
tens?  rour^elnten  SBiffenfcftaft,  tie  fteft  königlicher  Scftrtftjtek 
ler  erfreute,  oon  2fthoti3  bis  Sftecftepfo:  beiter  SBerfe  roerten 

I8)  JBgt,  Zoega  de  obel.  p.  505  ff. 


A.  III.  1.  T)ic  jroet  Q3üd)er  bcö  (Sängers. 


35 


angeführt,  unb  be3  erfteren  (ÜfteneS  ©ohneS)  S5ud)  war  gc; 
wig  ein  fyetltgeS.  Die  übrigen  fechSunbbreigig  33ücher  wa* 
ren  in  fünf  Haften  geteilt,  beren  jebe  eine  befonbere  33e^ 
trachtung  erforbert, 

1.  Die  jwei  S5 u df) er  b  eS  (SdngerS. 
Da3  erjre  23ud)  ber  erften  2tbtr;etlun9  enthielt  ©efdnge 
^u  (5f)ren  ber  ©otter:  ba&  zweite  eine  ©chilberung  be3  fö^ 
niglichen  £ebene>:  betbe  mugte  ber  <Sdnger  au3wenbig  wifc 
fen.  DaS  erjre  SBuch  war  alfo  etwa  bem  3ftg=23eba  gleich. 
Die  v^pmnen  ber  2fegtwter  galten  für  fo  alt  unb  waren  fo 
heilig,  bag  einige  berfelben,  nach  ^)tato  1 9) ,  ber  SP  gUge^ 
fcfyrteben  würben,  unb,  wie  bie  dltefren  SBerfe  ber  fDZaleret 
unb  S3ilbnerei,  eine  Sftpriabe  Sa^re  alt  waren:  „nid)t  al$  Üta 
benSart"  (fagt  er),  „fonbern  in  ber  £f)at'V  SBürflid)  legen 
auch  bie  un3  t>on  <&tobäu$  erhaltenen  f)ermetifd)en  SSxufy 
jtücfe  ber  Sft'S  Sjymnm  in  ben  SDtonb ,  welche  fte  ben  v£>oru3 
lehrt.  <&tobäu$  hat  fte  auSgelaffen20):  aud)  mochte  ihre 
2Cedt>tJ>ett  fct>r  zweifelhaft  fein.  Der  £itel  be3  jwetren  S5u= 
d)es  erinnert  an  bie  SSorfd^rtftcn,  welche  9ftanu'3  ©efe^bucf) 
für  bie  inbifcr)en  Könige  enthalt,  unb  an  (Stellen  ber  SSebaS 
felbjr.  Da»  33ucr)  war  nicht  gerabeöu  gefrf)ichtlicher  Statur, 
wie  3oega  anzunehmen  geneigt  fchetnt:  aber  als  33eifpiele 
werben  gewig  —  uno  bieg  führt  auch  3oega  an  —  3üge 

19)  Plato  de  Legg.  If,  p.  657:  Znonmv  8s  evo^cstg  ra  ßvoio- 
Gxbv  izog  ytyQc/fiuEvcc  77  TtTV-noofiivct  —  ov%  ccg  enog  slntlv 
fivqioGzov ,  dXX'  ovrcog  —  rcov  vvv  8s87]ßiovqy7](iivcov  ovte 
tl  KCtXXiovu  ovt  uiG%i(ß,TTtv  avrrjv  8s  TfxvrjV  dnttqyacusva. 
Unb  halb  barauf,  ton  ben  \)orgefd)riebenen  Stebern  rebenb,  als 
einer  ber  ©ottf)ctt  ober  eines  göttlichen  Samens  roürbtge  (Sin-- 
ric^tung :  xaafrx7rfo  i%ft  epaet  tu  tov  noXvv  tovtov  gsgco- 
Gfisvcc  xqovov  fisXrj  zrjg  "IoiSog  notijficiTCt  ytyovivai. 

20)  Stob.  Eclog.  eth.  ed.  Heeren,  p.  980. 

3* 


36 


(£rtfeg  Sud),  <£rjter  2lbfd)nitt. 


au§  bem  £eben  unb  (Sprudle  uralter  £)errfcher  gegeben  wor* 
ben  fein,  So  erhalten  wir  benn  gefd)ichtliche  ©efange  zum 
greife  alter  Könige:  benn  beibe  33ücf)er  waren  zum  Abfin- 
gen befttmmt  SBorzugSweife  alfo,  wenngleich  nicht  au§* 
fd&liefjltd) ,  fyattcn  wohl  bie  Aegppter  btefeS  S5ud)  im  Auge, 
wenn  fte  fagten,  Marius  l)abe  aue>  il)ren  ^eiligen  Büchern, 
wie  tt>re  ©otterlehre,  fo  auch  bie  Hochherzigkeit  unb  Sttilbe 
ber  alten  v£)errfd)er  fennen  gelernt,  burd)  welche  er  felbft  fo 
ausgezeichnet  war  unb  ftd)  fo  bdkbt  machte21). 

2,   £)ie  üier  aj!ronomifd)en     ü e r  be$> 

£oro  ff  op  en. 
£>ie  zweite  Abteilung  matten  bie  fogenannten  aj!ros 
logifd)en  Bücher  au3,  t>ter  an  ber  B^U,  ber  ^oro^ 
ffop  wiffen  mufite.  £)as>  erfre  berfelben  fyanbelte  üon  ber 
£)rbnung  ber  girfferne:  ba3  zweite  unb  britte  oon  bem  3^ 
fammentreffen  ber  (Sonnen  ^  unb  9ftonbbaf)n  unb  ben  SRonb^ 
phafen:  ba3  oierte  oon  ben  -Aufgängen",  b.  h-  ber  (Sonne 
unb  bc3  SERonbeS  ober  ber  ©ejfrrne  überhaupt.  Hier  haben 
wir  urfprünglid)  gewig  nur  AffronomifcheS:  über  bie  (Sterne 
bilber  (nicht  jeboch  bie  zwölf  Sobiafalzeichen) ,  über  bie  ftwts 
obifchen  ©pochen,  enblid)  über  bie  Aufgange  ber  einzelnen 
(Sterne  in  ben  oerfchieoenen  Sahreäzetten ,  wie  beim  AratuS. 
Das>  a|rrologifd)e  Clement  im  gewohnlichen  (Sinne  fchlog  ftd) 
an  ba6  aftronomifche  an:  jebod)  war  e£,  wie  wir  fpater  fe; 
hen  werben,  in  ber  unS  bekannten  ©ejtalt  bem  dgpptifchen 
Alterthume  fremb.  2Bof)l  aber  waren  bie  Beobachtungen 
ber  ©eftirne  alt  bei  ben  Aegpptern.  £)ieß  bqtuc^t  nicht  als 
lein  ArijtoteleS  in  einer  balb  anzuführenben  (Stelle,  fonbern 
thatfdchlich  beweij!  e3  ba3  Alter  be3  £unb$ftemfreife$,  wek 

2I)  Diodor.  Sic.  I,  95. 


A.  in.  2.  SMc  wer  a|lronomtfd)cn  23üd)er  bcö  £oroffopem  37 


eher  bie  Beobachtung,  unb  jroar  eine  fortgefe^te  unb  mit  bem 
(Sonnenlaufe  üerbunbene ,  jenef  ©eftirnef  vorauf  fefct.  2lucr) 
hier  roerben  bie  foniglichen  ©Triften,  beren  Erwähnung  in 
ben  ßonigflifren  bef  alten  Meiches  burd)  Tlantfyo  auf  unf 
gefommen  ift,  einen  Ztyil  ber  ^eiligen  33ücher  aufgemacht 
haben. 

(Spater  ftnb  bie  afrrologifchen  SBeffanbtheile  biefer  33fc 
eher  unfehlbar  bie  Quelle  groger  SSerfdlfchungen  ber  ©efchicf)te 
geroorben.  £)enn  nicht  allein  ber  SBetruger  chrijrltchen  &3e; 
fenntniffef,  welcher  unter  Sftanetho'f  ehrenroerthem  tarnen  in 
fchlechten  £erametern  baf  noch  t>iel  fchlechtere  £3uch  ber  2tpo^ 
telefmaten  fehrieb22),  fdjopfte  auf  ihnen,  ober  auf  SBerfen, 
bie  in  jenen  S3ud)ern  ihre  erjre  Quelle  hatten;  berfelbe, 
ober  ein  anberer  ^Betrüget,  ber  SSerfajJer  bef  S5ud)ef  üom 
£imbfjrern,  jebenfallf  auch  ocr  chriftlichen  3eit,  fchnitt 
fogar  bie  ganje  ©efchtchte  nach  affronomifd)en  ßnflen  3U, 
unb  tterbanb  bamit  3eichenbeuteret  für  bie  3ufunft23).  (Schon 
ber  dgppttfche  ^eilige  bef  brttten  Sahrhunbertf,  roie  ef  fcheint, 
£eraif  fof ,  hatte  bergleichen  gafeleien  aufgeflügelt24).  SBie 
unglüeflief)  biejemgen  gorfcher  gefahren  ftnb,  roelche  tiefen 
a)rrologtfch=a(rronomifch-chronologifchen  Srrjrerncn  h^ben  fofc 

22)  £>af?  ©renoo  bief?  S5ud)  für  ad)t  galten  fennte,  beroetfi  nur, 
roie  jung  bie  tnjtortfcfye  ^>t)if ologfe  ift,  SSentle^ö  (Sntbedung  unb 
ber  beutfdjen  ©eletirfamfett  (Srbtfyeii  unb  SRufym.  3oega  (p.  255. 
N.)  tjat  ben  Betrüger  rtd)tig  erfannt,  ber  a(6  dgqptifdjer  *prie= 
fter  fid)  nietjt  entblobete,  bie  SSegräbntfjfeier  ber  2fegr)pter  gu 
Idftern,  unb  als  angeblicher  ©diü^ling  bes  sptolemauö  spljilabel; 
ptjuö,  bem  baS  S3ud)  zugeeignet  fyeijjt,  bie  @t)e  mit  ber  (Sd)n?e= 
fter  als  tbqejtifdjen  ©räuet  ju  fd}tlbcrn  fein  SSebcnfen  tragt. 

23)  @.  Wdjtutt  IV.  biefeg  «Budjeg  unb  im  Urfunbenbudje  Pseudo- 
MaD.  de  Sothide  (A.  VIII.). 

2+)  Suidas  v.  'HgaiGy.os.   ©♦  am  @nbe  biefeS  2lbfd)nifte6» 


S8 


Crflcö  53ud).  grtfer  Slbfdwitt. 


gen  wollen,  ijt,  wie  ber  SSerfolg  ber  Unterfudjung  geigen  wirb, 
jefct  mit  Rauben  $u  greifen. 

3,  Sic  jer)n  33  tt  et)  er  bee>  £ierogrammaten. 
£)a3  t>erl>d(tntgmdgtge  2ttter  ber  ©runblage  ber  afrrono^ 
mifdjen  S5ürf)er  barf  alfo  ntcfct  leictytfmnig  angezweifelt  roers 
ben,  tro^  beS  jungen  UrfprimgeS  ber  an  ben  3obia?u3  ge* 
fnüpften  2{frrologie,  2Cber  roafyrfcr) einlief)  alter,  geroig  ler)rrei; 
d)er  waren  bie  jefyn  S3üd)er  be£  ^terogrammateuS,  ober  be$ 
heiligen  ©cfyreiberS  ober  <Sd&rtftgeter)rtcn ,  roelct)e  bie  b ritte 
2Cbtl)eilung  bilbeten,  £a&  erjre  33ud)  berfelben  fyanbelte  oon 
ber  $ieroa,fypf)if/  unb  lehrte  alfo  offenbar  bie  ©runb^üge 
ber  ©djrtft.  2fud)  hierüber  gab  e3  einen  uralten  foniglicfyen 
<5cr)riftfMer:  ben  dltejren  ©efoffriS,  au$  bem  Anfange  ber 
britten  Spnajtie:  war)rfcr)einlid)  roar  fein  2Berf,  ober  bie 
oon  ir)m  oeranlagte  9)riefrerfd)rift,  biefer  2tötr)etlung  einoer^ 
leibt,  dm  fpdter  unb  fet)r  einfeitiger  2Cu§ldufer  ber  au6  bie= 
fer  Quelle  gefloffenen  Angaben  ijt  £orapoUon6  bekanntes 
SBerf.  2ßir  roerben  auf  biefen  3w«9  im  lefeten  2(bfd)nitte 
biefeS  &3ucr)eS  ^urücf fommen ,  roo  roir  bie  dgoptifcfye  ©djrift 
hu  betrauten  l)aben.  23on  ben  folgenben  33ud)ern  r)anbelte 
baS  ndcfyjtc  oon  ber  SBclts  unb  (5rbfunbe.  (5ine  ungefähre 
Sbee  einer  ©eitc  biefeS  33ud)e§  mag  roof)l  ba§  S3rud)(rucf 
eine6  t)ermcttfcr)en  2Berfe§  bei  <5tobdu§  geben25),  roo  btc 
(5rbe  einem  liegenben,  bie  2Crme  gegen  ben  Gimmel  auSftre^ 
efenben  SÖeibe  oerglicfyen  roirb,  beren  $ü§e  nad)  bem  S5dren 
gerichtet  ftnb,  Sfyre  2(btf)etlungen  roerben  nad)  ben  Steilen 
be$  menfd)lid)en  ÄorpcrS  angegeben:  2Tegt)pten  bilbet  natura 
lid)  baS  $erj.  (5tne  2(nfpielung  auf  mer)r  geograpf)ifcr)e  £)ar= 
(Teilungen  in  biefen  S3üd)ern  enthalt  aud)  roof)l  bie  ©teile 

25)  Stob.  Ecl.  Eth.  p.  992  sqq. 


A.  Hl.  3.  £){c  jefyn  55üd)cr  bcö  £terogrammaten.  39 


im  2fyotfoniu3  9?hobtu3  26) ,  wo  t>on  Safein  bie  S^ebe  ift, 
auf  welken  bie  SBege  unb  ©tragen  ber  (5rbe  verzeichnet 
feien.  #ber  geographifche  Safein,  alfo  harten,  werben  von 
ber  ©age  gerabe^u  bem  (Sefoffriö  jugefd&rteben,  ber  fte  fogar 
ben  ©fytfyen  mitgeteilt  haben  fotl27).  ^4  btcfc  ©age 
ruht  gewig  auf  tiefen  Büchern.  2Bie  ftd)  ter  Snfyatt  ter 
beiten  ^undchfr  folgenben  Bücher:  „über  tie  JDrbmmg  ter 
(Sonne  unt  beS  9ttonbe6,  unb  über  bie  fünf  SBanbeljierne", 
$u  bem  ber  jwetten  Tfbtbetlitng  oerhalten  haben  mag,  worin 
auch  t>on.©onne  unb  9J?onb  gehantelt  würbe,  ift  nicht  gan§ 
flar.  Beite,  ober  bie  eine  tiefer  2fbtf)etlimgen,  müffen  natürlich 
bie  Angaben  über  bie  (Sonnen  s  unb  9ftontjahra)flen  entbak 
ten  haben,  welche  ber  ganzen  £)rbnung  bes>  heiligen  unb  bür; 
gerlid)en  SahreS  ^u  ©runbe  liegen,  unb  anbere  mit  ber  dgtw* 
tifchen  3eitftmbe  eng  ^ufammenhdngenbe  ajtronomifche  Be* 
jtimmungen  unb  Berechnungen :  fo  insbefonbere  tie  Servier)* 
nungen  ter  Sonnen  ?  unt  ^ontftnjterniffe.  2Tu6  ihnen  mag 
entnommen  fein,  was  £>iogene3  r>on  Saerte  angiebt  —  in 
ter  Einleitung  ju  feinen  £ebens>befrf)reibungen  2  8)  — ,  tag  tie 
2Cegt)pter  tie  Beobachtungen  oon  373  (Sonnenfmjterniffen 
unt  832  SflontftnfiernifTen  befagen.  £>iefe  3at)t  tjt  fidler 
nid^t  erticrjtet:  aber  auch  gewig  eben  fo  wenig  oon  würflich 
gemachten  Beobachtungen  oerftehen.  greret  hat  in  feiner 
fcharfftnnigen  2tt>hantlung  über  ta3  babplontfche  Sahr29) 


=  6)  Apollnn.  Rhod.  Argon.  IV,  279  ff.       im  Urfunbenbudj. 

a7)  Eustath.  Epist.  üor  feinem  (Semmentar  £um  SMongjtoS  ^eriege* 
te§  (p.  60.  ed.  Bernlianly)  :  Kai  Ziacoßzqig  Öi,  cpaolv,  6  Al- 
yvnriog  noXlrjv  nfQiilrjlv&oog  yijv  nLva^i  rs  Si8(0*e  rr)v  ns- 
QioSov,  Y.cti  rfjg  rcöv  mvocycov  dvayocccpfjg  ovk  Alyvixxioig  fio- 
vov,  alXu  neu  Zxv&cctg  tfg  ftcivfici  [lEzaöovvca  r;£la>6hv. 

28)  Diog.  Laert.  Prooem.  §.  2. 

*9)  Me'moires  de  l'Acarlemie  des  Inscr.  XVI.  p.  205. 


40 


(SrUeö  35uaV  <£rtfcr  Slbfcfenitt. 


bemerft,  wie  unfmnig  e£  fei,  für  jene  ^Beobachtungen  ben 
t>on  2MogeneS  berichteten  Seitraum  üon  48,863  Sahren  t>or 
2lleranber  anzunehmen:  boch  wirb  ihm  niemanb  leicht  bei; 
pflichten,  wenn  er  barauS  auch  nur  auf  zwolffeunbertjdhrige 
^Beachtungen  fehltest  SBaren  eS  würfliche  ^Beobachtungen, 
fo  mufften  fte  ftd)  wohl  über  eine  SDtyriabe  üon  Sahren  er* 
jrreef en :  benn  gewig  beobachteten  unb  üerjeichneten  bie  2£lten 
nur  völlige  ober  fafl  völlige  SBerfmfferungen.  2Tber  hatten 
bie  2Cegt>pter  auch  nur  wdhrenb  thre§  jüngjten  ^unbSfterns 
fretfeS  r>on  1461  Sahren,  ber  1322  t>or  unferer  3eitred)nung 
begann,  wiffenfchaftlid)  brauchbare  aflronomifche  ^Beobachtung 
gen  unb  ^Bezeichnungen  gehabt,  wie  wäre  eS  $u  erfldren, 
bag  ihr  gelehrter  £anb3mann  ^tolemduS  unter  ben  Zntonu 
nen  feine  einige  berfelben  erwähnt?  SBarum  führt  er,  au= 
f er  ben  Don  ^ipparch,  bem  Hellenen,  gemachten  unb  r>er^ 
zeichneten,  nur  babplonifche  ^Beobachtungen  an,  beren  dlteffe 
bei  ihm  in'6  27jte  Safer  ^abonaffarö  fallt ,  alfo  m'ö  720fte 
Safer  ttor  unferer  3ettrcchnung  ?  £)ie  3urücffül)rung  bes>  un^ 
gebunbenen  Saferes  ber  2legt)pter  auf  ba3  julianifche  war 
ifem  gar  wofel  befannt,  wie  überhaupt  er,  unb  bie  aleranbri- 
nifche  (Schule  noch  weit  fpdter,  mit  ber  ganzen  dgpptifchen 
Safer  =  unb  Seitorbnung  vertraut  war. 

2£ber  bie  2legt)pter  fannten  fefer  früfe  bie  Sftonb;  unb 
(Sonnencpflen,  unb  bie  au3  iferer  SBerbtnbung  feerüorgefeenben 
£tmmel§erfcheimmgen,  unb  fo  war  e3  iferen  $)riefiern  leicfet, 
(Sonnen- unb  Sftonbfmfterniffe  mit  einer  leiblichen  3?td)tigfeit 
auf  mele  taufenb  Sahre  hin  gu  berechnen.  SÖann  fte  biefeS 
würflich  getfean,  bidbt  bafein  gebellt,  ba  wir  bie  Quelle 
niefet  !ennen,  au$  welcher  Diogenes  fchopfte.  £>ag  aber  bie 
achte  Ueberlieferung   ber  2leg^pter  über  bie  mpthifche  Seit 


A.  III.  3.  £)ie  $ef)!t  33üd)er  M  ^tcrogrammatcn,  41 

e$  mit  9flm*iaben  üon  Sauren  &u  tfyun  Jjatte ,  werben  wir  batb 
au3  einem  it>rer  alten  d)ronologifchen  Söerfe  felbfr  lernen. 

£)amtt  wollen  wir  jebod)  feineSwegeS  entfrdften,  wa3 
wir  oben  über  ba3  2C(ter  unb  bie  (Idtige  gortfefcung  ihrer 
Beobachtungen  ber  (Sterne  gefagt  haben.  2£rijrotele3  nennt30), 
als  bie  dltejten  Beobachter  ber  ©terne,  ^uerfl  bie  2fegt)pter, 
bann  bie  Babplonier:  unb  fein  ftuoerldffigcr  Ausleger  ©im; 
pliciuS  melbet  bei  biefer  Gelegenheit,  bag  2Irijrotele3  ftch  burch 
ÄallijrheneS,  welcher  in  2(leranberS  Gefolge  war,  bie  babplo^ 
nifchen  Beobachtungen  r)abe  fenben  laffen,  bie  bis  1903  Sahre 
cor  ber  macebonifchen  Eroberung  hinaufgingen:  eine  Angabe, 
für  welche  Dftebufn*  bereits  eine  gefd)t  ehrliche  Gewahr  auf; 
fanb,  bie  wir  im  oierten  Buche  bebeutenb  ju  oerfrdrfen  tyfcß 
fen31).  2£lfo  waren  gewig  bie  2£nfprüche  ber  2Cegppter  auf 
ba3  2£lter  ihrer  Beobachtungen  fet)r  bebeutenb,  ba  2£rifrotele3 
fte  oor  ben  Babploniern  anführt:  gewig  ohne  bie  Beobachtung 
gen  ber  <5onne  unb  be3  9ttonbe§,  unb  alfo  ber  ginfrerniffe 
beiber  aus^ufchliegen.  (Sie  mögen  aber  nicht  fehr  wiffen^ 
fchaftlich  gewefen,  auch  ihre  ^Bezeichnungen  lange  fcor  $tos 
lemduS  3^it  mit  ajfrologifchem  Unftnn  oermifcht  unb  in  ben 
©trubel  abergldubifcher  gabeln  hineingezogen  fein. 

<2er)r  bt^tuttnb  für  bie  Gefliehte  2Cegt)pten3  war  ge= 

30)  Aristot.  de  coelo  II,  12 :  'Ofiolcog  ds  xal  ntql  Tovg  aXXovg 
darsqag  XiyovGiv  ol  ndXcu  TETTjqrjxoTS g  in  nXt'iGtaov  ireov 
Alyvmioi  v.cci  EaßvXcovioi,  netq  cov  noXXdg  ntGTSig  £%o(i£v 
Tttqi  fxaörov  tcov  dcTSqoov. 

31)  Simplic.  Commentar.  46.  in  Lib.  II.  Arist.  de  coelo  p.  123: 
Tag  vizo  KaXXiG&svovg  in  BaßvXcovog  nsfup&EiGcig  nccqccTT]- 
qrjcEig  dcpivJG&oci  sig  tyjv  'EXXdSct,  tov  'AqiGTOTfXovg  tovto 
iniGKriipctvTog  ccvtco,  ägTLvag  dirjyuzai  6  TIoqQpvqiog  xiXlcov 
iza>v  hlvui  xal  ivvscixoGicov  Tqicov  fiixqi  tcov  XQovav  tov 
Maxedovog  Gcofafisvag.  SSgl,  SKtebufyr,  Ueber  ben  f)tftorifdjen 
©eroinn  aus  ber  armentfdjen  (Sfjroni!  beö  (SufebiuS* 


42 


@rM  8ud).  grfter  Srbfdjnttt* 


rotg  ber  Snhalt  ber  folgenben  SSücher  (fünf  unb  fed)S):  S3e* 
fchreibung  (@horographte)  2legt)pten3  unb  SSer^eicrmung  be3 
9Ztllaufe6 :  b.  I).  fetner  Ufer  im  dgt)pttfchen  ©ebiete.  £>a$ 
Hilter  geometrifcher  ^pian^eichnungen  bereift  bie  XXIIfte  Za; 
fei  ber  SepftuSfchen  Urftmben:  ein  im  9)hifeum  t>on  £urin 
befmbltcheS  £3rud)ftü(f  einer  genauen  Aufnahme  beS  ©rdber; 
t&aleS  (S3iban  ei  9Äolu!)  bei  Sieben,  ba3  ©rab  be$  £6nig3 
©eti  (©etr)o3)  auS  ber  19ten  ©tjnajtie  barffellenb  unb  nach 
bem  ßharafter  ber  ©chrtft  in  fe(>r  guter  3ett  angefertigt. 

£)ag  ber  ^auptsroecf  biefer  SBücher  bie  £)arfrellung  ei* 
ne6  ÄatajrerS  war,  bereifen  bie  £itel  be3  ftebenten  unb  ber 
brei  folgenben:  ^Bezeichnung  be3  Sempelbefranbee»  (Snoentar 
jebeS  £empel3):  ^Bezeichnung  ber  £empelgrunbfrücfe  (geifc 
lieben  ©üter):  t?on  ben  Sftagen  unb  t>om  Sempelgerdtf),  über 
beffen  ©roge  unb  ©eftalt  ohne  3roeifel  genaue  33efrtmmum 
gen  jtatt  fanocn.  2lud)  auf  tiefem  ©ebiete  geigen  bie  &mb 
mdler  un3  ba3  hohe  2llter  ber  bejiet)enben  Einrichtungen: 
bie  dgpptifche  Elle  ber  fpdtercn  3cit  tjt,  fct)on  bei  ben 
grogen  $>r;ramiben  —  alfo  in  ber  vierten  £)rmaflie  —  ange- 
roanbt.  £>te  ^Bezeichnung  be£  ßanbbeft^c6  unb  ber  geijrlichen 
©üter  ruhte  aber  roefentlid)  auf  ben  Einrichtungen  beS  gro* 
gen  ©efo|hi§  beö  alten  fRcid)c$.  7il}o  auch  hier  $eigt  ftdj 
allenthalben  dchtgefchi ehrliche,  alte  ©runblage. 

4.   £)te  ^ehn  gotteSbienjllichen     ü d) er  be$ 
(5  to  Ii  Iren» 

£)ie  vierte  2lbtr)eilung  roar  oor^ugSroeife  ober  ganj 
gotteSbienftltchen  Snhalt6  unb  enthielt  ebenfalls  £er)n  S5üchcr, 
„bie  SSorfchriften  über  bie  Erklinge  unb  bie  Dpferfrempe* 
lung",  offenbar  ÄunjrauSbrücfe  prtefietlichen  «Sprachgebrauchs, 
©ie  waren  bem  ©toltften  anvertraut  tiefer  92ame  begeht 


A.  Iii.  4.  «Die  aefon  gotte$bfen|llicf)en  ^5«d)cr  bcö  ©tofijtem  43 


ftd)  urfprünglicft  auf  btc  ©orge  für  ben  #n$ug  unb  <Sd)mucf 
ber  ©otterbilber  —  ein  2Cmt,  welches  ben  3utritt  ^um  tnnern 
£eiligtf)um  in  ftd)  fchloß32)  —  unb  bezeichnet  überhaupt  ben 
gcjl  s  unb  3ugorbner.  Snfcaft  ber  einzelnen  33üd)er 
fut)rt  Giemen^  an:  „über  £>pfer,  (grftlincje,  J^mnen,  ©ebete, 
genüge  unb  Sehnliches."  2öat)rfd^ einlief  waren  S3e|rattung 
unb  Sobtenfeiern  in  biefer  2lbtheilung  bemäntelt :  benn  fte 
femmen  fonft  nicht  üor. 

Such  für  biefeSbtheilung  fefcen  un3  fc&on  jefct  bie  2)enfs 
mdler,  üerbunben  mit  ben  9^ad^rtcr)ten  ber  20ten,  in  ©tanb, 
ba3  tjo^e  2ttter  beSjenigen  ju  beweifen,  wae>  in  ben  fpdteren 
3eiten  in  tfeggpten,  auf©runb  ber  (jeiltgen  33üd)er,  befranb: 
alfo,  unb  bae»  ijr  für  unfere  Unterfuchung  fyöcfyjt  wichtig,  im 
SBefentu'chen  ba6  f)of)e  Slter  biefer  S3uct)er  felbfr,  unb  bie 
gefd)id)tltche,  überlieferungsartige,  nicht  erbittere  Statur  ihrer 
^Bezeichnungen.  S3t6  ju  9ftanetf)o'3  unb  spiutardjS  ßetten, 
unb  gewig  bis  jum  ßnbe  beS  dgpptifchen  £eibenthumS,  legte 
jener  JDpferftempel  baS  fpred&enbfle  3eugnig  ab,  baß  aud)  in 
2legt)pten  bie  urfprünglichen  ©ühnopfer  9ttenfd)enopfer  ge^ 
wefen :  waS  übrigens  bie  tnnerjre  Sbee  beS  DpfernS  mit  ftd) 
bringt.  (5r  (teilte  nämlich  einen  jum  SDpfer  btxtitttm,  ge^ 
bunbenen  9ftenfd)en  mit  bem  £>pfermeffer  bar.  2Öir  geben 
unten  9ttanetho'S  bud)|tdblid)e  SBefchreibung  beS  (Stempele: 
gerabe  fo  fanb  ihn  SBilfinfon  in  Segtwten,  unb  fyat  iv)n  in 
feinem  lehrreichen  SBerfe  abgebilbet33),  9htn  aber  werben  wir 
im  ^weiten  Suche  fehen,  *>aß  bie  (Sitte  beS  9ttenfd)enopferS 

32)  Snfärift  oon  Sdofctte  ft*  6.  bei  Cepft'ug  Safel  19,  ©.  Setron* 
ne'S  2Cnmerfungen  fcu  ber  Stelle,  Fragm.  Historicor.  Gr.,  Ap- 
pend.  p.  14. 

33)  Plut.  de  Is.  et  Os.  c.  11.  pj  363.  «Bergt,  unten  bei  9)tanett)0 
Unb  3)orpt)t)UU$*    Wilkiuson,  Manners  and  Customs  V,  352. 


44 


@rtfe$  q5ud),  grjlcr  2lbfd)mtt 


fcbon  im  alten  S?ctrf>e,  am  (£nbe  be$  ftebenten  SahrhunbertS 
ber  SEReneS^eitfolge ,  abgefcfeafft  würbe:  woraus  allein,  aber 
aud)  genügenb,  ftd&  ein  Umffanb  erfldrt,  ber  felbft  SBilfmfon 
an  ber  ©laubwürbtgfett  jener  unbegweifelten  Ztyatfacfyt  irre 
gemacht:  bag  nämlich  bie  un3  bekannten  £)enfmdler  2legt)p; 
tenä  burdjauS  feine  Genfer)  enopfer  geigen,  wdhrcnb  wir  alle 
anberen  2lrten  t>on  opfern  unb  £)arbringungen  fo  hduftg 
unb  anfdfjaulid)  auf  it)nen  bargefMt  fmben.  £)te  S3orfd>rtft 
ber  heiligen  S3üd)er,  ber  ©runb  einer  bi3  in  bie  fpdtefren  3et^ 
ten  erhaltenen  Sitte,  mug  alfo  fpdteftene  au3  ber  3^tt  beS 
2lbfd)ajten§  ber  SD?enfct)enopfer  Rammen,  £)enn  wäre  bie 
^Beibehaltung  biefer  (Sitte  ber  ^Bezeichnung  bamalö  nicht  oor; 
gefcbrieben;  fo  würbe  man  fte  fpdter  nicht  haben  einführen 
formen,  wenn  ber  ©runb  berfelben  üergeffen  ober  t>erabfcr)eut 
war.  2lber  bie  S3orfcr)rift  über  bie  &3ejtempelung  fonnte 
auct)  alter  als  bas  2Cbfcr)affen  ber  SKenfd&enopfer  gewefen 
unb  nur  betbehalten  fein,  trog  biefeS  2tbfd)affen3  it)re3  ©run^ 
bes>,  2llöbann  mügte  biefer  Sheil  ber  heiligen  Schriften  fpds 
tcjtenS  in  ben  erjlen  Sahrhunberten  be£  9)?ene3reicbeS  abge^ 
faßt  fein.  £)a$  hohe  2CIter  ber  SSorfd&rtft  beweijr  auch  ber 
allgemeine  9Jame  biefer  ganzen  vierten  2lbtl)eilung. 

5.  £)ie  5 ehn  S5ü eher  ber  Propheten, 
£)te  legte  2(btheilung  jener  36  heiligen  S3ücr)er  waren  bie 
eigentlich  prtejlerltchen :  baher  trugen  fte  auch  ben  allgemeinen 
tarnen  ber  l)terattfd)en  Schriften  unb  waren  ben  Propheten 
anvertraut,  ber  erfreu  ^rtefrerflaffe,  welche  beghalb  unmittth 
bar  auf  bie  Dberprtefter  ber  großen  Tempel  folgte34),  JDte* 
fer  S3ucher  waren  wieberum  jehn.  Sie  hobelten,  nach  @les 
menö,  „t>on  ben  ©efe^en,  t>on  ben  ©Ottern,  unb  t>on  ber  ge= 
34)  Snfdjrift  üon  SRofcttc  a.  o.  £).  unb  baju  Ectronnc. 


A.  III.  5.  £>ie  jcl)n  Q3üd)er  ber  Propheten.  45 


„fammten  priefterlichen  SBilbung."  <5o  warb  benn  in  biefer 
Abteilung  aud)  bie  ben  ^Priefrern  anvertraute  SSertr)et(ung  ber 
(Steuern  gelehrt,  für  welche  bie  S5urf)er  ber  britten  2Cbt^>eü 
lung  bie  ©runblage  enthielten,  namentlich  wa3  bie  ©runb^ 
freuer  unb  bie  9)riefferfreuern  ober  freiwillige  ©aben  betraf. 
(53  ift  merfwürbig,  baß  auch  nach  bem  Untergänge  be3  dgpps 
ttfd&en  &taatt$  bis  auf  ben  heutigen  Sag  bie  Zopten  immer 
ba3  2Cmt  ber  ©teuer  Eintreibung  unb  Verrechnung  gehabt 
haben  unb  noch  befugen.  Unter  ber  gefammten  priefterltdjen 
S5ilbung  hß&en  gewiß  bie  Regeln  be3  priefrerlichen  Sebent 
einen  bebeutenben  $lafc  eingenommen,  Gnne  £)arfrellung  befc 
felben  von  (Shdremon,  welche  Q3or^r)t)ttu6  aufbewahrt  t)at 3  5), 
ifr  ohne  3weifel  aus>  btefen  33ücr)ern  gefd)6pft,  bie  @hdremon 
als  ^ierogrammat  fennen  mußte.  (Sie  jtettt  mehr  bar,  was 
fein  follte,  ale>  waS  bamalS,  im  erfreu  3af)rhunberte  unferer 
3eitrechnung,  würflich  war.  Sene  £)arffetiung  erinnert  wiebes 
rum  fehr  ftar!  an  9ftanu  unb  manche  «Stellen  ber  VebaS. 

£)er  bei  mikm  wicf)tigfre  Ztyäl  biefer  Abteilung  war 
ohne  3weifel  berjenige,  welcher  von  ber  ©otterlehre  unb  von 
ben  mit  ben  gottlichen  fingen  ^ufammenhangenben  ©efe^en 
hanbelte.  25enn  von  biefen,  unb  nicht  von  ben  rein  bürgen 
liehen  ©efefeen  ifr  jener  AuSbrucF  ^u  vergehen.  £>te  ^riefte 
gefeite  betrafen  aber,  wie  wir  wifien,  nicht  bloS  geifrlicheS 
9fed)t,  fonbern  viele,  wo  nicht  alle  ftaatSrechtlichen  ©efefce 
waren  mit  ben  fechten  unb  Pflichten  ber  $>riefierfchaft,  ber 
eigentlichen  Stanbfchaft  be3  dgpptifchen  SSolfeS,  auf's  engffe 
verbunben.  2Bie  bie  Stafel  von  3?ofettc  jeigt,  war  bie  feter- 
liehe  Anerkennung ,  Krönung  unb  Söeihung  bes  ÄonigS  nod& 
in  ber  ^tolemder  3eit  baS  Vorrecht  ber  $)riefrer,  in  beren 
Äajte  ber  £errfcher  felbft  vorher  aufgenommen  werben  mußte, 
35)  Porphyr,  de  abstio.  II,  6  —  8.        unten  über  (Sfjäremon. 


46 


@rjle$  95ud).  grftor  2lbfd)nitt, 


wenn  er  nirf)t  auSnafymSweife  fcfyon  $Priejter  war,  %u<fy  f)at 
fd)on  beeren  au£  einer  ©teile  beS  ©pneftuS  nacr)gewiefen  36), 
bag  bie  urfprünglicfyc  gorm  ber  altert  £Serfaffung  eine  würfs 
licfye&onigSwarjlgewefen  fein  mug.  Sie  (£rblid)£eit  ber  Ärone 
tritt  fcfyon  mit  SfteneS  ein,  unb  wirb  wdfyrenb  ber  ^weiten 
Spnajtie,  im  brttten  3af)rl)unberte  beS  9?etd)eS ,  aucf)  auf  bie 
weibliche  ^ad)fommenfd)aft  auSgebefmt  <Settbem  warb  alfo 
ba£  prie|f  erliefe  2öaf)lretf)t  wof)l  nur  beim  2(u3jterben  be3 
£6ntg£ftamme6  geübt,  ftulefet,  nad)  2(uSbilbung  ber  unbe; 
fd&ränf  ten  Sftonardjie,  nur  als  ©d)einwaf)l  unb  gorm  beob* 
achtet  @rjl  wenn  biefe  $6nig3waf)l  burcf)  bie  ^priefier  auf 
bem  libpfcfyen  SBerge  bei  Sieben  ftatt  gefunben  f)atte,  unb  bie 
©otter  befragt  waren,  jog  ber  Äonig  nad)  bem  2(mmon$>tems 
pel  $ur  feierlichen  Grmfefcunq.  2CUeS  tiefet  lonnte  nirgenbS 
aB  in  ben  23ud)ern  ber  Propheten  t>orgefd)rieben  fein.  Sie 
grogen  S3orrecf)te  ber  $Prte|ter  bei  biefen  urdgpptifdjen  @omi* 
tien  beweijt  nod)  gan^  befonbetS  biefer  Urfprung. 

Sßenn  e3  aber  fyeigt,  bag  bie  dltejten  ©efefce  überhaupt 
bem  Kermes  jugefctyrieben  würben37),  fo  fann  bamit  ntcf)t$ 

35)  £eeren,  Sbeen,  II.  35anb,  'Kenten,  335»  Sic  »on  ü)m  aus 
Synesius  Opp.  p.  94.  angeführte  ©teile  ift  aus  bem  Eingänge 
beö  SBerfeS  über  bie  83orfef)ung,  welches  er  aud)  Aoyog  Alyv- 
nnoq  nannte.  Sie  $)rtefter  umftanben  bie  Bewerber  um  ben 
Stjron  jundc^ft:  bann  folgte  ein  ÄretS  ber  Krieger,  gulegt  baS 
übrige  93olf.  Sie  spriejter  nannten  ben  tarnen  be§  (Sanbibaten, 
über  roeldjen  gejtimmt  werben  fotlte:  bei  biefer  tfbfttmmung 
Ratten  ft'e  felbft  grojje  23orred)te:  bie  «Stimme  jebeS  Äriegerö 
*äl)lte  etnfad),  bie  eines  Propheten  tjunbertfad) :  eines  spriefterS 
untergeorbneten  langes  (nco^aaT^q ,  rote  epulo,  nad}  $peta»S 
richtiger  23emerfung  ju  Synes.  p.  73.  Kcofiaovrjgicc)  jroanjig* 
fad),  eines  SempelbienerS  (£axooog)  jebnfad).  2£Ueö  biefeS  er* 
innert  fefyr  an  Sftanu.  Sie  von  (SrjneftuS  gewählte  gorm  beö 
.Kampfes  »on  Dfiris  unb  £r;pf;on  um  bie  Ärone  tffc  Vornan. 

37)  Diod.  I,  94.  Aelian.  V.  H.  XII,  4.  »gl.  XIV,  34.  Diog.  Laert. 


A.  III.  5.  £)tc  aefjn  Q5üd)cr  bcr  <Propf)eten. 


47 


anberS  gefagt  fein,  als  bag  auch  bie  bürgerliche  ©efe^gebung, 
ihre  erften  Vehrte  in  ben  fettigen  33ücf)ern  hatte,  imb  bag  fte 
$um  SEljett  auf  bte  in  biefen  enthaltenen  Behren  t>on  ben  gott* 
liehen  Dingen  gegrünbet  war,  nicht  aber,  bag  bie  (Sammlung 
ber  dgt)ptifchen  ©efe^e  einen  Ztyit  jener  SBücher  aufmachte, 
©o  rubt  9flanu'3  ©efefcbud)  auf  ben  SSebas,  unb  geht  auf 
ihre  Sehren  jurücf,  fobalb  bie  bürgerliche  2(norbnung,  wie  e§ 
j.  35.  im  gamilienrecht  unb  namentlich  im  Erbrechte  ber  gall 
ijf,  mit  religiofen  Sbeen  in  SSerbinbung  ftef)t  unb  an  Verne*)* 
tung  reltgiofer  Pflichten  genlüpft  ijt.  Die  grögere  #älfte  ber 
bdnbereichen  Erörterungen  ber  inbifchen  Ausleger  unb  ©lofs 
fatoren  Sftanu'S  über  ba3  Erbrecht  befreit  au£  ber  burchge; 
führten  2urwenbung  einiger  allgemeinen  Verfügungen  WlanvCB, 
bie  wieber  ihren  Urfprung  in  einigen  SSorten  ber  2Seba6  h<*2 
ben,  auf  alle  möglichen  Salle  in  ber  Erbfolge.  ES  ift  bes 
fannt,  bag  bie  muhammebanifche  3£echt$>bilbung  in  noch  hö- 
herem ©rabe  auf  2lu3fprüd)en  be£  itoran  ruht  unb  noch  mehr 
burch  biefe  bebingt  unb  befchrdnft  ift.  S5ei  ben  2(egt)ptem 
nun  waren  bie  bürgerlichen  ©efe^e,  nach  einer,  ihre£  £)rte§ 
an^uführenben,  unfehd^baren  Angabe  DioborS,  in  acht  S3uct)er 
georbnet,  unb  jwar  mit  Angabe  be3  NamenS  beSjenigen  Mt 
nigS,  oon  welchem  ber  2üts>fpruch  ber  Entfdjeibung  eines  ges 
gebenen  ^echtsfalleS ,  ober  bie  allgemeine  Verorbnung  h^5 
rührte.  Er  giebt  bei  biefer  Gelegenheit  eine  £ifte  ber  ha 
rühmtejten  ©efe^geber,  in  ber  3eitfolge.  Der  dltefre  ifr  ber 
britte  Nachfolger  be3  SDteneS,  SftneoiS,  welcher  feine  gefc^rte- 
benen  ©efe^e,  bie  erften  ber  2£egt)pter,  r>on  £erme3  empfing. 
Sm  neuen  deiche  (teht  ooran  SBofchorte,  ber  unglückliche  &t& 
formator  beö  achten  SahrhunbertS  t>or  unferer  Seitrechnung, 

Prooem.  §.  10.  11.  nad)  9Kanetf)o  unb  £efatäu§.  SBic  geben 
bte  gan^e  2)arjMung  unten  bei  SDlanetfjo* 


48 


@rflcS  «Sud).  <£rftcr  2Jbfd)nitt 


welcher  Ztyon  unb  2eben  an  bie  2tetf)iopen  üerlor.  Seite  d(= 
reffen  ©runbgefe&e  mochten  ftch  in  ben  heiligen  S3uc^ern  bcr 
Propheten  ftnben,  unb  auch  in  bem  bürgerlichen  ©efefcbuche 
angeführt  werben.  (So  war  alfo  biefeS  ©efe^bud)  bem  juffo 
nianifchen  SBerfe  nicht  unähnlich,  unb  hatte  in  ber  gorm 
x>teIXetcf>t  noch  mehr  ^ehnlicr^eit  mit  ben  inbifcr)en  $>anbeften 
ßolebroofe'6  über  ba3  Erbrecht,  ohne  jebod),  wie  biefe,  auf 
einen  3roeig  be£  3?ed)te3  befchrdnft  ju  fein.  Sn  einem  fofc 
cr)en  äßerfe  mußte  jebenfalß  bie  golge  ber  Könige,  unb  ^um 
Ztyil  auch  ^e  ©efchichte  2Cegtwten3,  einen  höchl*  wichtigen 
2(nhalt3punFt  ftnben. 

6.   Sßeltg  efchichtliche  (Stellung  ber  heiligen 
33  ü  ch  e  r, 

Söerfen  wir  nun  einen  S5ltcf  auf  bie  heiligen  33ücf)er  felbff, 
inS5cjtchunq  auf  ihr  Sßerhdltnig  ^um  ©efchichtlichen  — bie  ein* 
$ige  Siücfficht,  tne  un3  hier  Jbeftf)dftigen  barf  — ;  fo  ijl  ihre 
weltgefchichtliche  (Stellung  fogleich  flar.  Unenbltd)  geflieht* 
licher  aU  bie  heiligen  33ücr)er  ber  Snber,  unb  unenblich  we* 
niger  gefchtchtlid)  al£  bie  heiligen  £3ü<f)er  ber  Suben,  fcheinen 
fte,  in  biefer  £inftcht,  ungefähr  ben  3enbbüd)ern  gleich  fl*5 
(knben  ^u  fyabtn,  jeboch  mit  groger  SSerfchtcbcnhett  beiber. 
Offenbar  haben  SranS  heilige  33ücf)er  ben  SBortheil  einer  brei- 
teren gefchichtlichen  ©runblage  ber  Ueberlieferung ,  oerglichen 
mit  benen  be3  f)alb  oafen^,  halb  infelartig  begrasten  unb  be* 
fchrdnften^ilthaleS,  unb  eineS  oonber  aftattfct)en  SBur^el  lo6ge= 
rifienen  23olfee>,  beffen  S3ewugtfetn  ganj  in  ba3  2anbfd)aftlicf)e 
unb  überhaupt  in  bie  Jorm  be3  Sebent  oerfenft  ifr.  dagegen 
bkkn  biefe  ben  33ortf)eil  einer  bei  weitem  weniger  ^erfrorten 
ßanbeSgefchichte  bar:  auch  m  iwten  äeigt  ftch  ba$  ägpptifd&e 
SSolf  als  fcorjuqSroeife  bas  S5olf  ber  Erinnerung  unb  ber 


A.  III.  6.  2Bertgcfd)td)tI.  (Stellung  Der  f)ciliqen  55üd)cr*  49 


Senfmdler.  (Seine  fyetrtqen  S3ucf)er  entfetten  bebeutenb  mehr 
gefd)ichtliche  2fusbilbung ,  als  wemgjlenS  bie  un3  befannten 
Senbbüd^er  a^nben  lajfen.  SBdren  jene  ©chriften  erhalten; 
fo  würben  wir  %toax  tue  Seitrechnung  öu3  ihnen  ntd^t  her; 
jMen,  aber  jebe  gefunbene  vielfach  an  tt)nen  prüfen  fonnen. 
dbtn  fo  würbe  ba£  in  ihnen  thatfdchlich  Enthaltene  bie 
trocfene  3xet^e  ber  £6nig3lijten  beleben  unb  ausfüllen,  unb  bie 
grtechifchen  Ueberlieferungen  naher  beftimmen  unb  berichtigen» 
^5  würbe  fyter  unb  ba  ber  ©chatten  einer  großen  ^erfonlic^s 
feit  auS  ihnen  emporfteigen,  ftatt  eines>  bloßen  ruhmvollen 
Samens  ober  einer  in  Sichtung  untergegangenen  ©age,  be; 
ren  9lad)fyaü  wißbegierige  unb  fragfame  ©rieben  vernahmen, 
Allein  eben  fo  gewig  enthielten  biefe  feetHgen  33ücher  feine 
©efdjichte  bes>  ägpptöfcfyen  SSolfee,  wie  ee>  bie  33ücr)er  bee>  aU 
ten  ^ßunbeS  tbun.  (£3  fehlte  bie  Sbee  beS  SSolfeS,  unb  nod) 
mehr  bie  beS  SBolfeS  ©otteS,  be£  <Sch6pfer3  Rimmels  unb 
ber  Erbe,  Sie  ©efd)td)te  warb  geboren  in  jener  Stacht,  als 
9ftofe3,  mit  bem  ©efe^e  be3  ©eij?e£,  bem  ©ittengefe^e,  in 
feinem  ^er^en,  ba£  SSolf  SsraelS  auS  2Teg^pten  führte:  ihr 
£eben  fanf,  als  unter  ben  Richtern  ba3  Sßolf  Sbewußtfein  ftd) 
wieber  in  ba3  arabtfcher  S5ebuinen=  unb  Jpirtenfidmme  ver; 
lor:  fte  blühte  wieber  auf  mit  ben  großen  gerichtlichen  ©e; 
jfalten  (Samuels,  SavibS  unb  (Salomo'S,  welche  ben  \übu 
fchen  (Staat  gebilbet  haben.  Sftad)  bem  Untergange  be3  ©e; 
fammtretcheS  ber  (Stamme  wanbte  ftch  ber  SBolfSgeifi  mehr 
ben  gottlichen  Singen  ^u,  unb  fo  fonnte  bie  eigentliche  ©es 
fchichtfchreibung  bei  biefem  58olfe  nie  ihre  höchfte  2lu3bilbung 
erreichen,  übzx  in  bemfelben  3ettraum  fanb  bie  Sttufe  ber 
©efchichte  ihr  SieblingSvolf  unter  ben  Hellenen,  unb  erwecfte 
in  £erobot  ben  SD?etfler  ber  Crrforfchung ,  fo  wie  ben  7(nfä\u 
I.  4 


50 


grftcö  Q3ud).  grftcr  Slbfcbmtt* 


ger  ber  jlreng  gefchichtlichen,  perfonltchen ,  ftufammenhängen* 
ben  £>arjtellung  ber  ndchflen  S3ergangent)ett 

(£ntbielten  nun  bie  heiligen  SBttcher  ber  2Cegppter  feine 
rein  gefchichtlichen  2tt)fchnitte,  fo  ()aben  wir  un6  auch  ntd>t 
p  wunbern ,  bag  wir  überhaupt  t>on  feinem  ©efchtchtSwerfc 
hören  oor  Tlamtyo,  ba3  beigt  oor  ber  ^Berührung  mit  bem 
griecbifchen  ©eijle.  2öa3  in  Söiffcnfchaft  unb  gefrf)td>tltd^em 
SBewugtfein  unter  ben  2legt)ptern  lebte,  fanb  feinen  2£uöbrucf 
in  jenen  33üd)ern.  Sieben  tJ>nen  her  gingen  nicht  abgefchlof; 
fcne,  aber  getreu  verzeichnete  ÄontgSliften.  hiernach  alfo  tjf 
£)iobor$>  ungenauer  2(u$>brucf  $u  berichtigen,  baß  bie  äfften 
ber  Könige  einen  Zfytil  ber  Zeitigen  S5üd)er  aufgemacht 
2Ba3  bie  2(egt)pter  befagen,  waren  ^onigSoerzeichniffe ,  bie 
immer  fortgeführt  wuroen:  fein  abgefnä) (offen eS  2Berf,  wie 
bie  heiligen  SBuchcr  wenig|ren3  feit  ber  $>fammetid)en  3^tt 
gewefen  fein  muffen,  £erobot3  ?lu£brucf  ift  auch  hier  ber 
genauere:  er  nennt  bie  $6nig3lifre  ein  £3ud)  ber  ^riefter, 
aber  fein  heiliget 

2öie  bie  2(cgppter  unter  ihren  I)cittgen  S3üchern  feine 
©efd)icht3werfe  befagen:  fo  Ijattm  fte  auch  feine  ^ufammen^ 
hdngenbe  3eitrecbnung,  wie  bie  nach  Sohren  9?abonaffar3 
ober  ber  Dlpmpiaben  ober  ber  Erbauung  9?om3:  unb  auch 
au3  bemfelben  ©runbe.  £)a$  SBolfSbewugtfein  fuchte  unb 
fanb  auch  hier  einen  reltgiofen  Gahmen  für  ben  2(u3brucf  be$ 
3ufammenbange§  be3  gefchichtlichen  £)afein3:  bas  ©otteSjabr, 
ein  ÄrciS  von  1461  Sahren,  an  beffen  Äunbe  ba£  gan^e 
prieflerliche  Sabr  unb  ber  ÄreiS  ber  heiligen  gelle  hing, 
war  ihnen  wichtiger  ju  wiffen,  in  welchem  Sahre  be£  htmm^ 
lifchen  ÄretfeS  fte  lebten,  als  in  welchem  Sahre  be3  Wlmt& 
reichet  gür  jenen  ^reiä  verfolgten  unb  bezeichneten  fte  bie 
Sahre,  welche  von  ihm  bereite  oerfloffen  waren :  gerabe  wie 


A.  Iii.  6.  2Beltgefd)td)tl.  Stellung  ber  f)eiftßcit  Q3üdKr.  51 


beim  julianifcr)en  unb  gregorianifcben  Sahre  ber  mer  jährige 
.ftreiS  eine  ^ufammenhangenbe  33erjetd)mmg  oorauSfe^t,  2lucf) 
biefe  ^Bezeichnung,  beren  2(rt  unb  SBebeutung  baS  vierte  23ud) 
barlegt,  war  eine  priejrerliche  Sempelbezeichnung  unb  geheim» 
£te  gewohnliche  für  ein  jebes>  Saht  beftanb  in  ber  Angabe 
bea  SahreS  ber  Regierung  be£  h^rfrf)enben  ^onigö,  2lber 
wieberum  lagt  ftd)  jene  Sempeloer^eichnung  nach  bem  £unb£; 
fiernfretfe  burchauS  nicht  anberS  benfen,  als  bag  tahi 
gleich  biefe  weltliche  ^Bezeichnung  angemerkt  würbe,  <So 
muffen  alfo  bie  gefd)tchtlichen  ÄontgSliften  t>on  gelehrten  $rie^ 
(fern  entweber  au£  ^en  heiligen  SSer^eichnungen  gebogen,  ober 
nach  ihnen  geprüft  unb  berichtigt  worben  fein.  £)ie  priefrers 
liehe  Einrichtung  erbrüefte  bie  ©efchichte  unb  ber  r)tmmltfcr)e 
Sahre^freiö  bie  irbtfehe  Sahr^dhlung,  aber  bette  begün|rtgten 
bie  Seitrechnung  unb  bie  Anlage  unb  Erhaltung  oon  S^h^ 
büchern. 

£>a3  praFtifdje  Ergebnig  unferer  Unterfuchung  über  bie 
heiligen  SBücher  formen  wir  etwa  folgenbermagen  au6brüs 
efen.  £)ie  achten  ^etlt^en  33üd)er  waren  ganz  anberer  %xt 
als  bie  lügenhaften  h^mettfehen  33üd)er  neuplatoniftrenber 
<5t)rer  unb  2iegt)pter.  (Sie  enthielten  feine  ©efchid)te,  aber 
t)iel  ©efchichtliche6:  fte  gaben  feine  3eitredjnung,  aber  fte  tnU 
hielten  bie  ©runblage  unb  ben  ^rüfjrein  berfelben.  ©inb  fte 
nun  alt,  reichen  fte  über  bie  $t)Ffo%it  in  ba£  9ttene3retcf) 
hinüber,  fo  ifr  auch  bit  ©runblage  aller  alten  dgpptifchen 
3eitrechnung  unb  ©efd)ichte  für  unfere  SBerichterfratter  nicht 
verloren  gegangen. 

£)te  dg^ptifchen  Sahrbücher  unb  $6nig6ltjren  nehmen 
alfo  bie  grögte  Achtung  in  2(nfpruch.  fragt  ftd)  nur,  ob 
wir  SSormanethonifchee  oon  ihnen  beft^en,  unb  welcher  2frt 
biefe$  fei? 

4* 


52  <£rftcö  <8ud).  grftcr  2lbfd)mtt, 

(5f)e  wir  nun  biefer  Untcrfuchung  übergeben,  woEen 
wir  nod)  Grine  grage  uoer  ^e  ^ctttgcn  33üd>er  in'§  2Cuge 
faffen.  (Sollte  twn  ben  ^eiligen  33üd)ern  felbjt  un§  gar  nichts 
erhalten  unb  burd)  bie  ,£>ieroglr;phenfunbe  ^ganglid)  ge; 
macht  fein? 

IV.  £)aS  Sobtenbucf),  ein  erhaltenes  ©tüdf  bet- 
eiligen £3üd)er, 

3n  golge  ber  dgpptifchen  Unternehmung  warb  ein  in 
ben  ÄönigSgrabern  t>on  Sieben  gefunbencr  $apm*u3  bdannt 
gemalt,  perfi  von  Gäbet  (1805),  bann  im  großen  dgpptU 
fd)cn  SBerfe.  Gr  gab  ftdb  burd)  bie  3eid)nungen  als  ein  auf 
£obtenfeier  unb  Seelenwanberung  bezüglicher  funb.  Qfyams 
pollion  fanb  im  turiner  SDtofeum  benfelben  *Papm*u3,  aber 
ttiel  t>ollftdnbiger,  öon  etwa  boppeltem  Umfange:  übrigens?, 
wie  jener,  nicht  in  fyieratifcfyer  (Schrift,  fonbern  in  $teros 
gfypben,  ber  £)enfmalfchrift  ber  ^eiligen  Sprache,  gefd)rie= 
ben.  3>tc  SÖtcfytigfeit  biefeS  £enfmal3  würbtgenb,  unterwarf 
er  cS  fogleicr)  einer  genauen  durchficht,  unb  feilte  e3  in  bret 
2lbfd)nttte  ab.  £epftuS  erfannte  in  ihm  bie  wid)ttgfte  ©runb= 
läge  für  baö  SScrfldnbnig  ber  dgv;pnfd)en  Schrift  unb  Sprache, 
Gr  theilte  ei>  nad)  ben  in  ben  $anbfcf)riften  felbjt  beobaefc 
teten  Abteilungen,  in  165  2lbfchnitte,  unb  ee>  ergab  ftcf)  ihm 
balb,  ba§  alle  ^)apt)ru6rollen  ärmlichen  SnhaltS,  welche  ftdt> 
in  europdifchen  Sammlungen  fmben,  mehr  ober  weniger  t)on 
jenen  2lbfcr)nitten  enthalten.  Ghampollton  hatte  e3  für  ein  Ii; 
turgifd)e3  2Berf  gehalten,  unb  begfwlb  „ba3  Ritual"  genannt 
£epftu3  bezeichnete  es>  al§  ba£  £obtenbud),  weil  ber  Snbalt 
burchauS  fein  £obtenamt  ifi  Vielmehr  ift  ber  SSerfrorbene 
felbfl  ber  ^anbelnbe :  feine  Seele  fpricht  auf  ihrem  langen  Sßege 


A.  iv.  £xts  £obtcnbud). 


53 


burct)  bie  bimmlifchen  Pforten  bie  ©ebete,  Anrufungen,  S5cs 
f enntntffe ,  welche  %\tx  verzeichnet  fmb.  £>k  erfreu  fünfzehn 
Kapitel  bilben  ein  zufammenbdngenbeS,  befonbereS  ©anze, 
mit  ber  allgemeinen  Ueberfd)rtft:  ..Anfang  ber  Abfcr)nitte  t>on 
ber  Grrfcheinung  (jßer!ldrung)  im  £id)te  bes  £ftri§".  £ierzu 
gebort  bie  3eict)nung  be3  feierlichen  Leichenzuges,  f)inter  wel= 
ct)em  ber  fßerftorbene  erfct)eint,  ben  (Sonnengott  anbetenb. 
£)a3  erjle  Kapitel,  welches  ftet)  auf  mehreren  Sarkophagen 
ftnbet,  enthalt  Anrufungen  an  ben  $erru  ber  Unterwelt,  Df£ 
ri3:  im  neunten  öffnet  tiefer  bem  SSerftorbenen,  al$  feinem 
(Sohne,  bie  SBege  be3  Rimmels  unb  ber  drbe:  in  ben  fok 
genben  wirb  ber  Dftrtaner  gerechtfertigt  unb  gelangt  zur  Tim 
fcr)auung  beS  2icr)teS.  £)iefe  erjre  Abteilung  b'übzt  nach 
SepftuS  ben  jlern  beS  ©an^en:  ba§  golgenbe  i(l  weitere  Au3= 
fuhrung  ber  einzelnen  ^anbhmgen  unb  S3egegniffe  ber  (Seele, 
oft  mit  wortlicher  2Bieberbotung  einzelner  Abfcr)nitte.  Aber 
aud)  in  jenem  dlteften  Steile  erfennt  berfelbe  Spuren  allmäfy 
liger  Grntfrebung :  baS  streite  unb  britte  Kapitel  geben  fict) 
felbff  a(6  3ufäfce:  dt)nltct)  üerbdlt  fict)  ba£  fünfzehnte  zum  t>or= 
hergebenben.  Sa  fct)on  ba£  breizebnte  unb  üierzebnte  febeinen 
hinzugefügt,  unb  bas  tfvbtftt  Kapitel  zeigt  ftet)  aB  ber  dltefte 
(Schluß.  3n  ähnlicher  SGBeife  erfcheint  baS  neunzehnte  unb 
Zwange  Kapitel  als  Sßieberholung  beS  achtzehnten. 

(Tin  dfmlict)e$  23uct)  (auch  mit  btefem  tarnen  be^etd>= 
net)  ftnbet  ftch  am  Gfnbe  beö  $Papm*u§  (£ap.  125.):  „23ud) 
ber  Crrlofung  im  (Saale  ber  boppelten  ©erect)tigfeit":  bae> 
heigt  wohl,  nach  CepfüiS,  ber  lohnenben  unb  ber  ftrafenben. 
£>er  Snbalt  ijr  bass  gottliche  ©erict)t  über  ben  SSerftorbenen : 
&wei  unb  vierzig  ©otter  (3af)l  bec  irbifchen  £obtenrict)ter) 
ftfeen  zu  ©ericht:  £)fm$,  aß  ihr  SBorftfeer,  hat  ba3  £dfeld)cn 
be6  £)berrichter3  auf  ber  £8rufr,  auf  welchem,  nach  ben  £)cnb 


54 


@rjlc$  S3ud).  @r|h?r  2lbfd)trttt. 


mdlern,  bie  ©erechttgfeit  (SDZa)  abqebilbet  war,  Sie  ©erect> 
ttgfett  mit  ber  Straußenfeber  empfangt  ben  ©ntretenben : 
t>or  ir)m  ftef)t  man  bie  betten  -2Öagfchalen  be3  göttlichen  ©es 
rtd&tS  r  in  bie  eine  iff  ba6  ©tanbbilb  ber  göttlichen  ©ereefc 
ti$hit  gefegt,  in  bie  anbere  ba£  ^er^  be3  SSerfforbenen.  33ei 
biefem  freht  ber  SSerfrorbene,  2(nubt3  beroacr)t  bie  anbere 
Sßagfcbale:  £oruS  ftebt  nacr)  bem  2oth,  welches  bie  Neigung 
beS  £luerbalfens>  anzeigt:  SEfyotf),  ber  Recbtfertiger,  ber  £err 
ber  göttlichen  SBorte,  verzeichnet  baö  Urtheil,  SSor  jebem  ber 
42  Richter  ftnbct  eine  eigene  Rechtfertigung  be£  Verdorbenen 
fratt.  TCuf  biefeS  Sßudo  folgen  mehrere  anbere:  einige  baoon 
enthalten  ^pmnen  (£ap.  128.  134.  139.).  Sie  ganje  Rolle 
halt  £epftu3  auS  ber  3ett  ber  18ten  ober  19ten  Spnajrie, 
alfo  auS  bem  15ten  bis  13ten  Sahrhunberte  vor  unferer  3ett= 
rechnung. 

2CUe6  biefeS  höben  roir  ber  SSorrebe  oon  ßepfüiS  ber 
2(u6gabe  beS  £obtenbud)es>  entnommen,  welche  unmittelbar 
t>or  feiner  Reife  nach  2£egt)pten  erfchienen  ift 

2Öir  wenben  un3  t>on  ber  gebrdngten  Ueberftct)t  bes>  3n^ 
haltet  biefeS  erfreu  gebrückten  dgpprifchen  SBerfeS  &u  bem 
3wecfe  unfereS  2Tbfdt>nttte6.  £epftu3  urtheilt  über  ba3  83ers 
hdltnig  beffelben  ^u  ben  heiligen  33ucr)ern  ber  2(egt)pter  in 
folgenben  SBorten38):  ..Siefe8  &3uch  bkttt  un3  baö  einige 
•Jöeifptel  eineS  großen  dgpptifchen  £iteraturroerfe3  bar,  wek 
;?cr)e3  uns  aus  ber  altpharaonifchen  Seit  erhalten  ijt:  ein 
»©ammefwerf  allerbinge,  an  welchem  in  t>erfd)iebenen  $>tu 
..ten,  unb  wahrfcheinlicr)  auch  ön  t>erfd)iebenen  £)rten  in  2fe= 
..gripten  gearbeitet  worben  ifr,  welches  in  feiner  erfreu  Hn? 
..läge  aber  geroig  ben  dltefren  3eiten  angehört,  unb  ohne 
«Sroeifel,  roie  anbere  heilige  SSüchcr,  bem  Kermes  ober  Zfyotfy 
38)  SSorwort  ©.  16  f. 


A.  iv.  2>aö  £obtcn bud). 


55 


..äugefcfyrieben  würbe,  tiefer  priefrerlicr)e  2(u3brucf  würbe 
..md)t  erjr  fpdter  erfunben :  beim  e£  tütrb  fd)on  in  bem  &ob; 
..tenbucfye  fclbfi  mehrmals  oon  „bem  &3ucr;e"  unb  oon  „ben 
„S3üd>ern  be3  £f)otf)"  gefprodfcen  (£ap.  68,  6.  94,  1.  2.), 
..unb  in  ber  Vignette  ju  -ftap.  94.  fydlt  ber  Sßerfforbene  felbjt 
..bem  Sbotb  ba£  t)ermetifc^e  S3ucr;  entgegen,  oon  welkem 
„im  Sexte  bie  $ebe  Hbf 

^acr)  ber  oorrjergefyenben  Unterfudjung  über  bie  beiltgen 
33üd)er  jiefjen  wir  ntd&t  an,  bas  Sobtenbud)  für  etne6  ber 
jefyn  33ücf)er  ber  vierten  2(btbetlung  $u  erklären.  Sn  ben 
Spuren  älterer  unb  neuerer  S3epanbtr)etfe  fefyen  wir  bie  QtnU 
(rel)ung  bc£  dgppttfcrjen  ÄanonS,  ober  ber  Sammlung  ber 
^eiligen  &3üd)er,  2Bie  in  bem  bebrdifcfyen  Äanon,  würbe  HtU 
tereS  unb  teueres  dbnltcrjen  SnfyalteS,  ober  oerfd)ieben  über; 
lieferte  Raffungen  befjelben  ©egenfranbeS,  ^ufammengefrellt 
unb  jufammengeretbt,  bi$  eine  Seit  fam,  wo  ber  ^anon  ges 
fd)loffen  würbe.  £>iefe  2(nnabme  Lintert  ntd)t,  in  oielen  ber 
Juroren  £obtenbücr)er  fpdtcre  2(u^üge  §u  ernennen:  nur 
fcbeint  man  barauS  nicfyt  folgern  ju  bürfen,  bafi  ba£  f)ierin 
(Sntfjaltene  gerabe  bie  alteren  SBejranbtbeile  bar|Me.  SBeibe, 
altere  unb  neuere,  waren,  nad)  unferer  2Cnftct)tr  im  Äanon 
ber  beiligen  £3ücr)er,  fo  wie  er  bem  neuen  3ieicr)e  oorlag, 
mit  einanber  oerbunben:  au3  biefem  ^anon  nabm  man 
balb  mefjr,  balb  weniger  herüber,  melletd&t  oorjugSweife  ba3 
Süngfre. 

2ütd)  fyter  alfo  werben  wir  für  bie  33ilbung  be3  fernes 
ber  ^eiligen  sQixfya  auf  baS  alte  Sveid)  gewiefen.   2Cber  wir 
fjaben  bafür  aud)  nod)  einen  befonbern  23ewei6:  Sm 
pitel  64.  ftnbet  ftd)  ber  «Warne  be3  „Sttenfereö,  be$  ®ered)t; 
fertigten"  (Sßerjrorbenen) 39):  ber  fällige,  t>te(gefeterte 
39)  ©.  SSorwott  ©.  12  ff. 


56  grfte*  Q3ud).  grjlcr  Sf&fdjnitt* 

ferinuS  ber  vierten  £>t)nafrie:  ein  langft  in'S  ©djattenreid) 
t>e6  $Dtytl)u3  t>ervt?tefener  ^errfcfyer,  ben  roir  aber  im  Dollen 
£id)te  ber  gefd)id)tlid)en  Seit  2(eg\)ptenS  roanbeln  fet)en  roers 
ben,  unb  befien  ©arg  im  brtttifcfyen  SDhifeum  Seber  mit  etges 
nen  ^dnben  berühren  fann,  Sn  einigen  £obtenbttd)em 
fommt  fratt  beffen  bas>  ©d)ilb  etncS  Königs  £eti  uor,  voek 
$er  entroeber  einer  ber  beiben  2ltt)otf)i3,  ber  ndct)(Ien  $lafy 
folger  *>on  9flene3,  ober  ein  früherer,  mr;tf)ologtfd)er  Äonig 
ber  Urzeit  x%  £)ie§  führt  un3  auf  eine  Unterfuchung,  welche 
einen  neuen  SBeroetS  bafür  liefert,  baf$  baS  £obtenbud)  eines 
ber  ^eiligen  S3üd)er  ber  2(egr;pter  fei, 

Sßir  haben  fchon  oben  bemerkt,  baß  biefeS  33uch  in  je* 
nem  9)apt)ru3,  unb  aud)  fonft  ber  Siegel  nach,  in  ber  reinen 
£)enfmalfchrift  gefchrieben  tjf.  £>iefe  (5igenthümltd)?ett  i|t 
an  fi<±>  fchon  be^eichnenb:  benn  wir  werben  balb  fefyen,  roie 
alle  übrigen  Urhmben  be£  dgpptifchen  ©chriftthume  bie  pries 
fierltche  33üd)erfcfyrift  geigen,  2(ber  (Siemens  üon  2Cleranbrien 
fagt  in  ber  tnelbefprochcnen  unb  ihres  £DrteS  gu  erläutern^ 
ben  ©teile  über  bie  (Schriftlichen:  „SBenn  bie  2legt)pter  baS 
„2ob  il)rer  Könige  in  theologtftrenben  5D?ptt)en  erjagen,  fchreis 
„ben  fte  biefelben  in  2lnaglt)phen'\  £>iefe  ^Bezeichnung 
hat  bis  jefct  um>erjtdnblid)  gefd)ienen:  roir  tragen  aber  fein 
SkbenFen,  unter  2(naglt)phen  eben  bie,  auf  S3üd>er  ange* 
roanbte,  £) enF malfchri ft  ya  üerjlehen,  im  ©egenfafce  ber 
eigentlichen  23üd)er  fd)rift,  ber  fogenannten  f)ieratifd)em 
£>enn  jene  allein  voar  bie  eingegrabene  unb  bie  fyeilige,  unb 
hieß  beßhalb  bie  l)ierogh;pl)ifd)e,  b,  h.  bie  ber  ^eiligen  einge; 
hauenen  Silber, 

Sene  mt)tl)ologiftrenben  (Erzählungen  t>on  ben  alten  $os 
nigen  2(egt)ptenS  Fennen  roir  hinlänglich  burd)  £)iobor  unb 


A.  IV.  Sobtenbud). 


57 


Untere:  in  innert  Um  £)ftriS  t>or40),  ohne  3«>etfet  auch  &>u; 
ftrtS  mit  ähnlichen  ©Otters  unb  $eroenfonigen.  &en  ©e- 
genfa£  bitten  alfo,  in  gorm  unb  Snhalt,  bte  gef$td)tlu$en 
(wenn  gleich  jum  S^ctl  fagenhaften)  (Stählungen  auS  ber 
Sftenfd&enjett.  Auch  auS  biefer  würben  Könige  gefeiert,  in 
prtejterltdjen  ©efdngen:  wir  befugen  begleichen  würflig,  unb 
alle  ffnb  in  I)ieratifd^er  ©d)rtft  gefchrteben. 

2BaS  nun  (Siemens  t>on  ber  ©cfyrift  jener  Ueberlieferuns 
gen  über  bte  ©ötterherrfcher  fagt,  gilt  wahrfcheinlid)  üon  allen 
heiligen  33üchern,  t>on  benen  jene,  wie  wir  oben  gefehen,  tu 
nen  Sr)ei(  bilbeten,  <5te  waren  wohl  fdmmtlich  jur  Unter; 
fchetbung  t>on  ben  gewöhnlichen  Schriften  in  ber  SBilberfchrift 
ber  2)ennnäler  gefchrteben,  £)a  nun  in  ben  heiligen  33ü; 
ehern  bte  ßehren  über  ber  ©eele  Schicffal  nach  bem  Sobe 
unb  bie  barauf  bezüglichen  SSorfchriften  nicht  fehlen  fonn; 
ten,  auch  Siemens  ihren  9)lafc  in  ber  vierten  Abtheilung  flar 
genug  anbeutet;  fo  müffen  wentgitenS  bte  im  £obtenbucr)e 
enthaltenen  ©ebete  unb  Anrufungen  auS  einem  jener  jehn 
^Bücher  entnommen  fein:  unb  fo  erfldrt  eS  fich  genügenb, 
warum  baS  £obtenbud)  ber  Siegel  nach  9<*n&  in  ^)terog(t); 
phen  gefchrieben  ijt.  £)iefeS  S3ud)  nun  ijr  mit  bem  tarnen 
eines  uralten,  gefch tätlichen  Königes  üerbunben:  ganj  im  (Stris 
Hang  mit  bem  gefchichtlichen  Gharafter  ber  dgpptifchen  Ue; 
berlieferungen.  Auf  ben  mitmn  Inhalt  werben  wir  im 
fünften  S3uche  jurücffommen. 

40)  Suidas  v.  'isQoygafifiavsvg  •  Evijvrjg  Alyvnxi(ov  ßuatlzvg, 
öUtxLog  navv.  Unter  ttjm  lebte  ein  frommer  ^ierogrctmma* 
teuS,  ber  ^ropfyet  unb  Ruberer  xoat,  ov  aöovöiv  ol  Aiyv- 
Tizioi  XöyoL  cog  &toqpdr}.  (Suibaö  nennt  ifyn  mit  t>em  offenbar 
tjerborbenen  dornen  Sadjinu  2(ber  baS  @anje  tft  eine  2)arftel* 
lung  aug  bem  öfiris  -  Stjott) « Greife :  Ev/jvrjg  tjt  Ueberfefcung  ei* 
ne$  ber  SSetnamen  be$  SDftriö* 


58 


@rflcö  53ud).  Srtfer  Wchnitt. 


V.  2ttter  ber  erhaltenen  gletdjjetttgen  £)enfrndler  unb 
gefd)td)tltd)en  Urfunbem 

SBtr  haben  fd&on  bemerkt,  tag  jener  alte  £6nig  im  £obs 
tenbud)e  ein  ^errfcher  ber  vierten  £>t)naftie  fei.  £)er  2Cb= 
fchnitt,  in  welchem  er  ttorfommt,  muß  alfo  jünger  fein,  als  btc= 
fer  Äonig,  uno  er  fönnte  allerbingS  otel  jünger  fein.  2(Uein 
wir  befugen  urfunbltcbe  gleichzeitige  2)enfmdler  nid)t 
allein  t>on  jenem  Könige,  fonbern  oon  ben  ihm  oorhergehenben 
Pharaonen  bis  britthalbbunbett  Sahre  aufwärts,  fajt  bis  zum 
Anfange  ber  britten  £)tmajfre,  in  faum  unterbrochener  $ol$t: 
in  berfclben  (Schrift,  welche  jeneS  Sobtenbucb  zeigt,  lein 
SSolf  ber  (£rbe  zeigt  ftd)  fo  eifrig  unb  gefebieft,  felbjl  baS 
^in^elne  beS  Privatlebens  regelmäßig,  funftgerecht  unb  d)ro^ 
nologifcf)  oerzeiebnen,  als  bie  2tegppter,  welche  il)r  £eben 
fogar  nach  ben  Saften,  Monaten  unb  Sagen  befftmmen,  bie 
fte  unter  bem  ober  bem  Könige  zugebracht,  itetn  2anb  ber 
(£rbe  bot  einem  folgen  triebe  größere  natürliche  SSortbeile 
bar,  als  2tegppten,  mit  feinem  Äalf  unb  ©ranitgejlein,  feiner 
troefenen  2uft  unb  feinen  t>or  ber  überwdltigcnben  straft  ber 
Statur  beS  ©übenS  gefchü^ten  SÖüjlcn:  ein  2ano,  gleich  ge- 
fehieft,  £)enfmdler  über  unb  unter  ber  (ürbe  Sabrtaufcnbe 
vor  ber  3erftorung  zu  fiebern,  ja  frifch  wie  am  erffen  Sage 
ZU  erhalten.  3m  Horben  jerfrifjt  9?egen  unb  Stoff,  im  <£>ü= 
ben  jerfprengt  ober  überwach)!  wuchernbeS  Pflanzenleben 
bie  £)enf (leine  ber  Seiten:  Qfyina  hat  feine  S5auFun(l,  bie 
ben  Sahrtaufenben  trofct:  S5a6plon  nur  Siegeln:  in  Snbien 
entgehen  ftd)  faum  Reifen  ber  üppigen  9?aturfraft:  2(egppten 
ift  baS  £)enfmallanb  ber  (5rbe,  wie  bie  2tegt)pter  baS  ©enfs 
maloolf  ber  ©efebtehte  ftnb.  Unb  biefe  gleichzeitigen  £)tnb 
mdler  ber  #egt)ptcr  ftnb,  wie  bie  dltefte,  fo  bie  ftd>erfle  Quelle 


A.  V.  2üter  t>er  £)enfmäler  unb  Urfunben. 


59 


aller  dgtwttfchen  gorfchung.  (£mer  ber  wichtigen  Steige 
berfelben  ftnb  ffeinerne  £afeln,  ©r  abfielen  mit  Angabe 
beS  Saures  ber  Regierung  beS  £6ntge3,  unter  welkem  fte  ge* 
fe^t  würben.  Die  bebeutcnbjlen  bis  je£t  befannten  ftnb  au$ 
ber  Seit  ber  zwölften  Drmafrie,  ber  »Orienten  jeneS  Reiches, 
be3  fogenannten  £}fortaftbenjlammeS.  Durch  SepftuS  umftchtige 
2lu3waf)l  i(r  baS  beritner  Sflhtfeum,  fcf)on  oor  fetner  Steife, 
barm,  wo  nicht  bas?  reid)|te,  bod)  bem  turiner  unb  letbener 
gleich  geworben.  2llle  tiefe  (Stelen  fyaben  gewijfe  gormein 
be§  Anfanges  gemein:  £err  JMncB  in  Dublin  f)at  in  einer 
fcf)6nen  Unterjochung  nachgeliefert,  roie  ftd)  in  ttjrer  oerfchie; 
benen  ^affwn^  unb  (Schreibung  bie  (£pocr)e  be£  DenfmalS 
funb  giebtiT)-  bie  3eitangaben  nach  ben  Sahren,  9ftos 
naten  unb  Sagen  ber  Regierungen  gehen  urfrmblich  unb  gleich 
zeitig  nocf)  t>ter  Sarjrfumberte  hoher,  bis  jur  britten  Dirnau 
flie.  Die  weltgefchirf)tliche  Sßichtigfett  be$  2Clter3  folcher  S5e^ 
Zeichnungen  werben  wir  im  legten  2lbfcr)nitte  biefes>  33ucr)e$> 
beutlich  machen.  Die  chrono(ogifch=gefd)ichtliche  Unterfuchung 
felbjl  aber  wirb  geigen,  baß  wir  in  ber  3ett  £wifcr)en  bem 
Umfrurje  beS  alten  unb  ber  v£)erjrellung  beö  Reichel,  alfo 
in  bem  mittleren  Reiche,  ber  fogenannten  ^t)ffo6^eit,  feinet 
wegeS,  wie  gewohnlich  angenommen  wirb,  ohne  folche  gleicr> 
jeitige  Denfmdler  ftnb. 

©nblich  aber  beft^en  wir  unter  ben  Denfmdlern,  außer 
mehreren  feineren,  ^wet  große  folgen  t>on  Königen  unb 
niglichen  $)erfonen,  bie  eine  au$  bem  14ten,  bie  anbere  au$ 
bem  16ten  Sahrhunbert. 

Natürlich  erfe^en  felbjr  biefe  nicht  bie  @efchicf)tfchreibung, 
ja  fte  geben  nicht  einmal  bie  äußere  ©runblage  berfelben,  bie 
Seitrechnung.    2Wein  ba  wir  noch  ^e(re  ber  gerichtlichen 

41)  Rev.  Edw.  Hincks  Ou  the  Egyptian  Stele.  Dublin  1842.  4«. 


60 


€r|te*  $8ud).  Srfler  2fbfd)nitt. 


Ueberlieferung  bef%n,  fo  bürfen  wir  hoffen,  tag  eS  gelingen 
werbe,  burd)  SScrbtnbung  ber  £  i  jt  e  n  unb  35  e  r  t  d)  t  e  ber  ©es 
fd)td)tfcf)retber  mit  ben  gleichzeitigen  £)enfmdlern,  toentgpen^ 
bie  verwirrte  £)rbnung  ber  Seiten  wieber  herzufallen. 

Sene  £iften  unb  ^Berichte  würben  gewollter;  auf  Wla- 
mü)0,  einen  ©cfyriftjMer  beS  brttten  3ahrf)unbert3  oor  um 
ferer  Berechnung,  ^urücf geführt  2£üetn  bie  J>teroglppt>tfd^e 
gorfchung  hat  auger  jenen  £6nig3reihen,  bie  gewiffermaßen 
bie  ßtften  ber  £>enfmdler  ftnb,  mehrere  gefchriebene  Ueberlie^ 
ferungen  über  bie  alte  aq^pttfd&e  ©efdjichte,  ja  felbjr  eine  Äö= 
nigSoer^eichnung  £age  geforbert.  £)a3  33orl)ergehenbe 
wirb  in  ihr  Söerjtdnbntß  unb  ihre  SOBürbigung  einleiten. 

SGBtr  haben  ^uüörbcrff  fogenannte  gefchidjt  liehe  $)a  = 
pt)ru6r ollen.  £)ie  berühmtere  berfelben  ifr  ber  $>apv)ru$ 
©allier,  ßhampollion  unterfuchte  il)n  jucrfl,  unb  ernannte, 
baß  er  eine,  nicht  lange  nach  be3  großen  (Eroberers  £obe, 
niebergefchriebene  Gh^dhlung  oon  bem  v£>eere  i!nb  ben  Sugen 
beS  großen  3?amc|Tee>  enthalte,  ©aloolini  machte  einige  %\\& 
juge  auS  bcmfelben  befannt,  welche  tarnen  ber  beftegten  $$bU 
fer  —  unter  ihnen  bie  Sunan  ober  Sonier  —  unb  anbereS 
©efd)id)tlicr;e  geben:  wie  ftch  nachher  gefunben,  au3  t>erun= 
treuten  papieren  bes>  Sfteifters.  £>iefe  UrFunbe  unb  anbere 
$apr;ruörollen  oerwanbten  Snhalte»,  in  welchen  unter  2fnberm 
aud)  ba$  £ob  beS  (E>efojtri£  ber  zwölften  £)t)nafrie  oorfommt, 
ftnb,  auf  ßepfütS  Empfehlung,  im  Sahre  1839  oom  brittifcf)en 
SDhtfeum  angekauft,  mit  anberen  l)iftorifct)en  spappruSrotfen, 
unb  bilben  eine  ber  Serben  biefer  reichen  (Sammlung.  3)ie 
thdtige  SSerwaltung  beffelben  fyat  bie  Urfunben  bereits  in 
ber  treuejren  unb  Funftgerechtejten  gorm  herausgegeben42), 
fo  baß  fte  jefet  ber  öffentlichen  Prüfung  oorliegem 

*2)  The  historical  Papyri  of  the  British  Museum   ßonbon  1841. 
1842. 


A.  v.  Hilter  Der  ©entmdler  unb  Urfunben.  61 

Sehnliche  spapptuSrollen  ftnb  fpdter ,  auf  beffelben  Sßor* 
fchlag,  burd)  bie  gürforge  be3  .fonigS  für  ba$  berliner  Tlu? 
feum  erworben  worben,  ©ie  haben  fdmmtlicf)  biefelbe  paldo* 
grapi)tfrf)e  SSefdjaffenheit,  welche  bie  übrigen  au3  ber  Seit  ber 
33lütf)e  be6  neuen  SKetcfteS,  ber  achtzehnten  unb  neunzehnten 
£)t)najtte,  herftammenben  Urfunben  auszeichnet.  S()re  ©chrift 
ijr  bie  ausgebildete  fyieratifd)e,  alfo  bie  ber  gelehrten  S3üd)er: 
ihre  (Sprache  alfo  bie  fyeüige,  b,  h.  bie  altdgtwtifche.  Seiber 
i|r,  bei  ber  grogen  SSernachldfftgung  beS  phrtologifchen  S^eU 
leS  ber  £ieroglt)pf)if,  unfere  Äenntnig  beS  2£egt)ptifchen  nod) 
nicht  weit  genug  fortgefcr)ritten,  bag  eine  Ueberfe^ung  berfek 
ben  in  ndd)fte  2(u3ftcht  gefteüt  werben  fonnte.  £)ieg  mug 
baS  3i^  vielfacher  unb  mit  flarer  9#etl)obe  geführter  gors 
fd)ung  fein.  Allein  fo  viel  fchetnt  feinem  3weifel  &u  untere 
liegen,  bag  fte  ben  ^PreiS  ber  grogen  Könige,  unb  zwar  in 
btchterifcher  Jo.rm,  enthalten,  2(lfo,  wie  wir  bereits  gefagt, 
feine  dgr;ptifchen  ©efd)id)t3bücher !  2(ber  baS  beweift  nicht, 
bag  jene  prie|ferlicr)en  £oblieber  auf  bie  Könige  mptfjtfc^er 
2Crt  feien,  (Sie  verherrlichten  ben  3?uhm  gefdfyichtlicher ,  mU 
leicht  ber  herrfchenben  Könige,  unb  mögen  £l)aten  unb  (grs 
eignifie  aufgeführt  haben,  bie  in  frifchem  2(nbenfen  waren» 
(Sie  waren  baS  SBerf  beS  allergefchichtlichften  unb  foniglich^ 
jten  SSolfeS:  wie  benn  bie  Eroberungen  eines  jener  ^onig^, 
beS  SBaterS  beS  grogen  3?amfe3,  baS  erhaltene  Timukt-  eme? 
^Privatmannes  ber  3ett  preift.  Vv   V«'  '  * 

9hir  Chronologie  ftnben  wir  auch  h^r  nicht  mehr  als 
auf  jenen  (Stelen, 

2Cber  eS  fehlt  auch  nicht  an  einem  urfunblichen  Chronologie 
fchen  iDenfmale  berfelben  Seit:  unb  biefeS  mit  ben  beiben  £6; 
nigSretben  btlbet  ben  ©egenftanb  unferer  ndchftenUnterfuchung* 

Sene  beiben  ßonigSreihen  ftnb  ^alafturfunben  auS  ben 


62 


@rtfeS  Q3ud).  @rfkr  2fbfd)nitt. 


betten  dlteffen  unb  größten  ©tdbten  2(egt)ptenS ,  Sieben  unb 
2£bt)bo6;  ba£  altdgpptifche  Äonig^oer^eichnig  eine  spappruS* 
rolle  au3  ber  Sfamefftbenjeir.  ©ie  ergangen  ftd^  ütelfad)  auf  S 
erfreulttf)jre.  £)ort  fehlen  bie  Söhlen,  l)ter  haben  wir  SBrucfc 
(tücfe,  roo  oft  bie  tarnen  ^erfrort  ftnb.  £)iefe  brei  Urfunben 
eroffnen  jene,  fd)on  in  ber  (Einleitung  erwähnte,  (Sammlung, 
welche  griebrid)  SBilfjelm  ber  Vierte  t»on  ßepftuS,  oor  beffen 
2(breife,  l)at  t>eranjralten  laffen:  bie  „#u$roafyl  ber  roichtigjren 
Urfunben  be3  dg^ptifchen  2lltertl)um6"43).  2Cuf  biefeS  SBerf 
üerroeifen  roir  bar)er  für  bie  urfunbltdje  Äenntnig  ber  eben 
genannten  Denfmdler.  £)ie  folgenbe  £)arfMung  l)at  ben 
3roecf,  ben  roefentlichen  Snhalt  berfelben  anfcfyaulid)  oor  liuz 
gen  $u  legen  unb  t>om  gefd)icf)tlichen  ©tanbpunfte  51t  erldus 
tern,  X)k  philologifche  (Erläuterung  bklbt  auch  hier  bem 
2Berfe  vorbehalten,  welches  £epftus  als  zweite  2(btheilung 
ben  Safein  nad)  feiner  Steife  hinzufügen  roirb. 


B. 

£)te  d)ronologifd)en  Urfunben  au$  ber  er= 
ften  Seit  be3  neuen  $pfjaraonenreicty& 


SBurton  entbeefte  in  einem  ©emad)e  ber  t>on  Suthmo^ 
ft'S  III.  erbauten  fübofrlichen  (Ecfe  be3  SempelpalafreS  von 
Sieben,  welcher  gewöhnlich  nach  bem  £)orfe  ^arnaf  benannt 
A3)  >Der  üolljränbige  Eitel  ift:  2CuSroal)l  ber  rotcfcttgften  UrL  beS 
äggpt.  2ÜtertbumS,  t&etls  jum  erftenmale,  ttyeiis  nad)  ben  Senf* 
malern  berichtigt  herausgegeben  unb  erläutert  üon  Dr.  sR.SepftuS» 
Safein»   Seipjtg  bei  Sßiganb  1842.    23  Safein  in  gro£  gölte 


B.  I.  JDtc  ftöm«Srei()e  »on  ftarnaf,  63 

wirb,  biefeS  unfctjdfcbare  £)enfmal,  nod)  §temltd)  erhalten,  unb 
machte  e3  in  feinem,  fctjr  feiten  geworbenen,  SöerFe,  Ex- 
cerpta  hieroglyphica  (1824)  begannt.  SBtlünfon  fucfjte  e3 
wieber  auf,  unb  war  fo  glücflid),  e3  nod)  um>erfef)rt  p  pte 
bem  Sn  feiner,  1828  in  @airo  gebrückten,  ebenfalls  fet>r 
fettenen  Materia  hieroglyphica  gab  er  bie  itonigSreifye  Doli* 
jidnbiger  unb  genauer.  9iofellini  betrieb  äuerjr  (1832)  baS 
©emacr;  felbjt44).  £)od)  lieg  feine  £)arfrellung  nod)  mefc 
rere  wichtige  fünfte  zweifelhaft,  ba  er  nur  bie  erhaltenen 
<2d)i(ber  in  fein  Söerf  aufnahm,  SepftuS  t>erfd)affte  ftd) 
burcb  bie  SD?ittf)eilungen  bee>  —  feitbem  (eiber  üerjrorbenen  — 
fran&6ftfd)en  2Crd)iteften  V$ök,  uno  burd)  bie  Angaben  beS 
Dr.  SM  in  ßambribge,  bie  fefylenbe  2tufftdrung,  unb  fanb 
ftd)  t)ternad^  im  ©tanbe,  bie  befriebigenbe  <£)er|Mung  $u  ge* 
ben,  welche  jenes  2öer!  fcor  2(ugen  legt.  SßilfinfonS  £)ar* 
(Teilung  bat  ftd)  auct)  f)ter  als  bie  genaufre  bewahrt. 

£)en?en  wir  un6  ein  jiemlid)  geräumiges  ©emacr),  weis 
dbeS  ein  regelmäßiges?  SSierecf  bilbet  £)iefee>  ©emadj  hat 
©ine,  ntd)t  fet>r  große  £I)üre,  unb  jwar  in  ber  Wittt  ber 
einen  ©eite.  S5eim  Eintreten  burd)  biefelbe  erblicft  man  an 
ben  SBdnben  eine  in  ©tue?  gearbeitete  £)ar|Mung  ft^enber 
Könige  in  t)ier  Reiben,  bie  eine  über  ber  anbern.  2Me  Äo= 
nige  ft'^en  auf  fronen,  beren  3?ücflehnen ,  gerabe  ber  £bür 
gegenüber,  an  einanber  (roßen,  ©o  iff  alfo  in  jeber  ber  fcier 
Reiben  bie  eine  ^)dlfte  mit  bem  2lngeftd)t  ünH  gewanbt, 
bie  anbere  rechte  $ier  unb  bort  nun  ftfcen  in  einer  jegfc 
ct)en  9feibe  je  acht  (auSnabmSweife  fteben)  Könige:  bie  erfreu 
brei  berfelben  beftnben  ftd)  an  ber  bem  ©ingange  gegenüber 
liegenben  SBanb,  weld)e  alfo  in  ihrer  ganzen  S3reite  fed)s>  in 
jeber  3?eibe  barbietet:  bie  übrigen  fünf  (ober  wer)  an  ber, 

44)  Monumenti  storici  I,  132  ff. 


64  £rjkö  55ud).  €r(lcr  2fbfd)m'tt» 

red)tS  ober  linfS  anffogenbcn,  ©eitenroanb.  SSorn  am  (5nbe 
jeber  ©ettemoanb,  ben  Königen  gegenüber,  ftet>t  jroeimal, 
oben  unb  unten,  bie  rieftge  ©ejralt  beS  opfernben  Königs, 
Sutl)moftS  be3  dritten,  bc3  rufymoollen  fünften  £errfd)er$> 
ber  ad)t$ef)nten  £5t)najtie.  <5ie  rjat  gerabe  bie  vf)6t)e  oon  je 
fcroet  ber  oier  9?eif)en,  fo  bag  fte  einmal  ben  beiben  oberen, 
einmal  ben  beiben  unteren  gegenüberfrefyt.  Vor  if)m  ftef)t 
man  JDpfcrttfcfye  mit  ©aben,  roelcfye  balb  mefyr,  balb  weniger 
gelber  ber  $6nigSretf)en  einnehmen,  (£o  fommt  e§,  bag  bie 
£6nig3retf)en  linfS  31  Könige  enthalten  (8  +  8+7  +  8),  bte 
rechts  30  (8  +  8+7  +  7).  £)ie  Sarffetlung  ber  Safel  am 
(5nbe  biefeS  Kapitels  roirb  baS  ©efagte  anfd)aulid)er  macf)en. 

Ueber  bem  Raupte  eines  jeben  ber  ft^enben  Könige  jtefjt 
beffen  $6ntg3fcr)tlb,  mit  ben  befannten  Sttcln  ber  tytyai 
raonen.  Seber  $önig  jtrecft  feine  Siebte  au3,  um  bie  bar* 
gebotenen  Dpfergaben  ju  empfangen.  £)er  opfernbe  $öntg 
felbft  l)d(t  in  ber  einen  £anb  ba3  3ci<$en  be3  £eben3  (ben 
fogenannten  9Wfd)lüffel),  bie  anbere  f)ebt  er  empor,  jenen 
Königen  bie  ©aben  barbietenb,  roeld)e  oor  ifym  auf  £)pfers 
tifcfyen  auSQcbxciUt  liegen.  £)amit  un£  fein  Sroeifel  bleibe, 
roer  biejenigen  feien,  welchen  jener  v£)crrfd)er  bie  ©aben  bar= 
bringt,  fagt  bie  an  ber  rechten  @eite  erhaltene  3nfd)rtft: 
„bie  föniglid)e  Dpfergabe 

„für  bie  Könige  ber  bähen  2Tegppten  (Dbtx ;  unb  Uns 

terdg\)pten3)'\ 

2ftfo  ein  unb  fecr)$ig  namhafte  Könige,  in  jroei  $oU 
gen  oor  502oftö  3eitgenoffen !  SBofyin  geboren  fte?  SSon  ben 
roofylbefannten  erjten  Königen  ber  ad^t^el)nten  ^Dpnaflte,  £utf); 
rnofü!  unmittelbaren  Vorgängern,  ftnbet  ftd)  fein  einziges 
©d)ilb,  unb  bie  Süafel  felbft  ^eigt,  bag  fte  nirf)t  Oerloren  ge; 
gangen  fein  fonnen.    £)enn  jene  oier  ©Silber  mügten  bie 


B.  I.  £>ie  ftSmgerei&e  t>on  Slflrnaf. 


65 


erjlen  ober  legten  einer  ber  beiben  Reihenfolgen  gewefen  fein, 
unb  fo  oiele  fehlen  ntrgenbS  an  einem  ber  bdbcn  (£nben,  ob* 
wohl  überhaupt  etwa  jwanjig  ganj  ober  jum  £f)eil  befehde 
bigt  ftnb.  2£IIc  bargejMten  Könige  geboren  oor  bie  18te 
£>pnajrie,  tiefer  Umjtanb  mugte  bie  födter  ber  ^egtjpto* 
logie  in  nod)  größere  Verlegenheit  feigen:  benn  tt>re  jufam^ 
menhangenbe  gorfchung  fchlog  mit  jener  £)mtafiie.  SBitfim 
fon  lagt  e£  bahin  geftetlt  fein,  ob  man  fte  für  dgpptifche 
Äonige  ju  galten  habe,  ober  für  dthtopifche.  ßhampollion 
hatte  bie  £afel  t>or  ber  Reife  nach  2£egt)pten  über  anberen 
Unterfuchungen  ganj  t>ernad)ldffigt :  feine  Rapiere  bereifen 
aber,  bag  er  in  ber  unteren  Reihe  ber  Könige  ItnfS  biejenigen 
thebaifchen  *£>errfcher  entbecft  hatte,  welche  er  Königen 
ber  fech^jehnten  ober  ftebjehnten  Dpnajlie  geffempelt  hat, 
voeil  fte  offenbar  alter,  als  bie  achtzehnte  fmb:  nämlich  bie 
alS  Dfortaftben  berühmten  Könige.  Rofellini,  welchen  bie 
golge  ber  (Schiiber  abhielt,  jene  £tynaftie  hier  51t  erFennen, 
bemerkte  fchavfftnnig ,  bag  bie  Reihe  linfS  üom  Grtntretenben 
bie  altere  fein  muffe,  weil  fte  für  ben  im  ©emach  (Sifcenben 
bie  rechte  feü  mochten  bieg,  meint  er,  Könige  tton 
ber  Ilten  Dpnajrie  an  fein. 

£)a£  SBemerFenSwertheffe  aber  in  ben  Anflehten  jener 
gorfcher  über  biefe  ÄönigSreihe  fcheint  biefeS,  bag,  trofc  ber 
Unmöglichfeit  fte  ^u  erfldren,  feiner  berfelben  an  ihrer  Rechts 
heit  gezweifelt  hat,  fonbern  alle  baoon  ausgegangen  ftnb, 
bie  hier  bargepellten  Könige  feien  gefchtchtliche ,  nicht  erbid)s 
tete  $errfcher,  noch  überhaupt  etwas  #nbere$.  Sa  ber  fran^ 
goftfehe  unb  italienifche  ©elehrte  tragen  fein  SBebenFen  au§; 
jufprechen,  bag  bie  hier  bargefMten  Könige  dgpptifche  fein, 
unb  irgenbwie  eine  golge  bilben  müffen.  ^ier^u  bewog  ft'e 
ein  hochfr  ehrenwertheS  ©efüf)l  für  bie  gerichtliche  SBahr- 
I.  5 


66 


grfrcS  Q3ud>,  <£rtfer  2lbfd)mtt, 


t>ett ,  unb  eine  Achtung  für  ihre  eigene  Äritif.  2Bte  follte 
(bauten  fie)  £utf)moft$>,  in  ber  Seit  ber  f)6d)jren  SBlüthe 
dgpptifcher  SBiffenfchaft  unb  S0?arf)t,  frembe  Könige  al3  dgpp; 
tifche  barjMen?  ober  erbtd)tete  ftatt  gefd^td)tltdt)er  ?  ober  gU= 
fällig  burd)  einanber  gewürfelte  fratt  gefchichtlid)  georbneter? 
warum  follte  bie  jtonigSreihe  von  $arnaf  wefentlid)  anberS 
aufgelegt  werben  bürfen,  als  bie  oon  2lbt)bo3,  beren  befannte 
Könige  fammtlitf)  in  gefcr)id)tlid)er  golge  flehen,  fo  gut  wie 
bie  ber  fleineren  Äönig3reü)en  im  SRamefjeion  unb  anber^ 
wdrtS  ?  Sn  biefer  richtigen  2£nftct)t  muß te  jene  Banner  aud) 
noch  ihre  ^enntnig  ber  £)enfmdler  bewarfen.  £)enn  ob; 
gleich  feiner  von  ihnen,  wie  fpdter  £epftus>  getrau,  alle  von 
(Europäern  abgezeichneten  unb  befannt  gemalten  ober  nad) 
Europa  gebrauten  £6mg3fd)ilber  vollfrdnbig  gefammelt,  unb 
noct)  weniger  frittfd)  unterfucr)t  unb  mit  einanber  verglichen 
Ijatte;  fo  wußten  fte  bod)  recht  gut,  namentlich  in  ber  zwei* 
ten  Epoche  ber  champollionifchen  gorfd)ung,  bie  mit  feiner 
2(n!unft  in  2£egppten  beginnt,  bag  ftdt)  auch  aufcx  ben  fo* 
genannten  £)fortaftbenfd)ilbern  noch  anbere  tarnen  ber  £afel 
auf  gleichzeitigen  ©enfrnälern  wieberftnben. 

Leiber  ging  niemanb  auf  biefer  S3af)n  vorwärts.  9hir 
in  (5nglanb  würben  überhaupt  Jorfchungen  über  biefeS  merfs 
würbigjre  aller  chronologifd)  s  gefchichtlichen  £)enfmdler,  ba$ 
SKdthfel  ber  t)tftortfct>en  Mtit ,  angebellt.  £)ie  Pflicht  be$ 
©efehichtfehreiberö  nothtgt  uns?  aber  ju  fagen,  ba§  biefe  gor= 
fchungen,  obwohl  von  gelehrten  unb  ehrenwerthen  Bannern 
geführt  —  ben  $erm  ßullimore  in  Bonbon  unb  $incf3  in 
^Dublin  —  mehr  ben  3roecf  ^u  fyabm  fcheinen,  ein  unbequem 
me3  £)enfmal  au3  bem  SBege  zu  fetjaffen  unb  burch  bie 
vorläufige  grage  zu  befeitigen,  als  von  ihm  z«  lernen  unb 
bie  Littel  zu  feiner  Srfldrung  z«  fud&em  £err  @uütmore 


B.  I.  2>fc  S&mgöroi&c  »on  $arnaf.  67 

nimmt  jwar  an,  bag  ba$  £)enfmal  einen  gefcfyi<$tlid)en 
©efyatt  haben  muffe:  aber  er  fud)t  wahrfcheinlitf)  ju  machen, 
baß  ein  SEfyetl  jener  ÄonigSret'hen  gleichzeitige  vf)errfct)er  ober 
aud)  (Statthalter  barjMe,  unb  inbem  er  eine  fo!d>e  unbe* 
jrimmte  ^nfic^t  mit  einer  fein*  roillführlicr)en  Sufammenfto 
lung  eratojlhenifcher  unb  manetf>onifcr)er  tarnen  tterbinbet, 
glaubt  er  $u  einer  $erfMung  biefer  £afel  foroohl  al§  ber 
tton  2Cbt)bo3  gelangen  ^u  fonnen45).  $err  $incf3  fchldgt 
einen  Für^e^en  2ßeg  ein.  (5r  fpricht  bem  ©enfmcrfe  jeben 
gerichtlichen  ©ehalt  ab,  weil  bie  £)rbnung  ber  Dfortaftbem 
fd)ilber  nicht  bie  richtige  fei:  bag  man  biefe  felbjt  aber  bi& 
her  voreilig  fejtgefe^t,  t)at  er  felb|t  burd)  2)enFmalforfchung 
gefunben,  unb  fogar  geahnbet,  baß  fte  ber  zwölften  ^pnapte, 
alfo  bem  alten  deiche  jugehoren.  Allein  (tatt  hierburd)  ju 
weiterer  gorfchung  fortschreiten,  fchneibet  er  ftct)  felbjr  ben 
2Beg  ab,  inbem  er  bie  ihm  unüerjrdnbliche  £afet  üerroirft, 
unb  bie  fünf  jrmfcfjen  ber  zwölften  unb  ..fogenannten"  a<$U 
ahnten  2)t)najtte  berechneten  $önig3reihen  5D?anett)o'g  für 
crbid)tet  erfldrt,  ober,  vr>a3  noch  Fühner  t|t,  für  gleichzeitig 
mit  ber  zwölften. 

*5)  J.  Cullimore,  Chronologia  Hieroglyphica,  in  ber  Royal  Society 
of  Literature  in  ßonbon  oerlefen  1830,  unb  oon  berfelben  @e-- 
fellfdjaft  1834  in  einem  #nf)ange  &ur  2ten  tfbtbeilung  beö  2ten 
SBonbeS  if)rer  SBerfjanblungen  gebruc!t:  bie  .Kupferptatten  be* 
ftnben  ft'd}  am  @nbe  biefer  2(btf)eitung  felbfr.  3n  golge  einet: 
2(bt)anblung  beS  SKeio.  ©.  Somlinfon  —  ie|igen  SStfcbcfS  üon 
©ibraltar  unb  Stöalta  —  über  ben  (Sarfopbag  beS  ÄonigS  SKentef, 
bie  im  £>ecember  1835  in  jener  ©efellfdjaft  x>erlefen  mürbe, 
fuchte  ber  Sßerfaffer  feine  £er|Mung  ju  sertheibtgen :  Of  the 
upper  or  collateral  series  of  princes  of  the  hieroglyphic  tablets 
of  Karnak  and  Abydos :  Transactions  of  the  R.  S.  L.  III,  1. 
p.  131  ff.  (gebr.  1837.)  ©.  beS  SReo.  ©bm.  £incB  tfbijanblung 
On  the  Egyptian  Stele  or  Tablet  (1842),  bie  mir  im  vorigen 
Kapitel  angeführt,  ©♦  20,  unb  Tfnm.  ju  ©.  21. 

5  * 


Grtfcö  $ud)-  Grltcr  2fbfd)mtt. 


Die  9ttetf)obe,  welche  wir  zur  (Erforfchung  unb  3Bürbi; 
gung  btefeS  Denkmale  oorfchlagen,  ij!  kürzlich  fotgcnbe»  9htr 
eine  burchgefübrte  Unterfuchung  ber  Denkmäler,  oerbunben 
mit  einer  kritifchen  33cf)anblung  unb  2(nwenbung  ber  Giften, 
fcheint  p  ifyxtm  äSerfldnbniffe  führen  zn  können.  9?tcht  als 
lein  biefe,  fonbern  auch  jene  geben  imS  aber  nicht  weniger, 
fonbern  mehr  dgppttfche  jtonig^fchilber  (^t)tfd>en  9ttene3  unb 
ber  achtzehnten  Dimajfie,  al3  bie  oiel  gefürchteten  61  <tc&)\U 
ber  un3  anzunehmen  zwingen.  Die  natürlichere  grage  fcheint 
atfo  ntcf)t ,  ob  biefe  alle  eine  ÄönigSfolge  barbieten,  fonbern 
ob  fte  biefelbe  oolljldnbig  geben,  unb,  wenn  nicht,  nach  weis 
d)em  ^piane?  Denn  £uthmoftö  kann  in  biefer  S?etf>e  entwe= 
ber  feine  Vorgänger  auf  bem  £l)rone  haben  barjMcn  wols 
len,  ober  üor^ugetoeife  biejenigen,  welche  ihm  al£  einem  bto6= 
politifchen  Könige  unb  einem  Soften  ber  achtzehnten  Dt)s 
naftfe  befonCerS  nahe  unb  mehr  ober  weniger  oerwanbt  was 
rem  3n  bem  einen  ober  anbern  galle  konnte  er  einige 
£errfd)er  auSlaffen:  vielleicht  ganze  Dpnaffreen:  oielletcht 
£f)eilc  berfelben.  S33enn  er  bie  9ldf)c  ber  Skrwanbtfchaft 
unb  bie  gcrabe  2lbjlammung  im  2luge  fyattt,  fo  fonnte  er 
auch  bie  ÄonigSreibe  burch  Sur#en  königlichen  ©eblüteS  ftatt 
burch  t^re  alteren  königlichen  S3rüber  ober  Settern  fortfüh- 
ren* Sa  bieg  fcheint  offenbar  ber  gall  5U  fein.  Denn  in 
ber  ^weiten  8?eibc  ber  lin!en  Seite  folgen  auf  bie  betben  ers 
(len,  welche  Könige  heißen,  noch  fed)3  anbere  Schiiber,  bie, 
fo  weit  ftc  erhalten  ftnb,  nicht  als  Könige,  fonbern  als  gürs 
flen  bezeichnet  werben.  Derjenige  aber,  auf  welchen  ftc  folgen, 
tjl  £önig  tycpullpappu&tyhwpS,  baS  $aupt  ber  fechten  Dt)s 
najtie,  wie  wir  auf  unferer  Safel,  znr  (Erleichterung  be3  2(ufs 
faffcnö  berfelben,  bemerkt  haben.  £ier  tfi  alfo  als  wahrfchein^ 
lieh  anzunehmen,  bajj  jene  gürjlen  bie  jüngere  £ime  beffelben 


B.  i.  £)ie  Ä5ntg$rcil)c  von  Änrnaf. 


69 


£aufeS  barpellen»  2üle  tiefe  Silber  ^aben  wir  nacf)  ber 
natürlichen  Drbnung  ber  £ierogh)phen  gejagt,  unb  fo  fleht 
ber  Ahnherr  $epi  ganj  an  feiner  ©teile,  vor  Denen,  bie  wir 
vorläufig  als  feine  jüngere  £inie  annehmen.  3Bie  man  aber 
in  ben  beiben  unteren  Linien  von  jener  natürlichen,  burcr) 
bie  fortlaufenben  Satytn  angegebenen  £)rbnung  abgewichen 
fei,  beuten  bie  eingedämmerten  3ahten  an.  £)ag  nämlidj  in 
biefen  Leihen  ftd)  bie  ©d)ilber  ber  fogenannten  Dfortaftben- 
fonige  befanben,  (ranb  £epftuS  unb  mir  lange  fchon  fejr, 
ehe  wir  1838,  burch  (Shampou'ion  SigeacS  gütige  5DZtttJ;et= 
hing,  auS  beS  SBruberS  9?ad)lag  in  ?>ariS  erfuhren,  baß  auch 
biefer  taxan  feffgehalten  habe,  ühtx  erft  bie  von  ßepftuS,  in 
golge  ber  $er|Mung  beS  turiner  *Papv,ruS  gemachte  QznU 
beefung,  bag  jene  fogenannten  Dfortaftben  bie  zwölfte 
naflic  9ttanetho'S  bilbeten,  bie  mit  2(menemeS  I.  beginnt,  löjre 
baS  3?dthfel.  (5S  fanb  ftd),  bag  bie  beioen  ^düpier  biefeS 
jlönigSjlammeS ,  gewöhnlich  2ünenemhe  I.  unb  SDfortafen  L 
genannt,  beibe  unmittelbar  vor  bem  opfernben  Könige  £u= 
thmoftS  jrehen,  jener  in  ber  Dritten,  biefer  in  ber  vierten 
9?eihe.  £)ie  übrigen  Könige  be6  Kaufes  reihen  ftd)  hinter 
2(menemhe  L,  als  ihrem  fiauptt,  £)ie  2£uSfd)eibung  unb 
Hervorhebung  beS  erjten  fogenannten  Dfortafen  beutet  eine 
beabftchtigte  2Cu^eichnung  an,  welche  bie  Denfmdler  reichlich 
erklären,  £ier  genügt  eS,  bie  £hatfacf)c  fefeufreüen,  bag  bie 
v^errfcher  ber  zwölften  £)t>najtie  auf  biefe  SÖBetfe  bargeftelft 
ftnb,  unb  bag  biefe  £)arjreuung  nichts  Unbegreifliches  fear, 
noch  an  bem  ©runbfa^e  gefchichtlicher  £>rbnung  irre  ma; 
chen  barf. 

(5S  (ranb  mir  nun  fchon  feit  1834,  burch  weine  £erjtek 
fang  ber  brei  dgpptifchen  deiche,  beren  mittleres  bie  |)V?foS^ 
fteit  begreift,  fejt,  bag  bie  zwölfte  manethonifche  Dpnafrie  bie 


Ü  @rfte$  $ud).  <£rtfer  Hbfcfcnitt. 

tefete  üolljtdnbige  beS  alten  3?etd^e6  war:  ber  ?)!)araonentI)ron 
üon  Sftemphte  ging,  nach  ber  burcr)  jene  $er|Mung  gegebenen 
SSerbmbung  t>on  S^anettjo  unb  ^ratop^eneg ,  mit  bem  vier- 
ten Könige  ber  brennten  £)t)najiie  an  bie  £irtenfönige 
über,  £ierburch  würbe  eS  wahrfd)einlich,  bag  bie  £)fortafc 
ben  bie  jungften  biefer  Reifte  feiern  daraus  &og  £epftuS  ben 
<Sd)lug ,  bag  bie  $f)araonen  ber  ^pffoSjeit  auf  ber  anberen, 
rechten  <5eite  ber  SSafel  bargefrellt  feien,  beren  ©chilber  eben^ 
falls  in  feiner  Sammlung  t>on  £)enf malern  vielfachen  2Cns 
Flang  fanben. 

£)iefe  #nftcr)ten  unb  ^ntbeefungen  bitten  ben  ©runb  ber 
Don  mir  im  Anfange  beS  SahreS  1840  gemalten  $txfcU 
lung  ber  gefammten  &afel,  welche  in  bem  ^weiten  unb  brtt- 
ten  &3ucr)e  burchgeführt  ijr.  ©ie  jlcllt  auSfchliegltch  meine 
eigene  gorfcr)ung  unb  gefd)icf)tlicf)e  Anficht  bar.  Sm  vierten 
23ucr)e  werbe  ich  bie  SEafel  in  meiner  volljrdnbigen  ^erftels 
lung  überft'chtlicr)  vorlegen,  $ier  hanbelte  eS  ftcf)  nur  barum, 
ben  ©eftd)tS»unft  fefoujMen,  von  welchem  biefe  gorfchung 
ausgegangen  ijr.  Söenn  wir  babei  einiges  erjr  fpdter  ju  S3e^ 
weifenbe  vorweggenommen  haben;  fo  hat  bieg  feinen  anbern 
3wecf ,  als  unfern  ßefem  bie  erjre  2luffaffung  $u  erleichtern. 

2Bir  haben  babei  von  ÄonigSfcr)ilbern  unb  foniglirf)en 
Titeln  gebrochen.  £)ie  ausführliche  Erfldrung  berfelben  unb 
ihrer  allmdhltgen  Entwicflung  geben  wir  im  Anfange  beS 
^wetten  33ucheS,  als  Einleitung  in  baS  SSerfrdnbnig  ber  ©cr)tls 
ber  beS  alten  Meiches.  £)iefe  (Stelle  festen  um  fo  mehr  bie 
geeignetere,  als  wir  in  bem  vorlebten  2tf>fd)mtte  beS  erjren  33u; 
cheS  unfere  2efer  in  ben  (Stano  ju  fe^en  gebenfen,  bie  tabd 
vorfommenben  J)terog(ppJ>tfd>en  3^<Sen  felbft  ju  lefen. 

£ier  wirb  eS  alfo  genügen  $u  erinnern,  bag  bie  ÄontgS« 
fchilber  ber  Safel  von  Slaxnat  bie  fogenannten  föornamen 


B.  i.  £)te  Söntgßrctfjc  oon  ftarnaf.  71 

ober  nad)  SepftuS  bie  SJ)ronnamen  ber  Pharaonen  barftellen. 
(Sie  beginnen,  oon  ber  fecfyften  £)miaftie  an,  regelmäßig  mit 
ber  (5onncnfd)etbe  (ra).  2Cuf  ben  £)enfmdlern  ftnbet  ft'df), 
oon  btefer  3^tt  an,  ebenfalls  regelmäßig  ber  eigentliche,  ober 
Familienname,  wie  3?ameffe3,  Sut^meS,  ^fammetid).  £>ieß 
ftnb  bie  tarnen,  womit  bie  $)l)araonen  in  ben  Giften,  unb  ge^ 
wohnlich  bei  ben  ©efd)id)tfcf)reibem,  bezeichnet  werben.  (SS 
ift  alfo  flar,  auf  tx>eldt)e  SBeife  bie  £)enfmdler  &ur  SSerbin^ 
bung  ber  $6nig3tafel  unb  ber  fitften  gebraucht  werben.  Sn 
ben  frttheften  Stitm  geben  aud)  fte  nur  (Sin  ^tönigSfchilb:  oon 
ber  fechften  £)rma)tie  aber  enthalten  bie  größeren  £)enfmdler 
regelmäßig  bantbcn  ba3  gamtltenfcfyilb,  ben  gefd)ichtlichen 
tarnen,  welcher  eben  ber  ber  Giften  ift. 

3um  ©chluffe  geben  wir  bie  £)arftellung  ber  in  jenen 
(5d)ilbern  enthaltenen  tarnen  nach  bem  oon  £epftu£  feftge^ 
(teilten  Aftern  ber  Umfchreibung  ber  dgtjpttfchen  SBuchftaben 
in  ba5  Iatetntfcf>c  2Clpf>abet.  hiernach  wirb  nie  bie  foptifche, 
fonbern  bie  altdgt)ptifche  gorm  auSgebrucft  —  welche  eben 
bie  ber  ^eiligen  (Sprache  ift;  wo  ber  ©elbftlauter  be£  Sßor^ 
te$  fiel)  bis  jefct  nicht  gefunben  l)at,  wirb  ein  e  als  allgemein 
ne£  ßautjeichen,  wie  ber  Hebräer  (Sd)wa,  gebraust.  £)er 
@plbentl)ciler  (-)  bezeichnet  ben  Anfang  eineS  neuen  SBorteS: 
ber  93unft  beutet  an,  baß  ber  baburdj  abgefonberte  33ucf); 
ftabe  nicht  bem  Stamme  felbft  zugehört,  fonbern  eine  oorn 
ober  hinten  angefefcte  gormbtlbung  auSbrücft. 


72 


<£r|tcö  $ud).  Srfier  2fbfd)mtt* 


£)ie  £6ntg3teir)e 
£)te  erfte  itimgSretye  (ünH  t>om  Eingang)» 


8 

7 

6 

5 

4 

3 

2 

1 

ierftort» 

S .  nefru 

Arachu 
ra 

An 

Ases 

getftört. 

fcerfi&rt* 

Ra- 
hem 

Tuth- 

S .  Dien- 
te .  ti 

mes  III. 

ftetjenb. 

16 

15 

14 

13 

12 

11 

10 

9 

jerfiort* 

Nentef 
(mtt£o; 
ruö,  atö 

Nen(tef) 
(mit£o* 
ruö,  aU 
Surft) 

Men.... 

rus,  alö 
Surft) 

Nentef 
(erpa, 
Surft) 

äerjrort. 

Pepi 

(SKeru- 
ra) 
VI,1. 

Mer- 
en-ra 

23(25) 

22(27) 

21(28) 

20(29) 

19(30) 

18(31) 

17 

Tuth- 

(Opfer* 
gaben) 

Ra- 
s .  atep- 

(het) 
XII,  1. 

Ra- 
nub- 
ke  .ü 
XII,  3. 

jerflort, 
XII,  4. 

jerftort. 
XII,  5. 

Ra- 
ma  .  tu 

XII,  6. 

Ra- 

sebek 

XII,  7. 

Nentef 

mes  III. 

fiefyenb* 

31(20) 

30(24) 

29(23) 

28(22) 

27(21) 

26(20) 

25(19) 

24(18) 

Ra-ter- 

ke 
XII,  2. 

Ra- 
s. ken- 
nen 

Nacht- 
en-ra 

Seser- 
en-ra 

Ra- 
nub  -  ter 

Ra- 
neb- 
hem 

Ra- 
s.nefru- 
ke 

Dte  zweite  ßomgSretye  (rechts  som  Eingang), 


1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

Ra- 

Ra- 

Ra- 

&erj}6rt 

Ra- 

Ra- 

äerftört. 

ke 

8- (Sun* 

s.anch- 

hem 

scha.... 

sch  a- 

bcfannte 

het 

Chu- 

nefru 

3eict;cn) 

te.ti 

Tuth- 

n 

mes  III. 

9 

10 

11 

12 

13 

14 

15 

16 

ftefyenb. 

Ra- 

Ra- 

Ra- 

Ra- 

Ra- 

Ra- 

Ra- 

jerjlört. 

sch  a- 

sch  a- 

s  .  nefru 

s.sesur- 

meri- 

meri- 

anch 

atep 

te  .  ti 

ke  .ü 

hem 

17 

18 

19 

20 

21 

22 

23 

Ra- 

serftort. 

äerjlört. 

Ra- 

Ra- 

Ra- 

Ra- 

li  em 

Chu- 

ni  eri- 

s . . . en- 

Het- 

te  .ti 

atep 

ra 

scha.  u 

scha .  u 

Tuth- 

Dpfer; 

mes  III. 

gaben. 

24 

25 

26 

27 

28 

29 

30 

jerftott» 

jerflott. 

jeiftort. 

Ra- 

S.het- 

Ra- 

Ra 

f(?).... 

. . .  en- 

s .  nefru 

ra 

74  (Jrffe*  V5ud).  @rtfer  »bfönttt. 

II.  £)ie  JRamejfeStafel  ober  bie  $6mgSretfK  *>on 
AbpboS* 

(Sepftul  Urfunben ,  Safel  IT.) 

SBenn  bie  betten  ÄönigSrethen  im  £uthmoft$=$alafte  t>or 
Sieben  btö  jefet  für  bie  geftf)i  ehrliche  gorfdjung  ßdn^ltd)  unbe^ 
nufet  geblieben  ftnb;  fo  ijt  bagegen  baS  um  etwa  anberthalb 
Sahrhunberte  jüngere  £)enfmal  be§  großen  SfameffeS,  bie  $6^ 
ntgS reihe  t>on  2lbt)bo3,  üom  Anfange  ber  hierogltwht3 
fct)en  gorfrf)ungen  aU  bie  urftmblichfre  ©runblage  berfelben, 
unb  als  ber  ftcherffe  9)rüfjrein  aller  Verfudje  jur  <£>erjrellung 
ber  achtzehnten  unb  neunzehnten  3)r;nafrte  angefehen  unb  an^ 
gewanbt  worben.  9)?erFwürbtg  ifr,  baß  2BilItam  $3anfe£  fte 
1818,  am  Vorabenbe  ber  (Sntbecutng  be3  t)teroc^lpp^tfct)en  %b 
phabetS,  auffanb  unb  abzeichnen  lieg.  Grin  ©teinbrucf  baoon 
warb  an  greunbe  t>ertf)eilt,  unb  erfcr)ien  erfr,  burct)  ©alt, 
im  Sahre  1825.  Setter  war  bie  erpe  üeroffentlicbte  3eich5 
nung  teS  £>enfmal3,  welche  @hampollion  feinen  Unterfudjun- 
gen  über  bie  achtzehnte  unb  neunzehnte  £)t)najtte  ju  ©uinbc 
legte  (1822),  bie  t>on  QatUaub,  nicht  genau:  fte  ijt  jebod)  fel)r 
wichtig,  ba  fte  im  Allgemeinen  bie  üon  S3anfe3  befrdtigt,  unb 
ba3  £)enfmal  twllfldnbiger  barfMt,  als  e£  jemanb  fettbem 
gefehen.  SBurton,  gtlir  unb  SGBilfinfon  lieferten  aber  balb 
genauere  Seichnungen,  bie  noch  unfehlbarer  geworben  ftnb, 
ba  ba£  £)cnfmal  felbfl  fettbem,  befonberS  burch  bie  t>on  et= 
nem  ©riechen  93apanbriopulo  im  Auftrag  be6  fran^oftfehen 
©eneralconfuB  üJttimaut  bew erfjlelligte  Ablofung ,  noch  mehr 
üerfleinert  worben  ifi  SDttmaut  fchaffte  bie  Safel  nach  $a= 
ri§,  wo  bie  Verwaltung  t>eS  bxitt  9J?ufeum§  fte  im  Sahr 
1837  um  500  g)f.  ©t.  in  öffentlicher  Verweigerung  erjtanb. 
©o  fcbmücft  fte  jefet  jene  ©ammlung :  ein  würbtgeS  ©eiten^ 


B.  Ii.  JDte  SrömgSreihe  von  WfyM.  75 

ffücf  be3  @tcmc6  oon  Stafette:  benn  fo  wie  tiefet  ber  ©runb 
ber  ©ntbecfung  ber  Hieroglyphen ,  fo  ift  jene  ndchfr  ber  £6* 
ntgsreihe  t>on  Äarnaf  ba3  urfunblid)  dltefte  chronologifche 
SSerjeidjnig  ber  2Belt.  Stafellmt  f)at  ebenfalls  bie  SBitftnfon^ 
fdbe  3etd)nurtg  ju  ©runbe  gelegt,  mit  einer  3£üge  ber  Unge^ 
nauigfeit  Gaillaube46).  £epfui5  enblid)  t)at  bie  Safel  Don 
2rt»)bo3  $um  erftenmale  gan^  üoüfrdnbig  nad)  bem  Urbilbe 
herausgegeben.  £>urd)  biefe  2£bbilbung  ijl  eigentlich  crfl  bie 
gan^e  £)arjMung  üerjtdnblid)  geworben,  unb  nid)t  nur  ber 
2tbfd)lug  an  ben  beiben  «Seiten  beriefen,  fonbern  auch  bie 
SSermutbung  auägefch  (offen,  bag  oben  eine  gan^e  SReihe  üon 
Königen  verloren  gegangen  fein  fonne.  Sur  bie  Grrgdnjung 
ber  oerftümmelten  Snfcfyrtft  an  ber  «Seite  oor  bem  jtöntg^ 
throne,  für  bie  $erjteuung  be6  SinneS  ber  gan^lid)  tterlore^ 
nen  Ueberfcfyrift,  unb  enblid)  für  ba£  SSerftdnbnif  ber,  bie 
einzelnen  jtonigSreiben  oerbinbenben,  Hieroglyphen  fanb  2ep= 
fut§  einen  fyocbjr  glücflidjen  2£nf)alt$punft  in  einem  t?on  S5ur= 
ton  abgezeichneten,  ganj  ähnlichen,  nur  fleineren  £)enfmale 
im  Stamefieton  2heben347).  £>w  £)arjMung  t>on  £epftu3 
tjt  baher  für  bie  Srflarung  ber  £afel  unb  bie  £er|Mung 
ber  ganzen  Chronologie  Aegyptens  t>on  entfcheibenber  SBich- 
ttcjfeir. 

£)ie  ^onigSreihe  t»on  2£bt)bo5  ift  ein  SBanbgemdlbe  auf 
feinem  ßatfjfctn.  £>ief?  befanb  fich  in  einem,  nun  ^erfrörten, 
©emache  be3  t?on  9tameffe6  erbauten  ober  wieberherge|M= 
ten  SempelpalaffeS  jener  uralten  jtomgSjtabt  £)er  große 
Äonig  fifct  auf  feinem  £hron,  ben  jtufufafcepter  mit  bdttn 
£dnben  haltenb,  eine  £)arjMung,  welche  ber  t>on  £utbmoft'3 

46)  Mon.  Stor.  I,  149  ff.  t)ergl.  III.  A.  13  ff. 

47)  Burton,  Exc.  hieroglyph.  Safel  56.  ©gl.  57. 


SrfteS  33ud).  <£rtfcr  2fbfd)tittt. 


in  ÄarnaF  entfprid)t48).  @r  fcfyaut  auf  eine  Doppelreihe 
tton  je  26  (Scfytlbern,  roeld)e  eben  fo  v>te(e  dggptifd&e  Könige 
anbeuten,  bie  ibm  gültigen,  £>enn  fte  ftnb  e§,  bie  tt>n  an; 
reben  bte  „$errn  be6  2Cmentt"  (Jcmbes),  unb  il)m  2Beif)e 
unb  (Segen  geben,  als  fommenb  rroon"  (en,  bie  SBcllenlinie 
über  ben  beiben  oberen  Reiben)  „ben  Königen",  rr>eld)e  ba 
ftnb  „in  ben  ©aben"  (auSgebrücft  burefy  bie  Grule,  m,  in, 
unb  jwet  au^qefrrecfte  ^ßorberarme  mit  einem  förobeben,  bie  3eU 
cf)en  oon  ©aben)  „bei  ÄönigS  $Rameffe§'\  tiefer  alfo 
hatte  ihnen  geopfert:  hier  empfangt  er  ihren  £)anf  unb  ©es 
gen.  Unter  ben  beiben  Reiben  ndmltcb  lauft  eine  brttte  t)zx, 
ebenfalls  in  26  gelber  abgeteilt,  mit  (Scf)tlbern,  welche  ah 
voechfelnb  ben  Sfyrons  unb  Familiennamen  bee>  £)arbringerö 
enthalten:  unb  über  biefen  »Schtlbern  freien  jene  Hierogly- 
phen, tt>eld)e  ftd)  auf  bte  ©aben  beS  ©efeierten  belieben.  £)ie 
©d)tlber  in  ben  beiben  oberen  Reiben  haben  über  ftd)  bie  ge^ 
wohnlichen  !6nigltd)en  3eicr)en  ber  Pharaonen  unb  barunter 
bie  ©eftalt  be3  ©otteS  2(tmu,  (be6  Unfterbltd)en,  (5roigen),  ah 
voechfelno  mit  bem  oberen  unb  unteren  ^6ntgSl)ute  ober 
5>fd>ent ,  bem  3eict)en  ber  £crrfd)aft  oon  £)ber;  unb  Untere 
dgppten.  SDbroobl  alfo  bie  eigentliche  SQBet^tnfd^rtft  oben  gdn^ 
lid)  fehlt,  unb  t>on  ben  beiben  £ieroglppbcnfpalten  oor  bem 
Könige  jefct  nur  noch  ber  unterfte  £f)etl  erhalten  ift;  fo  lafc 
fen  ftd)  boct)  beibe,  nad)  Maßgabe  jener  ganj  dbnlicben, 
mit  fold)cr  (Sicherheit  im  Allgemeinen  berftellen,  ba§  c3  fct)on 

A8)  2)eö  Äonigö  S3eine  erfdjeinen  ofjne  feine  »Jetcfcnung  berUmrtfTe, 
gleidjfam  al$  waren  fie  mit  SBinben  umnumben:  biefj  fonnte 
anbeuten,  bap  er  felbft  t)ier  alg  £)ftrianer  gebaut  werben  folle; 
aber  mit  Unrecht  t>d(t  if)n  befifyalb  £r*  93irdj  (in  bem  eben  er? 
fdjeinenben  ^reiten  S3anbe  ber  Gallery  of  Ant.)  für  £)ftris 
ober  sptat)»  Senn  bie  Vorgänger  reben  ben  S^ameffeS  an,  unb 
aUe  £terogh)pt)cn  ftnb  nad)  biefem  ftfcenben  SBilbe  gerietet. 


B.  IL  £te  £6ntg3rcif)c  r>on  Slbpboö.  Hl 

hierburch  fefrjreht,  bie  Safe!  fei  mit  ber  oberen  jener  betten 
<5cr)ilberreihen  ber  Könige  befchloffen. 

(Seltfam  allerbingS  mug  e3  erfcr)einen,  bag  bie  3?etJ>e 
ber  bem  grogen  jtonig  £>ulbigenben  in  ben  ihm  ndchften  jroei 
gelbern  ber  ^weiten  3^ett>e  mit  feinen  eigenen  ©Silbern  be^ 
ginnt.  2(ber  es  fommen  in  ben  dgpptifchen  Sempelbilbern 
gan$  gleite  DarfMungen,  unb  namentlich  befjelben  jtonigS 
SfamefjeS  oor.  £)er  trbtfche  .ftonig  wirb  getrennt  oon  bem, 
welcher  einjt  unter  ben  ..£erren  ber  Unterwelt"  thronen  foll, 
unb  opfert  atfo  biefem,  als  einem  ©orte,  gleichfam  als  feinem 
S^eb,  nach  perftfcr)er  ßer)re,  ober  feinem  ©eniuS,  nact)  etruS; 
fifrf)=romifcf)er.  Dafür  empfangt  er  oon  bemfelben  Dan! 
unb  göttlichen  (Segen,  (£ine  boppelte  Darftellung  be3  üo; 
nigeS,  als  be3  irbifchen  unb  be§  oerfldrten,  fct)etnt  auct)  auf 
ben  perfepolitanifcr)en  SBilbwerfen  oor^ufommen  *9).  2(16  jene 
erfd)einen  DariuS  unb  BEerreS,  als>  Sgeb  roirb  dmuS,  ber 
©rünber  be£  Meiches,  bargefMt.  vgner  aber  ifr  ein  unb  ber* 
felbe  Äonig  in  boppelter  SBeife  bargejrellt. 

(£$  bkibzn  bemnacr)  oon  biefer  Sfaifye  24  (2d)ilber  übrig, 
alfo  haben  wir  in  beiben  Leihen  ^ufammen  50.  Dag  biefe 
£rj™nfcf)itber  ober  Vornamen  nun  in  gefchidjtlicher  golge 
SSorfahren  beS  großen  SkmejfeS  barjMen,  oon  bem  unmit= 
tdbaxm  Vorgänger  p  ben  altern  aufjfeigeno ,  rourbe  feJ>r 
früh  ffo*.  3)?ön  fuchte  unb  fanb  auf  oielen  in  (Europa  bes 
fannten  Denfmalen,  fo  roie  auf  ben  t>on  2(egt)pten  gefanbten 
itonigSringen  bie  jebem  ber  jundchfl  oorhergehenben  SSor; 
ober  Shronnamen  entfprechenben  Familiennamen,  wonach 
bie  Könige  gefchichtlich  befannt  fein  pflegen,  Denn,  roie 
fchon  bei  ber  £afel  oon  $axna?  bemerft  roorben,  gewöhnlich 
ftnben  ftd)  auf  ben  Denfmdlern  jene  hüben  tarnen  jufam; 
49)  bitter,  2Cfien  VIII.  78. 


78 


€rfteö  Eud).  grjler  Slbfcfonitt. 


men.  <5o  warb  man  atfo  balb  gewahr,  bag  bie  ndchfren  11 
(Schiiber,  welche  ben  9?ameffe3fd)ilbern  vorangehen ,  bis  ju 
2n)meS^möS,  bem  Raupte  ber  18ten  ^tynajtie,  ober,  wie 
Untere  tt>n  &u  nennen  beliebten,  bem  legten  ber  Uten  £95 
najtte,  hinaufjriegen.  £)ann  folgten  mehrere  fogenannte  £)for:= 
taftbenfchilber:  bie  testen  neun  <Scf)ilber  ber  SReihe  aber,  alfo 
bie  ältejten,  festen  gänzlich.  3n  ber  oberen  fRttyt  ftnb  bie 
ältejten  Dreien  ebenfalls  ^erfrort:  bie  anbere  £dlfte  aber  tft, 
mehr  ober  weniger,  erhalten.  SMefe  tarnen  waren  unbe^ 
fannt,  geigten  ftd)  jeboch  in  ihrer  3ufammenfe£ung  ganj  wie 
bie  bekannten,  unb  mußten  bafyer  auch  unbebenflicf)  für  ge* 
fd)id)tlid)  erftdrt  werben.  SBaren  fte  unb  jene  fehlenben  aüfe^ 
fammt  röntge?  unb,  wenn  bieg,  auS  welchen  £)pnafrieen  ? 
ober  waren  fte  SSorfahren  foniglichen  ©ebluteS?  alSbann 
auS  welchem  (Stamme?  Wit  anbern  SÖorten:  ftelft  bie  £as 
fei  mehr  einen  (Stammbaum  ober  eine  SRethe  regierender 
nige  bar,  unb  iff  fte,  in  ber  einen  ober  anbern  SBeife,  eine 
fortlaufenbe,  ober,  (waS  unS  nad)  bem  oorfycr  ©efunbenen 
nid)t  zweifelhaft  fein  !ann,)  nur  eine  2utSwahl  chronologifcf) 
georbneter  Könige  ober  gürften?  —  2CUe§  bieg  ftnb  fragen, 
bie  man  bisher  faum  aufzuwerfen,  oiel  weniger  narf)  einer 
Durchgeführten  ^ritif  ber  £)enfmdler  unb  £ijten  zu  beant; 
Worten  gewagt  I>at.  2Me  ^erftellung  ber  £afel  würbe  eis 
gentlich  nur  bis  5U  ben  fogenannten  £fortaftbenfd)ilbern  t>er^ 
fud)t  £)iefe  felbft  nahm  man  als  unmittelbare  Vorgänger 
ber  achtzehnten  ^pnapte  an  unb  nannte  fte,  nach  ^Belieben, 
balb  bie  fteb^elmte,  balb  bie  fechz^hnte  £v>nafrie:  beibeS  gleich 
willführlich,  unb,  wie  wir  bereits  gefehen,  juoerldffig  falfd). 
£)te  unmittelbare  Folgerung,  welche  £epftuS  auS  feiner  ©nt^ 
becfung  zog,  bag  jene  Dfortaftben  bie  zwölfte  Stynafite  auS^ 
machten,  war  aber  bie  $£hatfad&e:  bag  bie  ^)t>naflteen  gn>U 


B.  II.  £)ie  ftömg$retf)e  »on  2fbpbo$. 


79 


feiert  ber  zwölften  unb  achtzehnten  hier  ganz  auSgelafz 
fen  feien.  £Meg  aber  t>et^t ,  nach  bem  (Spftem  unferer 
v£)erfMung,  nichts  anberS,  als>  bag  bie  in  ber  £afel  üon  Äars 
na!  befonber3  gejMten  Könige  ber  ^pffogjett  ^ter 
gänzlich  fehlen. 

golgenbe  Ueberftcht  gtebt  einen  anfd)aulicf)en  ^Begriff  be§ 
£)enfrnalS,  oon  welchem  fo  oft  in  ben  ndchften  33üd)em  bie 
$ebe  fein  wirb.  25ei  ben  Königen  ber  neunzehnten  unb 
achtzehnten  £)pnajtie  haben  wir  bie  allgemein  befannten,  ent* 
fprechenben  Familiennamen  hinzugefügt,  ba  biefe  bie  S5ebeu^ 
tung  ber  £afel  anfd)aulicher  machen,  ©ie  geben  §ugtetd& 
bie  ©rdnje  ber  bisherigen  Unterfuchungen  an.  2(ucf)  bie 
©chilber  ber  fogenannten  Dfortaftben  haben  wir  nach  ty*er 
©teile  in  ber  zwölften  £)t)naffie  bezeichnet,  al6  2£nhaltSpunft 
ber  SSergleichung  mit  ber  SuthmoftStafel, 


80 


Grjhtf  md).  @rtfer  Slbfcfonttt. 


Safel  t)on 


26 

25 

24 

23 

22 

21 

20 

19 

18 

17 

S.nefru 

Nefru- 

(Ra) 

(Ra) 

(Ra) 

S.nefru- 

Hor- 

Ra- 

Ra 

Ra- 

ke- 

ke 

Nefru- 

Nefru- 

en-ke 

ke 

Mer- 

Nefru- 

Tet- 

IN  efru- 

annu 

en-Seb 

ke 

ke- 

en 

ke- 

ke- 

ke- 

Pepi 

rerel 

chentu 

ma 

nebbi 

52 

51 

50 

49 

4S 

47 

46 

45 

44 

43 

Mia- 

Ra 

Ra- 

Ra- 

Ra- 

Ra- 

Ra- 

Ra- 

Ra- 

Ra- 

niun 

Sescr- 

ma- 

mes- 

ser- 

neb- 

m  en- 

na- 

men- 

na- en- 

Ra- 

ni  a 

111  CIl 

SQ 

teru 

liiii 

tern 

teru 

ter 

ter 

mes- 

satep- 

Satep- 

Sclia- 

su 

en-ra 

en-ra 

nefru- 

teru 

SHameffeS  II. 

(Hme* 

Q£me> 

(gut* 

(ber  ©rcpc) 

901  ene* 

meffcs 

ru$) 

mofiö 

nopt)t6 

mofüs 

moftS 

XIX 

,  3. 

I. 

III.) 

ivo 

HO 

III.) 

II.) 

XIX,  2. 

XIX,1. 

XVIII, 

XVIII, 

XVI  II, 

Will, 

XVII I, 

XVIII, 

9. 

8. 

7. 

6. 

5. 

4. 

©te  betben  SRamenöfdjtlber  oon  Ra-Ses 

er-ma 

B.  II.  «Die  ÄömgSretye  »on  %Wo&.  81 


16 

15 

14 

13 

12 

11 

10 

9 

8 

7 

6 

5 

4 

3 

2 

1 

(Ka-J 

(Ka) 

. . .  i 

Nefru- 

irien- 

i>eter.. 

Ke 

ke 

Ke 

42 

41 

40 

39 

38 

37 

3ß 

35 

34 

33 

3. 

31 

30 

28 

27 

Ra- 

Ra- 

Ra- 

Ra- 

Ra- 

Ra 

Ra 

Ra- 

oa-ter« 

ser- 

neb- 

ni  a- 

en- 

Scha- 

Scha- 

Nub- 

ke 

ke 

rös 

tu 

ma 

ke  .ü 

ter 

ke  .ü 

XII, 

XII, 

XII, 

XII, 

XII, 

7. 

6. 

5. 

4. 

3. 

(2Cme* 

moftö 

I) 

10 

XVIII, 

XVIII, 

XVIII, 

3. 

2. 

i. 

Satep-en-ra  Miamun-Ramessu. 


L 


6 


157k  tä<c  r 

82  €r(lc*  $ucl).  grfler  2fbfd)nirt, 

III.  £)er  ß6mflgptt£>>tu6, 

(CepftuS  Urf.  Saf.  III  —  VF.) 

£er  aus  ber  napoleonifcben  3ett  unb  burd)  feine  £iebe 
$ur  dgpptifcben  itunfr  rübmlid)  befannte  fran^oftfebe  ©enerak 
conful  £)rooetti  brachte  nacb  Europa  eine  $appru3rolle  mit, 
Die  nebft  ber  übrigen  J>errltd)en  (Sammlung,  von  ben  33our= 
bonen  oerfcbmdbt,  bem  turiner  9ftufeum  §u  £f)eil  warb, 
©ie  blieb  bort,  als  eine  SD^affe  unleferlidjer  33rurf)jlü<fe  eines 
bieratifcfyen  $appru3,  üer!annt  liegen,  bis  GEbampolIion  fte 
im  3afn*e  1824  entbeefte,  unb  in  einem  roifTenfcbaftlicben 
Statte  eine  2fnjeige  baoon  machte50).  Qtx  ernannte  fogleirf), 
bag  biefer  9>appru3  eine  alte  fiifie  ber  dgt)pttfcben  ßöntgSs 

/?-*ww/p^^^i)t)naftteen  enthalte,  unb  unternabm,  mit  ^erjjjjniinjmg^ber 
f(e[neren,  bie  i)auptbrucf)jKtcfe  ^u  orbnen.   <5o  fanb  ©epfc 

/  f^rtb  im  3al)r  1826  bie  14  3oll  bobe  unb  6  gug  lange 

£anbfd)rift  nad)  ^roölf  ©palten  georbnet,  beren  jebe  26 — 30 
3eilen  unb  fafr  eben  fo  t>tele  Äonigönamen  enthielt:  9?effe 
waren  ba  oon  mel)r  aU  200  Königen;  nad)  ber  Spenge  ber 
un^ufammenl)dngenben  £3rud)|rüc!e  muffen  e3  aber  wenige 
ftenS  250  geroefen  fein.  2ütf  ber  SJucf  fette  ftanben  9vedj- 
nungen,  in  voclcben  beiläufig  ber  Üftame  oon  3?amfe3  t>or* 
fommt.  Sßenn  man  nun  febon  t)ternad>  bie  2lbfaj]ttng  in 
bie  19te  £)pnajrie,  alfo  bie  erfte  @pod)e  be§  neuen  2?etcbe§ 
fe^en  mug;  fo  fübren  babin  aud)  nod)  jwet  anbere  Umjrdnbe, 
Äein  einiger  9?ame  ber  18ten  ober  19ten  £)pnafiie,  mit  wes 
niger  ein  fpdterer,  fommt  in  ber  £ifre  t>or,  £)ie  bieratifefte 
©ebreibart  i|f  aber  fo  genau  bie  t>on  anbern  £anbfd)riften, 
roelcbe,  ber  lieber  -  ober  Unterfrfjrift  nacb,  jener  Cüpocbe  ^ 
geboren,  bag  man  fte,  nacb  paldograpbifcben  ©runben,  bie 

50)  Bulletin  Universel  6.  Nov.  1824. 


B.  Iii.  £)er  ÄSnigSpappruS. 


83 


wenigftenS  fo  gut  ftnb,  als  bie  bei  ben  grted)ifd)en  unb  la; 
teinifdjen  £anbfd)riften  allgemein  angewanbten,  nid)t  anberS 
als  in  jene  Seit  f^^n  fann. 

(56  xft  ©eufffrtfyS  grogeS  SSerbienft,  —  unb  wir  freuen 
une  boppelt,  eS  an^uerfennen,  ba  wir  feine  übrigen  S3erfud)e 
auf  bem  gelbe  ber  dgt)ptifd)en  gorfdnmg  für  verfehlt  Ratten 
muffen  —  bag  er  feine  Wlüfyt  gefreut,  bie  unfd)d£bare 
$anbfd)rift  bauernb  tjerjupellen,  unb  mit  gewiffenfyafter  Sreue 
bie  fletnen ,  von  @bampolIion  verworfenen  <Stücfd)en  jener 
einzuverleiben,  ober  wenigffenS  &u  fiebern. 

£5ieß  vernafym  SepftuS  von  ben  SSorfrefyern  jener  6amm; 
lung,  aB  er  im  3af)r  1835  bie  (Scrja^e  berfelben  buretymu; 
(terte.  (£r  machte  ftd)  von  bem  ©an^en  eine  genaue  unb 
vollffdnbige  S^nung»  ßeiber  fanb  er  einige  ©tücfe  ntrf)t 
mein*,  bie  (Sfyampollion  nod)  gefefyen  unb  abgefcfyrieben,  unb 
bie  ©aloolintj[nacf)  beffen  £obe  fyerauSgegebe$^3m  Satyr 
1838  erhielt  er  in  9)ariS,  burd)  bie  greunblid)!eit  beS  33ru; 
berS,  Gnnftd&t  in  (5()ampollionS  Arbeit,  unb  in  Sonbon  burd) 
£errn  (Samuel  23ird),  am  brittifd)en  Sföufeum,  9ftittf)etlung 
ber  ©ewjjrtfyfcfyen  2£norbnung.  (£r  fanb,  baß  beibe  ©elefyrte 
im  2Befentlid)en  biefelbe  2(norbnung,  nad)  12  ^nuj^efen,/^* 
gemacht  Ratten.  2CIS  nun  im  Safyre  1840  SepftuS  folgenreiche 
(Sntbecfung  ber  12ten  manetf)onifd)en  ©pnaffte  in  jenem  $3as 
pm*uS  bie  genauere  X)urdf)jeicf)nung  einer  3ette  biefeS  S3rud); 
ffücfeS  wichtig  machte,  worin  ftd)  eine  verfd)iebene  EeSart  bei 
©alvolini  unb  (Sfyampollion  fanfc,  unternahm  jener  (Belehrte 
eigen6  eine  zweite  Steife  nad)  Surin,  um  über  ben  S&atbe* 
ffanb  biefer  Urfunbe  aud)  nid)t  ben  geringfren  3n>etfcl  übrig 
ju  laffen.  £)ie  gegenwärtige  Verausgabe  ber  33rud)jtücFe  tfl 
alfo  wofyl  eine  fo  gewiffentyafte  unb  getreue  9^ad)bilbung, 
als  jemals  von  einem  2)enfmale  beS  2Cltertl)umS  erfd)ienen. 

6* 


84 


ßrjlcö  Q5ud).  grfter  2lbfd)mtt. 


2Btr  greifen  auch  J>tcr  weber  ber  ausführlichen  (Srüldrung 
üor,  welche  £epfütS  nach  fetner  Rucffehr  aus  2legppten  geben 
wirb,  noch  unferer  eigenen  hiftorifchen  Unterfurfmng ,  fenbern 
legen  nur  bie  gefchichtlichen  JJauptergebniffe  ber  bisherigen 
gorfdjung  für  bie  ^unbe  ber  dgppttfchen  ©efchichtöquellen 
unfern  ßefern  üor  2tugen. 

£)ie  2iffe  begann  (erjte  ©palte  ber  S5ruchfiücfe)  mit  Q$bU 
terbpnajlteen.  Erhalten  fmb  ferf)S  tarnen:  Seb  (jtronoS), 
Osiris,  Seth  (Spphon),  Horas,  Thoth  unb  Ma  (bie  SBa&r* 
heit):  neben  bem  ftebenten,  in  beffen  tarnen  Safoolini  ben 
(Sperber  ju  entbecfen  glaubte,  fanb  biefer  ©elehrte  bie  3<*W 
400  beigefchrieben.  $fla  hat  3140  Sahre  narf)  benfelben,  unb 
^hoth  wahrfd)  einlief)  3226.  S3ei  einer  ber  ©otterbtwajtieen, 
ober,  roaS  roahrfcheinlicher,  am  Schlug  ber  Heroen  s  ober 
Spanens,  ber  lanbfchaftlichen  £)t)najrieen  t>or  9tteneS  jreht  nach 

""V  (Salüolint :  ^_ 

„(Summe:  23  Reg.,  56J3  Sahre,  ....Monate,  28  Sage". 
sfilan  fteht  fchon  hieraus  bie  2(norbnung  ber  dgpptifrfjen  $6* 
nigSltjren.    (Sie  waren  nach  ^pnafrieen  ab$ttt)tiit:  jebem 
Könige  bcrfelben  war  bie  SiegiertmgSjeit  beigefchrieben,  unb 

*  <    jebe  £h)naffie  fcbloß  mit  einer  (Summe  ber  Könige  unb 
rer  Regierungsjahre.  £)er  Anfang  einer  neuen  3}pnafrie  ober 
eine  2lbtl)eilung  in  berfelben  £)pnaffte  iff  burch  rothe  (Schrift 
bezeichnet. 

Sn  ber  ^weiten  Spalte  gehen  bem  tarnen  beS  StteneS 
unb  2Ctl)ott$  Rechnungen  t>o<auS,  bie  unS  leiber  nicht  mehr 
Derjrdnblich  fmb.  (So  fteht  in  3eile  9.  hinter  £oruS:  „lf,420 
Sahre":  unb  bann  folgt:  ^ 

„Könige  bis  zum  £oruS  ...2^,200  Sahre  (bie  Sehner 
fonnen  ausgefallen  fein).  Unb  hierauf  folgten  jwei,  leiber 
aud)  tterjftimmelte,  Angaben  mit  bem  tarnen  v>on  9fteneS 


B.  Iii.  £>er  Ä5ntgöpapt>ruö.  85 


(3.  11,  12.):  bte  bretjefmte  Sfotye  zeigt  nod)  ben  tarnen  von 
ZtyoüZ,  WltmZ  <2obn  unb  Nachfolger  nach  ben  ßtjien. 

£)ie  erhaltenen  ©cfytlber  menfd)ltd)er  Könige  hat  £epftu6 
nach  brei  grogen  Waffen  folgenbermagen  georbnet: 

@rjtltd&:  für  ba3  alte  deicht 

a)  oorber  feebften  ^pnaflie  (fchliegenb  mit 

3  Königen  ber  5ten)  34,  in  10  SBruchfi 

b)  t>on  ber  fed^pen  bis  zur  zwölften,  mit 

btefer  fd)ltegenb  20,  in  6  33rud)ft. 

3ufammen  für  ba3  alte  3?eid):    54  Könige,  in  16  33ruchfi 

3  weitend:  für  ba3  mittlere 
Stach  (bie  Seit  ber  £t)Ffo3):  ♦  .  63  Wenige,  in   6  33rurf)ji 
2CIfo  zufammen,  vor  ber  ^Biebers 

herff  eilung  beS  Meiches :     ,   .   119  Könige,  in  22  SBruchfl. 

2BaS  baS  (Sin^elne  betrifft,  fo  werben  wir  baffelbe,  fo; 
weit  es>  jefet  einer  <jefrf)id)tlicf)en  33ebanblung  fähig  ift,  an 
ber  geeigneten  (Stelle  erwähnen.  Sßir  bemerken  hier  nur  im 
SSorauS,  bag  mehrere  ber  zehn  SBruchftücfe ,  welche  £epftu3 
ben  fünf  erfkn  Dpnaftieen  juqefd&rteben,  unferer  Anficht  nad), 
ben  Reiben  lanbfd)aftlid)er  Könige  t>or  2D?ene3  angeboren 
bürften,  von  beren  3<*W  wir  bei  5D?anetJ)o  33efttmmteree>  fttö 
ben,  von  beren  tarnen  wir  aber,  auger  einigen,  t>on  £)iobor 
aufbewahrten  unb  migoerftanbenen  Nachrichten,  gar  mdbt6 
wijTem  dagegen  fcfjeint  feine  vernünftige  Äritif  bezweifeln 
5U  fonnen,  bag  bie  fed&S  33rud)fKtcfe  mit  65  Königen  bem 
mittleren  deiche  zufommen.  £)enn  wir  fonnen  nicht  allein 
auS  ben  £)enfmdlern  nachweifen,  bag  feiner  biefer  itonigS; 
namen  bem  alten  ober  neuen  deiche  ^ugeböre:  eine  bebeu^ 
tenbe  Anzahl  berfelben  fommt  auf  gleichzeitigen  £)enfmdlern 
be§  mittleren  IRetd&eS  vor,  Die  ^egppter  bitten  alfo  (waS 
un§  oben  fchon  wahrfcheinlid)  würbe)  würflich  im  Anfange  bes 


86 


erjks  V5ud).  (Srjier  Slbfcbmtt 


neuen  Reiches  3afn*bücher  über  bie  ÄomgSfamitien  beS  mttk 
leren,  Vichts  würbe  unfritifcher  fein,  als  ftd)  bte  SDcühe  ber 
gorfchung  unb  (Erklärung  btefer,  in  fo  bebauernSwerthem 
Sufranbe  unS  uberlieferten,  altdgmptifchen  3cthrbucf)er  baburd) 
erfparen  &u  wollen,  tag  man  vorgäbe,  bte  33ruchftucfe  feien 
fo  äerffort,  bag  ftd)  über  bie  golge  ber  einzelnen  ^tonigSnas 
men  nichts  mehr  ausmachen  laffe,  £)te  Unterfuchung  von 
£evftuS  l)at  folcfyer  SBoreiligfeit ,  Trägheit  ober  Unrebltchfeit 
alle  (Entfchulbtgung  genommen,  2öcr  ?>avr)ruSrollen  beham 
belt  unb  beftrf>ttcjt  hat,  weiß,  bag  bie  gafern  berfelben  eine 
falfd)e  ober  ungewiffe  3ufammenfe^ung  von  SBruchftücfen  noch 
fidlerer  als  bie  ©cfyrift  auf  benfelben  verrathen.  ©tner  fofc 
cfjen,  bis  in'S  peinliche  gehenben  Prüfung  l>at  ber  SSorjranb 
beS  turiner  SttufeumS  £evftuS  in  ©tanb  gefegt  bie  ©epfc 
fertf)fd)e  Arbeit  ^u  unterwerfen,  unb  baS  ©rgebnig  biefer  ge* 
wtffenhaften  $orfd)ung  liegt  jefct  jebem  vor.  ©ine  von  £eps 
ftuS  gemachte  Umfd)retbung  aller  einzelnen  (Schiiber  beS  tya- 
vpruS  auS  ben  hieratifchen  3eid)en  in  bie  £enfmalfd)rtft  wirb 
von  jenem  (Belehrten  nad)  feiner  Ritcffehr  ^ur  (Erleichterung  beS 
33er(tdnbnijTeS  für  ben  ©efd)irf)tSforfd)er  veröffentlicht  wer; 
ben,  in  ber  allgemeinen  fritifcfjen  (Sammlung  unb  ©rldute; 
rung  aller  bis  jefct  befannten  £6nigSfd)ilber51). 

©in  Umffanb  verbtent  aber  noch  einer  befonberen  (Er^ 
wdhmmg  am  gegenwärtigen  £)rte.   2öir  bürfen  auS  ber  Um= 
terfud)ung  ber  Denkmäler  beS  alten  Meiches  vorwegnehmen, 
ba§  in  biefem  gemeinfchaftliche  Regierungen  vorkommen,  unb 
^war  namentlich  in  ber  im  ?)apt)ruS  erhaltenen  zwölften  £>v^ 
5I)  ^ngejetgt  som  Herausgeber  beS  £cbtenbud)ö ,  mit  bem  Sttet: 
„£)a$  SSud)  ber  dg\)ptifd)en  «Könige,  eine  djronologifdje  3ufam* 
menjtellung  aller  tarnen  ber  ägpptifdjen  Könige  unb  ttjrer  23er* 
roanbtfdjaft,  von  ber  ©otterbqnaftte  unb  SOfeneS  an  bis  (Sara* 
taUa  u.  f.  xo.  4°'\ 


B.  in.  ©er  ÄJm'ggpappruß. 


naffte.  9?un  werben  aber  weber  i>ter  nod)  fonfl  irgenbwo  in 
biefer  Ur!unbe  mehrere  Röntge  neben  einanber  erwähnt  dnU 
weber  alfo  ftnb  fte  in  ifn*  c^dnjltc^  übergangen,  fo  bag  immer 
nur  (£iner,  etwa  ber  dltefte,  ober  ber,  welcher  am  langffen 
regiert  fyatte,  genannt  würbe,  ober  bie  tarnen  ber  neben 
einanber  in  bemfelben  $aufe  regierenben  ftnb  fdmmtltcf)  aufc 
geführt,  aber  in  tfyrer  bmtajftfdfoen  $ola,t,  einer  nacfy  bem  an? 
bem.  ©ollte  ba3  £efcte  ftd^>  als  ba$>  2Ba()rfd)etnltd)ere  jeu 
gen;  fo  Ratten  wir  alfo  in  biefer  dlteffen  Ur!unbe  dgpptifcf)er 
3eitred)nung  eine  bem  ©pfteme  eines  cf)ronologifd)en  $anon 
entgegengefe^te  5DZ  c  t  f)  o  b  e,  Sßir  fonnten  fte  bie  bpnafti; 
f  d>  e  nennen,  ba  if)r  Swecf  ijl,  alle  fonigltcfyen  £errfd)er  auf= 
jufü^ren,  bie  narf)  ober  neben  einanber  regiert  fyaben.  Sn 
biefem  galle  werben  jebem  ber  gufammen  Regierenben  fo  oiele 
Safyre  Regierung  beigef ^rieben  fein,  als  er  würftief)  an  ber 
Regierung  Ztyil  gehabt.  £)ieg  iff  an  ftd)  ooütommen  ricfys 
tig.  3(ber  in  biefem  galle  wirb  bie  (Summe  ber  in  einer  fok 
cf)en  ^pnaftte  aufgeführten  RegierungSjafyre  bebeutenb  grö= 
ger  fein,  al$  bie  £)auer  ber  ^pnaflie,  b.  f).  al$  bie  3ett,  wek 
d^e  oom  Anfange  ber  erften  bis  jum  Grnbe  ber  legten  9?e= 
gierung  oerfloffen  ifr. 

<5d)lteglid)  bemerken  wir  noef),  bag  bie  au3  bem  tyapy? 
ru3  in  unfere  .£önig6tafeln  aufgenommenen  <3cbilber,  wo  e3 
notfjig  fcfyien,  burd)  ben  barüber  gefegten  SBucfyffaben  p  be^ 
Zeichnet  ftnb,  bie  ben  Äönig3fd)ilbern  oon  itarnaf  ober 
bo3  entnommenen  mit  k  ober  a.  £)ie  unbe^eiebneten,  neben 
jenen,  ftnb  alfo  ©d&tlber,  welche  wir  nur  burd)  £)enfmdler, 
in  ber  Siegel  buref)  gleichzeitige,  fennem 


88 


@rjie$  53ua%  (Srtfer  2f&fcbm'tt 


C. 

$?anetf)o  ber  @ebennt)t  unb  feine 
üftacfyf  olger* 

(@.  Urfunbenbud),  erjte  2lbtf)etluna,0 

I.    ^anet^o'ö  9>erf6nlirf)Feit 

wjD  2feQt>pten!  2Tegt)pten!"  (beigt  eS  in  einem  ber  ber* 
mettfd^en  Bücber,  $erme3  be6  £)retmalgrogen  3n>iefprarf)  mit 
2l3flepio3)  „nur  gabeln  werben  tton  bir  ubrtg  fein,  ganj  un; 
„glaublich  ben  fpdten  ©efcblecbtern  unb  nicbtS  wirb  33e; 
..jfanb  J)aben  als  bie  in  (Stein  gehauenen  SBorte" 

9ttanetbo,  ber  auSge^eicbnetfre  ©d^rtftfleUer,  ber  SBeife  unb 
©elebrte  #egr;pten$,  l>at  ba3  ©cbicffal  feineS  2anbe3  geseilt 
£)er  9)?ann,  welchen  alle  alten  Bertcbterftatter  mit  2£d)tung 
nennen,  unb  t>on  bem  fte  gan§  UebereinftimmenbeS  melben, 
ber  (ScfyriftjMer,  welcher,  wie  t>er  nüchterne  2(elian  fagt52), 
bie  SBeiSbeit  im  baffen  ©rabe  inne  fyattt,  ijt  burcf)  bie 
3erft6rung  ber  3ett ,  welche  feine  ©cbriften  bis  auf  geringe 
33rud)jfttcfe  vertilgt  tjat ,  burcr)  bie  Betrügerei  ber  (Späteren, 
welche  feinen  tarnen  migbraucbten,  um  ibren  Srdumen  2üts 
febn  unb  Cnngang  ju  t>erfd)affen,  unb  burcb  bie  ©leicbgültigs 
feit  ber  teueren  fa(l  ju  einer  mptbifcben  ^erfon  geworben, 
mit  weldjer  man  aufgegeben  b<*t  irgenb  einen  fct)arf  begrdn^ 
ten  Begriff  r>on  ?)erf6nlid)feit  ju  tterbinben.  Sa  Sftancbe 
glauben  ßrttif  $u  üben,  wenn  fte  ibn  als  Betrüger  unb  £ügs 
ner  mit  benjenigen  in  (5ine  klaffe  werfen,  weld)e  feinen  $la; 
men  gejtoblen.  2lud)  bie  2legt?ptologen,  obwof)l  fte  burcb  bie 
£)enfmdler  t>on  ber  gefcbicbtlicben  SBabrbeit  feiner  ÄonigS* 
üerjeicbnijje  überzeugt  waren,  (benn  „bie  in  ©rein  gebauenen 

52)  Aelian.  H.  A.  X,  16.  Sie  ©teilen  über  SDianetbo  ftnbet  man 
ätemlid)  üollftänbto,  gefammett,  aber,  wie  gerooljnlid},  cf)ne  Urs 
ttjetl,  in  Fabric.  Bibl.  Gr.  II,  331  ff. 


c.  h  9!ttanetf)o'$  <JJerf5nlid)fett 


89 


SBorte"  zeugen  &u  flar  für  ihn,)  haben  e3  ntd^t  ber  Slttühe 
werth  gehalten,  jenes  Unrecht  gut  $u  machen  unb  jene  SBer* 
wirrung  ju  lofen,  wag  vorher  allerbingS  nur  unt>ollfommen 
Ijdtte  gefchehen  fonnem  £)iefe  SSernad&Idffigung  hat  ftd)  an 
ihren  Arbeiten  fcr)voer  gerächt:  benn  ber  größte  Ztytil  ihrer 
gerichtlichen  Srrthümer  unb  SSerlegenheiten  fommt  eben  ba* 
her,  ba§  fte  bie  $er|Mung  ber  dgtwtifchen  Seitrechnung  unb 
©efd)ichte  begannen,  ohne  ftd)  vorher  über  (£ntjrehung  unb 
SBerth  unferer  gegenwärtigen  Giften  unb  ihr  SSerhaltnifü  jum 
©efd)id)t3werfe  in'3  .ftlare  gefegt  ju  haben. 

(£6  tfr  nichts  unerfreulicher  für  ben  ©ef$i$tfd)retber, 
unb  nid^t^  unerfprießltcher  für  bie  gorfdjung,  a(6  ftd)  auf 
©ewäfjrSmdnner  fluten  $u  muffen,  üon  beren  fchriftjfelleru 
fd>er  $>erf6nlid)f eit  man  feine  flare  SSorftellung  hat  gewin; 
nen  fonnem  SJhir  wo  eine  foldje  ¥ erfon Ii d) feit,  nach  3eit, 
SBolfSthümltchfeit,  SMlbung  unb  ©chicffalen,  flar  t>or  unfern 
2ütgen  fteht,  vermögen  wir  red)t  aufjufaffen  unb  &u  würbi; 
gen,  wae>  er  unS  bietet;  alebann  aber  fönnen  unb  muffen  wir 

un3  aud)  ein  ®efüf)l  bafür  auSbtlben,  wa3  er  habe  fagen 

unb  nicht  fagen  fönnen. 

SSon  Sttanetho  bem©ebennt)ten  nun  glauben  wir,  bag  ftd) 

ein  fold)e3  perfonlid)e3  S5ilb  gewinnen  laffen  fonne.  SSoll; 

jldnbig  fann  baffelbe  allerbingS  nur  bem  fcorfer; weben,  wel; 

ct)er  an  feiner  $anb  bie  t)on  ihm  berührten  Seiten,  £)enf; 

mdler  unb  Ueberlieferungen  burdjwanbert  tjat ;  unb  wir  wer; 

ben  beßhalb  im  feierten  33ud)e  auf  biefe  bebeutenbe  ^erfon; 

lidjfeit  $urücfblicfen.  2lUein  fchon  jefet  glauben  wir  im  ©tanbe 

ju  fein,  ben  £efern  bie  feften  fünfte  aufoujMen,  um  welche 

jeneS  S3ilb  ftd)  ihnen  alfmdhlig  anfe^en  wirb»   2Bir  hoffen 

eine  SSerwed)elung  beS  wahren  uno  falfdjen  Sttanetho  für 

immer  2lEen  unmöglich      machen,  welche  2tugen  für  ge; 

fd&tc&tltd&e  Wahrheit  haben.  £Me  gejtfMung  biefeS  fünftes 


90 


@r|teö  Q3ua%  grfter  2lbfd)mtt* 


tjt  uncrldgltd),  wenn  man  ftd)  nicht  ben  2Beg  jum  S5erpdnb= 
niffe  ber  ganzen  dgpptifchen  Ueberlieferung  unb  gorfchung 
Don  Dorn  herein  oerfperren  will. 

Sftanetho  tff  benoten  ein  spriejier  auS  ©ebennt)tu3 53), 
ber  unter  bem  erjlen  ^tolemder,  beS  £agu3  (Sohn,  aud)  ©o^ 
ter  genannt,  in  großem  2Cnfef)n  lebte.  2(16  biefer  $6nig,  in 
golge  eine6  SraumgeftchtS,  ein  foloffaleS  ©otterbilb  von  @fe 
nope  bringen  lieg,  warb  bie  Unterfuchung  beffelben  StmotheuS 
bem  £)ollmetfcher  unb  9J?anetr)0  bem  <5ebennt)ten  übergeben, 
wie  tylutaxä)  ausführlich  berichtet:  ihre  Grntfcheibung,  bag 
ber  bargefreUte  ©Ott  (SarapiS,  ber  jDftriS  ber  Unterwelt,  ober 
^Pluton,  fei,  entfehieb  ben  $6nig,  ihm  Sempel  unb  Verehrung 
$u  befd)liegen  54).  £)ag  er  noch  unter  bem  ^weiten  Könige, 
9)tolemdu$  ^^ttabetp^u^,  gelebt,  wirb  baburd)  wahrfcheinlid), 
bag  bie  feinen  tarnen  lügenben  SBerfaffer  ber  2(potele3maten 
unb  beS  £3uche3  t>om  £unb3jrerne  —  wenn  beibe  nicht  bte= 
felbe  $erfon  ftnb  —  ihr  Sttachwerf  jenem  Könige  ^eignen, 
SBenn  Sftanetho  bem  SSerfaffer  beS  SBerfeS  Dom  vfnmbSfrern 
ein  £)berpriefrer  in  $eliopoli3  ijt,  fo  mag  baS,  eben  wie  bie 
Angabe  bei  ©utbaS  ö5),  er  flamme  nach  Einigen  auS  £)io& 
polte,  nur  ßirbichtung  feim  £)erfelbe  Serif ograph  fchreibt 
ihm  bereits  bie  2(poteleSmaten  in  ^erametern  ju,  alfo  offene 
bar  biefelben,  welche  wir  beftfcen.  9ttanetf)o  ift  fchon  mp* 
ti>tfd>e  ^erfon:  ber  weife  unb  gelehrte  9ttann  mugte  in  bem 
heiligen  Theben  geboren  fein,  unb  in  ber  altberühmten  ?)rte= 
flerfrabt  gelebt  unb  gelehrt  haben,  £)ag  Ttamtyo  $ur  $rie; 
fterfaffe  gehörte,  t>erfteht  ftd)  t>on  felbft  £)ag  er  £)berprie= 
jter  2(egt)ptenS  gewefen,  ift  nicht  unmöglich ,  beruht  aber  nur 

53)  Plut.  de  Is.  et  Osir.  c.  9.  p.  354.  W.:  Mccvs&obs  6  2fߣvviT7]g 

(1.  ZeßEvvvtrjQ,  tjon  ©emenut)» 
«*)  Plut.  de  Is.  et  Osir.  c.  28.  p.  362.  unb  SBpttenbad)  &u  biefer 

©teile. 

55)  v.  Mavcci&cog  (l.  Mav^cog). 


C.  II.  SKanetho  ber  Sbeolog.  91 


auf  einigen  $anbfd)riften  bcS  ©uibaS56),  unb  auf  ben 
magungen  be3  falfchen  9ftanetho  oom  #unb§(lew. 

(Sein  dgppttfct)er  9?ame  war  offenbar  9ftanethötb,  b.  h« 
Ma-n-th6th,  ber  t?om  Sfeotft  ©egebene:  voaS  in  ber  alt* 
dgtwtifchen  (Sprache  Sbothniaroürbe  gelautet  haben:  griechifch 
überfefct  enrfprtdjt  eS  bem  tarnen  #ermoboto§  ober  £ermo; 
böroS.  £)te  gorm  $Jlanttyoty  ftnbet  flc&  noch  in  einigen 
©teilen  ber  2ui3süge  ber  ßifren,  namentlich  in  ben  lieber- 
fünften57),  <5onfr  heißt  er  in  btefen  2tu3$ügen  9ttanetbö: 
n>a$  al3  bie  richtigjte  griechtfche  (Schreibung  angenommen 
roerben  fann:  SttanetböS  roeifr  auch  auf  ba3  2(egt)ptifche  ju« 
rücf:  Sföanetfjön  tjt  ganj  oergriecht. 

£)er  dgpptifche  ©elebrte  oerbanft  feinen  großen  3?ubm 
offenbar  bem  SScrbtenfte,  baß  er  auerjr,  foroobl  über  £ef)re 
unb  SBeteheit,  wie  über  3eitred)nung  unb  ©efd)id)te ,  auS 
ben  üaterldnbifchen  Quellen  unb  namentlich  au£  ben  heiligen 
S5üchern  aU  ©chriftfMer  unb  gorfcher  auftrat,  unb  groar  in 
griechifcher  Sprache.  „(5r  befaß  griechtfche  SBilbung",  fagt 
SofephnS,  ber  ihm  nicht  übermäßig  günjtig  tji:  unb  bie  oon 
ihm  gegebenen  2Cu6jüge  geigen  einen  guten,  nüchternen,  t)'u 
jlorifchen  ©tyl. 

II.   5D?anet^o  ber  Styeolog* 

2Bir  haben  im  erfren  Äapitel  biefeS  2(bfchnitte3  gefehen, 
roie  genau  in  ben  heiligen  (Schriften  ber  2Cegt)pter  ©efd)ichte 
unb  ßehre  jufammenhingen,  unb  roie  an  bie  in  benfelben 
enthaltenen  Angaben  ftd)  nicht  allein  alle  religiöfen  ©nricfc 
tungen  be$  £anbeS  anfchloffen,  fonbern  auch  bie  Ueberliefes 

5Ä)  v.  Maveti&ag:  rrjg  Atyvnxov  aQ%i£QSVS  (bic  Übrigen  «£>anb* 

fdjrtften  tfgsvg  Jlyvmov). 
57)  ©♦  Urfunbenbucfc  A.  III.  u.  2Cnm* 


92 


grjleö  Q5ud)*  @rffer  2lbfd)nttt. 


rung,  fowohl  bte  mt?tt)tfd)e  ber  SSor^eit  als  bie  wahre  bcr 
gefd)ichtlichen  Seit,  an  itjnen  einen  @tüfcpunft  fanb,  @3  ijt 
befannt,  welken  $eij  bte  ^Betrachtung  ber  SBeiSfyeit  unb  be3 
2£lterthum3  ber  2fegvpter  für  bie  größten  ©eijrer  ber  SjtUtz 
nen  hatte,  unb  wie  fte,  befonberS  feit  v£)erobot,  oerfuchten, 
burd)  bie  feltfamen  ©öttergeftalten  unb  ben  £f)ierbien)t  ju 
ben  geiern  unb  SBeihen  hinburchjubringen ,  in  welchen  ftd) 
ihnen  ein  tiefer  unb  üerwanbter  ©etjl  funb  that,  2legtwten 
war  fchcn  ihnen  bie  (Sphinr,  beren  t>erjldnbiges>  2D?enfd)en; 
ütttlx%  fte  fragenb  unb  qudlenb  anfchaute,  unb  fte  antrieb 
$u  r>erfuchen,  ba§  SRdthfel  be£  &l)ierleibe3  $u  löfen.  2legt)ps 
ten  war  ihnen  bie  alte  2Bclt:  ba$  ©egebene,  grembe  unb 
bod)  SSerwanbte,  an  welchem  fte  ftd)  beS  eigenen  £)afetn3 
weltgefchichtlid)  bewußt  würben,  ©te  ahnbeten,  baß  bort  ber 
(Schleier  gelüftet  roerben  mochte,  welchen  im  eigenen  2anbe 
Langel  an  fchriftlicher  Ueberlicferung  über  bie  gottlichen 
£>inge  unb  bte  menfd)ltchen  Anfange  unb  ber  3auber  ums 
wanbelnben  ©d)6nf)ett§ftnnc§  über  ben  ©tauben  ber  Später 
geworfen  hatte,  2CUetn  2legv>pten  blieb  ihnen  ein  ftebenfad) 
tterftegelteS  33ud).  $erobot  festen  vielfach  geirrt  ^u  haben: 
allein  e§  war  fchwer,  feine  Srrthümer  51t  berichtigen.  £)er 
fprechenbjte  ^Beweis  baoon  ifr  $)lato,  5D?ag  er  in  2legppten 
gewefen  fein  ober  nicht  —  unb  bie  äußeren  ©ewdhren  für 
bie  23al)rl)eit  biefer  (sage  ftnb  fo  gering,  baß  feine  £unbe 
über  2£egtwtifcr)e$  unb  feine  Jreube  auf  2legt)pttfche3  an^u; 
fptelen  allein  bafür  angeführt  werben  fonnen  — :  gewiß  ijt, 
baß  er  ftd)  Wlufyc  gab,  fogar  bie  ihm  ferner  alö  2el)re  unb 
Sbeen  liegenbe  chronotogifche  Jvage  ju  lofen.  2lber  er  fommt 
nicht  über  ganj  allgemeine  unb  offenbar  ungenaue  Hn^aUn 
hinauf  ©elbjr  ber  gelehrte  unb  gefchichtltd)  im  3ufammens 
hange  forfchenbe  2(ri)lotele3  befchrdnft  ftch,  wie  w&  fcl)cn 


C.  II.  2D?anetf)o  ber  ^bcofog* 


93 


werben,  auf  eine  fefyr  allgemein  gehaltene  Angabe  über  ba$ 
Seitalter  beS  <5efo|rri§,  be3  UrfyeberS  ber  Äajreneintfyeilung. 

(£$  ijt  alfo  genug,  bag  $u  Anfange  ber  ^tolemder^err* 
fd)aft  e3  fein  dgtwttfcfyeS  ben  ©rieben  zugängliches  Sßerf 
gab,  weber  über  bie  Sefyre  nod)  über  Seitrecfynung  unb  ©e= 
fc^tct)te, 

9ftanetf)o  fMte  ftd)  biefe  boppelte  Aufgabe,  unb  begrün* 
bete  baburc^  eine  neue  (5pod)e  für  bie  f)ellentfcf)e  gorfcfyung 
unb  felbfl  für  bie  ber  2legt)pter, 

SBir  wollen  biefeS  juerfr  für  bie  tl)eologifcfyspl)ilofopf)k 
fcf)en  SOBerfe  9)?anetf)o'3  beweifen. 

„50?anetr)o ,  ber  2Cegt>pter",  fagt  GrufebiuS 58),  „braute 
„bie  gan^e  dgnptifdje  ©efdf)tcf)te  in  eine  gried)if<$e  gajfung: 
„inSbefonbere  aber  aud)  alleS,  was>  bie  Geologie  ber  2(eg»^ 
„ter  betrifft,  fowofyl  in  bem  üon  tfjm  getriebenen  fyeiltg  en 
„S3ud)e,  al§  in  anbern  ©dforiften".  Sfyeoboret  fagt  oon  tf)m 
(im  ^weiten  SSiertel  be$  fünften  3af)rf)unbert$>) :  ..9)?anetl)ö3 
„fcfyrieb  ein  mwtf)ologifd)e3  Sßerf  (ober  mntf)ologifd)e  Sßerfe) 
„über  SP  unb  DftriS,  unb  2lpt3  unb  ©arapiS  unb  bie  ans 
„bem  dgpptifcfyen  ©Ortzeiten  59)'\ 

9?a<i)  <5uiba3  fcerfagte  er  „pfyi;ftologifcf)e  SBerfe",  unb 
aud)  ajlronomifcfye,  welche  ©uibaS  üon  ben  2lpotele3maten 
unterfctyeibet,  ungeachtet  er  aud)  biefe  für  manetfyonifd)  fyalU 
£)er  lefcte  Umjfanb  mug  unS  allerbingS  migtrauifd)  magern 

58)  Euseb.  Praep.  Ev.  Prooem.  ad  Lib.  IJ. :  Üdaav  filv  ovv  zi[V 
AlyvitTiUY.ijv  lazoqlccv  slg  nXdzog  zrjg  'EXXijvcov  fiszsiXrjcpe 
cpcovrjg,  iSicog  zs  neu  zu  nsql  rfjg  xeez'  ccvzovg  &eoXoyiceg 
Mavsftcog  6  Atyvnviog,  hv  ze  r\  eyqatpiv  Uqu  ßißX(p  %u\  iv 
Htqotg  ccvzov  ovyyqdufiaatv. 

59)  Theodoret.  Serm.  II.  de  Therapeut,  (p.  753.  Vol.  IV.  ed. 
Schw.):  MavtQ-cog  81  zec  7isql"l6idog  xal  'Oalgidog  Y.tti"Ani- 
Sog  Kai  Zaqdnidos  v.ccl  tmv  ccXXoav  ftscov  zcov  Aiyvnzicav 
ifiV&oXoyrjos. 


94 


@r|le$  Q3ud).  (Jrtfer  Hbfdmitt, 


Mein  <5uiba3  l>atte  aucf)  gute  Quellen,  ©o  füt>rt  er  9tta* 
netbo'S  33ud)  über  bie  ^Bereitung  be3  ^eiligen  9?aucf)werfe§ 
($t)pf)i)  an,  beffen  2£ecf)tf)eit ,  wie  wir  balb  fefyen  werben, 
feinem  3weifel  unterliegt.  %ufy  ift  un$  weber  ein  falfcfyeS 
pf)r;fü)logifcf)e3 ,  nod)  auger  ben  2(potele3maten  irgenb  ein 
ajfronomifd)ee>  2Berf  ber  ^Betrüger  unter  feinem  tarnen  be* 
fannt.  Ueber  ba3  pfymltologifcfye  Ijaben  wir  aber  waf)rfd)eins 
ltd?  nähere  Äunbe, 

Diogenes  üon  Saerte  giebt  jum  Eingänge  feines  2öer* 
Fe3  eine,  leiber  f)6d)ft  bürftige,  DarjMung  ber  ägppttfdjen 
ße^rc  über  bie  ©ötter  unb  bie  @crecf)tig£eit  (©ttten* 
gebot  unb  ©taat$ted)t) ,  nacf)  9ftanetf)o  unb  bem  jüngeren 
£efatdu3,  bem  au3  2£bbera,  beö  3>f)i(a&elpf)u§  Jteunb60). 
Da  biefer  ofyne  3*t>eifel  9ftanetf)o  benu^t  unb  ausgesogen 
fyatte,  fo  fonnen  wir  gewiß  atteS  £f)atfdd)lid)e  wenig* 
jtenS,  weldjeS  Diogenes  anführt,  als  manetfyonifd)  anfefjen. 
DaS  manetf)onifd?e  2Berf,  welcfyeS  er  —  wafyrfcfyetnlid)  nur 
burd)  $datäu$  —  fannte,  führte  ben  Stltelt  Tibx\§  ber 
9laturlef)re61).  -Die  DarjMung  be§  Diogenes  ift  fofc 
genbe:  „Der  Anfang  (baS  ^rincip  ber  Dinge)  fei  bie  Tla* 
„terie62):  auS  it)r  f)aben  ftdf)  bann  bie  wer  (Elemente  ge= 
„fd)ieben,  unb  £f)iere  feien  gebilbet.  Die  ©ötter  feien  ©onne 
„unb  9)?onb:  jene  werbe  SDfftfö  benannt,  biefer  Sft'S.  3f)re 
„©innbilber  feien  ber  $dfer,  ber  Dracfye  (ol)ne  3weifet  ber 
„33aftliSf)  unb  ber  £abid)t,  unb  anbcre.  (Stanbbilber  unb 
„fyeilige  Derter  feabc  man  bereitet,  ba  man  bie  ©ejlalt  be§ 
„©otteS  nid)t  Fenne.  Die  SBelt  fyabe  einen  Anfang  unb  fei 
„vergänglich  fte  fyabe  bie  ©eftalt  einer  lugel.  Die  ©ejtirne 

«°)  Diog.  Laert.  Prooem.  §.  10.  11. 

61)  Tcov  <pv6iMG)v  inirofirj. 

62)  UQZ*!*'         ft*1«*  V/I77V. 


C.  Ii.  9ftanetI)o  Der  £f)eolog. 


95 


„feien  geuer  unb  bie  irbifd)en  Dinge  ftefyen  unter  iJjrem  ge* 
„mtfd&ren  Hinflug.  Der  9flonb  werbe  t>erftnflert,  wenn  er 
„auf  ben  @rbfd)atten  treffe.  Die  ©eele  baure  fort,  unb 
„wanbere  in  anbere  Selber.  Der  SRegen  entfiele  burd)  eine 
„SJeränberung  in  ber  ühift.  9?od)  anbere  p^pftotogtfd^e  £ef)s 
?.ren  melben  $rfatäu&  unb  2(rijtagora3.  <5ie  Ratten  aud)  ©es 
„fefce  über  bie  ©ered)tigFeit,  welche  fte  bem  $enne3  (£f)otl)) 
..&ufd)rieben.  Die  nü£lid)en  Spiere  tterefyrten  fte  göttlich» 
..Sie  fd)reiben  ftd)  aud)  bie  (£rftnbung  ber  ©eometrie,  2l(Iro^ 
..logie  unb  2fritl)metiF  gu." 

SBenn  in  biefer  bürftigen  SufammenjMung  ftd)  feine 
befonberS  tiefe  2ütffaffung  ber  dgt)ptifd)en  SBeiSfyeit  unb  be§ 
dgpptifdjen  2C(tertt)umö  Funb  giebt,  fonbern  üielmefjr  eine  ge* 
wifje  üerftdnbtge  üftücr;ternf)eit ;  fo  tritt  bod)  burd)  biefe  nur 
um  fo  Flarer  ber  oollfommene  ©egenfafc  fjeroor  jroifd^en  bem, 
ben  2llten  befannten,  deuten  Sftanetfyo,  bes  erften  9)tolemder§ 
prtefferlic^em  Statut,  unb  bem  pf)anta|tifd)en,  trdumenben, 
fafelnben  ^Betrüger,  welchen  wir  als  ben  fallen  Wlantfyo 
unten  werben  Fennen  lernen. 

2£ber  wir  haben  bis  jefct  bie  ^auptquelle  für  ben  ©e^ 
f)alt  ber  tr;eologifd):philofopl)ifd)en  äßerfe  9ttanetf)o'3  nod)  gar 
nic^t  berührt  —  9Mutard),  in  feinem  l)6d)jt  fd)d£baren  SßerFe 
über  3fi§  unb  £)fmö.  SDbwobl  nichts  beglaubigter  fein  Fann, 
burd)  <5tyl,  gaffung  unb  3eugniffe,  als  bie  2£ed^tl>ett  biefeS 
ÜZBerFeS,  weld)e3  er  in  Delphi  fdjrieb,  unb  ber  borttgen  Dber^ 
prieftertn  Jtleia,  feiner  aud)  fonft  bekannten  greunbin,  jueig* 
nete;  fo  fyaben  bod)  9ttand)e  einen  3weifel  baran  bloS  au$ 
bem  Umjranbe  ju  erFennen  gegeben,  weil  ba£  2öerF  fo  be; 
tmUntt  dgt)ptifd)e  ©elefjrfamFeit  enthalte.  OTerbingS  tjt  bieg 
ber  gall.  Allein  e§  bebarf  nur  einer  3ufammenffellung  ber  in 
if)m  enthaltenen  rein  dg^ptifcfyen  gelehrten  Angaben,  um  bie 


96 


<£rf!e$  Q5ud>>  @rtfcr  5(bfd)nttt 


Ueber^eugung  ju  gewinnen,  bag  fte  großenteils  au3  Sftane* 
tf)o'3  tfjeologtfcfyen  SBerfen  gcfd^opft  feien.  33ei  einigen  ©tei- 
len beweifen  bieg  bie  manetf)onifd)en  Anführungen  anberer 
<Scf>rtftftetler ,  bei  anbern  macfyt  tl>n  Mintard)  felbft  namhaft 
Unfere  £)ar(fellung  biefeS  SSerfydltniffeS  wirb  alfo  auf  beibe, 
auf  5)lutarcf)  unb  auf  9ttanetf)0,  ein  ern>ünfd^teS  ßtrf)t  werfen» 

gMutard)  fü^rt  Sfftanetfyo  ben  ©ebensten  auSbrucHid)  an 
—  of)ne  jebod)  ein  befonbereS  SBer!  $u  nennen,  wa£  er  über* 
fyaupt  nicf)t  t^ut  —  für  bie  Ableitung  be§  ^amenS  beS  äggps 
tifcfyen  3^6,  Amnion,  ober  t>ielmef)r  Amun,  wie  9)lutard) 
ganj  richtig  ba£  2öort  fd)reibt  !3ttanetf)o,  fagt  er,  lefyrt,  bag 
ba§  SBort  tiefen  ©Ott  atö  ben  Verborgenen  bezeichne63)» 
3)iefelbe  Deutung  —  in  jeber  $inftd)t  eine  fefyr  üerjrdnbtge 
unb  beachtenswerte  —  füf)rt  aud)  Samblid)  an,  ofyne  jebod) 
feinen  ©ewdfyrSmann  $u  nennen64). 

UmgeFefyrt  ijr  es>  bei  einer  anbern  Angabe.  Aeftan  füfyrt 
50Zanett)o  an  für  bie  (£rF(drung  be§  ©runbeS,  weßtyalb  in 
Aegypten  ber  ©enug  bee>  ©d)weinefleifd)ee>  (ben  9)rieffem) 
verboten  fei.  (£r  beriete,  ber  ©runb  fei,  baß  wer  <&d)mu 
nemild)  Fofre,  AuSfd)lag  unb  AuSfafc  befomme65).  2ßiebet 
eine  fefyr  tterftdnbige  Auflegung.  $)lutarcr;66)  fu^rt  biefenttms 

63)  Plut.  de  Is.  et  Osir.  c.  9.  p.  354.  Tmv  noXXcov  vofii^ovtmv 
i'Siov  nag'  Alyvnxioig  bvofia  rov  zJtog  slvai  rov  AMOTN, 
o  naqayovrsg  rjfASig  "Afißcovoc  Xsyofisv,  Mavs&atg  (ilv  6  Es- 
ßsvvvrrjg  to  ytsnqvfifisvov  oi'srai,  nctl  rfjv  nqvifjiv  vno  reev- 
rrjg  SrjXovöd'cu  rrjg  cpcovfjg. 

64)  Iamblich.  de  myster.  VIII,  3.  p.  159. 

ö5)  Aelian.  H.  A.  X,  16:  'Anovca  8s  neu  Mccvs&cova  (2(U§g.  Mcc- 
vcciQ'.')  rov  Atyvmiov,  aocpiag  etg  anqov  sXrjXaHoru  avdqa, 
slnslv ,  ort  yuXuHTog  vsiov  ysvoafisvog  aXepcov  v7toni[inXa- 
rui  nai  Xsnqag. 

66)  Plut.  1.  1.  c.  8.  p.  353.  'Ofioicog  ös  nal  rr)v  vv  dvLsqov  £coov 
TiyovvTcci'    dag  (idXiara  ydq  oxsvseO'ai  Sonst  rrjg  GsXrjvrjg 


C.  IL  VRanefyo  Der  Xf)eofog. 


97 


ftanb  ebenfalls  aB  ©runb  an,  weghalb  bie  2Ceg^^ter  ba§ 
©dm>em  für  ein  unheiligee;  (unreines)  £f)ter  galten :  unb 
bieg  i|r  alfo  au3  SD?anett)0  gefchopft,  obwohl  er  ihn  f)ter  ntd^t 
nennt:  t>feHetd>t  gerabe  belegen,  weil  er  bamxt  ^gleich  tu 
nen  anbern,  mpjrifd^en  ©runb  anfuhrt:  nämlich,  bag  ba£ 
St)ter  bei  9ttonbftn|Ierniffen  (jktt  e^rfürd&ttger  SBetrübnig  ohne 
3wetfel)  f)6cf)fi  thierifd)en  trieben  ftöhne:  wa£  wohl  nicht 
t>on  50ZanetJ)o  entlehnt  ijl. 

3um  ©dötuffe  feines  33ucheS  giebt  ^lutarch  mit  erftaum 
licher  ©rünblid)feit  unb  priefterlicher  (alfo  jlanbeSmdgiger) 
Liebhaberei  an,  wie  baS  ßmphi/  baS  heilige  Sfauchwerf  ber 
2fegt)pter,  unter  SBorlefung  ber  barauf  bezüglichen  «Steifen 
ber  ^eiligen  25üd>er  bereitet  unb  gemifcf)t  werbe.  2Bir  haben 
fchon  oben  angeführt,  bag  <5uiba3  ein  eigenes?  manethonifcheS 
33uch  über  ba3  Ä r>t  fannte. 

2£uSbrü(f ttdö  macht  $)lutard)  feinen  ©ewdhrSmann  noch 
namhaft  für  zwei  fünfte,  welche  für  bie  SMigionSgefchichte 
#egppten$>  oon  groger  S5ebeutung  ftnb.  £)er  eine  ftnb  bie 
dgpptifchen  tarnen  be3  Spphon,  unb  uuSbefonbere  ber  wich* 
tigfteunb  nachweiölichfte,  ©eth 67):  augerbem  33  e  b  o  n,  mh 
djes,  fagt  9)lutarch,  in  ber  gewöhnlichen  Meinung  ber  9lame, 
nicht  S^phonS,  fonbern  eines  feiner  ^Begleiter  fei,  9?od)  wugte 
$>lutarch  au3  9ftanetho,  in  ^Beziehung  auf  Siphon,  bag,  wie 
ber  ßifenftein  (Magnet)  bas  ©ebein  be&  £oru£  genannt 

cp^ivovarjq ,  xca  tcov  to  yaAa  7rfvoi>r<av  slaf'&'ft  ra  aooficcru 
7.inqccv  yteet  apeoqiytccs  Tqcc%vtr}Tccq.  SSgL  Procl.  ad  Hesiod. 
HfiBQ.  v.  767:  zrjv  ös  ovv  dvLsqov  AlyvmioL  qpafftv,  ort  /tu- 
|£(»i  %ctiqu  HQVTCTOfiivrjs  vno  tov  tfliov  tt}<s  GsXrjvrjg.  @.  S35t)t' 
tenb.  fcti  ber  ©teile. 
*7)  Plut.  1.  1.  c.  49.  p.  371.  agl.  mit  c.  62.  p.  376.,  morau$  man 
ftetjt,  ba|3  mobl  fämmtUdje  äg^ptifc^e  tarnen  Sgpfyonö  auö  , 
SDianet&o  aefajopft  ftnb :  waö  auch  an  ftd)  roafjtfdjetnltd)  tjt. 

I.  7 


98 


£rficö  q5ud),  grftcr  »bfdjnttt. 


werbe,  fo  ba£  (Sifen  bei  ben  ^Cea^ptern  „SppfyonS  ©ebein" 
fjeige68), 

2ötr  fjaben  fcfyon  oben  barauf  aufmerffam  gemalt,  bag 
bie  2(bfcf)affunq  ber  9ftenfd)enopfer  bei  ben  2Cegr>ptern  eine 
merfwürbtße  (Spocfye  in  tferer  $eltajon3a,efcf)id)te  bttbet,  unb 
baß  fte  in  ba3  alte  OTetd^  fallt  9#anetf>o  metbete,  fagt  9>fo* 
tard),  baß  in  ^tletf>pta  (ber  ©tabt  ber  Butter  ber  SP) 
bie  £)pfer  ber  genannten  tppf)onifd)en  9ttenfcf)en 69)  in  ben 
^unbstaqen  ©ttte  waren:  9ftenfd)enopfer,  beren  #fd)e  in 
bie  Sßinbe  $erffreut  würbe»  £)fme  gwetfel  i|r  biefe  üftad&rtd&t 
aus  SQ?anetr)o'g  SBerf  „lieber  2Cltertf)ümlid)e3  unb  über  ®oU 
te6furd)t"  a^qen,  £>enn  au3  ü)m  füfjrt  $orpf)t)rtu3  gok 
genbeS  an70):  „2Cmoft3  fcfyaffte  in  £eliopoli6  bie  ©itte  ber 
„9ttenfd)enopfer  ab:  man  opferte  fte  ber  £era  (ber  3ft3 
SÄutter):  fte  würben  geprüft  unb  t>erfte,qelt,  wie  man  bie 
„reinen  halber  auffucfyt  unb  tterfteqelt,  £)ret  würben  jeben 

«8)  Plut.  1.  1.  c.  62.  p.  376.  Sn  allen  btefen  «Stellen  ift  bte  Segart 
Mavi&cog  unbebingt  ben  beiben  anbern,  Mdvsd'og  unb  Ma- 
vt&av,  t)orju^tet)en. 

69)  Plut.  K  1.  c.  73.  p.  380:  'Ev  ElX^viotg  (ftatt  be$  ftnnlofen  TcV 
^v/cg  fd)on  t)on  SQJarftjam  unb  2Bt)ttb.  t)erbe|Tert)  xro'Aa  £e5v- 
zag  dv&qtoTtovg  7tctT87itfi7Tqo>G(xv1)  co  g  M  et  v  s  &  co  g  l6TÖqr]xs, 
Tvcpcovlovg  xctXovvTsg  xai  zrjv  rscpgccv  otvxcov  XiKficovTeg 
ijqpdvi£ov  neti  dtionstgov.  'AXXoc  tovto  (isv  iSgccTO  cpocvtgcog^ 
xea  svoc  xccigov  iv  Talg  xvvdöiv  rjfisgcug  (im  ®e* 
genfa$  ber  ^eiligen  Spiere,  welche  bei  großen  ©eueren  unb  ans 
bern  UnglticBfällen,  wenn  alles  S5itten  nichts  Reifen  wollte,  an 
einen  geheimen  £)rt  geführt,  unb  juerft  bebient,  bann  aud)  ge* 
fcfylacbtet  würben,  als  ©üljnopfet  ober  9?aa», 

70)  Porphyr,  de  abstiu.  p.  199.  II.  :  KoctsXvösv  iv  *HXiov  noXsi 
Trjg  AiyvnTOV  tov  Trjg  dv^gconoxTOvictg  vofiov  "Aficoaig,  co  g 
(lagrvgsl  Mavsd'cog  iv  t  cß  Ttsgi  dq%ot'C6[iov  xal 
sv  6  s  ß  8  l  a  g.  'E&vovto  8s  Trj"Hoet'  xca  iöoxi[id£ovTO  xcc- 
ftdiifq  ol  £t]tov{isvoi  Ka&aqol  fi66%oi  xai  ovöcpqayt^ofisvoi' 
s&vovto  8h  Trjg  rjfitqccg  Tgsig,  dvtf  cov  xrjgivovg  ixsXsv6sv 
6  "A[ico6i$  zovg  i'aovg  dnoTid-sa&oci. 


C.  Ii.   %flam\)o  ber  Geolog. 


99 


„£ag  geopfert  tfmofts  befaßt  an  t^rer  (Stelle  eben  fo  siele 
.JBilber  auS  2Bad)3  baräubringen"  (So  erfldrt  ftd)  aud^, 
rote  bie  2Cu§jüge  beS  manethonifchen  ©efchicf)t6werfe3  nichts 
t>on  btefem  Umflanbe  melben,  ber  jeboef)  ben  Äird&enfcfmfts 
ftellern,  unb  namentlich  bem  GrufebiuS,  SBerfaffer  etneS 
jener  2luS$üge,  gar  wohl  befannt  war71).  $Jlanct\)o  hatte 
nämlich  tiefe  9lad)xi<fyt  in  einem  feiner  theologtfcfcalterthüms 
liefen  SBerfe  gegeben.  SBichtig  tjt  eS  auch  fto  bie  ßrtttf  ber 
Shatfac^en  über  dgpptifdje  (Sitte  bei  ^)orpl>wtiu6  —  nid)t 
ber  philofophifchen  Deutungen  unb  Sehren  —  bag  wir  wifc 
fen,  er  habe  ÜJftanetho  gefannt  unb  benufct. 

$ann  eS  nun  ^ufdllig  fein,  bag  2ttleS,  was  auS  Spanes 
tho'S  theologifchen  SBerfen  t>on  ben  3llten  unb  tton  ben  .ftirs 
d)enfchriftfMern  bis  in'S  theoboftftfje  3eitalter  hinein  ange^ 
fuhrt  wirb,  ben  ßharafter  eines  t>er|ldnbigen,  nüchternen  Sttan* 
neS  üon  bewunberungSwerther  ©elehrfamfett  über  bie  2ttters 
thümer  feines  SSolfeS  tragt?  bag  bie  t>on  (Spateren  biefem 
Spanne  beigelegten  trdumerifchen  unb  wahrfagertfehen  Sßerfe 
ihnen  gänzlich  unbefannt  ftnb  ?  Unb  follte  berfelbe  Sttann 
bei  ber  ^Bearbeitung  ber  .ftonigSliflen ,  bie  er  ttorfanb,  wie 
wir  jefet  urftmblid)  wiffen,  ftcr)  als  S3etrüger  ober  Unfunbigen 
gezeigt  haben?  £)ber  follten  wir  ihn  verantwortlich  machen 
für  ^tfjtterfrdnbnifTe  von  2luS$üglern  unb  2lbfchreibern,  unb 
für  Nachwerfe  fpdter  Betrüger? 

III.    Sflanetho  ber  ©efc^td)tfc^reiber  unb  fein  2Berr\ 

SSon  btefem  anbern  Sweige  feiner  gelehrten  Sfyätiofitit 
wiffen  wir  bebeutenb  mehr  als  von  jenem.  2Bir  beft^en  (5tne 
ober  jwei  (Stellen  buchstäblich,  bei  SofephuS,  <wS  feinem  be* 

71)  Euseb.  Praep.  Ev.  IV,  16.  23gl.  Theodoret.  Serm.  VII.  de 
Therapeut,  p.  895.  Vol.  IV.  ed.  Schw. 

7* 


100 


erjkS  $ud).  (Erficr  2lbfd)nitt 


rühmten  ©efchicrjtSwerf,  welches  ben  Site!  führte :  „2Cegtyp* 
tifcher  ©ef  deichten  brei  SBücher".  (53  war  Jjtcrnadb 
ein,  in  gutem  ©rtecfytfcf)  gefchriebeneS,  erjdhlenbeS  SBerf: 
nach  feinen  eigenen  Angaben  gefchopft  auS  ben  dgpptifchen 
UrFunben.  2(ud)  bie  SSolt^fagen  unb  Sieber  hatte  er  ntd&t 
oerfd)mdht,  aber,  wie  Sofephus  felbjt  ihm  bezeugen  muß, 
aßbann  bie  £luelle  feiner  Gh^ahlung  nicht  oerfd)  wiegen.  Sßtr 
wtffen  oon  bemfelben  SofephuS,  bag  er  £erobot3  Angaben 
mehrfach  bestritten  unb  berichtigt  hatte.  SBenn  alfo  einige 
(Spätere72)  eine  eigene  (Schrift  9ttanetf)o'$  gegen  £erobot 
anführen,  fo  bleibt  e3  zweifelhaft,  ob  bieg  nid)t  ein  für  ben 
3wecF  ber  herobotifd)en  ^ritif  oon  ben  (Spatem  gemachter 
2(u^ug  au3  9ttanetho  war. 

Die  Anlage  fetneS  SÖerFeS  wirb  uns>,  nach  bem  turiner 
9)apt)ru3,  weniger  fchwer  werben  anfchaulich  hetzujMen  unb 
$u  begreifen.  (Sie  war  offenbar  ganz  dgpptifcr).  Der  erjle 
S5anb  gab  oor  ben  breigig  Dpnafrieen  be3  9?eicr)e$>  2(egppi 
ten  bie  oorgefchichtlichen:  unb  zwar  fo,  bag  biefe  mit  ben 
©otterbpnapieen  beginnen  unb  mit  menfchltchen  Röntgen  fd>lte- 
gen.  Dann  folgten,  im  erffen  23anbe,  bie  erflen  eilf  D^ 
naftieen:  ber  zweite  begann  mit  ber  zwölften  unb  enbigtc 
mit  ber  neunzehnten:  ber  britte  umfagte  bie  legten  eilf, 
Diefe  2fbtl)eilung  iflt  nicht  genau  bie  nach  ben  brei  deichen : 
benn  ba£  alte  £fteich  fchlog  mit  bem  Dritten  Könige  ber  bret- 
ahnten  D^naftie,  unb  ba£  neue  begann  mit  ber  achtzehntem 
2lber  ee>  ift  unmöglich,  in  ber  manethonifchen  2frtorbnung  ben 
ßharafter  einer  acht  gefd)ichtlichen  unb  fünjtlerifchen  2Cufs 
faffung  zu  fcerfennen.  Die  eben  angebeutete,  rein  gefliehte 
liehe  2£btheilung  würbe  ftd),  dugerlich  gefagt,  aU  bie  natura 

72)  Eustath.  ad  II.  X.  p.857:  Mccvs&cov  tv  rotg  ngos^Hgodotov. 
Etym.  M.  v.  Aeovtox6(ios'  Mavt&cov  iv  tc5  7tq6§  'HgoSorov. 


C.  III.  Sftctnetbo  ber  ©efd)id)tfd)reiber  unb  fein  2Berf\  101 


licfyjre  SBertfyeilung  ber  breigig  £)t)na(fieen  in  bret  S3üd)er  ju 
je  jel)n  Drmafrteen  bargeboten  fja&en.  Der  ©runb  ijt  ntcf)t 
fcfjwer  ernennen,  wegfyalb  9ftanetl)0  fte  t>crfd6mdf)tc.  Der 
legte  ©lan^punft  be3  alten  $eicf)e3  war  bie  zwölfte  Drma; 
jtie :  if)r  geborte  ber  Äonig  ju,  in  welchem  Sftanetfyo  ben  der); 
ten  $elb  ber  (Sefofrribenfage  ju  ernennen  glaubte.  (5d)on 
ber  britte  £6nig  ber  brennten  Dpnajfie  verlor,  wie  eben 
angebeutet,  5C^empr)t6  unb  ben  £f)ron  an  bie  einbringenben 
girren.  Dann  folgte  eine  fd)macf)oolle  3eit,  in  einer  langen 
SReifye  oon  3al)rf)unberten:  dgpptifcrje  gürfrenf)dufer  regierten 
in  Sieben  unb  in  3EotS,  aber  jtnöbar  unb  of)nmdcf)tig.  (5m 
langer  unb  fd)vt?erer  stampf  folgte  auf  bte  Seit  erniebrigenber 
Unterbrucfung ,  aber  erfr  mit  ber  ad&tjefmten  Dtmaffte  warb 
bie  fyetlige  ^eidjefrabt  voieber  gewonnen  unb  bas  9?eid)  fyer; 
geffellt.  dm  fpdtcrer  itonig  berfelben  reinigte  bie  ßanbe& 
grdn^e  oon  ber  ^pffoSbefagung :  ber  neunzehnten  Dtmaffte 
cnbltct)  entfprang  ber  £elb  beS  neuen  3?eid>e6,  ©efofirt§4Ras 
meffeS,  welker  bie  ©cfymad)  2£egt>ptene>  an  2£ften  rächte.  Sn^ 
bem  9ftanetf)o  nun  ba3  zweite  S5ud)  mit  ber  zwölften  Dt)= 
najtte  begann,  eröffnete  er  bie  ©r^dl)lung  mit  ben  glorreichen 
Saaten  feinet  ©efofrrtS,  unb  fcfylog  fte  mit  benen  be§  tton 
tf)m  benannten  großen  S^amefftben.  Da3  britte  £3utf)  be* 
gann  mit  ber  jwan^igpen  Drmaffie,  beren  Anfang  rüfymlicf) 
genug  ift,  unb  fd)log  mit  ber  breigigften,  beren  legrer  Äonig, 
ber  jüngere  DfoftanebuS,  ber  legte  ctnr)etmtfd)e  £errfcr)er  2Ce; 
gt)pten3  ift.  Dag  bieg  würfltcr)  Sfftanetfjo'S  <5cr)lug  war, 
fagt  ber  ©pncelluS  in  ber  v^auptfrelle  über  9ftanetf)o'3  ©e^ 
fd^tc£)t6vr>erf 73)  auSbrücfltd) :  unb  bieg  allein  würbe  fynuU 
ct)en,  bte  einunbbreigigjre  Dpnaftte,  welche  ftet)  in  unferen 
2lu3sügen  noer;  angelangt  ftnbet  unb  bie  brei  legten  perft= 

73)  Chronogr.  p.  52.  Urffcb.  A.  I. 


102 


<£rjtei3  Q3ud).  <£rftcr  2U>fd)nitt. 


fd)en  Könige,  £)d)u3,  2Crfe6  unb  £)ariu§  ßobomannuS,  tnU 
halt,  für  undd)t  erfldren.  2lber  bie  3<*h*  bretgtg  erfcheint 
auch  augerbem  tnelfatf)  aß  bte  dd&te  manethonifche. 

2Bir  »  betrauten  nun  bte  einzelnen  £f)etle  ber  un3  t>or; 
liegenben  manethontfchen  £)arftellung  genauer. 

IV.  £)ie  ntanetf)onifd)e  Chronologie  ber  Urjeit74). 

2Btr  üerbanfen  bte  einige  (teuere  ^unbe  oon  biefem  eins 
leitenben  £f)ei(e  be£  erften  33ucf)e$>  bem  armenifd)en  Ghtfe; 
btuö  :  benn  ber  (5pncellu3  giebt  feinen  entfprechenben  Tlus^ug 
nur  nad)  bem  S3uche  be£  falfd)en  9ttanetf)0  üom  v£mnb3|tern. 

£)te  £)auer  be3  ganzen  3eitraum3  gab,  nad)  ChtfebtuS, 
9J?anetr;o  an  $u  24,900  Sauren,  tiefer  3ettraum  ifr  im  20fe 
gemeinen  oertheilt  in  bie  £errfd)aft  ber  ©otter,  Heroen  unb 
Spanen. 

1.  £)ie  £errfd) aft  ber  ©  otter.  ©te  jerfdtft  in  fte* 
ben  2lbfd)nitte,  beren  jebem  ein  ©ort  oorjleht.  £)te  golge 
iff:  £epf)djb$,  £elio3 ,  ^gathobdmon  (b.  f).  9)tah,  9?a  unb 
^um,  ber  ©rieben  unb  Horner  ßhnumiS,  ÄnepW:  bann 
bie  ttier  im  ^Pap^ruö  nod)  erhaltenen:  $rono6,  £>jtri§,  3tys 
phon,  £oruS  (b.  h-  ©eb,  Uftri,  ©elf),  £or).  $ierauS  Um 
nen  wir  alfo  roohl  bie  bret  erften  Regierungen  be3  9)apr;ru3 
mit  ©id)crhett  ergangen. 

2,  £)ie  Halbgötter!) errfd) aft,  (£ufebiu3  nennt  ben 
lefeten  ber  auf  bie  großen  ©otter  folgenben  $errfd)er,  bie  er 
nid)t  naher  bezeichnet,  S5pti§.  9?ad)  SamblichuS  roar  S3tty§ 
(ober  SSttiS,  offenbar  berfelbe  9?ame)  ein  ^)ropt)et  be32lmmon£, 
beS  $6ntge3,  b.  fy.  2fmmon§  eigentümlicher  SEitel:  er 
legte  be3  £erme3  S3ücher  oon  ben  göttlichen  fingen  au375). 

7+)  urfbb.  a.  ir. 

75)  Iamblich.   de  myster.  VIII,  5.  IX,  7.    ©.  Zoega  de  Obelisc. 
p.  49. 


C.  IV.  ©ie  mnnetbontfdje  (Sfjronologie  Der  Uncit  103 


SBtr  haben  hier  eine  ©eftalt,  bte  gwtfd^en  Halbgott,  vgeroS 
unb  ^ropf)et  fchwanft.  i)erme3s£hoth,  entfchiebener  ©ott 
2legt)pten6,  war  auch  2TuSteger  göttlicher  SBorte  unb  2(mmon3 
Liener  unb  ©ehülfe.  2Bir  würben  alfo  in  33itt)3  t>teUetdt)t 
ben  legten  ber  £eroen  fehen,  wenn  nicht  noch  ^wei  Angaben 
über  bie  v^eroen^ett  folgten,  hiernach  muffen  wir  borf)  wohl 
annehmen,  bag  ber  achte  Sttanetho  ben  grogen  fteben  ©6k 
tern  guerjt  bie  geringeren  ©otter  folgen  lieg.  (So  tft  e3  auch 
offenbar,  nicht  allein  im  falfd)en  9ftanetf)o,  wo  fte  Halbgötter 
feigen,  fonbern  auch  im  $apm*u3.  2Bir  nennen  fte  bie  nieberen 
©otter.  Qtufzbiuö  fagt  nachher  bie  gan^e,  mit  ffiitpS  fd)lie^ 
genbe  3ett  als  bie  ber  ©otterherrfchaft  ^ufammen,  unb  fagt, 
ihre  £)auer  betrage,  nach  9ttanetho,  13,900  Sahre.  @s  biet« 
ben  alfo  für  bie  noch  übrige  3ett  11,000  ga&re,  £>iefe  f&u 
ben  ftd)  würflig,  jtemltd)  genau,  in  ber  weiteren  2Cufääf)lun<j : 

Heroen  .  .  '   1255  Sahre 

Rubere  Könige  1817  * 

30  memp&ttifd&e  Könige  ♦  .   1790  * 

10  Samten   350  * 

Spanen  =  unb  £eroenherrfcf)aft  5813  = 

^ufammen  11,025  Sal)re. 
2Bir  fonnen  alfo  wohl  feinen  wefentlichen  geiler  in  biefen 
einzelnen  3al)len  fcorauöfe^en.  2Bof)l  aber  ij?  e3  augenfeheins 
lieh,  bag  bie  lefcte  Angabe  ftd)  nicht  an  ber  regten  (Stelle 
beftnber.  <Sd)on  ber  2lu3brucf :  „Sttanen^  unb  $eroen4Kegte* 
rung",  tfl  nicht  genau:  benn  bie  £eroen  fd&Ioffen  fiel)  unmit; 
telbar  an  bie  ©otter  an.  GrufebmS,  nachbem  er  SBitpS  ge^ 
nannt,  führt  fte  mit  ben  Korten  ein: 

„Sftach  ben  ©Ottern  regierten  bie  £eroen  1255  3af)te" 
Zu6)  tjt  bieg  wohl  nothwenbig  bie  richtige  Drbnung:  benn 
bte  Spanen  fe^en  reine  (Sterbliche  voraus.  3 war  ifl  e$ 
fd&wer,  für  ben  2lu$brucf  £eroen  bie  altdgt^ttfche  ©runblage 


104  ertfea  $ucf)*  Grtfer  Wfänitu 


Zu  ftnben.  Heroen  im  eigentlichen  (Sinne,  ba$  Jjeigt  ©otter* 
fohne,  mit  Werblichen  9ttüttern  erzeugt,  waren,  nach  Her0:: 
botS  befanntem  #uefvrucbe,  unb  auch  nach  ben  dgpptifchett 
Denfmdlern,  biefem  SSolfe  gdnjltd^  fremb.  Der  2lu3brucf  ijr 
alfo  gewallt  im  (Sinne  von  Halbgöttern.  Diefe  ^Bezeichnung 
haben  aber  bie  2(u^uge  ber  gefd)irf)tlicf)en  3ett,  welche  bamit 
beginnen,  baß  fte  fagen,  9ftene3  Regierung  folge  auf  bie  ber 
„Spanen  unb  Halbgötter".  Die  Spanen  fcheinen  folche 
nige  ber  Urzeit  ju  bezeichnen,  bie  zwar  als  reine  (Sterbliche 
galten,  aber  bod)  aB  (Stammvater  ber  einzelnen  Sanbfchafs 
ten,  wie  bie  $ittri$>  ber  Snber,  einer  befonberen  Verehrung 
genofien.  (Sie  werben  in  ben  alten  SSer^etdjntffen  Vorzug^ 
weife  mit  bem  2(u3bruc?e  matu,  bie  Gerechtfertigten,  Böllens 
beten,  bezeichnet  worben  fein,  (So  feigen  ndmlich  alle  S3er^ 
jiorbenen:  aber  auch  üort  ben  Königen  ber  gefchtchtlichen  3eit 
haben  einige  vorzugSweife  biefe  ^Bezeichnung.  2(uf  ähnliche 
SBeife  mag  es  mit  jenen  Sttanen  ftd>  »erhalten.  2Btr  haben 
in  ihnen  jebenfallS  bie  röntge  ber  dltejten  gefchichtlichen 
(Sage  zu  erfennen,  nicht  mehr  zur  ©ottergefchichte,  fonbern 
Zur  9}?enfchengefchichte  gehörig:  bie  Könige  ber  Urzeit. 

SBahrfcheinlich  alfo  waren  bie  Halbgötter  ober  Heroen 
auch  voieber  in  jwei  klaffen  geseilt:  ber  erjfen  3eitbauer 
waren  1255  Sahre:  bie  ber  %mitm  faßte  GhtfebiuS  mit  ber 
Sftanenherrfchaft  zufammen,  wahrfcheinlich  nachträglich,  ba  er 
fanb,  baß  er  fte  nöthig  fyattt,  um  bie  eilf  Sahrtaufenbe  nach- 
Zuweifen.  Sene  Spanen  nun  machten  ben  Uebergang  %u  ge- 
fchichtlichen Königen:  aber  nicht  be3  Meiches?  2legtwten:  benn 
beffen  2ll)nherr  iff  StteneS,  ber  SSereiniger  ber  oberen  unb 
unteren  2anbfd)aft,  Die  jefct  folgenben  Könige  ftnb  vielmehr 
lanbfehaftliche  dürften  vor  biefer  Bereinigung  von  £)ber  s  unb 
Unterdgwten ,  woburch  erfl  9Äem»h&  als  zweite  9fatch$ftabt 


C.  IV.  <Dte  manctf)omfd)e  (Ifjronologtc  ber  Uwit.  105 

neben  bie  uralte  ^eilige  Ztybt  trat  unb  AbpboS  tterbunfelte, 
ü^eneS  felbff  jrammte  oon  SfyiS:  unb  bie  fymttifd)en  fmb 
rourflid)  bie  legten  unferer  Sfetye.  SSor  (ober  neben)  innert 
gab  e3  notfyroenbig  aud)  unter dgt)ptifd)e  Könige:  unb  biefe 
fmb  fn'er  aB  9ftempl)iten  bejetd&net  worben :  natf)  bem  fpds 
teren  ©pracfygebraucfye,  aber  ungenau,  ba  erft  9ftene$  bie 
©tabt  $Jltmp\)\$  grünbete.  ©o  wie  jene  £l)initen  9ftene3 
Armen,  fo  waren  biefe  roaf)rfd)einlid)  bie  Afjnen  ber  dltejten 
mempf)ttifd)en  9?eid)  Könige,  tx>etdt>e  nacfy  bem  Aussterben  be§ 
tl)tmttf<$en  2ftann3jiamme3,  bereite  am  (£nbe  be3  ^weiten 
3af)rf)unbert3  ber  3?et$3gefd)icf)te,  ben  Zfyxon  Aegyptens  be^ 
(liegen.  S3eiben  ^pnafüeen  aber,  ben  mempfyitifcfyen  unb  ben 
tf)initifd)en  ttrfonigen,  gelten  btidu)zb\u§  t)ort)er :  „Rubere 
Könige"  mit  1817  Sauren.  2Bal)rfd)einlicr;  waren  biefe  eben; 
falls  urgefd)id)tlic^e  lanbfcfyaftlicfye  Könige,  alfo  xoofy  tt)& 
baifcfye* 

©o  orbnet  ftcf)  bie  manetf)onifcf)e  £)arftellung  folgen^ 
bermagen: 

t  ©otterfyerrfcfyaft  in  $roei  Greifen  ober  Ab; 
Teilungen,  beren  erfte  mit  £oru3  fd)log, 
bie  zweite  mit  SBitpS   13,900  3af)re 

2.  $eroenf)errfd)aft  in  jwet  Abteilungen  ,  ,   1255  s 

3.  Heroen  unb  Urjtammfönige;  Uebergang 

ber  ©Otters  in  bie  ^enfd)engefd)td)te ♦   .   5813  s 

4.  [Reine  9ftenfcr;engefd)id)te :  lanbfd)aftltcr;e 
gürff  en : 

a.  Könige  ofyne  nähere  Angabe  (tfye* 
baiföe?)  1817) 

b.  30  memp&ttifdje  (unter dgpptifc^e)  1790 >    3957  * 
c  10  t&mtttfd&e   350) 

Sufammen  24,925  3al)re. 


106  erfteg  $ucb-  (Jrjter  »bftbnttt. 

SBeber  bte  3<*fel  für  bie  ©otterfeerrfcfeaft,  nocf)  bte  (Summe 
t^rer  unb  bcr  Heroen  5  unb  SOJanen^eit,  nocr)  bie  (Summe 
be$  (Sanken  gtebt  eine  ajtronomifcfee,  epflifefee  3afel.  2Ba3 
bte  gefcfeicfetlicfee  3^tt  betrifft,  fo  bleibt  fraglicfe,  ob  ifere  bret 
2fbtfeetlungen  roürFlicfe  auf  einanber  folgten,  ober  ob  bie  lefcte, 
gan&  ober  511m  £feeil,  gleichzeitig  mit  ben  erfreu  war:  9fta* 
netfeo  rechnete  fte  in  jener  Steife.  2(15  gefcfeicfetlicfee  Angabe 
fefeemt  mit  (Sicfeerfeett  feftgefealten  werben  jit  fonnen,  baß  bte 
dgtiptifcfee  Ueberlieferttng  oor  9)?ene3  eine  ^onigSbpnajtie  t>on 
ttnterdg^pten  aufführte,  unb  vocnigjtenS  Sine,  oielleicfet 
ävoet  oon  IDberdgppten  in  einem  Seitraume  tton  $roeis  bt'3 
ttiertaufenb  Sabren.  2(n  biefe  ^pnaflteen  fcfeließt  ftefe  ber 
SEReneSftamm  an:  fte  felbfl  ftnb  gan^  gefonbert  tton  ben  mps 
tfeifefeen  Röntgen,  beren  ©efebiefete  oielmcfer  mit  ber  ©Otters 
gefefeiefete  jufammenbdngt.  ^egppten  tritt  in  ber  ©efefeiefete 
Don  Anfang  auf  al§  ein  aus>  bem  oberen  unb  unteren  £anbe 
gebilbeteS  9?eicfe.  ©0  beißt  ba3  2anb  felbft  geroofenlicfe  „bte 
betben  £dnber".  (So  lautet  ber  Site!  ber  Könige  bis  in  bte 
fpdtefte  3eit:  $errfcfeer  üon  SDbers  unb  Unterdgppten.  £)a$ 
beutet  enblicfe  auefe  ber  feebrdifefee  9kme  für  2(egppten  an: 
„ÜÄtjratm"  b.  fe.  bie  beiben  SftiSr. 

£>b  nun  jene  Safelen  ber  urgefcfeicfetltcfeen  Stit  2Tegpp^ 
tenS  noc^  gan$  rein  dgpptifcfe  feien  unb  mrf)t  bereite  jübifefe* 
cbriftlirf)  gemilbert  unb  äugefefenitten,  fonnte  man  Wo3  au$ 
Einern  ©runbe  in  grage  (teilen.  CrufebiuS  fcfeldgt  ndmltd) 
ba$  äunjtftöcf  oor,  jene  fajt  25,000  Sabre  auf  2206  Safere 
gurücfjufübren,  —  jebeS  Safer  für  einen  5D?onat  gereefenet  — 
bamtt  fte  innerfealb  ber  3ett  gebraefet  roerben  fonnen,  roelcfee, 
naefe  ben  (Sieben^ig,  ^roifefeen  (Scfeöpfung  unb  glutfe  oerflof; 
fen  (2242  Safere).  2CUetn  wir  roerben  fefeen,  baß  ifem  bie 
S5p^antiner  gerabe  oorroarfen,  btefen  tiefen  (Sinn  ber  alten 
Ueberlteferungen  ntefet  t>er|ranben  ju  feaben,  unb  e$  tjt  tfem 


C.  IV.  £>te  mönctfeomfd)e  Gferonologie  ber  UvieiL  107 


aucfe  wofel  nicfet  recfet  (grnjl  mit  jener  Surücffüferung  ge* 
wefen:  fonft  I>dtte  er  folcfee  3afelen,  wie  350  Safere  für  einen 
(Stamm  t>on  jefen  tfeinitifefeen  Königen  gewiß  nirf)t  (fefeen  ge* 
tajfen.  £>enn  naefe  einer  folgen  3urücffüferung  fedtten  alSs 
bann  fdmmtltcfee  ^efen  Röntge,  bie  eine  eigene  £)t)najtie  biU 
beten,  jufammen  noefe  niefet  einmal  30  Safere  regiert,  b.  fe. 
noefe  niefet  bie  $dlfte  t>on  Slttenes,  ifereS  (Sprößlings,  $egie* 
rung^eit. 

2lbet  felbfi  angenommen  (gegen  alle  fritifefee  SBaferfcfeems 
licfeFeit),  baß  jene  2lnftcfet  Einfluß  auf  bie  Ueberlieferung  ber 
einzelnen  3<*felen  5)?anetfeo'3  gefeabt  feabe:  immer  bleiben  ge* 
fcfetcfetltcfe  folgenbe  fünfte  fejt:  2Ba§  bie  menfcfelicfeen  SRa 
gierungen  betrifft,  fo  fannte  bie  alte  dgpptifcfee  Ueberlieferung 
gefcfeicfetlicfee  £6ntg3ftdmme  unb  Könige  ttor  SfteneS.  (Sie 
waren  t)on  ben  gottlicfeen  Häuptern  beS  SSolfes  getrennt 
burefe  bie  feeiligen  gürten  ber  Urzeit,  welcfee  meferere  taufenb 
Safere  feinburefe  gefeerrfefet  feaben  follten.  gür  bie  dltefren  wirb 
fein  (Stammname  genannt:  fte  fonnten  alfo  SBafelfonige  ge* 
wefen  fein,  t>on  ben  ^rtepern  erwdfelt;  wa6,  wie  wir  im  er* 
ften  Kapitel  bemerft,  noefe  in  fpdter  gefcfeicfetlicfeer  Seit  bie 
gorm  war.  2Ba3  aber  bie  Regierung  mptfeifefeer  SBefen  be* 
trifft,  fo  feaben  wir  feinen  ©runb  an^unefemen,  baß  Wla? 
netfeo  bie  ©otter^eit,  noefe  weniger  bie  gan^e  SSor^eit  bis  SDte 
ne§,  auf  3?eifeen  *>on  £unb£ffernf  reifen,  je  ju  1461  (Sonnen* 
jaferen,  ober  irgenb  anbere  ajrtonomifcfee  ßpflen  ber  2fegt)pter 
jurücfgefüfert 

V.    9ttanetf)o'£  breißig  Stynajlieem 
2öir  gefeen  nun  jur  Ueberficfet  ber  breißig 
naftieen  über,  bem  eigentlichen  ©egenfranbe  ber  £)arfrek 
lung  unb  @r$dfelung  9flanetfeo'S.  £enn  nicfetS  bereefetigt  un§ 
an^unefemen,  baß  er  biefe  üor  ffllmt$  angefangen. 


108 


Srlto  Q3ucb*  <£rtfer  2fbfd)nttt. 


2Bir  befi^en  biefe  dr^dblung  mcfyt  mebr,  mit  2ütenaf)me 
einiger  2fa$$ü<je  bei  SofepfmS,  fonbern  nur  ßtften.  £)iefe 
gorm  einer  folgen  überftd)tlid)en  £)ar|Mung  fennen  wir 
au3  bem  ^)appru6  als  eine  attdgt)pttfd)e.  £)te  un3  burrf) 
2Cfrtcanu^  unb  (5ufebtus>  überlieferten  £tffen  fyaben  nur  bie 
tarnen  ber  Könige,  unb  aud)  biefe  nitf)t  immer:  mit  Angabe 
ber  Safyre,  ofyne  Monate  unb  £age.  #ber  bei  SofepbuS  ftns 
ben  wir  nod)  bie  alte  dgt)pttfd)e  33ered)nung  nad)  Sauren  unb 
Monaten:  unb  (£ine Angabe  nad)  Sagen  bat  ftd)  fogar  nod) 
in  jenen  2(u^ügen  ermatten.  2fud)  t>on  ben  wetteren  2Cnga; 
ben,  ber  33erwanbtfd)aft  mit  bem  Vorgänger,  ja  felbft  ber 
£eibesbefd)affenf)eit  ftnben  ftd)  ©puren.  £)ieß  alleS  beutet 
barauf  bin,  baß  9ftanetf)0  feinem,  nact)  grted)tfd)er  SBetfe 
»erfaßten,  er^dblenben  unb  beurtr)ettenben ,  ©efd)td)t6werfe 
nad)  t>aterldnbifd)er  SBeife  £tfren  betgefügt,  ober  biefelben  ab* 
fd)nitt3weife  feiner  Cn^dblung  einverleibt  batte.  £)ie  (5t)ro= 
nograpften  fanben  ee>  binrcid)enb,  biefe  Giften  auszusieben. 
(Sie  fügten  ü)nen  aber  einige  gefd)id)tlid)e  23er^eid)nungen 
bei,  bie  fte  au3  bem  ©efd)id)tS  werfe  entnahmen.  %ud)  fo 
nod)  bilben  ibre  £ijten  nur  wenige  33ldtter,  unb  e5  ijt  un* 
glaublid),  wie  man  fte  je  mit  bem  eigentlid)  manetbontfd)en 
SBerfe  in  brei  S5dnben  bat  oerwecbfeln  fonnen, 

£)afj  biefe  Giften  im  2Befentltd)en  genau  ausgesogen  unb 
richtig  überliefert  worben  ftnb,  obwohl  oielfad)  entpellt  burd) 
bie  2(bfd)reibcr ,  unb  an  einigen  ©teilen  burd)  tbetlS  mtßoer* 
ftanbene,  tbeilS  oerfdlfcbenbe  Güinfcbtebungen ,  wirb  bie  ©es 
fd)id)te  ber  dgt)pttfd)en  gorfcfmng  bei  ben  Suben  unb  bei 
ben  d)rijHicr)en  SSolfern  anferjaulid)  machen:  ben  eigentlichen 
33ewei3  aber  fann  nur  bie  gefcf)id)tlid)e  ttnterfucfyung  felbfr 
geben,  weld)e  ber  ©egenjknb  ber  ndc^flen  $wei  S3üd)er  ifL 


C.  V.  50?flnetf?o'6  breijjtg  £)t)nafrieen.  109 

£)ie  $rage,  welche  wir  fjier  in'3  2fuge  fäffcö  haben, 
ijr  folgenbe: 

©nt^alten  bie  £ijren  eine  fortlaufenbe  Scttrct^c,  unb  wenn 
nicht,  wo  ijr  ber  einfiel  $u  ihrer  chronologtfchen  2Cn* 
wenbung  ? 

£)as>  Skrfidnbntß  biefeS  »tätigen  fünftes  werben  wir  am 
anfd)aultcf)|ten  baburch  einleiten,  ba§  wir  unfern  £efern  eine 
gebrannte  Ueberftcht  ber  breigig  £tynaftieen  vorlegen»  SBir 
geben  f)ier  nur  beiläufig  bie  berühmteren  tarnen,  unb  tton 
ben  Sohren  ber  einzelnen  Regierungen  fcJjen  wir  gan^  ab. 
£)enn  biefe  werben  in  ben  beiben  folgenben  33dnben,  ber 
Reihe  nac^,  in  ber  £)rbnung  ber  breißig  £)pnaflieen  über* 
ftchtlid)  jufammenge(teEt  unb  fritifd)  beleuchtet,  £ter  lommt 
e3  barauf  an,  mögliche  überfiel) tlidj  bie  |>erfunft  unb  3eit 
jeber  £)t)nafrie  barjufretten.  £)en  £ert  beS  Grufebtuo  geben 
wir  fcuerfr  nach  bem  2Crmener,  unb  bann  wie  ihn  ber  ©pn* 
celluS  anführt.  £)ie  <5umme  ber  Bahlen  ber  btibtn  erften 
S5dnbe  wirb  »on  ben  2(u^üglern  in  ber  Regel  in  einem  (Epiloge, 
beim  2(rmener  für  ben  @ufebtu3,  beim  (SpnceüuS  für  betbe 
angegeben.  £)tefe  ©ummen  jfimmen  aber  nicht  mit  ben 
würflichen  Bahlen.  SBeim  txitttn  33anbe  fehlt  bie  Bufam* 
men^dhlung  für  (£ufebtuS  gan^:  für  ben  2£fricanu§  giebt  ber 
©^ncelluS  nur  bie  (Summe  ber  RegterungSjahre.  £)ie  3af)( 
unb  golge  ber  Könige  in  biefem  S5anbe  ifi  aber  burch  bie 
£)enfmdler  fo  fehr  als  richtig  bewahrt,  baß  bie  fehlenbe  3«5 
fammen^dhlung  berfelben  unbebenflich  ben  Satytn,  bie 
wir  lefen,  ergänzt  werben  fann. 


110  <£rfieö  23ucb*  <£rftcr  5lbfd>nttt* 

(grflter  S5anb  gjUnet&o'ö 


3a 

i)l  bcr  Könige. 

£>9naftte. 

Africanus. 

Eusebius. 

Syncellus. 
Afr.  Eus. 

I.  SSfytntten. 

8 

8 

II.  Samten. 

9 

9 

III.  SDtempf)tten. 

9 

8 

IV.  SKemptjiten. 

8 

17 

V.  (Slepfyanttner* 

9 

öl 

0  — 

VI.  SJJempfytten. 

6 

VII.  gftempfntem 

70 

5 

— 

VIII.  SKemptyiten. 

27 

9(19) 

—  5 

IX.  v^craflcopolttcn. 

19 

4 

X.  £erafleopoltten. 

19 

19 

XI.  £)to&politen. 

16 

16 

©umme: 
Spitog: 

200 
192 

126  (136) 
192 

C.  v.  Sftnnctyo'ö  breiig  Stynatfüm  111 


(1.  —  XI.  Stynajtie). 


©umme  ber  SKegt 
iat)re» 
Africanus.  j  Eusebius. 

c  r  u  n  g 

Syncellus 
Afr.  Eus. 

tarnen  unb  (Sretgn tffe. 

263 

228(258) 

253 

252 

l(l)9Jfene6,  Ärieg^üge,. 

J(2)  Ätfcöt&tl,  $alajr  in  2Remp&tS* 

((4)  Uenepfceg,  ^pramiben. 

302 

297 

— 

— 

((2)  ÄaiedjöS :  23eref)rung  ber 
<    ©tt'ereu.  b.  menbeftfdjen  SSocteö. 
f(3)  S3inöt&rU:  raetbl.  Erbfolge. 

214 

197(198) 

— 

19 

8 

((2)©efortfjog:  SBauartmttSBert- 
<   fteinen:  S3erbefi"er.  b*  ©$rift: 
(  2fr§neifunbe. 

284 

448 

274 

(C2)©upi)i$:  grofjte  ^ramtbe. 
j(3)  ©up&is. 
((4)smend)ercg. 

218 

248 

10 

0 

1(3)  SKepfjerdbereö» 

j7  — 9:    SCRendjereS,  3:and}ere$, 

(  DnnoS* 

203 

203 

[2,3:  $>t)io§  —  SDM&ufupfct«. 
14,5:  $>t)iöpg  (1003.)  —  SO^cntf)c^ 
j  fuptnS* 

\6:  9totö!ri$:  fecfcfre  ^pramibe. 

70  Sage. 

75 

753 

Dramen  fehlen. 

146 

100 

142 

tarnen  festen* 

409 

100 

iSftamen  fehlen:  auf  er  bem  be§  er= 
\   jten,  beS  Scannen  tfdjtfjoe^. 

185 

185 

tarnen  fehlen» 

43 

43 

tarnen  fehlen* 

2267,70s. 
2300  3* 
unb  70  £. 

1876(1907) 
2300 

[tu  75  SS. 
bei  Sync] 

112  ertfeS  Q5ud),  (£rjter  Sfbfc&m'tt. 


Stynaftte* 

U 

Africanus. 

1;  l  b  e  r  Ä  6  n  t  g  e* 

Eusebius. 
Armen.        |  Syncellus. 

XII.  £toSpolitetu 

7 

7 

7 

XIII.  ©toSpoltten, 

60 

60 

60 

XIV.  Sotten* 

76 

76 

76 

XV.  ^irtenfontge* 

6 

£trten£öntge 

©toSpoU 

StoSpoI. 

XVI.  tfnbere  Ritten* 
fönige* 

32 

5 

£f)ebäet\ 

D 

Styebäer. 

XVII.tfnbere  £irtem 
f  ontge. 

43 

f„unb  eben 
ütele  Sfyebäer' 

0 

'] 

4 

Birten. 

4 

Birten. 

XVIII.  £to§poltten. 

16 

14 

14 

XIX.  StoSpoltten, 

6 

5 

5 

Summe: 

246 

171 

171 

(SpUog: 

96 

92 

92 

C.  v.  Sftanetljo'S  breiig  JDpnaftieen.  113 


(XII. -XIX.  2>9naj«e). 


(Summe  ber  Regier  ung6* 
jaf)re. 

Afrieanus.l      ,  Eusebius. 

1      Arm.      |  Sync. 

tarnen  unb  (5ret<$  ntffe. 

16« 

182  (245) 

182(245) 

(U  tfmenemeg,  2,  ©efondjoftS. 
J3.  2fmenemeö  II. 
H.  ©eföftrtS  ber  grofje  (Eroberer» 
(o.  SamareS,  (Srb*  beg£abv)rintfyc$. 

453 

453 

453 

tarnen  fehlen. 

184 

484 

184(484) 

•tarnen  fehlen. 

284 

250 

250 

taömfer  nahmen  Sföempfnö  ein: 
)   erbauten  eine  fefte  <3tabt  im 
J   fettyrot'tifcfyen  9lomo$, 

( 1  (P5fllaft<i 

190 

IJu 

tarnen  fehlen» 

151 

103 

103 

tarnen  fehlen» 

•«Eft     1  _ 

zoy  -f-  x 
(263) 

öl7  (ö4o) 

o-D  (o£o ) 

(348) 

M.2CmöS(2D?ofeö).  3. 2Cmenöpf)t()i$. 
16.  9JH$pl)ramutf)öftö. 
<7.  Suttjmöftö.  8. tfmenöpfyis, 
/9.£)ruS,  15.  sRomejTeg»  16*2(me' 
[  nopfjatt). 

204(209) 

162(194) 

194 

(W@etyöS.  2.  «Kapfafeg,  3.  2Cme* 
|   nepi)tt)eö*  4.  S^amefTeö»  5.  2Cm? 
(   menemmeS.  6.£i)uöriö  (Saturn). 

2213+ x 
(2221) 
2121 

2241 

(2267) 

2121 

2044 
(2304) 
1121. 

I. 

8 

114  <£rtfeö  Q5ud)*  grfier  2fbfd)tritt* 

dritter  S3anb  3!ttanetf)o'S 


3a 
Africanus. 

1)1  b  er  nige. 

Eusebius. 
Arm.  Sync. 

XX.  £)io6poltten 

12 

12 

12 

XXI.  Moniten. 

7 

7 

7 

XXII.  «Bubaftiten. 

9 

3 

3 

XXIII.  Samten* 

4 

3 

3 

XXIV.  ©ait. 

1 

1 

1 

XXV.  Bet&topen. 

3 

3 

3 

WVI.  ©aVten. 

!) 

9 

9 

a 

o 

8 

8 

XXVIII  (Sait. 

1 

1 

1 

XXIX.  Sftenbefter, 

4 

5(4) 

5(4) 

XXX.  ©ebensten. 

3 

3 

3 

Summe: 

61 

55  (54) 

55  (54) 

Gspitog: 

C.  V.  3tfaitet{)o'S  breiig  Spnajlieen.  115 
(XX.  — XXX.  Stynafh'e). 


©umme  ber  Regierung  6* 

Africanus 

1  a  i)  r  c. 

Eusebius 
Arm.      |  Sync. 

tarnen  unb  (Sretgntffc. 

135 

172 

178 

3iamen  fehlen. 

[l.  (Smenbeö.  2.  ^pfufenneS. 

^3. 9?ept)erd)erc$.  4.  2fmenöpbtf)t$. 

(  fenneS. 

114 (130) 

130 

130 

116 (IäO) 

49 

49 

11.  ©efoncgojtS, 
<2.  Oforttjön. 
(6. SSafelötbtS. 

on 
89 

44 

44 

n.^eftibafteö.  2.Öfor$ö. 
(4. 3ct. 

6 

44 

44 

23ofd)örtS,  lebenbtg  verbrannt  t)on 
©abafön. 

40 

44 

44 

11.  (ssaoCuOn. 
<2.  ©ebtcfyöS. 
(3.  SarföS. 

150,6501. 

173  (165) 
(167) 

168  (163^ 

(3.  Sftecfyaö.  4.  $)fammettdj. 
<5.  SKedjaö  II.  7.  Uapbrtö. 
(8.2Cmöftö.  9.  SpfammedjertteS. 

124,4  50*. 

120,49», 

120,43». 

(l.Äamb^feS.  2.2)artuö. 
<3. 3Eer*e$.  5.  2Cr ta jreryeö. 
(8.5Dariu6,  3Eerye6  <5of)n. 

6 

6 

6 

20, 4  $0*, 

21,43». 

21,43». 

(l.STCeptyeriteg.  2.  2£d)öri§. 
]3.  $Pfamnutl)i$. 
/4.9lepf)enteg. 

38 

20 

20 

11.  3leftancbo6.  2.  SeoS. 
|3. «ReftaneboS  II. 

839,2  9». 
(859,2501.) 
1050  (1041) 

823  (815) 
(817)83». 

824, 8  3». 
(819,83».) 

8* 


116  <£rfle$  93ud)*  <£r(lcr  2ibfd)nitt. 


tteberfid)t  bet  3^f)lcn 


3al)l  ber  Äont^e. 

£)  t)  n  q  fite. 

iK.ll  LL  (l  III  l>>* 

Eusebius. 
Arm.  Sync. 

(ftfler  iRanb 

126 
136 

(5p.  192 

I  —  XI. 

200:  (5p.  192 

♦Jroeitet  SBonb. 
XII  -  XIX. 

246:  (5p,  96 

171:  (5p.  92 

92 

©rittet  S3anb* 

61  [(5p.  61] 

55 
54 

XX  —  XXX. 

(Summe: 
(£l)iu  I-XXX.) 

507:  (5p.  288 

352 

C.  V.  Sftanetfco'ö  breijjtg  2>r)tia|H<?en.  117 


fcer  bret  SBdnbe  Sttanetfjo'S. 


©umme  ber  SSegietungg; 

1  a  \)  t  e. 

Ueberftcfct  beS  3nl)atU.  ! 

Eusebius. 

Africanus. 

Arm. 

Sync. 

lolo 
1907 

«Beginnt  mit  SKeneS  (I.)- 

2267 

— 

III.  IV.  VI.  VII.  VIII.  Sföempfriten 

XI.  2)to$politem 

©p.2300 

(?p.  2300 

2213 

2241 

2044 

SBeginnt  mit  bcn  fog.  £)jortaftben. 

2221 

2267 

23Ö4 

XII.  XIII.  £)ioSpoliten. 

(Sp.  2121 

<Sp.  2121 

@p.  1121, 

legten  SRameffeS  ber  dkojje* 

l.  2121 

839 

824 

825 

859 

820 

üBeginnt  mit  bcn  Sfamefftben. 

1050 

(Snbigt  mit  SKeftanebuö  bcm  Sun* 

^1041 

[Gp.  818] 

(5p.  fefjlt. 

geten. 

5340 

4954 

5347: 

4922: 

5471 

Sp.  5239 

^•5462 

118 


<£rtfe$  Q5ua%  €*rfler  2lbfd)nitt 


Sßir  h<*ben  für  beS  CrufebiuS  galten  ben  SSorrheil,  bag 
fte  in  $wei  t>on  etnanber  unabhängigen  £)arftellungen,  in  ber 
armenifchen  Ueberfe^ung  ber  ßfyrontf  unb  in  ber  oergleichen; 
ben  £)arjMung  ber  manethonifchen  £>9naftieen  beim  ©pns 
celluS,  unS  überliefert  werben  ftnb.  £)ie  tr»efentlict)e  lieber; 
einjrtmmung  betber  ifl  aber  eben  ber  fd)lagenbe  ^Beweis,  baff 
ber  SpncelluS  bem  GcufebiuS  fein  Unrecht  gethan,  wenn  er 
ihn  nicht  allein  ber  glüdjtigfeit,  fonbern  auch  ber  abftd^tlt^ 
d)en,  bem  fpncr)rontfltfct)en  Spfrem  $u  ©efalfen  oorgenom; 
menen  SSerffümmelung  befchulbtgt.  £)ie  am  leid)te|ren  nad); 
weislichen  ^Belege  für  biefeS  SSerbammungSurthetl  gtebt  ber 
bxittt  SBanb,  wo  bie  £)en?mdler  unb  bie  griecf)tfchen  Berichte 
unS  jur  Seite  jfefyen.  2ßir  machen  J)ier  nur  auf  jwei  S5et- 
fpiele  aufmerffam.  gür  bie  23fle,  24fte,  25jte  £>tmafrie  hat 
(5ufebiuS  gleichmäßig  44  3»ahre.  £>iefe  3<*hl  hat  nirgenbS 
einen  $alt  als  in  ber  25jlen:  eS  ifr  flar,  baß  GhtfebiuS  fte 
auS  SBerfehen  auf  bie  anbern  übertrug.  Sn  ber  ^wetunb; 
jwanjigjten  giebt  er  brei  Könige  mit  49  Sauren,  ftatt  neun 
(fdmmtlich  in  ben  2)enfmdlern  nachweislicher)  mit  116  ober 
120 Sahren.  £ier  i(r  ber  ©runb  noch  augenfälliger:  er  fanb  im 
#frtcanuS  nur  brei  Könige  mit  tarnen  aufgeführt,  unb  über; 
fah,  baß  bie  übrigen,  obwohl  ohne  tarnen,  boer)  nach  t&rcr 
^olge^ahl  unb  als  in  ber  Summe  ber  SftegierungSjahre  be; 
thetltgte  aufgeführt  waren.  2ßir  finb  alfo  fchon  ^terbureft 
genothigt,  feine  Arbeit  mit  bem  größten  Wifctvautn  ^u  be; 
trachten,  unb  eS  für  gänzlich  unttittfeh  erfldren,  wenn 
Einige  ben  @ufebiuS  beffenungeachtet,  fo  oft  eS  ihnen  bequem 
febetnt,  als  gleichberechtigten  ©ewdhrSmann  annehmen.  3e; 
beS  Sßiatt  ber  nachten  Uibtn  ^Bücher  führt  ben  SBewetS  bie; 
fer  Annahme  im  ^injelnen. 


c.  vi.  2)te  Seitbauer  t>on  Lettes  bti  2Üeranber.  119 

2Ba3  nun  bie  3af)l  ber  Röntge  unb  bte  (Summe  tf)rcr 
S?egierung^iar)re  betrifft,  fo  fchwanfen  bte  Angaben  über  bte 
erfte  awifchen  etwa  300  —  350  —  500:  bte  3eitfumme  aber 
gtt>ifct)en  49  unb  54  Sa  Wunberten,  oon  9ttene3  big  neun 
Safyre  t>or  ber  (Eroberung  #egt)pten$  burd)  2C(eranber  ben 
©rogen. 

VI.   £)ie  Settbauer  fcon  StteneS  bis  2f(e):anber  nad) 

2Bir  fagten  abffd)tltc^ :  bie  (Summe  ber  9?egierung3jahre. 
Zbzx  ift  ^amit  gefagt,  baß  alle  £tyna|fteen  auf  einanber  fok 
gen?  SBenn  e$  ein  getbeilte6  EJ^etd)  gab,  fo  mußten  boct)  £6* 
nigSltften,  wie  bie  unfrigen,  bte  £dufer,  welche  ftd)  in  baf; 
felbe  feilten,  nach  einanber  aufführen.  2Tber  wir  nehmen 
hier  eine  oben,  beim  <Scf)luf|e  unferer  Unterfuchung  über  ben 
turiner  spapttruS,  gemalte  Bemcrfung  roieber  auf,  unb  fra* 
gen:  wae>  berechtigt  un3  anzunehmen,  bie  (Summe  ber  9?e^ 
gierungen  in  einer  unb  berfelben  £)r;nafHe  fei  nothwenbig 
gleich  ber  3^itbauer  ber  ^najite?  ©efe^t,  wir  Ratten  bie 
Giften  ber  ^aifer  beS  romifdjen  9?eid)e5  oon  (SeoeruS  bt'3 
Sheoboftuö ,  ohne  alle  gerichtliche  Grrfldrung,  !onnten  wir 
nicht  berechtigt  ju  fein  fcf)etnen,  bie  (Summe  ihrer  £Regte= 
rungen  gleich  mit  ber  würflichen  3ctt  $u  fe^en,  welche  jene 
bti'ocn  Äaifer  trennt  Unb  boct)  wäre  ber  Srrthum  bebeutenb. 
2lber  wer  (wirb  man  fagen)  würbe  in  einem  folchen  gatte 
überhaupt  (Summen  gießen?  ©ewig  niemanb,  welcher  einen 
rein  chronologifchen  3wecf  hatte.  2£ber  lagt  ftch  nicht  auch 
ein  (Softem  benfen,  wo  man  einerfeitS  nur  bie  fdmmtlichen 
SRegierungSjabre  berjenigen  ©lieber  eineS  £aufe£  nach 
anber  aufzählte,  bie  nach  ober  neben  einanber,  für^er  unb 
langer  regiert  hatten,  anbrerfettS  ben  chronologifchen 


120  €rtfe8  «Sud>»  €rftcr  Slbfcbnitt. 


©d&lüffel  ba^u  gab,  rvoburch  man  bie  eigentliche  3ettbauer 
für  tiefet  regierenbe  £au3  fanb?  (Sine  folche  £)arfMung  ijt 
bei  vorherrfdjenber  bpnajlifcfjer  S?ü(ffidt>t  unb  ber  gorm  von 
ÄonigSlijlen  fogar  bte  natürliche.  SBei  einer  folgen 
thobe  nun  ijf  e§  gar  ntdbt  unmöglich,  bafi  man  auch  von 
Anfang  an  in  ben  £if!en  beS  alten  Meiches  bie  9Regieruna> 
iat)len  eines  £aufee  jufammenge^dhlt,  als  ^Probe  für  bie  eins 
feinen  Sahre.  ^ahrfcheinlicher  jeooeb  ift  e§,  bag  biefe  3u; 
fammen^df)lung  erfl  im  neuen  deiche  für  bie  beiben  alteren 
deiche  gefchah:  ber  ©chlüffel  für  bie  roürfliche  3eitbauer  war 
vielleicht  im  Anfange  noch  ^tichtn  erhalten  in  chronologifch- 
gefchichtlichen  SBerfen,  bie  in  ben  fpdteren  Seiten  be3  neuen 
9?eiche3  verloren  gingen  ober  vergeben  würben.  <&o  viel  t)t 
aber  ftdjer ,  baß  auch  in  SÄanetho'S  ßtfiten  ftd)  mrgenbS  £te 
gierungen  neben  einanber  aufgeführt  ftnben.  Unb  boch 
geigen  bie  £)enfmdler  bergleichen  im  alten  ^Reiche  (in  ber 
zwölften  £tmafite). 

Sm  neuen  deiche  allerbingS  rodre  ein  folcr)eS  SSerjetch^ 
nen  ber  (Summen  aller  SKegierungSjahre  cineS  £aufe3  bei 
9ttanetho  auffatfenb.  £)a  e$  ju  Anfange  bcffelbcn  ^onige^ 
liften  vom  alten  unb  mittleren  deiche  gab,  fo  fann  e£  unmog; 
lieh  an  gefchichtlichen  ^Bezeichnungen  über  ba§  neue  gefehlt 
haben.  £)te  S3ilbung  unb  ba§  ©chriftthum  2Tegvptens>  rour^ 
ben  von  ba  bis  jum  Untergange  ber  romifchen  v£)errfcbaft 
nicht  roieber  unterbrochen:  unb  9ttanetf)o  lebte  in  ber  23lütf)e 
ber  ptolemdifchen  $errfcf)aft.  3lber  roer  fagt  unS,  baß  bie 
Hillen  bes>  neuen  9?eicheS  in  ihrer  Jeggen  gorm  unb  mit  ih= 
ren  gegenwärtigen  ©ummen  bas>  SBerE  Sttanetho'ö  fmb?  Mn; 
nen  fte  nicht  auS  2(u^ügen  be6  ©efchicht3roerfe3  entjknben, 
ober,  ba  bie  gorm  von  Sijlen  offenbar  altdgtwtifch  ifc  burch 
©nfchaltung  von  ÄontgSnamen  (WU  ober  ©egenfonigen) 


c.  Vi.  £ie  Bettt»auer  t>on  SDieneS  bi$  SIlcranDer,  121 

au3  bemfelben  erwettert,  unb  alfo  chronologifd)  oerborben 
fein?  lieber  tiefen  $unft  wirb  erfl  bie  ©efchichte  ber  mane* 
thonifchen  Ueberliefetung  unter  ben  $dnben  ber  d^rtflltd^cn 
gorfcher  etwas  ndfjercS  lebten  fonnen,  bie  Ärittf  ber 
mdler  aber  allein  zur  Güntfcheibung  führen, 

2öa6  aber  bie  golge  ber  Stynaflieen  im  neuen  deiche 
betrifft,  fo  fann  e£  hier  bereits  als  nachgewiefen  angenom; 
men  werben,  bag  feine  berfelben,  oon  ber  18ten  bi$  jur 
30(!en,  gleichzeitig  mit  einer  anbern  war.  £>iefe  2Baf)rhett 
tfr  oon  allen  2legr;ptologen  anerfannt :  wa$  ihrer  SBahrheitS* 
liebe  um  fo  größere  (5hre  macht,  aU  il)nen  bie  barauS  l)ers 
»orgehenbe  £)auer  beS  neuen  SteicheS  hoebft  unbzqucm  war. 
SBir  wollen  l)ier  nur  beiläufig  bemerken,  baß  biefe  £auer 
fajl  genau  eine  breizehnhunbertjdbrige  war. 

Söenn  nun  auS  jener  Zfyatfafyt  bie  2Cegt)ptologen  oon 
ßhampollionS  ©d)ule  mit  ihrem  9)?et(!er  ben  (Schluß  ge^o^ 
gen,  eS  feien  überhaupt  bei  5D?anetl)o  feine  ©leichzeitigfetten 
anzunehmen,  unb  e§  müßten  alfo  bie  £)r;naffieen  be3  mttfc 
leren  unb  alten  Meiches  ebenfalls  als  auf  etnanber  folgenb 
gelten,  fo  war  ba£  minbeftenS  fehr  ooreilig.  Offenbar  ijl 
bie  ©cf)lußfolge  oon  bem  neuen  deiche  auf  zwei  ganz  baoon 
oerfchiebene  Sutfdnbe  ttor  bemfelben  eine  eben  fo  unberech* 
tigte,  al3  wenn,  nach  tent  Untergange  unferer  ©efd)icf)te,  ein 
fünftiger  ©ermanolog  auS  ben  £iflen  oon  ^»pnajlieen  beut; 
fchcr  v£>errfd)er  beS  19ten  3af)rf)unbert3  in  £>ej!erretch,  $reu; 
gen,  SSapern,  ©achfen  unb  SBürtemberg  ben  Schluß  ziehen 
wollte,  bie  „angeblichen"  früheren  £>pnaftieen  ber  fchwdbU 
fchen,  frdnftfchen  unb  fdchftfchen  lonige  „auS  ber  mpthifchen 
Seit"  fyabtn  entweber  gar  nicht  befknben  ober  feien  non> 
wenbig  gleichzeitige  gewefen.  £)azu  fam,  baß  feiner  oon 
jenen,  fo  wenig  als  bie  englifchen  ©elehrten,  auch  nur  Oer; 


122  erjieö  *8uef>.  @rfter  2lbfd>nitt* 

fud)t  hat,  bte  3eitrecf)nung  vor  bem  neuen  9?etdj  nad)  5Q?a= 
netho  zu  orbnen,  2(ber  fragen  wir  bod)  lieber  Sttanetho  felbft« 
£>er  ©pncelluS  hat  unS  befien  eigene  Angabe  aufbewahrt 
über  bte  £)auer  beS  9?etcf)6,  welches  er  in  breigig  £)pnaftieen 
befd)rieben.  £)tefe,  feltfamer  Sßetfe  bisher  ganz  überfeine, 
f)öd)fr  merfwürbtge  ©teile  laukt  folgenbermaßen76): 

t  e  3  e  1 1  b  e  r  von  9ftanetf)o,  inbenbreiSBdns 
..ben,  in  breißig  £)t)nafHeen  verzeichneten  (5in= 
„hunbert  ,br  eizehn  © e f df) lecb tSfo lg e n  (©eneratto; 
.;nen  77))  ergiebt  ihm  ^ufammen  breitaufenb 
..fünfhunbert  fünf  unb  fünfzig  Sahre" 

£>teß  fann  nur  au3  9ftanetho  felbft  entnommen  fein, 
benn  eS  paßt  Durchaus  nicht  in  bes  (S^ncelluS  $anon  unb 
^Berechnungen.  @S  fann  auch  feine  S3erfd)reibung  babet  (!att 
ftnben,  benn  er  berechnet  bte  3555  Sahre  von  „etwa  bem 
fünfzehnten"  (follte  fein:  9ten)  Sahre  vor  2lleranber,  in  mU 
ehern  ber  von  ihm  felbft,  in  biefer  ©teile  als  leerer  Äonig 
ber  manethonifchen  Verzeichnung  genannte  jüngere  D^eftane^ 
buS,  ber  legte  Pharao  dgvptifchen  ©tammeS,  umfam  (beim 
©tyncelluS  im  Satyr  ber  SBelt  5147),  bis  aufwarte  zum  Sahre 
ber  2Belt  1586  (fällte  fein:  1593),  unb  grünbet  hierauf  fe*s 
ner  eine  Rechnung,  auf  bie  wir  bei  ©chtlberung  ber  chrijtlU 
chen  Chronographen  ^urücffommen  werben,  dämlich  ba  ihm 
ba£  fech§zehnte  Sahrhunbert  ber  SGBelt  vor  bie  ©ünbfluth 
fallt,  fo  berechnet  er  ganz  unbefangen,  wie  viele  jener  3555 
Sahre  man  „für  bie  Seit,  bie  nicht  gewefen  fei",  abrechnen 
müffe,  um  nach  ber  (Sprachverwirrung  trocfrien  gußeS  bie 
dgt)ptifche  Chronologie  mit  bem  Strahn  anzuheben,  welchen 
bie  2legppter  fonberbarerwetfe  SRenes  genannt.    £)iefe  ein^ 

76)  Syncellus  Chronogr.  p.  52.  D.    ©.  Urf  unbenbltdj  A.  I. 

77)  ysvecci. 


c.  vi.  £)ie  3ettbauer  t>on  9}?eneö  biö  Slteranber*  123 

faltige  SBerecfmung  tft  un3  an  ftd)  l)6d)jt  gleichgültig:  aber 
fte  wirb  baburd)  üon  ber  grögten  SBtd&tigf eit,  bag  fte  erjl^ 
ltd)  jene  3aty  ber  3eitbauer  oerbürgt:  ftc  fann  fein  <5d)reib; 
fehler  fein.  3weiten5  aber  beweift  fte,  bag  ber  ©pncelluS  ftc 
nid)t  erfunben,  ober  irgenb  ein  2(nberer  fte  ftd),  einem  ©99 
ftem  ©efallen,  burd)  SBerftümmelung  manetfyonifcfyer 
gaben  jured)t  gemalt  fyabe:  benn  fte  pagt  in  feinet  d)rifc 
liefen  ^trd)ent?aterä  unb  Chronologen  ©pjlcm.  2Btr  Dürfen 
fagen,  bag  un3  be$  9ttanetl)o  3<*l)len  eben  fo  ftcfyer  übers 
liefert  ftnb,  wie  bie  beS  ptolemdifcfjen  jtanonS. 

£iernad)  fefcen  wir  alfo  feft,  baß  9ttanetf)0  bem  dgt)pi 
ttfeften  9feid)e  oon  9tteneS  an  bis  beS  jüngeren  SMtanes 
bu3  £obe  eine  £)auer  oon 

„breitaufenb  fünffjunbert  fünf  unb  fünfzig 
Sauren" 

äugefcfyrieben  t>abe.  £>er  ©pncelluS  fonnte  bieg  in  einem  2tt>* 
fd&ntttc  bes  africanifcf)en  2üt5£uge3  ftnben,  ben  er  fonji  ntcfyt 
au3fd)rieb:  benn  wir  fennen  2£fricanu3  nur  burd)  tyn»  SSiel* 
leid)t  fanb  er  bie  Angabe  nur  in  einer  ber  Zugaben  ober  7lb* 
fcfyriften  ber  manetfyonifcfyen  ßtflen,  bie  er  als  oon  tf)m  oergli* 
dfyen  erwähnt  Sa  er  mochte  aud)  baS  manetf)onifd)e  ©efd&td&tS* 
wer!  ganj  ober  jum  £f)eil  oor  2ütgen  gehabt  fjaben,  eben  fo 
gut,  wie  er  <5ratojtt)eneS  jtonigSlifk  fannte,  welche  feine  S3or; 
ganger  oernacfyldfftgt  fyattm. 

2Bir  fjaben  alfo,  nad)  bemfelben  ©ewdf)r3mann,  in  ber 
©umme  aller  £pnajfteen  9ttanetf)o'$  anbertfyalb  bis  jwei; 
taufenb  3af)re  mel)r,  als  9ttanetl)o  felbft  für  bie  £)auer  ber 
dgppttfdjen  ©cfd&td&te  innerhalb  ber  30  Spnatfieen  angege; 
ben  fyatte.  £)te  3ufamm enjdljlung  ber  ^pnaftteen 
tjt  alfo  nicf)t  9ttanetf)o'S  SBerf. 

©0  wie  biefer  #auptyunft  fcjljle^t,  brdngt  ftd&  bic 


124  £r(tc$  q5uc*K  Srffer  Sfbfchmtt. 


grage  auf:  welche  ©pnajHeen  btlbeten  bte  ge^ 
fd)idf)tlid)e  e tf> e  für  bte  3eitrechnung?  welche 
waren  gtetd^^etttge?  9ttanetf)0  mug  bieg  in  feinem 
©efchichtSwerfe  angegeben  haben:  wir  fahen  oben,  bag  in 
bem  $api;rue  ftcf)  vielleicht  ein  fold^er  ©chlüffel  befanb. 

9ftan  fonnte  fagen:  bie  £)auer  bes>  alten  unb  mittleren 
Meiches  fei  nach  9ftanetf)o  3555  Safyre,  weniger  bie  1300 
Sahre,  bie  er  ungefähr  ber  Stit  bc$  neuen  Meiches  (£)i;n. 
XVUI  —  XXX.)  gegeben:  alfo  in  runben  3a^en  etroa 
3250  Sahre.  Mein  wie  biefe  3ahl  mit  benen  ber  einzelnen 
£mtajfieen  vereinigen?  Unb  wiffen  wir  benn,  ob  SOtonefl&o'S 
Annahme  für  biefe  £)auer  be3  3?etrf)S,  von  SltteneS  bt'3  jur 
Vertreibung  ber  (Bchdferfonige  au3  SttempfyiS,  eine  hinldng- 
lief)  begrünbete  war?  £)ie  £>enfrndler  Tonnen  un$  wohl  au= 
genfcheinlid)  machen,  bag  bie  früheren  ^pnaffieen  gefchichk 
liehe  Könige  enthielten :  unb  von  ber  vierten  £)pna|fie  ift  bieg 
äitgejrdnblid)  bewtefen:  allein  eine  Chronologie  fönnen  auch  bie 
£>en£mdler  nicht  geben,  noch  fte  erfe^en,  wenn  fte  Oerloren  t|r. 

(Sollten  wir  biefen  d)ronologifd)en  <Sd)lüffel  vielleicht  in 
ben  ftorfchungen  ber  aleranbrinifchen  ©elehrten  be6  9)?ufeum3 
ftnben?  ©ie  waren  ja  bie  Vater  ber  alten  Chronologie:  bie 
Meiernder  waren  ihre  S3cfd)ü^er :  bie  dgvpttfchen  Archive 
(tanben  ihnen  offen.  Sn  jeber  SBe^iehung  Ijatkn  fte  alfo 
groge  Vorteile  vor  Wlamtljo:  ihre  geifrige  Umftcht  unb  Ue* 
berlegenhett,  ihre  ^Befanntfchaft  mit  ben  3cttforfchungen  öIier 
SSolfer  ber  alten  Söelt  unb  ihre  allgemeine  ©elehrfamfett 
mugte,  mit  Vorarbeiten  wie  bie  von  9ftanetho,  bie  gänzliche 
ober  verhdltntgmdgige  Unhmbe  ber  alten  Sprache  unb  beö 
alten  ©chriftthumS  2(egvptcn3  mehr  al6  erfe^en :  2tteranbrien 
felbjr  mugte  voll  dgvptifcher  ^unbtt^  ober  Jpierogrammaten 
fein,  unb  £)icdard)uS ,  GhratojiheneS  unb  2Cpollobor  waren 


c.  VII.  gflanet&o'S  9ifld)folgm  125 


feine  SBilforbe:  ja  ftc  waren  t>erf)dltnifjwdgta,  felbjt  ml  ge* 
lehrtet,  al§  bie,  übrigens  l)od)ad)tbaren,  9)rdftbenten  ber  orten* 
taltfcf)en  ©efeIXfd>aft,  SBtföam  SoneS  unb  GolebrooFe. 

Unmöglich  Fonnten  gried)ifd)e  Äopfc,  jum  £I)eil  auS 
2(rtjrotele$  <Sd)ule,  Sxitihx  unb  Sorfcfyer,  beren  ©cfyarffum 
nie  ubertroffen  worben,  burd)  jene  dgtwtifd)e  9ttetf)obe  ge* 
tdufcfyt  ober  befriebigt  werben» 

ttfber  matten  ftc  würFlid)  bte  alte  dgt)ptifcr)e  Stitufy 
mtng  utm  ©egenffanbe  ifyrer  gorf dringen,  unb  ftnb  tyre  2Cr« 
betten  unS  erhalten?  £)aS  Seilte  wenigstens  fodte  man  ütcl- 
leid)t  bezweifeln:  benn  ntct>t  allein  r)at  £iobor  wenig  ober 
nid)t3  t>on  tr)nen  gelernt,  unb  neuere  gorfcfyer,  bie  weit  über 
bem  un!ritifd)en  ©t^ttter  jrefyen,  fd)einen  fo  ftd&er  gewefen 
ju  fein,  bort  9fcid)tS  p  ftnben,  bag  fte  md)t  einmal  banadj 
gefud)t  fyaben,  #ber  e3  mochte  ftd)  melleid&t  bod)  ganj  an* 
berS  üerfyalten, 

(£f)e  wir  unS  ju  ben  ©rieben  wenben,  muffen  wir  noer) 
einige  Söorte  über  anbere  dgt)ptifd)e  ßf)ronograpf)en  unb  ©e* 
fcfytd)tfd)reiber  fagen,  bte  *>on  ben  2Hten  erwähnt  werben, 

VII.    9flanetf)o'$  9£acf)folger:  sptolemduS,  2fyton, 
(Stydremon,  t£)cratSfu$* 

^ttanetfjo'S  ©röfie  jetat  ftdt>  am  allerflarften  burd)  bie 
£)enFmdler,  weld)e  unS  nun  erfct)loffen  ftnb.  (Sie  ifr  aber 
aud)  fd)on  erkennbar  burd)  bie  üon  tf)m  bewürfte  gorbe* 
rung  ber  dgt)pttfd)en  2tttertf)umSfunbe  unter  ben  2tferanbrt* 
nern,  unb  wirb  enbltdj  nod)  anfd)aulid)er  burd)  bte  VLnfobtu* 
tenbl)eit  ber  dgt)pttfd)en  gorfd)er  felbft,  weld)e,  feinem  S5eu 
fptele  folgenb,  in  gried)ifd)er  (Sprache,  über  3eitrec^nung  unb 
©efd&tc&tc  if)re$  SBolfeS  fdjriebem 


126  fcrfte*  q5ud),  €rfler  Srbfc&nttt» 

£)er  dttefte  berfelben,  oon  welchem  wir  £unbe  haben, 
tft  ein  menbeftfd)er  ?)riefrer,  $ tolemduS,  wahrfcheinlid) 
noch  au6  ber^Sett  ber  ^tolemder,  ba  ihn  fcfyon  2fyion,  bcr 
Seitgenoffe  beS  SofepftuS,  anführt  (5r  fd>rteb  nad)  Sattan 
unb  Gemens78)  brei  33üd)er  über  bie  3eitred)nunq ,  worin 
er  bie  ©efd)icf)te  ber  dgwrtfchen  Könige  mit  ben  griechtfchen 
Anfangen,  ja,  wie  eS  fcf>etnt ,  auch  mit  bem  2lnfangSpunfte 
ber  jübifchen  in  (5inflang  ju  bringen  fud&te.  (£r  berichtete, 
bag  2lmoftS  gleichzeitig  mit  3nad)uS  regierte,  baß  er  2loariS 
5er(tcrte,  unb  baf?  9ftofeS  unter  ihm  baS  23ol£  ber  Suben 
auS  2Cegt)pten  führte.  £>teß  ijt  2ttleS,  waS  wir  \>on  ihm 
wijfem 

9flef)r  erfahren  wir  über  Up  Ion  felbjf,  ber  ftd)  auf  irm 
beruft  (5r  lebte  im  er|fen  Sahrhunberte,  unb  machte  ©ries 
er)en  unb  Horner  t>on  ftd)  reben,  2£u6  ber  deinen  £)afe  ge= 
bürtig,  alfo  ein  £ibper,  beS  spoftbomuS  (Sohn,  lieg  er  ftd)  ^um 
2tterant>riner  machen,  unb  nannte  ftd)  ^Pleijtonif eS ,  ober  ber 
$Biel  =  (Sieghafte.  (Seine  33elefenf)ett  in  2flterrhum§frdmereien 
war  fprüd)wortlid),  eben  wie  feine  (5itelfeit.  ©eine  t>ter  ober 
mehr  S3üd)er  über  dgt)ptifd)e  ©efd)tchten  enthielten,  oor^ugS; 
weife  ober  auSfchlieglid),  alle  fehenSwerthen  ^erfwürbigfeiten 
2legr>ptenS.  berfelben  2lrt  war  auch  fe*ne  hellenifcbe  ©elehrs 
famfeit  S5effer  als  alles  2lnbere  bezeichnet  ben  Sittann,  ber 
ftd),  feiner  £unbe  ber  h^enifchen  Sßiffenfchaft  wegen,  oon 
ttielen  griecbifchen  (Stdbten  Bürgerbriefe  erbettelte,  bie  grofe 
(5ntbedung,  bie  er  über  ^omer  gemacht,  unb  auf  bie  er  ftd) 
tuel  ju  ©ut  tfjat.  $omer  hat  24  ©efdnge  ber  SliaS  ge; 
fdjrieben,  unb  eben  fo  tnele  ber  Dbpfjee:  nichts  2lnbereS,  we= 
nigffenS  nicht,  als  er  bie  SliaS  herausgab:  benn  bie  bnbm 

78)  @.  Urfunbenbud)  A.  VI.    £>ie  einzelnen  ©teilen  in  Fabric. 
Bibl.  Gr.  « 


c.  VII.  <ptolemäu$,  2fptom 


127 


erjren  85ucf)  |f  aben  tiefet  ©et>td^te6  bebeufen  48,  womit  bet 
große  Mann  eben  anbellten  wollte,  wag  unb  wie  tnel  er 
würflich  getrieben.  2lu3  £aß  gegen  bie  Suben,  unb  mU 
leidet  au3  perfonltd)em  Stoib  gegen  SofephuS,  fd)rieb  er  ein 
giftiges  S3urf)  gegen  beibe,  mit  befonberer  Ziehung  auch, 
wie  e£  fcheint,  auf  bie  ©ef  deichte  be3  jübtfd^en  Krieges* 
2Wetn  f>tcr  traf  er  e$  unrecht  Sofep&uS  ©egenfchrift  i(t 
nicht  allein  eine  fd)lagenbe  SBiberlegung ,  fonbern  überhaupt 
eine  ber  geifheicfyften  unb  gelehrteren  ©trettfcbriften  aller 
3eitem  2Bie  unwiffenb  %p'wn  in  ber  jübifcfyen  ©efcf)id)te  unb 
wie  unoerfc&dmt  in  feinen  offenbaren  £ügen  er  war,  überjreigt 
allen  ©laubem  £)er  2Cu6^ug  fanb  nach  biefem  ©plbenftedjer 
im  ertfen  Sahre  ber  fiebenten  Dlpmptabe  ftatt:  gleichzeitig 
alfo  mit  ber  ©rünbung  Äarthago'3,  3Mefe  ©letch$eitigfeit 
führte  er  felbft  an,  unb  ihr  JU  ©efallen,  unb  gur  SSerfpot* 
tung  ber  Suben,  war  ba£  gdbelchen  erfonnen.  SSon  9ttofe3 
wußte  ber  Mann,  baß  er  auS  v£)eliopoli$>  gebürtig  war:  benn 
fo  fyattt  2Cpion  felbji  „t>on  ben  alteren  beuten  be§  DrteS" 
tternommem  50?ofe5  war  ein  Saufenbfünjrler:  oor  ben  oben 
offenen  S5ethdufern,  bie  er  bort  anlegte,  richtete  er  ©dulen 
auf,  bie  auf  einem  aufgehauenen  itahne  jfanben:  auf  biefen 
fielen  bie  ©onnenftrahlen  t>on  oben  fo  herab,  baß  ber  <&<haU 
ten  immer  mit  ber  (Sonne  herumging,  ©o  t»iel  oon  5DZofeS 
?)erfom  SSom  2£u^uge  erzählte  er,  baß  50^ofeö  fich  fcor  ber 
©efe^gebung  40  Sage  am  <5inat  tterjrecft,  unb  baß  bie  3§s 
raeliten,  110,000  Wlann  jtarf,  in  fechS  Sagen  nach  Subda 
gelaufen,  unb  ba  fte  ftd)  mit  biefem  Saufen  ^Beulen  geholt 
(dgppttfch  Sabbo),  fo  nannten  fte  ben  fiebenten  Sag  ben 
(&abbat\):  benn  ihre  Sprache  war  dgpptifch*  Offenbar  glaubte 
ber  (Schal!  wenig  ober  nichts  t>on  folgen  Ungereimtheiten, 
aber  er  wußte,  begleichen  ergofctebie  2£leranbrmer,  feine  ©6n^ 


128 


Srfkd  Q3ud).  @rtfer  2fbfd)tntt. 


ner,  voelc&e  uon  9?ctb  unb  $af?  gegen  bie  retten  unb  mdd); 
ttgen  Suben  erfüllt  waren79).  (56  bleibt  alfo  t?on  tym 
mdjtS  anbereS  $u  fagen  übrig,  als  bag  er  ein  in  ßleinigfeiten 
ber  2ntertf)um6frdmerei  gelehrter  statin  war,  ber  ben  dgpps 
ttfdjcn  ßiceronen  ber  Seit  bei  angefefyenen  Sfaifenben  ba§ 
£anbroer£  üerberben  fudjte:  ein  eitler  SBüdjerrourm,  oljnc 
Urteil,  Sbeen  unb  Qbaxatkx.  gür  bergleid)en  2fltertf)um$s 
!ram  füf>rt  if)n  aud)  ^liniuS  an,  roo  er  Don  einem  foloffa* 
len  (SarapiSbtlb  im  ßabprmfye  [priest;  für  bergleidjen  aud) 
errodfmt  tl>n  2£ulu3  <55eIXtuS ,  ntd&t  ofjne  Siüge  feiner  unfein 
liefen  $raf)lerei.  £)aß  einige  ber  alteren  £ir$ent>dter,  Sus 
jitn  unb  SuliuS  2Cfrtcanu§,  mit  grogcr  2ld)tung  oon  tfjm  re* 
ben,  matyt  tyrer  cf>rtftttd>cn  £iebe  mel)r  Crfyre  a(3  tyrem  Ur* 
tfyeil.  £)a§  einige  Vernünftige,  was  (Siemens  t>on  tfym  anführt, 
bafü  bie  $t)ffoS  unter  2Cmoft3  2ft>art3  verloren,  ftatte  er  au$ 
$)tolemdu3  bem  Sttenbefter  entlehnt  80).  £en  S5einamen 
Tlo6)Ü)o$  ($Züf)feligfeit,  $lage)  mögen  il)m  bie  ©rieben 
roofyl  nid)t  ofyne  £oppelftnn  gegeben  fyaben.  (£3  iff  burcr> 
au$  notfyroenbig,  tiefen  (5r>arafter  be3  Cannes  fefeuf) alten, 
um  ftd)  ntd&t  abfcfyrecfen  unb  irre  machen  ju  laffen  bur^ 
9>ltmu§  33el)auptung,  2£pton  unb  feines  ©leiten  Ratten  über 
bie  ^pramiben  nichts  (Sicheres  fyerauSftnben  fonnen.  9ftdns 
ner  rote  2lpion  fonnen  nur  verwirren» 

(5troa3  alter  war  ßfydremon,  auS  beffen  dgr;ptifcr)er 
©efd&td&re  SofepfmS  in  feiner  <5d)rtft  gegen  ben  2fyion  bie 
£)arjretlung  be3  ^uSjugeS  mitteilt81).  &  t|r  offenbar  ber* 
felbe,  welchen  sporpfjprtuS  jroeimal  als  einen  angefefyenen 

79)  los.  contra  Apion.  II,  2.  3. 

80)  Plin.  H.  N.  XXXVII,  5.  A.  Gellius  N.  A.  V,  14.  Iustin.  ad 
Gentes.  Tatianus  c.  59.  (Sßgl.  Tertullian.  Apolog.  c.  19.) 
Clem.  Alex.  Strom.  I,  21. 

81)  Joseph,  c.  Apion.  I,  32. 


C.  vn.  @f)5remon* 


129 


©chriftfreller  über  bie  dgvprifche  ZtyoloQk  anführt  3n  bem 
verlorenen  (genbfchreiben  an  2(nebo,  au3  welchem  ©ufebtu^ 
fchd^bare  S3rud)ftücfe  aufbewahrt  &atf  berief  jener  J>etbnt= 
fcr)e  ^Phifofoph  ftcf)  auf  „@hdremon  ben  £ierogrammaten", 
um  ju  betreffen,  tag  bie,  ihm  bamalS  fefyr  anftogige,  £er)re 
von  ber  Tlatfyt  ber  3<*uberer,  beren  SSenvünfchungen  felbjl 
bie  ©otter  fürchteten,  unb  bie  £immel  unb  ©ejlirne  be* 
wegen  fonnten,  tvürflid)  dgpptifche  £ef)re  fei82)  Er  gab 
auc^  in  berufenen  Sßerfe  eine  £)arftellung  au$  ßf)dremon 
über  ba£  gefammte  dgpptifche  ©otterfpftem  83).  9?atf)  bem 
2Tu^uge  bei  Eufebius  foll  ßhdremon  behauptet  haben,  bie 
dlteflen  dgvptifchen  ©Ortzeiten  feien  bie  planeren,  bie  ©es 
fltrne  beS  3!t)terFretfeö  unb  anbere,  mit  ben  £>efanen  unb 
£oroffopen.  SBir  haben  hier  ba$  dgvpttfche  aftronomifd); 
ajtrologifche  (Clement,  vielleicht  fchon  gefärbt  mit  bem  von 
ben  ©riechen  entlehnten  ^rootf^dhligen  Shierfreife,  unb  mit 
jtoifcber  2fuffaffung.  £>enn  bie  ©toüer  verbarben  bie  alte 
SÖtythologie ,  wenngleich  nicht  fo  grünbltch  roie  bie  ^eupla^ 
tonifer,  boch  mit  gänzlichem  Langel  an  $)oefte  unb  geflieht; 
liebem  <Sinne.  Dag  dhdremon  aber  fein  geiftigeS  ^Princip  in 
ber  dltejten  Sh^logie  angenommen,  braucht  man  begh^b 
bem  33ifd)of  von  Edfarea  nicht  aufS  SBort  §u  glauben.  Su 
bem  Sßerfe  über  Enthaltung  von  gleifchfpeifen 84)  führt 
?)orphvriuS  au£  „Ghdremon  bem  (Stoiber"  eine  £>arffeüung 
be$  prieflerlichen  £eben3  an,  welche  alle  ©puren  ber  Rechts 
heit  an  ftd)  tragt,  nämlich  aB  £ef)re  ber  dgpptifchen  S3ücf)er. 
Ee  fam  ihm  hierbei  barauf  an,  ben  Eharemon  in  feiner  Eigen; 

82)  Porphyr,  ep.  ad  Anebo,  ap.  Euseb.  Praepar.  Evangel.  V,  10. 

83)  Porphyr,  ebbf»  III,  4. 

84)  Porphyr,  de  abstin.  II,  6— -8.  ©ief)e  oben  bei  ben  ^eiligen 
SBüdjem:  SSücfyer  ber  sprcpijeten. 

I.  9 


130 


<Jr|tc«  q5ud).  (£rtfer  2fbfd)nitt. 


fdjaft  als  grtechifd)  gefeilteren  ^>{?ttofopf>en  geltenb  $u  machen, 
wie  im  (5enbfcr)reiben  an  2lnebo  a(3  v£)ierogrammaten,  (£r 
fagt  t>on  ihm,  bag  er  ein  roahrheitSliebenber,  genauer  unb 
unter  ben  jfoifchen  ?)()i(ofopt)en  fet>r  beari)ten3roertf)er  Wlann 
geroefen:  er  Ijabt  auch  bemerkt,  bag  bie  ägt)pttfd)en  9)riejier 
bei  ihrem  SSolfe  als  $f)tlofopl)en  gegolten  Ratten,  b.  h«  bte; 
felbe  ©teile  eingenommen,  roelcr)e  bei  ben  ©rieben  bie  $Ph^ 
lofopfyen  hatten.  2ßir  haben  alfo  einen  aleranbrinifch  gebik 
beten  2Cegi)pter,  ober  einen  in  bie  aqppttfdje  ?>riejrerfchaft 
aufgenommenen  2tteranbriner,  grted)tfcher  £erftmft,  t>or  un3. 
^6gltcf)em>eife  ijr  ee>  berfelbe,  welcher  üon  2tteranbrien  au£ 
bem  (Statthalter  #eliu3  ©allu6  folgte,  aU  tiefer,  unter  £i* 
beriu6,  ftch  nach  £eliopolis>  begab,  um  bort  bie  2ntertf)ü; 
mer  ber  ©tabt  gu  beftd)tigem  ©trabo,  ber  ftd)  im  ©efolge 
be£  (Statthalters  befanb,  fagt,  @hdremon  habe  ftd)  angemaßt, 
bie  pf)ilofopf)ifcfye  unb  ajtronomifche  ©e^etmwiffenfd&aft  ju 
tterfrehen,  für  welche  bie  alte  *Priefrerfd)itle  von  £eliopoli3 
angeblich  nod)  $u  9>lato'S  unb  @uboru6  3^tt  berühmt  war: 
er  h^be  ftd)  aber  lächerlich  gemacht,  als  ein  prahlerifcher  unb 
unroifTenber  SO?enfd>.  £)ie  ©tnerleiheit  btefeS  unb  jenes  (5hd; 
remon  lagt  ftd)  nicht  beroeifen.  ©uibaS  führt  @hdremon 
ohne  weitere  ^Bezeichnung  als  SBerfaffer  einer  <5d)rift  über 
bie  vg)ieroglpph^  an85),  unb  ba$  i(r  roohl  wahrfcheinlicher 
ber  £ierogrammat 

2Bie  e£  nun  auch  mit  btS  $ierogrammaten  theologifd); 
altertümlicher  ©elehrfamfeit  gejtanben  haben  mag,  bie  tton 
SofephuS  gegebene  $robe86)  feiner  gefchichtlichen  gorfd)ung 
85)  Suid.  'IsqoyXvcpi-Ku.     2£u|jerbem  nennt  er  einen  XaiQijficov 

'AXs&vÖQhv?,  als  9)t)ilofopf)en  in  2£lepanbnen,  2ef)rer  unb  23or= 

ganger  beö  ©ionvjfioß:  biefec  S>tonv)ftoS  lebte  bis  p  SrajanS 

3ett. 

")  S.  Urfunbenbud)  B.  III. 


C.  VII.  dfjäremon,  £erat$fu$,  131 

berechtigt  nid)t  &u  gldn^enben  Erwartungen  auf  tiefem  ©ebiete. 
©te  ift  fern*  cr>araf tertfrtfd) ,  weil  fte  eine  dgvptifche  Ueberlte- 
ferung  betrifft,  bie  wir  auch  auS  9ftanetf)o  fennen.  @f)dres 
mon  gab  in  feiner  dgppttfchen  ©efchichte  bie  Erzählung,  wie 
unter  2(menop()iS  2(u3fdfctge  unb  Krüppel  au£  2Iegt)pten  au^ 
gebogen  feien,  unter  Anführung  eineS  £ifttf)en:  jeneS  feien 
bie  Israeliten  gewefen,  biefer  Sftann  9ftofe3.  £>ie  Ueberüe- 
ferung  bei  9)?anetf)0  unb  ßhdremon  ift  offenbar  biefelbe:  mit 
allen  ben  SSerfc^teben^eiten  unb  S55tberfprücr)en ,  welche  (Sas 
gen  unb  9ttdrchen  eigentümlich  ftnb.  2£bcr  ber  wichtige  Un^ 
terfcfjieb  ijt  biefer.  9ttanetho  erzählte  jene  Ueberlieferung  reb^ 
lirf),  inbem  er  fte  aß  eine  unverbürgte  SBolfSfage  gab:  (Sfyh 
remon  gerabe^u  als  ©efchicrjte.  £)ie  nähere  Prüfung  beiber 
Erklungen  gebort  bem  vierten  S3ud)e  an:  tytx  genügt  e3, 
auf  ben  2(bfranb  $oi}d)m  beiben  (3d)riftfMern  aufmerffam 
ju  machen,  ben  bie  2trt  ber  £)arfMung  verrat!). 

Einer  anbern  Seit  unb  ©cfyule  gehörte  ber  vierte  2fe= 
gppter  an,  von  beffen  chronologif<$;gefchichtlicher  Jorfchung 
nach  SÜcanetho  wir  ^unbe  haben:  ^eraiSfuS,  ein  a3cetifch= 
mvjitfcher  fettiger  $u  2£leranbrten,  wie  e§  fcheint,  auS  ben 
Anfangen  ber  neuplatonifchen  ©chule  im  britten  3af)rhun= 
berte87).  £>te  Sfteuplatonifer  fugten  ihn  offenbar  als  einen 
prophetifchen ,  gottervertrauten  Wlann  bar^ujMen,  unb  fein 
£eben  wunberbar  au^ufchmücfen.  3^act>  ihnen  war  ber  SBum 
bermann  fchon  als  ein  ^weiter  v£>oru3  geboren  —  nämlich  mit 
bem  ginger  in  bem  Sftunbe,  auS  welchem  er  würFlicf)  I>atte 
herau^gefchnitten  werben  muffen.  SBiel  berebter  war  er  ba= 
burch  nicht  geworben,  felbft  nach  bem  ©ejrdnbniffe  feiner 
theofophifchen  £obrebner.  2£uch  baS  bialefttfche  ^)J)itofopf;tren 
war  eigentlich  nicht  feine  (Sache:  aber  er  flügelte  eine  Urgc; 

87)  Suidas  v.  'Hga'iGxog. 

9* 


132 


grflcö  95uaV  (Erfler  2lbfd)mtt* 


frf>tdöte  2Cegt)ptcn§  heraus,  bie,  fagt  <5uiba3,  30,000  3<*hre 
enthielt,  unb  fogar  noch  ein  wenig  mehr:  meu'eicfjt  bie  Äleis 
nigfeit  üon  6525  Saferen,  um  ba3  2öeltjaf)r  üoll  $u  machen, 
©eine  größte  ©tdrfe  befranb  barin,  baß  er  einem  ^feiere  unb 
einem  ©ötterbtlbe  anmerfen  fonnte,  ob  ee>  ein  heiliges  fei» 
Sßar  cd  feinS,  fo  blieb  er  gan^  ruhig  unb  f alt :  war  aber 
ber  ©tier  ober  S3ocf  ein  geheiligter,  unb  ba£  ©tanbbilb  ein 
geweihtes,  fo  rührte  ihn  baS  barm  wohnenbe  ©6ttttct>c  fo  ge^ 
waltig,  baß  er  gu  bringen  begann  unb  in  SSer^ucfung  ge= 
rietf),  item  SBunber,  baß,  als  er  ftarb,  unb  mit  allem  oft* 
rifcl)en  ©ehmuefe  beff  artet  würbe,  bie  ©laubigen  ein  2id)t 
far)en. 

£)aS  ift  2ttIeS,  waS  wir  Don  9ttanetho'S  ägpptifd&en 
Nachfolgern  auf  bem  gefdfyichtlichen  ©ebiete  erfahren» 


(ScfylufL  Sufammenfaffung* 

£>ie  bisherige  ttnterfucfeung  fd&eint  unS  alfo  folgenbe 
theilS  erwiefene  ©dfce,  thetlS  $altpunfte  ber  weiteren  gor^ 
fd)ung  ergeben  &u  haben, 

GfrjHicr),  3)ie  2(egt)pter  befaßen  (Schrift  unb  33üd)er 
fd)on  in  ber  früheren  Seit,  auS  welcher  wir  ^)enfmdler  be^ 
ft^en,  ©riffel  unb  Tintenfaß  erfdfjeinen  bereits  auf  ben  &tnh 
malern  ber  vierten  £)pna(lie,  ben  dltejren  ber  SBelt 

3 weitend  £)aS  dltefte  (Schriftthum  ber  2Cegt)pter  war 
in  ihren  heiligen  ^Büchern  enthalten, 

drittens,  SMefe  heiligen  SBücher  —  beren  eineS  wir 
beftfeen  —  enthielten  gefd)id)tliche  SBejlanbtheile  auS  bem  ah 
ten  deiche. 


Sufammenfaffung. 


133 


SStettenS,  Die  gange  jrreng  gefd)ichtliche  Ueberliefe= 
rung  ber  2(egv>pter  fedngt  an  ^onig&lijren,  georbnet  nach  ben 
Käufern,  roeld^e  in  2Cecjt?pten  gehetrfcht, 

fünfte n§,  daneben  gingen  fyer  ©efdnge  jum  greife 
ber  Könige,  eben  foroohl  auS  ber  rem  gefchichtlichen,  als 
auS  ber  mptfyifdjen        (DjmS  *  unb  ©efojtri3;(35efdnge). 

£)iefe  fünf  (Sdfce  bezeugen  bie  £)enfmdler,  einjrimmig  mit 
ber  gried)ifd)en  Ueberlteferung. 

©echjtenS.  Die  dgppttfche  ©efd>td>te  verfallt  in  brei 
große  Zfytik:  ba3  alte  SReid)  be3  50Zene6  —  bae>  mittlere 
Sfaid),  rodhrenb  beffen  2fegt)pten  ben  in  Memphis  herrfd)en= 
ben  ^)t)ffoö  jinSpflicfytig  roar  —  ba3  nene  $eid),  von  ber 
achtzehnten  Stynafite  an,  welche  bie  $t)Ffos>  vertrieb.  3Mefe 
£)rettheilig!eit  ergiebt  ftd)  auS  ben  ©enfmälern  fd)on  burd) 
bie  achtzehnte  £)t>najtie:  außerbem  aus>  Sftanetho. 

(Siebenten 6.  %u$  ber  erjfen  3?it  btefeS  nenen  Meiches 
—  gleichzeitig  mit  bem  2(u^nge  —  ftnb  un6  über  bie  beiben 
früheren  9teid)e  groei  große  ÄonigSfolgen  auf  DenFmdlem 
unb  eine  gefd)riebene  ,£6nigs>lijte  erhalten:  bie  SuthmoftStafel, 
bie  ^RameffeStafet  unb  ber  jt6nig$>papt)ru3. 

SCtftenS.  Sie  SutymojtStafet  giebt  30  Könige  bcS 
mittleren  OfeicheS  unb  31  beS  alten:  bie  Sftameffe3tafel  bie 
18te  ©jpnajtfe  unb  39  Könige  be3  alkn  SRäfyiö:  ber  ßontg^ 
pap*)ru3  muß  über  250  Könige  aufgeführt  haben:  von  139 
ftnb  bie  ©d)ilber  mehr  ober  weniger  erhalten» 

Neuntens.  Die  ÄämgSfolgen  ftnb  thetlS  reine  %oh 
gen  regierenber  Pharaonen,  theiB  königliche  ©efd)lecht$re; 
gifter,  bie  burch  nicht  regierenbe  unb  al$  folche  bezeichnete 
Äonigöfohne  burchgeführt  werben. 

Sehnten  3,  ©d)on  bie  bisherige  gorfchung  jeigt  llü= 
cfen  unb  ©prünge  in  jener  .ftonigSfolge. 


134 


€rfle$  ?5ud)-  <£rtfer  Mfönitt. 


CnlftenS.  £)er  jWmgSpaptjruS  fchreitet  nach  £r;na; 
frieen  fort,  beginnenb  mit  ben  ©otterbpuafrieen,  zwtfchen  wek 
d)en  unb  SDZene^  eine  unbefrimmbare  2£n^at)(  t>on  mpthtfchen, 
ober  gefd)itf)tltchen,  aber  lanbfchaftlidf)en  Röntgen  liegt» 

SwolftenS.  9ftrgenb3  fommert  im  ?)apt)ruS  £Regtc^ 
rungen  neben  einanber  t>or:  J)at  eS  folcr)e  gegeben  (unb  bieg 
beroeifen  £>enfrndler) ,  fo  roirb  anzunehmen  fein,  baß  bie 
einlernen  Könige  folcher  gemeinfchaftltchen  Regierungen  im 
?)appru§  nach  einanber  aufgeführt  werben. 

dreizehnten 6,  Wlanttyo,  ber  unter  ben  erffen  tyto* 
lemdern  ben  ©riechen  bie  (Schate  be3  religiofen  unb  politts 
fd)en  2üterthumS  eröffnete,  ijt  eine  rein  gefd)icf)t(td)e  sperfon? 
Itc±)f ett,  über  welche  bie  griecf)tfcf)en  unb  latetnifchen  <&d)xifU 
freller  nichts  2Biberjtrettenbe3 ,  n>ot)t  aber  fehr  2(rf)tbare§  be^ 
rieten. 

SSter^ et) nten^.  ©ein  ©efchichtSwerf  umfaßte  r>on 
50Zeneö  bis  Tlleranber  3555  Sahre,  unb  roar  Durchaus  t>on 
unfern  .ftonigSüften  t>erfd)ieben,  obwohl  es  r)6c^pn>at)rfcr)etn^ 
lief),  nach  dgpptifcher  (Sitte,  folche  Giften  t>on  ber  erjlen  bis 
breißigjren  £)tmafric  enthielt 

gunf sehnten^  2(13  Quellen  benufete  er  nicht  nur 
bie  alten  .ftönigSlijrcn  unb  bie  heihgen  33üd)er,  fonbern  er 
muß  auch  cr)ronifenartige  ^Behandlungen  ber  alteren  ©efcf)icf)te 
üorgefunben  haben,  worin  SSolfSfagen  unb  unverbürgte  Nach* 
richten  neben  2lnnalijiifchem  oerzeichnet  waren.  G?r  führte  ber* 
gleichen  Nachrichten  bei  ber  Erwähnung  beS  2(u6zugeS  ber 
Suben  an,  inbem  er  fte  als  fotehe  namhaft  machte  unb  oon 
ftreng  ©efchichtlichem  unterfchieb. 

(Sechzehnten^.  £)ie  (Summen  ber  Regierungen  in 
ben  einzelnen  £)pnajtieen  geben  ungleich  mehr  als  jene  3555 


©d)ltit?.  Sufammenfaffung* 


135 


Sahre:  alfo  folgten  fte  nicht  alle  auf  einanber,  fonbern  tu 
nige  berfelben  muffen  gleichzeitig  gewefen  fein. 

©iebenjehntenS.  2lugerbem  aber  ijr  c§  fel>r  jweu 
felhaft,  ob  bie  (Summe  ber  Regierungen  einer  £tmajtte  bie 
3eitbauer  berfelben  barffrtle,  unb  nicht  oielmefyr  blog  bie 
Summe  aller  in  biefer  Stynafiie  enthaltenen  RegierungSjahre, 
gleichviel  ob  bie  Könige  alle  auf  einanber  folgten,  ober  ob 
Sttitregierungen  fratt  fanben. 

Achtzehnten  §.  SebenfatlS  mug  SCRanetho  alfo  einen 
cbronologifcben  .ftanon  ober  ©chlüfjel  gefunben  unb  gegeben 
haben,  ber  un£  aber  oerloren  gegangen. 

Neunzehnten 6.  deiner  feiner  dgpptif d)en  Nachfolger 
ijf  auch  m*  entfernt  mit  Wlantfyo  zu  oergleichen. 

äroanjigftenS.  (£3  tft  faum  ju  bezweifeln,  bag  bie 
gorfcher  be3  SftufeumS  ben  itanon  gefannt  unb  benutzt  haben. 

£)er  grogte  Shetl  ber  chronologifchen  fünfte  l?at  burch 
bie  bisherige  Unterfud)ung  natürlich  nur  im  Allgemeinen 
roahrfcheinltch  gemacht  unb  oorldufig  bewiefen  werben  fon= 
nen.  £)er  2Öeg  zu  ihrem  oollfrdnbigen  S5emeife  mug  zu^r- 
berjt  in  ber  SSergleichung  ber  dgpptifchen  Ueberlieferung  mit 
ber  griechifchen  gefucbt  werben,  unb  in  ber  ©efchid)te  ber 
dgpptifchen  Berechnung  wdhrenb  ber  chrißlichen  3ctt.  £)ieg 
werben  bie  folgenben  brei  Abfchnttte  oerfuchen.  £>en  eigene 
liehen,  burchgeführten  ^Beweis  fann  nur  bie  oergleidjenbe 
^ritif  aller  Ueberlieferungen  unter  ftcr)  unb  mit  ben  £>enf= 
malern  liefern;  bieg  wirb  für  ba$  alte  Reich  im  ^weiten, 
für  ba3  mittlere  unb  neue  im  bxitttn  Suche  gefchehen. 

Unterbeffen  aber  glauben  wir  auf  bem  bisher  burchwan- 
berten  ©ebiete  fo  oiel  gefunben  zu  haben,  um  zu  ber  S5e^ 
hauptung  berechtigt  zu  fein,  bag  bie  dgpptifche  gorfchung, 
auch  abgefehen  von  ben  un§  \t%t  erhaltenen  gleichzeitigen 


136 


(Srfrea  Q3ud)>  <£rtfer  2l&fd)nitt. 


£)enfmdfern  über  bie  einzelnen  Regierungen,  bi§  in'S  fünfte 
3al)rf)unbert  nad)  9ftene3  hinauf,  auf  einem  t>tct  befieren 
©runbe  jtefye,  als  man  bis  je£t  gewofynlid)  für  oiel  fpdtere 
Seiten  angenommen,  2Bir  beft^en ,  nad)  fo  entfetteter  3er^ 
frörung  buret)  bie  3af)rf)unberte  unb  bie  9ftenfcr)en,  unb  nad) 
faum  planmäßig  begonnener  ©rabung  unb  ^ufammen^dn^ 
genber  wiffenfcfyaftlicfyer  gorfdjung,  fd)on  jefct  d)ronologifd)e 
Urfunben,  oor  aller  3ett  gefdjrieben,  auS  welcher  ^anbfdjrifk 
ltd>eö  erhalten  ift,  ja  in  welcher  neuerbingS  überhaupt  23fe 
cr)erfcr)rift  angenommen  worben.  2Bir  fyaben  ferner  Qletc&^eu 
tige  ^enfmdler  mit  ÄönigSnamen,  beren  2llter  ba3  jener  ge^ 
fcr)rtebenen  Urfunben  ungefähr  um  eben  fo  oiel  über|tetgt, 
aB  biefe  über  ben  2(nfang  unferer  3eittecr)mmg  f)inau6tagen, 
ndmlict)  etwa  anbertfyalbtaufenb  3al)re,  2Bir  r)aben  enb; 
ltd)  allen  ©runb  anzunehmen,  baß  jenen  cf)ronologifcr)en 
©d&riften  eine  dcfyt  gefct)td)tlicr)e  Ueberlieferung  51t  ©tunbe 
lag.  (2cr)on  fet>en  wir  ba3  dfyaoS  beS  dgt)pttfcr)en  2lltertr)um& 
ftcr)  in  brei  groge  Waffen  fcfyciben,  unb  e3  fragt  ftet)  nur, 
ob  e£  une>  gelingen  fann,  ben  @d)lüfjel  &u  einer  weiteren, 
rein  cr)ronologifd)cn  2fbt()cilung  jeber  biefer  Staffen  oermtt= 
teljt  ber  ÄonigSlijlen  unb  £enfmä(er  5U  jtnben,  unb  ben 
9far)mcn  au^ufpannen,  in  welchen  bie  einzelnen  Könige  ber 
dgpptifcfyen  £)enfmdler  unb  bie  v^auptpunfte  ber  dltejfen 
S3olfergefd)id)te  eingezeichnet  werben  fonnen, 


3nmter  2Cbf$nitt 


SDte  gforfd&tma  ber  ©rieben  itber  bie  dg^ttfc^e 
3ettre$nung* 


Einleitung* 

Sie  dltefte  tteberliefenmg*    $omer§  unb  ber  @pd= 
teren  S^on  (Styontö)  unb  Proteus*  Sie  goner 
bei  ben  2Cegpptew*  , 

§8$enn  aucf)  bie  ©agen  t>on  jtefropS,  bem  2legtwter,  unb 
üon  2Cegt?pto6 ,  ©ofyn  be3  S3elo$  (ber  aud)  9ttno3  33ater 
war)  unb  SanaoS  SBruber,  alt  ftnb,  unb  alfo  SBegebenbetten 
anbeuten ,  bie  auf  ba3  £anb  2£egrjpten  jurütffübrbar  ftnb ; 
fo  liegen  biefe  bod)  t>or  aller  3ettred& nung ,  unb  geboren  in 
ba§  ©ebtet  ber  Anfange»  Sag  für  jene  2lnnabme  SSieleS 
fpred)e,  obwofyl  ntd)t3  beffa  weniger  weber  ÄefropS,  ber  3n)ie= 
gemattete,  nod)  2legt)pto§,  beS  S5elo^  ©ofyn,  2legt)pter  gewes 
fen,  werben  wir  im  fünften  33ud)e  wabrfd)etnltd)  ju  macben 
fud)en.  vgner  (teilen  jene  (Sagen  une>  nur  ben  £intergrunb 
bellenifcber  Ueberlieferung  über  2legppten  bar.  Siefer  Ueber; 


138 


€rfieö  q3ud),  Srodter  »bfcfcnitt* 


lieferung  felbft  begegnen  wir  in  benttrfunben  ber  Hellenen 
er)!  bei  Horner.  £)er  (Sdnger  ber  Dbpfjee  lagt  im  vierten  ©e; 
fange  ben  SftenelauS  *>on  feiner  unb  ber  Helena  gaftrt  nad)  2& 
gpptoS,  bem  fytmmelentfyrojTenen  (Strome,  erjagen,  t>on  ber 
SBeiffagung  be£  bortigen  9)?eergotteS  Proteus,  be$  Sßanbek 
baren,  unb  tton  ben  Heilkräutern,  weld)e  $oh)bamna  ber 
^elena  fcfyenfte.  £>iefe  spofybamna  nennt  er  beS  Zfyon  ®e* 
maf)lin.  (Spatere  btlbeten  ftd>  baraug,  ofyne  Sroetfel  tfe 
rem  Vergnügen,  einen  $6nig  £l)oniS,  t>on  welchem  bie 
©efd)id)te  eben  fo  wenig  toetg  ber  göttliche  $omtxoä: 
£Mobor  unb  (Strabo  bezeugen,  ba§  £f)oni3  ber  alte  9?ame 
einer  Hanbeleftabt  kßim  Ausflug  be3  9?ile3  war,  unweit  t>on 
ber  fanopifcr)en  9ttunbung:  tt»ar)rfd)etnltd)  war  fte  ba3  fpd^ 
tere  SptxaUcum,  weld)e6  an  ber  @infal)rt  in  bie  norblid) 
t>on  20eranbrien  liegenbc  33ud)t  ffanb,  beren  Umgebung  in 
gried)ifd)er  3eit  bie  mcnelaittfd)e  £anbfd)aft  l)eigt88). 

£)iefe,  t>ielleid)t  t>on  ben  ßpfltfern  ausgebeutete  (Sage, 
$ufammenf)angenb,  ober  fpdter  t>erfd)  molken,  mit  ber  Sßlytyt 
ber  $tlmaz<&tknt ,  ift  ber  ©runb  jener,  t>on  (Stcftd)oru5 
$uerfi  bargefMten,  oon  (SuripibeS  entwidclten  Jabel,  wie 
Äonig  Proteus  bem  ^ariS  bie  Helena  abgenommen,  unb  xr)m 
baS  (Sdjeinbtlb  berfelben  nad)  £roja  mitgegeben. 

Sn  2tegt)pten  felbj!  fyatte  ftd)  Her°k°^  3^it,  alfo 
etwa  anbertfyalb  3af)rf)unberte  nad)  (Steftd)oru6,  ba3  artige 
9fldrd)en  gebtlbet,  weld&eS  ber  ZIVoaUx  berichtet  (II,  112  ff.). 
£>ie  ^riejler  erjagten  es>  ifmt  ungefähr  fo:  ..(Stürme  trieben 
„ben  Zauber  ber  $ckna  in  bie  fanoptfdje  33ud)t:  feine 
„©flauen  benufcten  bas  9?ed)t  ber  greijldtte  im  H°fe  be$ 
„HerafleStempelö,  erklärten  ftd)  als  be£  ©otteS  (Sflaoen, 
„unb  üerflagten  nun  tf>ren  alten  Herrn  bei  SfyoniS,  jener 

88)  Diodor.  I.  c.  19.  Strabo  XVII.  c.  1. 


Einleitung. 


139 


..Sflünbung  SBdchter.  tiefer  fanbte  fogletrf)  einen  Bericht 
„an  £6nig  Proteus  nach  Memphis,  unb  erbat  fuf)  33efef)le, 
,.ob  ber  auSldnbifche  2Serrdtr)er  feinet  eigenen  ©ajtfreunbeS, 
„ber  bemfelben  fein  SBeib  entführt,  im  2(egpptenlanbe  fotfe 
„fejrgebalten  unb  §ur  ^ec^enfrfjaft  gebogen,  ober  feiner  2Bege 
„entfanbt  werben.  Proteus  Heg  ftd)  bie  ganje  ©efetffchaft 
„nach  Memphis  fenben,  »erhörte  ben  2üeranbro3,  überführte 
„ihn  burd)  bie  2Tu3fage  feiner  ©flauen,  hielt  ihm  bann,  als 
„einem  Verführer  unb  Zauber,  eine  fet)r  ernj!e  ©trafprebigt, 
„unb  t&at  ihm  folgenben  23efchlug  !unb:  Helena  unb  bie 
„<2d)d^e  behalte  ich  in  Verwahrung ,  bis  TltnzlauZ  fommt 
„fte  abzuholen:  bir  felbfr  erlaffe  ich  bie  £obe3f!rafe,  bie  bu 
..üerbtent,  ba  ich  gelobt,  feinem  gremben  bas  £eben  nefc 
„men,  ber  an  biefe  Äüfren  geworfen  wirb:  bieg  jebod)  nur 
..unter  ber  SBebingung,  bag  bu  binnen  breier  Sage  ba$  £anb 
„üerldffeft,  fonjt  aber  al§  Jeinb  bemäntelt  werbe)!,  Unb  ba? 
..bei  h^tte  es  fein  33ewenben" 

2Bir  fonnen  auS  ber  ©efammtanfebauung  be3  Verhalt; 
niffeS  ber  dgvpttfchen  Ueberlieferungen  bem  gelehrten  unb 
geijlreichen  Söelcfer  nur  betpflichten,  welcher  in  biefer  (£x*öäfy 
lung  ein  dgt)ptifche$>  ^rieftermdrehen  fteht89).  (Seit  ^fam* 
metid)u3  3ett  ijatte  griechifcheS  ©chriftthum  einen  ©ifc  in 
sftaufratiS,  unb  einen  Präger  an  ber  ^ournetfeherjunft.  £)ie 
©riechen  fonnten  nicht  unterlaffen,  ftd)  in  bem  £anbe  alter 
SBunber  nach  ben  greunben  unb  S5efannten  be£  9ttenelau3 
gu  erfunbigen,  an  beren  ©efd)icf)tlichFeit  fte  feinen  3weifel 
hatten.  £)ie  2£egt)pter  befragten  ihre  S5ücher,  wie  bie  SBrafc 
minen  bie  ihrigen  auf  bie  fragen  ber  (Sngldnber  nach  ber 

89)  £)te  SBer^anblungen  über  btefen  $)unft  ftnb  con  9Bat)r  in  fetner 
Ausgabe  beg£erobct  (&u  II,  113.)  ausführlich  aufammengefrellt. 


140  dTflcö  Q3ud)-  Breiter  mfänitL 

gamtlie  $loa§:  wie  tiefe  fanben  fte  aud)  eine  2fnttx>ort:  unb 
bie  &otlmetfd)er  wucherten  mit  bem  gunbe. 

(53  ifr  aber  chronologtfd)  fehr  wichtig,  bie  eben  ange; 
bmttk  2Cnftd)t  über  bie  Quelle  jener  Erzählungen  feftju- 
galten»  £)te  ©rieben  mugten,  eben  wie  bie  2£eg9pter,  einen 
Zrifyalttyixntt  fuchen  für  ihr  gemeinfameS  ^Iterthum,  $ro; 
teuS  war  aus  einem  9tteergotte  ein  £6nig  geworben»  $ed^ 
nungen,  wie  man  fte  fdjon  Dor  2(rijtotele$  unb  üor  ber  ges 
nauen  33efltmmung  ber  £)tympiaben  unb  beS  troifcfyen 
ge5  burd)  feine  <Sd)ule  anfielen  fonnte,  führten  für  biefe 
groge  Epoche  auf  ba£  Enbe  ber  neunzehnten  £>t)naftte,  ober 
ben  Anfang  ber  zwan^igfren,  unb  je  nachdem  man  ftcf>  für 
ba3  eine  ober  ba§  anbere  entfcfyieb,  bezeichnete  man  ben  einen 
ober  anbern  dgrjpttfchen  Äontg  ale>  ,.$6nig  Proteus".  2Bie 
baö  9fttgoer)rdnbnig  ber  alten  Ueberüeferung  zunahm,  unb 
ber  lebenbige  (Sinn  für  Dichtung  abftarb,  erfanb  man  für 
£)iobor  unb  feines?  (bleichen  jene  fd)öne  Erklärung  ber  h^ 
merifchen  ©age  über  biefen  ^roteue,  womit  er  ftd)  r>iel  weig: 
nämlich  $6ntg  ÄeteS,  ber  Proteus  ber  Hellenen,  fei  t>om 
^ic^ter  als  ein  ftd)  in  t>erfd)iebene  erfd)recfltd)e  Ä^tergefla^ 
ten  Skrwanbelnber  barge|Mt,  weil  —  bie  dgppttfchen 
nige  wunberltdjen  £f)ierfd)mucf  auf  bem  Raupte  trügen,  be£ 
größeren  2Cnfef)n$  bei  ihren  Untertanen  falber  unb  jum  Er= 
Jaunen  ber  gremben  unb  getnbe. 

Römers  Erwähnungen  (XIV,  257  ff.  IV, 227 ff.)  geigen, 
bag  fdjon  im  alten  SSolfc  ber  3oncr  #cgt)pten  aU  ein  georb^ 
netee  3?etc^  erfcfyien,  unb  bag  auch  ihnen  fd)on  2(egt)pten  als 
bas>  SSaterlanb  ber  2tr^nei  unb  2fpotheferei  befannt  war:  wie 
benn  auch  wir  noch  mit  ben  SBt^antinern  unb  Arabern  bie 
ßehre  t>on  ber  ©Reibung  unb  Sföifchung  ber  Stoffe  fcom 


1. 1.  Jperobot*  (Beine  Vorgänger  tu  Nachfolger*  141 

£anbe  Qfytmi  b.  f).  2£egwtcn  benennen.  Un3  fann  bieg  um 
fo  weniger  wunbern,  ba  ein  J)tcrattfrf>er  ?>apt)ru$  au3  bem 
13ten  Sabrhunbert  t>or  unferer  Seittechnung  unter  anbern 
SSolf  ern  auch  bie  „Sun"  b.  h-  So  nie  r  nennt90):  ein  kernte, 
unter  wertem  bie  hettenifchen  ©tdmme  bem  frühen  $?ors 
genlanbe  befannt  waren:  benn  ba3  Saoan  ber  ©chrift  tfr, 
nach  Maßgabe  ber  SBuchftaben  gelefen,  auch  nur  Sün  unb 
fommt  fchon  bei  Soel  oor,  nach  ber  gewöhnlichen  Annahme 
alfo  im  neunten  Sa^miberte  t>or  ßlnuftuS,  nach  ber  unfrk 
gen  im  ahnten. 


<£  t  ft  e  3  $aupt$&ä. 
i£>etobok 

1.  £erobot§  (Stellung  ju  feinen  unmittelbaren 
SSorgdngern  unb  Nachfolgern. 

S>tc  gefchichtliche  ßunbe  2(egt)ptenS  begann  mit  $eros 
bot:  ^>efatdu§  ber  keltere,  ber  9)Hl  efter,  war  in  Tin 
gt)pten  gewefen  (II,  143.),  jeboch  ojfenbar  ohne  befonbern 
©ewinn  für  feine  gefcht  etlichen  Äenntniffe.  £ippt)3  öon 
Sfh^Qtum,  &u  3Eerre£  3eit,  l>atte  bie  2Cegt)pter  in  feiner 
ßh^onif  ba3  dltefle  SSolf  genannt 9I),  unb  biefe  Anficht  waf)^ 
fchetnlich,  wie  3Mobor,  barauf  geftüfet,  bag  bie  eigenthüm^ 
liehe  £uftbefcf)affenheit  #egt)pten$>  bie  (^ntjlehung  be£  Sebent 

90)  Salvolim,  Notices  sur  le  Papyrus  Sallier:  fd)0n  oben  itwä\)nU 

91)  Schol.  Apollon.  IV,  262.  ©.  Urfunbenbud)  B.  H;  äßte  bie 
SBorte  lauten,  ift  bie  Angabe  füintoö»  2CUe  t;tcrt)cr  gehörigen 
©teilen  ftnb  in  ber  vortrefflichen  unb  unübertroffenen  tfbbanb* 
lung^e^ne'ö  beleuchtet:  Commentatio  prima  de  fontibus  Dio- 

dori  (1782).  Äbgebrucft  im  tfnfjange  ju  Sinborfö  Ausgabe, 
T.  V.  ©.  LIX  ff. 


142  <£rfie$  Q3ud).  Breiter  2lbfd)nitt. 

bigen  t>or£ugSweife  begünfh'ge.  2Bir  l)6ren  aber  nicht,  bag 
er  c^ronotogtfd^e  Unterfud)ungen  über  d^ppttfd>e  ©efd)tchte 
angefMt.  £erobot3  £>arfMung  alfo  bilbet  bie  erjre  Epoche 
ber  griecf)ifchen  gorfchung  über  bie  dgpptifchen  Seiten,  ©ie 
fd&nttt  tief  in  bie  $or(Mungen  feiner  Seit  imb  ber  nachfok 
genben  ©efchlecrjter  ein,  wo$u  ihre  2£nmutr)  nicht  wenig  bei? 
trug»  ©o  lange  baS  freie  ©riedjenlanb  bejlanb,  erfchien  nie; 
manb,  ber  ihm  auch  nur  einigermagen  auf  berfelben  ©pur 
felbjtforfdjenb nachgewanbelt  wäre.  £heopompu$  erwähnte 
gelegentlich  ©efoftriS:  EphoruS  Erzählung  bewies,  nach 
£)iobor,  nur,  wie  wenig  er  bas>  2anb  fannte:  bie  philofo? 
phifche  ©cf)ule  ^erbrach  ftd^  bie  .ftopfe,  wie  man  bie  9W§s 
fcr)welle  gu  erfldren  habe. 

$erobot$  itunbe  r>on  ben  dgt)ptifchen  3ar)len  über  bte 
Urzeit,  bie  ©öttergefd)id)ten  unb  bie  Anfange  be3  dgpptifchen 
Sebent  ijr  fo  mangelhaft,  bag  wir  ba3  in  ihr  liegenbe  SBahre 
erjr  im  werten  33ucr)e  werben  nachweifen  tonnen,  ©eine  ein? 
feinen  Erzählungen  au3  ber  alteren  gefchichtlichen  3eit  2fegt)p? 
tenS  aber,  b.  h«  *>or  ben  ^Pfammetichen,  werben  wir  im  ^wei? 
ten  unb  britten  prüfen  unb  beleuchten.  £)a3  Ergebnig  bei? 
ber  bürfte  eine  gejleigerte  S3ewunberung  ber  £reue  feiner  S5e= 
richte  fein,  bie  jebod)  nicht  anberö  al3  hochfl  irrig  fein  tonn? 
ten,  befonberS  in  ihrer  SSerfnüpfung  unb  chronologifchen  3u? 
fammenreihung,  weil  noch  niemanb  bie  allgemeine  Ueberftcht 
beS  3ufammenhange§  gegeben  hatte.  vg>ter  hanbelt  e$  ftch 
nur  barum,  eine  2lnfd)auung  ju  geben  üon  bem  chrono lo? 
gifchen  ©pfrem,  welches  er  ftch  gebilbet,  unb,  wo  mog? 
lieh,  fchon  jefct,  ohne  ber  Unterfuchung  t>or$ugreifen,  bie  gu? 
gen  andeuten,  welche  bie  Entjtehung  unb  Sufammenfefcung 
ber  Steile  biefeS  ©t>frem$  üerrathen. 


I.  2.  £erobotö  flgpptifcfee  Seittafel  r>or  ben  «Pfammcttcfecn.  143 

2.   £erobotS  dgpptifcfee  Seittafel  t>or  ben 
*Pfa  mm  etilem 

2(  egpptifcfee  SBericfete, 

I.  2Cettejte  ©efcfeicfete  ber  t> er jeicfeneten  $6; 
nige.  einem  Sßucfee,  roetd)e§  bie  ?)riefrer  ifem  üorlafen 
(II,  99  —  101.  ügl.  I,  4.). 

(l)9ftene§,  erjler  Äönig,  Erbauung  t>on  9ftempfeiS,  tfbbdm; 
mung  be$ 

(2  —  331)  330  Könige,  bie  ifem  folgten*  Saoon  waren: 
18  2Cetbtopen: 

1  Königin ,  grembe :  alle  übrigen  waren  2Cegt)prer,  £>et 

lefcte  (331  jre  £6nig  alfo)  war: 
SftoriS,  ber  bie  norblicfeen  ^ropplden  am  $epfedjto3tem; 
pet  t>on  9J?empl)t6  txbaute,  unb  ben  <5ee  grub.  SSon 
ben  anbern  war  fein  grogeS  Sßerf  aufzeigen.  33gl, 
I,  7 :  „SDJöriS  war  noefe  niefet  900  Safere  tobt,  atS  id) 
„naefe  2£egt;pten  lam". 

II.  2Beitere9Zacfericfeten  a  u  3  ber  alteren© e^ 
fefeiefete.   Sftacfe  biefen  Königen  fam: 

(332)  ©cföftrtS;  ber  groge  Eroberer  unb  ©efe^geber  (102  — 
110).   Sbm  folgte: 

(333)  ^feerön,  fein  ©ofen,  ben  ber  ©Ott  ^efen  Safere  mit 
S3linbfeett  fcfetug:  2  DbeliSfen. 

(334)  Proteus,  ein  9ttempfeit,  folgte  ifem:  er  ijr  ber  ©rieefeen 
Proteus,  ?>arie>  geffrenger  3?icfeter:  feerrlicfeer  S3au  oon 
ifem  am  fublicfeen  Sfeeile  beS  v£>epfedjfo3tempeB  (111  — 
120). 

(335)  SRfeampftmtoS,  ber  ©ei^fealS :  fpielte  mit  ber  Demeter 
SBürfel  in  ber  Unterwelt  (121  — 123). 

„Wit  ifem  enbigte  bie  gute  alte  3eit". 


144 


SrfteS  Q3ud).  Swetter  Hbfcbnftt. 


III.  <Dte  $P 9 r  a m i b  e  n  e r  ba  u  e  r. 

(336)  ßbeopS,  regierte  50  Safjre:  erbaute  bie  größte  $M*a5 
mibe:  gottlofer  Sprann  (124-126). 

(337)  ßtyepbten ,  regierte  56  3af)re:  baute  bie  jweite  9fyra* 
mibe  (127.  128). 

(338)  ^pferinoS,  GbeopS  ©obn,  geregter  IHtc^ter  unb  mtl* 
ber  £errfd)er:  britte  ^fyramtbe  (129—135). 

(339)  2£f*)<$i3 ,  weifer  ©efe^geber:  baute  bie  fd)6n|ten  $ros 
pplden  be3  £epba(fo3tempel§  unb  eine  ftd)  mit  Sved&t 
nibmenbe  3iegelpv;ramibe  (136). 

IV.  Ueberlettenbe  ^lacrjricrjten  auf  bie£>obes 
fard)ie  unb  9)fammetid)u3. 

(340)  2tnt)p,  ber  blinbe  Wann,  au£  ber  ©tabt  En^flS. 
Vertrieben  von 

(341)  ©abafon,  flob  er  in  bie  ©ümpfe,  wo  er  bie  50  Safyre 
ber  Regierung  be32Cetbtopen  ftd)  Verborgenheit  (137— 
140).   dlad)  tym  regierte: 

(342)  <5etf)o3,  £epf)djroSprie|rer:  3ug  wiber  ©anacbartb  (141). 
,,©o  weit  geben  bie  (Srjd^lungen  ber  2Cegp!pter  unb  ber 
„spriejter:  t>om  erften  Könige  bis  auf  ben  ©etl)oS  fmb 
„341  ©efdbledf)ter,  eben  fo  viele  von  Königen  unb  von 
„£)berpriejtern  be$£epbdfro3tempel$ :  alfo  (341  x  ^Sabre, 
„b,  f).  11366)  11140  Sabre:  wogegen  ju  bebenfen,  bag 
„vor  biefen  Königen  £)ftriS ,  Stypbon  unb  #oru$  regier? 
„ten,  £)firi$>  aber  ber  £>iont)fo$>  ber  ©rieben,  ber  ©emele 
„®ol)n  iji,  alfo  1600  Sabre  alter  atö  icr>:  £erafle3, 
„ber  2Clfmene  ©ofyn,  gegen  900:  tyan,  ber^enelope  ©obn, 
„weniger  als  bie  troifcfyen  ©efdwfyren,  etwa  gegen  800 
„Sabre  (144-146)." 


I.  3.  £erobot$  Seitredjnung. 


145 


3,  £erobotö  3eitred)nung  t>on  $fammetid&$ 


1.  £)ie  ?)fammettc^enjett» 
£)obefard)ie» 

$Pfammetid)u3,  be3  üftecfyao  ©afyn,  regierte  54  3ar)re 


2£maft3   44  * 


II.  3)te  Seit  ber  perfifcfyen  -g>ertfrf>aft,  &on  $ams 

bpfeö  Eroberung  am 
(Sic  jttmmt  auf's  üoltfommenjfe  mit  bem  ajtronomtfcfyen 
Äanon  beim  sptolemduS, 

4.  Vorläufige  ßritif  ber  3eitred)nung, 
9flan  benfe  ftd&  /  bag  #erobot  eine  fold&e  SSafel  fcor  ftd) 
fyatte,  unb  bafj  er  barauS,  mit  feinen  2Cnftd)ten  t>on  ber  ß&ros 
notogte  ber  l)ellenifd)en  ©efcfylecfytSregijrer,  ftd)  eine  fritifcfee 
Beitrecfcnung  bilben  fudjte,  bie  man  ben2£ngaben  ber  2legt)ps 
ter  entgegenfe^en  fonnte,  wenn  ifyre  üteten  Safyrtaufenbe  un= 
glaubtid)  fct)ienen.  9J?an  ert)d(t  bann  ganj  einfach  unb  notfys 
tnenbig  fotgenbe  Gürgebniffe: 

1)  £ie  341  Äonige  t>on  9)?ene$  big  ©etfcoö,  in  341  ©e; 
fcfylecrjtern,  ftnb  feine  eigene  gdfytong.  £)tefe  ftnbet  man, 
wie  unfere  £>ar|Mung  abftcfytlid)  anfd)au(id)  macf)t,  wenn 
man  fcon  $3lbx\&,  al§  bem  331ften  t>on  9ftene&,  bie  Äonige 
fortjagt,  reelle  er  angiebt. 

2)  Sie  trotten  ©efct;id)ten  ftnb  etwas  me&r  at*  800 
Safyre  fcor  v£)erobot   £)en  $an,  ber  ^enelope  ©o&n,  fe£t 
begfyalb  #erobot  etwas  fpäter  als  biefe  ©efcfyicfyten,  gegen  800 
1.  10 


£f)ronbe  jteigung  am 


9?ed)o,  fein  ©of)n  . 
^PfammiS  ♦  .  ♦  ♦ 
2lprie3,  fein  ©ofyn  , 


16  * 
6  * 
25  . 


^PfammenitoS  . 


146 


grfhtf  Q5ud).  3»eiter  »bfdjnitt 


Sabre.  2ttfo  ftnb  bie  trotfd^en  ©efd)td)ten  nad)  ibm  gegen 
833  ju  fefcen,  ein  ©efd&ledjt  böber.  £)ie  ©efd)(ed)ter  genau 
al3  drittel  eineS  SabrbunbertS  gerechnet,  ertjdtt  man  bier* 
nad)  folgenbe  Sctttafel  für  £erobots>  ÄomgSlijre,  aufwarte 
t>on  SftenelaoS  3eitgenoj|en,  Proteus?: 

Proteus    .   ♦  •  ♦  800  Sabre  oor  «£)erobot 

hierin     ,  ...  833  ; 

©efö|hi8   .   .  .   ,   866     *      *  s 

SO^ortS      .   .   .   .   900  * 
Unb  fo  erfldren  ftd)  bie  mcl  geplagten  Söorte: 
„9ftori£  war  nod)  nid&t  900  Sabre  tobt,  als  t<3)  nad) 
„gppten  fam", 

gleicbfam  oon  felbjt:  nadf)  einer  9ftetbobe,  n>etcfte  Sftebufyr 
juerfi  auf  v£>erobot3  Ipbtfdöe  3eitred)nung  angeroenbet  \)at92), 
9lad)  biefer  SEafel  wirb  ^erobot  aud)  obne  3weifel  Proteus 
9?acbfolger,  ^ampftnit,  um  766  gefegt  baben:  benn  er  ges 
bort  nod)  gan$  ^u  berfclben  „guten  alten  3ett".  #ber  baß 
mit  ßbeopS  eine  ganj  eigene  Ueberlieferung  anfange,  unb 
J&erobot  ftd)  bier  ber  guge  berougt  geroefen,  mad)t  fd)on  foh 
genbe  Ueberftcfyt  anfebauliefy: 

Sfibampftnito^,  unbejlimmte9?egierung^bauer:  alfo  800  t>»$er, 
GbeopS  50  Sabre  i       s        *   750  ;  ; 

ßbepbren  56     *    ;       =         ;  694  ;  ; 

S^pferinoö  unbefi  ;       -        -  661  s  « 

2£fpd^t^  *  *        *  628  *  * 

©abafon,  ber  2(etbiop,  50  Sabre  ^  s  ;  578  *  * 
2£npft'S  unbcfl. :  alfo  bis  gegen      545  ^  s 

2Cnt)fi6  überlebte  ben  2Cetbiopen:  man  fann  zweifeln,  ob  ^ 
robot  ibm  roürflid)  in  feiner  £afel  nod)  33  befonbere  Sabre 
ber  Regierung  gegeben.    Allein  roae>  man  aud)  annebme,  es> 
92)  Sltebutjr,       fcifh  unb  p&ttolog.  ©Triften  ©.  196  ff. 


L  4.  «Dorldufifle  Äritif  ber  Seitredjnung»"  147 

tjf  flar,  v£>erobot  Fann  gar  Feine  fotc&e  Rechnung  f)tet  gcs 
macr)t  haben.  £>ie  ^ramtbenfonige  geben  t>on  ©eopS  bis 
2Cfpc&i§.  9hm  folgt  bie  dtbiopifche  Epoche,  ©enau  beftimmte 
unb  .qefcf)tcr)tnd^  bewahrte  3eitbejtimmungen  gtebt  er  aber 
erff  von  jammertet),  beffen  Regierungsantritt  er  gegen  670 
*>.  6J)rv  atfo  etwa  220  Sabre  t>or  feiner  2lnfunft  in  ^egtjpten 
fefct.  3«>ifc6en  biefem  #ngelpunfte  feiner  3eitred)mmg ,  beS 
$Pfammetid)S  Anfang,  unb  bem  legten  Könige  obiger  ßtftc, 
STnpftS,  haben  wir  aber  nur  (setboS  unb  bie  £)obefard)ie: 
alfo  nicht  einmal  $wei  9ftenfd)enatter:  benn  ^Pfammettd),  ei= 
ner  ber  £>obefard)en,  regierte  nod)  54  Safyre,  Jperobot  Oer* 
banb  alfo  jene  2Tbfcf)mtte  nid)t  cbronologifcb.  (5r  t>atte  eine 
£üde,  bie  er  nicht  anzufüllen  wufite,  unb  reebnete  beßbalb 
lieber  gar  nicht:  er  gab  nur  einzelne  Satyrn  ber  Regierung^ 
bauer  an,  wenn  er  fte  gerabe  erwähnt  fanb. 

Dirne  bag  wir  i)kx,  bem  SBetfpiele  m'eler  voreiliger  £ab; 
ler  ober  leichtfertiger  SSewunberer  ber  r>erot»ottfd)en  3eitrect> 
nung  folgenb,  unS  ein  Urtbeil  über  biefelbe  erlauben,  ct)c 
wir  bie  urfunblicbe  Söabrbeit  burd)  jufammenbdngenbe  Jor^ 
fd)ung  gefunben,  wollen  wir  nur  bie  Sfyatfac&e  feftjrellen: 
bag  £erobotS  3 ei tre et) nung  im  eigentlichen  (Sinne 
mit  9)fammetid)u3  beginnt,  unb  er  für  baS  frühere  hu 
nen  Starb  wenn  man  weber  bie  dgpptifcbe  Red)s 

nung  annehmen  will,  nod)  bie  feinige  nad)  ©efcr)lecr)tern, 
bie  allerbingS  um  eine  SDtyriabe  auS  einanber  liegen,  unb 
beibe  weber  ftdjer  nod)  möglich  ftnb. 


10* 


148 


grftcS  35ud).  3»ctter  2lbfd)nitt. 


Sumtes  #auptftüct\ 
tfriffoteleS  Schute*  —  2Me  ^leranbriner  unb  ifjre 
Settgenoffen* 

1,   2Crif!oteleS,  S&eop&rafc  £>icdard). 

^lato'ö  tteffcfyauenbert  ©etfl  ()atte  2£egt>pten  offenbar  an; 
gebogen,  wie  namentlich  bie  33ütf)er  vom  (Staate  unb  bie  von 
ben@efefcen  beweifen:  chronologifche  Unterfuchungen  lagen  ihm 
fern.  £)ocf)  hatte  auch  er  ftd)  barum  befümmert.  (£r  fcheint 
an  ba3  jehntaufenbjdhrige  2C£ter  dgpptifcfyer  Schriften  unb 
ÄunftwerFe  geglaubt  ju  haben,  unb  giebt  8000  Sahre  al§ 
ba$  2£lter  beS  faittfd&en  (Staates  an  93).  2fber  2Crtftotele$, 
ber  burd)  fein  verlorenes  SBerf  über  bie  (Sieger  in  ben  Dlpm* 
piaben94),  wie  eS  fcheint,  ben  feften  #ngelpunft  ber  grie* 
d)ifchen  3^itred)nung  ^u  bejttmmen  gelehrt,  fagte,  geroig  auf 
©runb  näherer  gorfchung,  über  bie  dgppttfd&e  3eifted)nung  95): 
(SefojlriS,  ber  uralte  Äonig  ber  2(egt;pter,  habe  lange  vor 
Wmo$  gelebt  hiernach  hat  er  ihm  ein  2Hter  lange  vor 
bem  Stohte  1400  vor  unferer  3eitrechnung  beilegen  wollen, 
benn  in  biefe  3?it  —  200  Sah«  vor  ben  troifchen  ©efchich- 
ten  —  fallt  ben  ©riechen  ber  fretifdje  Äönig. 

@S  war  feiner  Schule  vorbehalten,  auf  biefem  Söege 
fortzugehen.  £)fme  3*veifel  fchon  SheophrajJ.  2Bir  hö- 
ben im  erjten  2(bfcf)nitte  bereits  gefunben,  bag  er  „dgpptifche 
2fnnalen"  anführt,  $Porpht)riuS  erwähnt,  wie  wir  eben  bas 

93)  Plato  Legg.  N,  657.  (fdjon  im  erften  2fbfdm.  erroäfjnt)  üergU 
mit  Timaeus  p.  23. 

94)  Diog.  Laert.  V,  26.  VIII,  51. 

95)  Aristot.  Polit.  VII,  9:  d  £oa§*(7^6(j  o  xara  ysvog  tov  noXiri- 
Kov  nlij&ovs  t|  Alyvnxov  '  noXv  yag  vnsQTStvBL  TOig  #oo- 

VOIS  ti]V  MlVCO  ßctClXslcCV  ZtöCOGTQlOS. 


n.  I4  2IritfotcIe$,  Zf)Copf)va%  £)ic5ard)-  149 


felbfi  faf)en,  bag  £f)eopf)raff  bie  2Cegppter  ba3  gelefyrteffe,  al~ 
tert()um3£unbigf}e  SBolf  ber  @rbe  genannt.  W\t  tt>rer  9?e= 
ligton  Ijatte  er  ft<±>  aud),  nad)  ben  S^ugniffen  unb  ^u^ttgen 
beffelben  $Pfn'fofcpf)en,  grünMid)  befd)dftigt.  3Öal)rfd)etnttrf> 
fyatte  er  fd&on  ein  d>ronologtfd)es>  Aftern,  ©eroig  tft  bieg 
tton  £)icdard).  tiefer  fyatte  in  feinem  gelehrten  SBerFe 
„ba£  Seben  ^ellas",  bem  Urbttbe  ber  gcograp^ifd^  =  gefd^id^t- 
liefen  ©tatiffrf,  über  2(egt)ptene>  Soweit  gereber.  (2o  melbet 
un3  ein  merfroürbtge3  33ruct)jHi<f  beim  ©djoliaflen  be3  2Tpol= 
loniiiö  9?r)obtuö  96),  (5r  t)atte  barin  bie  ÄajleneintrjeiUmg 
ber  2fegppter,  ja  nod)  2£e(tere3,  bie  erften  Anfange  ber  -^)fer= 
be$u<f)t  unb  Sfaitfunbe,  welche  2£nbere  bem  @otte  v£>oru3  §u= 
fdbrteben,  b.  t).  an'3  Grnbe  ber  dttefren  mptbifrfjen  3ett  festen, 
auf  einen  uralten  jtonig  #egppten3  juruef geführt,  roeterjen 
bie  $anbfd)riften  <Eefond)öft3  nennen:  wie  wir  im  feiten 
S5ud)e  bartfum,  ffatt  ©efortöft'6,  mit  einer  leisten  fBerfd^ret^ 
bung,  bie  ftcr)  aud)  bei  9J?anetf)o  fmbet.  £)iefe3  £6nig3  %U 
ter  fyatte  er  fotgenbermagen  bejtimmt: 
„SSon  ©efortoftS  bis  jum  (Könige)  9Wu3  ftnb  2500  3ar)re 
„SSon  9lttu3  bis  $ur  erften  £>fympiabe  .  ,  436  * 
„Wo  SefortoftS  t>or  ber  erften  £)h)mpiabe  .  2936  3ar;re." 
2Bir  ergreifen  $ut)6rberft  biefe  ©elegenfyeit,  §u  bemerfen,  bag 
man  roofyl  nid)t  mit  §uretd)enbem  ©runbe  $etat)5  unb  9ftar= 
ffyams  33er)auptung  folgt,  SimduS,  ber  fteilifebe  ($efd)icr)t; 
fct)reiber  unter  $)tolemdu3  $Pr)iiabe(pf)u3 ,  r)abe  ba3  SSerbienjl 
ber  JeftjMung  ber  Dfymptaben :  5)oIpbiu^  auf  ben  man  ftd) 
beruft,  fagt  nur,  bag  jener  (Schreiber  bte  olt)mpifcr)en  <5ie; 
ger  mit  ben  (£pf)oren  ©parta'S,  ben  2£rcr)onten  2(tr)en$  unb 
ben  argit>ifd)en  ^riefrerinnen  gufammengejtellt,  unb  bie  £>h;m; 
96)  ©.  Urfunbenbudj  B.  III. 


150 


(Srfteö  Q5ud).  groetter  5lbfcl)nitt. 


piabenrerfjnung  in  feiner  ©efd^tc^tc  aß  Seitfaben  angewanbt 
I)abe97).  — 

2Bir  ftnben  f)ier  al§  etffcn  2Cnr)altgpunft  für  tue  dgt)p; 
ttfd)e  ßf)ronologie  bie  3ett  t>on  9?ei(os>:  436  3af)re  üor  ben 
£)lmnpiaben,  atfo  1212  t>or  unferer  3eitred)nung.  Sieg  ifr 
aber,  nad)  ben  2(nnaf)men  ber  aleranbrinifdjen  ßfyronogra; 
pf)en,  nur  etwa  18  3af)re  oor  bem  Anfange  ber  troifd)en 
©efd)td)ten  —  bte  einnehme  £roja'3  tn'6  3af)r  1184  gefegt  — 
fo  bag  man  mit  ©td&erf)eir  annehmen  fann,  er  fyabe  bur$ 
jenen  tarnen  ben  3eitgenof|en  beS  SDienetaoS  angeben  wot= 
lern  Unb  bag  ber  le^te  Jtonig  ber  19ten  Spnajrte  ben  dgpp; 
tifrfjen  tarnen  be3  9lit$  führte,  werben  wir  unten  fefyen. 

Tlan  mag  nun  bie  gforfd&unq  be3  Sicdard)u3  aB  waf)r 
annehmen  ober  nicfyt;  fo  ergiebt  ftd)  bie  Sfjatfacfye,  bag  er 
einen  ber  dlteften,  gefd)id)tltd)en  Könige  2(egppten6  2500 
3af)re  oor  bas>  ßnbe  ber  19ten  Spnaftie  gefegt,  b.  f).  naefy 
bem  Dbigen  3712  oor  ßfjrifhiS.  9Jtanetf)o'$  Anfang  ber 
dgt)pttfd)en  ©efd)td)te  fallt,  wie  wir  gefefyen,  in'3  3af)r  3555 
t)or  bem  9ten  3af)r  2tteranber3,  b.  fy.  in  ba3  3a()r  3895  t>or 
unferer  3eitred)nung.  9hm  ifi  9ftanetf)o'3  dltefrer  unb  be; 
rüfymteffer  (2efortoft3  ber  jweite  ober  britte  Jtonig  ber  britten 
Stynaftte.  ßr  fallt  bem  9ttanetf)0,  nad)  bem  33ud)fraben 
feiner  2i|fen,  awtfd&en  280  unb  300  ber  Seitfolge  be3  StteneS, 
atfo  etwa  gegen  3600  ßfjr.  SOBtr  beftnben  une>  alfo  bei 
bem  (2d)oliaj!en  auf  bem  S3oben  ber  dgppttfcfyen  Ueberüefe^ 
rung,  unb  ^war  üor  9ttanetf)0.  Stenn  Sicdard)3  SÖerf*  fann 
nicfyt  fugltd)  fpdter  al§  etwa  300  Safyre  t>or  unferer  3^tt- 

97)  Marsham,  Canon  p.  487  f.  Sbeler,  v£anbbud)  ber  Chronologie 
I,  378.  StmduS  ©efdjidjte  ging  fjerunter  MS  %w  Ol.  129  (261 
a.  Chr.). 


II.  2.  £ie  2llerattDrinen 


151 


recfmung  gefegt  werben,  unb  t(r  alfo  roaf)rfd)einlicl)  alter  als 
baS  manetf)onifd)e  ©efd)id&r3tt>erf.  (£3  bretbt  übrigens  um 
geroig,  ob  £)icdardf)  ben  ©efondjofts  als  ben  erjren  gefd)td)t; 
liefen  £önig  angefefyen,  roie  bie  anqefü&rte  ©teile  bem  SButf)- 
jraben  naef)  $u  fagen  fcfyeint,  ober  als  einen  ber  dlteften:  in 
betten  gdllen  ifr  feine  unb  bie  dd)te  manetf)onifcf)e  3ettrect)= 
nung,  für  eine  fold)e  Seit,  gar  ntd)t  bebeutenb  oerfdjieben: 
noch  weniger  fann  bae>  3ufammentrefFen  zufällig  fein,  ober 
aus  gried)ifdf)en  Quellen  erfldrt  roerben. 

2,  £)te  Aleranbriner.   Allgemeiner  ßfya; 
raf  ter. 

Sttanetho'S  2öer!  fanb  ben  gried)ifdf)en  ©eifl  oollfom^ 
men  vorbereitet  für  d)ronologifd)e  ^Belehrung,  dim  grucf)t 
ber  SSerbinbung  dgpptifchen  SBiffenS  mit  grtecr)ifct)em  ©eifte 
unb  gried)ifcf)er  gorfdjung,  madf)te  eS  nothroenbtg  in  S5e^te= 
hung  auf  Aegypten,  roie  roir  oben  angebeutet,  für  biefe  einen 
SBenbeounft.  £)a$  bie  ©eierten  beS  SttufcumS  ftdt)  oor* 
^ugeroeife  mit  Aegypten  unb  feiner  ©ef  deichte  befcfydftigten, 
roürben  roir  annehmen  bürfen,  roenn  roir  eS  nicht  auSbrücfs 
lief)  erführen,  grüh  hatte  ber  r)ellenifct)e  ©eijt  ftd)  ahnbungS; 
voll  unb  mit  (£t)rfurcf)t  nacr)  bem  £anbe  ber  SBunber  einer 
geifrtg  untergegangenen  SQBelt  geroanbt:  ber  SSater  ber  ©e= 
fchtchte  unb  ber  göttliche  $)lato  Ratten  bort  ein  ©pjtem  alten 
©laubenS  unb  alter  (Sitte  gefunben,  auf  roelcheS,  als  heiligen 
^>intergrunb  beS  r>eUentfd)en  Gebens,  Manches  in  Sftofrerien 
unb  vereinzelten  SDtythen  unb  ©agen  hin^uroeifen  festen.  %xu 
jbteleS  felbjr  ^atte  ben  Anfangen  ber  dgpptifcfjen  ©efrf>tdt>te 
unb  SSerfaffung  nachgeforfct)t  unb  buref)  bie  Äraft  beS  ©ei= 
fleS  unb  bie  Slttdchtigfett  eines  umfajfenben  ©trebenS  feiner 


152 


(ErfieS  35tmV  Sroctter  2fbfd)mtt* 


<£d)uk  unb  bem  gefammten  ©rtedjengeifre  bie  3ttcf)tung  auf 
ba£  @rfaffen  ber  2Bürfltd)fett  in  üftatur  unb  ©efd)id&te  ge; 
geben.  9?acf)bem  burcf)  bie  £f)orf)ett  beS  SSolfeS  unb  bie 
<5d)(ecf)ttgfeit  fetner  Jüfyrer  bem  SSaterlanbe  ba3  f)6d)jte  trbt- 
fd^e  ©ut,  bie  ^rei^eit,  verloren  gegangen  war,  wanbten  ftcf)  bie 
ebelfren  ©etjfer,  mit  einer  Äraft  unb  einem  ©djroimge,  beffen 
tn  ber  alten  SBelt  nur  bie  ^ettenen  fdfyig  waren,  bem  wifc 
fenfcfya  filteren  ©ebiete  gtt.  ^a^u  Farn,  bag  burcf)  2Heranber 
in  ifynen  jenes?  weltgef$tcr;tltcf)e  ©efut)(  erwad)t  war,  n>e(d)eö 
iftnen  gewiffermagen  bie  Sbee  ber  SDZcnfd^^ctt  erfe^te.  £)er 
jugenb(tcf)e  v£elb  fyatte  ben  grie<f)tfcr)en  ©eniuS  bis  in  ba6 
£etligtf)um  be£  ammomfcf)en  ®otte£  geführt,  unb  am  .fta* 
nopuS  if)m  eine  neue  SQScItftabt  gegrünbet  Sn  tt>r  nun,  ber 
Crrbin  t>cm  v£)cltopou'3 ,  Sttempln'S  unb  Sieben,  ]£>atte  ftd^ 
dgt)ptifd)e  2Bei3I)ett  neben  bie  grted)ifcr)e  gefegt.  £>ie  sptotes 
mder  mürben  ^)()araonen,  unb  bauten  bem  $bre,  bem  $f)ta, 
bem  Emmern  Tempel  mit  fn'erogtypf)tfd&en  SBeibinfcfyrtften, 
wie  bie  alten  v£)errfd)er.  2Bdf)renb  bie  ©eteueiben  ftd)  int 
Kampfe  mit  ben  anbern  (5rben  2UeranberS  unb  in  febanb; 
Itcfyer  UepptgFeit  üerbarben,  erhielten  bie  brei  erften  tytok; 
mder,  bes>  Sagt  ©ofm,  ^)f)tlabelpl)u$  unb  GruergeteS,  bem 
Fofrltcfyen  £anbe,  baö  tr)ncn  ^u  Sfjetl  geworben,  grogentbettö 
ben  (Segen  be3  grtebenS.  -2Bte  foüte  unter  fo(d)en  Umftdns 
ben  bie  (5rforfd)itng  beS  aqtjpttfcfyen  2tttertlmm$>  nid)t  ein 
£auptgegenfranb  ber  SBejtrebungen  jener  ©elefyrten  gewefen 
fein,  welcbe,  jum  erftenmale  in  ber  ©efd)td)te  be6  gellem; 
fcfyen  Sebent,  ftd)  auf  einem  2Beltfrf)aupta^  unb  in  ber  9ttttte 
atfer  ©d)d^e  be3  ©eifteS  fanben?  2Tud)  mürbe  eS  eine  groge 
Unfunbe  ber  ©efd^td>te  biefer  aleranbrintfd&en  3eit  unb  über* 
fyaupt  beS  griedjtfdjen  <5d)rtfttf)um3  üerratfyen,  wenn  man 
jene  ©elefyrten  für  33ucf)jiabenFlauber  unb  Äletnigfettöfrdmer 


II.  2.  £)te  Slleranbriner.  153 


galten  wollte,  weil  ber  Turner  3etten  2£leranbrien  wie 
2ltf)en  fcon  jenen  ..©ried)lein"  fd)wdrmte,  bie  2£Ue§  wugten, 
nur  nic^ta,  wa6  ber  Sföüfye  werth  war  ju  wifjen,  unb  im 
©runbe  genommen  eben  fo  unwiffenb  waren  wie  fleingeis 
jrifd).  £»aS  2eben  am  aleranbrinifcf)en  9ftufeum  war  ba§ 
leiste  2£ufIobern  be3  perforieren  Sebent  ber  ©rieben,  unb 
fonnte,  ben  ewigen  ©efel^en  ber  Statur  nad),  bei  bem  Um 
tergange  be§  gemetnfamen  2eben3  unb  ©laubeng,  nur  SSor^ 
böte  be6  (5rl6fcr)en3  fein.  war  wie  ber  Sweig  am  üer* 
borrten  «Stamme.  SSergebenS  oerfud)te  ber  morgenldnbifct)5 
griecr)ifrf)e  ©eijt  ba3  finfenbe  fßolU^  unb  ©6ttertl)um  burd) 
eine  S3ermifd)ung  aller  S0?ptt)en  unb  £heofopt)ieen  mit  ein; 
fettig  platonifdjer  *PhilofopI)ie  ju  galten:  e§  fehlte  bie  leben; 
bige  ©runblage,  ber  rebliche  ©laube  unb  ber  tüchtige  (Sinn. 
Grrjr  ba3  ßf)rifrentf)um  befruchtete  2lleranbrten  mit  lebend 
frdftigen  Sbeen  unb  machte  bie  (Stabt  jum  (Si&e  ber  ge* 
lefjrtefren  unb  benfenbjren  (Schule  chriftlichen  ©laubenS  unb 
SBiffenS,  unb  babei  jur  50?utterpabt  be§  chrijfttchen  Dftafru 
fa'3.  ©anj  üerfdjieben  üon  ben  (Spätlingen  ber  aleranbru 
nifcr^griechtfchen  (Schule  waren  aber  bie  großen  5Borffef)er 
unb  9)?eijrer  am  SDtofeum  in  ben  erfren  anbertfyalb  Sahrrmn; 
berten  ber  ptolemdtfchen  v£>errfcfjaft.  S^acr)  bem  Untergange 
ber  grogen  Sfteijrerwerfe  be3  griechifchen  ©eniuS  ift  wohl 
nichts  mel)r  $u  befragen,  ale>  bag  nicht  allein  bie  <Scr)dfee  ber 
gerichtlichen  3l(tert^um6fovfd)ungen  jener  Banner  un$  bis 
auf  t leine  33ruch(tücfe  verloren  gegangen  ftnb,  fonbern  bag 
bie  ©elehrten  ber  römifdjen  unb  bp^antinifcrjen  3eit,  neben 
fo  vielem  kleinlichen  unb  Erbärmlichen,  womit  fte  ftdj  befag^ 
ten,  feinen  befferen  ©ebrauch  baoon  ju  machen  gewugt. 


154 


<£r|re$  35ud).  Sroeiter  2lbfd)nitt* 


3,  $etatau$  t)on  2£bbera  —  StjnceuS  ber  ©a= 
mter  —  tarnen  beim  <5cholia|ten  beS  Apollo* 
ntüi  —  G>a|ror  —  2Ueranber  ?)olt)hiffor  unb 
feine  ©erodbrS manne r. 

■Keineswegs  fehlt  eS  unS  an  Nachrichten  über  bie  dg^ps 
tifcr)en  gorfd)ungen  ber  aleranbrinifchen  Seit,  allein  bie  ge* 
wohnlich  angeführten  ftnb  bem  9J?ufeum  fremb,  unb  gehören 
faft  nur  fpdteren  2ttejranbrtnern,  ober  anbern  ©rieben  $u, 
bie  alS  SKeifenbe  jeneS  2anb  befugten.  Sn  biefe  klaffe  ge* 
hört  ber  jüngere  #ef  atäuS,  oon  2fbbera,  beS  er(!en  9)to; 
lemderS  greunb:  „einer  oon  ben  fielen  (fagt  £)iobor  I,  46.), 
welche  unter  jenem  Könige  Theben  befugten,  unb  25üd)er 
über  2(egv;pttfche3  oerfagten".  £)ie  oon  £)iobor  gegebenen 
groben  jeigen  aber  roeber  einen  grünblichen  gorfcher,  nod) 
einen  genauen  Beobachter.  £)a3  gilt  namentlich  üon  ber  be; 
rühmten  S3efchreibung  beS  9tameffeion,  ober  eineS  ähnlichen 
SempelpalafteS  ber  Seit,  als  beS  ©rabeS  beS  uralten  itönigS 
£)ft)manbv)a3.  £)e$  ©efchichtfd)reiberS  £>uri$  S3ruber,  2t)n; 
ceue>  ber  (Samier,  fchrieb  unter  $)l)ilabelphuö  auch  oon 
dgtjptifchen  fingen  in  einem  Sßerfe,  baS  2lthenduS  anführt 
SSom  gcfchichtlichen  Snbalre  hören  roir  nichts. 

Sticht  bebeutenb  auch  mögen  oiele  anbere  <5cr)riftjreller 
über  2Cegt)pten  geroefen  fein,  bie  voir  thetlS  bei  bem  gelehrten 
©chotiafren  beS  2lpolloniu3  ^hobtuS,  theilS  bei  spitntuS  unb 
2CthenduS  angeführt  ftnben,  unb  üon  benen  roir  fo  wenig 
rotffen,  ba§  roir  nicht  einmal  genau  bie  Seit  fennen,  in  ber 
fte  lebten98), 

Süchtigere  Banner,  auS  ©plla'S  Seit,  ftnb  jroei  @hn>no^ 
98)  Urfunbenbuch  B.  III. 


Iii.  l.  (E'ratoMencö  unb  2fpotloboru$. 


155 


großen:  Gaftor  ber  @bron ogr apt)  imt)  2Cteranber 
$P  o  t  p  h  i  |r  o  r.  &em  erfteren  f onnen,  nach  bem  ?)lane  feineS 
SöerfeS,  dgppttfd)e  gorfcbungen  nicht  fremb  gewefen  fein,  unb 
oom  (enteren  werben  Äegyptiaca  auSbrücflict)  erwähnt,  (Eu* 
febtuS  bat  üiete  2Cu^üge  auS  ihm  in  ber  (£oangelifd)en  SBor* 
bereitung,  befonoerS  im  neunten  33ud)e.  Wlan  fteht  au§  ben; 
felben,  bag  er  bie  früheren  griechifcben  unb  auch  tjellenijlifd) 
jübifd>e  ©chriftjMer  benu^t  unb  angeführt:  wie  (£upoIemo3 
(c  170,  9ttehm  (c  19.),  £  em  etrioS  (c.  21.  t>gl.  29.),  2Cri« 
jtdoS  (c.  25.).  Sine  wahre  IritiÜ  unb  ftare  2Cnfchauung  i|t 
jebocf)  hiernach  nicht  am  $>o(r;btftor  ju  rühmen :  unb  t>cm  fei- 
nen dgpptifchen  Jorfchungen  fetbfl  wirb  unS  nichts  angeführt 
2Cber  wir  haben  einen  ber  größten  tarnen  be3  9J?ufeumS 
für  bie  dgt)ptifd)e  Jorfchung  in  2tteranbrien  ju  nennen,  unb 
jwar  au£  ber  S3lüthenjeit  ber  gefd)id)tlid)en  unb  ber  ©um* 
bung  ber  phitologifcfyen  Sorfcfyung  in  2(leranbrien» 


£)rtt£eS  £aupt|Mcr\ 
©ratoftJ>eneö  unb  2CpolloboruS* 
1.   £)er  SStxifyt  beS  <St>ncellu6  über  ^ratoftt)e= 
neS  unb  2Cpo tloborS  dgppttfche  ßöntgSlijren. 
£)er  SBr^antiner  ©eorgiuS  ©pncelluS  giebt  bei  feinen 
einleitenben  Nachrichten  über  dgt)ptifd)e  3ettrec^nung  ben  2fu^ 
gug  aus  einer  higher  gehörigen  Arbeit  beS  OZx  atoftheneS, 
welchen  er  mit  folgenben  SBorten  einführt99): 

,.2CpotfoboruS ,  ber  Chronograph/  t)at  eine  anbere  #err; 
..fcfyerfolge  berjenigen  dgr;ptifd)en  Könige  verzeichnet,  mU 
„che  man  bie  tbebaifchen  nennt.  @3  ftnb  38  Könige 
")  Sync.  Chronogr.  p.  91.  sergt.  p.  147.  (£tef)e  Urfunbenbud) : 
Eratosthenes  —  Apollodorus. 


156 


SrfteS  Q5ud).  ^roctter  SJbfcfemtt 


„in  1076  Sauren,     £)iefe  got^c  gefet  oom  2900flen 
..Safere  ber  SBett"  (b.  fe.  beim  ©pncelluS  124  Safere 
naefe  ber  (gpra^oerroirrung  unb  SSölfer^erftreuung)  „bis 
„jum  3975|ren.    @ratojrfeene3  (fagt  2t:polloboruS)  t>er* 
„fefeaffte  ft'cfe  bie  ^enntnig  biefer  Könige  auS  dgpptifcfeen 
,.£)enffcferiften  unb  9kmen6lijlen,  auf  SBefefel  beS  £6; 
..nigS,  unb  ubertrug  fte  (bie  tarnen)  in'ö  ©rieefeifefee 
„fotgenbermafien" 
9?un  folgt  eine  mit  9)?ene3  beginnenbe  JtonigSlifte:  jebem 
dgt?ptifcfeen  tarnen  i(t  in  ber  Regel  eine  grieefeifefee  lieber* 
tragung  beigefügt :  bann  fommt  bie  Angabe  ber  Regierung^* 
gett    Sn  ben  tarnen  fo  rote  in  beren  Uebertragung  (lügt 
bie  .ftritif  fogleicfe  auf  eine  Spenge  mefer  ober  weniger  naefe^ 
roeiSbarer  SBerfcfereibimgen:  roaS  bei  fo  ferne  liegenben  unb 
ben  2(bfcfereibern  burcfeauS  unt>er|tdnblicfeen  tarnen  um  fo 
voeniger  &u  tterrounbern  t|t,  als  roir  nur  ^roei  $anbfcferiften, 
unb  unter  biefen  nur  Grine  gute  feaben.  ©ünjtiger  ijt  es  mit 
ben  SafereSangaben,    £)enn  ba  ber.  ©pncelütS  jebeSmal  fein* 
jufügt,  in  roeld)em  SBeltjafere,  nad)  feiner  3ettrecfenung ,  bie 
Regierung  begann  unb  auffeörte;  fo  üerbeffern  ftefe  f  leine 
(Scfereibfefeler  unb  Htcfen  oon  felbji    ©o  ijt  benn  niefet  ah 
lein  3afel,  Solge  unb  meijl  ^ame,  fonbern  auefe  bie 
bauer,  Gnntaufenb  fecfeS  unb  fieben^ig  Safere,  in 
aefet  unb  bretgig  Regierungen,  eine  über  allen  3roeU 
fei  erfeobene  Sfeatfacfee  als  eratofrfeenifefee  Angabe, 
£ter  unb  ba  ftnben  ft'cfe  (Spuren,  bag  bie  Urfcferift,  eben  roie 
bie  dgrjptifcfeen  Quellen,  bie  roir  fennen,  auger  9^ame  unb 
RegierungS^afel  auefe  noefe  Unteres,  als  benfroürbig,  üer^eiefe^ 
net  featte. 

9lacfebem  ber  ^B^antiner  unS  biefeS  fojtbare  £enfmal 
auf  feine  2öeife  vorgelegt,  fagt  er  ^um  ©cfeluffe,  naefe  2lufc 
füferung  ber  legten  jener  tfeebaif efeen  Könige: 


III.  1.  (fratoftycneS  unb  2fpollot>oru$. 


157 


..v^ter  i)6xt  bie  £errfd)erfolge  ber  acht  unb  bretgig 
,.fogenannten  tfytbaiföm  Könige  2fetqpptenö  auf,  bereu 
.^amen  GrratoftheneS  oon  beu  priefkrlichen  <5d)riftge= 
..lehrten  in  Sieben  überfam,  unb  au3  bem  2Tegt)pttfd)eu 
..in'3  ®rted)tfd)e  übertrug.    Sie  begann  im  2900fren 
rr2Be(tjahre,  124  Sahre  nach  ber  ©prad)oerwirrung,  unb 
.;f)orte  auf  in  biefem,  bem  3975ffen  Sahre  ber  SBelt. 
r.£)erfelbe  2£polIoboruS  l)at  brei  unb  fünfzig,  bie* 
;rfen  unmittelbar  folg  e  nbe  jtonig  e  überliefert: 
,.wir  erachten  e£  aber  für  überflüffig,  bte  tarnen  ber* 
-felben  hier  ausschreiben,  ba  fte  uns  oon  gar  feinem 
;.9^u^en  ftnb:  ftnb  es  boct)  nid)t  einmal  bie  tarnen, 
..bte  ihnen  t>ort)erget)en! " 
2Bir  haben  alfo  eine  oon  2(polloboru$>,  bem  Chronographen, 
herausgegebene,  mit  9ftene3  begtnnenbe  dgt)ptifd)e  ÄonigSlifte 
be$  (£ratojthene3,  38  Regierungen  in  1076  Sauren  zntyah 
tenb:  ber  Herausgeber  felbfr  fügte  eine  anbere  2tfte  oon  53 
Königen  l)in^u,  bie  ftd)  unmittelbar  an  jene  anfd)lojfen.  SSon 
jenen  beftfcen  wir  bie  tarnen  ber  einzelnen  Könige:  oon  bte^ 
fen  aber  nicht  einmal  bie  Angabe  ber  £)auer  beS  SeitraumS, 
welchen  ihre  Regierung  auffüllte. 

2Btr  mai^en  ^uerf!  barauf  aufmerffam,  bag  ber  @pn^ 
celluS  burd)  nichts  als  bie  tarnen  ber  grogen  2(leranbriner 
unb  ben  SBunfd),  feine  ©elehrfamfeit  ju  jeigen,  ftd)  bewogen 
füllen  fonnte,  unS  tiefen  <3d)a£  anzeigen.  £)enn  nichts 
war  ihm  unbequemer  unb  jlorenber  als  biefe  Giften,  <5e£te 
er  ben  2£nfangspunft  ber  eratojlhenifd)en  Reihe  auch  nod) 
fo  frür>  —  unb  mehr  fonnte  er  bocf)  nicht  thun ,  als  Sftenee 
gleich  Wvöxaim,  alfo  124  Sahre  nach  ber  Sprachverwirrung 
ju  fe^en  — ;  fo  gerieth  er  bocf)  mit  bem  <£nbe  jener  Reihe 
fchon  in  bie  Seit  ber  Richter.    2öas  follten  ihm  nun  noch 


158 


grffeö  35uaV  Zweiter  2lbfd)nitt. 


erft  53  anbete  Könige,  bie  üor  ber  18tcn  £)pnaftie  regier 
ten?  £)enn  in  ben  Anfang  biefer  Stynaftie  fegte  er,  mit  So; 
fepl)U6  unb  allen  chriftlichen  Chronographen,  5D?ofeS  unb  ben 
2Cu§jug,  £)ie  tarnen  ber  Könige  biefer  Stynajtie  waren 
eben  begwegcn  übert>oIIpdnbtg  auS  9ftanetbo'S  ©efd)ichtSwerfe 
ausgesogen:  aber  jene  apolloborifchen  tarnen  waren  ihm 
würflich  mehr  als  ganj  unnü£:  benn  fte  waren  noch  nicht 
einmal  bie  tarnen  ber  erflen  Könige  beS  neuen  9?eid)eS,  in 
welches  bie  eratoftyenifche  fRtityt  fd)on  fo  gan$  orbnungSwibrig 
unb  unfanonifd)  hineinlief.  2ßie  entfcheibenb  ein  fold)er 
©runb  für  bie  cr)rtfHicf)en  Chronographen  jener  3eit  fein 
mußte,  werben  wir  anfdjaultrf)  machen,  wenn  wir  bie  Jor^ 
fd)ung  jener  3ett  söu  bel)anbeln  haben.  3e£t  aber  wenben 
wir  unS  üon  bem  33ericf)terjlatter  ftit  ben  Urhebern  biefer 
merfwürbigen  £tften  felbft. 

2.  (5rato (thcneS  unb  bie  S5ebeutung  feinet 
gorfd)  en  S. 

(SratoftheneS,  ber  größte  gried)tfche  ©elehrte  nach 
2(rijloteleS,  ja  tiefem  an  Umfang  ber  ^enntniffe  eben  fo  fein- 
überlegen,  als  an  Äraft  beS  ©ebanfenS  nachfkhenb,  war  ein 
geborener  2lfrifaner,  auS  ber  grtedjifchen  ^Pflan^abt  Sirene, 
©trabo  nennt  ihn  mit  .MimachuS  ben  ©tolj  jener  <5tabt: 
.;£)enn"  (fagt  er  bei  (Erwähnung  biefeS  UmflanbeS)  „wenn 
„irgenb  einer,  fo  war  GnratojtheneS  nirf)t  allein,  wie  Äalltma* 
..d)uS,  in  $oefte  unb  ©rammatiü  bewanbert,  fonbern  auch 
„in  $hilofophie  unb  aller  ©elehrfamfeit  ausgezeichnet",  dx 
begrünbete  jwei  SBiffenfchaften,  bie  er  beibe  in  ber  «ftinbhett 
fanb,  bie  affronomifd)  =  geograpl)ifche  Grrbfunbe  unb  bie  ßbro; 
nologie.  (Seine  ^Berechnung  ber  ©röße  ber  (£rbe  warb  bei 
ber  Grntbecfung  ber  neuen  SÖBiffenfchaft  als  bie  richtigfle  ge* 


III.  2.  (EratoftycneS  unt)  bte  33ebeutung  fetneö  SorfaVnS*  159 


funben,  bie  man  je  gemalt  (Seine  gwfchung  über  bie  ©fetd^- 
jettigfetten  ber  Dfymptaben,  unb  bte  S3ejtimmung  ber  leiten; 
ben  fünfte  ber  gefammten  gried)ifchen  ©efchtdjte,  aufwärts 
ber  ^erafttben^ett  unb  abn?drt6  2lleranber  bem  ©ro; 
gen,  würbe  unb  blieb  bie  ©runblage  aller  chronologtfchen 
Unterfuchungen  ber  alten  SBelt  Sn  ber  ©eographie  war  er 
©trabo'S  unb  $tolemdus>  gufjrer  unb  ©ewdhrSmann :  in 
ber  Zeitrechnung  2£pollobor3  unb  ber  fpdteren  gorfcher.  £)te 
gerichtliche  Äritif  ber  grtechifchen  Urjeit  begrünbete  er.  (5r 
enblid)  wagte  e£,  bie  gefd)icr)rliche  SBahrheit  ber  fyomertfdjen 
Zahlungen  bezweifeln.  „3$  will  baran  glauben"  (fagre 
er),  „wenn  man  mir  ben  ©erber  nachwetjr,  welcher  bem  2feo= 
lu$  bie  Söinbfchlduche  gemacht,  mit  benen  £)bt)jTeuS  fegelte" 
©cf)on  bie  2iu3bef)nung  unb  £iefe  feiner  geograpf)tfcr)en 
gorfchungen,  wie  wir  fte  burd)  (Strabo  fennen,  bewetfr,  baß 
er  in  ber  ©efd)id)te  feine  Jorfchung  nicht  auf  bie  ©riechen- 
weit  befct)rdnft  l)atte.  SnSbefonbere  aber  erfcheint  er  fct)cm 
hiernach  als  ber  erjre  unb  grögte  Ärittfer  be$  dgppttfchen 
2lltertf)um6,  ©ehr  be^eichnenb  hierfür  ifl  fein  2lu3fprucf)  über 
SBuftriS,  ben  menfcfyenopfernben  Sprannen,  welken  ©trabo 
anführt,  (£r  machte  ndmltd)  nach  biefem  bas  9ftdrd)en  Id= 
cherlid),  womit  bie  ©rieben  ftd)  trugen,  inbem  er  e£  mit  ben 
SBorten  nieberfd)lug:  ..33eim  3eu3,  e3  l)at  niemals  einen  fol; 
„ct)en  £prannen  33uftri3  gegeben:  ja  nicht  einmal  einen 
..nig  be3  9?amen£"  r0°).  Sn  ^wet  anbern,  für  bie  Rutit  ber 
dgpprifchen  ©efdjichte  noch  wichtigeren,  obwohl  nicht  genug 
beachteten ,  ©teilen  beleuchtet  er  ben  gefährlichen  3ufam; 
menhang  ber  füblich  bis  nach  Snbten  wohnenben  S36lferfd>af= 
ten  mit  ben  2legt)ptem.    „Die  tner  v£)auptftdmme  be3  füfc 

10°)  Strabo  XVII.  c.  I.  (p.  802.). 


160 


<£rfle$  Q3ua%  Sroeiter  Sfbfcftnitt. 


Heften  Arabiens"  (bemerke  er,  nach  (gtrabo  I01))  „haben 
nieftt  allein  eine  rooftlgeorbnete  monareftifefte  ©taatSoerfaffung, 
fonbern  aueft  ftattlicfte  Tempel  unb  .ftonigspaldfre :  bie  33al= 
fenfügung  an  ihren  Rufern  gleicht  ber  dgpptifcften".  23et 
S3efcftreibung  ber  <5pifce  oon  (Sübarabten  bei  SBabelmanbeb 
fagt  er:  „ftier  folXen  be3  ©efoftriS  (5dulen  freien,  mit  ^ieros 
glupften".  Unb  nun  giebt  er  eine  Ärtttf  feiner  füblicften  3üge, 
bie  wir  ber  £>ar(Mung  jenes*  SeitraumS  vorbehalten102). 

2ttle3,  roaS  alfo  von  biefem  Spanne,  einem  fo  feltenen 
©eijre  unb  fo  großem  ©elehrten,  über  2Tegt)pten  fommt,  muß 
unS  von  vom  herein  mit  bem  größten  2£nfet)n  entgegentreten» 
2Cußerbem  hat  man  %u  bebenfen,  baß  ihm,  namentlich  über 
2Cegppten3  ©efeftieftte,  alle  nur  erfmnlicften  $ulfe?mtttel  $u  ©e^ 
böte  jianben.  Sn  ber  126fien  £)lvmpiabe,  gegen  276  vor 
ßftri|ru£>,  alfo  gleichzeitig  mit  ben  Anfangen  von  $>l)ilabek 
phue>  geboren,  gelangte  er,  roahrfeft einlieft  unter  (^uergeteS,  gu 
ber  ehrenvollen  ©teile  beS  SSorfrefterS  ber  aleranbrinifeften 
S3ibliotftef,  roelcfte  er  bi3  an  fein  fpdteS  £eben3enbe  (im  aeftt^ 
jigfren  ober  jweiunbacfttjigftcn  Sahre,  146|len  £)lpmpiabe) 
befleibete. 

£ie  Arbeit  felbjr,  roelcfte  un£  ftier  befcftdftigt,  roar  auf 
fontglicften  S5efeftl  unternommen:  alfo  mit  allen  SBortftetlen, 
roelcfte  foniglicfteS  TTnfeftn  bem  gorfefter  bei  ber  dgpptifcften 
9)rie(Ierfcftaft  gerodftren  mußte,  ©ie  beftanbclte  „bie  foges 
nannten  thebaifeft en  Könige"  £>tefer  2Cu6brucf  bejeiefc 
net  bucftfrdblicft  folefte,  bie  auS  Sfteben  (lammten.  &a$  tftut 
nun  fefton  ber  erfle  berfelben  nieftt,  StteneS,  roelcfter  ©tamm^ 
fürfi  von  Sftiö  roar,  roeßhalb  er  unb  feine  üftacftfommen 
Sftiniten  genannt,  unb  fo  von  Sftanetfto  aufgeführt  werben. 

10 J)  Strabo  XVI,  c.  IV.  (p.  767.). 
I02)  (Sbbf.  (p.  769.) 


in.  3.  2(polloDoru$  ber  Gtyronograpf). 


161 


(53  fjetßt  aber  in  imferer  (Stelle:  „bie  fo genannten  tf)e^ 
baifcfyen  Röntge",  unb  wir  muffen  un3  alfo  ben  (Sinn  burcf) 
ben  Snfyaft  jener  Sifte  er)!  felbjr  befiimmen  fud)en.  (5f)e 
wir  jebod)  biefen  ndfyer  in'3  2luge  faffen,  fragen  wir  nad) 
bem  Herausgeber,  2£p ollob oru 3  bem  @f)ronifer,  ober 
Chronographen,  wie  tf)n  ber  SpncelluS  nennt 

3.  #polloboru§  ber  gfct onogr apfy. 

£5ag  biefer  fein  anberer  fei,  als,  wie  wir  angenommen, 
ber  berühmte  2£polloborüS,  ber  2(tf)ener,  welker  befanntlid) 
dratojrfjeneS  d)ronotogifd)e  ^orfdjungenfortfe^te,  unb  tton  weis 
d)em  wir  —  im  Urtert  ober  2(u6juge?  —  bie  unter  bem 
tarnen  ber  ?9£3tbliotJ)ef "  befannte  £)arjMung  ber  alten 
SDtytfyen  beft^en,  tjr  nid)t  fcfjwer  $u  beweifen.  Grrjtlid)  fül>rt 
ber  (SpncelluS  ben  Chronographen  mehrmals,  ofyne  weiteren 
3ufafc,  al§  d)ronologifd)en  ©ewdfyrSmann  an:  fo  für  bie 
dltejfe  ©efd)itf)te  ber  Gfjalbder T03)  unb  für  bie  1000  3af>re 
ber  alten  ficponifdjen  Könige104):  unb  eS  iff  deinem  einge^ 
fallen,  be^alb  ju  zweifeln,  bafi  er  ben  berühmten  ßfyronos 
grapsen  meine.  (5ben  fo  nennt  er  if)n  für  bie  alte  Gf)ronos 
logie  ©partaV05)  unb  für  bie  pontifcf)en  Könige l06).  £)er 
2£tl)ener  aud)  allein  f>at  ein  9?ecfet  auf  ben  Sitel  „ber  G^ro* 
nifer":  benn  fein  $auptwerf  war  eben  bie  ßfyronif  in  fcier 
SBücfyern  r07),  $l)ilabelpf)u3,  bem  2fttaliben  in  *Pergamu§, 

I03)  Chronogr.  p.  39.  B.  («gl,  34.  D.  36.  D.  38.  A.  40.  A.). 
I0*)  Chronogr.  p.  97. 

105)  Chronogr.  p.  185.  D.  (^abrictuS  f)at  faer  ben  Srrt^um,  als 
werbe  baö  8te  S5ud)  angeführt:  es  f)et&t  nur,  tfpoüoborug  fefce 
gqfurgg  ©efe&gebung  in'ö  8te  Safjr  bc§  tflfameneö. 

106)  Chronogr.  p.  275.  C. 

10 7)  tu  ZQOviKcc  Ober  XQOviKr)  6vvTa£ig.  93gU  A.  Gellius  N.  A. 
XVII,  4. 

L  11 


162 


<£rfle$  35ud).  Zweiter  2Ibfd)mtt. 


gewibmet,  unb  t>om  trojanifchen  Kriege  bis  auf  feine  3ei*  ge* 
henb,  1040  Sahre  hinburch.  2tt3  ben  dlteften  Chronologen  von 
v^anbwerf  nennt  ihn  ber  aleranbrinifche  (Siemens  „2£polIobor 
ben  Chronographen"  I08)  unb  £Mobor  bezeichnet  it>n  10 9) 
„^CpolloboruS,  ber  bie  3^^rbnung  bebanbelt" 

Ueber  fein  Verhältnis  &u  (£rato|rhene3  wiffcn  wir  ftoU 
genbeS.  3uerft  ift  flar,  unb  ©trabo  fagt  es  auch  auSbrücfs 
lid)110),  bag  er  ganj  unb  gar  auf  bem  t>on  ChratojtheneS 
angebahnten  SBege  fortging.  #epne  hat  beiber  Verhältnis 
in  bem  chronologifchen  ©pjtem  ber  gried)ifchen  Urzeit  in  fet- 
ner trefflichen  Ausgabe  ber  S3tbüotf)ef  bargelegt:  bie  Ver^ 
fchiebenhett  tjl  gering,  boct)  fo,  bag  fte  eigene  gorftfmng  bes 
urfttnbet.  SD?tt  einem  SBorte:  (SratofifyeneS  grünbete  bie  Gh^2 
nologie,  wie  bie  ©eographie,  ohne  @hronolog  ober  ©eograph 
r>on  gach  gu  fein:  2(polIoboru3  voar  ein  @hronolog  unb  ein 
©rammatifer  üon  gad).  ©ewig  l)ätk  er  jene  Sßiffenfchaft 
nie  begrünbet,  aber  er  bilbete  bie  ©runbibeen  feineS  Vorgang 
gen>  weiter  fort,  unb  brachte  fte  unter  bie  £eute  burrf)  leicht 
faßliche  £)arfMung.  (Sein  Lehrer  in  ber  grammatifchen  jtunff 
war  2(rtftarcho3,  ber  groge  aleranbrinifche  ^ritifer IIr),  unb, 
Durch  Vermittlung  fetneS  £ebrerS,  beS  #rifropbanes>  von  23^ 
^anj,  ©chülerö  tton  G;ratof!bene3,  gehörte  er  ber  (Schule  biefeS 
Stifters  an112),  ©o  erfldrt  e£  ftd)  alfo  leicht,  baß  er  unS 
alö  Herausgeber  unb  gortfe^er  jener  unfehlbaren  Arbeit  beS 
CnratoftheneS  genannt  wirb.  2Bahrfcheinlich  war  biefe,  al§ 
unoollenbet,  ober  nur  für  ben  «ftonig  beffimmt,  bis  bahin 
nicht  veröffentlicht  worben.  2fyou*oboru3  nahm  bie  ^orfchung 

108)  Clemens  Strom.  I.  p.  381. 

109)  Diod.  Sic.  XIII,  13. 

110)  Strabo  VII.  p.  298  f.  Bernhardy  Eratosth.  p.  2. 
Suidas  v.  'AnoXXöSoaqog. 

1I2)  Suidas  v.  'Egarofi&svrjc;. 


DI.  4.  @rato(tt)eneö  £ifle,  »crgl.  mit  ben  martert).  £>pru  163 

auf,  unb  wir  formten  feinen  anfefm liieren  tarnen  für  bie 
Ueberlieferung  unb  Fortführung  berfelben  wünfehen,  aU  eben 
tiefen  Chronographen. 

4.   Grratojihen e§  2ijte  üon  38  dgt)pttfd)en  £6s 
ntgen,  verglichen  mit  ben  manethontf cr)e n 
£)  t>  n  a  jt  i  e  e  n. 

üftacr)  tiefen,  burd)  bie  2öicf)tigfeit  be3  ©egenftanbeS  unb 
bie  bisherige  SSernachldfftgung  biefer  Urfunbe  gerechtfertigten 
SSorerinnerungen  legen  roir  bie  9lamen$>lijie  ber  act)tunbbreu 
gig  eratofrbentfehen  Könige  t>or,  unb  fefcen  Diejenigen  Könige 
au3  Sfftanetho  baneben,  welche  benfelben  ganj,  ober  wenige 
frenS  fo  weit  entfprechen,  bag  ein  bem  <5pfrem  dgr;pttfcr)er 
jtonigSnamen  nicht  Durchaus*  Jrember  leicht  bie  Uebereinfttm; 
mung  erfennt  ober  mmoejienS  glaublich  fmbet.  2Bir  halten 
un6  bei  biefer  Snfammenftellung  ganj  an  ben  £ert,  wie  er 
je^t  vorliegt  £)ie  frittfcr)e  (Sichtung  ber  dgpptifct)en  tarnen 
unb  ber  griechtfehen  Ueberfefcung,  an  ber  v^anb  ber  £)enfs 
mdler,  wirb  betätigen,  waS  hier  als  augenfällig  angenom^ 
men  ijt,  unb  wirb  gu  mancher  weiteren  Uebereinjrimmung 
führen. 

3Bir  bemerfen  bei  jebem  manethonifchen  Könige,  welcher 
Stynajtte  er  ^gehört:  über  bie  beigefefcten  fortlaufenben  3<*h* 
len  werben  wir  un3  balb  naher  erfldrem 


11  * 


164 


($ratoftf)eneg  t^cbatfd^c  Äomge, 
3af)l.    |ÜKame  u.  Regierung. 

SEKanetfyo'ö  .Könige,  nad)  ©^naftteein 
2)r)naft-te.  |  STCame  u.  Regierung. 

$olae*abl. 

O     oo    / *• 

I. 

Menes,  Sl)tn»  oi  3. 

1,  1. 

Menes,  Zt)init  .  . 

62  X 

1 

X 

II. 

Athothes,©oJ)n59  = 

o 

Athöthis,  <2of)n  . 

57  ; 

2 

III. 

Athothes  II.  .  3i  * 

IV. 

iVliauies   .  .  .  ly  ; 

-  O. 

Miebidos(Mial)aes)26* 

fi 
o 

V. 

Pemplios  ...  18  ; 

VI. 

Momcheiri,9flem- 

VII. 

Stoichos  ares  6) 

HI,  o. 

29) 

11 

VIII. 

Gosormies  .  .  30) 

o 

-  -. 

Sesorthos  .... 

7,* 

Im 

IX. 

Mares  .  .  .  .  so  * 

X. 

Anoypnis  ..Ms 

-  .). 

16 

J.O 

XI. 

Sirios    .  .  .  .  lo  * 

XII. 

Chnubos-Gneu- 

  q» 

XIII. 

Rayösis  ...  13  « 

IV,  5. 

25  , 

XIV. 

Biyres  .  .  .  .  IU  ; 

o. 

22  ; 

16 

XV. 

feaopnis   .  .  .  &\f  s 

i 

1. 

29  c 

lä 
xo 

XVI. 

Saophis  II.   .  27  ; 

-  3. 

66  * 

•>«l 

XVII. 

\f             1  A  ^  Ol 

Moscheres  .  .  61  : 

4. 

Mencheres    .  .  . 

63  . 

Hl 

XVIII. 

Moscheres  II.  33  * 

XIX. 

Famines  .  ,  .  35  s 

-  8. 

Thamphthis    .  . 

9  , 

-0 

XX. 

Apappus  .  .  100  * 

VI,  2. 

Phios  100  K 

2U 

—  .7 

(»gl.  VI,  4.  Phiops) 

XXI. 

23erftümm.9?amel  * 

-  5. 

Menthesüphis  .  . 

1  * 

XXII. 

]Nlt0Kri8    ...     O  « 

-  6. 

12  9 

ÖL 

XXIII. 

Myrtaios  ...  22  s 

VIlte£t)n. 

x  Äontge  ♦  ♦  ♦  70  Sage. 

Q9 
ü- 

XXIV. 

Uosiniares  .  .  12  * 

VIII,  1. 

Stame  unb  Siegte*  \ 

Od 

rungS&af)l  fefc 

leru  Anfang  bcr 

VIHten  £)t)naH 

ftie  \3on  7  Äon.J 

XXV. 

Sethinilos  .  .    8  * 

-  2. 

9lame  u.  Sfagieivf 

34 

0af)l  fehlen.  > 

142 

III.  4.  (EratoftyeneS  ftjfe,  t)erglid)ett  mit  ben  manctf)o.i.  ©nnaflieetn  165 


Gjratoftyeneg  tljebaifcfye  Äonige* 

9Qlanett)o 

6  Äonige,  nadj  StynafHeen. 

$otge&af)l. 

Ml. 

9tame  u.  Sfegierung. 

£)Dnaftte. 

ÜKame  unb  ^Regierung. 

XXVI. 

Semphucrates  18  3» 

VIII,  3. 

SKame  u.  Stegier.*/ 

(146) 

ÖtJ 

Bal)l  fehlen.  1 

3. 

XXVII. 

Chuther  ...    7  t 

-  4. 

5          5          *  1 

ÖU 

XXVIII. 

Ylipirps  .            12  i 

Iii  1  LH  V. o  ....    M.am  * 

-  5. 

9  0t 

öl 

XXIX. 

Toniaephtha   11  * 

-  6. 

S         S  t 

uo 

XXX. 

S niL  ii ii ins            60  a 

-  7. 

@nbe  bec  Vllltcn 

9Q 

rXXIII  XXX 

•Stynatfie.  ^ 

Bul*  l-°  "S*J 

XXXI. 

Peteathyres  .  16  * 

Xlte  ^nn 

Äontge   .  .  .  . 

43  * 

/in    /Ii    /I  *J 

4U.  41.  4.5 

XXXII. 

(St)amniene— 

nies    ....  26  s 

xii,  i. 

Ammenemes .  .  . 

16  * 

XXXIII. 

(St)  ftmin  en  e— 

mes  II.   .  .  23  ; 

-  3. 

Ammenemes .  .  . 

38  > 

XXXIV. 

OlöLllOlO   •     •     •     •     V<V  " 

-  4. 

48  s 

46 

Lamarcs  (Lam- 

XXXV. 

Maies  ....  43  * 

-  5. 

8  i 

2fnfangberXIIIten£^ 

XXXVI. 

Siphthas  ...    5  ? 

XIII,  1. 

1    naftic,  bic  aus  60  tt?e= 

(52) 

xxxvii. 

Phuorö    ...  19 

*  2 

batfcfyen  .Königen  he- 

(53) 

XXXVIII. 

Aniuthartaios  63  * 

"  3- 

fkt)t:  tarnen  unb9?e-- 

(54) 

gierungg^ol)!.  fehlen. 

3ufammcn  38  Äöm  in  1076  3. 

3ufammen  50  Könige  in  x  %at)Ttn,  enthalten  in 

folgenben  £)t)naf.teen : 

Ifte  £>t)n.  Sfnntten     ((Srat.  5  £.) 

Hillen:  7  Ä. 

Illtc 

5Diempf)iten  (  * 

9  f  ) 

;  9 

IVtc  - 

(  " 

50 

*    8  - 

VIte  5 

(  ' 

3  *  ) 

*    6  * 

Vllte  * 

(  ■ 

1  ■  ) 

s      X  * 

Vinte  * 

*        (  ' 

?  "  ) 

*    7  , 

Xlte  *, 

Stjebder    (  * 

1  -  ) 

t     x  * 

XHte  * 

/'  (  * 

4  '  ) 

,    8  s 

XIHtc  * 

(Anfang)   (  * 

3  i  ) 

t    3  * 

(    *  38  O 

48-j-x-f-x 

- 


166 


<£rtfe$  35ud),  ^weiter  2lbfd)mtt. 


5.  Allgemeine  Anbeutung  t> e 6  23er  hdltntf  f  eS 
fcon  ©ratoffb eneS  9ttanetho. 
(Schon  wenn  man  baS  SSerhdltnig  ber  einlernen  tarnen 
in  betben  ßtflen  tn'S  Auge  fagt,  wirb  man  ftd)  ber  Ueberjeu^ 
gung  ntd)t  erwehren  fonnen,  bag  beibe  auf  bem  ©runbe  unb 
SBoben  berfelben  Ueberlieferung  freien.  3Me  $ßerfd)iebenJ>ett 
in  mehreren  Regierungsjahren  fann  auf  mancherlei  SBeife  ftdj 
befriebigenb  erklären  (äffen :  bie  Ueberetnfrtmmuncj  aber,  wenn 
fte  unter  38  Königen  mehrmals  ttorfommt,  fann,  nad)  allen 
@efe£en  ber  ^af)rfd)etnltcf)fett,  nict)t  anberS  erfldrt  werben, 
al§  burd)  bie  Annahme  twn  ber  Einheit  ber  ftd)  gegenüber^ 
ffebenben  Röntge  ber  beiben  £iffen.  SSollenbet  wirb  aber  bte- 
fer  Cnnbrud  burd)  jwet  wichtige  £f)atfad)en.  £>ie  entfpres 
djenben  tarnen  folgen  ftd)  —  mit  einer  t leinen  23erfe£ung 
äwtfdjen  ber  Dritten  unb  vierten  ^pnaffte  —  gang  in  berfel; 
ben  SBeife:  baS  ^eigt,  bie  manethonifd)e  £iffe  hat  offenbar 
burd)gdngig  mehr  Regierungen  als  bie  eratofIt)enifcr)e.  £)ag 
fte  bieg  fyat,  fann  unS  nid)t  befremben.  £)enn  wir  waren 
fd)on  barauf  vorbereitet,  bei  9ftanetho  im  alten  Reiche  biefelbe 
dgrwtifd)e  9ftethobe  ftu  ftnben,  welche  bie  Urfunbe  beS  13ten 
3af)rhunbertS  unS  &u  verraten  festen :  nämlich  alle  Könige, 
welche  in  Einern  (Stamme,  wenn  aud)  nur  als  5D?ttJ>errfd&er, 
regiert  fyatten,  aufzuführen,  als  wenn  fte  (5ine  Reibe  bilberen, 
SQ3tr  burfen  bem  dratoffbeneS  wol)l  zutrauen,  bag  er  feine 
anbere  SD?  erhöbe  in  biefem  Steile  feiner  gorfebungen  gelten 
lieg,  als  in  allen  anbern,  baS  fyeigt,  bie  ffreng  djronologifcbe : 
unb  als  fold)e  wirb  unS  aud)  bte  2iffe  gegeben :  ihre  1076 
3al)re  werben  burd)  38  Könige  gebilbet,  beren  einer  ftd)  an 
ben  anbern  als  Nachfolger  anf daliegt,  wie  in  einem  chrono* 
logifd)en  .ftanon.  9ftanetbo'S  fiiffen  müffen  alfo,  ber  Regel 
nad),  mehr  Regierungen  gehabt  höben,  als  @ratoffbeneS. 


III.  5.  23erf)ältnt{j  »on  gvatoföencö  w  9Watietf>o,  167 


$lux  in  ber  britten  unb  achten  £)t)na|rie  entfpred)en  ben  9 
unb  7  Königen  SD^anet^o'S  gerabe  eben  fo  oiele  eratofthenifche 
Könige.  £)od)  ift  bie  Ueberfchüffigfeit  in  ben  anbern 
nafrieen  aud)  nid)t  fo  grog,  bag  bie  Grrfldrung  oon  Witxc- 
gierungen,  ober  mifjoerfranbenen  oerfchiebenen  (Schreibungen 
unb  Angaben,  bie  ju  SBieberholung  geführt,  ftct>  nicht  auB  bie 
natürlicbfre  oon  felbfr  barbote.  33ei  ber  ftebenten  unb  eüften 
£)t)nafrte  freien  allerbingS  je£t  I)6d)(!  abentheuerliche  S^^en 
Don  Königen:  benn  ber  je^ige  Sert  giebt  ber  ftebenten  £)t); 
najrie —  bie  70  Sage  gebauert  —  70  Könige,  was>  ftch  bod) 
twn  felbjr  als  SBieberholung  jener  3<*hf  ber  Sage  barbietet 
Unb  roenn  aud)  bie  eufebtfchen  t)ter  ^wifchen  75  Sagen  unb 
75  Sahren  fchwanfen  unb  babei  5  Könige  geben:  fo  fleht 
bod)  offenbar  bie  Saty  fteben^ig  für  bie  3)auer  feff.  S^e^ 
nten  roir  nun  aud)  70  ober  75  Safyre  als  bie  richtige  ßeeart 
an  —  wa3  faum  wirb  gefchehen  fonnen  — ,  unb  galten 
un£  an  bie  5  Äonige;  fo  roirb  jene  3<*h*,  als  Summe  ber 
fünf  Regierungen ,  in  gar  feinem  Sßiberfpruche  freien  mit 
ben  22  Sahren  ber  fortlaufenben  3^ttret^>e,  innerhalb  welchen, 
nach  unferer  Sufammenjreuung,  jene  5  Äonige  regiert  haben 
müffen.  (Sben  fo  i|r  e$  bei  ber  eilften  £)t)nafrie.  tiefer 
fleht  im  @rarojlhene$>  (Sin  Äonig  mit  16  Sauren  gegenüber: 
nach  ben  2ijfen  war  bie  Summe  ber  Ilten  £)t)najlie  43  Safyre, 
£)ieg  fann  bei  $wei  Ü^ttfterrfd^ern  neben  bem  (5inen  eratos 
fthenifchen  Könige  gar  leicht  wahr  geroefen  fein.  3a  nefc 
men  wir  auch  hier,  wo  wir  bie  Sßahrfcheinlichfeiten  nur  oor= 
läufig,  unb  gleichfam  braußen  jfehenb,  gegen  einanber  abxvä; 
gen  fonnen,  eine  *8erfd)iebenheit  ber  gefchichtlichen  Ueberliefe^ 
rung  in  biefem  fünfte  jwifchen  beiben  gorfd)ern  an;  fo  er^ 
giebt  ftd)  ein  Unterfchieb  oon  27  Sahren,  ber  feineswegs  ber 
Annahme  wtberfprtcht,  bag  beibe  Giften,  wie  auf  felbfldnbU 


168 


(ürrjtes  95ud).  3»citcr  Slbfcfemtt. 


ger  gorfcfeung,  fo  auf  gleicfeer  iteberlieferung  rufeen,  itnb 
^war  einer  Ueberlteferung  rein  gefcfeicfetlicfeer  Statur, 

©anj  gering  ijr  aud)  ber  Unterfcfeteb  in  ber  einigen 
größeren  Stynajiie,  wo  ttnfere  manetfeontfefeen  ßiflen  feine 
tarnen  tmb  Safelen  geben:  in  ber  ftebenten.  £)ie  fteben  eras 
tofffeenifefeen  Könige  feaben  128  Safere,  Die  manetfeonifefeen 
142  ober  146.  Sn  ber  britten  £H)na|tie  ijt  ber  Unterfcfeteb 
noefe  geringer:  Stfanetfeo  giebt  iferen  neun  Königen  214  Safere; 
bie  entfpreefeenben  neun  Regierungen  bei  ßratoflfeeneS  bauern 
224  Safere. 

@§  jtefe*  un6  olfo  feft,  bag  bie  RegelmdgigFeit  in  ber 
$olge  ber  beiben  fr'jten  unb  in  bem  gegenfeittgen  SSerfedlk 
niffe  iferer  3afelen  unb  tarnen  ^ur  2lnnafeme  ber  Gnnfeeit  il>- 
rer  ©runblage  zwingt,  ndmlicfe  einer  beiben  gu  ©runbe  lies 
genben  gefcfeicfetlicfeen  Ueberlteferung.  2£ber  t>tel  weiter  nod) 
füfert  unö  ber  anbere  Umjtanb.  £>ie  aefet  manetfeonifefeen 
£)pnaftieen ,  welcfee  oon  ber  eratofffeenifefeen  9fetfee  berührt 
werben,  erffreden  fid)  t>on  ber  erjten  bis  zwölften:  ee>  bleiben 
bann  nocfe  brei  eratoftfeenifefee  Hainen  übrig,  bie  wir  ber 
ndcfefffolgenben  manetfeonifefeen,  alfo  ber  brennten  ^uweifen 
muffen,  naefe  bem  ©runbfafce  jener  3ufammenftellung:  ob= 
wo()l,  beim  Langel  aller  tarnen,  ber  £3ewei3  bafür  fid)  nur 
üerneinenb  führen  lagt.  2(ber  welche  ^»pnajrieen  ftnb  nun 
biefe  entfpreefeenben?  £)te  erfre  ifr  bie  tfetnttifcfee:  unb 
einen  Sfeiniten  nennt  auefe  @ratojtfeene3  ben  9ttene3,  ifer 
^aupt  £)er  fecfejle  eratofrfeentfefee  Äonig  feeigt  ifem  „^ttem^ 
pfeif,  unb  ifem  unb  ben  folgenben  aefet  Königen  jrefeen  bei 
9ftanetfeo  bie  9  erften  9ftempfeiten,  als  britte  £)pna|tie,  gegem 
über.  2(tle  folgenben,  beren  tarnen  an  bie  eratoftfeenifefeen 
tarnen  unb  Safelcn  anfingen,  ftnb  ebenfalls  mempfeitifefee, 
bis  jur  aefeten:  unb  bie  eilfte,  zwölfte  unb  brei^efente  ftnb 


Iii.  5.  ©erWItnifl      @rato(lf)eneö  m  SWanetbo.  169 

t^eb atf d) e.  £f)e&atfd)e  Könige  aber  feigen  btc  Könige  ber 
eratoflf)eniftf)en  ßijk  mit  tyrem  allgemeinen  tarnen.  Sn 
allen  ntd&t  memphttifcf);tf)ebaifcr)en  2)t)naftieen, 
beren  tarnen  erhalten  f t n b,  finbet  ftd)  nicfyt  ein 
einziger  eratofrf)entfcr;er  ^ame:  unb  wo  bie  9la? 
men  fehlen,  jetgt  fiel),  bag  feiner  berfelben  in 
tf)nen  enthalten  fein  fonnte. 

X)k  ntd^t  mempl)tttf(^4l)ebatfd)en  £)vnafrieen  ftnb  ndm^ 
lief)  folgende : 

bie  aroette  —  t^intttfdbc  —  9  Könige,  mit  tarnen: 
bie  fünfte  — etcpf)antintfct)e ■ —  9  Könige,  mit  tarnen: 
bie  neunte  )     f  (  19  Könige,  otjne  tarnen: 

bie  geinte  j  '™(  19  Röntge,  ofme  tarnen, 

£)ie  tarnen  ber  ad^t^eljn  Könige  ber  ^weiten  unb  fünften 
£)r;najiie  geben  aud)  nid)t  bie  geringste,  entferntere  2lef)nlicf)i 
feit  mit  ben  entfprecfyenben  eratopt)enifcfeen :  bie  Regierung^ 
jaf)re  eben  fo  wenig.  2ÖaS  aber  bie  Könige  ber  neunten 
unb  jetynten  ^pnaflie  betrifft,  welche  bie  ftebente  unb  ad)te 
mempr;ttifd)e  £)miajtie  oon  ber  etlften  tf)ebaifcr)en  trennen; 
fo  ift  ba6  33erf)dltnig  ber  Regierungen  in  beiben  ßiffen  bie* 
fe$,  3wifd^en  ber  fect>ften  unb  zwölften  ^>pna(Iie  Sftanetfjo'S 
haben  roir  nur  neun  cratoflt)enifc^c  Regierungen  (XXIII  — 
XXXI.),  unb  für  biefe  geben  un£  bie  ftebente,  ad)te  unb 
eilfte,  roie  roir  bereits  angebeutet,  eine  ganj  natürliche  (Srflds 
rung.  SÖBie  follte  alfo  in  bem  hierher  gehörigen  engen  Räume 
ber  crato(tt)entfd)en  £tjren,  bie  überhaupt  nur  38  Regierungen 
enthalten,  $lafc  für  38  &erafIeopolittfd&e  dürften  fein?  £ag 
oon  XXXI.  an  Könige  ber  zwölften  £)pnafrie  folgen,  rool= 
len  roir  hier  oorroegnehmen ,  $ur  SSollenbung  be$  33eroeife3, 
2lber  fcfyon  jene  obenauf  liegenben  Zfyatfafycn  machen  e§, 
um  wenig  $u  fagen,  fyöd)fr  roahrfcheinlicf) ,  bag  bie  eratojthe= 


170  <£rfleö  *5ud).  Bretter  2f&fd)nitt. 


rtifd)e  Reihe  t>on  bem  unmittelbaren  tfytmttfdjen  Stamme  fo^ 
gleich  auf  tue  vg>errfd)er  in  Memphis  übergebt,  unb  hierin 
fortfd)reitet,  bt6  btefer  Stamm  oerfebwinbet,  unb  tt)ebatfcbe  Äo= 
nige  an  t^re  Stelle  treten.  Sieben  unb  Memphis  waren  bie 
beiben  $auptftdbte  2legt)pten3.  3n  ihnen  mugte  ber  gefefeltd&e 
.Konig  anerfannt  unb  gefront  werben:  eine  «Sitte,  bie,  waS 
bie  Krönung  in  Memphis  betrifft,  noch  bis  ben  sptole* 
mdern  beftanb,  wie  bie  Snfcferift  twn  Rofette  beweif!.  £)ie 
memphitifdMhebaifchen,  ober,  !ur^  auSgebrütft,  bie 
rf)ebaifd)en  Jtonige  (teilen  alfo  im  alten  Reiche,  nad) 
bem  2üiStferben  beS  thinitifcben  SflannSjtammeS,  bie  golge 
ber  Reichs!  onige  2legt)ptenS  bar.  3n  ti>rer  golge 
gab  GhratofrbeneS  ben  chronologifchen  jtanon  für  ben  alte- 
fren  3*itraum  ber  dgpptifcben  ©efebtehte. 

Sinb  biefe  Annahmen  unb  Scblugfolgen  nicht  gan$  un^ 
begrünbet,  unb  werben  fte  burch  bie  gleichzeitigen 
£)enfmdler  unb  bie  gefchicr)tlicbe  Ueberlieferung 
im  (Einzelnen  be  fr  dtigt;  fo  fyätttn  wir  ja  wot)l  ben 
S>cr)lüffel  $u  9flanetbo'S  £  er  fte  Illing  unb  bem  23erftdnb^ 
niffe  ber  ganzen  dlteften  dgt)ptifcr)en  Ueberlieferung  gefunben. 
2Bir  würben  burd)  unfere  frühere  Unterfucbung  ju  ber  2(n; 
nal)me  geführt,  baß  eS  einen  folgen  Scblüffel  gegeben  haben 
muffe,  um  bie  3eitrett)e  t>on  ber  Summe  ber  £)t)na|rieen 
ju  unterfd)eiben.  9ttanetbo'S  3eitbauer  für  baS  dg^ptifebe 
Reich  bis  ^um  9ten  Safyre  oor  2lleranberS  Regierungsantritt 
war  3555  Sabre:  bie  Summe  feiner  30  £>t)na(tieen  aber  über 
5000  Söhre:  9ttanetf)0  l>at  alfo  wabrfcbeinlid)  geregnet,  wie 
wir  eS  nach  GhratofrbeneS  thun:  baS  heigt,  er  hat  für  bie 
Seitbauer  beS  alten  Reiches  nach  ber  erften  £)rma|tie  nur  bie 
Summe  ber  memphitifch-thebaifchen  Regierungen  genommen. 


III.  6.  ©efcf}id)tL  (Ergebne  bcr  Zificn  t>on  (Erat,    2lpollob.  171 

(Stye  wir  in  bas  S^df)ere  biefer  Unterfuchung  eingeben, 
^ict?en  wir  noch  bie  gefchtchtlichen  Schußfolgen  au3  unferem 
gunbe. 

6,   ©efchtchtlicheS  Grrgebniß  ber  £ijien  t>on 
(5rato)!hene3  unb  2£potloboru3. 

^ratof!t)ene6  2£rbeit  begann  mit  9ftene3,  b.  h-  mit  bem 
Anfange  regelmäßiger  unb  allgemeiner  dgr>ptifcr)er  .ftonigSoer^ 
jeid&ntffe  unb  gefchichtltcher  Jahrbücher.  5Bo  i)5rte  fte  auf? 
©ewtß  mit  einer  Grpoche,  mit  einem  geflieht liefen 
ÜZBenbepunfte:  ntcf)t  nach  einer  gewöhnlichen  (5rfd)etnung,  wie 
ein  Dpnajh'eenwechfel  ifr.  28aS  aber  fonnte  jeneS  Epoche 
mad)enbe  große  Crretgnig  anberS  fein,  als  ber  Einfall  ber 
vgnrtenoolfer,  unb  bie  S3effcigung  be3  9?eicf)3throne3  oon  Tltm* 
phte  burd)  bie  |)irtenfönige  ?  £)iefe3  dretgntß  beherrfcht,  wie 
bie  dgt)ptifd)en  £>enfmdler  beweifen,  unb  wie  9ftanetho'3 
©efchichtSwerf  uns  glaublich  berichtet,  bie  ganze  dgpptifche 
©efchtchte.  S^ach  ihm  eben  verfallt  fte  in  bie  brei  großen 
v£)auptmaffen:  bie  ©efchichte  beS  alten  —  be$  mittleren  — 
unb  be3  neuen  9?eiche3.  Unter  bem  neuen  nämlich  oerpehen 
wir  ba£  hergejlellte  dgr;ptifcr)e  3?etd),  in  3&emp$t£  unb 
ben,  unter  etnheimifchen  unb  felbpdrtbigen  Königen.  £>aß 
biefe  £erfiellung  burch  bie  £hronbefteigung  ber  achtzehnten 
£»r;najtie  erfolgte,  ifr  allgemein  befannt 

2lber  wann  horte  bas  alte  $eich  auf?  9?ad)  ber  2(u^ 
fage  ber  eratoffbenifchen  gorfchung  offenbar  mit  bem  britten 
Äonige  ber  Dreizehnten  £)t)nafrie.  So  erfldrt  ft<±>  ganz  na* 
türltcf),  fchon  t)on  unferm  je^tgen  Stanbpunfte,  wie  Sttane; 
tho  biefer  £)t)naftte  60  Röntge  geben  fonnte.  Denn  e3  folgt 
nun  feine  tbebaifche  Dpnaftie  (bie  memphttifchen  oerfd)win; 
ben  gan^)  bi$  zur  achtzehnten,  b.  h-       zu  bem  allgemein 


172  @rfre$  Q5ud)*  Swciuv  2lbfd)nitt* 

anerfannten  Anfange  be§  neuen  Reid)e&  2ttfo  ffetft  (unferer 
©runbannafyme  oon  ben  3?etcf)gf6ntgen  folgenb)  bie  bret^ef>ntc 
£)pnajfie,  jcnfcttS  bc6  triften  tljrer  v£>errfd)er,  bie  Retfye  fcon 
zinsbaren  Königen  bar ,  aus  bem  ©efd)lecf)te  ber  9?eid)Sto; 
nige,  weld)e  wdfyrenb  ber  ^pffo^ett  Sieben  inne  Ratten, 
tiefer  3ettraum  ift  aber  wof)l  nid)t  nad)  ben  zinsbaren 
nigen  in  ben  2(nnalen  berechnet,  fonbern  nad)  ben  ^)t?nafrteen 
ber  vfurtenfonige,  Wit  tt)rer  £f)ronbejretgung  in  9ttempf)i3 
begann  ba£  mittlere  9?eid),  mit  ifyrer  Vertreibung  au§  Wlzm* 
pfyiS  ba3  neue,  Snnerfjalb  biefeS  3eiftaume3  waren  fte  ben 
dgpptifcfyen  3af)rbüd)ern  gefe^maßige  Könige,  eben  fo  gut, 
wie  bie  #etf)iopen  unb  Werfer  im  neuen  3?eirf>e. 

£)er  ^trtenfonigs^pnaflieen  aber  ftnb  bei  Wlanetyo 
brei:  bie  fünfzehnte,  fed^efmte  unb  fteben^nte :  bie  zwifcben 
ir)nen  unb  jenen  tf)ebaifcr)en  gürfren  liegenbe  üier^e^nte 
nafrie  ift,  vote  wir  gefefyen,  eine  roitifcbe,  alfo  eine,  gleid)  ܣ 
neu,  zinsbare,  in  Unterdg^pten.  £)ie  3^()l  ber  $trtenrontge 
iji  nacf)  5D?anet()o  43.  £)ie  betben  erfreu  tf)rer  £)r;na|rieen 
fyaben  6  unb  32  vf>errfd)er:  bie  5  für  bie  legte  i(r  oer^ 
loren  gegangen,  aber  bie  £auer  biefer  ^pnaffie,  151  3at)re, 
ift  nirf)t  unmöglid)  für  jene  ©efammt^afyl,  ba  bie  wofyt  bt? 
urftmbeten  Regierungen  oeS  erfreu  (Stammet  biefer  Könige 
burcrjfdmittlicf)  über  40,  unb  in  ber  ^weiten  fafl  20  bauern. 
2Ba3  alfo  jene  60  tr;ebaifd)en  Könige  ber  Dreizehnten  ^pnafite 
betrifft,  oon  benen  wenigfrenS  57  in  ba$  mittlere  Reid)  faU 
Icn;  fo  ift  biefe  3^1)1  nid)t  $u  grog  für  neun  Safyrlmnberte, 
nad)  ber  burct)fcf)nxttücr)en  £dnge  ber  Regierung  dgpptifcr)er 
Könige.  UebrigenS  wiffen  wir  nid)t,  ob  nid)t  aucf)  in  ben 
SHfren  be§  mittleren  ReidjeS  nod)  SDfttregierungen  aufgeführt 
würben:  nod)  aud),  ob  biefe  tr>ebatfd)en  Könige  würfüd)  ben 
ganzen  3eitraum  fyinburd)  bauertem   £)affelbe  werben  wir 


III.  6.  ©cfd)td)tl*  <£rge&ntfc  Uv  £itfen  t>on  @rat  u*  2(poaot)»  173 

wtt  ben  76  Röntgen  ber  met^efenten  roitifcfeen  Spnafiie  fa* 
gen,  bie,  wie  fdwn  bemerft,  nad)  unferer  ©runbannafeme 
neben  ber  tfeebaifdfeen  Smiajtie  Verlauft,  unb  ^war  etwas 
fpdter  als  bte  tfer  üorfeergefeenbe ,  aber  etwas  früher  als  bte 
tJ>r  folgenbe  (bte  erjre  ^>trtenbpnapte)  eingetreten  fein  mug, 
iferer  Stellung  ^wifdfeen  beiben  bei  9)?anetfeo  jufotge. 

£urj  ^ufammengefagt  lautet  baS  (5rgebntg  alfo  folgen* 
bermagen: 

SaS  alte  $eid)  beS  9tteneS  fdfelog  balb  nad)  ber 
Sferonbeftetgung  ber  brennten  Spnajtie. 

SaS  neue  SRetd)  begann  mit  ber  acf)tjet)nten  (tfeebak 
fdfeen)  Spnajrie:  bieg  ifi  unS  gleicfebebeutenb  bamit,  bag  bie 
Cnnnafeme  t>on  SftempfeiS  ö^e^^Se^^  war  mu"  oer  £feronbes 
peigung  beS  $aufeS  ber  Sfeutmofen,  obwohl  erjt  ber  t>xittz 
Sfeutmoft'S,  welcher  81  Safere  nad)  bem  Anfange  ber  Spna* 
fite  ben  Sferon  befrteg,  bie  ^pffoS  jum  2tf>äuge  aus  ber 
©rdn^feflung  2£t>art5  (9)eluftum)  bewog.  SSon  ber  adfet^efens 
ten  Stmajtte  bis  $ur  breigtgjten  etnfd)lieglid)  finb  nad)  ben 
manetf)onifd)en  Giften  etwa  1300  Safere:  1325  nad)  ben  oben 
gegebenen  Safelen  bei  9ftanetfeo. 

2ttfo  liegt  baS  mittlere  3?etd)  in  bem  Seitraume  ber 
brennten  bis  fteben^efenten  Spnaffie,  unb  bie  Sauer  ber  £trs 
tenbpnajrieen  tjl  baS  9ftag  beffelben:  bie  tJ>ebatfc^en  unb  bie 
roitifcfeen  Könige  laufen  beibe  neben  ifenen  unb  neben  einan* 
ber  feer,  Siefer  Seitraum  war,  nad)  bem  Obigen,  einer  t>on 
etwa  neun  Saferfeunbertem 

Sa  nun  bie  gan^e  Seitbauer  beS  agpptifcfeen  3?eicfeeS  bis 
jum  aefeten  Safere  t>or  2lleranber  funfunbbreigig  unb  ein  feak 
beS  Saferfeunbert  umfagte,  fo  mug  Sttanetfeo  für  baS 
alte  $etd)  etwa  breiftefen  Saferfeunberte  gereefe; 


174  @rfie$  q5ud).  fetter  2(bfd)nttt. 

net  haben.  2)ie  3"fammen)tellung  ber  obigen  Sailen  er; 
giebt  golgenbeS: 

I.  £>»n. :  Shiniten,     8  Mn.  263  Safjre  (253  3.) 

III.  *    9flemphtten,  9    *    214  a 

IV.  *  8     i    274  s 

VI.  5  6    ^    203  ; 

VII.  *  s  x(5)  .  —  ,  70  Sage  (75  £) 
VIII.     s  s        7     =142(146)  = 

XL     s    £)iospoliten,x    *     43  i 
XII.     ;  ,       8    ;    176  ; 

<£rg.<5ummeb.Regierung^ahlen:  1315  &  70  (75)  &  (1309). 
£)a$u  bie  legten  brei  Regierun; 

gen  beS  Güratofthenes:  87  ;  

1402  (1396). 

2öir  würben  alfo  etwa  100  3af)re  mehr  in  jenen  ein. 
feinen  £)t)nafrieenfummen  haben,  als  Sftanetfyo  in  feinem  (nicht 
erhaltenen)  dfyronologifchenitanon  geregnet  haben  f  ann.  £)ie; 
fer  Umjtanb  macht  wahrfchcmlid),  bag,  wenngleich  9ftanetf)0 
offenbar  mehr  für  baS  alte  Reich  angenommen  ftatte ,  als 
(5ratofrhene3  frittfd&c  Arbeit  bafür  fefrffellte,  bod)  bie  ©um; 
men  feiner  einzelnen  £)r;nafiieen  nicht  bie  3eitbauer  bee  Rei; 
cr)eS  haben  barjMen  follen.  G*$  muffen  ft'ch  alfo  unter  ben 
einzelnen  Regierungen  auch  Sfobenregietungen  ftnben,  um  je. 
nen  Unterfd)ieb  ju  erklären.  Unb  bamit  iß  une>  wieber  eine 
ber  wicr)tigfren  Sra9e"  beantwortet,  welche  wir  oben  an  bie 
manetf)onifd)en  giften  (Teilten,  ohne  tton  bem  bamaligen  ©tanb; 
punfte  aus>  eine  befriebigenbe  Antwort  $u  erhalten. 

©o  t>iel  fann  fchon  jefct  nicht  mehr  zweifelhaft  bleiben, 
bag  Sftanetho  im  alten,  wie  im  mittleren  Reiche  eine  fortlau; 
fenbe  Reihe  mempr)tttfd^=t()ebaifcr)er  ReichSh^fcher  unterfd)ie; 
ben  habe  oon  ben  neben  ihr  herlaufenben  Gebens  ober  ©egen; 


IIT.  6.  ©efd)id)tL  grge&nifj  ber  £t(lcn  r>on  ©rat  u.  2(poüob.  175 


bpnaffteen,  welche  ben  9?eid)3tbron  r»on  Memphis  unb  Sö#s 
ben  nicht  befaßen.  £amtt  tft  im  SBefentlichen  bie  ©runblage 
ber  gefd)ichtlichen  v£>erjiellung  fetner  ßtjlen  gegeben.  2Bir  wifc 
fen,  tag  er  bem  ganzen  3?etct>e  3555  3af)re  jut^ctlte,  wot>on, 
in  runben  3af)Ien,  brei^ehn  SaWunberte  bem  alten,  neun 
bem  mittleren,  Dreien  bem  neuen  deiche  zufielen.  Die  ge- 
f d^tcf>tttct>e  2Burfüd)!eit  biefer  manethonifchen  Rechnung  muß 
naturlich  bewtefen,  bas>  im  fRotyn  angebeutete  SSerbdltniß  muß 
befrimmter  auSgemittelt  werben:  allein  ber  ©ct)luffel  fd)eint 
gefunben,  bie  5D?etr)ot>e  ber  frtttfd&en  gorfd>ung  gegeben. 

gatr  baS  alte  SReid)  wirb  unfer  cr)ronologifcber  gübrer 
(5ratofrbene3  fein  muffen,  fo  lange  un£  bie  £)enfmdler  nicht 
bte  Ungenauigfeit  feiner  Angaben  beweifen. 

gür  ba3  mittlere  9?eid)  aber  wirb  e3  2(polloboruS  ber 
Athener  fein.  2Bir  ftnb  jefet  fd)on  im  (Stanbe,  bie  Stellung 
unb  ben  SBertf)  fetner  Arbeit  §u  erfennen.  SBenn  be3  (Sratos 
Pienes  Arbeit  ba§  alte  9?eirf)  umfaßte ;  fo  mußte  bie  2£pollobor3 
mit  bem  mittleren  beginnen:  benn  feine  53  Könige  fcfjloffen 
ftd)  unmittelbar  an  bie  eratojft)enifcf)en  an.  Sßie  weit  fte  gm 
gen,  fann  un3  auch  faum  zweifelhaft  fein.  £)er  ©pncelfaS 
t?erfd)mdl)te  e3,  ihre  tarnen  ausschreiben,  weil  fte  ihm  gar  p 
unnü£  fd)ienen.  (56  befanben  ftd)  alfo,  wie  fchon  oben  gefagt, 
nicht  bie  tarnen  ber  18ten  £pnajrte  unter  innert:  benn  biefe 
waren  ihm  nicht  allein  febr  befannt,  fonbern  auef)  oon  ber 
größten  2Bid)tigfett.  @r  unterfucf)t  biefe  Stynajite  fet>r  forg* 
faltig,  weil  9ftofe3  ©eburt  unb  ber  2Cu§jug  l)ier  ihren  ^nfntt; 
pfungSpunft  ftnben  mußten.  2Hfo  ging  be3  2£polloboru3  %x; 
beit  nicht  in  baS  neue  £Reid)  hinein.  £)ieß  fonnen  wir  aber 
aud)  eigentlich  t>emünfttgerweife  nicht  t>orau3fe£en :  benn 
9ttanetf)0  hat  für  biefe  Seit  f)6d)j!ens  57  tbebaifd)e  Äonige 
ber  13ten  ^pnajrte,  unb  tbebaifcfje  Könige  heißen  ja  auch  bte 


176 


apolloborifdjen  augbrucflidb :  enbüd)  ift  bic  3a^l  53  bei  2Cpo(= 
loboruS  offenbar  bcr  manetf)onifd)en  fo  nafye,  als  wir  e§,  in 
jwei,  nad)  ©tamm  unb  Sage  oerfd)iebenen,  ©efd)led)tem  ^um 
SBeweife  ber  (5inf)eit  be3  SeitraumS  erwarten  unb  wünfcben 
fonnen. 

2Ctfe§  trifft  alfo  Rammen,  um  un§  bie  SBaf)rfd^cinltd^s 
feit  ^u  geben,  bag  wir  bie  eratojttjemfd&e  unb  apolloborifcfee 
gorfcfyung  unb  in  tyr  ben  (Sd^tuffel  &um  SSerjrdnbnig  ber  mas 
ncttjontfd^en  2i(ren  wiebergefunben.  SBegünftigen  bie  &tnh 
mdler  bie  hierauf  Qcbautt  gorfcfyung,  unb  ftnbet  bie  gried)ifd)e 
tteberlieferung  aud)  if)re  £öfung  burdb  unfcre  ©runbannabme; 
fo  bürfen  wir  boffen,  ben  2Beg  ^ur  v£)er|retfung  ber  gefamms 
ten  dgtwtifdjen  Chronologie  entbecft  ju  fjaben. 

(5ine  folcfye  Güntbecfung  würbe  aber  in  ber  gegenwärtig 
gen  3t\t,  wo  uns  nad)  Safyrtaufenben  bie  £>enfmdler  jeneS 
SSolFeS  wieber  erfcfyloffen  werben,  um  fo  erwünfcfyter  fein  müfc 
fen,  ba  wir  außerhalb  unb  narf)  ber  a(eranbrinifd)en  (5d)ule 
nid)t  mefyr  fyojfen  bürfen,  eine  anbere  fiöfunq  be3  3?dtf)felS  p 
ftnben,  welcfyeS  unö  bie  2Cegt)pter  aufgegeben. 


SS  i  e  r  t  e  ö  #  a  u  p  t  fi  ü  c£\ 

©tobor  Don  Italien, 

t  &iobor:  feine  £)t)n a jiteen  unb  Chronologie 
in  ber  t>orgefd)t<f)tlidjen  Seit. 
2Bir  ^aben  in  ber  ©efcfyicfyte  ber  gorfcfyung  über  2£egvp- 
ten3  Seiten  brei  groge  SBenbepunfte  gefunben:  £erobot,  Wien 
netbo  unb  (SratoftbeneS,  unb  bereite  auf  bie  ©puren  ber  SBer= 
binbung  unb  SBermtfd&ung  be3  genial  v&ellenifcfjen,  beStrocfen 


IV.  l.  StoborS  £pnatfteett  unb  ßtyronologje»  1T7 


unb  urfunblid)  dgr;ptifcf)en,  unb  beS  frittfd)  aleranbrmifd&en 
GrlementS  in  bem  fpdteren  griecf)ifcben  <Scf)rifttf)um  aufmerfs 
fam  gemalt  £)er  oon  (£ratoftf)ene3  betretene  2Beg  würbe 
t>ernad)ldffigt:  ba3  ftnfenbe  ©efcf)led)t,  t>on  £leinigfett3getjf 
ober  fpfremattfdjem  SSerbrebungSjkeben  befeffen,  unb  t>on  ak 
lern  drf)t  gefdfrtcfytltdjen  (Sinn  unb  (Srnjle  entblogt,  griff  ba§* 
jenige  auf,  wa$  ifym  gerabe  paßte,  oerein^elno  unb  oft  üers 
fdlfcfyenb.  £)iobor  t>on  ©icilien  befucbte  2Cegt)pten  unter  ^to^ 
lemduS,  bem  jüngern  £)iont)fo$>,  in  ber  180(len  jDlpmpiabe, 
alfo  etwa  58  Saljre  t>or  unferer  3eitredjnung :  fd^rteb  aber 
feine  ©efrf)id)te  bthtukni)  fpäter.  (5r  war  ber  erpe  rote  ber 
leiste,  welcher  unternahm,  ba3  2legt)ptifcf)e  in  feinem  ganzen 
Sufammenbange,  unb  jwar  an  ber  ©pt^e  feiner  ©efd)id)te 
ber  alten  SBelt  bar^ulMen.  Grr  brachte  baju  aber  UU 
ber  nur  S3elefenf)ett  mit,  ofyne  Urteil  unb  ofyne  eigenen 
gorfcbungegeifr,  rote  ofme  alle  2fnfd)auung,  unb  fo  verwirrte 
er  bie  tf)m  üorliegenbe  Ueberlieferung,  ftatt  fte  $u  fiepten  unb 

läutern.  £)ie  einmal  beliebt  geworbenen  ©efd^>tdt)ten  $es 
robotS  mag  er  nict)t  aufgeben,  unb  tragt  fte  alfo  in  bie  ifym 
üorliegenben  fpdtern  £)arfrellungen  ber  dgr>ptifd)en  3eitrerf)^ 
nung  unb  ©efd)id)te  ein,  weld)e  auf  oerjlümmelten  manetbos 
nifcfyen  unb  eratoftt)entfd)en  gorfdmngen  rudern  £)ie  bicrauS 
beroorgebenbe  Verwirrung  fyat  in  ben  2utgen  frittfd)er  gor^ 
feber  bem  dgt)ptifcf)en  2ütertbum  mebr  alö  irgenb  etwas  Ilm 
bereS  gefd)abet.  £)enn  fte  festen  tiefen  Bannern  einen  uns 
gefd)id)tlirf)en  (Sfyaxatkx  ober  eine  unheilbare  3erjBrung  ber 
dgpptifcf)en  Ueberlieferung  felbfi  bar§utl)un.  2Bir  hoffen  bas 
gegen  $u  beroeifen,  baß  bie  Verwirrung  bei  £)iobor  gan$  bie 
©cbulb  feiner  fd)led)ten  gübrer  unb  feiner  eigenen  glttd)% 
feit  unb  Urtbeil6loftgfeit  ift:  bann  aber,  baß  wir  jefet  im 
<5tanbe  ftnb,  bie  unter  jenem  <2cr)utte  verborgen  liegenben 

1.  12 


ms 


<£rM  93uef>*  Sroeiter  2fbfd)nttt* 


©olbforner  drf)ter  Ueberlieferung  ernennen,  unb  oielleicht 
$U4orbnen.  3n  bem  (£nbe  werben  wir  in  btefer  einleitertDen 
^Betrachtung  un3  bamit  begnügen,  bie  5u3en  iener  m*t 
benSarten  uberFIetfterten  SKofaif arbeit  ausbeuten,  unb  in  jes 
bem  einzelnen  ©tue!  ba3  (Clement  nachjuweifen,  weld)e3  Dio^ 
bor  oor  firf)  gehabt.  2Öir  haben  allen  ©runb  anzunehmen, 
baß  er  weber  Sftanerbo  noch  Ghratoftbeneä  gelefen:  aber  bte= 
jenigen,  welche  er  ftd)  ^u  gührern  wählte,  Ratten  au£  bem 
einen  ober  anbern  gefebopft. 

SBir  entbecFen  bieg  leicht  fcr)on  in  ber  S5el)anblung  ber 
dgpptifcben  Ueberlieferung  oor  SföeneS.  Vor  ben 
SDtenfd&en  regierten  ©otter  unb  £eroen  (I,  42.).  Die  dlteften 
Könige  nämlich  führen,  als  Vergötterte,  großenteils  ben 
tarnen  ber  alteren  fteben  ©otter.  Diefe  ftnb  ©onne  unb 
Sföonb  (U*£)jmi  unb  Sfis),  ber  ©etf!,  welcher  ber  ©otter 
unb  SO?enfcr)en  Vater  heißt  (jtnepb  wahrfcheinlich),  unb  bte 
oier  Elemente:  ^epbafloS  (?>tab),  ba3  geuer:  Demeter,  bie 
<5rbe:  Dfeane,  ba3  2Baffer:  9?eitb=2(tbena,  bie  ßuft  unb  „beß= 
halb"  bie  ^Blauäugige  bei  ben  ©riechen. 

Unter  jenen  Vergötterten  nun  regierte  juerft,  nach  Gfe 
nigen,  ber  ber  ©onne  gleichnamige,  nach  Anbern,  ber  menfefc 
liehe  vjöepbdffoS.  Sur  ben  leereren  fpricht  bie  wahrfchein^ 
liehe  Zahlung,  baß  v£)epbdf!oe>  bei  ©elegenheit  etneö  oom 
S3li£e  oerurfachten  SßalbbranbeS  baä  fttwr  erfanb, 

Dann  folgte  tonoS,  ber  fRfyea  ©emahl.  ©ie  erzeugten 
3eu6  unb  £era:  biefe  aber  fünf  jtinber,  bie  fdmmtlich  re= 
gierten:  SP,  £)ftrt§,  Sppbon,  2fpolIo  (£>oru3)  unb  2fpbrobite. 

Unter  tiefen  berrf d)te  juerfl  IDftril,  ber  3p  ©emahl. 
S5eibe  jufammen  waren  bie  2öohltl)dter  be£  9ftenfd)enge= 
f<$led)te3,  welches  fte  oon  SBilben  unb  9ttenfd)enfreffem 
frommen  unb  gebilbeten  Volfern  umfehufen,  bie  S3rob  aßen 


IV.  L  £>tobor6  Snnafh'een  unb  Chronologie.  179 


unb  Sßetn  unb  33ier  tranfen,  babet  ben  Delbaum  pflanzten. 
(Sie  erbauten  bie  hunbertthorige  Shebd,  unb  in  ihr  bie  erflen 
£empel,  namentlich  i()ren  guten  Altern,  bem  3eu3  unb  ber 
£era:  prad)toolIe  unb  golbene  SBerFe.  £e3  jDftrte  ^eiliger 
(Schreiber  unb  Sfarfy  roar  v£)erme6=£hoth ,  ber  (Spraye  unb 
©otteebienjl  orbnete,  auch  bie  (Schrift  erfanb:  ^gleich  war 
er  ber  eigentliche  Crrfmber  ber  3ud)t  bes>  DelbaumeS,  nicht 
2fthene.  Um  biefeS  göttliche  2eben  über  bie  gan^e  SBelt  ju 
Derbretten,  burd)$og  er  ben  (£rbfrei3,  ber  3ft3  feinen  9tath 
^urücflaffenb ,  jenen  v£>erme£,  unb  einen  fel>r  tapfern  SSer^ 
roanbten,  ben  £erafle3,  als  gelbherrn.  Ueber  ^>l)6nicien  unb 
bie  angrdn^enbe  SfteereSfüfte  fefcre  er  ben  SSuftrtS  ^um  (Statt* 
halter:  über  2TetJ>topta  unb  £ibpa  ben  2£ntdu3.  Wlit  ihm 
$ogen  feine  beiben  (Sohne,  2Cnubi3  unb  9ttafebon:  aud)  ber 
in  ßhemmo,  ber  $>an3frabt,  oerehrte  ^)an:  ba3  gefd&roänjte 
SSolf  ber  (Satprn  braute  man  ihm  in  2(ethiopien.  2H6  ein 
fröhlicher  $err  liebte  er  ©efang  unb  £anj,  unb  hielt  ftd) 
neun  jungfräuliche,  wohlerwogene  (Sängerinnen  unb  Sängerin; 
nen,  vooher,  roie  Seber  leicht  fteht,  bie  ©riechen  ihre  SDhtfen 
nahmen.  Sn  Snbien  zxbautz  er  9tyfa,  ju  Qtfyxtn  beS  un; 
roeit  t»on  2(egppten  in  Arabien  gelegenen  dltfa,  reo  er,  al§ 
be3  3euö  ^ronprinj,  feine  franbeSmdgige  Gh^iehung  empfan* 
gen  hatte.  Sn  Zfyxackn,  roo  er  natürlich  bem  &)furg  be* 
gegnete,  lieg  erben  Sttaro  jurücf,  ben  Sttacebo  in  Sftace* 
bonien,  ben  SriptolemoS  in  2£ttifa. 

Leiter  rourbe  biefer  eble  Sftann  oon  feinem  33'ruber 
phon  auf  eine  oerrdtherifd)e  Sßeife  umgebracht  unb  fein  2eicf)* 
nam  fchmdhlich  mighanbelt.  Spphon  hatte  26  SSerfchroorene, 
beren  jebem  er  ein  <Stü<f  be£  äerfdmittenen  £eid)nam3  gab113). 

113)  Offenbar  mptfnfdje  Sarftellung  ber  älteflcn  (gtnt^eitung  beö 
SReta>S  tfeg^pten  in  27  ßanbfdjaften :  btefelbe,  auf  reelle  baö 

12* 


180  ertfcg  $ud).  Broeitcr  2lbfd)mtt. 


©eine  ©emafylin  aber  fammelte,  fo  gut  fte  fonnte,  alle  Steile, 
unb  beftattete  ben  ©emaf)l  aufS  $rdd)ttg|Te.  3ug(etc&  lieg 
fte  tfym  göttliche  (5f)ren  juerfennen,  wofür  fte  ben  Grießem 
ben  brttten  SSfyeil  ber  ßdnbereten  gab;  fo  baß  eine  @l)re  ber 
anbern  wertf)  roar. 

2Ber  erfcnnt  l)ier  nirf)t  bie,  unter  ber  macebonifcfyen 
£errfcf)aft,  mit  grtecfyifcMgVpttfdjer  Unt>erfcf)dmtf)eit  gemachte 
&$erberbung  ber  alten  Ueberlieferung  ?  2(ber  aud)  bie  3  e  1 1= 
angaben  felbft  weifen  barauf  f)in,  bag  £)ioborS  güf)rer 
au£  ber  ptolemdtfrf)en  3eit  roar.  SBon  DftrtS  bis  2Cleranber 
waren,  naefy  Einigen,  fagt  £)iobor(],  23.),  über  10,000  3af)re: 
nad)  Anbern  über  23,000.  £>k  leerere  3af)l  fyaben  wir  oben 
als  dcfyt  dgt;ptifd)e  gefunben.  Salb  barauf  (T,  26.)  fagt  er, 
offenbar  f)ier  etwaS  in  einem  anbern  ©cfyriftfteller  ©elefcneS 
einfd&altenb:  t?on  £elioS  bis  2fleranber  $dl)le  man  23,000 
Sal)re:  bie  dlteften  ©otterfönige  l)aben  jeber  über  1200  3af)re 
regiert,  bie  jüngeren  weniger  als  300  Safyre,  SeneS  fei  wof)l 
als  Angabe  üon  9)?onatSjal)ren  &u  erfldren,  biefeS  üon  ber 
£)auer  einer  ber  brei  Saf)reSjeiten:  auf  biefe  SBetfe  erhalte 
man  für  beibe  bie  anffdnbige  «£)auer  tton  fyunbert  Sauren  II4). 
2£ud)  l)ier  erfennen  wir,  nad)  bem  Dbigen,  leidet  bie  58erfla= 
d)ung  jener  achten  uralten  Ueberlieferung  ber  äctyptiftyn 
Sal)rbüd)er,  mit  welcher  bie  ©riechen  aber  erfl  burd)  SSla? 
netl)o  begannt  würben. 

£>ie  jüngeren  ©otter  fmb  bie  ^eroen  ber  manetf)onifd)en 
£errfd)aft.   Tin  einer  fpdteren  ©teile  —  in  ber  jroetren 
Teilung  feineS  erjten  &3udj)eS  (I,  44.)  —  fagt  er:  ©otter 

alte  ßabtyrtntt)  eingerichtet  war:  10  für  Ober*  unb  eben  fo 

otel  für  Unterägppten,  baju  bie  v£eptanomtg. 
II4)  £)abei  f üt>rt  er  fcfyon  ben  Unfinn  an,  ben  Äirc^enodter  if)m  naäV 

gefaxt:  bef^alb  nannten  bie  ©rieben  aud}  bie  Safjre  cogoi, 

ndmlid)  von  wgo-,  Satjr^eit. 


IV.  2.  2)iobor$  Seitvedjn.  »on  StteneS  btö  2lleranDer*  181 

unb  £eroen  fyaben  etwas  weniger  al§  18,000  Safyre  regiert 
Offenbar  aud)  dgr;ptifd)e  Ueberlieferung ,  aber  toteber  nad) 
einer  anbern  Bearbeitung.  £)te  manetf)onifd)e  3af)l  fonn 
ntd^t  fefyr  t>erfd)ieben  t>on  jener  gewefen  fein,  ba  fte  13,900 
SaJ)ve  für  bie  ®6tterf)errfd)aft  f)at,  1255  für  bie  Heroen 
(atfo  ^ufammen  15,155)  unb  bemnad)  5813  für  Heroen  unb 
Spanen. 

SSon  ben  dlteffen  9J?enfd&enfonigen  weiß  er  (1,  43.),  tag 
fte  2öaf)lf6nige  waren,  unb  als  2Bor)ltr)dter  beS  9ftenfd)en^ 
gefriedetes  t>om  SSolfe  üerefyrt  würben. 

2.  £) ioborS  3 eitrecfynung  t)on  9ftene6  bis 

2öid)tiger  für  bie  3eitred)nung  ijt  £)iobor£  Angabe  über 
bie  £)auer  ber  gefd)td)tltd)  t>eräetd)neten  Äonig^eit  33t3  .ju 
feiner  2lnfunft  in  2legtwten  fyaben  (fagt  er  I,  44.)  in  2fe= 
graten  Sttenfd&enfonige  fajr  5000  3af)re  regiert.  SSon  bte= 
fen  feien  475  einr)etmifd)e  Könige  gewefem  £)ie  fremben 
$errfd)er  ^dfylt  er  folgenbermaßen  auf: 
4  2letf)topen,  bie  aber  ntct)t  alle  nad)  einanber 

regierten  36  3<*f)re, 

bie  Werfer,  mit  ber  Seit  ber  Abfalle    .  ♦     135  — 

bie  Sflacebonier   276  — 

— Ö7~3a&re. 

£)ie  Angabe  ber  wer  2£etr)topen  ftnbet  tyre  Grrfldrung  in 
ber  24fren  £)t)nafrie»  Bringt  man  bie  ganje  (Summe  in 
2(b^ug,  fo  bleiben  für  bie  einl)eimifd)en  £errfd)er  beS  ge^ 
fcfyicfytlicfjen  3eitraume3  etwa  4550  Sal)re  übrig.  £)tobor 
felbfr  giebt  aber  an  einer  anbern  ©teile  (I,  69.)  bie  gan^e 
Seit  ber  fonigltd&en  £errfd)aft  über  2legt)pten  $u  mef)r  ale 
4700  Sauren  an,  woüon  bie  meiffen  einf)eimifd&e  gewefen. 


182  @rfieö  «ud).  graettcr  SIbfdjnitt. 


3Me  betten  Angaben  follen  offenbar  baffelbe  fagen:  nur  tjl 
tiefe  genauer.  SBerbinbet  man  mit  if)r  jene  ^Rechnung  für 
bie  Seit  ber  fremben  vg>errfd)er,  fo  bkibcn  beinahe  43  3^r= 
fyunberte  für  bie  einf)eimifd)en  ,£>errfd)er  übrig. 

Sene  Rechnung  oon  faflt  5000  Sauren  beginnt  oon 
„ÜÄörtS"  ober  „SDtyriS"  roaS  gan^  baffelbe  ifr115).  2D?an 
würbe  bei  einem  genaueren  (5ct)riftjMer  als  Diobor  ft'ct) 
biefeS  Samens  entlebigen  fonnen,  inbem  man  fratt  beffen  SDte 
neö  fefete,  mit  roelcfyem  3Mobor,  gerabe  rote  ^erobot,  als  bem 
erfreu  9ttenfcr)enf6nige,  ba(b  barauf  bie  9?ctt)c  ber  Pharaonen 
beginnt,  Allein  bei  einem  fo  forgloS  äufammenqeftoppelten 
SÖerfe,  roie  btefeS,  ifr  ein  foldjeS  oer^roetfcltes  5D?ttte£  md)t 
geratener,  ato  bie  Ghrftdrung  für  einen  eingefcfyalteten  ^a* 
men.  9ttan  fann  alfo  bie  Angabe  nur  entroeber  oom 
deuten  5D?6rtö  oerfrefyen,  ber  fpdter  al6  einer  ber  9Zacr)fo(ger 
oon  9ttene3  aufgeführt  roirb:  ober  man  muß  r)ier  einen 
nig  jenes  üftamenS  auö  ber  3ctt  lanbfcfyaftlicrjer  gürten  oor 
SD?eneö  annehmen,  oon  roelcfyem  man  aber  nirf)t3  roeig. 

günf  jener  475  einf)eimifd)en  Röntge  feien  grauen  ge* 
roefen.  %ud)  biefeS  ifr  nicr)t  fyerobotifer),  fonbern  au£  ber 
dgr;ptifct)en  Quelle  gefloffen.  2(uS  tfjr  unb  ben  £)enfmdlern 
fennen  roir  auger  ber  9^ttoFrt&  im  alten  $eict)e  roenigfrenS 
brei  im  neuen.  „2ttle  biefe"  (fagt  £)iobor)  „fmben  ftcr)  in 
„ben^Priefrerannalen  öerjeidjnet,  mit  33efd)retbung  tf>rer  ©effalt 
„unb  .ftorperbefcfyajfenfyeit,  fo  roie  mit  Angabe  tr)rer  ©emütl)^ 
„art,  Saaten  unb  SBerfe".  2ßir  haben  bereite  im  oorigen 
2C6fct)mrt  biefer  Stelle  gebadet,  unb  bemerkt,  roie  fte  tt)re  S3e= 
jrdrigung  in  bem  uralten  ÄöntgSpappruö  unb  anbern  <5pu^ 
ren  ftnbet. 

1I5)  ßtne  £bfd)r,  f)at  fogar  jene  Segart:  bie  anbere  ©djreibart  fm* 
bet  ftd)  aud)  bei  ©trabo  unb  £erobot  in  einigen  £bfd)t\ 


IV.  3.  Ueberfi'cbt  ber  btobonfcben  ÄönigSlijten*  183 

3.  Ueberfid)t  ber  btoborifd)en  Äontgsltff  en. 

2Bir  geben  nun  bie  ÄonigSlijfe  £)iobor3  felbfr,  nad)  ben 
feilen  gefonbert,  in  welche  ft'e  un3  %u  verfallen  fd&emt. 
I.  9ftene3,  erjfer  Äönig  (b.  b»  t>on  gan$  ^egppten), 
©rünber  beö  SSBo^HcbenS  (c.  45.)» 
52   9*ad)fommen   beS   50?eneö  in   mebr   als  1040 
Sauren. 

2Cud&  fjter  ijt  debte,  nur  mißoerjranbene  Ueberlieferung, 
£enn  bie  52  9?ad)fommen  50?enea  ftnb  offenbar  bie  Könige 
be$  alten  3?eid)e3  in  ben  t^ebatf d^^memp^tttf c^cn  £>pna; 
ftieen.  T)a§  9?etcf)  bauerte  nad)  (5ratoftbene3  1076  Safyre,  wo^ 
t>on  auf  9ftene3  62  fallen,  auf  bie  ^aebfommen  alfo  1014: 
9ftanetbo  gtebt  jenen  £)t)najiieen,  wie  roix  faben,  etwa  50  $6^ 
ntge,  ftatt  ber  38  beS  2Cleranbrtner§,  unb  einige  3tobrbunberte 
mebr,  £ier  ift  alfo  auef)  aleranbrintfcbe  gorfrfmng, 
II.  SBufiriSunb  fetne^pnajUe  —  9  Könige 
(c  46  —  49.). 

1.  33ufiri3  I.,  ber  Sprann,  grembentobter. 
2  —  8.  9kd)folger. 

9.  SBuftrtS  IL,  Erbauer  Sieben  3.  [Siobor  be; 
fcfyreibt  nun  bie  ©tabt,  unb  giebt  babei  be£  jun^ 
geren  $efatdu$  ©cf)ilberung  be3  ®rabe3  eineS 
ÄonigS  DfymanbpaS.] 
tiefer  2(bfd&nitt  enthalt  eine  tleberlieferung  au$  ber 
3eit  oor  StteneS,  unb  %voax  roabrfcf)etnlid)  aue>  £)ber^ 
dgppten,  ba  bie  einige  gefcbttf)tlicbe  &batfacbe  bie  Ott* 
bauung  ^bebenS  iji,  roeld&e,  naef)  einer  anbern  ©teile  £)io; 
botS,  Einige  ber  SftS  auftrieben,  wdbrenb  nacb  ©pneftuS 
2Cnbere  bie  ©tabt  noeb  alter  als  3ft§  matten 11 6), 


11 6)   Diod.  I,  15.   fßScffcltng  füt)vt  bo^u  an  Steph.  v.  diosnofog 


184 


<£rfteö  35ud),  Streiter  Slbfitmtt. 


III.  (1.)  UchoreuS   (c.  50.):   „achter  Sftachfomme  btc« 

f eö  ÄönigS"  (beS  jDfpmanb^aS  ober  33uftri3 
beS  Seiten?).  Erbaute  Memphis,  unb  grub 
ben  (See  $u  befien  ^Befestigung:  errichtete  auch  eine 
$6nig3burg,  bie  an  bracht  jebod)  frühere  SBerfe 
nicht  erreichte.  £er  ©ott  Reilos  foll  als  ©tier 
mit  biefeS  ÄonigS  Softer 
(2.)  2(egt)pto3  gezeugt  haben,  ber  ein  gerechter  unb 

milber  Äonig  war. 
£)te  ©rünbung  üon  Memphis  gehört,  nach  9ttanetho, 
ber  erjfen  £)pnaftie.  £ier  t(l  aber  t>on  bem  S5au  einer  fto? 
nigSburg  bie  9?ebe,  welche  frühere  S5auten  nicht  erreichte. 
£)ieg  führt  fchon  auf  bie  Annahme,  bafj  roir  \)kx  eine  üers 
wirrte  Ueberlieferung  über  bie  dltefte  9ftemphiten=£)r;nafrie  t>or 
unS  h^ben,  bie  britte  manethonifche,  welche  mit  (5ra= 
tofiheneS  fechflem  «ftonige  beginnt,  unb  neun  v£)errfcher  jdhlt 

IV.  SttoriS   (c.  52.):    12  ©efchled)ter   fpdter.  ©eine 

SÖerFc,  nach  ^erobot. 
Wfo  SftoriS,  ber  gefchichtliche,  lebte  12  ©efchlcdjter  nach 
^legpptoS,  falls  jene  ©pur  nicht  trügt,  bem  2ten  Könige  ber 
t>xitkn  £)pna(lie  =  Erat.  VII.  $laä>  12  ©efchlechtern 
folgt  bei  GrratoftheneS  als  Dreizehnter  (XX.)  2TpappuS,  baS 
©tammhaupt  ber  fechten  £>t)najrie. 

V.  1.    ©efoöfiS  (c.53— 58.):  7  ©efd)lechter  fpdter:  ein 

in  Biebern  gepriefener  Äonig,  beffen  ©efcf)ichte  fehr  tters 
fchieben  erzählt  wirb.  ©eineSüge,  ^um  Shetl  nad)$es 
robot:  f ehrte  jurücf  nach  neun  Sahren,  unb  lieg  in 
jeber  ©tabt  oon  ben  (Befangenen  einen  Sempel  ih- 
rer  £auptgotthett  bauen :  fchüfcte  baS  £)elta  burdj 
eine  1500  ©tabicn  (186*  W\Uk)  lange  flauer, 

unb  Schül.  II.  or,  383.  Synes.  I.  Provid.  p.  94.  B.  unb  IL 
p.  117.  C. 


IV.  3.  Ueberftd)t  ber  bioborifdjen  ÄfintgSltffetu  185 

t>on  9)elufütm  bis  v£>eltopoli3  (atfo  gegen  ben  £)ften 
unb  Horben).  Regierte  33  (Anbete  30)  Safyre: 
erblinbet,  entleibte  er  ftd)  felbfh  2  £)beli3fen,  jeber 
120  (gllen  (180  dgppt.  gug)  f)ocf),  er^len  ferne 
Saaten, 

2.  ©cfoöftS  IL,  ©oftn  unb  iÄacftfoIger,  golgt  ©e= 
fdfotcf)te  fetner  (Srbltnbung  unb  Teilung,  gerabe  rote 
bei  £erobot3  ^Pfyeron  (c  59.). 

tiefer  2C£>fd^nttt  t>ermtfct)t  mit  ber  (Srjd^ung  t>on  £es 
robot  —  oon  roelcfyer  übrigens,  wie  wir  fafjen,  roieber  ein 
SE&etl  bem  altin  3?eicr)e  gebort  — ,  atfo  mit  ber  ©efcr)td)te 
beS  Sfamefftben  ©efoöftS  (©efotfyiS),  ein  ©tücf  Ueberlieferung 
aus?  bem  alten  S^etc^e,  ndmltd)  ber  ©efoftri^Ueber Ii ef e= 
rung.   ©efoflriö  gebort  bem  Wlamtyo  in  bie  zwölfte 
najrie,  unb  entfprtcfyt  @ratofH)ene§  33fren  ober  34(ren  Könige, 
alfo  bem  brennten  ober  Merjefjnten  nad)  £>iobors>  SSlbxi§. 
VI.  1.   2£maft3  —  nad)  einer  £e£art,  bie  ©tepfjanuS 
fanb,  2(mmöfts>T17)  —  rourbe  roegen  feiner  ^rannet 
t>on  %Uzn  tterlajfen,  unb  tterlor  ba6  9?eid)  (c  60.)  an: 
2»   2Ccttfane§,  ben2Cetf)topen  (c.61.).  dt,  ein  milber 
Äontg,  lieg  ben  ^um  £obe  t>erurtt)ettten  33erbre« 
cf)ern  bie  Sftafen  abfcfyneiben  unb  n>te3  tfjnen  ba§ 
roufle  StteereSufer  ofHid)  t>on  spelufüim  gur  greis 
jtätte  an  (ba&er  Rhinocolura,  gleid)fam  9fca8fo$s 
fceim).    2Cuf  tf)n  folgte  (alfo  of)ne  bag  er  eine 
Spnajtie  bilbüz)  ein  etnr)etmtfd)er  Äönig: 

3.  9ftenbe3:  WlaxxoS  nad)  2Cnbern  genannt:  ntd)t 
burd)  friegerifd)e  Saaten  berühmt,  fonbern  burd) 
ba$  Sabprintl),  welches  er  ftd)  ^um  SBegrdbnig 
erbaute. 

p.  41.  St.  cf.  c.  60. 


186 


@rfte$  q3uci).  Sroeitcr  2fbfdmitt. 


£)ie  Entwirrung  biefer  golge  bewarf  einer  weiteren 
füfyrung,  aI6  f)ier  gegeben  werben  fann.  £)ie  Erbauung  be3 
£abt)rintl)e3  aber  füljrt  unS  511m  Enbe  ber  12ten  £)v;na|fie, 
unb  in  EratojfyeneS  35(tem  Könige.  Wlan  bemerfe,  bag 
nad)  £)tobor  ^wifcfyen  ©efooft$s(£efo|ht§  unb  9ttenbe6;9tta; 
re3  nur  brei  Regierungen  Hegen,  ben  aus>  bem  neuern  Dietere 
f)terf)er  üerfcfylagenen  jüngeren  9?amefftben  mitgerechnet:  ohne 
h)n  alfo  jwet,  wie  bei  Erato|rl)ene3. 

VII.  1,   äeteS  (c.  62.),  ber  ©rieben  Proteus :  Farn  auf 

ben  £f)ron  nad)  einer  2(nard)te,  bie  5  ©efd)lecr> 
ter  bauerte.    Er  war  aue>  einem  unangefef)cncn 
£>aufe  unb  erwählter  Äonig.   golgt  bie  Jabel  t)on 
Proteus,  mit  weifer  Erfldrung. 
%   9?empf)i£,  fein ©orm,  ber  ©et^als, welcher  400,000 

Satente  ^ufammenfcfyarrte. 
3.   Oticus,  t>on  welchem  ber  üftil,  bt3  baf)tn  2(egt)pto3 
genannt,  feinen  tarnen  empfing:  einer  t>on  7 
nigen,  bie  auf  SRemptjiS  folgten  s  bie  übrigen  6  wa= 
ren  faule  Könige,  bie  nid)t3  traten  (c  63.). 
£>ieß  ift  offenbar  bie  gortfe^ung  ber  oben  mit  ber  Ue= 
berlieferung  t>om  alten  3ietd)e  t>ermtfd)ten  3?ameffibengefd)id)te 
(19te  unb  20fre  Spnafrie). 

VIII.  £)ie  9)9ramtbens@rbauer.    1,  EbemmiS, 

SWcmpl)tt ,  reg.  50  Sal)re.  folgte  auf  jene  7  $6; 
nige.  Erbauer  ber  grogten  ^pramibe.  ®efd)icr)te 
unb  &3efd)reibung,  in  ber  £auptfad)e  nad)  vfjerobot 
2.  Äepfyren  (c.  64),  be£  El)emmiS  trüber,  reg.  56 
Safyre.  3weite  ?)r;ramibe.  [9Jad)  Einigen  war  ber 
SRacbfolger  t?on  Ef)emmis>  unb  Erbauer  ber  ^weiten 
sppramtbe  EfyabrpeS  ober  EfyabrpiS,  bes  EbemmtS 
©ofyn.   9lad)  Einigen  würben  EbemmiS  unb  St& 


IV.  3.  Ue£>crftd)t  ber  btobortfd>cn  $5nig$ttften.  187 

ptyren  md)t  in  ifyren  sppramtben  begraben,  au$ 
gurcbt  oor  bem  IBotf c ,  roelcfyeS  fte  oerabfcfyeute, 
fonbern  an  einem  unanfe()nlitf)en  £)rtej 
3.   9ttt)£erinu3  ober  9tte?ertno3,  be3  @()emmiS 
©ofjn,  nid)t  be$  $epf)ren,  roie  Anbere  tJ>n  nennen» 
(£r  baute  bie  britte  ^pramibe,  aber  Döllens 
bete  fie  ntd)t  ©ein  üftame  jtef)t  an  ber  einen 
(Seite  angetrieben.  £)reifleinere?)pramiben  baneben 
follen  jene  Könige  für  t^rc  grauen  erbaut  fyaben. 
IX.  1,  S3ofcf)ori3,  ber  SBeife  unb  ©efefcgeber.  golgte 
auf  jene  Könige. 
2.   ©abafön,  lange  3eit  nad)l)er. 
S8rud)jtü(f  ber  Ueberlieferung  über  bie  24jte  unb  25|te 
£)rmajtie:  fo  üenoirrt,  bag  ©abafon,  voelcfyer  S3oFct)ort6  Ie= 
benbig  oerbrannte,  „lange  nad)  ifym"  ben  £f)ron  befteigt 

4.  3wei  befonbere  £tjlen:  bie  Erbauer  ber  brei 
großen  ^pramtben  unb  bie  ©efe^geber. 
jtönigSlijten  oon  einer  rein  gefcfyt($tltd)en  Stammen* 
jtelfung ,  bie  nid)t  in  bie  allgemeine  3etttafe(  £>ioborö  gef)6s 
ren,  ft'nb  offenbar  oon  befonberer  2Bid)tigfeit,  ©ie  weifen 
auf  eine  Ueberlieferung  f)in,  roelcfye  £)iobor  nid)t  in  feine  alk 
gemeine  £ijte  pagte,  ober  voelcfye  er  überhaupt  nid)t  in  ben 
jured^t  gemachten  gried)ifcfyen  Arbeiten  über  bie  £>t)najticen 
unb  tt)re  golge  oorfanb, 

Si(le  ber  Erbauer  ber  brei  großen  $t)ramiben. 
9^ad)bem  £)iobor  bie,  im  Allgemeinen  aus  i)erobot  tnU 
nommenen,  bekannten  Angaben  über  bie  ^pramibenfontge 
oon  ßfyeopS  big  9}h)Ferinu3  mitgeteilt,  giebt  er  nod)  furj 
folgenbe  gan$  abroeicfyenbe  Ueberlieferung: 


188  grjicö  Q3ud).  3 weiter  Wbfönitu 

21  rm du  3  erbaute  bie  erj!e  ber  brei  großen  $h)ramtben: 
2lmofiö  bie  zweite: 

Sharon  bie  britte,  welche  nad)  Zubern  (b.  h-  nad) 
£erobot)  9^1)  o  b  o  p  t  g  folfte  errietet  haben. 

£)iefe  Ueberlieferung  ift  alfo  gewiß  beachtenswert!),  ob* 
wohl  wir  fie  t>om  gegenwärtigen  ©tanbpunfte  nicht  erklären 
fonnen. 

£)ie  dgt)pttfd)en  ©efefcgeber. 
2Mefe  Siffe  fleht  gan^  abgefonbert,  in  einer  fpdtern  (Stelle 
beS  erffen  SBucheS  (c  94  ff,). 

I.  Wlncü'iS  (MvevTjg):  alter  Mm$,  nad)  ber  J£)errfd)aft 
ber  ©otter  unb  Heroen;  gab  guerft  gefcfyriebene 
©efe^e,  bie  er  vorgab  üon  v£>ermeS  erhalten  $u  l)a^ 
ben,  unb  bewog  bie9ttenfd)en,  nad)  tl>nen  &u  leben:  ber 
großherzig  j!e  unb  leutfeligffe  aller  Könige, 

II.  <5afi)d)e3  (©afpchiS),  ein  ausgezeichnet  r>erf!dnbigcr 
5D?ann:  fugte  jenen  ©efe^en  neue  ^inju:  orbnete 
genau  ben  ©otteSbienfh  erfanb  ©eometrie  unb  2(jto 
nomte,  fowohl  bie  tfyeoretifdje  als  bie  ^Beobachtung  ber 
©efrirne. 

III*  <5efoöftS,  ber  große  (Eroberer:  gab  ©efefce  für  bie 
Äriegerfafle  unb  alleS  baS  £ecr  SBetreffenbe, 

IV.  S3ofjd)oriS,  orbnete  20IeS,  was  fid)  auf  bie  Könige 
be^og,  unb  gab  ©efe^e  über  bie  Vertrage.  SSiele  fei* 
ner  9?ed)t3fprüd)e  ftnb  aufbewahrt  9Bar  fel)r  föwäfy 
lid)  r>on  ©efunbheit:  liebte  baS  ©elb  noch  mehr  als 
alle  anbern. 

V.  2lmafiS  (2ünmöftS),  ^otyfrateS  SBunbeSgenoffe  unb 
warnenber  greunb:  nicht  tton  foniglichem  ©eblüte, 
aber  ^um  Äönig  erwählt  als  ein  weifer,  gütiger  unb 


IV.  4.  £)ie  agppttfdKn  ©efefcgeber  nach  £>tobor,  189 

geregter  9ttann:  fcon  ihm  giebt  e$  ©efefce  über  bte 
fBDrffef)cr  ber  dornen  unb  bte  gan^e  SBerwaltung. 
VI.    £)ariuS,  wegen  fetner  SBetS^ett  unb  ©üte  urib  fct* 
ner  2Ccf)tung  oor  ben  ^eiligen  ^Büchern  unb  (£tnrtd)tuns 
gen  ber  2feg»pter  fogar  bei  Seb^eiten  ©ott  genannt: 
ert>tett  beim  £obe  bie  Öhren  ber  gerechteren  £errfd).er, 
3Me  brei  erfreu  jener  Könige  ftnb  bis  jefct  ganj  unbe* 
fannt:  wir  werben  fte  aber  fammtltcr)  im  alten  3?etd)e  nach- 
weifen.  S3ofd)ortö  ijt  aB  £6nig  ber  24ften  SMjnaftte  oon 
9ttanetho  oer^eicfmet:  2(maftS  fchon  burd)  v£>erobot  bdannU 
£)k  2inorbnung  ijt  offenbar  djronologifd). 

2Bir  fyabtn  burd)  Fur^e  2(nbeutungen  bte  oon  un§  ge* 
machte  2(btheilung  ber  bioborifdjen  ^arfMung  unb  bamit 
zugleich  £)tobor  felbft  rechtfertigen  wollen.  Grrff  ber  Verfolg 
unferer  Unterfuchung  wirb  ba3  ©an^e  burd)ftd)ttg  machen. 
2fber  fo  oiel  tjr  fd)on  jefct  flar,  wie  es  fdjeint,  bag  unfere 
Ärtttf  £)iobor3,  oon  bem  burd)  9ftanetfyo  unb  (5ratofthene3 
genommenen  ©tanbpunfte,  jugleict)  feine  einige  9?ed)tfertis 
gung  tft.  3>nn  bis  jelgt  haben  feine  ^Berichte  bem  gorfcher 
nicht  mehr  gelten  fonnen,  als  eine  Anhäufung  oon  gabeln  ober 
£ügen,  in  welche  einige  9?e|te  ^erobottfd^er  Ueberlieferung 
tterwebt  feien:  ein  SSerbammungSurthetl,  welches  leiber  bte 
gan^e  dg*wtifd)e  Ueberlieferung  oerbdchtigt  {>at:  benn  man 
hat  biefe  für  fo  oerwirrt  gehalten,  wie  eS  bie  £>ar|felhtng 
beS  urtheilölofen  unb  oerwirrten  ©ictlterS  tjt. 

SGBtr  glauben  bargethan  ju  haben,  baß  nicht  allein  bte 
einzelnen  2Cbfd)nitte,  wie  wir  fte  bargefMt,  felbftdnbig,  alfo 
in  ftch  ^ufammenhdngenb  ftnb,  fonbern  baß  auch  bie  SSer^ 
binbungen  jwifchen  folgen  2£bfd>nttten,  wie  „nach  biefen 
Königen"  ober  „nach  12  ®efd)lechtern"  FeineSwegS  erbietet 
finb.  Wit  einigen  leicht  erklärlichen  UmjMungen,  beren 


190 


<£rjieö  «uaV  Sroetter  2Jbfd)nttt. 


man  aud)  bei  £erobot  ntdjt  entbehren  fann,  fd)etnen  bic 
einzelnen  2(bfd)mtte  gan$  richtig  äufammenphangen  unb 
bcm  ©ange  ber  breigig  £)miafrteen,  ja  aud)  dratofrheneS  p 
folgen.  StteneS  (teilt  er  an  bie  ©pifee,  nad)  J)erobottf(^er 
SBeife,  unb  fügt  baran  bie  Angabe  bee>  gefammten  alten  SRzU 
cfyeS.  £)er  zweite  2Cbfd)nitt  (bte  S5uftrtSbpna(lte)  fottte  na* 
türltd)  jenem  üorbergehen.  £)er  £elb  be3  alten  tmb  ber  beS 
neuen  9?eid)e3  ftnb  t>ermtfd)t:  aber  £)tobor  felbft  fagt,  bie 
®efd)id)te  bes  ©efoöftS^efojtrtS  roerbe  fehr  üerfd)ieben  er; 
phlt.  SStel  mehr  nod)  mtrb  bte  gorfd)ung  im  ^tn^elnen  er* 
geben. 


©d)lufL    £)te  gnetf)ifd)e  gorfcfyung  unb  bte 
Sft  6  m  e 

£>te  Unterfudf)ung  über  baS,  roas  bte  2(egt)pter  für  bie 
(Erhaltung  ihrer  3ettfunbe  unb  ©efdnchte  gerfjan,  geigte  un3 
F6jtltd)e  9?efte  au£  bem  unt>erttlgbaren  9?etd)thume  jener  jteU 
nerncn  UrfunDen,  in  welche,  Don  uralten  3^ten  f)er,  jenes» 
£)enfmaloolf*  ber  (5rbe  gletchfam  jeben  fetner  (Schritte  burd) 
bie  lange  3?etf)e  t>on  Sahrbunberten  eingegraben  hat.  ©ie 
roieS  uns  baneben  treu  unb  forgfdlttg  burchgefübrte  SSer^eid^= 
nungen  ber  Könige  nad),  mit  beren  SKegterttngSbauer  ber 
2£egt)pter  bie  Stit  mag.  (Sie  lieg  unS  enbltd)  ein  \)bfym$ 
SBewugtfein  ber  dinljdt  ber  Seiten  nad)  großen  Greifen  ber 
©efrtrne  abnben,  #ber  rote  jenen  £)enfmdlern  bas>  2Öort  ber 
lebenbigen  Ueberlieferung,  aud)  bei  ihrem  sollen  äkrftdnbntffe, 
fehlt;  fo  ftnb  biefe  £6nig3li|ten  unb  SahreSretben  troefne  ®e; 
rippe,  ohne  ßeben  unb  £ebene>$ufammenf)ang :  tarnen  ohne 
^Begebenheiten ,  Bezahlung  ohne  ©efd)tchte,  ja  felbft  ohne 


@d)lujj. 


191 


(Brenge  unb  oerjranblicfye  3eitrecf)nung,  wie  ber  ©efrf>td)t^for=: 
fd)er  fte  brauet 

£)ie  griecbifd)e  gorfd)ung  gab  beibeS.  grub  laufd)te  fte 
mit  finblid)em  Db^e  ber  lebenbigen  Ueberlieferung  im  SSolfe, 
ober  roenigffens  bei  ben  ^Priejtern ;  oon  bert  freubigen  unb 
rurjmlidjen  Erinnerungen  ber  guten  alten  Seit,  unb  oon  ben 
norf)  otel  $ablreid)eren  fpdteren  Seiben  unb  jabrfyunbertlanger 
<Scr)mad).  SSon  Der  3ett  an  liebten  unb  roürbigten  bie  ©rte= 
cfeen  ba3  Ernfte,  ©rog artige  unb  2f(tertt)ümltcfee ,  roeld)eS  if)s 
nen  im  dgopttfcfyen  Seben  entgegentrat,  als  eine  merfnutrbige 
menfd)ltd)e  Erfcfyeinung,  als  unbellenifd) ,  aber  nid)t  barbae 
rifd),  gleid)fam  al3  eine  erftarrte  krümmer  ifyreS  eigenen  um 
tergegangenen  SDttttelalterS.  Erjr  burd)  2feanber§  Erobe^ 
rung  jebocr)  unb  bie  ©rünbung  Tüeranbria'ö  öffneten  ftcr)  bem 
©eniuS  ber  ©rieben  bie  (Sd)d£e  ber  £)enfmdler  unb  gor^ 
fd)ung  ber  2legt)pter  über  ifyre  ©efd)id)te,  2Öa6  2Tri|rotele$> 
(Scfeule  oon  tt)rer  (Seite  vorbereitet,  unb  Sttanetfyo  offenbar 
mit  gried)ifcr;er  Anregung,  obroobl  mit  dgt)ptifd)er  ©elefyrs 
famfeit,  erfcbloffen,  ba3  oollenbeten  Eratofrbene6  oon  Eorene 
unb  2(polloDorus  ber  Ebener,  ganj  befonbers  jener. 

£)urd)  fte  erfi  roarb  aud)  dgpptifdje  Ebronologie  Eigem 
tfmm  ber  50?enfc^bctt.  2(n  bie  (Stelle  bonajtifcfyer  2(norbnung, 
worin  ©leicfoeitigeS  eben  fo  gut  roie  9?acr;folgenbe6  Eine 
9?eibe  bilbet,  trat  bie  b;i(iorifd)e :  unb  (ratt  alle  einzelnen 
gierungen,  alfo  aud)  Sftitregierungen,  roenn  e3  bergleicr)en  gab, 
nad)  einanber  aufjufübren,  fügten  unb  fanben  jene  Banner 
bie  ffreng  cbronologifdje  S3efrimmung  ber  Seiten,  nad)  ben 
Regeln  eineS  jtanonS.  So  gaben  fte  ben  (Sd)lüffel  ju  9fta= 
netbo  unb  äugleicf)  bie  Ärttif  feiner  gorfd)ung:  ein  um  fo 
unfd)d£barereei  ©efcfyenf,  ba  Sttanetbo'S  ®efd)id)tSroerf  Oer* 
loren  tjl    3roar  i(l  aud)  oon  2£pollobor3  Arbeit  md^tö  er* 


192  £rjtc3  $uaV  ^weiter  SIbfcfenttt. 

fyaltin  aU  bie  3<*hl  ber  Röntge  beS  9ftittelreid)e§,  unb  (5ras 
tofffyeneS  ^Bezeichnung  ber  ^baraonen  bcS  alten  3?etcf)e$>  tji 
nur  in  einem  bürftigen  2lus£uge  auf  un§  gefommem  2£ber 
jene  3<*hl  unb  biefer  2lue^ug  finb  ^uoer  (affig  überliefert,  unb 
$war  ber  lefctere  mit  aller  33ürgfd)aft  eines  Kanons.  (Somit 
iff  burcr)  fte  ber  SBeg  ber  gegenwärtigen  unb  fünftigen  Jor^ 
fd)ung  für  2Iegt)pten3  2Hterthum  flar  oorge^eichnet  QtntyaU 
ten  fte  feine  SBahrheit,  fo  muffen  bie  £)enfmdler  mit  ihren 
fyunbert  unb  mehr  jtönig$>fd)Ubem  fte  £ügen  (trafen.  (Sie 
werben  bie  Äontge  n t d> t  geben,  welche  bie  Riffen  forbern, 
unb  fte  werben  tarnen  baxbitttn,  welche  biefen  unbefannt 
ftnb.  S^re  ÄonigSfolgen  enbltcr)  werben  ftcf)  nicht  mit  jenen 
fchriftlicr)  überlieferten  ^Bezeichnungen  vereinigen  laffen,  fon== 
bern  nur  beweifen,  bag  bie  gefd)ichtliche  SÖahrheit  früh  tter^ 
loren  war.  Stimmen  alfo  bie  £>enfmalnamen  eben  fowohl, 
als  bie  SReffe  ber  oon  ben  ©riechen  erhaltenen  gefd)icr)tlichen 
Ueberlieferung ,  mit  tt)nen  wie  mit  9ttanetf)o;  fo  müffen  ihre 
d)ronologifd)en  eingaben  als  ttollfommen  bewahrt  angenoms 
men  werben,  £)ie  ©tdrfe  be3  33eweife£  im  erfreu  galle  giebt 
ba3  Sttag  bes>  33eweifes>  im  ^weiten.  £)ie  gan^e  ilritif  ber 
dgpptifchen  G&hronologie  unb  ©efd)ichte  liegt  in  biefem  3wie* 
fall.  Waffen  ftch  alfo  bie  £>enfmdler  burcr)  Sftanetho  unb 
(5ratofrl)ene3  erfldren,  fo  weit  bie  erhaltenen  unb  lesbaren 
tarnen  unferer  bürftigen  2lu^L^üge  reiben;  fo  iff  bie  ©efd>tc^t- 
ltd)fett  ber  un3  erhaltenen  Ueberlieferung  in  ihrem  ganzen 
Umfange  erwiefen. 

hiernach  haben  wir  für  ba§  alte  $eich  38  Könige  unb 
1076  Sahre:  für  ba3  mittlere  53  Könige  unb  etwa  900 
Sahre,  nämlich  Sftanetho'S  Rechnung  für  bie  £)auer  ber  bret 
3>t)na|rieen  ber  ^irtenfonige.  £)ie  1300  Sahre  für  bas>  neue 
Sveicf)  wirb  bie  gorfchung  au3  9ttanetl)o  unb  ben  £)enfmds 


<gd)luß.  SDie  gn'ed).  5orfd)img  iu  bie  SKömer. 


193 


lern  bann  um  fo  ftcf)crcr  gewinnen,  wenngleich  auch  ^>ier 
erjt  nacl)  -2Begrdumung  alter  unb  neuer  9ttißoer(rdnbniffe, 
unb  nur  auf  bem  2Bege  gebulbiger  unb  forgfamer  (Sichtung 
unb  Prüfung  ber  ^Berichte  unb  ;Denfmdler. 

<&olfyt$  §at  in  oierthalb  Sahrhunberten,  oon  £erobot 
btö  2lpollobor,  bie  griechifche  Jorfd)ung  ju  ihrem  unfrerblu 
cr)en  9?uf)me  geleiffet  35alb  nachher  ging  allerbingS  HU* 
ranbrien  in  <5cf)lechttg!eit  ber  $errfcher,  in  &leinigfett$>frd= 
merei  ber  ©elehrten,  unb  in  hohlen  pr;ttofop()ifcf)en  SfebenS* 
arten  ober  eben  fo  rjofyler  SDtyjtif  unb  graulichem  2lberglau2 
ben  ber  Genfer  unter,  unb  ber  bort  gepflanjte  geifttge  £e; 
bene>feim  erfrarb:  ober  oielmehr,  er  fcfylummerte  nur  ein,  um 
balb  oom  göttlichen  9?ufe  ber  Religion  oe$  ©eijreS  roieber 
erwecft  ju  werben,  unb  roieberum  feinerfeitS,  mit  göttlichen 
£hatfad)en  unb  fchöpferifchen  Sbeen  befruchtet,  2fegt)pten, 
2(fri!a,  ja  bie  gan^  übrige  Söelt  ju  wiffenfchaftltchcm  33es 
rougtfein  ju  erheben.  2(ber  felbft  inmitten  jener  jammerook 
len  3eit  ber  3crfrorung  unb  be3  £obe$  war  e£  ein  fifelifcher 
©rieche,  ber,  trofc  aller  SBefchrdnftheit,  trofeetneS  entfehiebenen 
Langels  an  Klarheit  unb  (Scharfe,  boch  mit  großem  Grifer 
unb  ^Zu^en  für  bie  Sttenfdjheit  2legppten  oom  weltgefchichk 
liehen  (Stanbpunfte  ^u  erforfchen  unternahm.  <Sd)on  jefct 
haben  wir  bie  oerwirrte  Seittafel  £>iobor3  einigermaßen  orb; 
nen  unb  bie  Sttoglichfeit  if)re£  v8erjtdnbmffe3  geigen  fonnen. 
2£ber  bie  weitere  Jorfchung  an  ber  $anb  ber  £>enfmdler 
wirb  barthun,  welche  treffliche  9?effe  dgtwtifcher,  hetfenifcher 
unb  aleranbrinifcher  Jorfchung  un3  im  2Bu(te  jener  Sftacf); 
richten  burch  baffelbe  gütige  ©efd&tcf  aufbewahrt  ftnb,  beffen 
£anb  über  ber  Erhaltung  ber  anbern  krümmer  2legr;ptenS 
im  (Schiffbruche  ber  alten  2Beltgefchicf)te  gewaltet  f)at 
I.  13 


194 


Wlit  £)tobor  l)6rt  ntd)t  aEetn  bie  ^ufammenhdngenbe 
gorfchung  ber  ©riechen  über  2(egt)ptenS  ©eftf)tchte  unb  Seit- 
rechnung  auf,  fonbern  überhaupt  bie  ber  alten  SBelt  £)aS 
33erf)dltnig  ber  Horner  $ur  gorfdjung  unb  SBtflfenfcrjaft,  mU 
ct)eS  ftch  in  ihrer  33ehanblung  beS  dgtwtifcben  2Htert!)umö 
abfptegelt,  iff  ein  allgemeines,  unb  erfldrt  ftet)  nur  auS  ihrer 
allgemeinen  (Stellung  ftur  9)?enfchhett  unb  jur  Sßahrhett.  £)te 
Horner  oerjlanben  bie  SBelt  &u  erobern  unb  bie  befleckten 
SSolfer  ^u  regieren,  (Sie  richteten  römifd&e  Rechtspflege  unb 
georbnete  Verwaltung  ein  an  ber  (Stelle  üppiger  ,£>ofrdnfe, 
gewaltfamer  2(riftofratieen  ober  ^erjrorenber  bemofratifcher 
Kampfe.  (Sie  führten  bie  geraten  Zinkn,  wie  ihrer  £anb; 
(fragen,  fo  ihrer  StaatSorbnung  burd)  bie  £dnber  ber  (Srbe, 
unb  über  fte  f)er  joa,  bie  Legion  unb  bie  Kolonie,  ber  Richter 
unb  ber  Solleinnefymer,  bie  Spraye  @icero'S  unb  noch  mehr 
bie  Römers  unb  ^latoS  in  bie  ©tabte  unb  Reiche  ber  33ar; 
baren  ein.  Sfyre  §elbr)errert  unb  (Statthalter  enblict)  waren 
gebilbet  unb  funffrtebenb,  ja  ^weilen  gelehrt  2ßte  benn 
gefchaf)  eS,  bag  bie  Romer,  fchmdhlidj  hinter  ben  oon  ihnen 
»erachteten  unb  mtghanbelten  ©riechen  jurücf ftct>cnb ,  nichts 
für  bie  @rforfcr)ung  ber  (Sprachen,  Sitten  unb  ©efchichten 
ber  alten  Golfer  gethan?  SBie  eS  fcheint,  einfach  beghalb,  weil 
fte  in  feinem  SSolfe  als  bem  ihrigen  bie  Sttenfchheit  erfann^ 
ten  unb  ehrten,  unb  weil  ihnen  £iebe  ^ur  Grrfenntntg  unb 
Sßahrheit  um  ihrer  felbfr  willen  unoerfrdnbliche  SBorre  was 
ren.  (Sie  oerfranben  fein  SSolf,  als  in  fetner  (Schlechtigf eit: 
fte  liebten  fetneS  unb  würben  t>on  feinem  geliebt,  weil  fte 
SÜctnfchlicheS  Weber  $u  ihm  brachten  noch  in  ihm  auffuchten, 
unb  2(nbern  felbft  ©uteS  nur  tljakn,  weil  eS  ihr  eigener 
33orthetl  war.  (Sie  waren  auS  wohlberechnenber  (Selbfrfucht 
fähig,  ben  Golfern  felbfr  wefentltch  alles  ©ute  &u  erzeigen, 


@d>luf*  ©tc  SKSmer.  195 

nur  nid)t  mit  Achtung.  £)ie  SSo^er  roaren  ihnen  nicht  ^Per* 
fönlichfeit,  fonbern  nur  ©egenjranb :  unb  ba3  empfanben  tiefe 
natürlich.  £>ie  Sföenfdfrheit  war  bem  romifchen  <5taat3manne 
unb  praftifcfyen  *Philofopf)en  —  unb  anbere  fyatttn  bie  3?6; 
mer  nie  —  eine  bienenbe  9ttagb,  mit  welcher  reben  nicht 
ber  Sftühe  lohnte,  ja  fdbtmpfltd)  mar,  menn  fte  nicht  grte= 
cfyifd)  ober  romifd)  fprad^ :  in  tiefen  SBölfern  allein  ernannten 
fte  ©6ttlid)e3:  aber  auch  im  ©rieben  liebten  unb  ehrten  bie 
Horner  nicht  bae>  rein  ^enfd)ltche ,  woburd)  er,  bis  in  bie 
3eiten  ber  Gmtiebrigung  hinab,  alle  SSotfer  ber  SBelt  fo  meit 
überffrafylt.  X)a$  gried)ifd)e  £eben  50g  fte  an,  als  ba3  il> 
rem  leiblichen  unb  geizigen  Schwelgen  bequeme  unb  nür^ 
liehe:  ja  ber  runbe  9J?unb  ber  gried)tfd>en  SDZufe  gewann,  in 
romifcher  Nachahmung,  allmdfylia,  ba$>  £)f)r  ber  romifchen 
SSerfammlungen.  Wlan  würbe  mächtig  unb  reid)  burd)  bie 
oon  2ltt)en  unb  3?hobu3  entlehnte  3?ebnerftmjr:  e3  geborte 
00m  achten  Sahrhunberte  an  im  vornehmen  ©tabtt^ette  9?om3 
§um  guten  Sorte,  gried)ifch  &u  fprechen:  in  ^Briefen  beburfte 
man  griechifcher  glosfeln,  unb  mufte  auch  bisweilen  allbe^ 
fanntc  SSerfe  ^omerS  unb  ber  £ragifer  ober  jtomifer  an* 
führen:  entlieh  mar  ba3  ©riect)ifct)e,  felbft  ben  3Be(tber)err= 
fchern,  auf  Reifen  fet)r  nützlich.  SBo^u  waren  aber  alle  ubru 
gen  Golfer  ba,  al$  um  tt)ren  33eherrfd)ern  ©elb  unb  anbere 
Wittel  be3  bequemen  ©enuffeS  $u  liefern? 

2(lfo  au3  rein  menfd)lid)er  £,l)etlnaf)me  befümmerte  ftd) 
fein  achter  Horner  um  anberer  SBolfer  ©efchid)ten:  aber 
aud)  eben  fo  weniq  au3  £rieb  nad)  Srfenntnif?  ber  2Bat)r= 
heit.  £reu  unb  wahr  in  tauglichen  unb  bürgerlichen  SSer= 
hdltnijfen,  war  ber  bejfe  Horner,  al6  fold)er,  gleichgültig  ge= 
gen  bie  2Bat)rt)eit,  welche  ©elbfowec?  unb  ba£  3iel  alleS 
SBiffenS  tjl   £)er  göttliche  £>urjl  nach  SGBtfTen  um  beS  SBBtf* 

13* 


196 


@rfh?ö  93ud).  ^weiter  2lbfd)iutt. 


fenS  willen,  nach  SBat>rl>ett  auS  Siebe  ^ur  2Bafn*heit,  plagte 
ein  romifcheS  ©emütJ)  nie,  £)af)er  ifi  c§  natürlich,  baf 
9iomS  achtbare  (Belehrte  tdd>erüd>  unwiffenD,  ober  minbe; 
jrenS  fcf)r  unbebeutenb,  neben  ben  ©riechen  erfcheinen,  wenn 
fte  ba6  eigentliche  ©ebiet  ber  gorfchung  betreten:  gerabe  wie 
cS  begreiflich  tft,  bag  feine,  in  ber  £etmatf)  ehrenwerthen, 
©rogen  unb  deichen  übermütig  unb  gehdfftg  würben,  wenn 
fte  be3  SSaterlanbeS  gefeilteren  33oben  oerliegen  unb  nicht 
mehr  oon  romifchem  SBürgerftnn  unb  öffentlicher  Meinung 
getragen  unb  gehalten  waren,  ©ie  achteten  bei  aller  S3a* 
terlanbSliebe  nicht  bie  SÄenfdbh«*/  unb  fte  liebten,  trofe  als 
ler  £reue  unb  9?ebltd)fett,  nicht  bie  SBahrheit,  unb  alfo  auch, 
trofe  alleS  SSerfianbeS  unb  aller  S3ilbung,  nicht  bie  SBiffen^ 
fchaft.  Snfofern  tft  Pilatus  ihr  33t(b,  unb  feine  grage 
ihr  ©innfpruch.  ©elbft  be£  eigenen  23aterlanbe§  2Cltertl)um 
hatten  ihnen  erjt  bie  ©riechen  verjtdnblich  unb  an^iehenb 
machen  fonnen.  (Sogar  SSarroS  unb  StaätuS  gorfd^uns 
gen  über  frembeS  TOerthum  leiben  an  jener  nationalen  SSers 
froeftheit,  in  welcher  $om  unterging,  SacituS  jübifd&säflflp* 
tifche  Jorfchung  tjt,  trofc  ber  großen  S5elefenheit,  bie  fte  funb 
giebt,  fo  entfehieben  fehlest,  aU  fein  Urtheil  über  ba3  Gfyxu 
jrenthum  burch  bie  SBeltgefch  ichte  wiberlegt  worben:  unb 
feine  ©ermania  ijt  grog  burch  2CUe$,  nur  nicht  burch  tiefe 
Sorfchung  über  2(lterthum,  (£$  ijt  gerabe  jeneS  ^eUentfc^ 
^enfchliche,  wa3,  trofe  aller  Schwachen,  uns  an  Gtcero 
feffelt,  unb  feinen  ©chriften  einen  fo  unvergleichlichen  9^et^ 
verleibt,  bag  felbft  bie  pl>Uofopl)tfd^en  angenehm  werben.  (5r 
glaubte  an  bie  SBahrheit,  unb  liebte  fte  um  ihrer  felbff  xoiU 
len;  er  ehrte  bie  9ftenfchheit  unb  fuchte  gern  Üftenfchlid&e6  auf. 

S3on  biefem  ©tanbpunfte  ber  römifchen  SBelt  mug  tylu 
niuS  ber  keltere  betrachtet  werben,    ©ein  fecf)3unb>- 


(Schluß.  ®ie  SRbmev.  «pitniuö. 


197 


breigigfreS  SBufy  enthalt,  bei  (Gelegenheit  ber  (Steine,  eine 
Ueberftd)t  ber  £)beli3fen,  ber  grogen  $t)ramtben  unb  bes>  Sa* 
bprinthS:  eine  merfwürbige  2tbbanblung ,  bie  wir  im  tte 
funbenbuche,  hoffentlich  t>erfldnblict)cr  geben,  als  fte  bisher 
gewefen  iff,  2ßtr  werben  im  Verlaufe  ber  Unterfucfyung  oft 
auf  fte  jurttcf f ommen ,  aber  wir  muffen  fte  hier  in  ihrem  all? 
gemeinen  ßharafter  bar^uftellen  fud)en,  Ueber  bie  9)m*amis 
ben  allein  hatte  9)liniuS  ein  £)u£enb  griechifcher  ©d)riftfteller 
nachgelefen,  unb  barauS  nur  gelernt,  bag  man  burchauS 
nicht  wifie,  wer  fte  gebaut  dx  tröffet  ftd)  über  biefeS 
felbfberfchulbete  Crrgebnig  feines  ^efenS ,  wie  gewohnlich, 
burch  eine  falte  Verachtung,  bie  er  burd)  <5mümtntaÜtät  ju 
wurden  fucht.  (5S  fei  eine  gerechte  ©träfe,  meint  *r,  bag 
bie  tarnen  ber  Urheber  folch  unnüfcer  $rad)t  rettungslos 
untergegangen  feien,  2£tler  Sßahrfcheinltchfeit  nach  ftnb  bie 
tarnen  ber  ^Ppramibenfonige  noch  jefct  nicht  untergegangen, 
obwohl  auger  £erobot  alle  übrigen  (Gewährsmänner  beS 
9)liniuS  —  unter  benen  ftd)  naturlich  Sttanetho  nicht  beftn^ 
bet,  ja  auch  nicht  einmal  SratoftheneS  —  langft  in  2deran^ 
brien  unb  SS^an^  t)on  Römern  unb  Sateinern,  Arabern  unb 
Surfen  verbrannt  ftnb,  $atte  bem  ^piintuS  würfltd)  an  ber 
gefd)t Etlichen  SBahrhett  etwas  gelegen;  fo  würbe  er  felbfr 
in  jenen  tton  ihm  angeführten  S3üchern  Sicht  gefunben  h<*5 
ben:  gewig  auch  hatte  ber  romtfehe  Tlbmiral  in  feinem 
eigenen  fürftlichen  Haushalt  ©riechen  genug,  benen  er  eine 
weitere  gorfchung  auftragen  fonnte.  2(ber  eS  lag  ihm  eben 
gar  nichts  baran,  jene  gefchtd)tliche  Shatfache  ju  wiffen, 
ober,  wenn  er  fte  wugte,  $u  erzählen.  „£)ie  oberjte  aller 
„fragen",  fagt  er  bei  ber  Unterfuchung  über  bie  ^pramiben, 
„tfi,  auf  welche  SBeife  man  bie  grogen  SBerfffeine  auf  eine 
..fo  ungeheure  £6be  gefchafft".   £)iefe  grage  hatte  £crobot 


198 


(Erfleh  iBud),  S^eitcr  Stbfchnttt. 


fd)on  fef)r  ftnnretd)  in'S  2ütge  gefaßt  unb  im  ©an^en  fel>r 
gut  beantwortet.  spiiniuS  füfyrt  aber  nur  ^wet  gdnjlid)  un; 
gereimte  33ermutf)ungen  (Späterer  an,  Die  erfte  —  man 
fyabe  Damme  t>on  <Sal$  unb  Patron  aufgefd)üttet  für  jenen 
3wecF,  unb  bann  fte  t>om  9lik  wegfpüten  laffen  —  tfl  fo 
ldd)erlicr),  baß  felbfl  Diobor  fte  al§  fabelhaft  tterfpottet  fyatte. 
Die  anbere,  welche  er  al6  Ärtti!  berfelben  giebt,  ..ba  man 
„meine  (!),  ber  fei  ntcbt  r)ocr)  genug  für  eine  folcfye  2Öeg; 
..fcfywemmung",  ift  aud)  nichts  atö  bie  (5rbid)tung  eines  müs 
ßigen  ©ried)leine>,  ndmltd):  ..man  fyabe  einen  Damm  au3 
„2ef)msiegem  gebilbet,  unb  biefe  nachher  unter  bie  £eute  t>er; 
„tbeilt,  bamit  fte  ftd)  £dufer  barauS  bauten",  spitniuS  füf>rt 
biefe  Meinungen  gewiß  ntd)t  an,  weil  fte  tf)tn  bie  waf)r= 
fd)eintirf)fren  waren:  umgefebrt  tt)rer  Ungereimtheit  wegen. 
2BaS  Jag  feinem  ^aifer  unb  feinen  oornebmen  unb  fdjwek 
genben  £efern  baran,  wie  bie  sppramtben  gebaut  feien,  für 
welche  fte  gewig  nur  um  ber  befyaglicfyeh  (Erinnerung  an  bie 
SRüfje  ibreS  drflimmenS  willen  irgenb  eine  £f)eitnaf)me  em* 
pfanbcn?  2(ber  ein  großer  Unftnn,  ein  bitterer  £ol)n  über 
bie  ©ried)cn  unb  (Belehrten ,  welche  bergleidjen  ©cfywdnfe 
erbad)t,  bot  nod)  bie  Hoffnung  eineS  SRe^eS  für  bie  abge- 
lebten ©emütber  bar.  (Etwas  2(nbere3  tjl  e3  mit  praftifcfyen 
Dingen.  S5ei  bcn  £)beli£fen  oerfefylt  |)lmtu6  nicfet,  genaue 
$la&)xid)ten  beizubringen  über  bie  Stfafcfyinen  unb  fünfte, 
bie  man  angewenbet,  um  fte  $it  errieten  unb  bann  nad) 
3?om  $u  fd)leppen.  2Ber  fte  a,ebaut^  wann?  wo$u?  bas> 
ftnb  Jragen,  bie  er  Faum  berührt,  e3  fei  benn,  er  habt  tr= 
genb  etwa3  ©elrfameS  ober  2dd)crHd)e6  ju  berichten:  wie  er 
auct)  oom  £abr;rintf)  ftd)  an  bcn  nicrjtsfagenben  KuSfpxutfy 
namen(ofer  ©riechen  bdlt,  ndmlid)  baß  es  ein  bem  Könnens 
gott  gewetztes  (Bebäubt  gewefen.    <5o  fommt  es>  benn,  baß 


199 


er  ba£  mafyrbaft  praftifcfye  unb  fegeneretd)e  SBerf  beS  9tt6s 
rtö ,  bcn  ©ee  be3  Saium/  mit  ^er  trocfenen,  t>erad)tenben 
Lebensart  einleitet:  ..ein  groger  ©raben,  *>on  melcbem  bie 
„2(egt)pter,  alö  i>on  einem  SBeltmunber,  t>iet  2Cuffcl)cnö  ma^ 
,.d)en  "  £)er  ftolje  Horner  bad)te  babei  an  bie  groge  ßloafe, 
ben  2C6Iag  be£  2(lbanerfee3,  unb  bie  fielen  2Öafferleitungen 
über  unb  unter  ber  (£rbe:  megbalb  follten  ftcf)  bie  2fegppter 
mit  ifyrem  SftoriSfee  fo  breit  macben,  unb  bie  ©riechen  felbfl: 
mit  folcber  SSemunberung  baoon  reben?  £eitf)te$  SBegmerfen 
biefer  Zxt,  gewürzt  mit  SSermutbungen  griecfyifcber  (Sdjrtffe 
ff  eller  unb  2tttertl)um6frdmer,  burfte  etwa  nod)  hoffen,  tytiU 
nebmenbe  £efer  in  3?om  ju  fmben:  unb  ein  £afd)en  nad) 
©eltfamfetten  unb  munberlid)en  2fnefboten,  moglicfyff  ge= 
fcbraubt  unb  fcbraubenb  erjäblt,  war  eine  Zkbfyabtxtl,  um 
berentmitfen  man  melleid&t  bocf)  nid)t  unter  feines  ©letcf)en  für 
einen  Marren  ober  ^eucbler  gehalten  mürbe,  wenn  man,  am 
gatge  ber  ?üpen  geboren ,  in  SRom,  bei  ©elegenfyett  t>on  <&Uu 
nen,  bie  alte  ©efd)id)te  üom  (See  fÜ^ortö  mieber  auftifdjte. 

£)a3  tft  bas>  getreue  33itb  ber  romtfcben  gorfcfjitng  über 
2Cegv>pten3  2ütertl)um  unb  Seiten.  2(u§  jener  Stellung  $ur 
SO?enfd^t)ett ,  bie  ifynen  9i6mertl)um  mar,  unb  $ur  SBabrbeit, 
bie  fte  nie  Dorn  $etf)te  trennen  fonnten,  crfldrt  c§  ftd),  bag 
fte  tro^  alleS  Strebend  nad)  ^ü^lic^fett,  mobei  fte  ba3  ge^ 
mein  $ltyüö)t  mit  bem  ©emeinnü^igen  oermed)felten,  unb 
tro£  aller  S^ad&t  unb  SBilbung  bocfy  im  geizigen  ©ebiete  fo 
unnü£  für  bie  SBelt  geblieben  ftnb,  unb  ntd)t  altein  felbft 
ntcf)t3  für  bie  gorfcfyung  getfyan,  fonbern  nicfyt  einmal  xt>r 
als  £errfcfyer  *8orfd)ub  geleitet  baben.  Diefe  felbfttfdfje  SSers 
(tocftbeit  ifyreS  abgefcf)loffenen  ©iebenbügellebenS  rächte  ftd), 
nad)  ber  Statur  alles  Unrechtes,  an  ü)nen  felbfb  fte- waren 
verloren,  fo  mie  fte  an  bem  S3ud)jfaben  ber  geijfigen  ©runb; 


200  @rfto  «Sud).  Smitev  WfönitL 

läge  tt>rc^  jkatlid)en  £)afein§  irre  unb  ungläubig  würben, 
wa3  eine  notfywenbige  golge  ifyreS  2SerFer)r^  mit  ben  ©rie- 
ben war.  $Rom$  Unglaube,  wie  fein  Aberglaube,  ift  fcfymdl); 
ltrf>er  als  ber  ©riedjenlanbS:  feine  Unftttltd)feit  rot)er  unb 
fterjrorenber. 

Aber  balb  nadb  £)iobor  unb  bem  Abfrerben  ber  fyellenii 
fd)en  Jorfdjung  über  Aegypten  unb  bie  alte  SÖelt,  gleichet; 
tig  mit  bem  r6mifd)en  Abmtral,  warf  ba£  @l)riftentl)um  bie 
Sbee  ber  (5inen,  göttlichen  9Äenfctyf)ett  belebenb  in  bie  alte 
Sßelt  unb  aud)  in  il)re  gorfcfyung.  3u  bem  SSerfrdnbniffe  ber 
baburd)  unter  ben  d)rijtttd)en  Golfern  angeregten  SBefhebun* 
gen  müffen  wir  un6  ^uerfr  5U  ben  btblifcfyen  Ueberlieferungen 
unb  gorfcfyungen  über  bie  3eitred)nung  wenben,  auf  wek 
d)en  jene  Arbeiten  ju  einem  großen  Steile  rufyen, 


©rittet  %b\ä)n\tt 


®te  tteberlteferung  unb  $orfcf)ung  ber  Suben, 
unb  bie  gotfcfmng  ber  d^rifttic|>en  SJolfer  über  bie 
Seiten  ber  2tegppter* 


(Einleitung* 

SBenbepunfte*    SSertydltmfi  ber  Offenbarung  jur 
3ettred)nung* 

enn  wir  bie  Anfange  ber  um>  erhaltenen  gcfd^td>tttc^cn 
gorfchung  ber  Suben  über  ba£  Vergangene,  unb  ihrer  Ue* 
berlieferung  über  bie  ©egenroart  auf  9ttofe3  unb  feine  3ett 
^urucfführen  —  unb  barauf  wirb  bie  altteftamentliche  ^rt= 
tif  fidc>erttc^  ^unternommen  — ;  fo  beginnt  biefe  zweite  £luette 
ber  dgpptifchen  3eitred>nung  gleichzeitig  gu  fliegen  mit  ben 
dltejten  un3  erhaltenen  fcbriftlicfyen  Urfunben  ber  gefd)ichtlU 
cfyen  gorfdjuncj  bei  ben  2(egpptern.  ©ie  führt  uns,  bie 
gan&e  jübifche  ©efchichte  hinburch,  bi$  jum  Untergange  bc6 
Meiches,  neben  mehreren  ber  bebeutenbften  fünfte  ber  dgp^ 
tifchen  3eitrechnung  vorbei.    £)ie  Jorfchung  ber  Suben  hört 


202 


GrflcS  35ud),  dritter  Sfbfdwttr. 


aber  bamit  nicht  auf;  vielmehr  tjt  fte  unter  ben  Werfern  gan^ 
befonberS  tf)ä%  Unter  ben  $>tolcmdern  f errettet  fte  in  2üe; 
ranbrien -fort,  nicht  ohne  merklichen  Hinflug  2tegvvten3,  na^ 
mentlich  in  2111cm,  was>  biefee»  2anb  betrifft.  Sa  fte  überlebt 
in  Sofep()u6  ben  Untergang  be3  SBolfcS  felbfi 

gür  bie  ehrliche  gorfdfrung  ift  ber  #po|rel  $aulu3 
SBorqdnger  vr»ie  SOhifter.  £>ie  erfic  Grpodje  eigentlicher  djrijts 
lieber  3eitred)nung  beginnt  baS  SÄorgenlanb:  bie  gorfcfyung 
in  ihm  jrtrbt  ab  noch  lange  ci>e  ba3  ojtliche  9?etd>  $u  ©runbe 
geht  <5ie  lebt  im  2(benblanbe  trieber  auf  mit  bem  fecb^eljn- 
ten  3afjrf)unbert,  unb  gel)t  an  ber  £anb  ber  ctaffifct>en 
?)l)ilolotqtc  brittl)a(b  Sabrbunberte  fort  bis  $um  Grntjteben 
ber  2£egvptologie,  welche  ben  legten  SÖenbepunft  btlbet 

3n  biefer  ^wettaufenbidbrigen  gorfefjung  nach  bem  2(6s 
fd)luffe  be£  alttejtamentlichen  Kanons  wirb  jroar  nid)ts>  9?euee> 
überliefert:  aber  e§  wirb  t>erfudt)t ,  ba£  bort  Ueberlieferte  $u 
vergleichen ,  ju  fixten,  ^u  orbnen,  unb  unter  ficr)  fowol)l 
als>  mit  ber  dgvpttfchen  Ueberliefcrung  unb  Jorfcfyung  in 
Grinf  lang  ^u  bringen,  38a3  baburcl)  geleiftet ,  wie  bie  ÜEBafyrs 
J>ctt  abwechfelnb  gefordert  unb  gehemmt,  bie  Ueberlieferung 
balb  erbellt,  balb  verwirrt  worben,  ift  in  feinen  großen  3ü- 
gen  nicht  allein  für  ben  unmittelbaren  ©egenjtanb  ber  Un= 
terfuchung  fel)r  wichtig,  fonbern  auch  üom  höheren  Wettges 
fchichtlichen  ©tanbpunfre.  @ö  giebt  nicht  leid)t  einen  ©es 
genftanb,  auf  welchen  in  biefen  ^weitaufenb  Sahren  von  ben 
geiflreid&flcn  Golfern  ber  (5rbe,  ©riechen  unb  &3v$antincrn, 
Römern  unb  Romanen ,  3)eurfd)en  unb  3)eutfd)engenoffen, 
fo  viel  ©eijt  unb  ©elebrfamfeit  verwenbet  worben  fei,  al3 
auf  bie  ßofung  mehrerer  ber  chronologifchen  fragen,  welche 
2(egt)pten  fowohl  als  Subda  betreffen.  £3ei  folgen  Untere 
fuchungen  ift,  wie  bei  ben  Äreu^ügen  unb  bem  3uge  &3o; 


Einleitung. 


203 


naparteS  naef)  2Cegr;pten,  ber  ftd&erffc  ©ewinn  £ut)6rberft  im* 
mer  ber,  bag  ber  ©etjt  aus>  ber  bumpfen  (5nge  ber  ©egen; 
wart  unb  ber  befd)rdn?enben  33olf$tl)ümtid)fett  burd)  einen 
würbtgen  Vorwurf  tyerauSgeriffen,  unb  angetrieben  wirb,  an 
einem  grogen  3tclc  feine  Äraft  ^u  meffen.  £)ann  aber  auet) 
barf  man  nid)t  überfein,  bag  jebeS  cf)riftlicr;e  gettalter,  um 
fort$ufd)reiten  unb  ftd)  ber  ^Barbarei  $u  erwehren,  einer  t>iel 
umfaffenberen  unb  tieferen  gefd)td)t(id)en  gorfcfyung  bebarf, 
aU  bie  alte  SÖBclt.  £)tefe  9lotf)wenbigfeit  tji  bedingt,  ntd)t 
nur  burd)  ben  gortfdjritt  ber  SBeltgefdfjidfjte,  fonbern  aud) 
tnebefonbere  baburd^,  bag  jebeS  d)ri|ilid&e  Settalter  ftd)  mit 
einer  Ueberlieferung  ^u  oerftdnbigen  f)at,  roefd^e  ifjrem  Sßefen 
nad)  gcfd)id)tlid)  unb  im  rjöd)|ten  (Sinne  weltgefcfyid)tlicf) 
tft  (£3  mug  alfo  burd)  33ergleid)ung  ber  ^eiligen  ©efd)id)te 
mit  ber  übrigen  2Beltgefd)id)te  einerfeitS  unb  mit  ben  ©e= 
feigen  be3  £)enfen£  anbrerfeitS  eine  gormel  ftnben,  welche 
fein  ©laubenSbewugtfein  mit  ber  SBelt  unb  2Biffenfd)aft 
»ermittelt  (£3  war  biefeS  33ebürfnig,  welcfyeS  GlemenS  oon 
2(leranbrien,  SDrigeneS  unb  2(ugufrtnuS  bereite?  $ur  weltgefd)id)t:: 
liefen  3ettred)nung  unb  jur  ^3f>ttofopl>te  ber  ©efd)td)te  führte. 
£)ieg  33eburfnig  mug  man  ins  2Cuqe  faffen  unb  jenen  allgemeinen 
©ewtnn  feflt)a(ten  —  unb  ein  33licf  auf  bie  ntdt)t  forfcfyenben 
Seiten  unb  IBoIfer  genügt,  um  bie  S3ebeutung  beiber  ju 
würbigen  — ,  wenn  man  nicfyt  oft  in  Unmut!)  öerftnfen  will 
über  bie  äScrfcfywenbung  Don  3ett  unb  straft  an  ntdbt  $u 
lofenbe  Aufgaben,  ober  gar  an3  23ewetfen  entfd)teben  tter; 
fester  2Cnnaf)men.  £)ie  2(nnar;men  ftno  aber  einigen  Seit; 
altern  gegeben,  unb  anbere  glauben  ftd)  biefelben  aufbürben 
p  muffen,  um  bie  red)te  S3af)n  ntrfjt  &u  t)erfef)len.  3m 
©runbe  genommen  l)dngt  ber  Erfolg,  wie  jeber  gefd)id)tli= 
cf)en ,  fo  namentlid)  ber  c^ronologifc^en  Unterfucfyung  oon 


204 


Srftcö  Q3ud),  dritter  Wbfönitt. 


ber  SDMhobe  ab:  ber  SBerth  ober  Unwerth  tiefer  aber  wirb 
bod)  jule^t  burd)  bie  9?icfytigf  eit  ober  ga(fd)f)ett,  burd)  bie 
umfaffenbe  ober  befchrdnfte  9latux  ber  ©runbannahmen 
bebingt  werben,  Don  welchen  fte  ausgeht.  2Ber  ba  feftfe&t, 
bag  bie  Chronologie  eine  offenbarte  fei,  wirb  ftd)  nid)t  er; 
lauben,  3weifeln  9?aum  ^u  geben,  bte  ihm  unterweges>  auffto; 
gen,  weil  er  fonfr  ben  ©lauben  an  bie  Offenbarung  über; 
haupt  würbe  aufgeben  muffen.  (£r  wirb  nicht  allein  2Bu 
berfprüche  ablauerten,  fonbern  aud)  Htcfen  augfüllen  muffen, 
wenngleich  bem  »hilologifd^ijtorifchen  Sinne  jene  unlösbar, 
biefe  bobenloS  erfd)einen,  Umgefebrt  wer  entweber  an  gar 
feine  gefd)id)tlid)e  Ueberlieferung  über  baS  ewige  £)afetn  be£ 
9flenfd)en  glaubt,  ober  ba6  gefd)ichtlicr)  =  d)ronologtfd)e  ^le= 
ment  in  ber  Offenbarung  gar  nicht  anerfennt,  wirb  entwe= 
ber  bie  Unterfud)ung  oerfchmdben ,  ober  burd)  ooreilige  SSers 
werfung  fd)wieriger  Annahmen  bie  unter  ber  unfeheinbaren 
unb  verwitterten  Oberfläche  liegenben  gaben  ber  gorfd)ung 
nid)t  entbeefen,  welche  Dielleicht  ber  gaben  ber  2lriabne  ftnb. 

2(Ue  jene  Annahmen  ber  jübifch ;  chrifrlid)en  Jorfdjung 
nun  grünben  ftd)  auf  bie  Schriften  be£  alten  SBunbeS  unb 
ihre  Auslegung,  unb  auf  bae>  33erf)dltntg  ber  d)ronologifd)cn 
Angaben,  welche  in  biefen  Schriften  enthalten  ftnb,  $u  ber 
Offenbarung  über  bie  gottlichen  SMnge,  hierüber  ftd)  oor 
bem  Eintreten  in  Die  Unterfuchung  in£  £lare  ju  feken,  ift 
alfo  oon  entfeheibenber  2Bid)ttgFett  für  ben  Genfer,  wie  für 
ben  $orfd)er,  £>er  Stanbpunft  biefeS  2ßerfe6  fann  nicht 
zweifelhaft  fein:  er  ifr  nothwenbig  ber  einer  rein  gefchid)t= 
liehen  gorfchung:  aber  im  S3ewugtfein  ber  Gefurcht,  welche 
jene  Angaben  fchon  baburd)  forbern,  baß  ber  ©laube  ber 
d)riftlid)en  SSolfer  an  bie  göttlichen  £)tnge  fo  oiele  3ahr= 
hunberte  hinburch  auf  ihnen  geruht  t)at,  unb  noch  iefet  mit 


(Einfettung. 


205 


tbnen  oerfnüpft  ifi  Die  ftd&erfte  50?eti>obe  wirb  alfo  immer 
bie  bleiben,  welche,  überzeugt  oon  bem  gefd^td^tltdben  ßbas 
rafter  beS  lerneS  unb  ÜRtttetpunfteS  ber  Offenbarung,  ge^ 
neigt  i|t,  alle  mit  berfelben  ^ufammenbdngenben  &b<*tfad)en 
ber  äußeren  ©efdjtdjte  beS  jübifeben  SSolfeS  als  wefentltd) 
gefcbicbtltd)  wabr  oorau^ufefcen,  bis  fte  ftdr)  oom  ©egentbeile 
überzeugt  fear.  2£bcr  bie  gorfd)ung  hierüber  fann  unb  wirb 
ftcfy  bie  gefrf)td)tüd)e  SGBiffenfdjaft  weber  nehmen,  nod)  t>er* 
fümmern  laffen.  Denn  im  ©runbe  ijr  bie  2(nftcf)t,  oon  we(i 
cf)er  ber  gorfcfyer  auggebt,  eine  für  bie  SBijfenfcbaft  gleich 
gültige  3"föÜigfeit,  ein  SBorurtbeil  im  bud)jrdblid)ffen  ©inne. 
9tid)t  ber  2Beg  entfdjeibet,  ber  ^um  3iele  gerodelt  ifr,  fort; 
bem  ob  baS  3tcl  erreicht  worben.  GrS  Rubelt  ftcfy  über^ 
baupt  in  ber  ©efd)id)te  in  ibrer  roifJenfd>aftltd)en  gorm  gar 
ntc&t  barum,  was  wabrfcbetnlid),  fonbern  waS  bezeugt  fei, 
Die  vorläufige  2£nftc^t  i|r  immer  nur  SSorauefe^ung;  unb 
jebe  b<*t  ibre  ©efabren  unb  Sftacbtbeile,  foroobl  bie  jübifdje, 
welche  am  33ud)ftaben  flebt,  als  bie  fyetbmfdje,  welcbe  bens 
felben  gering  achtet  9ttcbt  bloS  in  ber  Geologie  fyat  jübt- 
fd)er  «Nationalismus  eben  fo  Diel  gefdjabet,  als  beibnifeber, 
bis  auf  unfere  Sage.  (£S  barf  nie  oergeffen  werben,  baß  eS 
eine  gefd)id)tlicfye  33orauSfe£ung,  eine  SJor^nftcftt  ber  2£uS; 
leger  ber  gefd)icf)tlicben  &3üd)er  beS  alten  SBunbeS  war,  weis 
rf)e  ©alilei  in  ben  Werfer  warf.  Die  ©efcbtd)te  t)at  nid)t 
ben  ^wingenben  ^Beweis  ber  $Jlatytmaü£ ,  weil  ibr  ©ebiet 
ein  unenblid)  bobereS,  baS  beS  ©eijreS  unb  ber  ftttltd&en  tte 
beqeugung  ifr.  #ber  fte  bebarf  um  fo  mebr  ber  greibett  beS 
©etiles  unb  beS  ©ebanfenS:  unb  wenn  fte  aud)  oon  ibrem 
arebimebifeben  (Stüfcpunfte  auS,  ber  pbilologifd)en  ärtrif, 
bisweilen  ber  £f)eologie  wie  ber  ^bilofopbie  unbequem  wirb; 
fo  oerbinbert  boeb,  auf  bie  £dnge,  fte  allein  baS  größte 
aller  Uebel,  ben  Unglauben  an  SBabrbett  überbaupt,  weldber 


2(Mi 


€rfle$  *8ud)*  dritter  2Ibfd>nttt. 


eine  ßdfymung  t>c§  3ünglein3  an  ber  SBage  be3  ©ewiffenS 
unb  ber  gefd)td)tltd)e  SBahnfütn  ifi 

Um  ftd)  nun  biefer  greibeit  mit  Erfolg  bebtenen,  hat 
bie  gorfchung  oor  2CHem  eine  Unflarbeit  befdmpfen  über 
ben  Unterfcbieb  t>on  Ueberlieferung  unb  gorfchung,  SBeibe 
ftnben  ftcf>  in  ber  Bibel.  Die  Ueberlieferung  ift  bie  ÄBertd^t- 
erftattunq  eineS  3euqen,  ober  minbejlenS  be3  unterrichteten 
Seitgenoffen  einer  Begebenheit:  gorfchung  bie  eineS  ©e(e{>r^ 
ten,  welcher  Seugniffe  über  Vergangenem  prüft  2ütcb  bie 
erleuchtetfre  gorfchung  fann,  fo  weit  £batfad)cn  beteiligt 
ftnb,  nid)t  über  ba3  hinausgehen ,  was  überliefert  tjh  nie^ 
manb  fann  bezeugen,  wae  er  nicht  gefeben  ober  erlebt  bat. 
Dag  e3  im  93lane  ber  göttlichen  SSorfel)ung  gelegen,  unö  bie 
ßb^onologie  be5  jübifeben  SSolfee  unb  fetner  2tt)nen  turch 
würfliebe  Ueberlieferung  &u  erhalten,  ober  bie  fpdteren  gor* 
fcher  über  biefen  dugerltchffen  ^)unft  ber  äußeren  ©efchichte 
mit  magifchen  Gräften  au^urüffen,  baS  anzunehmen,  mag 
bem  (§inen  notbwenbig,  bem  2(nbern  ungereimt  erfchetnen: 
bie  gefchichtliche  Unterfuchung  hat  mit  feinen  folgen  mügb 
gen,  oorrot^tgen  unb  oft  lügenhaften  SSorauSfcfeunqen  irgenb 
etwas  &u  thun:  fte  hat  $u  fehen,  ob  unb  waS  überliefert  fei. 
Uebt  fte  bieg  2£mt  mit  öhrfurcht,  wie  mit  greibeit,  fo  wirb 
fte  früher  ober  fpdter  ben  $rei3  erringen,  welcher,  wenn  bie 
©efchichte  ber  legten  ^weitaufenb  Sabre  irgenb  etwas  be^ 
weijl,  jenen  beiben  ©pftemen  oon  ber  SSorfchuncj  tterfagt 
worben  ijt.  ©efd)ichtltcher  ©laube  unb  gefchichtliche  Söiffen* 
fchaft  haben  baffelbe  3^1,  aber  entgegengefe^te  2fu3gang$>s 
punfte.  Der  ©laube  beginnt  in  ber  Betrachtung  ber  menfeh^ 
liehen  Dinge,  wie  bie  heiligen  Bücher,  mit  ben  göttlichen 
Anfangen,  unb  »erfolgt  abwärts  oon  ben  grogen  ^hatfachen 
ber  (Schöpfung  unb  ber  dintyit  be£  ^enfchcngefchlechteS  bie 
überlieferten  Shatfachen,  als  im  ^öffentlichen  SBürfungen 


(Einleitung. 


207 


jener  Anfange.  Se  ftdrfer  unb  retner  tiefer  ©laube  t|f, 
beffa  unbefangener  unb  freier  verhalt  er  ftd>  ^u  ber,  von 
feinem  ©tanbvunfte  J)üd)ft  gleichgültigen,  grage  nad)  ber 
äußeren  ©a)ale  be3  göttlichen  fernes,  welche  eben  bie  #eus 
ßerlichFeit  ber  ©efd^td^te  unb  ihre  äußerliche  SMftdnbigfeit 
unb  chronologifche  33e|!tmmbarFeit  tjt.  £)te  2Biffenfd)aft 
bagegen  fteigt  von  ben  3eit^n  flarer  ©efd)ichtlichfeit  aufs 
wdrtS  $u  ben  bunfelen  Setodumen :  fte  muß  ben  (Strom  ber 
SBeltgefchichte  hinauf  fchiffen,  unb  fte  thut  bieg  in  ber  £offs 
mmg,  an  ber  Quelle  bem  ©lauben  bie  £anb  bieten,  ber 
fetnerfeite>  fte  mit  ©ebulb  unb  greubtgFeit  auf  ihrem  bornigen 
$>fabe  wanbeln  fteht  £)enn  bae  3tc(  erfennenb,  würbigt  ber 
©laube  allein  bie  gan^e  S3ebeutung  beS2Bege3.  £>b  bieSBtffens 
fchaft  bieSßahrheit  ^weifelnb  ober  glaubenb  ftnbe,  tft  tf>m  gleich^ 
gültig :  unb  SBahrhett  tfi  von  ihr  würFlicf)  auf  betten  $>faben 
gefunben,  nie  aber  burch  Unreblichfeit  ober  Trägheit 

2)en  angebeuteten  SÖeg  nun  verfolgenb ,  fann  bie  Un* 
terfuchung  über  bie  in  ber  SBibel  enthaltenen  Zeitangaben, 
welche  mit  ber  dgpptifchen  ©efchichte  unb  Ueberlieferung  in 
fßerbinbung  flehen,  feinen  anbern  2ui3aang3punft  wählen, 
als  bie  rein  gefchid)tlichen  Seiten,  £ter  ftnbet  fte  mannict)s 
fache  unb  an^iehenbe  ^Berührungspunkte,  bereu  jüngjler  3^ 
befiaf)S  unb  3eremiat)&  ©leichgeitigfeit  mit  Pharao  £ophra 
tft,  bem  vierten  Könige  ber  26|ien  ©pnaftie,  ber  dltefte 
a?er  ber  Sufammenjfoß  3?ehabeam3,  be3  ©ohneS  ©alomo'S, 
mit  bem  Raupte  ber  ^weiunb^wan^igflen ,  ©chefonf  s  ©efaf, 
3Bir  bürfen  eS  hier  vorwegnehmen,  obwohl  eS  imferes  @r; 
achtens  noch  niemals-  bewiefen  tjt,  baß  alle  jene  btbltfcfjen 
Angaben  mit  ben  Ueberlieferttngen  unb  ben  gleichzeitigen 
£)enfmdlern  ber  2lcgt)pter  aufS  23efrtebigenbfie  übereinjtim* 
mem  £>en  SBeweiS  wirb  bas  britte  33ucf)  vorbereiten,  baS 
vierte  vor  2iugen  legen, 


208 


(Srfleö  35ud)»  dritter  Wd)nttt* 


SenfettS  9?ef)abeam3  aber  unb  be§  falomonifcrjen  £em; 
pelbauS  f)6rt  bie  aufammenfydngenbe  Ueberlieferung  unb  &te 
ridjterftattung  ber  S3tbef  auf,  unb  begfyalb  aud)  bie  bis  bas 
bin  leibltc&e  Uebereinftimmung  ber  djronofogifcfyen  (Spfreme 
ber  gorfcfyer,  2Bir  fyaben  r>or  jenem  oberjten  cfyronologts 
frf)en  fünfte  —  bem  Sempetbaite  —  nod)  jroet  fefjr  groge 
3ettrdume  ju  burcf)roanbern ,  in  welken  jubtfdje  unb  dgt>p* 
tifd)e  3eitrect)nung  fcergltd&en  werben  muffen:  unb  bie  SOBen^ 
bepunfte  beiber  3eittdume  ftnb  nichts  ©eringereS,  aß  bie 
SBenbepunfte  ber  ©efd)id)te  Aegyptens  unb  t>teUetd>t  ber 
2$ettgefcr;icr;te. 

£)er  uns  junäd&jl  liegenbe  tjt  bie  t>on  bem  Sems 
pelbaue  $um  Au^uge,  oon  (Salomo  bis>  9ftofe6. 

£)er  entferntere  i|t  bie  £)auer  be3  Aufenthaltes  ber  ßins 
ber  SSrael  in  Aegypten,  ober  tton  S^ofeS  bis  Sofepf). 

9lux  bie  (£rforfcr)ung  ber  un3  uberlieferten  Wittel,  jenen, 
unb  bann  biefen  3eitraum  cfyronologifd)  $u  ermeffen,  fann  unS 
ju  einem  Urteile  befangen  über  bie  d^ronologtfd^e  33efcr)af2 
fenfjett  ber  jübifd)en  Ueberlieferung  fyinftdbtlid)  ber  Seit  ber 
brei  Qx^dkx,  unb  Abrahams  dinvoanberung  au$  Sttefopotas 
mien  nad)  @anaan.  (£rfr  auf  biefer  £6f)e  angelangt,  bürs 
fen  wir,  bei  Unterfucfyung  ber  jubifc^en  unb  menfd)lid)en 
Anfange,  un3  umbauen,  um  $u  erfennen,  ob  bie  tarnen 
unb  ©efd)ted)t3regifrer  cbronologifcfyer  Statur  feien  ober  nicfyt, 
welche  Abraham,  ber  SSater  SfaaU  unb  SafobS,  mit  feinen 
SSdtern  in  Gtyalbda,  unb  biefe  roieberum  mit  ben  Anfangen 
ber  nad)flutf)igen  9ttenfd)f)eit  oerbinben.  Gtä  roirb  oon  bem 
(Erfolge  biefer  legten  Betrachtung  abfangen  muffen,  ob  roir 
dt>ronotoc;ifdc)=gefcf>id)tttc^en  ©cl)alt  in  ben  bibltfd)en  Madixity 
ten  über  baS -oorfIutl)ige  2eben  ber  9ttenfd)f)eit  erwarten  bürfen. 


I.  A.  ©nuer  be$  Zeitraumes  von  (galomo  bti  2)?ofe$*  209 


Die  bibltfcfye  Ueberlteferung  unb  gorfd)ung  über  bie 
Seit  Dom  Sempelbaue  bi£  jur  Gnnwanbenmg  in  #e= 
gt)pten,  ober  *>on  (Satomo  btö  Sofepty* 

A.   £)auer  be3  3eitraume$  Don  @alomo  b i 6 

lieber  bie  £)auer  be6  erpen  ber  betten  3eitrdume  Jjaben 
wir  in  ber  SBibel  eine  $wiefa<f)e  Angabe:  eine,  nad)  ben 
einzelnen  3abten  im  ?>entateud),  im  33ud)e  Sofua  unb  im 
33u<$e  ber  Sttcfyter  §u  berecbnenbe,  unb  eine  allgemeine,  im 
S3utf)e  ber  Könige.  Sene  ftnb  einftimmig  uberliefert,  wenn 
gleid)  lücfenbaft:  biefe  ijr  im  bebrdifcfyen  unb  griecf)tfd)en 
£erte  eine  anbere,  in  beiben  aber  t?erfd)ieben  t>on  irgenb  zu 
ner  (Summe,  welche  au3  jenen  einzelnen  3af)len  gebilbet 
werben  fann. 

2ötr  t>ernef)men  juerfr  bie  einzelnen  Angaben,  unb  tt)et= 
len  biefelben  nacb  ben  burd)  bie  Ueberlieferung  unb  ©efd)id)te 
gegebenen  2£bfd)nitten: 
I.   Wlo\e$  Seit 
L  3ug  nadi)  bem  (Sinai,  t>on  ba  bis  ^ 

be65S5arnea:  2Cuöfenbung  ÄalebS  .  .  2S.  +  xl, 
2,  3"9e  &wifd)en  ÄabeS  unb  bem  elanitu 
fd)en  9tteerbufen  unb  juruef  nad)  Äa^ 
be$:  bann  2£ufbrurf)  unb  Eroberung 
be§  £)frjorbanlanbe§,  worin  bas  SSolf 
ftd)  nieberlagt  SC^ofe6  £ob    .  .  .   .  37S>  +  x^ 

geregnet  als  40  Sabre. 
I.  14 


210 


€rM  35ucf).  dritter  2(bfd)mtt. 


II.  Sofua'S  3ett.  Sofua  erobert  ba$  ganb 
t>tcfTett6  be3  Sorbane:  ein  neueS  ©efcfelecfet 
fommt  auf:  Sofua  ftirbt,  110  Safere  alt 
(Sof.24,  29:  ogt.  über  ÄalebS  2Hter  Sof.  14, 
7.  10.)  x  Safere. 

III.  £>ic  Seit  ber  liefet  er:  fcon  Sofua'3  £obe  bis  jum 
Gfnbe  oon  (Samuels  Oftcfeteramte.  £)te  Angaben  au£ 
biefer  Seit  ftnb  boppefter  2£rt.  (SineStfeeitö  roirb  bie 
datier  ber  Dbmacfet  fetnbltcfeer  SBolfer  über  SSrael  an* 
gegeben,  anbrerfettS  bie  X)amx  ber  Unabfedngigfeit  unb 
be$  JriebenS  unter  bem  einen  ober  anbern  9?icfeter, 
ober  auefe  einfad)  bie  3)auer  be£  2£mtes  eineS  folefeen 
2Cnfüferer§.  ©o  feeigt  c§  oon  ber  Seit,  roo  (5feub  9?id); 
ter  roar:  „£)aß  £anb  roar  rufeig  80  Safere".  <5S  ifr 
niefet  roaferfcfeetnu'd),  bag  dfeub  biefe  gan^e  Seit  ber 
JRufee  tieferer  in  SSrael  voar:  aber  ^roifdfeen  ifem  unb 
£)eborafe  roar  fein  9?icfetername  überliefert:  nur  bie 
£feat  eine§  gelben,  ©amgar,  ber  bie  ^Pfeilifrer  gefd)ta* 
gen,  wirb  furj  errodfent.  ©imfon  bagegen  (feei§t  e£) 
riefetete  SSraet  ^roan^ig  Safere  „in  ben  £agen  ber  tyfo 
..lijler":  alfo  jur  3ctt  ber  £)bmacfet  ber  9)feilifrer,  roeldfee 
aU  ein  3^traum  oon  40  Saferen  angegeben  roirb. 
mußte  alfo  natürltd)  früfe  bie  grage  entfrefeen,  roie  bie 
3eit  feiernaefe  getafelt  roerben  folle  ?  bloS  naefe  ben  tiefes 
terjaferen  ?  ober  naefe  biefen  unb  ben  3afelcn  über 
bie  £)auer  feinblicfeer  SDbmacfet?  SBeibe  2(nnafemen, 
aU  aus>fd)lie§lid),  feaben  augenfcfeeinlicfe  S5ebenfen  ge* 
gen  ftefe.  2ßir  geben  feier  bie  überlieferten  Safelen ,  in 
einer  boppelten  9?eifee,  naefe  jener  jroiefaefeen  S^eid)* 
mmg. 


i.  A.  £)auer  be§  3ettraume$  oon  ©alomo  bis  Sftofeo*. 


211 


£)auer  ber  ©  ero  altf)  err  = 
fcfjaft  unb  Unrufye. 


£auer  ber  3?t  d)  ter  dmter  unb 
ber  $uf)V 


^efopotamien££)bmad}t(9L3,8.)    8  Jperrenlofe  Seit  nad)  3ofua'$  Sobe, 

unter  t>en  21elteften 
2W)nieI,    3ubaer,  SfalebS  treffe 

(9t.  3, 11.)  

Wall  — 9)?oab$JDbnn  (3,14.)  x  -f  18  (f^b,  «enjaminit  (3,  30.)  #  .  . 


[Wall -TOM  Dbmad)t(3,15.) 

Abfall  nad>  @buto  2ob  —  Db= 
madu  3«btnö,  beö  gürtfen  in 
<Horb--Äanaan  (4,  l  - 13.)  x  -f-  20 


Abfall  -  mtims  £>bmad)t  («,  l.) 


Abfall  unmittelbar  nad)3atr6£ob 
(10,  8.),  Dbmad)t  ber  TOMcr 
unb  2lmmomter  


18 


SlbfaU-TOMerCbmacWlS/L.)  40 


+  x  +  X  +  111 


*  (gamgar,  5(natr>ö  @obn  (3,  31.)  . 
2)eboraI),  (Jp^raimitin,  SKid)terin 

3U  3abtn6  Seit  (4,  4.) 
Q5araf,  auö  WapMalt,  fd)lfigt  ©i* 
fera  beim  Q5erg  Xabor:  SKuf>e 

(5,  31.)  

©ibeon  (3erubbaal),  Sttanafjtt,  aus 
JDpbra,  fd)lägt  3ftibian:  SRufye 
roabrenb  feines  £ebenö  (8,  28.)  . 
Slbimekd),  fein  natürlicher  ©ofjn, 
rottet  ba$  £au$  ©ibeonö  aus  unb 
übt  oberfte  ©eroalt  (9,  22.)  .  x-f-3 
2foo(a&,  aus  3fafd)ar,  SHid)tcr  (10, 

1.  2  )  

aus  Stfanaffe  jenfeits  (10,  3.) 
3epM>a&,  auö  ©ileab  (12,  7.)   .  . 
(Sbjan,   aus  Q3et^(ef)em  in  3uba 
ober  (gebulon  (12,  8.)  .   4   .  . 
(Elon  aus  ©ebufon  (12,  U.)     #  . 
?Jbbon  aus  <£pl)raim  (12, 13.)  .  . 
©imfon,  ©anit,  „SKid)ter  tnbenSa- 
a.en b.  WM." (15, 20.  »gl.  16,31.) 
(Eli,  £of)erpriefter,  rid)tet  3Srael 
(1  @am.  4,  18.)  bis  jur  Weber* 
läge  bei  (Eben  (Jjer,  reo  bie  Q5un- 
beSlabe  in  bie  .ftänbe  ber  TO'Ufar 
gerietf):  ©amuel  fd)on  f)od)bc- 
rüfymter  unb  angefefjener  *})ropbet 

(3, 19  ff.)  4n 

Samuel,  £Ktd>ter  pon  (Eli'S  2ob  bis 
fura  por  bem  (siege  bei  3föijpa 
über  bie  qj^tlifter  (11, 15.  15, 12.) 
(Samuel,  9iid)ter  nad)  bem  (Siege 

bis  ju  (gauls  SKeg  x 

x  +  x  -f  x  -f  359 

14* 


40 


40 


23 
22 
6 

1 
10 

8 

20 


20 


212  @rfic$  Q3ua%  dritter  2lbfd>nitt* 

IV.   3 et t  ber  Röntge  b i 6  jum  SEem'pelbau. 
<5aul  (fein  <5ohn  Ssbofeth  tfl  40  g,  alt 

bei  ©auIS  £obe,  2  ©am.  2,  10.)  .   .    x  ga&re. 
£)aotb  (7§  3.       Hebron  [über  3uba], 
32  S.  &u  Serufalem  [über  ganj  SSrael], 
2 ©am.  5,  4.5.  ogl.  1  £6n.  2,11.  152.)  40+  6  9}?, 
©alomo  bis  jum  Anfange  be$  SEempek 
baueS  (2  ßon.  6,  1.)     .   .   .   .   .   .  3  +  x  Wl 

x  +  433.  +  xg&. 

©o  gewinnen  wir  folgenbe  Ueberftd)t: 

I.  gRofeS  3ett    40  3. 

IL  Sofua'3  3ett    .   ft   .   •  x-f  

III.  «Rtd&teractt   3  x  + 359  +  (3x  + 111)  3. 

IV.  ^6nt3(trf)e  3eit     ,  .   ,      x+  43   

4x  +  442  +  (3x+lli)  3. 
Sagt  man  bie  Seiten  be£  2CbfaU§,  welche  ber  £>bmad)t 
vorhergegangen,  als  ntcfet  gefchid)tlich ,  ober  in  ben  anbern 
3afyfen  begriffen,  ober  unbebeutenb,  gan$  auger  Rechnung, 
eben  fo  (SamgarS  3eit  alö  in  (§hub£  begriffen,  enblid) 
auch  bie  Seit,  ef>e  2(bimelech  ftd> ,  nad)  ©ibeonS  £obe,  ber 
v&errfc^aft  bemächtigte;  fo  bleiben  bod)  oier  bebeutenbe 
3eitrdume  übrig,  beren  £>auer  unbekannt  tfl: 

bie  ganje  Seit  oon  3ofua'6  Oberbefehl,  alfo  bie  Seit 

ber  Eroberung  eines?  großen  £heil3  ÄanaanS: 
bie  Seit  ^roifdjen  Sofua'S  £obe  unb  2(tbniel§  9?id)ter= 
amt;  alfo  bie  Seit  ftegretd)en  geftfefeenS  ber  einzelnen 
©tdmme,  nach  $icf)t.  1.: 
bie  3eit  bee>  3frd)teramte6  (Samuels  nach  bem  ©iege 

bei  Wiföa:  enblid) 
bie  Seit  oon  ©aulS  Regierung:  alfo  oon  ber  ©flacht 
bei  Wim  bis  ©aulS  £ob. 


I.  A.  £auer  dc£  3eitraume$  r>on  @alomo  bis  9Wofe$.  213 

33ei  tiefem  tf)atfdcf)lid)  lücfen^aften  3ufranbe  ber  ein^ 
feinen  Angaben  t|t  offenbar  jebe  3eitred)nung  unmöglich 
Daj$u  fommt,  bag  t>on  9J?ofeö  bis  ©tbeon  alle  angegebenen 
Balten  40  ober  2  mal  40  fmb  (40  +  40  +  80  -f  40): 
unb  eben  fo  oon  Simfon  bis  Daoib  40  ober  20  (20  -f-  40 
-f  20  -|-  40).  Dagegen  fmb  bie  3«>ifc^engat)len  beftimmte, 
unb  eben  fo  bie  meifren  Angaben  ber  Dauer  einer  feinblid)en 
£>bmad)t II8).  @ing  fyierneben  vielleicht  eine  fefte  (Styxonoz 
logie  f)er?  2£ber  worauf  foUte  fte  ftd)  fluten?  £6ren  wir 
bie  allgemeine  3af)l  unfereS  3?itraumeS, 

23ei  ber  Grrrödfynung  beS  Anfanges  beS  falomonifdjen 
33aueS  l>etgt  eS  im  feiten  S5ud)e  ber  Äonige  (a.  a.  £).), 
baß  bis  baf)in,  alfo  bis  gum  vierten  Safjre  ©alomo'S  vier^ 
Rimbert  unb  ad^t^tg  Safyre  feit  bem  2ütS£uge  t>erfIoffen  was 
ren.  «So  ber  f)ebrdifcf)e  Sert:  bie  Sieben^ig  lefen  vierfyun; 
bert  vierzig  Saf)re.  Diefe  le^tere  33efrimmung  ijt  mit  jenen 
3af)len  unter  feiner  S3ebingung  ^u  vereinigen:  benn  bie  anges 
gebenen  Satyzn  obne  bie  ber  grembf)errfcf)aften  betragen  fd)on 
442  Safyre.  Offenbar  hat  biefe  Angabe  jebod)  ben  2Cnfd&em 
einer  runben  3aty,  welche  auS  ber  Summe  jener  einzelnen, 
bejtimmten  Angaben  gebilbet  fei,  3(ber  fte  fann  aud)  gerabe 
beghalb  unbebingt  verwerflich  erachtet  werben,  als  23erflad)ung 
eineS  gdn$licf)  unjuldfftgen  3ufammenjdJ)(enS  anfcheinenb  un* 
genauer  unb  jebenfallS  unvollftanbiger  Angaben.  Die  tm 
jtge  nicht  verbdchttge  3«W  bleibt  alfo  480:  aber  vielleicht 

II8)  ©tuberg  tfnnatjme  einer  gan&  ungefd)td)tlid)en  tfnorbnung 
ber  fHi&jtzt ,  leren  golge  üielmefyr  nur  eine  geograpf)i[d)e  fei, 
nad)  bem  SSarerlanbe  ber  3?id)ter,  serbient  feine  Sßibertegung. 
<£ie  roiberlegt  ftd)  fdjen  ttjatfadjlid)  burd)  bie  oben  aufgefüf)r* 
ten  Angaben  ber  #eimatt)  ber  einzelnen  SHid)ter,  2(ber  ber 
ganje  gefdjidjtlidje  ©etjalt  bewetjt  auferbem,  baf  bie  golge  ber 
3eit  nad)  ridjtig  fei. 


214 


(ErfteS  33ud).  Brüter  2lbfd)nitt* 


gerabe  nur,  weil  fte  bie  unerklärliche  tft,  $aben  wir  9?ed^t 
anzunehmen,  bag  fte  eine  Ueberlieferung  nach  Sahren  ber  J&o* 
^enprteper  bei  ber  (Stiftshütte  fei,  bem  einigen  möglichen 
£altpunfte  aufammenhdngenber  SahreS^dhlung  ? 

B.  £)auer  b e 6  SeitraumeS  von  fü?of cS  6 1 6  So- 
feph  ober  £)auer  b e ö  Aufenthaltes  ber  Ätnber 
SSrael  in  Aegypten. 

1;  £>te  SBeiffagung  an  Abram,  ISfttof.  15, 12—17: 
„£)a  nun  bie  (Sonne  untergegangen  war,  fiel  ein  tiefer 
„(Schlaf  auf  Abram:  unb  fiehe,  «Schrecfen  unb  groge  gin= 
„(lernig  überfiel  ihn.  3>a  fprad)  er  (ber  £err)  ju  Abram: 
„£)aS  foll|t  bu  wiffen,  bag  bein  (Same  wirb  frembe  fein  in 
„einem  ßanbe,  baS  nicht  fein  ijt:  unb  ba  roirb  man  fte 
„ju  bienen  zwingen  unb  plagen  t>ierf)unbert  S^l)re. 
„Aber  ich  will  rieten  baS  SSolf,  bem  fte  bienen  muffen. 
„^Darnach  follen  fte  ausgehen  mit  grogem  ©ut.  Unb  bu 
„follft  fahren  $u  beinen  SBdtern  mit  ^rieben,  unb  in  gutem 
„Alter  begraben  werben.  (Sie  aber  follen  nach  t>ier 
„9tta nnSl eben  wieber  tykfytt  fommen,  benn  bie  Sttiffetfyat 
„ber  Amoriter  ijt  noch  nicht  alle." 

Sn  biefer  (Stelle  wirb  ^uerft  nur  bie  3ett  beffimmt,  welche 
hinburcf)  AbramS  ^ac^fommen  bienftbar  fein  follen  in 
einem  fremben  2anbe:  nämlich  mer  Sabrhunberte.  Aber  bie 
Israeliten  waren  fo  wenig  bie  gan^e  3ett  it>re6  Aufenthaltes 
bienftbar,  bag  ihre  £)ienjtbarfett  gerabe  bie  Ausnahme  bilbet: 
als  ©egenfafc  ber  unmittelbar  t>or  bem  Auszüge  liegenben 
3eit  mit  vorhergegangenen  S^Wunberten.  Auch  bie  gremfc 
lingfchaft  fann  nicht  als  biefem  Aufenthalt  in  Aegypten  et* 
genthumlich  unb  mit  bem  ^Begriffe  ber  SMenftbarfeit  ^ufam; 
menfallenb  gebacht  werben;  benn  grembltnge  feigen  Abram, 


L  B.  JDauer  be$  SeitraumeS  t>on  9ttofe$  big  3ofcpf>*  215 


Sfaaf  unb  Safob  im  £anbe  Kanaan  eben  fo  gut,  wie  tfyre 
9lad)fommen  e£  in  2(egppten  waren.  (£6  fefylt  alfo  biefer 
Angabe  an  jeber  gefd)id)tltd)en  ^efrtmmtfyett.  SBenn  weiter 
gefagt  wirb ,  bag  biefe  9tad)fommen  mit  großem  ©ute  au& 
$tefcen  unb  ba$  £anb  Kanaan  einnehmen  follen,  fo  baß 
ba$  oierte  ©efd)led)t,  ober  ba$  fünfte  —  benn  beU 
be$  fann  in  ben  SBorten  Hegen  -—  ba£  oerfyeigene  Sanb  wie* 
ber  beftfcen  werbe,  fo  werben  offenbar  oier  ©efd) letzter  je* 
nen  oier  SaWunberten  gleich  gefegt,  unb  jwar  fo,  bag  baS 
vierte  unb  le^te  berfelben  sugleid)  baS  auSjte&enbe  ift.  SBe* 
bürfen  wir  eineS  wetteren  33ewetfe3,  um  an$uerfennen,  bag 
überhaupt  f)ter  gar  feine  genaue  3eitbe(rimmung  §u  erwar= 
ten,  fonbern  ba$  ©an^e  als  prop&ettföe  Angabe  langer  3eU 
ten  an^ufeften,  bie  23ejitmmung  nad)  oier  aber  eine  ben  ©es 
fd)led)t3regijrern  entnommene  (Sinfleibung  fei?  £)enn  bag 
biefe  in  jener  Seit  ttorfyerrfcfyenb  toter  ©lieber  fyaben,  wer* 
ben  wir  unten  ndfyer  nacfyweifen. 

2.  £)ie  zweite  Angabe  ift  bie  bei  ©elegenfyeit  be$  2Cu$= 
SugeS  (2  SDcof.  12,  40.)  eingefettete  SSemerfung:  „Die  3eit 
„aber,  bie  bie  Äinber  Israel  in  2Cegt)pten  gewohnt  f)a= 
„ben,  ifr  t>terl)unbert  unb  breigig  3af)re." 

£Mefe  Angabe  nun  fann  auS  ber,  jener  ©reife  ju  ©runbe 
liegenben  2(nfd)auung  fyeroorgegangen  ^u  fein  fcfyetnen,  fo  bag 
bie  breigig  Sabre  für  ba$  2£Iter  ber  2Tu^jier)enben  gerechnet, 
unb  biefe  fomit  aB  ba6  fünfte  ©efcfylecfyt  befftmmt  angege; 
ben  feien.  £)ber  man  fann  fagen,  biefeS  fei  bie  gefd)id)tltcf)e, 
ffreng  d)ronologifdbe,  jeneS  bie  propr)ettfd>e ,  ftiüify  unbe= 
ftimmte  gorm.  ^ebenfalls  giebt  man  fo  ju,  bag  bette  lim 
gaben  bucr)fi:dbltct>,  alfo  ffreng  cfyronologifcf),  nicf)t  ^ufammem 
frimmen.  3m  er  jten  galle  bürften  wir  fn'er  oon  oorn  herein  feine 
ftreng  gefcfytd)tlid&e  Angabe  erwarten:  benn  eine  folcfye  fann 


216 


@r|icg  %\id%  dritter  mfänitu 


nie  auf  eine  prophetifche  Anbeutung  ge^runbct  werben.  Anberg 
wäre  e3  allerbingS  bei  ber  ^weiten  Annahme.  Abet  in  bie* 
fem  galle  t>etf)inbert  un3,  auf  jener  Angabe  chtonologifcf) 
weiter  &u  bauen,  ber  UmjTanb,  bag  biefelbe  un3  t>on  alten 
3eiten  t)cr  wiberfprecr)enb  überliefert  ifi  £)er  gewöhnliche 
Sert  ber  (Siebenjig  fd)iebt  nach  -Aegypten"  bie  SBortc  ein: 
„unb  in  Kanaan"  Sßtr  werben  balb  fehen,  bag,  nach  ben 
©eburtSregijtern  oon  Abraham  bis  Safob,  auf  ben  früheren 
Aufenthalt  in  Kanaan  215  Sahre  fommen:  man  hat  alfo 
offenbar  biefe  3aW  hier  $u  ©runbe  gelegt,  unb  ben  3eitraum 
t>on  Abrahams  Gnn^ug  in  Kanaan  bis  jum  Auszüge  aus» 
Aegypten  als  in  $wei  gleiche  ^J>etfe  jerfaüenb  angefehen, 
wooon  ber  eine  auf  Äanaan  falle,  ber  anbete  auf  Aegypten. 
Abet  alSbann  mügte  eS  heigen:  bie  jtinbet  Ssrael  ..unb 
thte  SSdter",  unb  fo  lieft  würfltd)  bie  aleranbrinifche^anb= 
fchrift  ber  (Bieben^ig  unb  bie  famaritanifche  Ueberfefcung. 
Allein  eine  folche  regelmdgige  2heilung  i(!  nie  gerichtlich. 
Qt$  giebt  ftch  bemnach  beibeS,  ber  aleranbrinifche  unb  ber  fas 
maritanifche  3ufa£,  als  flügelnbe  gorfchung,  unb  ber  hebrdis 
fche  £ert  mug  üorgejogen  werben.  Aber  430  iff  unb  bkibt 
bie  SSerboppelung  ber  3eit  oon  AbramS  Cnnjuq  in  Kanaan  bis 
&u  SaFobS  (5inwanberung  in  Aegypten.  Sie  3ahl  iff  alfo  eine 
gorfchung,  unb  jwar  eine  ungefchichtliche,  £>enn  bag  man 
in  alter  3ett  jene  ©eburtSltflen  fo  jugefchnitten,  bag  bie  auS 
ihnen  $u  berecr)nenbe  (Summe  gerabe  bie  £dlfte  jener  ge* 
fchichtlich  überlieferten  430  Sahre  bilbe,  wiberjrrebt  einer  un; 
befangenen  Anfdjauung  jener  Urfunbe,  unfereS  SBebünfenS, 
noch  mehr  als  bie  Annahme,  bag  würflich  bie  eine  3eit  ge^ 
nau  baS  doppelte  ber  anberen  betragen  habe.  @S  liegt 
gar  Fein  ©runb  t>ot,  weghalb  Gegiftet  fo  runfllicf)  behanbelt 
wotben,  bag  bie  batauS  heroorgehenbe  3eitreihe  gerabe  bie 


].  B.  £>auer  beö  Settraumeö  *>on  OTofeö  biö  3ofcpt>* 


217 


#älfte  ber  für  ben  ndchften  3ettraum  gefd)id)tlich  überlie; 
fertcn  3af)l  bilbe.  Vielmehr  frfjetnt  unS  bie  ©acr)e  natura 
lieber  fo  gefaxt  werben  ju  muffen:  bte  3af)l  &»et&wntat 
unb  fünfzehn  ift  bte  altere,  (Sie  ergab  ftcl>  au$  ber  lieber; 
lieferung  über  bte  als  gamiliengefcf)icf)te  ber  brei  Patriarchen 
gestaltete  urfanandifcfje  SBor^eit,  welche  mit  2lbram$  Grinjug 
au$  Sflefopotamien  beginnt  unb  mit  SafobS  2(u3wanberung 
nadf)  2Ceg>)pten  fehltest  gur  ben  2Cufentt)alt  in  #egtw  ten 
war  feine  gerichtliche  3eitred)nung  überliefert,  fo  wenig  aB 
©efd>id)te  felbft:  ja  e$  ragten  au3  biefer  Seit  nicht  einmal 
hohe  9)erf6nlfd)feiten  heroor,  au5  benen  ftd)  ^wifchen  Sofeph 
unb  9ftofe  ©efchlecbtSregijrer  Ratten  bilben  laffen.  Wtan  Oer* 
boppelte  alfo  jene  ^atriarc^en^aljl  für  ben  2£ufentt>alt  in  2Ce= 
gtwten,  um  bie  bei  weitem  längere  £)auer  beffelben  au^ubrüs 
efen,  unb  gab  biefer  Sah*  bte  gorm  einer  gerichtlichen 
(Summe  ohne  ben  Unterbau  oon  ©efchlechtSregifrern.  Sieben 
biefer  Angabe  geht  —  als  etwaS  früheres  ober  ©pdtereS, 
benn  ba3  ift  zweifelhaft  —  bie  propfyetifcfye  Angabe  oon  t>ier 
Sahrhunberten  unb  mer  ©efchlechtern  her. 

2Mefe  lefctere  Annahme  hangt  n?a^rfdt)etnltd)  mit  ben  über* 
lieferten  ©efcfylecfyteregijtern  einzelner  gamilien,  befonberS  ber  fies 
fciten,  ^ufammen.  £)enn  biefe  geben  fajt  alle  brei  ober  wer  ©lies 
ber,  Sftogen  nun  biefe  nad)  jener  ©teile  gefeilter,  ober  mag  bie 
3ettbef!immung  in  jener  Stelle  oon  ihnen  entlehnt  fein,  eis 
nen  chronologifch=gefd)ichtlichen  @harafter  wirb  bie  Jorfcf)ung 
Weber  hier  noch  bort  annehmen  bürfen. 

Sur  SSeranfchaulichung  beS  ©efagten  mögen  folgenbe@es 
fchled)t6regif!er  bienen.  2Bir  beginnen  mit  benen  ber  fiem's 
ten:  wenn  irgenbwo,  fo  mugte  hier  bie  ©efchlechtSfolge  tters 
mtttelft  ber  v£ohenpriefrer  erhalten  fein. 


218  grftca  95ud).  Untrer  abfdjnttn 

L  £et)t  big  tfaron:  2  SÄof.  6,  16  ff, 
Sem   +  137  3af>re  alt. 

Wa$  f  133  g,  alt. 

2(mram  f  137  g.  alt 

?Caron,  Sftofes, 
83  S.  alt  beim  Eilzuge,  80  3.  alt  beim  2foS$uge  (2  SR.  7, 7.), 

@leafar 

$>inef)a3  Cftrcttet  in  ber  <Sd)lacf)t  wiber  Titian,  in 
welker  Sötleam  fiel,  4  gRof.  31,  6.). 

II.   ßtjte  ber  £ of) enprie|rer  bis  jur  3ettföruna, 
b  e  3  £  e  m  p  e  1 3  b  u  r  d)  ^ebufabne^ar:  1  ßf)t.  7, 
$)inel)a3 

2Cblfua 

S3ufi 

l 

©eraja 
Stterajotf) 
2Cmarja 

3«bof ,  trieftet  unter  £at>ib  (2  ©am.  8,  17):  falbt 
l  ©alomo  (1  £.  1,  39.  t>gl.  2,  35.). 

2flE)tmaaj 

2tfarja,  Surft  unter  (Salomo  (1  &  4,  2.). 
3of)annan 

2Cfarja,  „^rieffer  im  v&aufe  bes>  £errn,  ba3  ©alomo 
l  baute"  (SB.  10.),  unter  Ujta  (26,20.). 

2(marja 

Wtob 

3abof 
I 

©attutn 

i 


I.  B.  fcouer  be$  SeitraumeS  »on  5D?ofcö  biö  Sofcpfe*  219 


2£farja 

I 

©eraja 

So^abaf,  roeggefüfert  bur<#  Sttebufabne^ar  (SS.  15.). 
£ier  atfo  feaben  wir: 

a.  t>om  2£us$uge  (=  9)inefeaS  lfreS  Safer  geregnet)  bis  3a^ 
bof,  bcn  ^rieflet  £>at>ibS,  roelcfeer  ©alomo  fatbt,  acfet 
©efcfelecfeter:  roaS  bis  jum  £empelbau,  40  Safere  aufs 
©efcfetecfet  geregnet,  feocfefknS  360  big  380  Safere  ergebt. 

b.  «8on  £>at?ib  ober  <5atomo  bis  Ufta  ftnb  200  bis  250 
Safere:  feierfür  feaben  wir  4  ©efcfetecfeter  =  160  Safere. 

c.  SBon  Ufta  bis  ju  Sojacfein  ober  3ebefiafe  ftnb  200  bis 
220  Safere:  bie  ^rieffer  beS  Anfangs*  unb  (£nbpunfteS 
ftnb  burcfe  fteben  ©efcfelecfeter,  t>on  30  Saferen,  getrennt. 

Bf.  «cöt  bt§  ©aut:  1  Gfer.  7,  22  ff. 

2et)i 

ßafeatfe 
2Cmminabab 
ßor  afe 

dttana 

Wftr 

Sfeafeatfe 

Ür'iel 

Ufija 
i 

©aut. 

$ier  atfo  ftnb  tton  jtorafe  bis  ©aul  neun  ©efdfetecfeter: 
baS  ©efcfetecfet  40  Saferen  angenommen,  ergiebt  t>om  #uS^ 
juge  bis  &u  <5autS  Regierungsantritt  etroa  300  Safere,  alfo 
bis  ©alomo'S  Sempetbau  jroifcfeen  380  unb  400  Safere. 


220 


Srtfcö  Q5ucn.  dritter  2fbfd)nitt* 


IV.   @pf)ratm  bis  9lun,  ben  SBater  Sofua'S:  1  <5fcr. 
8,  23  ff, 

S3ria 
i 

3?epf)af)  — $efepl) 
l 

£l)af)an 
l 

Saeban 
Ammifjub 
(Slifama 

33ria'S  softes  3af)r  qtetd^  gefefct  bem  Auszüge,  unb  jebem 
©liebe  40  3af)re  gegeben,  enblid)  Sofua  40  3al)re  alt  ange; 
nommen  beim  Auszüge,  madbt  340  3af)re. 

@in  anbcreS  ©efcfylecfytSregijler  t?on  Ephraim  burrf)  ©u* 
t^elal),  ben  ©of)n  auS  ber  erfren  Grl)e,  unb  beffen  üftadjfom* 
men  (1  ßfyron.  8,  20  f.)  fül)rt  auf  feine  gefd)id)tlicr;e  5)erf6ns 
ltci>fett  unb  ifr  überhaupt  bunfet  unb  zweifelhaft  (t>gl.  4  Sftof. 
26,  35.).  2CUetn  eS  f)at  bie  einzige  gefd)id)tlid)e  Sfyatfad&e 
auS  ber  erften  Seit  beS  dgtwtifcben  Aufenthaltes  erhalten. 
(SpfyraimS  9tad)fommenfd)aft,  t>etgt  eS,  warb  bei  feinen  2eb= 
weiten  t>on  ben  Cnnwof)nern  beS  pl>ittfTdtfrf>en  ©atl)  erfcblas 
gen,  weil  fte  (auS  ©ofen)  einen  rduberifcf)en  3ug  borten 
unternommen  unb  SBief)  weggetrieben  Ratten, 

AuS  biefem  allen  fonnen  wir  feine  anbere  gefcf)id)tlicf)e 
Solge  stehen,  als  bag  aud)  in  ben  ©efd)led)tSregillern,  felbfl 
benen  beS  r)or)enprteflerltd)en  ©tammeS,  feine  SSolljtdnbigfeit 
unb  fein  jtrenger  3ufammenf)ang  befreit,  alfo  aud)  annale- 
fyerungSweife  auS  ihnen  feine  Zeitrechnung  gebilbet  werben 
fann,  £)a^u  fommt,  bajj  allen  jenen  ©efchled^tSregiftern, 


I.  B.  £)auer      3ettraume$  sott  3ftofe$  bis  3ofcPb«  221 

mit  2(uSnaf)me  einzelner  ©lieber,  gar  feine  gefd)icf)tu'rf)e  2Cn= 

gäbe  gur  (Bette  jtefyt, 

@§  ijt  uns  fd)wer  $u  begreifen,  wie  biejenigen  gorfdjer, 

welche  (wie  wir  eS  auef)       ttmn  ntc^t  anflehen)  3ofepl)3 

^>erf6nltcf>fett  unb  5D?ad)t,  unb  bte  Grinwanberung  ber  Mm 

ber  SafobS,  etwa  70  ©eelen  jrarf  mit  bem  ©eftnbe,  al$^ 

eine  gefd)td)tlid)e  £f)atfad)e  annehmen,  unb  eben  fo  bie  2Cns 

gaben  ber  ©d&rtft  (4  3»of.  1,  46.  t>gl.  26,  51.),  wonaef) 

bie  (rreitbaren  Banner  t?on  jwanjig  Sauren  unb  barüber 

beim2Cu^uge  mef)r  als  600,000  9)?ann  betrugen,  wiebiefe  gor; 

fdjer,  fagen  wir,  e3  für  gefd)i<f)tlid)  galten  !onnten,  tag  bte 

Äinber  3§rael,alfo  ein  SSolf  t>onmef)ral3  jwei  Millionen,  fcf)on 

nad)  wer  ober  gar  nad)  jwei  Safyrfyunberten  ausgesogen119). 

I19)  ©in  neuejter  2fu$leger  (Dr.  ffiaumgarten  in  JCiel,  Sbeolog.. 
Kommentar  jum  2C,  X.  lfrer  £f)L  ©.  476.)  finbet  430  Sabre 
viel  ju  lang,  unb  »rill  lieber  bic  £älfte  annehmen,  ©eine 
Stedjnung  ift  folgenbe:  „SBenn  30  Satjre  auf  eine  ©eneration 
„fommen,  fo  ift  bte  fedjfh  in  2Ceg\)pten  gejeugte  ©eneration 
„im  180flen  3af)re  geboren,  mithin  beim  2fu$&uge  über  203al)re.. 
„£5tefe  ©eneration  bilbet  alfo  bie  ^auptmaffe  ber  600000  SOiann» 
„Sffienn  mir  bemnad)  üon  ben  70  ©eelen,  bie  nadj  2feg't)pten 
„famen,  14,  nämlicr;  Safob,  bie  12<gobne  unb  £>tna  ab^ietjen; 
„fo  bleiben  56  $)aare,  meldje  Äinber  geugten"*  .  ♦  ♦  » 
£5iefe$  Uebrigbteiben  ber  56  $)aare  oon  70  (Seelen  erinnert  fefjr 
an  gaUjfaffg  2frt  ju  rennen  bei  ©bafegpeare.  £err  Saum* 
garten  bemeifr  bann,  ba£  von  biefen  56  paaren  in  ber  feebften 
©eneration,  bei  einem  für  ©ofen  mäftgen  Sbefegen  oon  6  jtin* 
bem,  4  SföiUtonen  in  jroei  Sabrbunberten  mit  fo  großer  Seitt> 
tigfeit  fommen  fonnten,  baf?  man  ftd)  mürflid)  munbern  muf?, 
ba£  ber  auS&iebenben  3$raeliten  nidjt  meljr  roaren.  3d)  glaube 
nidjt,  bafj  bergleidjen  gute  Geologie  fei:  id)  mill  mid)  aber 
auf  bem  gefd)id)tlid)en  ©ebiete  fjalten  unb  fagen,  bafj  eS  bie 
alten  SKabbtnen  faum  fdjlimmer  gemalt  baben.  Sie  (Sfjrfurdjt 
t>or  bem  alten  Seftament  of)ne  fritifdjen  SSlicf,  ober  obne  pb> 
lologifdjeS  ©emiffen,  giebt  nidjt  ben  SSeruf  &um  2(u6leger  ber 
^eiligen  Urfunben;  unb  mir  gejreben,  bajj  e$  für  uns  ju  ben 
traurigften  (Srfdjeinungen  ber  3ett  gef)6rt,  menn  mir  berglet; 


222 


(Jrtfeö  93ud).  dritter  2lbfd)tiitt. 


2Btr  baben  jeben  ber  beiben  3eitrdume  bis  je£t  für  ftdj) 
betrachtet,  unb  bie  ÄritiF  ber  ifyn  betreffenben  d)ronoIogifcf)en 
Ueberlieferung  einzig  au3  ber  eigenen  ^atur  berfelben  ge* 
fcf)6pft.  Mein  je^t  wirb  c§  uns  vergönnt  fein,  beibe  (£pod)en 
in  tf)rem  3ufammenf)ange  tn'S  2Cuge  $u  faffen. 

5DZtt  ©atomo'S  £obe  txitt  eine  üoUFommen  georbnete, 
jufammenbdngenbe  3eitred)nung  be3  9veid)eö  Suba  ein.  2Cber 
ba5  3?eid)  war  febon  t>on  £)at>ib  georbnet,  unb  gefd)id)t(icf)e, 
auf  tarnen,  Saaten  unb  folgen  gejtü^te,  in  ftd)  im  2ttJges 
meinen  jufammenbdngenbe  Gablungen  reichen  üon  ©aul 
bis  &u  Sofua  unb  9ttofe  hinauf.  SOBenn  wir  nun  bod)  felbft 
in  biefem  Stitxaume  Feine  jufammenbdngenbe  3eitrerf)nung 
fanben:  wenn  un£  nid)t  aütin  im  Anfange  beffelben,  fonbern 
nod)  beim  <Sd>hiffe  beS  2(bfd)nitteS  bie  runbe  3af)l  werjig 
au6fd)lieglicf)  begegnet;  wie  Fonnten  wir  für  benjenigen  3cit- 
punFt  eine  Chronologie  erwarten,  beffen  (5nbe  eben  ber  SSor^ 
abenb  ber  ©eburt  be£  SSolfea  unb  feiner  (Selbffdnbigfeit  i(r? 
auö  bem  wir  nicfyt  allein  Feine  ©efcf)id)te  Fennen,  bie  weiter 
aB  bocbfrenS  ein  Safyrbunbert  üor  bem  2(u^uge  hinaufginge? 
in  welkem  enblid)  überhaupt  ^wifeben  9ttofe3,  bem  Erretter,  unb 
Sofepb,  bem  2Cnftebler,  Feine  einzige  gefcf)tchtliche  ^erfönlicfc 
Feit  erfdjeint?  2Bo  tjat  ftd)  je  in  folgen  3"ftdnben  eine 
Chronologie  erhalten?  ja  wie  Fonnte  e3  nur  überhaupt  in 
ihnen  Chronologie  geben,  welche  notbwenbig  SSolFSbewuffc 
fein,  ©elb|tdnbtgFeit  unb  gefd)icbtlid)e  SSorjeit  oorausfefct? 

gür  bie  Crrmeffung  folcher  (Epochen  ftnb  wir  immer  an 
bie  innere  ÄritiF  gewiefen,  unb  biefe  zwingt  jur  Annahme 

djen  bei  einem  offenbar  ernft  benfenben  unb  gelehrten  Stjeos 
logen  ftnben.  9Jfod)te  bod)  (Sroalb  feinen  ernften  unb  [tagten* 
ben  SSticf  ben  gefdjidjtlidjen  Ueberliefevun^en  juroenben,  wie 
er  e€  ben  $)ropf)eten  getfyan  f)at! 


I.  c.  £>te  Urjcit  in  ftanaan  unb  Gtyalok. 


223 


eineS  Met  längeren  Aufenthaltes  beö  SSolfeS  SSrael  in  ILn 
gppten:  boppelt  ftarf,  wenn  man  bie  tfeatfdd&Ctd)e  SBafyrfyeit 
ber  (^dhlung  t>on  3ofepf)S  9)erf6nlid)fett  unb  9ttad)t  am 
nimmt.  SBer  biefeS  nid)t  tlmt,  fd)eint  unS  nicht  nur  alle 
©runblage  einer  $efd)icf)tlicf)en  £ritt£  5U  verlieren  unb  alleS 
3?ed)t,  über  bie  £)auer  beS  Aufenthaltes  Unterfuchungen  am 
aufteilen,  fonbern,  unferer  Ueber$eugung  nad),  aud)  baS  WiU 
rel,  bie  Grntffrhung  ber  biblifd)en  Ueberlieferung,  fo  wie  rau- 
fte fennen,  frttifd)  $u  erfldren. 

C.   £)ie  Urzeit  in  Kanaan  unb  (5l)albda. 

£)er  Grin^ug  ber  Äinber  SSrael  in  Aegypten  ijt  ber  erjfe 
gefchichtliche  SBerührungSpunft  beiber  336lfer.  SBir  wollen 
begl)alb  über  bie  früheren  Abfcfmitte  ber  jübifchen  Ueberlie^ 
ferung  nur  fo  mel  anführen,  als  nothig  ift,  um  ^u  geigen, 
baß  bie  Ueberlieferung  in  bemfetben  Stfaße,  als  fte  tiefer 
in'S  Altertum  gurücfgeht,  einen  weniger  cr)ronologtfcf)en  Gh^ 
rafter  an  ftcf)  tragt,  fo  baß  für  bie  dgDptifche  ober  atfge= 
meine  3eitretf>nung  fein  2id)t  r)tert>on  ju  entnehmen  ijf,  wohl 
aber  eine  S5e(tdtigung  ber  bisher  burdjgeführten  Anficht. 

SGBir  haben  bereits  bemerft,  baß  bie  3«l)len  ber  ©ene^ 
ftS  für  ben  nadelten  großen  3ettraum,  t>on  AbramS  (Jim 
roanberung  aus  Sttefopotamien  in  Äanaan  bis  gu  S^fobS 
Grinwanberung  in  Aegypten,  bie  (Summe  t>on  215  Sauren 
angeben.  2)ie  3<*hlen  ftnb  ndmlid)  folgenbe: 
AbramS  (Einroanberung: 

Sahr  fein.  Alters  75:  Safer  b.3ettrethe  1 
SfaafS  ©eburt  .  ,  ,  100  ;  ;  25 
SfaafS  SBerheirathung  s  s  s  40  s  5  ^  65 
(frfau'Su.3afobS©eb.  5  ,  5  60  ;  ;  ;  85 
SafobS  (£inwanberung 
in  Aegypten         s  ;    130      *    -  215 


224  Srfleö  $ud).  ^Dritter  2(t>fd>nttt» 

Ueber  tiefe  ^af)kn  ijr  unsl  ferne  33erfd)köenf)ett  ber  #ns 
gaben  überliefert:  allein  bie  gefd)id)tlicf;e  jtritif  barf  ftd)erlid) 
für  bie  cfyronologifd)e  9?atur  ber  ©efd)led)t3tafeln  t>or  bem 
(frinjuge  nirf)t  mefyr  ©lauben  forbern,  als  für  bie  jüngeren 
in  2legppten,  (Sie  mug  aud)  augerbem  auf  bie  ©efammk 
natur  bes>  (Stammbaumes?  2(bramS  aufmerffam  machen. 

2lbram,  ber  Hebräer  ((£bri),  war  UrenFel  (Serugs>,  in 
welchem  SButtmann  ben  tarnen  ber  £anbfd)aft  r>on  (Sbeffa, 
(5red),  unb  be3  (Stammfürften  tton  £)6roene  nad)gewiefem 
@r  war  ber  <Sol)n  &l)araf)s>,  ber  Ur  in  <5l)albda  t>erlieg, 
unb  nad)  bem  2anbe  v£>aran  50g.  (Er  fyeigt  ©ruber  t»on 
*£)aran,  2ots>  SSater:  SSater  SSmaelS,  be3  Stammvaters 
üon  13  arabifd)en  £anbfd)aften,  unb  SftibianS:  ferner, 
burd)  So f  f  d) an  unb  (Sdjeba  ($wei  nad)gewiefene  ^anb* 
fcfyaftsmamen),  ale>  feinen  (Solm  unb  (EnFel,  Urgrogoater  ber 
2lfd)urim,  £etufd)im  unb  ßeummtm.  2öer  bei  jenen  tarnen 
etwa  nod)  r»erfennen  wollte,  bag  fte  tarnen  t>on  SBolfs^dms 
men  unb  nid)t  t»on  ^erfonen  fein  follen,  ber  wirb  l)ier  burcr) 
bie  Sföefyqarjlform  ber  tarnen  gezwungen  anzuerkennen,  bag 
er  fid)  auf  bem  ©ebiete  ber  Ueberlieferungen  über  Den  3"2 
fammenl)ang  r>on  SBolfSftdmmen  beftnbct,  wo  Grpodjen  in 
ber  gorm  t>on  ©efd)led)tem  angebeutet  werben. 

(Enblid)  fo  wie2lbram  burd)  Sfaaf  unb  SaFob  Urgrogüater 
ber^wölf  (Stamme  SSrael,  fo  i(l  er  burd)  @;fau  ©rogoater 
tton  2lmalef  unb  fünf  anbern  ebomitifd)  s  norbs 
arabif  d)en  (Stammen,  welche  neben  ben  (Sonnen  (Seirs>, 
b.  f).  besi  ©ebirgs>  üon  (5bom,  in  biefer  £anbfd>aft  wohnen, 
unb  neben  <Seir3  Unfein,  unter  benen  bie  burd)  £iob  uns» 
befannte  ebomitifdje  2anbfd)aft  Uj  ftd)  beftnbet  Sflan  Fann 
alfo  fcollfommen  t>on  ber  ?)erfo nlid)f eit  nid)t  allein  SafobS 
unb  Sfaafs,  fonbern  aud)  2lbraf)amsi  überzeugt  fein  — 


I.  c.  £)ie  Umit  in  Kanaan  unb  etyalDäa. 


225 


unb  Seber  fteht,  bag  mit  Abraham  gefd)icr)tlicf)e  9)erfonltd)s 
fetten  an  bie  ©teile  oon  Ur^tammfürften  treten  —  unb 
bod)  in  bem  S^ttalter  „Abrami  bes>  (5bri",  bes>  auS  &)ah 
bda  jrammenben  SßanbererS  t)on  SDkfopotamten ,  eine,  ntdt)t 
burd)  natürliche  ©efd)led)ter  fortfcfyreitenbe,  t>on  unferem  jes 
^tgen  ©tanbpunfte  ntcfet  megbare  £>auer  almben.  Um  fo 
mehr  wirb  babnrcr)  flar  werben,  bag  bie  Samiliengefcr)lecr)ter 
beS  auswählten  greunbeS  ©otteS  gefd)id)tlid)  als  £)ar|!ek 
lung  groger  unb  lange  anfyaltenber  SBolferbewegungen  ber 
uraftatifchen  5D?enfd&r)ett  t>on  ben  armenifchen  unb  c^albdifcr)en 
©ebtrgen  ftnb,  welche  burcf)  9ttefopotamien  bis  $ur  9?orb* 
unb  Djrgrdnse  Aegyptens,  bis  Amalef  unb  dbom  hin  wog^ 
ten.  «Sie  (leiten  alfo  SBerJ)dItntffe  t>on  SSolferjrdmmen  unb 
beren  Abneigungen  bar,  nicht  perf6nlid)e  SSer^dttntffe  üon 
SSater  ^u  ©ohn,  folglich  beurfunben  ftc  Epochen,  ntd&t  na* 
türlid)e  ©efchlechter. 

2Bir  fchweigen  bcghalb  gang  üon  ber  ct)rono(ogifcr)en  (£x; 
meffung  ber  beiben  3>ütxaumt  t>or  Abram,  ber  nachfluthigen 
unb  ber  ttorfluthigen  Urgefcfyicfyte,  £)te  ©efchlecf)t3regijfer 
in  jenem  ergeben  nad)  bem  ftebrdifdfjen  £erte,  wie  er  gewöhn^ 
lieh  oerffonben  wirb,  üom  3af)re  nach  ber  glutf)  bis  ju 
Abrami  ©eburt  292  Sahre,  fo  bag  9loat)  erft  im  58(ren 
Sahre  2£bramS  geworben  wäre.  £)ie  Abweichungen  be£ 
(SamaritanerS  unb  ber  ©iebenjig  fcerrathen  fpjtematifcrje 
SSerdnberung,  unb  flimmen  nicht  unter  einanber.  JolgenbeS 
tfi  bie  Ueberftcht  aller  uberlieferten  ber  Urgefd)id)te : 


I. 


15 


226 


(Jrfteö  q5ud).  CDrittcv  2d>fd)nitt. 


£ebraifd)er  4e#. 

©Arft.  £ert. 

LXX. 

SSor  b. 

3eu; 

gung. 

S.n.b. 
gung. 

©um; 
me. 

S3or  b. 

,3?U: 

gung. 

S.n.b. 

3eils 

gung. 

©um: 
me. 

9Sor  b. 

3eU: 

gung. 

3.  n.b. 

3eu: 

gung. 

©um; 
me. 

jl.  yioötn 

130 

800 

930 

130 

hOO 

930 

230 

30 

930 

a,  (g>Ctl) 

3.  (£noö 

105 

807 

913 

105 

807 

913 

205 

707 

913 

90 

815 

905 

90 

815 

905 

190 

715 

905 

4.  tfenan 

70 

840 

910 

70 

840 

910 

170 

740 

910 

J.'l  Ui/u  lull  c  l 

05 

830 

895 

65 

830 

895 

165 

730 

895 

162 

800 

962 

162 

785 

<*47 

262 

700 

962 

7.  #cnod) 

65 

300 

365 

65 

300 

365 

165 

200 

365 

187 

782 

969 

67 

633 

720 

187 

782 

969 

(167) 

(802) 

9»  tflttica) 

182 

595 

777 

53 

600 

653 

188 

565 

753 

10.  «Roafc 

500 

500 

500 

100 

100 

100 

1656 

1307 

2262(2242) 

l.  ©ctn 

100 

500 

100 

500 

600 

100 

500 

2.  2lrpf)ad)fat) 

35 

403 

135 

303 

438 

135 

400 

(430) 

[.nflinan 











130 

330] 

30 

403 

130 

303 

433 

130 

230 

34 

430 

134 

270 

404 

134 

270 
(370) 

30 

209 

130 

109 

239 

130 

209 

32 

207 

132 

109 

239 

132 

207 

7.  cgcrug 

30 

200 

130 

100 

230 

130 

200 

8.  vcabor 

29 

119 

79 

69 

148 

179 

(79) 

125 
(129) 

9,  2J>araf> 

70 

70 

170 

?«fo  Wocubiben 
btö  5lbr<im 

390 

1 

1040 

1370 
(1270) 

©ettbem  tiefes?  gefcfyrieben,  ijt  ber  er(fe  £f)ei(  t>on  GrwalbS 
©efd)id)te  be3  SSotfeS  SSrael  erfcf)tenen:  ein  2Berf,  weld)e3 
wir  als  ben  Anfang  einer  wafyrfyaft  gefd)id)tlid)en,  ^ufam^ 
f)dngenben  gorfdjung  über  biefen  ewig  benfwürbigen  £f)eil 


II.  A.  JMe  jüDtfaV  5orfd)ting. 


227 


ber  2öeltgefchtcf)te  unb  über  bie  Quellen  berfelben  anfehen, 
unb  als  ein  rühmliches  £)enfmal  beutfcher  ©elehrfamfeit  unb 
©efdnchtSwiffenfchaft  mit  warmer  £anfbarfett  begrüßen. 
£>er  gelehrte  SSerfaffer  berührt  bie  £)auer  beS  SeitraumeS 
t>on  ©alomo  bis  SföofeS  nur  üortduftg,  aber  wir  freuen  unS, 
ihm  in  ber  Annahme  ^u  begegnen,  baß  bie  allgemeine  3al)l 
fefouhalten  fei  unb  nicht  bie  einzelnen  Angaben120), 

2BaS  bie  £>auer  beS  Aufenthaltes  in  Aegypten  betrifft, 
fo  urteilt  er  über  bie  frittfd)e  SSor^üglichfeit  beS  hebrdifdjen 
SerteS  wie  wir;  über  bie  gerichtliche  ©laubwürbigfeit  ber 
3af)l  430  aber  günftiger,  als  wir  eS  $u  tfyun  vermögen121). 
SBie  t>oll|tdnbig  eS  biefer  3äf)l  an  £alt  in  ben  dgpptifdjen 
Ueberlieferungen  unb  £)enf malern  fehle,  werben  wir  ^um 
Ztyil  fd)on  im  britten  £3uche  nacf)weifen,  ausführlich  aber, 
unb,  wie  wir  hoffen,  jur  3ufriebenhett  jeneS  gorfcherS,  bar^ 
thun  im  viertem  Sn  biefem  werben  wir  auch  We  Unmog^ 
lichfeit  ju  erwetfen  fuchen,  baß  bie  Suben  unter  einem 
nige  ber  neunzehnten  £)pnafiie  ausgesogen  feien. 


SroeiteS  ^auptjiücf- 
£)te  gorfd)uncj  beS  SttorcjentanbeS  über  bie  äcjt)pttfcf)en 
Seiten.  1 

A.  3)ie  jübtfche  gorf d) ung.  £)te  <5iebenjtg. 
Sofephu^. 

£)aS  ßeben  ber  jübifchen  gorfchung  hotte,  wie  wir  be^ 
reitS  am  (Eingang  unfereS  AbfdjnitteS  angebeutet,  baS  £Reich 
überbauert.  £)er  Untergang  beS  <5taah3  hatte  vielmehr  bie 
(5beljten  beS  SSolfeS  gerabe  barauf  hingeführt:  fte  hatten  in 

120)  ©.  172.  187.  ©gl.  456, 
*21)  ©.  454  ff. 

15* 


228 


<£rftoö  33udv  ^Dritter  flbfdjnitt. 


ber  Verbannung  nicht  be5  jlleinobS  ihrer  Ueberlteferungen 
wrgeffen,  unb  @Sra  grünbete  in  ber  perftfehen  3ett  bie  nette 
(Schule  ber  gefe^licben  unb  a,efd)  textlichen  Jorfchung.  Aud) 
bte  Seit  ber  Sftaffabder  war  noch  ein  Aufflammen  berfelben, 
namentlich  unter  beut  grogen  gelben  SubaS. 

SÖdhrenb  bte  paldfrmenftfcfyen  Suben  ftcr)  unter  fchwes 
ren  dampfen  erhielten,  blühte  ein  neueS  Subenthum  in  ber 
Sßeltjrabt  Aleranbria  auf.  £>er  grofe  macebontfdje  (Stoben 
rer  hatte,  wie  einflt  Qx)xu$,  ben  3uben  groge  ©itnjt  bewiefen, 
unb  in  feiner  neuen  ©tabt  ihnen  ein  fct)6neS  Viertel  unb 
manche  Ehrenrechte  eingeräumt.  Biete  tton  ihnen  würben 
reich  unb  erwarben  Grinflug  unb  Stacht.  3h«  eigene  ©pra^ 
che  würbe  ba3  fogenannte  ^eflenifrtfd) -©riech tfd^c.  Aber  fte 
oergagen  beghalb  nicht  ba3  ihnen  anvertraute  $fanb.  £Me 
fogenannte  tlcberfe^ung  ber  S3ibe(  nach  ben  fteben^ig  £)oü= 
metfehern  i(t  unb  bleibt  ein  ehrenwertheS  Unternehmen. 

Unfere  Ueberftcht  ber  biblifchen  Ueberlieferung  über  bie 
Seitbejrimmungen  befonberS  in  ber  Urgefchid)te  beS  SSotfeö 
3§rael  hat  jur  ©enüge  nachgewiefen,  bag  mehreren  ber  23er* 
fchiebenheiten  in  biefen  Angaben  jwtfchcn  bem  hebrdifchen 
unb  griechifchen  £ertc  eine  23erfd)iebenheit  ber  Ueberlieferung 
ju  ©runbe  gelegen  haben  muß,  über  beren  Berechtigung  wir 
nicht  mehr  urtheiten  fonnen.  33et  einigen  aüerbingS  jeigt 
ftd)  eine  fpjrematifche  Abdnberung  ber  überlieferten  3ah^n, 
bie  ben  ©tebenjtcj  felbjt  ^ur  £ajt  fallen  bürfte,  ober  Iritis 
fern,  welche  nicht  lange  üor  ihnen  gelebt  hatten,  Aber  bte 
wichtigste  £hatfacr)e,  bie  ftch  un£  au3  biefer  23ergleicr)ung  ber 
Sexte  aufbrdngt,  i|t  boch  biefe,  bag  feine  jufammenhdngenbe 
chronologifche  Ueberlieferung  über  bie  3eiten  jenfeits  ©alomo 
beflanb;  unb  bag  bie  allgemeinen,  ^ufammenfaffenben  Sah5 
len,  benen  wir  begegnen,  als  SBerfe  ber  gorfchung  unb  nicht 
ber  Ueberlieferung  angefehen  werben  bürfen.        tfl  eben  fo 


II.  A.  £>te  juoifche  3orfcf)ung-  £>ie  ©tcbemtg.  3tftpt)M.  229 

ungenau  ober  unreblid),  eine  jener  Angaben  als  bie  chrono; 
logtfcf)  fidlere  einzunehmen,  als  zu  behaupten,  fte  (äffen  ftd) 
unter  einanber  üereinigen. 

SQBtr  ftnb  beghalb  weit  entfernt,  in  ba3  SSerbammunge; 
gefd)rei  ber  Salmubiften  einzustimmen,  welche  im  jübtfehen 
ßalenber  ben  Sag  ber  Einführung  be3  grtednfchen  SerteS 
be$  ©efefceS  in  bie  (Synagoge  oon  2üeranbria  aU  einen 
frfjwaqen  Sag  alfo  anzeichneten:  ?.ba$  ©efe£  auf  griechifd)! 
ginfternig!  breitdgigeS  gaffen!"  §8ielmehr  wollen  wir  ihnen 
banfen,  baj$  fte  folche  (Spuren  beö  3uftanbe3  ber  chronolo^ 
gifdjen  3«h^n  in  ben  alten  £anbfd)riften  un$  aufbewahrt, 
bafj  felbft  (rumpfftnnige  ^orfd^er  baburch  einen  h^nbgreifli= 
chen  Sßinf  erhatten  mögen,  wie  biefelben  ansehen  feien. 

2Öir  fehen  alfo  bie  fogenannten  (Siebenzig  als  bie  Er- 
ben jübifd)er  unb  jübifch^aleranbrinifcher  gorfchung  unb  al3 
bie  dlteften  un6  bekannten  gorfcher  über  bie  biblifche  &)xo; 
nologie  an. 

T>a%  bie  jübifdje  gorfchung  noch  über  jene  SSerfdn'eben^ 
heit  ber  £e3art  hinaufging,  bag  fie  ftcf>  auch  auf  bie  %\\& 
fcheibung  ber  2Biberfprüd)e  ber  Ueberlieferung  erftreefte,  hu 
weift  ber  erffe  unb  lefcre  Nachfolger  ber  (Siebenzig  auf  biefer 
S5ahn,  ber  3euge  be£  Unterganges  unb  ber  ©efehichtfehreiber 
feineS  SSolfeS,  SofephuS.  (Sein  grogeS  unb  unfchdfcbareS 
SBerf  über  bie  jübifchen  2£lterthümer  ober  bie  alte  ©efchichte 
ber  Snben,  im  Anfange  StajanS  gefchrieben,  erfefctuns  gewtg 
reichlich  ben  SSerlujt  ber  früheren  rabbinifchen  Nachrichten 
unb  Ueberlteferungen,  fowohl  in  ^Beziehung  auf  bie  alteEhro^ 
nologie,  als  rütfftchtlich  ber  ©efchichte  felbft  unb  ihrer  Ärittf. 
2üferbing5  hatte  SofephuS  oollftdnbige  SSerjeichniffe  ber  $0= 
henpriefter  oor  ftd)122).  (Solche  SSer^eichniffe  auf  ber  S5or= 
^it  würben  unfchdfcbar  fein,  wenn  fie  ftcher  unb  mit  ge= 

122)  c.  Apionem  I,  7.  ogl.  1  (5f)ron.  6,  1  —  15. 


230  (Jrfteö  93ud).  dritter  2lbfd)tritt. 


rtatten  Seitangaben  überliefert  waren,  übet  eS  t|t  flar,  tag 
SofepfyuS  feine  urftmbli*e  Ueberlieferung  über  btc  alten  Sei- 
ten &atte,  auger  ben  bibltf*en  £3ü*ern.  (5r  rennet 
t>on  ber  <5*6pfung  $ur  glutf)  1656  3<*re  (Antt.  1,3,3.), 
»on  bergruft  bis  ju2Cbram8@eburt  292  3af)re  (I,  6,  4.), 
beibeS  nad)  bem  l>ebrdtfct)en  Sert,  unb  gegen  bie  Angaben 
ber  ©tebenjig.  2lber  er  folgt  biefen,  inbem  er  bie  430  3<*re 
für  ben  früheren  2lufentf)alt  in  Kanaan  unb  für  2fegt)pten 
rennet,  alfo  $u  gleiten  Steilen  für  jebeS  £anb.  SSom  2lu3= 
$uge  bis  jum  £empelbau  ftnb  il)m 

im  grogen  ©ef*i*tSroerfe  592  3<*re  (VIII,  3,  1.), 

im  33u*e  gegen  2lpion      612  3<*re  (II,  1.). 
£)ie  v^auptpunfte  ftnb  il)m  alfo  in  2Beltjaf)ren : 

gluft  1656 

2(bram§  ©eburt  1948 

2£bram$  ^in^ug  2023 

7Lu$m  2453 

Sempelbau         3045  (na*  VIII,  3, 1.,  aber  3102  na* 
bem  &3u*e  gegen  2fy.) 

3er(lorung         3515  (na*  X,  8,  1.,  aber  3513.). 
Sn  runben  3<*Wen  nimmt  er  an  t)on  2(bam  bis  auf  feine 

3eit  5000  (jf.  4200) 

unb  t>on  9ttofe3    2000  * 2  3). 
£Me  in  ber  S3ibel  aue>  bem  3eitraume  r>on  !Ü?ofeS  bis  ©a^ 
lomo  fel)lenben  3<ftlen  füllt  er  folgenbermagen  au$: 

Sofua  £eerfül)rer  (V,  1,  29.)     ....   25  3<*re. 

2lnar*ie  na*  feinem  £obe  (VI,  5,  4.)     ,   18  s 

©amuel  allein  (VI,  14.)  12 

©aul  (VI,  15  )  20  ob.  40  g. 

2ttfo  t ommen  ^u  ben  befrimmten  3<*len  ber  ©*rift  75  ob.  95  3. 

I23)  los.  c.  Ap.  I,  |.  cf.  I,  7. 


II.  A.  2)tc  jübifcfee  gorfdjung.  3ofepfeug.  231 

£inftcfetliefe  <Saul3  ndmlicfe  geben  unfere  *£anbfcferiften  be$ 
Sofepfeue:  18  mit  (Samuel,  22  aUein,  jufammen  alfo  40. 
2Cbcr  ^pip^aniu^,  ßlemenö  unb  (Eutpcfeiui?  lefen  ftatt  22 
Safere  2,  3)ie§  feat  einen  migoerftdnblicfeen  <£>alt  an  einer 
(Stelle  im  erfren  SBucfee  (Samuels124). 

SSon  ben  Söhlen  be3  33ucfeS  ber  Sftcfeter  will  er  bie  oon 
ben  3frcfeterdmtern  offenbar  oollfrdnbig  geben.  3war  *dgt 
er  2tt>bon3  8  Safere  auS,  allein  er  füfert  ifen  als  £Rtd)ter  auf, 
unb  alfo  ift  bie  2lu3lafjung  ber  £)auer  tiefet  3?icfeteramte3 
feine  ober  ber  2lbfdfereiber'  Jaferldfftgfeit.  £)af]elbe  i|r  roofel 
l>tnftc^tltd^  £feola'3  an^uiiefernen,  ber  ganj  fefelt.  (SangarS 
fuqe  Ghrrodfenung  als  2£nfeang  ^u  6feubS  3eit  oeranlagt  ifen, 
benfelben  ein  Satyr  fang  als  Sftcfeter  aufzuführen.  2öaS  ba* 
gegen  bie  Safelen  ber  feinblicfeen  £)bmacfet  betrifft,  fo  lagt  er 
biefelben  roaferfefeeinlid)  abficfetlicfe  auS: 
18  Safere  ber  £>bmacfet  Wloab$ ,  bie  ifem  6feubS  80  Saferen 

gegenüber  offenbar  unroaferfcfeeinlicfe  oorfamen, 
7  Safere  ber  SDbmacfet  SftibianS,  ben  40  Saferen  ©ibeonS 

gegenüber, 

18  Safere  ber  Dbmacfet  ber  2(mmoniter,  ^rotfefeen  SairS  22 
unb  SepfetfeafeS  6  Saferen.  2£lfo  ^ufammen  43  Safere. 
SofepfeuS  i(r  ben  Äircfeenodtern  bie  feoefeffe  ©erodfer  neben 
ber  SMbel,  unb  alle  cferifrlicfeen  Chronologen  frefeen  mefer  ober 
minber  auf  bem  SBoben  feiner  gorfefeung.  (SS  ijr  beßfealb 
nnefetig,  eine  anfefeauliefee  ßenntnifj  &u  gewinnen  oon  ber 
9Zatur  feines  (S^jtemS  unb  Dem  SSerfedltniffe  ber  «Summe 

I24)  1  ©am.  13.  (fefjlt  bei  ben  ©iebengig)  fdjetnt  niebtö  2(nbereg 
fagen  ju  tonnen,  alö:  „<3aul  war  ein  3a&r  lang  Äonig"  nad) 
ber  Erneuerung  beö  ÄöniggreidjS  (II,  14.)  bur$  bie  offene 
lid)e  (Salbung  unb  2(nerfennung  in  ©ilgal,  unb  „fyatte  fcroei 
„Satyre  über  Sörael  regiert"  »on  ber  erften  (Salbung  an 
(10,  24,  25.). 


232  ertfeö  Euct),  dritter  Mbfänitt. 

jener  einzelnen  3cä)kn  $u  ben  betten  oben  ermahnten  atfa,e= 
meinen  Angaben  über  bie  £)auer  teS  3eitraume$.  25ie  eins 
gtg  auf  feinem  2Cnfer>en  (refjenben  unterfcfjetben  wir  burd) 
einen  ©tern  t>on  ben  bibltfcf)en: 

Ant.  V,  1,  29.  Sofua  güf>rer  *25  3* 

VI,  5,   4.  2(nard)te:  Kriege  ber  einzelnen  <&tan\t 
me,  3?ad)efrteg  gegen  bie  SBenjamts 


niten   

"17  O 

V,  3, 

2.  (Sfyufartrieö,  jtomgS  ber -affyrter,  sDo* 

mad)t  

8  2 

3.  2Ctbntel  tretbt  bte  2£fft)rter  über  ben 

/TL » ^ « .  /.       /      cy\  r     x  -  

40  ^ 

1.  yceue  2lnarcbte,   (£bub  Sxtcpter  .  . 

Oft 

80  j 

3.  ©angar  yttepter;  tttrbt  tm  l|ten  xs. 

1  s 

■  5, 

1.  3abtn§,  be3  ÄananaetS,  £)bmacf)t  . 

Oft 

20  i 

s  2, 

4.  £)eborat)  unb  iooxal  j/ciajter     ♦  ♦ 

40  2 

-  6. 

UJhbtamter;Dbmad)t,   ©tbeon    ♦  ♦ 

40  i 

3  7, 

1 — 5.  2Cbtmeled)§  vperrfepaft   .  ♦   .  . 

3  2 

(fet>it  Sr)ola  mtt  fernen  23  3>al)ren), 

6.  Sair  Siebter  

22  s 

7  —  12.  2tmmoniter;  unb  9>afdfitner£)&* 

madbt.   Sepbtb^b  Siebter  .   .  ♦  . 

6  s 

13.  2Cbfan ,   t>on  S5etr;teJ)cm  in  Suba, 

9?id)ter  

7  , 

14.  @(on  Siebter  

10  . 

15.  2lbbon  Siebter  (bie  8  Sabre  fehlen). 

*  8, 

1.  $ald|tiner£)bmacbt  

40  s 

2  —  12.  ©amfon,  ber  ^Befreier,  Siebter 

20  ; 

9—11.  @li,  ber  £obepriefrer,  9tf#ter 

40  3 

(+98  S«b^  ölt,  nad)  ben^ieben^ig)» 


H.  A.  «Die  jüMfcfoe  gorfdjung.  3ofop&u*.  233 


Uebertrag  420  Sahre. 
Ant.  VI,  1,  4.  £te  Grefte  bei  t>en  9)aldftinern,  4 

Monate:  in  £iriath;3earim     ,   20  Sahre. 
;  13,  5.  ©amuel  richtet  baS  SSolf  nach 

gfi'a  £obe  allein  *12 

*  14,  9.  ©aul,  ßonig,  18  3.  neben  ©a; 
muel,  22  ober  2  (bieg  wegen 
1  ©am.  13,  t;  mißoerfidnbl,  f.  ob,)  *20  (*40)  3. 

472  (492)  3. 

3u  tiefen  Sagten  472  ober  492  muß  Sofepfm*  nun  nod) 
120  Sahre  hinzugefügt  haben,  um  jene  btihtn  3al)Icn  592 
unb  612  ^u  gewinnen;  ndmltch: 

für  bie  auSgelaffenen  biblifchen  3<*f)fen,  t>on 
ber  fernblieben  £)bmacf)t,  mit  welken  er  nichts 

anzufangen  wußte  40  ((1,43) 

für  9)?ofeS,  nach  ber  ©d&rift  40 

für  £>aoib,  begleichen,  mit  ben  brei  erfreu 

Sahren  ©alomo'S  40  (jf.  43) 

Sebe  anbere  (Srflaruna,  fcr)eint  unmöglich.  X)k  er(re  jener 
3af)len,  592,  bie  be3  großen  ©efchichtSwerfeö,  ijr  bie  oerbrei; 
tetfre  unter  ben  Suben  geblieben:  bie  in  @hina  tmb  in  (So* 
cr)incr)ina  follen  fte  haben.  &3eibe  aber  fmb  allerbingS  mit 
gran^enlofcr  SBiÜtühr  gewonnen,  felbfr  wenn  man  ^ugtebt, 
baß  bie  3af)l  25  für  Sofua  alle  SBahrfcheinlichf eit  für  ftd) 
habe.  2£üetn  fte  beruhen  ftcher  auf  ber  zur  Ueberlieferung 
geworbenen  rabbinifchen  gorfct)ung. 

£Me  dgpptifche  3ettrerf)nung  bei  Sofepfm-S  fcheint  fein 
eigenes  SBerf  ju  fein;  eben  wie  bie  2Bahl  be3  hebratfctjen 
SerteS  für  bie  3ahlen  ber  gluth  unb  2£bram$  ©eburt 

Ueber  bie  dgpptifchen  Seiten  ftnben  ftdt>  bei  ihm  folgenbc 
Angaben : 


234  <£rffc$  Q5ud).  dritter  2lbfd)mtt. 


1)  .,9ttendo$125)  (fagt  er  Ant.  VIII,  6,  2.)  lebte  lange 
vor  ..Abraham;  benn  c§  ftnb  von  ihm  auf  ©alomo 
mehr  als  1300  Sahre."  SofevhuS  ja^lt  nämlich  von  2Tbra= 
hamS  ©eburt  bis  ©alomo'S  £3au  gegen  1 100  Sahre  ( VIII,  3, 1.) : 
alfo  ift  i&m  SlfleneS  über  200  Sahre  alter  als  Abraham, 
^ad)  biefer  Annahme  würbe  er  alfo  über  2300  Sahre  vor 
unferer  3eitred)nung  gu  fe&en  fein.  SBir  werben  im  vierten 
33ud)e  ntrf>t  allein  geigen,  ba§  biefe  Annahme  für  StteneS  je= 
benfatlS  falfch  ijt,  wenn  aud)  Abraham  nicht  umgefehrt 
vor  3D?eneS  gefegt  werben  mug. 

2)  (BufafoS  (©efaf,  $ef)abeamS  S5efteger)  ijl  ihm 
ber  ©efofhiS  £erobotS  (VIII,  10,  2.  3  ).  3«  biefer  aben; 
Neuerlichen  Annahme  verleitete  ben  flugen  9)?ann  wol)l  nid)t 
glüd)tigfeit  allein,  fonbern  aud)  bie  diUlhh,  bag  beS  gros 
gen  gelben  Eroberung  Subda'g  auSbrücflid)  von  $erobot 
erwähnt  fei ;  obwohl  alSbann  bie  £)enfffeine  in  $>ald|rina, 
welche  v£>erobot  anführt,  nicht  für  männlichen  ÜEBibers 
franb  beS  S3olfeS  gezeugt  haben  würben, 

3)  33ofd)oriS.  SpfünachuS  hatte  erzählt,  bie  (Seuche 
unb  ber  9tti§wad)S  in  Aegypten,  welche  jur  Ausrottung  ber 
Ärd^igen  unb  AuSfd^igen  unb  %ux  Austreibung  ber  unhets 
ligen  Suben  geführt,  feien  unter  ä3ofd)oriS  vorgefallen:  9tto; 
feS  höbe  bie  Suben  ausgeführt,  AUeS  vlünbernb,  weghalb  bie 
von  ihm  erbaute  ©tabt  £ieroft)la  (£empelraub)  genannt 
worben.  tiefes  Barchen  anführenb 126),  fagt  er:  33o£; 
choriS  h^be  1700  Sahre  vor  ihm  gelebt.  9?un  gehört  aber 
biefer  $önig  in  bie  Sftttte  beS  8ten  SahrhunbertS  vor  uns 
ferer  3ettred)nung ,  alfo  etwa  850  Sahre  vor  SofephuS.  @in 
folcher  Unftnn  fcheint  faum  glaublich;    benn  er  mugte 

125)  Mrjvcclos  fl,  Mivaiog,  rote  bie  #anbfd)riften  lefen, 

126)  c.  Ap.  II,  2. 


n.  A.  JDte  |übifd>c  gorfcpung,  3ofepf)ti$.  235 


»tffen  (ba  er  Wlantfyo  fannte),  tag  S3ofchoru5  nicht  fo 
frül)  —  700  3al)re  nach  feinem  9J?ene3  unb  etwa  gleichet; 
tig  mit  9J?ofe6  —  regiert  haben  fonne.  dagegen  würben  700 
Safyre  für  Banner  roie  SpftmachuS  feine  unmögliche  2£n; 
nähme  fein:  fefcte  boch  2lpion  ben  2fu^ug  btt  erfre  Sahr 
ber  ftebenten  £)lmnpiabe,  alfo  750  Sahre  Wt  unferer  jjdb 
rechnung,  unb  850  cor  Sofep()u6,  offenbar  berfelben  Ilm 
nähme  folgenb. 

2(ber  wir  fönnen  bod)  bei  allen  biefen  (schwachen  ntd>t 
banfbar  genug  für  Sofephus  gorfdjung  fein.  Sßte  wenig 
©ute$  er  tton  feinen  £anb3leuten  für  bie  Äritif  frember  ©e^ 
fd)icf)te  gelernt  haben  fann,  ^eigt  ein  S3eifpiel,  ba$  er  bei 
(Salomo  anführt  9?achbem  3ofephn3  in  ber  bekannten 
(Stelle  beS  achten  33ud)e$  ber  2ttterthümer  Urfprung  unb 
(Sinn  be3  üftamenS  Pharao  richtig  erfldrt  (8,  2.),  führt  er 
au$  ben  S3üd)ern  ..unferer  Seute"127)  an:  naebbem  ©alomo 
eine  ^^araonentoebter  geheiratet,  haben  bie  dgttpttfchen 
nige  aufgehört,  ftdt>  tyfyaxaonm  ju  nennen :  ohne  3w>ctfc(  au3 
fchulbigem  3?efpecte  t>or  bem  weifen  ©chwager  in  Serufalem» 
£)a3  ift  gan$  fo  abgefchmaeft,  wie  irgenb  welche  fpäkxz  xafa 
binifche  gabeln.  £)ag  noch  2(prie3  (\£>opbra)  Pharao  &etft, 
wugte  SofephuS  fo  gut  wie  wir,  unb  feine  Gewährsmänner 
wugten  e3  auch;  «ber  wa3  bem  (Stolpe  bes  -SBotfeS  fchmeu 
cheln  fonnte,  burfte  nicht  begwegen  oerfchwiegen  werben,  weil 
e§  ungereimt  unb  fchrtftwibrig  war, 

SofephuS  hatte  nicht  felbjr  bie  tprifchen  2trcf)h>e  unter; 
fucht;  er  führt  im  achten  33ud)e  ber  2(lterthümer  (5,  3.)  unb 
im  SBerfe  gegen  2(pion  (I,  17.  18.)  aB  ©ewdhrSmdnner 
9ftenanbro6  ben  Grphefter  unb  £)ioS,  ben  ©efehichtfehreiber 
ber  Wnifer,  an.   Sßenn  er  nun  in  ber  legten  ©teile  fagt, 

12  7)  iv  Tolg  iyxcoqtoig  —  r^iav  ßißUoig  svqov. 


236 


(Eriks  23ud),  dritter  2lbfd)tiitt, 


e3  würben  in  jenen  2£rd)it>en  oiele  ^Briefe  aufbewahrt,  bte 
Salomo  unb  Sjixam  getr>ed)felt ,  fo  wetg  er  jebod)  nur  bte 
SBotfcbaften  beiber  Könige  wegen  be$  SempelbaueS  in  SBrtefc 
form  wieber^ugeben,  nad)  ben  Angaben  ber  S3tbcl  (1  Äön. 
5,  2.  2  <5&r.  2,  3.) ,  wo  allerbingS  £iram$  S3otfdt)aft  alö 
eine  fd&rtftltd&e  au3brüdltd)  oon  ber  @bronif  erwähnt  wirb. 
Orr  oerweijt  in  ben  TOertbümern  bei  (Gelegenheit  jeneS  SBaueS 
(VIII,  2,  8.)  feine  2efer  fefyr  fübn  auf  jene  2trd)ioe;  allein  er 
felbfr  bot  fie  nicht  gefeben,  unb  oerlteg  ftd)  auch  wol)l  Darauf, 
bag  .ftaifer  £$efpaftan,  fein  ©onner,  fte  bort  fo  wenig  aufs 
fud)en  werbe,  als  2lpion  unb  feine  anbern  ©egner.  2lber 
trofcbem,  wie  unenbltct)  ergaben  i(r  er  in  .ftritif  unb  Sßiffen 
über  2lleranber  ben  ^olpbifar,  ber  5D?epbre3  (^opbra'S) 
SBriefwecbfel  mit  Salome  erzählt128),  unb  nod)  mehr  über 
bie  gorfeber  feiner  Seit,  in  welcher  gewig  niemanb  ihm  an 
gdbigfeit  unb  an  SBelefenbeit  in  ber  alten  ©efd)ichte  be§ 
9ftorgenlanbeS  gleichkam.  (Seine  febarfftnntge  ©clebrfamf  eit 
unb  feine  jtunfr  ber  £)arfrellung  jeigt  ftd)  nirgcnbS  fo  gldns 
jenb,  als  in  bem  febon  oft  erwähnten  S3üd)letn,  welches  er 
jur  2Sertl)eibigung  fetner  felbfr  unb  feineS  SßolfeS  gegen  ben 
bifftgen  2lpion  ju  fd)reiben  fid&  oeranlagt  fühlte.  £)iefe 
Schrift  enthalt  bie  wichtigsten  Einführungen  unb  2luffd)lüfie 
über  bie  alte  ©efebichte  be3  jübifchen  SSolfee,  inSbefonbere 
über  bie  fünfte,  welche  #egr,pten  berühren,  9)?ofe3  unb  ben 
2üt^ug.  (£r  weijt  bem  eiteln  Ijellenifiifd&en  ^Bücherwurm 
fehr  getfhetcb  nad) ,  bag  ber  ©riechen  SBilbung  finberjung 
fei  gegen  bie  ber  Suben  unb  2legppter:  unb  bann  miberlegt 
er  beffen  ^Behauptungen  oon  ben  Suben  auö  gried)ifd)en 
(Schriftflellern  unb  auch  ou£  bem  wiber  ihn  angeführten  9ttas 
netho.  2Cpion  hotte  auS  bem  manetbonifd)en  ©efd)icbtS  werfe 

128)  ciem.  Alex.  Strom,  p.  143.  (396.  Potter.). 


Ii.  A.  £)ie  jübtfd)c  gorfchung.  3ofcP(?u$. 


237 


eine  Gn^dhlung  anejefü^rt,  woraus  f)ert)orget)en  follte,  tag 
ber  Au^ug  unter  9ftofeS  ntd^tS  Anberee  gewefen  fei,  als  eine 
viel  fpdtere  Gnnpörung  auSfd^iger  Auswürflinge,  bte  ftcf>  unter 
einem  abtrünnigen  dtqpptifrf)en  ?>rtefter  DfarftpJ)  auS  v&eliopoliS 
in  ber  alten,  ihnen  gutmütig  eingeräumten  ^wifoSjlabt  befe^ 
ftigt,  unt)  bann  bie  alten  3?eicr)3feinbe  §u  £ülfe  gerufen  Rat- 
ten. £>iefe  9lad)xid)t  begnügt  ftd)  Sofephue»  ntd)t  baburef) 
^u  wiberlegen,  bag  9ttanetf)0  felbft  fte  als  SöolfSfage  gege- 
ben: er  wenbet  vielmehr  baS  S3latt  um  unb  fagt,  bie  Suben 
feien  bie  alten  SBeherrfcher  Aegyptens,  bie  nad)  vielen  Sah*- 
hunberten  rühmlicher  £errfchaft  enblid)  mit  ehrenvollem  Ue^ 
bereinfommnig  Aegypten  viele  Sabrhunberte  vor  jener  erlo^ 
genen  ©efchichte  unter  50?ofeö  güfyrung  verlaffen  fyättm. 

£)iefe  S5el)auptung  ijf  offenbar  bie  etneS  feefen  (Streik 
terS,  welcher  fühlt,  bag  er  bem  ©egner  auf  bem  S5oben  ber 
einhetmifchen  gorfrf)ung  überlegen  ifi  d$  ifl  faum  glaub; 
lieh,  bag  SofephuS  im  Grrnfte  follte  angenommen  höben,  bie 
Suben  feien  bie  vövffoS:  benn  nicht  allein  fagt  er  fein  Sßort 
bavon  in  ber  iübifchen  ©efchichte,  fonbern  bie  Annahme  felbfl 
ifr  mit  bem  (glauben  an  irgenb  eine  gefchichtliche  SBahrheit 
ber  33üd)er  SEftoft'S  nicht  vereinbar.  Aber  unmöglich  tfi  eS 
nicht,  bag  er  eine  Ahnbung  gehabt  von  bem  3ufammenhange 
ber  £vffo3  mit  bem  iübifchen  (Stamme  unb  befjen  Grinwan; 
berung:  ein  3ufammenhäng ,  ber  ftd)  je£t,  glauben  wir,  fo 
gut  nachroeifen  lagt,  bag  vorhergefehen  werben  _fann,  eS 
werben  nicht  SÖSenige  ftd)  wieber  ^u  SofephuS  Behauptung 
hinneigen.  UnfereS  BebünfenS  ift  feine  gefchichtliche  Al)n= 
bung  richtiger,  als  jene  vom  (5tamme6^ufammenhange  ber 
£wifoö  unb  ber  Suben:  fein  3ufammenwerfen  aber  un^uldfft^ 
ger,  als  baS  ber  Vertreibung  jener  mit  bem  Auszüge  biefer I29). 

I29)  2Cud)  t>icr  freuen  wir  unö  mit  ©roalb  (©♦  448  ff.)  jufammen 
p  treffen  (1844), 


238  95uaV  dritter  HbfdmM. 

SWt't  3ofepf)u3  (>6rt  bie  biblifd)e  gorfcfyung  bcr  Suben 
über  bie  alten  3etten  auf,  fo  weit  fte  in  ber  ©efd)id)te  ber 
2Biffenfd)aft  in  23etrad)t  fommen  fann.  £)ag  Rillet,  ber 
im  fünften  3af)rf)unbert  unferer  3citxtd)t\un$  bte  jübifdje 
2Öeltädf)(ung  begrünbete,  fein  ct)rono(ogifcr)eö  unb  überhaupt 
fein  roiffenfd)aftltd)e3  Serbien)!  babei  fyatte,  ijr  t>on  Sbeler 
nad)gett)iefen  r3°),  Rillet  tfyat  nichts,  als  bag  er  bie  befannte 
metomfd)=falIipptfcf)e  £f)eorie  t>om  neunzehnjährigen  9ftonb* 
ü)fluS,  voelcbe  grted)ifd)er  ©djarfftnn  acf)tf)afb  3af)rf)unberte 
üorfyer  auSgefonnen  unb  alle  anberen  nad)  9ftonbjaI)ren  xtty 
nenben  SSotfer  feitbem  angenommen  hatten,  mit  ber  übereil 
formulieren  Annahme  üon  bem  Safyre  ber  ©d)6pfung  in 
SSerbinbung  fefcte,  unb  fo  für  bie  3eitsdf)lung  ber  Suben 
brauchbar  machte. 

B.   £)te  apofrolifche  33enu£ung  ber  3eitangaben 
unb  bie  Jorfcbun g  ber  mor  genldnb  if  cf)  en  $ird)e 
in  ben  SSdtern  D  e  3  ^weiten  3ahrhunbert$. 

©an^  anberS  entroicfelte  ftd)  bie  tf)riftttche  gorfcbung. 
£)a£  ©rifrentfyum  roarf  in  bie  ibeenlofen  Unterfucfjungen  ber 
fpdteren  ©riechen  unb  ber  Horner  über  bie  Anfange  ber  SßoU 
fer  bie  grogen  Sbeen  ber  <5<f)6pfung  in  ber  Seit  unb  ber 
(5inen  9ttenfd)heit,  unb  jrecfte  baburd)  ber  d)rono(ogifct)en 
gorfdjung,  al$  gührertn  in  ber  neuen  2GBtffenfd>aft ,  ein  nie 
geahnbeteS  3iet.  QtS  forberte  ^gleich  jur  SSerffdnbigung  auf 
über  baS  Söerhdltnig  ber  urgefd)tcf)tltd)en  tleberlieferungen 
ber  S3ibel  ju  ben  r)etbntfcr)en  Sölfergefchidjten,  unb  $ur  23er; 
theibigung  ber  gerichtlichen  SBahrheit  ber  ©d)rift.  SSon 
bem  2fugenbHcfe  an  würbe  bie  dgpptifcfye  gorfchung  mit  ber 

I3°)  Sbetcr,  £anbbud)  ber  g&ronologie  I,  575  ff. 


II.  B.  2>ie  <tpoftolifcf)c  55cnu^ung  Der  Settangaben.  239 

jübtfc^cn,  unb  burcb  fte  mit  ber  Söeltgefcfeicfete  in  SSerbin* 
bung  gefefct. 

lieber  bie  jübifcfee  3eitrecfenung  feaben  wir  merfwürbige 
2leugerungen  bes  2lpo|rel6  9)auluS.  3n  fetner  3?ebe  in  2ln* 
tieften  fagt  er,  nacfe  £ufa$  (2lp.=©efcfe.  13,  20  f.),  nacfebem 
er  ben  2Cu§juq,  bie  40  Safere  in  ber  SBuflte,  unb  bie  SSers 
tfeeilung  beö  £anbeg  Äanaan  nacfe  ber  Vertilgung  oon  fteben 
fananttifcfeen  Sßolferfefeaften  erwäfent: 

„barnacfe,  bei  450  Safere,  gab  er  ifenen  Sftcfeter,  big  auf 
„ben  ^ropfeeten  ©amuel:  unb  t>on  ba  an  batm  fte  um 

„einen  Äonig,  unb  ©ort  gab  ifenen  ©aul  40 

„Safere  lang". 

Dieg  tft  offenbar  biefelbe  9?ecfenung,  welcfee  ftcfe  aug  beg  So- 
fepfeug  einlernen  3afelen  ergiebt. 

SSon  Sofua  big  $u  ©aulg  £obe  (<5aul  ju403.)  492  Safere. 
Daoon  abgezogen  ©aulö  Regierung  ....    40  s 
S5letben  nacfe  Sofepfeug  für  bie  Oftcfeteraeit  mit 

Sofua   452  Safere. 

Stimmt  man  Sofua'g  gelbfeerrnamt  ab,  25  Safere,  unb 
fcfet  bagegen  bie  t>on  Sofepfeug  auggelaffenen  23+8  Safere 
oon  Sfeola  unb  2lbbon  fein^u,  fo  erhalt  man  458  Safere. 
Dag  Sine  ober  bag  2lnbere  fcfeeint  bie  natürlicfefte  (grflds 
rung. 

Sn  bemfelben  SÖerfe  beg  ßufag  roirb  (Äap.  7.)  bei  ©es 
legenfeeit  ber  9?ebc  beg  ©tepfeanug  bie  (Stelle  aug  bem  15ten 
Kapitel  ber  ©eneftg  über  bie  wer  Saferfeunberte  t>on  2lbram 
big  ^um  2CuSjuge  angefüfert.  Offenbar  fottte  nicfet  mcfer  ßfero; 
nologie  burcfe  bie  2lnfüferung  gegeben  werben,  als  in  ber 
©teile  felbft  liegt  Der  2tpo|tel  t>er£ünbigt  feine  3ettrecfe= 
nung  —  er  füfert  an,  wag  er  alg  angenommen  oorftnbet, 
ofene  weitere  Unterfucfeung. 


i 


240 


@rflc£  93ud).  dritter  2lbfd)nitt, 


£)ie  dlteften  d>rtfi:Itrf>eri  (Schriftfreller  begnügen  ftch  für 
t^ren  apo(ogettfcr)en  3wecf  in  bemfelben  ©eifte  mit  allgemein 
nen,  abwetfenben  unb  ^urechtroeifenben  Anführungen.  (So 
tnSbefonbere  SufiinuS  9ttartt)r  unb  SatianuS,  weis 
ehern  leiteten  namentlich  (er  lebte  gegen  180)  wir  einige  wertf^ 
t>ol!c  Au^üge  über  dgppttfcheS  2£Uertt)um  oerbanfen.  (So 
auc^  @  lernen  6,  ^reebpter  ber  Kirche  tton  Aleranbrien 
(gegen  190),  wahrfd)einlich  ein  geborener  Athener,  welcher 
gried)tfd)e  SBeiShett  unb  ©elet)rfamfett  mit  ber  cfyrifllidjen 
£ehre  unb  Ueberlieferung  inniger  §u  üerbinben  fuebte,  auch 
auf  bem  d)ronologtfcr)en  ©ebiete.  GlemenS  SBerfe,  namens 
lieh  „Teppiche"  ftnb  t>egJ>atb  aEein  fchon  unfcf)dkbar. 
©eine  ©elehrfam!ett  unb  feine  ^>t)ttofop^te  fchüfcten  ihn  »or 
bem  fpdteren  bebauernSwerthen  33ud)|labenwefen  unb  bem 
jubaiftrenben  Dogmatismus  über  dugere  ^hatfachen,  welche 
auch  in  ber  Pönologie  ftch  früh  melbeten. 

Aber  auch  \)iex  ijr  e£  tragifch  ansehen,  roie  früh  man 
ftch  nicht  allein  abfehlog,  fonbern  ftch  burch  felbfl  angelegte 
gejfeln  ba£  Jortfchreiten  fd)wer,  ja  unmöglich  machte.  Wlan 
wollte  wifien,  wa$  man  nicht  roiffen  fonnte,  unb  man  Oers 
nacbldfftgte,  was  bamalS  fo  leicht  unb  für  bie  Fachwelt  um 
fchdfcbar  gevoefen  wäre  ju  erforfchen. 

(So  ifl  eS  t)on  Anfang  an  ftd)tbar,  bag  bie  jttrcr)em>ds 
ter  9)?anetl)o  gar  nicht  gebrauchten,  ober  hßchffenS  ihn  au6 
ben  manethonifchen  £t(!en  ober  au£  ben  ©teilen  bei  Sofes 
phuS  anführten.  @3  if!  unbejlreitbar,  bag  9)?anetho,  mittels 
bar  ober  unmittelbar,  in  ber  achtzehnten  £)t)naffie  etwas 
über  ben  Au^ug  gefagt.  (Schon  Zatian  führt  bafür  eine 
(Stelle  au3  ben  dgtwtifchen  ©efchich ten  be§  menbeftfehen  9)tos 
lemduS  an :  aber  weber  ihm,  noch  GlemenS  fallt  e$  ein,  nad)s 
juweifen,  wie  biefe  (Stelle  —  bie  in  S5ejiehung  auf  bie 


II.  B.  £)ie  mor$enlÄno.  Äircbe*  Glemenö.  241 

3erft6rung  oon  2ft>ariö  bem  9flanetf)o  offenbar  roiberfprtd^t  — 
mit  anbetn  dgr;ptifcf)en  Sfocfyrid&ten  gu  vereinigen  fei.  fßtet= 
mefyr  i|t  ifynen  allen  babei  ber  £auptpunft ,  baf  Umofö 
(#mo£,  £aupt  ber  a^e^nten  £)M7afrie),  alfo  fDZofcö ,  mit 
SnadjoS  gleichzeitig  fei.  X)a$  hatte  ber  Sftenbefter  gefagt, 
aber  ba3  gerabe  fonnte  er  mcf)t  roiffen.  Sttan  fcfjritt  nun 
auf  btefem  SBege  fort,  gletdbäeitige  2(nfnüpfung3pun£te  fu* 
d)enb.  3«  bem  3w^cfe  nahm  man  bie  aleranbrinifchen  S3e= 
rechnungen,  bie  bocf)  für  bie  Anfange  ber  Hellenen,  felbft  bei 
ben  größten  gorfchern  be$  SOhtfeumS,  auf  gänzlich  unhalk 
barem  3ufammenred)nen  mt)tf)ologifcf)er  ®efd)lecht3regijrer 
unb  Stammbaume  beruhten,  nicht  allein  rote  man  fte  fanb, 
fonbern  man  (teilte  fte  oft  roiber  alle  Jtritif?  jufammen,  rote 
man  fte  am  beften  brauchen  fonnte.  @§  ijt  roid)tig,  ftch 
biefeS  anfchaulid)  $u  machen.  £)enn  nur  fo  fann  man  ein 
lebenbtge3  ©efüfyl  geroinnen  be$  fcf)road)en  ©runbeS,  auf 
roelchem  bie  2(lten  ba£  ©ebdube  ber  ©leid^eitigfeit  ber  oer^ 
fcf)tebenen  Anfange  aufgeführt,  ein  ©ebdube,  au£  welchem 
bann  bie  Chronologie  ber  chriftlichen  SSolfer  ftch  gebilbet  hat, 
2Bir  rodhlen  aU  S5eifpiet  eine  Unterfud()ung  oon  (Siemens 
über  ba3  Settatter  5DZoft'^  unb  be£  2(u6jug6,  tt>etrf)c  roegen 
Ghrrodhnung  beS  SSerhaltniffeS  be$  2lu^ug6  $um  Anfange 
ber  fothifchen  Verlobe  befonbec^  wichtig,  unb  erjt  oon  Sbe^ 
ler  richtig  erfldrt  roorben  ift, 

9?ad)bem  (Siemens,  im  erjten  S3ud^e  ber  „£eppid)e" 13  x), 
eine  Ueberftd)t  ber  jübifcfyen  ßljronologie  gegeben,  faßt  er  bie 
Unterfucbung  über  baS  3eitalter  9ftoft3  enbltd)  folgenberma^ 
gen  jufammen: 

SSon  SOZofeS  ©eburt  bis  jum  2üte$ug  ♦  ,  80  Sahre, 
SSon  ba  bis  ^u  feinem  £obe  40  s 

I31)  Strom.  I.  p.  145.  »gl.  Sbeler  £bh  I,  128. 

L  16 


242 


grfleö  25ud).  £>rttter  Slbfdwttt. 


Ii t f o  509  9ttofeS  auS  Aegypten  345  3  a  f)  r  e  t>or  be'r 
fotf)ifd)en  ?)eriobe. 

2)ieg  fyaben  bie  Herausgeber  beS  (Siemens  md)t  tterftam 
ben.  2Öir  roiffen  aber  jefet,  bag  bie  fottufcfye  ^ertobe  ber 
Aegppter,  b.  1).  ber  ^unbSfrernfretS  üon  1461  Sauren,  im 
^weiten  Safyrfyunberte  unferer  3eitrcd)nung  enbigte  unb  im 
Saftre  1322  oor  unferer  3eitred)nung  begann.  2ttfo  fefcte 
(Gemens  ben  Auszug  in'S  3af)r  1667  ü.  (%.:  b.  f),  etwa 
666  Sa^re  t>or  bem  falomonifcfyen  Sempelbaue, 
(£r  fdfyrt  nun  fo  fort: 

„33on  9ttofeS  unb  SnatfmS"  —  betber  ©teidf^eu 
tigfett,  bte  naef)  bem  9J?enbefter  unb  Zpion 
fcfyon  £attan  angenommen,  frefyt  Dem  (Siemens 


bereits  ganj  fefr  —  „bis  £)eufalton,  ?)f)aetf)on 
„unb  ÄefropS:  t>ier  ©eftf)led)ter T32) :  brei  ju 


„einem  Safyrfyunberte  gerechnet,  macf)t  .   .  « 

133  3, 

.,§ßon  ber  beufaliontfd)en  glutf)  bis  ^u  ben  tbdt- 

„fcfyen  £a£tt)len,  nad)  £f)raft)lluS  

73  ; 

..SSon  ba  $um  Staube  ©amjmebS  .... 

65  * 

„S8on  ba  jum  3uge  beS  ?)erfeuS  (iftym,  ©piele) 

15  % 

„SSon  ba  jur  Erbauung  t>on  Su'on  .... 

34  h 

„Sßon  ba  bis  ju  ben  Argonauten  .   .  »  .  . 

64  i 

„$on  ba  jii  £f)efeuS  unb  bem  9ftinotauruS  ♦ 

32  , 

„SSon  ba  ^u  ben  ©ieben  oor  Sieben    .  .  . 

10  . 

„SSon  ba  bis  ^ur  ©rünbung  ber  otympifd&en 

„(Spiele  burdj  £erafteS  

3  * 

„SBon  ba  bis  ^um  3uge  ber  Amazonen    ♦  . 

9  k 

„33on  ba  bis  ^ur  Hufnatyrnt  beS  £eraf(eS  un^ 

„ter  bie  ©ötter  ♦ 

11  * 

l32)  <So  lefe  td)  mit  Qexvet  ftott  ber  unftnnigen  40.  Sartan  p.  132. 
ntmmt4  @efd)led)ter  an  §w.  3nad)u6  unb  Srtopaö,  ÄefropS  angebe 
liebem  äetfaenofietu  2Cnb.  %  $etrop$  ÄrotopoS,  ^ter  u.  ©.  138. 


IL  B.  £)te  morgenlfinb.  Äircfee.  (Siemens.  243 

Uebertrag  449  3. 

..SSon  ba  bis  jum  SRaub  ber  Helena  ...  43. 
$ier  fefelt  offenbar:  [bi§  jur  Eroberung  £ro= 

ja'S   10]; 

„£a£  SBeitere  nad)  (SratojrfeeneS: 
„SSon  ber  Eroberung  Sroja'3  bis  &u  ben  $e^ 

„rafltben   80  ^ 

„S3on  ba  bis  jur  ©rünbung  ber  tontfd^en 

„9)flan$frdbte   60  - 

„S*on  ba  jur  SSormunbfcfeaft  SpfurgS   ...  159  ^ 

„SSon  ba  jur  erpen  £)tympiabe   108  s" 

Sttan  erhalt  fo  einen  Settraum  oon  870  Sauren,  bejfen 
(5nbe  ba$  Safer  oor  ber  erffen  £)lpmptabe  tfi  3?ecfeniet  man 
alfo  777  r)tn^u ,  fo  erfedlt  man  1647  Safere  oor  ßferifhiS: 
alfo  etwa  646  Safere  ^wifcfeen  ^uS^ug  unb  Sempelbau. 

£)ie§  if!  20  Safere  oon  jener  9£ed)nung  unterfcfeieben : 
gerabe  wie  be£  SofepfeuS  ^wei  Angaben  über  bie  £)auer  be$ 
SeitraumS  (592  unb  612). 

@ine  anbere  Seitrecfenung 13  3),  welcfee  9ftofe$  (alfo  wofel 
feine  ©eburt)  602  Safere  oor  ber  2£ufnafeme  be$  £)iont)fu$ 
unter  bie  ©otter  fe^t ,  unb  oon  ba  nacfe  2fpolIobor  weiter 
recfenet,  giebt  (otetleicfet  burcfe  einen  ©cfereibfefeler)  eine 
bebeutenb  feofeere  3<*fel:  1765,  ober  1785  o.  ßfer.  für 
bie  3ett  oon  SnacfeuS  (gleicfe  ber  ©eburt  9ftoft3).  £)ieg  giebt 
für  ben  2Uu^ug  1685  ober  1705  üor  GferifruS. 

£)ie  rein  jttbifcfee  3?ecfenung  be3  @lemen$  über  jenen 
Seitraum  ijl  natürlich  biblifd),  aber  entweber  oerborben  — 
SairS  Sfacfeteramt  fefelt,  mit  22  Saferen  —  ober  unooEjran^ 
big,  {ebenfalls  oerwirrt 
I33)  a.  a,  £.  P.  138  f. 

16* 


244 


£rficS  SBud).  ©ritter  Hbfcfcnitr. 


3nfammenfaffenb  fagt  er: 

..SSon  Sofua  big  £>ambg  Anfang  werben  ge; 

„iftft   450  3. 

..33ig  £>at>tt>§  £ob  ergiebt  bie  obige  9?ed)nung   523  2 
„9M  ber  erjten  fallt  9ttofeg  ©eburt  t>or  £>a= 

„mbg  Anfang  610  = 

r9tarf)  ber  ^weiten  big  (Bafomo'g  Anfang  ,   ,  643 

Sic  erjte  SRedmung  bringt  atfo  (©atomo'g  Anfang  ==  1006 
@f)r,  angenommen): 

ben  2Cu^ug  um'g  Satyr  1656 

bie  anbere      5       s  1649 

£)iefe  ©cbwanfungen  beweifen,  bag  (Stemeng  2ttteg  t>erfu<f)te, 

um  ben  2(u^ug  gegen  fteben^ntl)alb()nnbertSaJ)re  oor  ßtyrt; 

fhtg  jtn  fefcen. 

£)a  er  nun  ben  2(u6^ug,  narf)  bem  SRenbefter,  unter 
#moftg  annahm;  fo  erwartet  man  naturtief)  00m  ^leran^ 
briner  eine  Unterfinning  über  bag  2£Iter  beg  2£moft'g.  2Btr 
bemerfen  l>ter  nur  ttorlduftg,  bag  ber  Anfang  ber  Regierung 
biefeS  Äonigg,  atfo  beg  neuen  9?eid)eg,  bei  9ttanetf)o,  nad) 
ber  frirtfdjen  S3ergleid)ung  ber  giften  mit  ben  £)enfmdtern, 
bf$  Satyr  1638  fallt:  nacty  ber  gifte  ber  18ten  ^najlic 
aber,  welctye  Sofcptyug  feinen  2fu§§ü,qen  aug  Stfanettyo  ein* 
verleibt,  unb  toetdbe  bie  ctyrtffrictyen  2£u^üg(er  atte  $u  ©runbe 
legen,  würbe  2hnog  !25jdtyrige  Regierung  etwa  um  jwet 
Satyrtyunberte  tyotyer  fommen:  wag  (bte  SSerffttmmetungen 
unb  SBerfctyreibungen  t>on  etwa  50  Satyren  in  ben  fpdteren 
©pnaftteen  abgeregnet)  bod&  immer  2Tmog  big  gegen  1784 
tytnauffctyiebt:  wir  fonnen  atfo  fagen,  ben  2(ug^ug  etwa  mit 
TCmog  3,'obc  gleictygefekt,  gegen  1760. 

2(ber  fagt  Sftanettyo  würftief),  bag  ber  2fug$ug  ober  bte 
(5innatyme  unb  3^Rorung  t?on  2(oarig  unb  ber  2Cb^ug  ber 


Ii.  c.  3ulius  2ffrkanu$. 


245 


Birten  unter  2(mofts,  bem  ©rünber  be3  neuen  Meiches,  ffatt 
fanb?  ÄeineSwegeS.  Nad)  bem  2lu35uge  bei  SofepfmS 
war  e3  SEuthmoftS,  be£  9Jtf§phracjmurf)oft§  <2obn,  welker 
ba$  2lbfommen  mit  ben  ^trten  traf:  unb  ba§  biefer  ein 
SEurhmoft'S  t|t,  unb  nicht  2Tmo6  fein  fann,  bürfen  wir  gegen 
SofepbuS  jefet  mit  "33efitmmtf)ett  behaupten.  2(ber  welker 
ber  Sbutmofen  ift  er?  Unb  wie  Verhalten  ftd)  2lbÖug  unb 
2Tu35ug?  ©inb  fte  gleichzeitig,  ober  iff  ber  2(u33ug  früher 
ober  fpdter?  unb  um  wie  oiel?  lieber  atleS  biefeS  erfahren  wir 
nichts  bei  (Gemens,  S3teHetcf>t  bürfen  wir  boffen,  bie  33eants 
wortung  biefer  Jrage  bei  2Cfricanue>,  bem  erfreu  uns  be* 
fannten  Herausgeber  ber  manettyomfd&en  Giften,  ju  ftnben. 

C.   £)ie  Herausgeber  ber  manetbonifcr)en  2i^ 
fren:  SuliuS  2lfricanu6  unb  dufebiuS:  bxitteS 
unb  oierteS  Sabrbunbert. 

<&6)on  im  Anfange  beS  britten  SabrbunbertS  üerfagte 
ber  afrtfanifcbe  SuliuS,  9)riefter  ober  33ifd)of  oon  6nti 
mau3=9?tfopoli3  in  3ubda,  ©rünber  ber  burd)  (5ufebtu3  Oers 
mehrten  23ibliotbef  oon  Gdfarea,  ein  cbronologifcbeS  2öerf 
in  fünf  23üd)ern ,  beffen  &3rucbfru<fe  am  heften  oon  SRouty 
gitfammengefMt  ftnb134).  Leiber  ftnb  biefe  33rucbfrucfe  fer)r 
fpdrlid).  ©ie  geigen  unS  allenthalben  einen  befonnenen,  reb* 
lieben,  wohlunterrichteten  9ttann,  ber  eifrig  bemüht  war,  bie 
dltefren  d>alt>dtfdt)en  unb  dgtwttfchen  Nachrichten,  namentlich 
nach  &3erofuS  unb  9ftanetr)o,  Öu  fammeln  unb  öu  unterfus 
chen.  Da  er  feineewegeS  barauf  ausging,  Jahrbücher  mit 
burchgeführten  ©letch3eitigfeiten  Öu  geben  —  ein  23eftreben, 
welchem  wir  fo  oiele  SSerfehrthetten  unb  Unreblict)feiten  Oer- 
banfen  — ;  fo  gab  er  jene  Ueberlieferungen  rein,  wie  er  fte 
fanb,  ftd)  begnügenb,  au3  ihnen  felbff  bie  Unoernunft  ber 

13*)  Routh,  Reliquiae  sacrae  Vol.  III. 


246 


grfteS  53ud),  ©rittet  2lbfd)mtt. 


9)tyrtabenrecf)nung  feiner  ^etbntfd^cn  ©egner  &u  beweifen. 
daneben  fachte  er  allerbingä  eine  Rechnung  nach  bibltfchen 
SBeltjahren  mit  einzelnen  ©leidfoeitigfeiten  $u  begrünben,  um 
bte  bibltfrfje  ©efd)trf)te  mit  ben  grtechifchen  Berechnungen  in 
SBerbinbung  %u  fe^en135)»  2Btt  wtffen  au6  beut  ©pncelluS 
unb  au3  einem  23rud)jfttcf  be3  2lfricanuS  felbj!136)/  bag  er 
für  @)rijti  Sttenfcbwerbung  baS  Sahr  5500  ber  SBBelt  an. 
nahm:  eine  Annahme,  bte  burcf)  tt)n  bei  ben  SSdtern  ber 
griechifchen  Kirche  feftftehenb  geworben  tft,  unb  würflich 
grogen  SBor^ug  twr  ben  Rechnungen  ber  wejfticben  Ätrd^c 
unb  ber  burd)  Newton  feftgefe£ten  Berechnung  üerbient,  ob. 
wof)l  fte  natürlich,  ebenfowohl  wie  biefe  betten,  jenfett»  aller 
wiffenfchaftlichen  Chronologie  liegt,  unb  auf  ganj  unhaltbar 
ren  SSorau&fe^ungen  beruht  Um  aber  anfehaulich  &u  ma. 
chen,  auf  welche  SBctfe  2(fricanu3  bie  für  un6  wichtigen 
dgpptifd^jübifchen  3eitbejn'mmungen  gewann,  legen  wir  ben 
£efem  eine  3etttafel  in  SBeltjahren  t>or.  9?outh  b<*t  eine 
folche  für  bie  gefammte  3ettred)nung  in  ber  bereits  erwähn, 
ten  vortrefflichen  (Sammlung  unb  (Erläuterung  ber  ,33™$. 
flüefe  ber  africanifchen  Ghronif  gegeben137),  unb  wir  fyabtn 
ihm  mei(!enthetl5  folgen  fönnen. 

gluth  (nach  °en  ©tcbcnjt.q)  .  ,  .  .  3.  b.  SB.  2262 
Abrahams  ©eburt  .   .    .  3202 

I35)  Sync.  Chronogr.  p.  326.  (93gl.  Sbelerö  £anbb.  1%  437.)  9lad) 
^)etaog  2Cnnaf)me,  weldjer  Sbeter  betpflidjtet,  fe^tc  ber  2tfrtca* 
nuö  bte  ©eburt  <5r>riftt  eben  wie  (Siemens  in'ß  brüte  Satjr  üor 
unferer  (ber  bionr>ftfd)en)  Zeitrechnung,  fo  bajj  unfer  erfteö 
3at)r  feinem  5503ten  gteid)  ift.  £iejj  miftoerftanb  ber  <Si)ns 
cellus  unb  wirft  itjm  batjer  einen  Srrttjum  «on  &roet  Stohren 

™6)  ib.  p.  18. 

I37)  Reliq.  sacrae  III,  360  seqq. 


II.  C.  3ufiu«  2ffric<tnug,  247 

EbraljamS  (£mm  to  Kanaan  .  .   .  3.  b.  SB.  3277 
SafebS  Crinsug  in  SRefopotamien  .   .    .  .    5  3390 
£ieg  i|r  if)m  SafobS  77fteS  3ar,r:  fein  29fk$  ifr  if)m 
gleid)  mit  bem  Anfange  bcr  ftcponifcfyen  Könige. 
SafobS  (Einzug  in  tfegppten  .  ...  3.  b.  SB.  3493 

Sofep&ö  £ob  .  .   .  3563 

£)er  Eilzug  *  -    *  3705 

SSom  ^u^ug  big  ljler  £fymp.  ...    *  *   .  1020 


£)iefe  S3efttmmung  giebt  folgenbe  brei  ©leid&jeiitgfets 
tcn:  DgpgeS  glutfj:  $f)oroneu3  in  2£rgo^  (ober  3na. 
d)us>,  fein  SSater) :  2fmaft§  in  2£egppten. 
2Cber  fo  fommen  auf  ben  2fufcntl>aft  in  2Tegr;pten  nur 
212  Sa^re  flatt  ber  215  ber  (Sieben^,  welcöe  Sf& 


canuS  offenbar  angenommen: 

alfo  ifr  bie  richtige  3aW  3.  b.  SB.  3708 

SDcoftS  Seit  4a  Safjre. 

3ofua253.(R.27.)/2£nfang(R.3745.)    i  *    4  3748 

£>ie  bettelten  30  3  *  s    -  3773 

2Me  in  ber  (Schrift  genannten  9?id)ter 

490  3.  Anfang  (R.  3802)  .......  3803 

SKc&ter  (5nbe   4293 

m  u.  (Samuel,  angebt  90  3-,  l.  80  .    ...  4373 

©alomo'ö  Semperbau  (R.  4453)    .   .    .  s   .  4457 


ndmüct)  83  3.  +  4  Monate  für  ©aul,  £)at>ib  unb 
©alomo'3  erfre  3af)re  geregnet.  9?ad^  ©pnc.  p.  181» 
war  bem  2(fricanu3  ba$  Satyr  ber  SBeirje  4457.  £>ic 
SBeifye  fyatte  fratt  nad)  7  3.  £3au:  a(fo  fiel  fte  in 
baS  Ute,  ntdbt,  wie  ©pncelfas  fagt,  in  ba3  8te  3af)r 
©alomo'ö.  £)ie  beffe  £anbfd)rift  lieft  -jlatt  4457 
4460,  wa3  mit  unferer  9iecr)nung  äiemltct)  fttmmt. 


248  erficS  35uaV  dritter  Sfbfcfenirt. 


(Srfre  £>h>mpiabe  nad)  2Cu^ug  1020  ,  S.  b.  2ß.  4725 
=  Sotfeam,  $6nig  tton  Suba. 

ßpruS  Anfang  DL  55,  1  2  .    .  4942 

(grifft  ©eburt  ,   .    3  5500 

SGBtr  fet>cn  auS  biefer  Setttafet ,  bafj  TCfricanuS  in  ben 
jtreitigen  3<*fe^n  ftcf)  an  bie  aleranbrinifcfee  Ueberlteferung 
anfcfelog:  alfo  für  ben  2iufentfealt  ber  «ftinber  SSrael  in  2Cc= 
gt)pren  215  Safere  annahm.  2fber  vergebens  fragt  man  bie 
SBibet,  unb  f elbft  SofepfeuS,  um  ju  begreifen,  n>tc  er  barauf 
fommt,  ben  3citrattm  jvoifd^en  2Cu§jug  unb  Sempelbau  ^u 
744  Sauren  an^unefemen.  £)enn  baS  iff,  nacfe  GüufebiuS 
3eugnig,  feine  bejrimmte  Angabe138).  2ßir  fonnen  jebod) 
l)ier  bie  bei  (Gemens  bereits  angebeurete  ©pur  ndfeer  oerfok 
gen.  2(fricanuS  ging  barauf  auS,  für  jenen  $auprpunft 
ber  jttbifcfeen  ©efdfeicfete  unb  2(nfang5punft  äufammenfedn* 
genber  ©efcfeicfetSer^dfeumg  ©leicfeseitigfeiten  in  ben  dlteften 
griedfeifcfeen  Ueberlieferungen  $u  ftnben. ,  9hm  ftc^>t  ifem139) 
fefr,  bag  oon  £>gvge3  glurfe  unb  9)feoroneu3  Regierung  btS 
jur  erfreu  £)lmnpiabc  1020  Safere  üerfloffen  feien.  dt  be^ 
ruft  ftd)  feierfur  auf  'ttfufüaoS,  ^ellanifoS,  $)feilod)oro3,  £a* 
fror,  SfealloS,  2£(eranber  $oh>feifror ,  £>toboro$,  alle  Tlttüer, 
unb  „einige  genaue  cferiffticfee  $orfcfeer":  Sterbet  offenbar  auf 
Marian  unb  (Siemens  feinwetfenb.  £)iefe  Gfpocfee  nun  fe&t  er 
für  ben  3eitpunft  üon  9)?ofeS  bis  ©alomo  fefr,  inbem  er 
mit  SofepfeuS  für  Sofua  25  Safere  annimmt,  für  bie  Seit 
ber  2Telteffen  aber,  t>on  tftfeniel,  auf  feine  eigene  $anb,  30: 
b.  fe.  ein  9ttenfcfeenalter.  £)ann  tafelt  er  bie  Safere  ber  9?id)s 

I3S)  Euseb.  Chron.  Armen,  ed.  Mai.  p.  71.    9?ad)  Syncell.  Chron. 

p.  175.  natym  2(fricanu§  über  740  Safere  an» 
139)  @.  bie  £auptftellen  aus  bem  brttten  SSudje  ber  (äfyxonif  be$ 

2Cfricanu$,  bei  Euseb.  Pr.  Ev.  Lib.  X.  fragm.  XXII.  bei  9»0Ut& 

p.  155  ff» 


IL  C.  OuHuö  SlfricnnuS. 


249 


terdmtcr  unb  bie  ber  feinblichen  £)bmadjten  jufammen  359 
+  111  =  470.  £>ie  fehlenben  20  Sahre  ftnb  offenbar  für 
(Samuel  fRifyttxamt  nach  bem  (Siege  bei  Wvtfa  geregnet. 
Zbtx  wie  konnte  er  ihm  unb  (Sit  bann  80  geben,  wooon  bod) 
40  auf  (Samuel  fallen  muffen?  £>iefe  Sailen  nun,  mit  ben 
gewöhnlich  angenommenen  40  fürSaul  unb  ben  eben  fo  oielen 
biblifd)en  für  Daoib,  geben  oom  2(u^ug  bis  ^um  £empek 
bau  ganj  richtig  1020  3af)re,  unb  baS  wollte  er  eben  errei; 
d)en.  2Cber  mit  welcher  2BtUfüt>r ,  wirb  Seber  etnfeJjen ,  ber 
unS  bisher  in  ber  biblifchen  3eitred)nung  gefolgt  ijb  ja 
wer  aud)  nur  einen  SMicf  auf  baS  wirft,  waS  tn  ber  33ibel 
würflich  jteht. 

Sn  jenem  Sßahnbilbe  einer  griecf)ifd)en  ©leid)^eitig!eit 
lagt  2(fricanuS  ftd)  noch  bewarfen  burd)  ^wet  gdn^licf)  un^ 
lafftge  Annahmen.  3uerft  burd)  ^olemoS  Angabe,  bag  um 
ter  2(piS,  beS  ?)l)oroneu6  Sohn,  ein  Sfyeil  beS  dgpptifdjen 
v£)eereS  ausgesogen  fei  unb  ftd)  im  fprifdjen  ^aldjrina  nies 
bergelajfen.  £>ann  burd)  2TptonS,  „beS  belefenfren  aller 
©rammatifer",  oben  fd)on  gewürbigten,  auS  9)tolemduS  bem 
Sftenoefter  entlehnten  S3crtdt)t :  $u  3nad)uS  Seit,  unter  2Cmo; 
ftS  Regierung,  habe  SftofeS  bie  Suben  ausgeführt.  £ier 
haben  wir  auch  km  ©runb,  weghalb  er  in  feiner  2üte>gabe 
ber  manethonifd)en  £i|Ten  bei  2(möS,  bem  Raupte  ber  ad)U 
ahnten  £)pnaffie,  fagt:  „unter  ihm  ^og  9flofeS  auS  2fegr;p; 
ten",  Unb  bodt)  beruht  jene  Angabe  beS  SftenbefterS ,  wie 
wir  gefehen,  nur  barauf,  bag  2fmoS  2(oariS,  ber  |N)ffoS  ges 
jhmg,  ^erfrört  habe.  Sßdre  bieg  wahr,  fo  würbe  barauS  nur 
folgen,  bag  bie  Vertreibung  ber  JpytfoS  auS  ganj  2£egppten 
bem  2(moS  ^ugefchrieben  würbe.  9Zun  aber  bemifm  Wla; 
netho'S  Angaben  in  feinem  ©efchid)tSwerFe,  bag  eS  ber  fo* 
genannte  ^ephratuthmofiS,  frühestens  ber  fünfte  Äonig  jener 


250 


<£rfk6  35uaV  dritter  2lbfd)nitn 


^imajtie,  war,  ber  2fvari3  nad)  einer  2(bfunft  mit  ben  £t)fs 
foe>  einnahm.  2(mo&  mug  btefe  burd)  bie  (Einnahme  von 
Memphis  vom  3?eicr)3throne  vertrieben  haben;  benn  fonjt 
wäre  er  fd)wetlid)  at6  9?eid)Sfonig  aufgeführt;  t>teUetcfet  hatte 
er  fte  bis  nad)  2£vari3  gejagt.  Kbtx  nun  gar  mit  ber  SSer^ 
treibung  ber  ^>v>ffo6  ben  #u^ug  ^u  verwechfeln,  ijt  unge^ 
reimt;  ihn  auch  nur  gleichzeitig  mit  berfelben  $u  benfen, 
mug  wenigftenS  mit  jeber  ©pur  von  gefd)id)tlicher  SBahrheit 
ber  Erzählungen  im  ErobuS  unvereinbar  feigen.  Wlan  ex- 
fldrt  burd)  eine  fotrf)e  Annahme  bie  btblifche  Zahlung  für 
burd)au6  m^thifd)  unb  fpdt  erbid)tet.  £)aS  wollte  ber  ehr= 
liehe  2£fricanu3  genug  nicht;  aber  baS  unfelige  (Streben  nad) 
©leichzeitigfeiten  übte  fchon  auf  ihn  feinen  fchlimmen  Eins 
flug,  unb  hinberte  ihn,  auf  sJRanetho'ö  Angaben  hin  weiter 
&u  forfchen. 

£)ie  fpdteren  dgrwtifd)en  ©(eichjettigfeiten  ftnb  von  ihm 
fetjr  glüeflich  aufgefaßt,  (ix  t)at  in  ber  Ausgabe  ber  ma* 
nethonifdhen  Giften  von  2£mo3  bis  zum  Enbe  ber  ^ljten^r^ 
najtte  ungefähr  eben  fo  viel  a(e>  vom  2(u^zuge  big  ^um  £em; 
pelbau.  42  Sahre  fpdter  —  im  5ten  Sahre  SKehabeamS  — 
nahm  ber  er|te  Äonig  ber  22fren  £>pnajtie  Serufalem  ein: 
alfo  Ijatte  2Tfricanus>  geroig  ben  ©efa!  ber  Schrift  richtig  als 
ben  ©efond)iS  ber  Giften  erfannt,  unb  fid)  nicht  (roie  ein  be^ 
rühmter  englifcher  Chronograph)  burd)  SofephuS  irre  machen 
laffen.  Eben  fo  ift  bie  ©leichjMung  ber  erjten  £)lvmpiabe 
mit  ber  Regierung  3oth<*m3  eine  vollkommen  richtige  SBe* 
ftimmung. 

2ßie  hod)  aber  überhaupt  feine  2(u3gabe  ber  manetho^ 
nifchen  Giften  über  EufebtuS  Arbeit  fteht,  höben  wir  oben 
bereits  angebeutet  ES  wirb  bemerft,  bag  er  bie  £ifren  tfcotu 
mal  herausgegeben.   Nichtiger  wdre  eS,  $u  erfahren,  ob  er 


II.  C.  3ultu*  STfrtcanuö.  SufeHuö.  251 

SJtonetfyo'S  SBerk  felbft  nod)  kannte.  Offenbar  f»atte  er  bte* 
felben  £if!en  t>or  ftch,  au$  welchen  SofephuS  bie  Könige  ber 
achtzehnten  £)pnaftie  anführt  (£r  fanb  in  ihnen  gefd)id)t= 
lid)e  Bemerkungen,  bte  auS  bem  ©efc^td^tgroerfe  aussogen 
waren.  Shnen  fügte  er  einzelne  Bemerkungen  J)in^u:  fo  of* 
fenbar  bte  über  ben  2Cu§$ug  bei  ber  achtzehnten  Swnafrie: 
eben  fo  bie  über  GfyeopS  Buch,  bei  ber  vierten;  gewtg  wohl 
auch  bie  befannte  über  fDtemnon,  ben  klingenben  ©rein. 
2Cber  bag  er  ba3  ©efd}id)t3roerf  felbfi  gekannt,  folgt  barauö 
keineswegs:  t>te(mei>r  ifr  e3  J)6d)(r  unwahrfcheinlid).  v£>dtte 
er  e3  gekannt,  fo  würbe  er  bie  ßtfien  oerbeffert  unb  manche^ 
2Cn^tet)enbe  mitgeteilt  fyaben,  wa$  bann  (SufebiuS  unb  ber 
©pncelluS  aufbewahrt  Ratten,  fo  gut  wie  2Cnberc§. 

£)er  (£rfre,  fo  v>tc(  wir  wiffen,  welker,  nach  2Cfricanu$, 
bie  Bearbeitung  jener  2t|fen  wteber  aufnahm,  war  Grufe* 
biuS,  ber  berühmte  ©efchid)tfchretber,  Btfchof  t>on  Gdfarea 
in  ^atdfltna,  GonffantinS  3ettgenoffe.  (5r  unternahm  über* 
haupt  eine  üotlfidnbige  3wffttmnenftriluttg  ber  biblifchen  %n; 
gaben  mit  ben  aller  übrigen  bekannten  SSolker,  unb  ifr  alfo 
ber  erjte  Urheber  be3  burchgeführten  (5t)nchroni3mu§,  welker 
feitbem  bie  ©efrf)irf)te  fo  oft  tn'e  Bette  be3  ?)rokrit|fe3  ge? 
fernlagen  unb  oerjfümmelt  t)at  £)ag  (5ufebiu3  gerbet  mit 
Flüchtigkeit  unb  leid)tftnntger  ©eroaltt^dtigf ett  zu  SBerfe 
gegangen,  liegt  jefet  zu  £age,  wie  wir  fd)on  bei  9)?anetho 
bemerkt  haben.  £ieronpmu3  hatte  nur  ben  prakttfcr)en  £f)eil 
—  ben  Ovanon  —  gegeben,  b.  h.  eben  jene  burchgeführte  ftas 
chrontfrifche  Arbeit,  ohne  bte  einleitenben  gorfchungen  unb 
2£u3züge  au3  ben  alteren  Chronographen.  ©lücklid)erweife 
fanb  ftd)  bte,  im  ©an^en  treu  unb  kunbig  gemachte,  arme? 
nifche  Ueberfefcung  beö  fcoUjrdnbigen  SBerkes,  im  3af)r  1820, 
gleichzeitig   alfo  mit  ber  ^ieroglppbenentbeckung ,  wteber. 


252 


<£rfie$  Q5ud>*  «Dritter  3J0fd)nitt, 


2Bir  baben,  nad)  einer  maildnbifd)en  unb  üenetianifcben  Au^ 
gäbe,  unb  ben  trefflichen  Bemerkungen  unb  Verkeilungen 
beö  eufebifcf)en  £erte3  üon  ber  frut)  ber  SBelt  entriffenen 
Sierbe  StalienS,  unferm  un&ergefjltdjen  greunbe  ©tacomo 
£eoparbt,  feit  1833  burd)  ben  unermublicben  unb  etnftd&rSs 
sollen  gorfcfyer,  ßarbinal  Wlai  eine  ctafftfct>e  unb  ttollenbete 
romifd)e  Aufgabe140).  3n  ibr  ftnbet  ftd)  ber  £ert  ber  ma= 
netl>ontfd)en  ßtjten.  £)iefe  £tjten  fyaben,  auger  ben  $6nig^ 
namen  unb  Scitytn,  genau  bie  cbronifenartigen  Bemerkungen, 
weld)e  einzelnen  Regierungen  beigefd)rieben  ftnb.  £)a  biefe 
Au^uge  nun  md)t  allein  oon  2D?anetbo  nirf)t  berrubren  fon^ 
nen,  wie  wir  oben  bargetfyan,  wenigfrene  ntcbt  in  ifyrer  gegen; 
wdrttgen  ©efralt,  fonbern  aurf)  in  einer  berfelben  —  ^weis 
ten  Regierung  ber  werten  £)t)na|rie  —  Afrtcanue>  als  fcfyrei; 
benbe  *Perfon  auftritt  — ;  fo  muf?  ^ufebiuö  ben  AfricanuS 
*>or  ftd^>  gehabt  unb  oft  aufgetrieben  b<*ben.  Allein  er  \)<xt 
aud)  ftcfyer  anbre  Aufgaben  ober  Bearbeitungen  benufct,  UU 
ber  flüchtig  unb  oerwirrt.  SSom  Africanuf  felbff  gab  et, 
wie  oben  bemerkt,  ^wei  Aufgaben  ber  manctl)onifd)en  £iffen, 
unb  außerbcm,  wie  eS  fcfyeint,  anbere  £$erfd)tebenbeiten  ber 
£e3art:  eS  ift  möglich,  baß  alle,  nid)t  gan$  auf  abftcbtlicber 
ober  unabftd)tltd)er  £$erfd)reibung  berubenbcn  Abweichungen 
be6  cdfarcifd)en  &3ifcf)ofS  auf  bie  Rechnung  biefer  SSerfcbie^ 
beizeiten  kommen.  Güufebiue»  fclbft  mad)t  nirgenbf  feine 
Quellen  ober  ©cwdl)ren  namhaft.  Audi)  liegt  c$  ju  Soge, 
bag  er  meijtentbetlS  nur  aua  fietcr)tftnn  ober  um  ber  einge? 
fcilbeten  ft)nd)ronijfifd)en  9?otl)wenbigkeiten  willen  oom  2£frt- 
canuS  abwid).  AlleS  biefeS  wirft  il)m  ber  febon  mehrmals 
genannte  ©rmcelluS  oor,  unb  (5ufebtuS  SBerk  $eigt,  baß  ber 
Br^antiner  feine  Angaben  in  ber  $aupt\ad)t  treu  angeführt, 
unb  tbn  nid)t  ungerecht  beurteilt  b^be» 
140)  ©ie  maa^t  ben  8tcn  SSanb  tec  Vaticana  collectio  aus» 


Ii.  D.  £I)eopf)tIu$,  ^anoboruö,  Sfofonuö.  253 

D.  £)te  bt)zanttnifchen  gorfd)er  £1) e ophi l u$, 
9)anoboru3,  ^ntanu§,  ber  ©pncelluS. 
G?ufcbiu3  befchliegt  t>tc  öorbpjanttmfche  3^tt  3)ie  eU 
gentlich  bp^nttntfrf)e  3^t  beginnt  frut>  im  5ten  Sabrlrnns 
berte.  ©o  rote  ber  £)eSpott3mu£  ber  Äatfer  unb  bie  ©chlechi 
tigfeit  ber  neuen  Horner  zunahm,  nahm  ba£  £eben  ber  gors 
fd)ung  ab,  unb  e3  gefaltete  ftd)  allmdhlig  bie  bp^anttnifd)e 
©tarrheit.  2ülee>  brannte  nur  zum  2(bfchliegen:  dufere  ©e= 
ftttung  unb  gorm  blieben  t>om  alten  £eben  allein  übrig: 
bie  ©efd)led)ter  Ratten  [o  t>tel  mit  ihren  immer  erbärmlicher 
werbenben  ©ttettigfetten  ^u  thun,  bafi  für  bie  gorfchung 
fein  9?aum  unb  feine  Siebe  übrig  blieb.  Wit  bem  Anfange 
be3  5ten  SahtfmnbertS  machte  ber  £3ifchof  t>on  2ileranbrien 
5£  l)  e  o  p  h  i  l u  6,  ber  Urheber  be3  SDflercpfluS,  noch  einen  SSerfud), 
bie  dgiwtif$en©letchzeitigfeiten  befjer  zuorbnen:  nach  ber  ^)ar^ 
jMung  beim  ©t)ncellue>  ^u  urteilen,  unb  nach  ber  S3el)anblung 
ber  achtzehnten  S^nafite,  welche  wir  noch  beftfcen141)/  würbe 
baburch  bie  gorfchung  nicht  geforbert  ©ein  3eitgenoffe  $ano; 
boruS  unb  ber  fpdtere  2(ntanue>  —  beioe  dgppttfche  Sftön^ 
d)e  —  erwarben  [ich  baS  fehr  zweifelhafte  Serbien)!,  für  bie 
bequemere  ^Berechnung  ber  golbenen  3al)l  ODjterjahO  /  bt§ 
©onnenzirfelS  unb  ber  Snbiction  eine  SBeltdra  zu  entwerfen» 
9lad)  ^anoboruS  fiel  ßbriffi  ©eburt  tn'ö  3a&r  5492,  bie 
Sncarnation  in  5493:  2(nianu3  nahm  bie  ©eburt  gleichfalls 
in  5492  an,  fefcte  aber  Die  Sncarnatton  in  5501.  Sbeler142) 
hat  auch  biefen,  fo  oft  »erwirrten,  $unft  ber  3eitrechnung 
mit  feiner  unübertrefflichen  Klarheit  in'S  Steine  gebracht 
Wlan  finbet  bei  ihm,  in  welche  unglaubliche  SBerjloße  Unia? 
nuS  burch  bie  ihm  eigentümliche  Annahme  gerieth:  Grifft 

©.  Urf  unbcnbud)  A.  V.:  Theophilus. 
I42)  £anbbud)  ber  Chronologie  II,  447  ff* 


254 


(SrfteS  Q3ud).  dritter  2Ibfd)mtt, 


£ob  warb  ^ternad^  2te  Satyr  Äatfer§  ßlaubiue  ge; 
fefct  —  unb  &war,  wie  Sbeler  errattyen  tyat,  um  ba3  Satyr 
$u  tyaben,  in  welctyem  @tyrijtu3  ba3  £>(ferlamm  mit  ben  Sil- 
ben an  bem  14ten  Sage  be3  9ttonbe3  unb  einem  £)onner(rage 
gegefien  tyaben  fonnte.  £)ie  Sßegrünbung  biefer  SBeltdra 
be3  2(nianu6  ifr  nietyt  weiter  begannt,  aber  offenbar  ijr  fte 
auf  2lfricanu3  gebaut,  unb  nur  &ur  größeren  Sßequemlictyfeit 
wieber  fo  angenommen,  bag  bei  ber  Styeilung  burety  19  ber 
9?ejr  immer  bie  golbene  $a\)l  giebt143). 

9)anoboruS  unb  2(nianu3  gaben  ftety,  al6  gute  2(egtwter, 
9ftütye,  fo  oiel  fie  fonnten,  oon  ben  alten  3«ty^n  ber  ägtjptts 
fetyen  unb  babi)lonifctyen  Satyrbüctyer  $u  retten.  £)ag  fte  bieg 
auf  Soften  be$  gefunben  9)?enfctyenoerffanbe3  —  $.  33.  burety 
3urücffütyrung  mpttytfctyer  Satyre  auf  Satyre  oon  Einern  Wla 
nate  —  unb  ber  33ibel,  burety  fleine  Ungenautgfeiten,  7tu& 
laffungen  unb  Sufdfce  ttyaten,  verbient  gewig  bei  itynen  fok 
wotyl,  als  beim  QzitftbiuB  Säbel.  Allein  fte  wanbelten  boety 
noety  infofern  auf  ber  SÖatyn  be£  2(fricanu3,  bag  fte  jene 
Satyrbüctyer  weber  wegen  ber  mt)ttyifctyen  3aty(en,  für  beren 
33er(ldnbnig  itynen  ber  reetyte  ©inn  fetylte,  noety  wegen  ber 
Unvereinbarkeit  mit  ber  fanoniftrten  biblifctyen  ßtyronologie 
gan$  verwarfen. 

£)ie  junetymenbe  flarre  Sfoctyrgläuftigfett  fonnte  itynen 
bieg  nietyt  oergeben.  Styt  fuetyte  ber  geletyrte  conjfantinoöolu 
tanifetye  9ttöncty  uno  S3icepatriarcr)  ©eorgu^  (ber  (gtmceuuS, 
b.  ty.  Corjcellaneus  ober  Settcjenoffe  be3  ^atriaretyen),  ber 
gegen  baS  Satyr  800  lebte,  burety  einen  noety  ffrenger  burety; 
gefütyrten  biblifctyen  dtyarafter  &u  genügen.  £>er  ©pnceüuS 
ifl  ein  etwas  bifftger  Äritifer,  unb  lagt  ftety  gegen  ben  dm 
febiuS  in  groben  ©ctyimpfreben  ergetyen,  bie  übrigens  gegen 
I43)  Steter,  £anbbud)  ber  (Sfjronologte  II,  444  ff. 


II.  D.  £)er  (gnncctluS. 


255 


bie  (Grobheiten  ber  Latein  fchretbenben  Wtologen ,  &on  2au; 
rentiuS  3ett  an  bis  auf  bie  unfere,  ©ügigfeiten 

gen  muffen.  (Scaliger,  beffen  Sieblingsibee  bie  £erfMung 
be3  verlorenen  eufebifchen  SBerfeS  war,  t>erfd)affte  ftd&  eine 
partfer  £anbfchrift  ber  bamalS  noch  nicht  herausgegebenen 
Chronographie  be£  ©pncelluS  unb  benufcte  tf>n  $ur  Verfiel- 
lung  be§  eufebifchen  SSerfeö,  eine  Unternehmung,  bie  er  mit 
bem  unermeßlichen  (Schate  feiner  ©elehrfamfett  unb  feinem 
überfprubelnben  ©charfftnne  burebführte.  @s  i(l  begreiflich, 
bag  er  Sterbet  bem  ©pncelluS  feine  33ttterfeit  vergalt;  aber 
man  mug  ee>  mit  SBrebow144)  noch  *>fel  roefyt  bebauern, 
bag  er  ben  ©t)ncelluS  nicht  herausgab,  Qnn  griechifcher  in 
9>artö  lebenber  9ft6nd),  ©oar,  gab  ben  £ert  mit  Ueberfe&ung 
unb  vf)er|Mung  ber  fpnchroni(!ifchen  Tabellen  (be3  $anon) 
herauf:  ein  philologifd)  ^ch(l  jämmerliches,  gewiffenlofeS, 
mit  unoerfchdmter  ©robheit  gegen  ben  unbequemen  liefen 
gewürztes  2Bert\  Setter  ift  in  ber  neuen  Ausgabe  ber  SBr^ 
jantiner,  welche  ben  Sert  beS  (SpncelluS  natürlich  nach  ben 
£anbfd)riften  lieber  i)tx$efteüt,  ©oarS  gänzlich  unbrauch* 
bare  Ueberfe^ung  flehen  geblieben,  ein  wahrer  <5chanbfle<f 
jener  Ausgabe. 

@:S  genügt  ju  erinnern,  bag  wir  bem  ©pncelluS  bie 
Aufbewahrung  ber  unfehlbaren  eratofthenifch-apolloborifchen 
Arbeit,  wenngleich  in  einem  fümmerlichen  Auszüge,  verbat 
fem  Ueberbaupt  ijt.bte  3ufammen(Mung  ber  Urfunben  über 
bie  dgpptifche  3eitrecf)nung  baS  S3ef!e  im  ganzen  SBerfe. 

144)  $>rei6fd)rift :  de  Georgii  Syncelli  Chronographie,  £n  btefer 
«Bearbeitung  einer  fehr  weife  üon  ber  franjofifchen  OCfabemte 
aufgehellten  $va§t  unb  in  ben  „epistolae  Parisienses"  liegt, 
rein  pbilologifdje  SBerbefferungen  ©inborfö  abgeregnet,  ber 
gan&e  2Bertb,  son  Stnborfö  Aufgabe*  «Der  erfre  SSanb  follte 
billigerwetfe  ganj  umgebrutft  werben. 


256 


@rtfcfS  55ud).  dritter  2lbfd)nitt* 


9?atürlid)  waren  bie  befren  Quellen  über  2(egt)ptifcf)e$ 
bem  einmal  angenommenen  jrarren  ©pncbronismuS  ber  bt)* 
^antinifeben  jtirdje  bie  unbequemften  unb  alfo  für  ben  <5r;nz 
celluS  bie  unbrauebbarfren.  dt  hat  aber  aud)  dgtwttfcbe 
3eitred)nungen,  weld)e  t>on  (5J>rtflen  bereits  ^ugef dritten  wa^ 
ren,  unb  t>on  biefen  ijt  e3  jefct  notbig  gu  reben,  nidf)t  ibreS 
inneren  2Bertbe£  falber,  benn  fte  baben  gar  feinen,  fonbern 
wegen  be3  ©ebraudjS,  ben  ber  ©nncelluS  t>on  ben  \<fykd)tt: 
ften  berfelben  gemacht,  unb  wegen  beS  (SinflufieS ,  ben  fte 
auf  bie  SSerwirrung  be3  UrtbeilS  im  2lbenblanbe  bis  auf  um 
fere  Sage  gebabt  Jjaben, 

E.   £)a$  SBerf  bee  falfd)en  9ttanetbo  t>om 
£unb  Sftern. 

£)er  ©tjncelluS  erwdbnt  biefe^  SßerFes  an  ^wei  ©teilen. 
Sn  ber  erften  ©teile145)  wirb  er  auf  baffelbe  gefübrt  burd) 
feine  Behauptung,  bie  Sttenfcben  üor  ber  glutb  bitten  %voU 
feben  bem  Speere  unb  bem  ^arabiefe  gewobnt,  unb  eS  t>abe 
bamalS  weber  bie,  tton  SBerofuS  unb  feinen  9?acbfolgem  ges 
priefene,  uralte  v£)errfd)aft  ber  dbalbder  gegeben,  nod)  bie 
t>om  lügenbaften  unb  prablertfcben  9ftanetl)0  gerübmte  dgt)p; 
tifebe  ©otterberrfebaft.  9?ad)bem  er  tiefet  in  feiner  SGBetfe 
&u  beweifen  gefuebt,  !ommt  er  wieber  auf  33erofu3  unb  Wla? 
netbo  jurücf I46),  unb  fpottet  über  ^.einige  unferer  ©efebiebt^ 
forfd)er"  —  offenbar  2lnianu3  unb  ^anoborus  —  welcbe 
ftd)  ber  unenblid)en  SCfZprtaben  t>on  Sabren  burd)  3urüdfüb2 
rung  ber  cbalbdtfcben  ©aren  auf  Sage  5U  entlebigen  gefuebt 
})äUtn,  als  wenn  jene  Seiten  würfltd)  ba  gewefen  waren» 
hierauf  galtet  er  ^wei  ©dfce  auS  2lfricanu3  ein,  £)er  erffe 

145)  Syncelli  Chronogr.  p.  15. 

146)  ib.  p.  17  sq. 


II.  E.  £>aö  2Bcrf  b.  falfd)cn  9D?<metf)0  oom  Jpunbgflern.  257 


fpnd)t  bie  Un^uldfftgfett  ber  dgpptifchen  aj!rologifd)en  gaf)* 
len  auS,  bte,  felbf*  auf  Monate  &urücfgefüf)rt,  noch  8  —  9000 
Safyte  betragen.  Der  zweite  oerfpottet  bie  brei  SOtyriaben 
ber  ?)()6ntcier  unb  bie  arf)t  unb  Diesig  ber  @halbder,  bie 
fd^rtftmd^tae  3df)lung  t>on  fedb^t^alb  Sahrtaufenben  t>or 
ßhrifto  irrten  entgegenfe^enb.  9hm  folgt  bie,  offenbar  bem 
oben  genannten  33erofu§,  ober  einem  feiner  2fu3fchretber, 
entnommene  d&alodifd&e  3eitrechnung  i>on  2ttoro£  bis  9Eifu= 
tbroS,  ben  9ftann  ber  glutf).  hierauf  fahrt  ber  <2r;ncellu3  fort: 
„9ttanetho,  ber  ©ebennpter,  Gh:$priefter  ber  üerabfcöeuung^ 
„würbigen  dgpptifchen  ^eiligthümer,  ber  nach  SBerofuS,  unter 
„9)tolemdu3  tyty'tiabtipfyuS  Übte,  fd&retbt  biefem,  ejben  fo  lü* 
„genhaft,  roie  ber  SBerofuS,  üonfechS  Dpnajlieen,  nämlich  oon 
„fteben  ©Ottern,  bie  nie  ba  geroefen,  in  11,985  Saurem  Der 
„erfte,  vgjephdftoS,  regierte  nad)  ihm  9000  Sahre.  Diefe 
„9000  3af)re  J)aben  wieberum  ...-einige  unferer  ©efd&id&tSs 
„forfd)er""  als  Monate  geregnet,  unb  fo  auf  727f  Sahre 
..äurücfgeführt,  mit  lächerlichem  S5e(lreben,  Jalfdbes  als  SBafc 
..reS  &u  behanbeln ." 

2Bir  l)aben  bie  <Stette  in  ihrem  ganzen  3ufammenhange 
gegeben,  um  emleuchtenb  machen,  bag  biefe  Anführung 
beS  eigentlichen  manetbonifchen  SÖerfeS  ganj  bem  ©t>ncettui 
^gebort,  unb  mit  ber  Anführung  beS  2(fricanu5  nichts  gu 
tbun  f)at  9Eit  $Red)t  f)at  9?outb  baber  S5eben!en  getragen, 
irgenb  etroa3  2(nbere3,  als  jene  ätt>ei<5d£e,  in  feine  (Sammlung 
aufzunehmen.  Dag  Grufebius  biefen  ^Betrug  nicht  fennt,  b<*2 
ben  wir  fcfyon  oben  bei  (£rfldrung  feines  2(u^ugeS  auS  bem 
achten  9flanetbo  gezeigt. 

(£3  folgt  nun  im  <5t)ncelluS  bie  bei  jener  SSeranlaffung 
bereite  angeführte  ßifte  ber  ©otter^  unb  JJeroenbpnajfieen. 


J. 


17 


258 


(£rfte6  25ud)*  dritter  2fbfd)mtt* 


2Cber  fpdtcrt)tn I47)  fommt  er  wieber  auf  ba3  2Ber!  ^urücf 
imb  fagt:  Wlantfyo,  ber  ^rjprtefler  ber  dgpptifchen  ©öfcen, 
habe  unter  bem  tyi)itabtlpf)u$  ein  fabelhaftes  S3ud)  oom 
^unböjlerne 14  8)  gefchrieben,  unb  bann  jenem  Könige  mit 
folgenben  Sßorten  ^geeignet: 

..Dem  großen  Röntge  $tolemdu3  ^)t)i(abe(p^u6 ,  allzeit 
„9ttef)rer  be6  Geichs  (Zt ßaövä !),  Wlamtyo,  £berprtejler  unb 
„<Scr)reiber  ber  Sempel^etltgt^ümer ,  ein  geborner  <2ebenm)t, 
„in  vf)eliopoli3  lebenb,  meinem  v£)errn,  bem  ^tolemder,  v£)eil! 
„üffiir  muffen,  o  größter  Äonig,  über  alle  Dinge  nachbenfen, 
„bie  bu  oon  un3  erforfchen  magfl  Da  bu  nun  bei  mir 
„nachgefragt  ftap  um  bie  Dinge,  welche  ber  SBelt  be»or(te= 
„hen,  fo  wirb  bir  offenbar  gemacht  werben,  wie  bu  bes 
„folgen,  waS  bie  oom  breimal  größten  SSoroater  £ermes> 
„gefcr)rtebenen  ^eiligen  33üd)er  gelehrt  labern  £ebe  wohl, 
„Äonig,  mein  v£>err!" 

Sftach  be§  ©pncelluS  weiterer  Angabe  behauptete  ber 
SSerfafier,  feine  Quelle  feien  DenFfteine  (Stelen),  welche 
ftcr)  im  ftriabifdjen  Sanbe  befdnben.  lieber  bie  ^nfrf>rtften 
biefer  angeblichen  DenFffeine  waren  bie  SBorte  be§  SSerfafc 
ferS  folgenbe:  „fte  ftnb  im  belügen  DialeFte  unb  mit  fyiero* 
„gltwhifcher  ©cr)rift  eingehauen  oon  Zfyot,  bem  erften  £er* 
„me3;  nad)  ber  gluth  aber  aus>  bem  t>et(tgen  Dialekte  oer^ 
„bolmetfcht  in  l)^enifd)e  (Sprache  (sie),  in  f)ieroglr;pf)ifd)er 
„(Schrift,  unb  niebergelegt  in  SBüchern  oon  2(gathobat; 
„mon,  bes>  ^weiten  vf)ermee>  (Sohn  unb  Zat$  SSater,  in  ben 
„J3eiltgtf)ümem  ber  £empel  2(egt)pten3  " 

Da^  fo  abenteuerlich  angeFünbigte  33ucr)  begann  nun 
mit  ber  ©efd)id)te  oon  „fünf  dgpptifchen  SSolFern,  nämlich 

ib.  p.  40. 
I48)  r\  ßißlog  rrjg  Zä&sog. 


n.  E.  £>aö  2Berf  b*  fallen  Sttanetbo  oom  #unb$ffrm  259 

„ben  bei  ibnen  fogenannten  ©Ottern,  Halbgöttern,  Spanen 
..unb  ©terblkben149)" 

2Bir  fafyen  oben,  baß  bie  ©umme  ber  ©otter*  unb 
roenregierung  au3  bem  £unb6fternbud)e  11,985  Sabre  bes 
tragt.  Reebnen  roir  ba^u  bie  3abl  beS  wahren  9ttanetbo, 
welche,  nad)  ChtfebiuS,  bie  Regierungen  ber  ©otter,  gelben 

unb  Spanen  umfaßt,  als   24925  % 

fo  geroinnen  roir   36910  Sv 

alfo  nur  385  Sabre  mefyr,  als  bie  36,525  Sabre,  roelcbe 
ben  großen  ÄreiS  ber  £unb§jfernperiobe  (25  x  1461)  au^ 
brücfen,  unb  bie  ber  ^Betrüger  erreichen  roollte,  6$  ijl  alfo 
flar,  baß  tiefer  bie  ct?f lifd^e  Statur  in  bie  Recbnung  binein; 
gebrad)t,  rodbrenb  jte  bem  roabrenSftanetbo  burd)au§  fremb  i|r. 

2Cber  roie  folXtc  ee  ber  5D?üt)e  lobnen,  bie  Undcbtbeit 
biefe3  9ftacbroerf.3  nocb  ndber  beroeifen?  <5d)on  3oega150) 
bat  bemerft,  baß  bie  Nennung  eines*  ^roeiten  £erme£  eine  fpdte 
Seit  anbeute.  2C6er  bieg  ifl  eine  ^(einigfett  neben  ber  Um 
oerfd)dmtbeit  ber  3neignung  unb  bem  Unftnne  ber  @inle^ 
tung.  Sftad)  jener  roill  9ttanetbo  feinem  foniglicben  v^errn, 
auf  beffen  ^acbfrage,  bie  ^ufünftigen  £)inge  oorberfagen, 
ftatt  baß  ber  dd)te  bie  SSergangenbeit  unb  ba§  TOertbum 
feinet  SSolfeS  befcbrieb.  tiefer  fcbopfte  au£  Urfunben  unb 
£enfmdlern,  beren  Seugniß  ibm  jefct  roieber  auf 5  ©tan* 
jcnbjte  jur  ©eite  (lebt  Sener  beruft  ftd)  auf  „Raulen  im 
,.ftriabifcben  £anbe",  bie  roir  fdjon  in  ber  Einleitung  ber 
dgppttfcben  Ueberlieferung  fennen  lernten.  £)er  erfre  ^ermeS 
batte  bie  .ftunbe  ber  Urzeit  in  jene  £)enfjleine  etngebauen, 
im  beiligen  £>ialefte  mit  ^ieroglppbenfcbrtft ;  nacb  ber  glutb 

149)  &soi,  rjul&tot,  ff'xvfg,  %vr\xoi.    'Hfii&soi  unb  vwvsg  werben 

alfo  r)ter  rote  im  2fu6juge  bei  GsufebiuS  untertrieben* 
I5°)  Zoega  de  obelisc.  p.  881. 

17* 


260  (SrfteS  23ud)*  dritter  2lbfd)nitt. 


fyatte  2Tgatf)obaimon ,  SbotS  SSater,  fte  au3  jener  tjciHgen 
(Sprache  in  bie  fyellenifcfje  übertragen,  aber  wieber  in  ^ieros 
glt)pf)enfd)rtft!  9^td>t  weniger  fabelhaft  ftnb  bie  »fünf  SSoU 
fer",  welche  er  au3  ©Ottern,  Halbgöttern,  Spanen,  (Sterbt 
cf)en  unb  roafyrfcfyeinticf)  ben  gefd)id)tlid)en  Königen  (2legr;ps 
tern)  bejlefyen  lagt,  Günbltcf)  ijt  bie  ©pracfye  gan^  hellend 
ftifcfy,  voooon  in  bem  dd)ten  gragmente  be3  Sßanetfyo  ftdf) 
feine  ©pur  ftnbet, 

£)ieg  SBucr)  iff  alfo  offenbar  ein  fefyr  fpdteS,  ganj  t>ers 
ddf)tlicf)e3  9ftarf)roerf,  au$  a|trologifcf)em  ©eftcfjtSpunfte  jus 
fammengefcfyrieben. 

#ber  e£  ging  bem  manetf)onifcr)en  SBerFe  nod)  fcfylimmer, 
naef)  bemfelben  ©pncelluS. 
F.   £)  i  e  fogenannte  alte  d  g  9  p  t  i  f  d)  e  @  f)  r  o  n  i  f. 

„£)ie  2(egr;pter",  fagt  ber  (SpncelluS  ,  -tragen  ftd) 
..mit  einer  geroifjen  alten  @f)rontf,  roeldfje  aud)  meiner  $RtU 
,.nung  nad)  ben  9ftanetf)o"  (ndmlid)  ben  falfcfyen)  ..irre  ge= 
„fufyrt  f)at  <5ie  umfagt  einen  unermeßlichen,  oon  bem  beS 
..9ftanetf)0  oerfcfyiebenen  3eitraum  oon  30  £>r;naftieen,  roieber 
„in  113  ©efd)led)tern,  ndmlidf)  36,525  3af)re,  ^uerjl  ber 
.j©6tter,  bann  ber  Halbgötter,  ^um  &xitttn  ber  2legppter,  fo 
..ungefähr  roortlid)  lautenb. 


|2lngaben  b.  (£ufebtue\ 

(I)  £crrfaWt  ber  ©ötter : 

JpcpWoß:  oi)ne  Seit,  roeil  er 

£ag  unb  9iad)t  fd)eint 

£elto6,  £ep{>äfto$  @o()n,  ♦ 

30000  3. 

@i)rono$  u.  alle  übrigen  aroSlf 

©otter  ♦  ♦  

3984  ; 

(II)  2(d)t  J?atbg6tter     ♦  ♦  ♦  ♦ 

217  - 

XV  ©efd)led)ter  be$  ^unb^ 

tfernfreifeö     ♦  ♦♦♦♦♦ 

443  - 

34644  3. 

I51)  Chronogr.  p.  51.       Urfunbenbuc^  A.  VII. 


II.  F.  £ie  fofjcnannte  a(te  öntUHifdje  Gtyromf.  261 


Angaben  b.  (Jufebiuä. 

Uebcrtraa.  34644  3. 

Barnten 

8  @cfd>L  190  s 

«  -Hu  f. 

1<I0 

J..JU  ,J. 

17  ;  s 

SÜicmpfyiten 

4  s 

103  « 

4  ftirfptt 
~      11 11 11 

103  ; 

18  - 

14  = 

348  s 

14  Tf\<»h 

248 

19  - 

£)io6poltten 

5  ; 

194  s 

?i       t  r\  d  >\  r\  f 

«  'Ciuepui* 

194 

8  s 

228  s 

l  —  > 

21  -  ; 

Moniten 

6  * 

121  * 

'    -v.  Hill  IL  II 

139 

—  _  '  i 

3  * 

48  5 

O  -OUÜG1I. 

£>iogpoliten 

2  ; 

19  ; 

0  samten 

44  - 

24 ;  ? 

(Saiten 

3  s 

44  * 

1  chatte 

44  , 

25  *  5 

2fetf)iopen 

3  5 

44  * 

3  2lctf)> 

44  ; 

26  =  ; 

2Wempl)iten 

7 

177  * 

9  hatten 

168^  , 

27* 

Werfer 

5  - 

124  - 

8  Werfer 

120|  , 

28,  ; 

(WO 

l  (Saite 

6  - 

29  s  * 

Samten 

39  s 

5  9ftenöeft'er 

211  ; 

30  •  s 

1  t 

18  ; 

3  (gebennpt,  20  ; 

363413." 

Die  dntffefyung  biefeS  9ttad)weriM  Hegt  oor  2(ugen.  Der 
3wecf  ift,  wie  bei  bem  fa(fd)en  9)c-anetf)o,  baS  groge  SBttU 
jafyr  oon  36,525  ^abren,  ober  25  ^unbsfternf reifen,  bar^ 
fMen.  Der  geitlofe  3?aum  be3  £unb3ffernbud)e3  ift  bie 
$errfd)aft  be3  v£epf)dffoS ,  be£  erfren  ber  ©otter,  geworben, 
au3  einer  mt)flifd)en  ©(eicfyffeUung  teffetben  mit  bem  ewigen 
£id)te.  Dem  £elio3  ftnb  bann  ftatt  ber  befcfyeibenen  9000 
3af)re  ber  erfren  ©Otterregierung  beim  $)feubo=9ttanet1)o  bret 
runbe  Sftpriaben  gegeben.  Die  3af)*  ber  übrigen  ©otter, 
3984,  ift  gan$  etgentbümlidf) ;  üietteiebt  ift  e3  nict)t  ^faltig, 
bag  fte  mit  ber  S3erecr)nung  ber  Safyre  twn  ber  SBeltfcfyos 
pfung  bis  <5f)riftu$,  naer)  einigen  ßf)ronograpf)en,  überein= 
ftimmt.  Die  ^egierung^eit  ber  £albgotter  (217)  ift  offenbar 
bie  weife  ermäßigte  be3  Weubo^anetfyo,  bie  wir  oben  frf)on 
bafur  fennen  {ernten  (214|).  9^un  fommt  bie  9?eil)e  be§ 


262 


Srftcö  SBucfo.  dritter  2Jbfd)nttt. 


SBerberbenS  an  ben  deuten  9)?anetho,  b.  h.  an  ben  $?anetho 
ber  30  Jjiftorifd^en  £>9najtieen  dgt)ptifcf)er  £errfd)er.  (£r 
wirb  aber  mit  bem  Slttanetbo  be3  £unb3ftern§  »erwechfelt, 
unb  baher  feigen  bie  15  £)t)naffieen  9flanetho'3  hier  15  &X)z 
naflteen  beS  £unb3jternfretfe3.  Aber  bte  3ahl  443?  3ft 
bte  Angabe  etwa  in  bem  (Sinne  ber  ähnlichen  bei  (Gemens 
ju  oerftehen,  nämlich  fo,  baß  bte  erffen  15  £>t)nafrieen  bie 
443  Saftre  üor  bem  Anfange  be$  legten  ßi;ftu§  einnahmen, 
alfo  oor  1322?  £)ber  i(I  ft'e  einfach,  mit  fleiner  SSerdnbe; 
rung,  au3  (£ufebiu6  3af)ten  für  XIV.  unb  XV.  (435)  ent- 
nommen? Offenbar  ftnb  bie  folgenben  Safykn  für  bie  9?e; 
gierungs^eiten  im  Allgemeinen  au3  ^ufebtu^  entlehnt. 

£)ie  113  ©efchlechter  ftnb  mit  gleicher  *BilIführlichfett 
nachgewiefen: 

©otterherrfchaften  15  £pm 

Halbgötter  8  s 

£)te  15  ^)pna|1ieen  be3  ^unbSftern^fluS  .    15  - 

(Summe  38  £>pn. 

23on  nun  werben  aber  ntct)t  mehr  £)t)naffieen  gezahlt, 
fonbern  75  3eugungen,  ober  ©efchlechter ,  um  bie  manethos 
ntfehe  ^al)l  113  ju  erreichen. 

£)ieg  ijt  fo  offenbar,  bag  man  banac^  bie  im  Sexte  be3 
SpnceüuS  beftnbliche  £ucfe  bei  ber  28(ten  unb  29ften  £)t)nas 
fite  nur  au3  (£ufebiu£  au^ufüUen  braucht,  um  bie  3<*hl  75 
ju  erhalten.  £ue  tarnen  ber  Drmajtteen  ftnb  mit  gröblicher 
Unwiffenheit  üerdnbert,  wie  ein  £3ltcf  in  bie  manetfyonifcfyen 
Safein  unb  bie  genauere  ^unbe  ber  £>enfmdler  unb  ©es 
fd)td)te  beö  neuen  Reiches  jeigt.  £)ie  Sal)re^al)len  enblicf), 
wie  bie  Sehlen  ber  einzelnen  Regierungen  ftnb  oielfad)  jus 
recf)tgefct)nitten:  bod)  §eigt  ftd)  allenthalben  hier  Ghtfebiuö  als 
©ewdhrSmann.  S3ei  ber  23ften  £)pna(lie  ift  bie  Spur  ber 


II.  G.  £>ie  Ä&mgäu'tfen  Des  Ungenanntem  263 

richtigen  3af)l  (19  ji.  44)  erhalten,  oielleid)t  auS  befferen 
£anbfd)riften  be£  dufebiuS.  2Bie  bie  3a*)^n  für  Die  etnjels 
nen  £tynaftieen  je£t  lauten,  fehlen  184  3af)re  für  bie  Oer; 
fprodjenen  36,525:  e3  fof)nt  nid)t  ber  Sftüfye  $u  unterfucfyen, 
wo  ber  gefjler  Hegen  fonne. 

©an^  offenbar  fyaben  roir  fjter  bie  unnatürliche  S3er^ 
binbung  ber  3af)len  be$  achten  unb  be3  undcfyten  Sfilanttyo, 
unb  bie  fogenannte  alte  dbtonif  ijt  alfo  jünger  als  ber  le&te. 

3>ie  2Bertf)loftgfeit  be3  9ftad)tt>erfs> ,  welches  neuere  ®e; 
lehrte  al3  ein  jtleinob  tf>ren  Unterfucbungen  über  dgpptifd)e 
Chronologie  $u  ©runbe  gelegt,  t)at  fcuerft  (1831)  Setronne 
au3gefprod)en;  eine  oortrefflid)e  Ärtttf  ftnbet  ftd&  als  2Cnmet; 
fung  in  33iot3  2lbf)anblung  über  bie  SDbnatSbejctd&nun.q  ber 
2(egt)pter  gebrueft152). 

Sener  fcfjarfftnnige  gorfdjer,  mit  roeldjem  ^ufammen^ 
treffen  mir  immer  als  eine  S3ürgfd)aft  für  bie  9ttd)tigfett 
be£  emgefd)lagenen  SÖegeS  gilt,  erfldrt  bei  biefer  ©elegenfyett 
ba3  SBud)  über  ben  ©otbiS  für  ba$  9ttad)tt)erf  eineS  Suben 
ober  (Triften,  roeld)e3  nicfyt  alter  fein  fonne,  aB  ba3  (£nbe 
be£  britten  3>abrf)unbert3,  SÖSir  glauben,  bag  e3  bebeutenb 
fpdter  ifi 

G.   £)ie  jtonigSliffen  bes>  Ungenanntem 

(So  roar  alfo  9ftanetf)o'3  gefcfyid)tlid)e6  2ßerf  allmdbltg 
©d)ritt  oot  ©d)rttt  befeitigt  Suerjt  burd)  2lu^üge,  in  be; 
nen  ©efd>tcf)te  unb  3eitred)nung  oerroifd)t  roaren:  bann  burd) 
CrufebiuS  glüebtigfett  unb  bie  jur  £)urd)fübrung  feinet  ©ps 
jremeS  unternommenen  SBerfdlfd)ungen :  nad)  tt)m  burd)  ben 
^Betrüger,  toelcber  be$  ©ebennpterS  tarnen  log  unb  2led)- 
te£  unb  $alfd)e$>  ütelfad^  oermifdjte:  ent>üd)  burd)  ein  roill= 
152)  *u  @>.  24  ff. 


264 


(Srihtf  33uoV  dritter  2lbfd)mtt- 


füf)tlid)es  3ufcf)netben  ber  manetbonifdjen  £)t)najfieen  in  einet 
nach  cpfltfcf)en  3<*hten  rechuenben  @hronif.  2Me  Ungeheuern 
mpt^tfd&cn  3af)len  waren  burd)  $anoboru3  unb  2lnberer 
fünfte  fo  fchon  auf  glaubliche  Sahlen  zurüefgeführt  burd) 
bie  ftnnretcbe  Crrftnbung  t>on  ein*,  jwets  ober  breimonatlichen 
Sahren,  bag  ftch  baburch  eine  neue  Quelle  für  bequeme 
3eitbeftimmungen  barbot  ©o  fanb  ber  ©tmcelluS  bie  d)ro; 
nologifche  gorfchung.  GrufebtuS  fchnobe  S5el)anblung  ber  ma= 
nethonifchen  ßijlcn  nachzureifen,  war  ihm  ein  £eid)te3,  2(ber 
er  felbft  fonnte  bie  achten  africanifchen  Sehlen  fo  wenig 
brauchen,  als  ber  S3ifchof  üon  Gdfarea.  gur  einen  buret^ 
geführten  (Synchronismus  waren  überhaupt  ^pnajfreen  p 
unbequem.  2ÖaS  ^uerft  bie  dltefte  3eit  betraf,  fo  mußte  man 
boch  mit  9ftene3;9tteffratm  beginnen,  unb  noch  einige  Atomen 
hinzufügen,  um  ben  furzen  3eitraum  oor  ben  Birten,  unb 
Zwifchen  ihnen  unb  bem  Anfang  ber  achtzehnten  £)t)nafrie 
oerfldnbig  auffüllen.  2ttfo  bie  erjlen  14  ober  16  £)pnas 
ffieen  mugten  auf  J)6dbften6  fo  oiele  tarnen  unb  SRegterun; 
gen  zurüefgeführt  werben. 

Allein  auch  fut  ba$  (Spätere  zeigten  ftch  Diele  dgyptifche 
Ungefügigfeiten.  £)a3  ffanb  bei  ben  Reiften  fefr,  baß  2lbra^ 
harn  ober  Sofeph  unter  2lphöpf)i3,  bem  ^irtenfonige,  nach 
2£egi)pten  ge!ommen,  ober  bag  ber  2(u^g  unter  2Cmo&  ffatt 
gefunben,  ober  auch,  frag  9#ofe3  unter  2lmo6  geboren  fei, 
unb  unter  9ttephra  ^hutmoftö  ba3  33olf  SSrael  aufgeführt 
habe,  darnach  mußte  fchon  Manches  zngefchnitten  werben, 
2(uch  fpdterhin  tarn  man  mit  ber  jübifchen  (Senologie,  wie 
man  fte  auffagte,  in  Verwirrung,  wenn  man  ftch  <*n 
£h)najfteenoerzeichnif[e  hielt.  £)en  SBeweiS  hierfür  liefert  fchon 
(SufeWuS  fynchronijfifcher  Äanon  in  jebem  3eitraum,  wie  wir 
unten  feben  werben.   Um  biefen  (Schwierigfeiten  zu  entgehen, 


Ii.  G.  £te  Äöntgöliflen  t>e$  Ungenannten,  265 

fd)miebete  jemanb  bie  Sipe,  roefd&e  ftd)  in  be$  ©pncettuS 
fynd)rontfrifd)en  Safein  fmbet  SGBert&IoS,  wie  fte  iff,  t>erbtent 
ftc  bod)  in  Einern  SSettacfyte  ^erucfftd)ttgung.  9ta  burd) 
ftc  gewinnt  man  ein  oolljidnbigeS  S5tlb  ber  grunblofen  Uns 
frttif  jener  Seit,  unb  ber  £altloftgfett  tf)rer  ^Berechnungen 
unb  ©d)  lüfte. 

2Btr  geben  bie  fitfte  t>olIfrdnbig ,  nad)  ben  Settrdumcn 
ber  wahren  ©efd&tdjte  abgetbeilt,  unb  mit  ü)ren  eignen  fort* 
laufenben  3«f)^n: 

1.  %itt  ^^araonen^eit  153)  —  341  Satire,  9 
Röntge. 

t  „9)?efrratm"  (wegen  ber  S3ibct)  „ober  StteneS"  35 

2,  £uröbe§  (gan^lid)  unbegreiflich)  63 

3,  2Crijtard)o3  (  \  "  j  r.   .    _        i  34 

4.  ©panioe    |  rem  erIo9ene  U'  «nf™"Öe9*ftmen  j  36 

q  /  „liefet  verzeichnete  tarnen"  (eine  große  ©es 
\  wifTenhaftigfeit!)  '  ♦  ♦  72 

7.  ©eräpiS:  &ur  Abwechslung  ein  ©ottername  au3 
ber  sptolemderjett  •   ♦  23 

iauS  bem  legten  S£J>L  ber  ßtflcn  jus 
fammengerafft  ©pn.  XII,  1,2. 
=  Erat.  34. 33  


49 
29 


341 

£)ie  sundchft  folgenben  16  tarnen  ftnb  fowohl  SftanethoS 
alten  £)pna|tieen ,  aU  bem  @:ratojtf)ene3  fremb:  ba  ftd)  an 
fte  bie  .^irtenfontge  anfliegen,  fo  müffen  jene  16  tarnen 
entroeber  gan§  erbietet,  ober  au£  ben  für  un3  oertorenen  53 
tarnen  2(pottobor3,  ober  60  ber  XIII.  Spnaffie  9ttanetho'S 
i5  3)  syncelius  p.  91.  ©.  Urfunbcnbudj  B.  IV. 


206 


(Srtfeö  25ud).  dritter  2(bfd)mtt. 


jufammengeftoppelt  fein.  £)tefe  zweite  9ttoglid)Fett  anfttmefc 
men,  iff  an  ftcf)  fd)on  t>tcle  (Styre  für  jenes  9ftad)tt>erf: 
aber  bie  tarnen  ftnb,  tro£  ber  SSerberbung,  offenbar  dd)t 
dgt)pttfd)e,  unb  fonfr  ntd)t  üorfommenbe.  3f)re  Gürft'nbung 
trauen  veir  alfo  bem  ^Betrüger  nod)  t>te(  weniger  ^u  atö  ifere 
(üntlefenung  aus  guter  CUtetfe.  2fyolIoborS  tarnen  üon  53 
tfeebaifefeen  Röntgen  la6  nod)  ber  ©pnccllu^ 
II.  £()ebaiftf)e  Könige  ber  £t)  ff  o  6  jett I54)  —  16 
Könige,  359  Safere  (10  —  25.). 


.11.'.    <llllU|lO       .      .      .             »      .       .  « 

0  °c 

♦    ♦    ♦    .    .      ».  <o» 

1 1   2£f  pfeöftthrßS 

JLJ.«    <vl  l  |  1 l;l  i;  i  l  v'  ....... 

♦  ♦  .  .  i  13  s 

12  2£nrhoreu3 

_l          ÜUU/vi'VUv  ♦♦♦♦♦♦♦ 

 9  s 

13  ?frmittfeä 

 4  5 

JL^x.    Vfl/UilllHv  ........ 

12  5 

14  - 

16.  2Cmefcft5  

 65  s 

17.  UfcS  

 15  s 

18.  SRamefeS  

 29  s 

19.  3?amefomenee> 1 55)    .   .   .  . 

 50  * 

20.  UftmareS  

 31  n 

21.  SRameffefeoS  

 23  * 

22,  ^ameffameno  ♦ 

 19  s 

23.  mameffc^Subap  

 39  t 

(cod.  B.  9?ameffei  =  Ubaffe) 

24.  ^ameffe^Uapferu156)    .   .  . 

 29  * 

25.  äond&artö  

 5  * 

16  Könige  359  $ 

154)  Sync.  pag.  96. 

155)  pag.  101. 

156)  pag.  103. 


n.  G.  £ie  $6nig6liftcn  beö  Ungenannten,  267 


SSon  tiefen  tarnen  Hingt  allein  UfeS  einigermaßen  an  alte 
9)l)araonenfcf)ilber  an.  £6d)ft  merfwürbig  würben,  bei  ber 
2Cnnaf)me  einer  (Sntlelmung ,  bie  tarnen  uralter  Sfcamefftben 
fein;  fte  würben  bewetfen,  bag  aud)  biefer  9?ame  feine  2Bur* 
jet  fd)on  im  alten  $f)araonenreicf)e  fyatte^ 

Uftmaree;  tft  melletd)t  berfelbe  Sftame,  ber  ftd)  al§  ber 
be6  XXIV.  £6nig6  bei  (Sratoftyenes  ftnbet:  £l)t)oftmare3 
nad)  ben  #anbfd)riften.  £ond)ari3  tft  baffelbe  2Bort  wie 
&end)ere3  ber  Giften. 

2Cuf  tyn  laßt  ber  ©ammler  bie  ^irtenfonige  folgen,  @us 
febtuS  unb  ber  ßbronif  XVII.  £h)nafiie.  ©o  wie  biefeS 
fejtfknb,  ergab  ftd)  üon  felbfr,  bag  &ond&art§  ber  lefete  ^ 
nig  ber  XVI.  fein  mugte.  33licfte  man  mm  oon  tfym  auf 
bie  gegebene  SReifye  juruef ,  fo  fyatte  man  gerabe  700  Safyre 
für  ba£  alte  $pi)araonenreicf). 

Äonig   1—9  341  % 

s     10  —  25    359  ; 

700  3. 

(go  ftnbet  folgenbe,  burd)  tfyr  50^t§t>erftdnbntg  unglücklicher* 

weife  berühmt  geworbene  S3emerfrmg  beS  «SpncelluS  auf  bie 

natürliche  SGBetfe  tt>rc  Srfldrung  I57):  „in  biefem  fünften 

,?3af)re  ber  Regierung  be3  jt6ntg3  £ond)ari£,  ^ur  3eit  ber 

..fed^efynten  Dpnaftte  be$  fogenannten  vgmnbSfterna^luS 

„bei  9ttanetf)0,  werben  ooll  (gerechnet  t>on  Sftefrraim,  bem 

„erften  Könige  unb  2CnftcbIcr  2(egiwten3)  700  Safyre  mit  25 

„Königen,  b.  f).  oom  Satyr  ber  SBelt  2776,  bem  Settpunftc 

„ber  236 (ferner jrreuung ,  im  34ften  Satyre  t>on  ^rp^adf>fab, 

„bem  5ten  ^^alefS." 

3ßir  weroen  im  Verfolge  unferer  gefd)id)tltd)en  SXttjkfe 

lung  ber  d)ronologifd)en  gorfcfyung  2(egpptenS  ndfjer  fefyen, 
i5  7)  pag.  103.  c. 


268  ertfeö  93ud).   ©rittet  2lbfd)nttt. 


&u  welkem  Unzeit  ber  Sttigoerjtanb  tiefer  (grelle  ben  £3ru^ 
ber  be3  ©runberS  ber  J&terogh)pf)en  unb  baburcr)  biefen  felbft 
geführt  f)at  Scncr  ndmltd)  l>at  bie  SBorte  fo  »erjlanben, 
als  fage  ©micellus,  bamalS  fei  bas  700fte  3af)r  be3  £unb£; 
fterna;flu3  @nbe  gegangen,  £>a  wir  nun  wiffen,  bag 
btefer  im  Safyre  1322  t>or  G>f)rifru3  begann,  unb  bag  biefe 
2£era  bei  £f)eon  bie  be£  9ftenopf)re5  genannt  wirb,  fo  glaubte 
jener  ©elefyrte  burd)  bie  SScrbtnbung  biefeS  feftert  fünftes 
mit  jener  Angabe  be6  ©pncelluS  ben  fo  lange  vergebens  ge^ 
wünfetyten  fpncfyroniftifcfyen  ^altungspunft  gefunben  ^u  fyaben, 
5D?enopf)re3  Üftame  festen  tfjm  am  bellen  mit  bem  be3  britten 
■ftöntgeS  ber  19tcn  SDpnajtie  ber  £iffen  ^u  jrtmmen,  unb  ^ter= 
nad)  bejfrmmte  er  bie  weitere  3cttrerf)nung  folgenbermagen : 
XIX,  3.  2Cmmcnep^eS^cnopl)re8  132® 

XIX,  1.  2.  (nacr,  SufebtuS)   12* 

XVIIlte  Spnaftie   348  * 

Anfang  ber  18ten  £)»nafrie  (2(mo3)  t>.  <5&r,    ,   1822  3. 
Anfang  ber  19ten  £>tmaftie  (@etl)oS)  ...»   1473  * 
£etber  nafym  ßfjampollton  biefen  fcfyeinbaren  $altpunft 
bei  feinen  dgppttfcfyen  Sorfrf)ungen  an,  unb  ging  fo  bei 
ber  2Bal)rf)eit  um  mehrere  3af)rf)unberte  vorbei. 

SBir  fyatten  biefen  entfcfyetbenben  Umfranb  fd)on  bei  ber 
Eröffnung  ber  ©t&ungen  be$>  arcf)dologtfd)en  SnflitutcS  am 
21(ten  2lprtl  1833  in  ber  Ueberftd&t  be3  ©tanbpunfteS  ber 
dgt)pttfd)cn  ©efcf)td)t£forfd)ung  erwähnt158),  ©ettbem  fjat 
Verrönne  in  ber  oben  angeführten  2(mnerfung  ^u  33iot3  IIb? 
fyanblung  jenen  3rrtf)um  mit  ber  if)m  eigenen  <5cf)drfe  be^ 
leuchtet,  imb  bargetl)an,  wie  gdn^licr)  grunbloS  alle  auf  jeneS 
9ttigt>erftdnbnig  gebauten  ^Berechnungen  feien»   2Bir  lernten 

l58)  Annali  del  instituto  di  corresp.  archeol.  1834. 


H.  G.  ©ie  tfömgSHffen  be$  Ungenannten»  269 

barau^,  bag  fchon  greret  unb  oor  ihm  üüftarfham  auf  jene 
irrtümliche  Auslegung  geraden  waren. 

(£$  folgt  hierauf  eine  unzertrennliche  [Reihe  oon  23  Äoni* 
gen,  beren  16  le^te  eben  bie  ber  XVIII.  £)mtajtte  ftnb,  rote 
fte  bei  CätfebiuS  gelefen  werben.  £)er  ©pncelluS  fnüpft  biefe 
Steide  mit  folgenben  Sßorten  an159): 

..2ln  biefe  25  Könige  fd) liegen  ftch  nun  bie  23  bei  3o^ 
5?fepl)uS  gegen  2(pion  namhaft  gemachten." 

2Bie  ber  ©pncelluS  oerjranben  fein  will,  barüber  lagt  er 
un3  nicht  in  Sroeifel.  ©ein  ndchfter  Äontg  ifr  ber  erjfe 
ber  v£>irtenfonige,  beren  tarnen  bei  SofephuS  genannt  roers 
ben.  2ln  einer  anberen  ©teile  feines  SßerfeS  fuhrt  SofephuS 
bie  Könige  ber  XVIII.  £)r;najtie  auf.  Die  2iffe  ftnbet  e3 
bequem,  ohne  SBeitereS  anzunehmen,  nicht  allein,  bag  ftch 
jene  ^trtenfömge  an  feinen  itond)ari3  anfd>lie§en,  fonbern 
auch,  bag  an  jene  roteberum  ftch  bie  Äonige  ber  XVIII. 
£)r;nafiie  reihen:  jenes  ohne  allen  ©runb,  btefeö  gegen  baS 
auöbrücfltche  3eugnig  be3  SofephuS  unb  ber  2(uszügler. 

tiefer  einzige  3ug  roürbe  genügen,  bie  ©rbarmlichfeit 
be£  9J?ad)roerf3  zu  geigen.  Allein  man  follte  boch  nun  ben- 
fen,  e§  gäbe  bie  bci'otn,  ganz  unbefugter  SÖeife  oerfchmok 
Zenen  ÄöntgSreihen  fo,  roie  fte  in  feinem  ©erodhrSmanne  fte^ 
hen.  £)ieg  ijt  aber  feine3roeg3  ber  gall.  (£ö  ftnb  bem  fpns 
chronijtifchen  SBerfdlfcher  noch  einige  Sahre  erforberlich ,  um 
2lmo3  unb  feine  Nachfolger  an  bie  rechte  ©teile  zn  frfjaffen, 
unb  fo  fchiebt  er  zwifchen  bem  »Orienten  unb  legten  £irten^ 
fonige  %mi  anbere  ein,  bie  gar  nicht  t>tet>er  gehören. 


I59)  P.  103.  ü. 


270 


(SrfteS  33ud).  dritter  2fbfd)mtt, 


3>te  23  Könige  ber  £»Ffo§aeit:  9fr.  26  —  48. 
(Sync.  p.  104.  B.) 

26.  ©ittteS,  „ber  erfre  ber  6  Könige  ber  XYII.  Stynajiie 
„bei  Sftanetfyo".  9ftemanb  nennt  fed)6  v^irtenfönige: 
bag  biefe  fremben  Röntge  bie  XVII.  £)miafrie  bilben, 
ifr  bie  (£rft'nbung  beS  CätfebiuS,  ber  Dom  ©pncelfaS 
beßfyalb  mit  9?ed)t  ber  58erfdlfd)ung  befcfyulbigt  wirb. 
2Ba3  enblid)  tarnen  unb  9legterungSjaf)re  betrifft,  fo 
ftnb  aud)  fte  mit  berfelben  greifyeit  beS  9)rofrufte3 
bel)anbelt.  <5tttte6  (©alattS):  wie  bie  £iften  >   19  3. 

27.  S3don  (@uf.  40,  alle  Oberen  44)  .  .  .  .  44  * 
28. 2(pad)na3  (9?ame  unb  3af>l  au3  3ofepf)Uö)    .   36  * 

29.  2Tpl>opt)i6  (Stame  unb  $al){       2Tfrtcanu^  unb 
Sofepfjus)  61  s 

„in  beffen  viertem  3af)rc  foll  Sofepf)  au£  2(egt)pten 
„gefommen  unb  im  17ten  beffelben  ^ur  l)6d)fren  ©e^ 
„walt  gelangt  fein."  - 

30.  ©etf)06  (ben  £>enfmdlern  unb  £iffen  nur  be= 

fannt  ale>  einer  ber  ramefftbifd&en  tarnen)     .   50  3. 

31.  Äertö$  44  . 

„nad)  3ofepbu$  29,  nad)  Wlantfyo  44".  SofepfmS 
nennt  ti>n  beftimmt  nirgenbS;  bie  £tften  eben  fo  wenig. 

32.  2Cffet&  (©oar  24)   20  3. 

9ttan  Fann  hierbei  an  ben  legten  ^irtenfönig  bei 
SofcplmS  (2Cfft§,  2Cfetf))  benfen.  £)ie  beigefcfyriebene 
S3emer!ung  lautet  folgenbermagen :  „biefer  fefete  bem 
„3afyre  bie  fünf  Sage  ju,  unb  bilt>tti  ba3  dgt)ptifcf)e 
„5af)r  üon  365  Sagen  ftatt  360.  Unter  tfmt  würbe 
„ba§  vergötterte  £alb  2(pi3  genannt."  2)tefe  SBemer^ 
fung  gebort  entweber  &u  bem  Könige  ber  %witm  &t)s 
najfte,  welkem  bie  (£infuf)rung  be3  £l)ierbienjle3  jus 


II.  G.  <Die  Äönigäu'flen  bcö  Ungenannten.  271 


gefcfyrieben  wirb,  ober  jit  einem  nod)  alteren  t>orf)ifros 
rifct)en :  benn  bie  Crpagomenen  fmb  tr»ar)rfct)etn(icr)  fo 
alt  al§  9ftene3  ober  alter.  £>ber  enbltdb  fte  ift  rein  er* 
breitet,  au3~  einer  allgemeinen  Angabe  oon  jenem  360s 
tdgtgen  Safyre.  SBdre  trgenb  ertrag  auf  fo  fd)lect)ten 
©runb  ju  bauen,  fo  fonnte  man  bei  2lffetf)  an  ©ett 
benfen.  £)ief?  ifr  ein  oon  <5et,  ©öflfrtS,  entlehnter  unb 
nad)  bem  turiner  $apm*uS  uralter,  t>ort)t(lortfd&er  «^o- 
mg,  ber  ftd)  unter  ben  fRamefftben  roieberfjolt.  £)a$ 
2Bid)tigfre  ift,  bag  roir  f)ter  ben  ganzen  Unroern) 
einer  S5emerfung  be$  ©pncelluS  mit  £dnben  greifen, 
welcher  wir  in  feinen  Unterfudjungen  über  bte  18te 
£)pnaftte  begegnen.  @r  fpridjt  ndmlid)  bort  oon  2Cf= 
fetf),  bem  SSater  beS  2lmoS,  aU  fdme  ber  üftame  in 
ben  manetl)onifcf)en  Sifien  oor:  biefe  ganje  2Cnfüf)rung 
grünbet  ftd)  auf  unfere  £ijten. 


33.  2lmöft6  ober  Set&möftS  (SR.  22)  ,   .  .  , 

i  26 

3. 

,  13 

35.  2Cmempbe3  (gleich  2tmenopf)i§,  20)    .  , 

.  15 

36.  2£menfe$  (22  3a&re)  

i  ll 

37.  9ttifpf)ragmutf)öft$  (26  3.  na*  9ttepf)re$)  . 

.  16 

38.  SDttfpbreS  (13  $  oor  m^xam.)    ♦  ,  . 

.  23 

39.  Suthofts  (10  30   

j  39 

40.2£menopl)tl)B161)  (31  30  

.  34 

„ — welcher  ber  tonenbe  (Stein  ijf.  —  £)ie  2(etf)iopen  fa^ 
;.men  oom  3nbu3  unb  liefen  ftd)  bei  2£egt)pten  nieber  " 
2Bir  überladen  biefe  SBeiSfjeit  gorfd)em  roie  Sohlen. 


41.  £ru3  (£oru$  37  30    48  3. 

42.  2£fend>ere$  (12  30    25  * 

16°)  P.  147.  B. 
I61)  p.  151.  C. 


272  <£rM  $ud).  dritter  »bfcfcnttt 

43.  Xf)örif  (Stot&otiS  9)   29  3, 

44.  Gftend&ereS  (2Cf.  12)   26  * 

45.  Ferres162)       12) „30  ober  8"   ,   .   :   .  8. 

46.  Xmaif  (4  ober  5  3.)   »  v  ♦  9  * 

„X,  ber  aud)  £)anaoe>,  fam  nad)  Kellas,  Dort  feinem 
„33ruber  9?amefle6  vertrieben ;  9?amef[e$,  ber  aud)  X= 
„gtwtuö  fyeifjt,  £)crrfd)te  68  Sabre.  SSon  if>m  erhielt  baf 
..£anb  ben  neuen  tarnen,  ba  ee>  oorfyer  9D?ej!raim  fyiefL" 
47.3iameffe5163),  ber  aud)  Xgr^tuS     ....   68  3. 

48.  Xnenöpf)if  (19  3.)   6  * 

(So  weit  fjatre  ber  ©ammler  ftd)  bemüht,  mit  ben 
tarnen  ber manetfyonifcfyen  £ifren  üonXnofan  ©d&rtrt 
galten,  bafür  ftd)  an  ben  3af)len  ber  Regierung  erfyo* 
lenb.   2£üetn  aud)  bieg  roirb  ifym  nun  ^u  befd)roerlicr), 
13  Röntge  für  XIX.,  XX.  unb  XXL  £)t)n.  bU 
<5  d)  e  f  d)  o  n  f . 

49.  2f)uörif  (lefeter  ber  19ten  £>pn.)  17  3. 

~r        ....  <  au&  XXVI,  2.  6  ) 

51.  $iammutf)tS  i  (    13  = 

52.  (9kme  aufgefallen)   4  s 

53.  ÄertoS  $um  fetten  Wlalt  (9br3t)  „16  3  "  lief  20  * 

54.  Stompftt   45  * 

55.  Xnenfef,  ber  aud)  Xnmenemef  (Sftame  ber  Sijfen 

in  ber  XXI.  £t>nafrie)   26  * 

56.  Öd&praS  (?)  14  s 

57.  Xnenbef  (oergl.  55)   27  * 

58.  £f)uöri3  (2Bieberf)ol,  t>.  49).  „£)ieß  tfl  9)ofybu§, 
„ber  2£tf  anbra  'JRann,  ber  in  ber  Dbpffee  WlmdaoS 
„unb  Helena  empfangt"  (a.  b.  ßtjlen  jii  XIX,  8. 
abgefd)rieben,  wie  bie  vorige  ©loffe)  ♦   ♦   .  .   50  s 

162)  p.  155. 

163)  p.  160. 


II.  G.  2>te  ftömgsttflen  Ungenannten. 


273 


59.  %tyoti$,  aud)  $f)ufano3,  ??unter  ifmt  in  2fegt>p^ 


£)tefe  brei  £ttcfenbüger  ftnb  bei  9ttanetf)0  ber  2te, 
3te,  4te  Äöntg  ber  erjfen  £)pnafrie!  2)ie  ©elefyrfam* 
feit  ift  t>on  bem  erfren  Könige  ber  2ten  £)pn.  abges 
fdjrieben:  9)f)ufano3  enblid)  t|t  wafyrfcfyeinlicf)  ber  ent* 
(teilte  ^fufenneS  (b.  f).  $)ufenne3),  ber  jweite  ber  21(len 
ADpnajtie. 

25  Äonige  t>on  ©efaf  big  tfmofi*  (9tr.  62  —  86.)» 

62.  ©ufaftm l64)  (gorm  ber  aleranbrinifcfyen  33ibelüberfe; 
fcung  für  ©efaf  be£  f)ebrdifcf)en  £erte3,  ©d)efc^onf 
ber  £enfmdler,  XXII,  „unterwarf  ftd)  bie  ßibper, 
2CctJ)topter  unb  SEroglobpten ;  ef)e  er  natf)  Serufalem 
&og."  2Cu$  ber  9tacf>rtd)t  ber  Gfjronif  gefäopft.  34  3. 

63.  $fuenoe>  (DfufeneS  XXI,  7.)  25  = 

64.  ^mmenöpfrS  (XXI,  4.)  .   ,   .  ;  9  * 

65.  sttepf)ecf)ere§  (XXI,  3.)    .  .  /  6  s 

66.  (SaiteS  (9fttftoerftdnbntg  t>on  SSofd^oriö,  bem 
einzigen  Könige  ber  XXIV.;  er  fjeigt  in  ben 


,   15  5 

67.  *fina*e§  (XXI,  6.)  

,     9  * 

44  s 

69.  £förtf)ön  (XXIII,  2.)  

i     9  s 

70.  9)fammo$  (XXIII,  3.)  

71.  &ond)ari3  (2öieberf)olung  t>on  9fr.  25.) 

21  3 

I6*)  p.  177. 
I65)  p.  184. 


,.ten  Ghrbbeben  wie  nie  juüor" 

60.  äenfeneS  

61.  Uennepf)i$  


28  3. 

39  ; 

42  . 


I. 


18 


274 


€r|teS  33uaV  dritter  2Jbfd)nitt- 


73.  ZaMövW  (XXII,  6.)  13  3. 

74.23ofd)öriS  (091.66,)  44  ; 

„gab  2Cegt)pten  ©efefee.  Unter  tfym  fott  ein 
„2amm  gerebet  f)aben".   (2fa§  9ttan.) 

75,  ©abafon,  2Cetf)iop.  (XXV,  1.)  12  * 

„verbrannte  ben  gefangenen  33oftf)ori3  le= 

fefenbV«  Gfo*  9Äan.) 

76.  ©ebed)ön  (XXV,  2.)  12  * 

77.2arafes*66)  (XXV,  3.)  20  ; 

78.  2(maes  (@cal.  2(rmae3,  @uf.  Ammerts  26)  .   ,  38  « 

79.  ©tep&inat&eS  (XXVI,  1.)   27  * 

80.  9fecf)epfo$  (XXVI,  2.)   13  * 

81.  ^edbao167)  (XXVI,  3.)   8  * 

82.  $fammetid)o$  (XXVI,  4.)   14  * 

83.  9led)ao  H.  $)f)arao  (ber  3ufafc  au& ber  ©cfyrift) 
(XXVI,  5.)   9  = 

84.  gjfamut&eö  II.  (XXVI,  6.),  „ber  aurf)  ?)fams 

„metid)u$>"    £>ieß  festere  ijt  roürfltd)  ber 
richtige  9Zame. 

85.  Uapf)ri5  (XXVI,  7.)   34  s 

86.  2CmöfiS  (XXVI,  8.)  40  ; 

H.  £)er  ©  9  n  c  e  1 1  u  6  in  23  e  r  g  l  e  t  er)  m  1 1  (£  u  f  e  b  i  u  3 
unb  ben  fpdteren  33  9  5  a  n  t  i  n  e  r  n.   9tt  a  l  a  l  a  S, 
GcbrenuS.   £)ie  £)frertf)ronir\ 

3e  mefyr  man  jene  ßijte  mit  ber  n?ürf(td)en  ©efcf)td)te 

vergleicht  unb  aud)  nur  mit  bem  ©toffe,  welcher  bem  ©pns 

celfue?  »ortag,  unb  je  mef)r  man  babei  feiner  ^ritif  über  Gru^ 

febiuS  gebenft,  beffo  rätselhafter  erfcfyeint  it>re  2£nroenbung 

in  biefeS  9ß%antimx$  Äanon.   ©ic  ijt  aber  eine  unjroeifefc 

165)  p.  191. 
1<J7)  p.210. 


IL  H.  £er  OpncelluS  in  23ergletd)  mit  (£ufe&tu$.  275 


hafte  Sl)atfad)e,  mag  nun  ber  ©pncelluS  tiefe  £if!e  t>orge* 
funben  ober  felbfr  entworfen  haben.  Un3  ift  jeneS  ba3  SBahrs 
fcheinlichere,  obwohl  ©pncelfaS  iftiemanben  bafür  anfuhrt 
unb  (5ufebiu3  fte  nicht  fannte,  wie  jefct  burd)  bie  armenifche 
Ueberfefcung  für  Sebermann  &u  £age  liegt.  Dag  ber  <5pn; 
ceUu^  bei  feiner  Chronographie  jene  £ifte  oor  2l"ugen  hätte, 
roenn  er  felbfr  Unterfud)ungen  anfleht,  beweift  ber  £6nig 
2TfTet().  (5r  nennt  ir)n,  wie  wir  gefehen  haben,  2lmoS  SSater, 
unb  ifr  fehr  gelehrt,  um  nachsuweifen,  bag  einige  Crremplare 
ihm  16,  anbere  20  $?cgierungSjahre  beilegen.  20Ie$  bieg  er^ 
Fldrt  ftd)  auS  jener  £ifre,  wo  2(ffeth  mit  20  Sauren  einge; 
frfjoben  ift,  wie  ber  (Etyncellue  als  baS  3?icf)ttgere  angiebt. 

(£ine  S5emerFung  brdngt  ftd)  bei  biefer  St^atfad^e  auf. 
Der  ^pncelluS  beurteilt  GhtfebiuS  fd)arf  unb  meiffentheilS 
mit  softem  3?ed)re;  aber  in  ber  2luffteHung  feines?  eigenen 
ÄanonS  fleht  er  bem  33ifcr)of  oon  @dfarea  ntd&t  weniger 
nad),  aB  bas>  achte  Sahrhunbert  bem  oierren.  ftxiüt  ohne 
eigene  ©rf)6pfung6fraft  ift  ba3  unfehlbare  Äenn^eichen  fin? 
fenber  Seitalter. 

©o  war  benn  auch  ber  (5t)ncelTu3  ein  frf)arfer  Ärittfer 
in  ben  lleinigfeiten  »ergangener  Seiten,  aber  unfähig,  bie 
©efyaltloftgfeit  ber  erfreu  äSorauSfefeungen  beS  ÄreifeS  ju 
füllen,  in  weitem  er  ftd)  bewegte,  unb  bie  9ftchrtgfeit  ber 
©pjfeme  eingehen,  welche  man  auf  folrf)e  SSorauSfefcungen 
aufbauen  !onnte.  2Tber  er  war  ein  ©elehrter  unb  ein  gor= 
fd)er.  Ztq%  ber  Verwechslungen  guter  unb-  fd)led)rer  ©e? 
wdhrSmdnner  in  einer  3eitrecr)nung  bee>  grauen  2(lrerthum$, 
für  welche  bie  ©pfreme  ber  Seit  ben  ©ebraucr)  be3  fechten 
unmöglich  matten,  wugte  er  boer)  SBahrheit  unb  9ftdrcr)en 
nod^  oon  einanber  ju  unterfchetben.  Die  dgpptifche  ©e= 
fdt>tdt>te  felbfr  würbe  noch  in  ihrer  grogen  fDZaflc  als  ein 

18* 


2T6 


grfteä  95ud),  dritter  2lbfd)nitt. 


Sfjeil  be§  $eiligtf)um3  ber  $orfd)er  treu  unb  oerftdnbig  t>on 
tr)m  überliefert 

2lber  fd)on  ein  Sa Wunbert  nad)  itrnt  fet)en  wir  bei 
Sodann  SftalalaS168)  (gegen  900)  bie  gdnjlidje  Vertilgung 
aller  dgppttfd^en  Ueberlteferung,  bie  aber  immer  nodj  auf 
ben  verunglimpften  tarnen  Sftanetfjo'e  ^urücfgefüfyrt  wirb. 

©o  er^lt  er,  unb  nad)  if)m  ßebrenuS  (gegen  1050) 
unb  ein  fpdterer  Jortfe^er  be§  chronicon  Paschale:  „©er 
„SRicfe  9?abrob  (9?imrob),  beS  ßtjuS  (ßufd))  ©ofm,  be6 
„2letl)iopen  au3  v£)amS  (Stamme,  txbautt  S5abplom  lieber 
„©prien  unb  Werften  f)errfcr)te  $ronoe>,  eines  gewiffen  Ura^ 
„no§  ©otm,  ber  regierte  56  Safjre.  ©eine  ©emaf)lin  f)te{$ 
„<2emtrami$>,  Sfyut  folgte  9ftno3,  be3  SoroajfroS  SSater; 
„auf  tr)n  folgte  Zfyuxtö,  aud)  2Cre6  unb  S5aal;  tr)m  würben 
„bie  erfreu  ©enffdulen  errichtet;  bann  £ami6;  bann  ©ar* 
„banapaloS,  ben  ein  Werfer  umbrachte,  lieber  Stalten  fyerrfd&te 
„be3  9lino3  SBruber,  $>ifo3,  ber  aud)  3eu3.  9?ad)  $tfo§ 
„Sobe  regierte  fein  ©of)it  gaunuS,  welcher  Der  |)ermeS  f)eigt. 
„©er  ging  nad)  2legt)pten;  ba  fanb  er  al§  itönig  ben  SJte 
„ftraim,  Jc>am$  üftadbfommen.  9?ad)  beffen  Sobe  matten 
„bie  2legppter  ben  $erme6  jum  Könige,  unb  er  regierte  über 
„fte  39  Sa^re." 

„3&m  folgte  (3)  £epf)dfroe;,  ber  regierte  1680  Sage 
„ober  4  Sat)re  7f-  SDZonat;  ber  war  ein  ftrenger  ©efe^geber: 
„fo  gab  er  ein  ©efefc  wiber  ben  @t)ebrud&.  ©ein  ©otjn  £e= 
„ItoS  (4)  regierte  4477  Sage,  ©a  er  fet)r  gute  2(ugen  fyatte, 
„entbeefte  er  eine  dgpptifcfye  grau  im  Gff)ebrud)e,  unb  be; 
„ffrafte  fte,  wie  e3  red)t  war,  nad)  bes>  33ater3  ©efefc.  ©a= 

I68)  loa.  Malalas  chronograph.  23ud)  f.  ßnbe  unb  II.  Anfang  (p.  16  — 
26.  Bonn.);  »ergl.  Chron.  Pasch,  p.  106.  R.  44,  16.  P. 


II.  H.  (gpnceöuS  in  £ergl.  mit  Wlalalaö,  @ebrenu$  u*  21.  2H7 


.,f)er  f)at  ^omeroS  bte  lefyrretcfye  Jabel  ^om  ^re^  uno  ^cr 
5-2Cpl>robtte.  2lber  9)aldpl)atoS  ber  $od)roeife  fyat  bie  SBa^rs 
,$ett  bertdjtet.  3f)m  folgte  fein  ©of>n  ©öftS  (5),  bann  £>firiS 
„(6),  bann  £)ruS  (7),  juteftt  £l)uliS  (8).  tiefer  eroberte 
„alles  £anb  bis  jum  £)cean,  unb  empfing  in  2lfrtca  einen 
„weifen  unb  warnenben  £)rafelfprud)  in  ^erametem,  ber 
„alfo  beginnt"  (wir  fucfyen  bie  (3cfyled)tig!eit  beS  SSerSbaueS 
unb  ber  (Sprache  wieber^ugeben) : 

.;2TUjuerft  fommt  ©oft,  brauf  baS  Söott  unb  ber  ©cifl 
bann  mit  it)nen  5 
„SBalb  barauf  warb  er  umgebracht" 

..£)tefe  uralten  .ftontgSregierungen  ber  2Tegppter  tter^eid)* 
„nete  Manetfeo;  in  feinen  (Schriften  feeigt  eS  aucf),  bag  bie 
..fünf  Planeten  bei  ben  2legt)ptem  gan^.anberS  benannt  wür= 
„ben.  £)en  <5aturn  nannten  fie  ben  2eud)tenben,  ben 
„piter  ben  (Scfyeinenben,  ben  MarS  ben  geurtgen,  bie  S3enuS 
„ben  Scfeönjren,  ben  Mercur  ben  ©trafylenben." 

„Str  ben  fpdteren  Sctten  fyerrfcfjte  über  2legt)pten  auS 
„bem  «Stamme  £amS  fcuerjt  (SojiriS  (@f)rontf:  ©efoftriS) 
..ber  (Eroberer,  welcher  15000  junge  <Sft)tl)en  in  Werften  am 
„ftebelte;  bie  wofynen  nocf)  ba,  bie  $erfer  nennen  fte  9)ar^ 
„tfepdi  unb  fte  fprecfyen  ffytf)if$  bis  auf  ben  heutigen  Sag" 

..Unter  bem  (SefofrriS  lebte  £ermeS  ber  breimal  ©rogte 
„(&rtSmegi|loS).  üftad)  ifem  regierte  ^Pfearao,  welcher  aud) 
„Maracfyo  feeigt  (in  ber  @l)ronif  9?ad)or  —  9^ed)o  ?),  unb  auS 
„feinem  ©efd)lecfyte  waren  bie,  welche  nad)  tym  über  bie  2Te; 
„gppter  regierten  " 

2Bie  foll  man  ftd)  bei  fo  fcfenellem  galle  über  bie  Mar; 
djen  beS  wejtlid)en  Mittelalters  wunbern,  t)om  2leneaS  unb 
2(SfaniuS  unb  iferen  9kcf)fommen ,  ben  granfen?  2(ud)  im 
germanifcfyen  Mittelalter  ging  bie  ©efd)id)te  unter  in  gabelir, 


278  <£r|to  «ua%  dritter  2lbfd)mtt- 


weil  bie  SBürflid&fett  ber  menfd)ltd)en  £)inge  in  ben  v£)in= 
tergrunb  getreten  war,  imb  bte  gcfd&id^tltd&e  £{)atfad)e 
2ttle3  bebeutete,  nur  nicht  ftd)  felbff,  2(ber  t>tcr  erblühte 
auS  bem  Untergange  ber  ©efchichte  in  lebenbiger  Ue- 
berlieferung  ba3  groge  (5p05  ber  germanifchen  Golfer,  unb 
fclbfl  auf  ben  Prummern  ber  itunbe  oon  ber  fpmrifcben 
SBorroelt  warb  ein  lebenS  s  unb  liebesfrdftige3  ©ebdube  ber 
£>ichtftmjl  aufgeführt,  Crnblid)  aber  lag  J>ter  im  <Sd)ooge 
ber  trdumenben  3cit  ber  £eim  einer  neuen  SBelt,  unb  mit 
bem  Untergange  t>on  S5t)janj  entflammte  ftd)  an  ber  $errs 
lichfeit  t>on  Kellas?  unb  9?om  ein  2td)t,  *>on  beffen  ©lan^ 
auef)  bie  bunfelfte  Vergangenheit  balb  wieber  erleuchtet  wer; 
ben  follte. 


©ritte*  #auptftücr\ 

£)ie  Sorfdjung  beö  2Tbenblanbe£  über  bie  3eiten  ber 
^Cegppter, 

A.   £)ie  gorfrf)ung  ber  claffifrf)en  Philologie. 
Sofeph  <5caliger,  9ttarff)am,  ^erijoniuä, 
£epne,  £eer  en,  3^9  a. 

©oetbe  nennt  irgenbwo  bie  Chronologie  eine  ber  fd)wer= 
jfen  SBifienfd&aften,  weil  ihr  ©dingen  eine  Bereinigung  aue> 
einanber  liegenber  ^enntniffe  unb  eine  2fnwenbung  oerfd)ieben= 
artiger  ©etfleSf rdfte  unb  S3effrebungen  üorauSfefer.  £)ie  ©e= 
fliehte  ber  Sßieberbelebung  ber  frittviribt  in  ben  &wei  Sabr- 
hunberten  ber  £erfiellung  —  bem  15ten  unb  16ten  —  ijl 
ein  fdjlagenber  83ewei3  für  bie  $id)tigfeit  biefer  S5emer= 


HJ.  A.  ©caliger. 


279 


hing.  ©d>on  anbertbalb  Sahrhunberte  tyattt  bic  gorfcr)ung 
unb  ©elehrfamfett,  $uer|t  getragen  oon  ben  (Schwingen  ber 
^oefte  unb  Äunj!  unb  ber  allgemeinen  ©efynfud&t  ber  SSols 
fer  nach  ber  golbenen  Seit  dd)ter  £ugenb,  bann  beflügelt 
t>on  bem  9?ing|n  ber  ebenen  ©eijler  mit  ben  erhabenfien 
©egenftdnben  menfd)lichen  (Strebend  unb  2Bi|fenS,  bie  alte, 
untergegangene  SBelt  au6  ber  Verwirrung  be3  Mittelalters* 
herauSgefcr)arrt,  unb  nad)  allen  (Seiten  hin  burchforfd)t ,  als 
gegen  baö  (£nbe  be3  fech^ebnten  3af)thunbert3  Sofeph 
©caliger  ba£  groge  SBerF  ber  i)erjMung  ber  alten  3eits 
rechnung  unternahm.  Man  muß  ftd),  um  bie  (Schwierigfeit 
ber  Unternehmung  unb  bie  ©roge  be£  Erfolge  p  würbigen, 
oor  2ülem  vergegenwärtigen,  wa3  er  ttorfanb. 

Man  hatte  ftd)  bis  bat)tn  im  2Bej!en  mit  JMeronpmus 
Ueberfe^ung  be$  praftifdjen  SljeileS  ber  eufebifchen  Arbeit 
begnügt,  nämlich  be3  JtanonS  ber  ©leid).$etttgf  eiten ;  benn 
ben  Schlüffel  ba^u,  bie  Urfunben  ber  SSor^ett  unb  bie  Jor^ 
fd)ung  über  ihre  33ef)anblung,  ^atte  £>ierom)mu3  unüberfefct 
gelaffen.  Manetho'S  £ifren  waren  unbefannt,  unb  mit  bem 
2Öerfe  beS  SpncelluS  ruhte  auch  ^e  ßiftc  be£  (5rato(lr)encö 
im  £)unfel  ber  partfer  33ibltotbef.  (Scaliger  fuchte  jene, 
fanb  beibe  unb  gab  fte  nach  btx  partfer  £anbfcr)rift  fritifch 
herauf  £ie  manethonifchen  Sijten  giebt  er  nach  2Tfrt= 
canuS  Ueberlieferung.  (5r  nennt  fte  ..eine  t)errltd^c  unb  nie 
„genug  $u  preifenbe  Urfunbe",  obwohl  er  feinen  feften  $aU 
tungSpunft  hatte ,  um  fte  für  feine  Chronologie  mit  (Sicher 
heit  ju  benufcen,  fte  ihm  vielmehr  weit  über  bie  noachifche 
gluth,  ja  über  fein  erjfeS  SBeltjahr  hinaufgingen.  %tt  tiefet 
nahm  er,  bem  hebrdifchen  Serte  folgenb,  ba§  Saht  3950  an. 
3um  feilen  v^altpunfte  in  ber  ^Berechnung  unb  23ergleid)ung 
ber  3eiten  erfanb  er  bie  fortlaufenbe  julianifche  9)ertobe  t>on 


280 


(Ertfeö  33ud).  dritter  2fbfd)nttt. 


7980  Sahren,  beten  erfie§  Sahr  4713  vor  unferer  3ettrcd^= 
nung  liegt  libtx  fo  fehr  war  er  überzeugt,  man  müffe  für 
i>ie  dgvptifchen  Anfange  voett  über  jenes  Sahr  ber  ©cf)ö* 
pfung  hinaufgehen,  tag  er  vor  bem  Anfange  jener  Verlobe 
noch  eine  anbere  forberte  unb  aufführte,  £etcn  le^te  971 
S^ftre  er  für  bie  vier  erflen  manethonifchen  £)miaf!ieen  in 
ttfnfpruch  nahm.  $>etavtu3,  fein  gelehrter  tt)eologtfd^er  unb 
chronologifchcr  ©egner,  fd)lug  in  feinem  1627,  alfo  22  Safere 
nach  ber  (5rfd)etnung  bes  ©caligerfchen,  veröffentlichten  gro; 
gen  SBerfe  einen  für^eren  2Beg  ein.  ,.£)a§  bie  dgpptifchen 
;;£>pnajtieen  (fagt  er)  fabelhaft,  unb  bie  dltefkn  erlogen  ftnb, 
..^eigt  bie  (Sache  felbff ;  auch  haben  wir  es  fur^  angebeutet." 
SBenn  unter  biefer  2(nbeutung  ein  33eweie>  ver|tanben  wirb, 
fo  ifr  er  il)n  fcf)ulbig  geblieben;  benn  er  fyat  für  bie  Rxitit 
ber  dgvptifchen  ^Berichte  burchauS  nichts  vorgebracht  als 
9ttad)tfprüche. 

9?ad)  ©caligerS  £obe,  unb  jwar  im  Sah«  1652,  warb 
ber  ©i)ncellu6  enbltd)  von  ©oar  herausgegeben.  X)am\t  fas 
men  bie  vollfldnbigen  eufebifchen  Sijten  9ttanetho'e>  ju  Sage, 
unb  fonnten  nun  mit  ben  fritifchen  ^onigSlijren  ber  jwei 
berühmteren  aleranbrtntfchen  Chronologen,  (£ratofthene6  unb 
2Tpolloboru$>,  verglichen  werben. 

2Ba3  ©caliger  nicht  fyattt  unternehmen  fonnen,  J)dtte 
bei  organifcher  gortbilbung  ber  l)t(rortfc&en  Philologie  von 
jenen  Scannern  gefchehen  müffen.  2ülein  biefe  war  burch 
unfelige  Kampfe  unb  3errüttungen  in  vielen  £dnbern,  unb 
namentlich  in  ber  SBiege  ber  gefchichtlichen  gorfchung  unb 
Äritif ,  in  granfretcf),  mit  ber  SBur^el  auSgeriffen,  in  allen 
geftort.  3war  Ijatte  fich  bie  Phifologte  nad)  £ollanb  unb 
Gniglanb  geflüchtet;  aber  an  bie  ©teile  jener  lebenbigen  gor; 
fchung  war  eine  breite,  ihrem  innerjlen  SBefen  nach  unlebem 


III.  A.  Sfftarfoam. 


281 


bige  unb  unfreie,  unb  gegen  Erforfchung  ber  Quellen  ber 
Erfenntniß  allmdhltg  ftd)  oetjtocfenbe,  unfritifche  ©elehrfam; 
feit  getreten,  ©o  gefrfjar)  eS  benn,  baß  bie  im  ©t)ncelluS 
verborgenen  ©olbforner  unbeachtet  blieben,  bagegen  bie  theilS 
abftchtlid),  theilS  nothgebrungen  auf  §8erfdlfd)ung  unb  23er; 
wirrung  hingehenben  ©leichäeitigfeitSftifieme  eineS  EufebiuS 
unb  ©wnceüuS  als  wohlbegrünbete  chronologifche  ©nfteme 
galten.  Sa  fogar  jene  gan^lid)  werthlofen  ^Betrügereien,  bie 
fogenannte  alte  ^r)rontf  ober  ber  falfche  Wlanzfyo  vom  £unbS; 
ftern,  ober  gar  bie  fpdteren  £6nigSli|ten ,  welche  beim  ©gn* 
cetfuS  pueril  jum  SSorfd&etn  fommen,  gewannen  33eacr)tung; 
rein  zufällig ,  nämlich  gerabe  roie  fte  irgenb  einem  djronolo; 
•  giften  ©tyjteme  ober  irgenb  einem  theologifchen  ober  pfytfos 
logifchen  Einfalle  baS  SBort  ju  reben  fchienen.  ©chon  ehe 
im  Safere  1670  ber  eigentliche  dgt)ptifche  Ärieg  in  ber  (5t)ro- 
nologte  entbrannte,  hatten  bie  ©eleferten  eS  bat)m  gebracht, 
baß  fte  ben  2Balb  oor  lauter  ^Baumen  nicht  fahen.  Unfähig 
baS  Erfennbare  aus  bem  ©toffe  &u  fonbern  unb  ju  ftchten, 
ber  2Biffenfchaft  gewonnene  fünfte  ju  befejrigen,  2(nbereS 
vorzubereiten  für  fünftige  gorfchung  un0  £6fung,  mifchten  fte 
2llleS  mit  oerwirrenber  SGStUführ  burch  etnanber. 

Sn  jenem  Safjre  trat  9ttarfham  mit  feinem  neuen 
Canon  chronicus  auf,  in  welchem  er  achtzehn  Sahrlmnberte 
nach  ber  gluth  chronologifch  abhanbelte,  unb  bie  ©letdj$ets 
tigfeiten  in  benfelben  auf  eine  neue  SÖeife  $u  orbnen  fud)te. 
Sin  befonbere6  2(ugenmerf  hatte  er  babet  auf  bie  #egt)pter 
gerichtet,  unb  ihre  ÄonigSliften  unterwarf  er  einer  ausfuhr; 
liehen  Prüfung,  ©o  fehr  er  nun  auch  mit  feinem  Seitge; 
noffen  ©pencer  ben  Einfluß  ber  dgtwtifchen  Einrichtungen 
auf  9ttofeS  unb  baS  ©efefc  (ettarfetö,  fo  wenig  wollte  er 
bod)  mit  ihren  ^)pna(tieen  etwas  ju  fchaffen  haben,   Er  er; 


282 


GrfteS  95ud).  dritter  2fbfd)ititt* 


Icnnt  an,  tag  9>etat>tu^  ntd)t^  gegen  fte  unb  ©caliger  f)er= 
t>orgebrad)t ,  aber  er  fetöff  f)at,  wie  er  ftcf)  einbilbet,  eine 
leiste  unb  bequeme  2frt  gefunben,  ftcf)  if)rer  ja  entlebigen, 
wa3  ifym  fyöcfyjt  wünfcfyenSwertf)  erfdjeint  £)iefe6  ganje 
SSerfat)ren  geigt,  bag  wir  un3  in  einer  anbern  3^tt  befmben: 
e$  wirb  nid)t  mef)r  bie  reine  2Baf)rf)eit  angeffrebt,  fonbern 
bte  gefffefcung  etneS  bequemen  <Spftem3.  3uerjt  nimmt 
9^arf()am  ofyne  SßeitereS  ben  falfcfyen  9ttanetf)o  Dom  £unb3; 
jlerncpfutS  für  ben  ptolcmdifcfyen  ^ijlorifer,  unb  meint,  bie 
fogenannte  afte  dfyromf5  fcerbiene  ©lauben,  £)ann  aber,  als 
waren  if)m  folcfye  unverbürgte  ©ewdfyren  noef)  fru  gut,  flam^ 
mert  er  ftd)  an  ba£  (Sd^ecbtefte  an,  wae>  er  ftnben  fonnte: 
bae>  oben  gefcf)ilberte  9ftad)werf  be3  ©pncetfuS!  -5S33te  be^ 
„quem  ift  e3  (fagt  er),  ba£  wir  fo  bie  erjlen  funfeefyn  ma; 
„net^ontfd&en  £)t)nafrieen  gang  loö  werben,  unb  für  fi'e  nur 
„443  Safyre  fyaben  mit  15  Königen!  £)a^u  fommen  noef)  10 
„Könige  unb  ba3  tjf  bie  erjte  ber  gefyn  £)t)naffieen,  welche  ber 
„(SpncetfuS  un£  giebt.  £)iefe  erffe  £)t)nafrte  fommt  mir 
„überaus  gelegen;  td)  frage  nid)t,  wofyer  ber  ©t)ncetfu3  fte 
„genommen;  er  mag  bafür  fielen."  gür  bie  übrigen  neun 
£>tjnafHeen  afterbings  laugnet  er  nid)t,  bag  fte  eine  arge 
SSerftümmelung  ber  africanifcfyen  fowo()t,  aU  ber  eufebifdjen 
Giften  ftnb169).  SBenn  er  btefe  fritifcfye  Ueberftcf)t  bamit  bes 
fcf)lie§t:  „wie  fann  man  ftd)  genug  über  bie  Unbebad)tfam^ 
„feit  biefeS  9ttanne3  wunbern!"  fo  meint  er  bamit  ben  (5m^ 
celluS,  fcfyilbert  aber  fein  eigene^  SSerfafyren  bamit  überaus 
treffenb, 

<&o  mel  von  9ftarff)am3  f rtttfrf>er  ©runblage  für  bte 
dgwtif«en  Anfange.  Sn  ber  gef$id)tnrf)en  Seit  felbff  nun 
f)at  er  einen,  berfetben  üoüfommen  würbigen,  $ebel  gefunben, 
I69)      6,  7.  ber  leipziger  2üi$gabe, 


III.  A.  q)en'3ontu^ 


283 


um  ba£  ©gjiem  <5caliger$  umsuftür^en.  „£er  ©efaf  ber 
„6d)rift  tft  offenbar  (fagt  er)  ber  ©efoftriS  ber  ©rieben, 
„ber  ©etfyoftö  ber  Giften.  £)ie  Birten  waren  vertrieben; 
..aber  ba  folgten  bie  faulen  Könige,  oon  benen,  rote  bem  £e= 
„robot  bmd)kt  roarb,  nid)t3  9?üf)mlid)e3  aufzeichnen  roar; 
„bann  fam  jener  große  Eroberer,  ber  55fte  «ftonig  ber  2Ie= 
„gppter,  unb  ber  tft  ber  ©efaf  ber  ©d)rift"  2Bie  roir  be^ 
reitS  oben  angeführt,  hatte  ber  ©chalf  SofepfmS  fd&on  oer; 
fud)tr  feinen  griechtfchen  unb  römifchen  £efem  tiefet  auf^u- 
binben:  „£erobot  erzählt  ganj  richtig  (fagt  er),  wie  ein 
„groger.  dgppttfdjer  (Eroberer  $)aldftina  ohne  ©d)roertftreicf) 
„erobert  (!);  nur  in  bem  tarnen  \)at  er  ftd)  geirrt;  benn 
„bie  ©d&rtft  nennt  ihn  nicht  ©efoftriS,  fonbern  ©efaf,  unb 
„baS  tft  fein  9Zame"  JDb  es>  ihm  bamit  (£mft  roar?  2Ber 
feinen  £erobot  im  Äopfe  ober  jur  $anb  v)attt,  ber  befaß 
ben  Sttaßftab  für  ba3  Uebrige:  e§  Hang  aber  bod)  recht 
fcf)6n,  für  bie  Suben  unb  für  SSefpaftan,  baß  c§  ber  große 
SBelteroberer  roar,  roelcher  Serufalem  jum  erften9ttal  genoms 
men  hatte;  felbft  ba3  „roiberftanbloS"  roar  nicht  ungefd)icft, 
roenn  auch  nicht  ehrenooll  für  bie  Verfahren. 

Tttfo  neu  roar  WlaxtyamS  (gtnfatt  nicht;  babei  noch  un; 
oer^ei()lid)er,  ba  er  baxauö  ©ruft  machte,  unb  bie  ganje 
dgpptifche  Chronologie  banac^  umjugcftattcn  ftch  unterftng. 

SflarfhamS  d)ronologifd)e3  SBerf  erregte  großes  2£uffet)en, 
unb  rief  namentlich  roegen  ber  ^Behauptung  oon  ©efafs 
©efoftrig  manchen  SÖBiberfpruch  fyeroor,  Gnrft  Sacob  ?)e^ 
rijoniuS,  9)rofeffor  in  ßepben,  rächte  1711  (Scaliger  unb 
bie  2Biffenfd)aft.  ©eine  Origines  Aegyptiacae  ftnb  auf  bem 
©ebiete  htftortfdjer  gorfchung  eines  ber  gelehrteren  unb  fd&arfs 
ftnnigften  2Ber!e  be§  SahrhtmbertS.  Unter  ben  SBerfen  über 
dgpptifche  2(lterthümer  roirb  eS  an  ©eleh rfamf eit  nur  burd) 


284 


grfteS  23ud),  dritter  mfönitu 


3oega'3  am  (5nbe  be£  Dortgen  SahrhunbertS  erfchieneneS  gro= 
ße^  SBerf  über  bie  £)6elt§fen  übertroffen.  Unenblicb  geift; 
reifer  unb  fcharfftnniger  als  ber  bdntfcfye  gorfcher,  ti>etCt  ^es 
rijontuS  mit  ihm  ba3  ©chicffal  2ttler,  bie  eine  Unterfuchung 
auf  bem  Speere  ber  SSermttthungen  begannen,  ohne  einen 
einigen  feften  $unft  zu  haben:  fte  wtberlegen  ti>re  SSorgdm 
ger  unbeftrettbar  in  fielen  fünften,  unb  fallen  in  ganz  gleiche 
Srrthümer,  fobalb  ftc  etwas  Eigenes  feftfe^en  wollen,  ©o 
gerport  9)eri5oniu6  ftegreid)  ba3  lofe  ©ewebe  beS  Sftarfham^ 
fdfoen  ©tjfiemS;  aber  er  gerdth  babei  auf  ben  feltfamen,  von 
allen  gorfdjern  »or  ir)m  »iberlegten  unb  aufgegebenen  ©es 
banfen:  bie  $y>ffQ$  feien  boch  bie  Suben,  wie  SofcpfyuS  be^ 
Raupte,  ©ereilt  l)atte  ihn  ba^u  wohl  befonberS  be3  bamalS 
fer)r  angefehenen  unb  gefurchteren ,  tabd  oberflächlichen  unb 
anmagenben  £eclercs>  Behauptung:  „Sttarfham  (Deffen  ©pr 
frem  überhaupt  £eclerc  angenommen  hätte)  höbe  ba3  Un^ 
..gereimte  biefer  Annahme  üollfommen  bewtefen."  tytu%ot 
niuS  wugte  wohl,  ba£  9ttarfham  nichts  beriefen  hatte,  ba 
feine  dgpptifche  Pönologie  jenfeitS  be$  3al)re3  1000  um 
kreis  bi6  tnerhunbert  Sahre  falfch  fein  mugte;  er  ahnbete 
ferner  mit  feinem  hiftorifchen  £acte  au3  ben  manethonifchen 
Berichten  einen  3ufammenf)ang  t>on  $r)tfo$  unb  Suben  im 
SSolfSjtamme ,  in  ber  3eit,  vielleicht  im  2Tu^uge,  Sene 
Behauptung  blieb  babet  nicht  weniger  feltfam  unb  falfch  5 
aber  ^eri^oniuS  warb  buret)  bie  Unterfuchung  zu  wichtigen 
£id)tblicfen  geführt,  dx  ijr  ber  @rj!e  unb  Grindige,  welcher  bie 
SSerfdlfchung  manethonifcher  Giften  in  ber  achtzehnten  unb 
neunzehnten  £tmafHe  geahnbet.  „£)te  SBieberholung  berfek 
„ben  tarnen  am  (£nbe  ber  achtzehnten  unb  zu  Anfang  ber 
„neunzehnten  £h)naftie  (fagt  er)  machen  mir  bt'efen  Zfyzil 
„fehr  verbdchtig170)" 

I7°)  Orig.  Aegypt.  p.  194  seqq. 


III.  A.  tyerijomu^  ©atterer» 


285 


Wlan  farm  ?)enjoniu6  2Berf  bie  lefcte  gorfdjung  nen= 
nen,  bie  bt§  jur  @ntbecfung  ber  £>teroglr;pf)en  über  bie  dgpps  * 
tifd&e  Chronologie  gemalt  roorben.  SSon  nun  an  geriet*) 
bte  Unterfucfyung  au£  ben  £dnben  ber  Biologen  in  bie  ber 
allgemeinen  $tfiorifer.  ©ein  33ud)  felbfi  mugte  baju  bei* 
tragen,  baö  9fttglid)e  jfrenger  SBeftimmungen  in  ber  alten 
3ettred)mmg  ber  2(egppter  anfdjaultd^  ju  machen.  2Cn  eine 
Ärttif  ber  alejranbrimf d)en  unb  manetfyonifdjen  Giften,  bte 
tf>n  ^ur  (Srfenntnig  ber  unbebingten  Undc^t^eit  ber  fpdteren 
t>dtte  führen  fonnen,  roar  ^erisontuS  felbfl  nid)t  gegangen. 
^>te  SSerroalter  ber  dgpptifcfyen  ©efdt)td^te  nacr)  tym  bauten 
nicf)t  einmal  baran.  SSon  nun  an  feilten  ftd)  bie  ©elefjrten 
in  jene  oben  angedeuteten  jwet  klaffen.  £)ie  eine  vermittelte 
Manetfyo  mit  ber  S5ibel  unb  mefyr  ober  weniger  aud)  mit 
£erobot,  inbem  fte  ben  früher  fcr)on  geäußerten  ©ebanfen 
aufnahm,  bie  manetl)omfcf)en  Spnaftieen  burd)  2£nnaf)me 
ber  ©leid)$eitigfeit  oerfd)ieben  benannter  fo  weit  pfammens 
$ufd)ieben,  aU  e§  ifyrem  (Sterne  gerabe  paßte.  <5o  tnSbes 
fonbere  ©atterer:  benn  üon  ber  benebictintfd)en  Arbeit 
will  td)  gar  nicf)t  reben;  fte  ift  bes  Samens  ber  v£)erfMer 
ber  ^aldograpfyie  unb  Chronologie  be3  Mittelalters  ganj 
unwürbtg.  tiefes  3ufammenfd)teben  gefcfyaf)  aber  nid)t 
allein  mit  ber  btqutmm  2Billfüf)r,  wobei  man  nur  ft'cber  ift, 
nid)t  ba3  Sßa()re  ju  treffen,  neben  ber  größten  SBafyrfd&etn* 
lidjfeit,  bie  legten  (Spuren  ber  2Baf)rf)eit  für  ftd)  unb  bie 
(Späteren  p  oerwifdben;  fonbern  aud)  of)ne  allen  ©ebanfen 
an  bie  Ärttt!  ber  giften  unb  be3  3u|tanbe3,  worin  fte  un3 
überliefert  ftnb.  Man  folgte  2£fricanu3,  weil  e§  fjanbgreifltdj 
war,  (lufebiuS  fei  ganj  unjuoerldfftg ;  baS  fjinberte  aber  nid&t, 
baß  man  @ufebiu3  atterfd)led)tefie  3ar)ten  aufnahm,  fobalb 
man  fte  bequem  fanb;  fo  wie  aucr)  biefeS  jene  $üf)nen  ntcfyt 


286  grjteS  «Such*  dritter  2lbfd)ititt. 

abhielt,  von  betben  abzuweichen,  unb  ihnen  einige  hunbert 
•Sahre  zu  leihen,  ober,  wa3  gewohnlicher  war,  abzunehmen, 
um  bie  3<*hlen  für  ba3  eigene  ©pjfem  zurecht  zu  machen. 

£)ieg  mugte  nothwenbig  einen  ©egenfchwung  ber  £elle; 
niften  hervorrufen.  (£r  (feilt  ftd)  befonbers  burd)  £arrf)er 
bar  (1786).  2(B  Ueberfefcer  ^erobotS  fuchte  er  beffen  dgvp- 
ttfche  3eitrerf)nung  nicht  allein  zu  (£hren  zu  bringen,  fonbern 
auch  he^ujMen.  (Belingen  formte  biefeS  nun  §war  eben  fo 
wenig,  als  jeneS  Unterfangen;  aber  man  mug  bod)  gefteben, 
bag  man  auf  biefem  SBege  ftch  einer  ^erjMung  ber  gor; 
fchung  wieber  näherte,  wdhrenb  man  bort  in  bobenlofe  SÖifls 
führ  unb  £üge  verfiel.  (5§  barf  nie  vergeben  werben,  baß 
wir  £ard)er£  forfchenbem  ©eijre  bie  Tlufftnbung  unb  S3e; 
fanntmachung  eines  33rud)frücf8  beS  2Cf!ronomen  Sheon 
verbanfen,  welches  für  bie  ^erffellung  ber  dgpptifcben  fciU 
rechnung  eine  entfcheibenbe  2Bid)tigfett  fyat,  wie  wir  im  vier; 
ten  Suche  nachweifen. 

Unterbeffen  war  in  ©ottingen  burch  *£)et)ne3  unfferb= 
liehe  Sßerbtenjle  eine  philologifd)  =  fttfi:ortfd>e  Schule  gebilbet, 
welche  bie  Grrnejti'fche  weit  überflügelte,  unb  bie  eigentliche 
£erffellung  wahrer  ftorfchung  in  £>eutfcblanb  unb  Europa 
anbahnte.  £evne  brang  in  allen  feinen  (Schriften,  wie  in 
ben  ©ottinger  Anzeigen,  namentlich  auch  Gelegenheit  ber 
Ueberfe^ung  ber  englifchen  Sßeltgefchicbte ,  unb  in  feinen 
münblichen  Vortragen  immer  vor  2ülem  barauf,  bie  Quellen 
ber  ©efd)id)te  zu  prüfen  unb  bie  3eugen  frittfd)  zu  verhören; 
wo  ftch  feine  ftnben,  ftch  beö  Urtheils  zu  enthalten,  ©eine 
ttfbhanblung  über  bie  £luellen  SMoborS  (1782)  tjt  ba3  erflc, 
unb  noch  jefet  in  ^Beziehung  auf  #egt)pten  unerreichte,  9ttu; 
frer  einer  verjrdnbigen  gorfchung  nach  ben  Quellen  ber  dgpp; 
tifchen  ©efehiebte,  £er  £ellentfr  lagt  ftch  burch  feine  Siebe 


III.  A.  Uvtyr.  fyync.  Bocqa.  beeren.  287 


jum  clafftfehen  2(lterthume,  unb  ber  2£mt§bruber  von  9fteiner£ 
unb  «Schleper  burd)  falfche  ^eorteen  nid)t  irre  machen,  9ftas 
netho'ö  Stfren  als  bie  glaubwürbigfk  £luelle  $u  nennen.  (5r 
warnt  auSbrücfttch  bavor,  bag  man  9ttanetho  nicht  $ur  £afr 
lege,  wa3  nad^tdffige  2£u^üg(er  unb  unverjldnbige  2£bfcferet^ 
ber  verfd)ulbet. 

2Cuf  btefem  2Öege  ging  3  o  e  g  a  fort,  von  beffen  2Ber!en 
wir  bei  ber  Unterfuchung  über  bte  dgpptifche  (Sprache  unb 
£)enfmdler  reben,  unb  v£evnes>  nun  auch  bahin  gefd)iebener 
2(mt3bruber  beeren,  mug  biefem  ©efchichtSforfcher, 
bei  ber  Verwirrung  ber  3eit  unb  bem  fdmoben  2lbldugnen 
alles?  2llterthum3,  fer^r  hoch  angerechnet  werben,  bag  er  in  feinen 
..Sbeen"  namentlich  über  2(egppten  ben  $fab  verftdnbiger  gor^ 
fchung  nie  verlaffen  hat.  ©ehr  vielen  feiner  einzelnen  ©ehauptun^ 
gen  über  2£egtwten  unb  Äthiopien  fonnen  wir  allerbmgS  nicht 
betpflichten.  2۟etn  ea  t)at  ftd)  gezeigt,  bag  eS  leichter  ij!,  ihn 
ju  tabeln,  aB  ^u  übertreffen.  (53  gehört  nicht  hierher,  au^ 
zuführen,  welchen  (Segen  bte  £evmfche  3urücfführung  ber 
©efchichte  auf  gorfchung  unb  biefer  auf  bte  3eugniffe  ber 
gefammten  2Uterthum3wiffenfchaft  gebracht  hat;  bte  3eit  ifl 
vielleicht  nicht  fern,  wo  btefeä  wieber  mehr  erfannt  werben 
wirb.  2Cber  e6  möge  bem  (Schreiber  biefer  Seilen  erlaubt 
fein,  h^  banfbar  ju  erwähnen,  bag  er  aus  ^epneS  unb 
£eeren$  $hmbe  ^uerji  auf  bte  Sahn  gefchichtlicher  gorfchung 
geleitet  tft  unb  bag  er  »on  biefen  Bannern,  bte  ihm  zugleich 
väterliche  greunbe  unb  gütige  ©onner  waren,  bie  Sehren  ge^ 
fchichtlicher  ßrittf  $uerjt  vernommen  £eeren3  %u& 

fprüche  in  bem  hierher  gehörigen  Sheile  feiner  „Sbeen"  über 
ba&  2£lterthum  ber  dgvptifchen  Ueberlieferungen,  bie  Sßich- 
ÜQhit  9ftanetf)o'3  unb  bie  Unmoglichfeit,  ihm  Unwiffenheit 
über  bie  erhaltene  ©efefnehte  be$  eigenen  SSolfeö  ^u^ufchrei^ 


288  <£rffe$  iBud).  dritter  Sfbfc&nttt* 

ben;  feine  weife  Achtung  ber  f>iMifd)en  ^Berichte  neben  einer 
warmen  Siebe  für  £erobot:  fein  gehalten  an  ber  SCBirflich* 
feit  ber  ^pffoSjett  unb  bie  barauS  folgenbe  £)reitheiligfett 
ber  dgpptifchen  ©efdbtdbte  bilben  einen  bochff  trofHichen  ©e* 
genfa£  31t  ber  wtftfübrlichen  Mengeret  ©attererS  unb  p  ber 
helleni|ftfchen  @infeitigfeit  2arcf)er6.  Man  barf  hinzufügen: 
fte  haben  wefentlich  beigetragen,  £>eutfd)lanb  oor  ganz  eim 
feitigen  ebronologifchen  (Seemen  $u  bewahren,  üon  benen 
un£  nun  noch  übrig  bleibt  einige  2öorte  $u  fagen. 

£)ie  erfte  klaffe  berfelben  bilben  biejenigen,  welche  tm 
vorigen  unb  in  biefem  Sabrhunberte  unfere  Seitrechnung  unb 
ba3  Menfchengefdjlecbt  mit  einigen  Sabrtaufenben  befdjenfen 
wollten,  ofme  auf  bie  2Cegt)pter  Sftücfftcbt  zu  nehmen,  £)er 
erffe  SSerfud)  ging  au3  t>on  ben  franzoftf d)en  Mtfftonen  unb 
©elehrten  unb  hatte  ©ina  zum  Mittelpunkte.  (£S  war  ein 
großes  SBerbienjt,  baß  jene  Männer  auf  ba6  £)afein  ber  jt* 
neftfehen  ©efebichtabücher  unb  auf  bie  unwiberleglichen  33e* 
weife  be$  2(lter3  ber  ftaatltdjen  ©eftttung  btefeS  merfwürbt* 
gen  SSolfeS  aufmerffam  matten,  £)ie  ftneftfehen  ©efefneht^ 
bücber  würben  nun  überfe^t,  unb  man  fanb  ftd)  einer  georb= 
neten  Seitrecbnung  gegenüber,  bie  ofme  ©puren  ber  fabele 
haften  Sehlen  aftronomifeber  ©pfreme  in  ba£  britte  Sabrs 
taufenb  oor  (5i)rtfruö  hineinging,  £)ie  Geologen  wußten 
nid^t  rec^t,  ob  fte  ftd)  hierüber  freuen  ober  entfe^en  follten. 
Q*$  war  ihnen  wohl  recht,  baß  urfunbltd)  geltenb  gemacht 
würbe,  wa3  man  Don  ihnen  nicht  mehr  lernen  wollte,  baß 
nämlich  Seitrechnung,  ©eftttung,  ©chreibfunfi  unb  SBiffen^ 
fchaft  nicht  oon  geffern  feien,  wie  bie  auSfchließlicben  £elle; 
ni|fen  ju  allen  Seiten  gar  geneigt  gewefen  anzunehmen  unb 
2£nbere  glauben  zu  machen.  2(ber  fo  wie  man  über  2(bra* 
hamS  Epoche,  welche  bie  Theologen  ftcher  zu  wtffen  glaubten, 


in.  A.  £)te  (Sinologen  unt)  Onkologen*  289 

etwas  bebeutenb  hinausgehen  wollte,  würbe  ihnen  t>or  bem 
SBaffer  ber  glutf)  bange,  welches  t^nen  fo  t>iel  naher  jtanb, 
als  ihren  SBrübern  &on  ber  morgenldnbifchen  Äird)e,  (So 
rourbe  benn  t>te(  nu&los>  hin  unb  l)er  gefrritten,  bis  ber  (Streit 
in  SBoltatre'S  (Spott  unterging,  ober  wenigfrenS  allen  fRd% 
üerlor.  £)ieß  Severe  mugte  allerbingS  balb  gefdjehen,  benn 
man  fonnte  ftch  boch  nicht  »erfühlen,  bafj  eS  äugeftdnblid) 
in  (Sina  an  fixeren  gleichzeitigen  £)enf  malern  fehlte,  lange 
t>or  bem  gellen  2lnfangSpunfte  beraufammenhangenbenhebrais 
fchen  Seitrechnung,  bem  ©ipfelpunfte  beS  btblifchen  (Schrift* 
thumS.  2lußerbem  aber  jtanben  £anb,  9?ame,  Saaten, 
ßharafter  ber  (Sinefen  ber  übrigen  Sßeltgefd)id)te  burchauS 
fern,  unb  blkbzn  bat)er  bem  europdtfchen  ©eifre  fremb*  £)er 
2lbgrunb,  welcher  <Stna  fonbert  t>on  ben  Anfangen  unb  ©e* 
fliehten  ber  weltgefchichtlich  fortfchreitenben  unb  weltbilben* 
ben  SSolfer,  gähnte  bem  .Jorfdjer  unb  £efer  bunfel  unb  ab; 
fcfyrecfenb  entgegen.  Jajr  DZiemanbem  alfo  lag  baxan,  $u 
reiffen,  ob  bie  unbefannten  tarnen  unb  bie  flanglofen  3«2 
(rdnbe  ber  (Sinefen  würflig  bis  &um  Grnbe  beS  britten  Sahr* 
taufenbS,  ober  gar  in  ben  2(nfang  beS  vierten  t>or  unferer  3ett= 
rechnung  hinaufreichten,  2)te  ftneftfche  Begeiferung  jog  ftch 
auf  GonfuciuS,  ben  SBetfen  beS  fechfkn  SahrhunbertS  t>,  @hr., 
äurücf,  unb  bie  Berechnungen  ber  noachifchen  glutf)  blieben 
flehen,  wie  fte  ftd)  im  17ten  Sahrfmnberte  gegen  (ScaligerS 
SBiüen,  &um  £heil  zufällig,  allenthalben  ohne  haltbare  ©runb* 
annahmen,  in  ben  (Schulen  ber  Theologen  unb  in  ben  £o% 
pfen  feftgefefct  hatten. 

3u  gldn^enberen  Hoffnungen  für  bie  ©inen  unb  ernjfo 
ren  Befürchtungen  für  bie  2(nbem  fchienen  bie  tnbifchen 
£)enfmdler  unb  3eitrechnungen  &u  berechtigen,  feit  griebrich 

J.  19 


290  Erltes  «ud).  dritter  flbfehnitt 

©cfylegelS  mächtiger  ©eniue  im  Sahre  1807  bie,  Idngfr  in 
(Salcutta  t>on  SBtüiam  3one3  unb  äßilforb  gepflegten  ©ansfrit; 
forfchungen,  t>om  weltgefchid)tltchen  ©tanbpunfte  aus>,  mit 
bem  doppelten  £irf)te  ber  neuen  beutfefeen  gorfchung  unb 
9)f)ilofopI)te  beleuchtet,  unb  mit  bem  ihm  eigenen  ©efehmaefe 
unb  mit  ebler  2(nmutb  ber  £)arjrellung,  befonberS  auch  burd) 
Uebertragung  oon  groben  inbifd)er  £)ichtftm|t  belebt  hatte.  £ier 
war  ein  Sßolf  gefunben,  bie  (Sprache  rebenb  beS  weltbeherr= 
fdjenben  unb  weltbilbenben  ©efchled)tee>,  welches  aU  Snber 
unb  9fteber  unb  Werfer,  als  Hellene  unb  Horner,  als  ©er= 
mane  unb  ©lat>c  im  großen  SBette  be3  £auptjrrome6  ber 
9flenfd)beit  ftch  burd)  bie  Sahrtaufcnbe  hinwart :  mit  uralter 
SBetSfyeit  unb  tieffümigen  ©efe^en,  unb,  wie  e3  hieß,  mit 
gleich  uralten  £)enfmdlern  unb  ^Belegen  feinet  @influffee>  auf 
bie  übrigen  v£)auptt>6lfer  be3  TOerthumS.  ©eine  gefd^td^t- 
lic^e  3ett  begann,  ungefähr  auf  gleicher  vj&ohe  mit  ber  fme= 
ftfehen,  gegen  ba$  brcifjigjre  Sahrhunbert  t>or  unferer  3*it5 
rechnung.  9hm  festen  inSbefonbcre  bie  Sofung  für  bie  dgpp= 
tifche  Srö9e  gekommen  ^u  fein,  2legpptenS  SÖtlbung  war 
üon  9tteroe  gekommen:  9tteroe'3  unfehlbar  t?on  Snbien. 
3war  immer  noch  ein  alteS  33olf,  ben  jungen  Hellenen  ge= 
genüber,  war  ihr  3?etd>  natürlich  jünger  al§  baS  inbifche, 
So  (teilt  namentlich  noch  t>an  Sohlen  (1830!)  bie  Sache 
bar.  gragt  man  nach  ben  £3ewetfen,  fo  fteht  ee>  allerbingS 
bamit  fehr  mißlich  £>ie  dgppttfche  Sprache  laffen  bie 
S5rachmanen  unb  Snbomanen  noch  je£t  gan^  auS  bem 
Spiele,  als  ein  un^uoerldfftgee  £>ing,  unb  ^war,  nachbem 
dhampollionö  Sprachlehre  ihnen  bie  Sttogltchfeit  genommen 
hat,  bie  grammatifche  Einheit  ber  dgtwttfchen  unb  foptifchen 
Sprache  ohne  Unwiffenheit  &u  bezweifeln,   2>a3  Spfrem  ber 


III.  A.  Wd>arb  unb  SRatf. 


291 


©prachwiffenfchaft,  welches  fte  felbfr  befolgen,  würbe  fte  aU 
lerbingS  balb  jum  ©effdnbniffe  bringen,  tag  baS  t>6^ere  2Ck 
ter  ber  dgtwtifchen  <5pratf)e  jufommt  Ueber  bie  (Sicherheit 
beS  hohen  Alters  ber  S3au  ^enfmdler  SnbienS  ift  man  Urin* 
laut  geworben;  unb  baS  2ttter  ber  Urf  unten  beS  ©d^rtft- 
thumS  febwanft  um  mehr  als  ein  Safyrtaufenb.  #m  fd)limm= 
flen  ft'efjt  es  mit  ber  gerichtlichen  3eitted)nung  auS:  fei  eS 
nun  wegen  Langels  an  gefcbicfjtlicbem  ©inne  bei  ben  Sn* 
bern  felb|r,  ober  bei  ben  bisherigen  Pflegern  ber  mbifchen 
2öiffenfd)aft:  genug,  eine  .ftritif  ber  ÄönigSlifren  führt  faum 
mit  (Sicherheit  —  obwohl,  wie  eS  unS  fcheint,  üollfommen 
glaublich  —  bis  in  bie  augu|reifcr)e  geit:  bis  ^u  ben  3eifc 
genoffen  ber  Seleuciben  unb  Sagiben  ^u  gelangen,  ba^u 
fcheint  eine  fd)6ne  ©ntbeefung  ?)rinfepS  neuerbingS  $u  berede 
tigen:  bis  §ur  $6he  ber  Dlpmpiaben ,  ober  gar  bis  ju  bem 
©tpfel  ber  hebrdifchen  3eitred)nung  ftd^  &u  oerjreigen,  fcheint 
im  2(ugenblicf  noch  eine  gewagte  Hoffnung.  SSon  Sftenu  bis 
jum  Anfange  beS  Äali^jug  enblid)  liegt  eine  Hüft,  bie  d)ro; 
nologifd)  $u  überwinben  man  je£t  gar  nicht  mehr  benft 
#m  2ttlergewtffe|ren  aber  tjr,  bag  bie  dgtwtifchen  Anfange 
fein  Sicht  unb  feinen  ©tüfepunft  in  ben  inbifchen  2(nnalen, 
£i|ren  unb  £>enfmdlern  ftnben. 

©erabe  im  Grntffehen  ber  f)\m&typty$btn  SBiffenfchaft 
(1823)  hatte  einer  ber  f^arffmnigjren  unb  gelehrteren  ftor= 
fcher  ber  3eit,  Dr.  ^richarb,  bie  2Cnfprüd)e  2Cegt)ptenS 
auf  bie  dltejte  3eittecf)nung  wieber  geltenb  gemacht,  unb  ben 
richtigen  2Beg  geahnbet,  für  bie  dltejlen  3etten  (£ratofrbeneS 
unb  5^anetho  $u  oerbinben,  Sn  feinem  Sßerfe  über  dgtw; 
tifche  3eitrechnung  unb  SJtythologie  beweifr  er,  bag  baS  fort* 
bauernb  wieberfehrenbe  3ufammentreffen  t>on  GnratofibeneS 

19* 


292  SrfteS  «Sud),  dritter  2lbfd)nttt. 

unb  9ttanetl)o  nid)t  ^ufdütg  fein  fonne,  unb  baß  be$  (öfteren 
£ijte  einen  d)ronologifd)en  ^anon  üorjMen  muffe.  SMefeS 
an  ber  ©(^wette  ber  $ierogltwf)enfunbe  gefcfyriebene  SBort 
ftefyt  burd)  Haren  33  lief  f)od)  über  bem  dlmlidben  SSerfud) 
be$  fcfyarffmnigen,  aber  ntd)t  ber  ©efcfytcbt3forfd)ung  funbigen 
fRaöV71),  wetc^er  et(f  Satjre  fpäter,  gleichfalls  ol)ne  tont- 
niß  ber  .£)terogh)pf)if,  eine  Bereinigung  jener  Angaben  tter^ 
fud)te.  2Cecjt)pten  blieb  nadb  wie  üor  ein  tterfd)loffene3  33ud), 
unb  feine  3^tred)nung  gan^lid)  unbrauchbar. 

£)ae>  war  ber  3ufranb  ber  dgt)ptifd)en  unb  überhaupt 
ber  alten  SettEunte,  als  (Sfyatnpollion  mit  feinem  f)ieroglppl)i= 
fcfyen  Alphabete  t>or  bie  £)enfmdler  be3  SSolFeS  trat  unb 
tf>rc  «ftonigSnamen  entzifferte. 

B.   gorfdjung  ber  tfegpptologen.  @l)ampollion 
unb  bie  franjofif  d)e  unb  italienifc&e  ©cfjule  — 
Slofellint  —  b ie  engltfcbe  (5ct)ule:  ©alt,  S5urton, 
gelir  (Sorb  ?)rubboe),  SBttf  tnfon.  — 
(5  r  g  e  b  n  i  ß. 

CEbantpollionS  cfyronologifdje  ^Behauptungen  ftnb  fo 
üielfac^  angegriffen  worben,  unb  faft  alleS  ßin^elne  berfelben 
wirb  im  Verläufe  biefeS  SBerfeS  fo  entfct)teben  befdmpft 
werben  muffen,  baß  e3  burc&auä  notbwenbig  ift,  f)ier  flax 
ju  machen,  wie  wir  ifm  beffenungeaebtet  mit  Siecht  aud) 
auf  biefem  ©ebiete  ben  SSater  ber  wahren  dgpptifcben  gte 
fcfyung  nennen  bürfen.  t>erl)dlt  ftd)  mit  feinem  cr)ronolo; 
giften  ©pfteme  wie  mit  feinem  wiffenftf)aftltd)en  GtyaraFter: 
bie  gel)ler  liegen  auf  ber  v£anb,  aber  bie  innere  £reffltd)feit 

I71)  fRa$t,  bie  alte  ägqpttfdje  3ettted}nung.   3n'6  £)eutfdje  über; 
fefct.  Altona  1830. 


III.  B.  GtyampoUion. 


293 


unb  ©roge  ber  allgemeinen  2lnfchauung  i(f  ben  Otogen  ober^ 
fldrfjHrfjer  ^Beobachter  »erborgen.  SStete  femer  2Biberfad)er 
haben  ihn  ohne  alle  Äenntntg  bcr  <3adf)e,  manche  mit  ihrer  tter; 
meintlichen  lennrnig  ober  ihrem  falfchen  Sötffen  befdmpft,  £>ie 
Fachwelt  voirb  biefe  nicht  fennen:  (5^ampoÜion6  Srrthümer 
xmb  gehler  wirb  fte  grogentf>etl6  bem  Unterfange  einer  (Schule 
ber  clafftfchen  9)f)iIoloa,ie  in  granfretcr)  nach  (ScaligerS  unb 
ber  anberen  £eroen  £obe  ober  Vertreibung  auftreiben;  feine 
Grntbccfungen  unb  fruchtbaren  2lf)nbungen  aber  ber  v£)6hc 
feineS  ©eniue>  unb  bem  ebeln  (streben  feines  ©emütheS  friu 
ernennen.  SBir  fprecben  biefeS  mit  voller  Ueber^eugung  au3, 
nicht  weniger  jebotf)  mit  ber  greube  perfönlicher  £)anf  barfett; 
benn  wir  haben  ihn  perfonlich  gefannt  unb  an  bem  guße 
ber  £)beli3fen  3?omS  son  ihm  bie  Anfange  ber  £teroghwhtf 
ju  lernen  bas  ©lücf  gehabt. 

3uer|t  alfo  müffen  wir  an  Ghanipollion  ba$  Streben 
anerfennen,  feiner  (Sntbecftmg  fogleid)  bie  2Cnwenbung  auf 
bie  ©efchichte  $u  geben,  flatt  ftd)  mit  Wogen  33uchfrabenflau= 
bereien  ju  befchdftigcn,  ober  in  Träumereien  $u  tterfallen. 
Unb  nicht  gering  ifr  c6,  wag  er  gcletflet,  wenn  wir  jenen 
troßlofcn  3ufianb  ber  alten  Seitrechnung  überhaupt,  ganj 
befonberS  in  &3e$tehung  auf  bie  dgtwtifcbcn  Seiten  hfl  2(uge 
faffen.  Soega  l>atte  noch  f°  eben  grünbuch  bewiefen,  baß 
alle  bisherige  gorfdumg  nichts  geführt  für  bie  Seit  jen^ 
fettS  Salomo;  baß  bie  fpdtcre  Seitrechnung  erjt  nach  einer 
großen  £ücfe  mit  ^fammetid)  wieber  anfnüpfe,  unb  erjt  mit 
ÄambpfeS  anfange,  burch  bie  ©leich^eitigfeiten  Sufammen; 
hang  unb  Sicherheit  ^u  gewinnen.  2Ba3  aber  bie  altere 
Seitrechnung  betraf,  fo  haben  wir  eben  gefehen,  wie  bie  üer* 
fchiebenen  ©erüfle,  eineö  nach  bem  anberen,  jufammengeftür^t 


294 


@r(reö  93ud)»  dritter  2lbfd)nitt. 


waren,  unb  ein  guteS  ©tücf  ber  fpdreren  3Beltgefd)id)te,  bie 
man  ftcfyer  auf  ifynen  errietet  ju  rjaben  glaubte,  hinter  trjnen 
f)er  gerollt  war.  Gtyampollion  griff  mutfyig,  mit  ben  Stfc 
nig&fcfyilbern ,  bie  auf  bie  erfre  @ntbecfung  au6  Europa  unb 
2(egt)pren  ir)m  äugefloffen  waren,  in  ber  einen  v£>anb,  unbmitfek 
nem  eben  erff  entfrefyenben  ^terog(r>p^ena(pl)abete  in  ber  an* 
bern,  nad)  ben  fajt  weggeworfenen  manetr;onifc{)en  Giften 
unb  nacr)  ben  ^fyaraonennamen  in  ber  S3ibel  unb  bei  ben 
©rieben,  £ier  mußte  fein  ©pjrem  ftd)  befldttgen ,  ober  mit 
feinen  Hoffnungen  für  bie  |>erffellung  ber  dgr;prifcr)en  Gfyxo; 
nologie  oernicfyret  werben, 

2£ber  nid)t  bloß  burd)  fein  f)ijrortfcr)e3  (Streben  über* 
traf  @l)ampollion  feinen  SSorgdnger  in  ber  erfreu  Crntbecfung 
ber  £aut$etcr)en,  Dr.  $oung,  fonbern  auet)  in  feinen  £eu 
fiungen.  ©d)on  in  ber  erfreu  Auflage  feinet  Precis  (1824) 
liefert  er  ben  SöeweiS,  baß  bie  £>enfmdler  mit  ben  £t|ren  big 
ju  bem  3eitgenoffen  (Salomo'S  fyinauffretgen,  unb  baß  buret) 
beiber  SSerbinbung  enbltd)  ber  .fwlrpunft  für  bie  Äririf  ber 
£i|ren  gefunben  worben  fei.  (£r  eröffnete  aucr)  einen  33licf 
in  bie  uralte  S3lütl)c^eit  beS  9Teicr)e6,  inbem  er  bie  üönig^ 
fd)ilbcr  oon  9?amfe6  unb  2au1)moft3  unb  2(nberen  auf  ben 
DbeltSfen  9f  omS  lag.  @3  wäre  unbillig ,  irjrn  ^umutrjen, 
baß  er  bamalS,  mitten  in  ber  ^ntbeefung  ber  i)ierogltwf)en 
begriffen,  eine  Arbeit  l)dtte  oornefjmen  follcn,  welche  bte  S3e^ 
rufenen  fo  weit  t>emacr)lafftgt  garten,  baß  fte  biefelbe  für 
Idngjl  abgetan  hielten.  @r  naf)m  alfo  biefee»  wichtige  @le= 
ment  ber  Jorfcfyung,  wie  ee>  ifym  überliefert  war.  2)a$u  £am, 
baß  fetnS3ruber,  ßrjampollionsgigeac,  burd)  anberweitige  gor= 
fcr)ungen  über  dgt;prifd)e  Chronologie  trjm  oorangeeilt,  biefen 
£f)eil  ber  Arbeit  übernahm,   tiefem  aber  begegnete  babei 


III.  B.  GftampoUion* 


295 


ein  oben  fcfyon  berührtes  UnglücF,  weld)e3  für  bie  dgpptifdje 
äcttredbnung  bie  traurtgflen  folgen  gehabt  hat.  2Bir  muffen 
biefeS  UmftanbeS  beghalb  hier  mit  einigen  SBorten  @rwd^ 
nung  tl)un. 

@3  genügte  bem  @ntbecfer  bcr  Hieroglyphen  nicht,  bag 
bie  gefd)id)tlid)e  ©leii%itigfeit  unS  Don  ÄambpfeS  bt'3  auf 
3?ehabeam,  alfo  bis  tief  in  ba3  geinte  Sahrhunbert  oor  unfes 
ver  3^itrerf)nung  hinein,  unfchd^bare  fejk  v&altpunfte  für  bie 
Ärttif  ber  giften  unb  bie  £er)Mung  eineS  großen  Steiles 
ber  dgpptifchen  unb  überhaupt  ber  2Beltgefd)tcf)te  gewahrt. 
dx  überfaJ) ,  bag  hier  ber  9ftagjlab  gefunben  werben  mußte 
für  ben  Söerth  ber  tarnen  unb  Bahlen,  bie  jene  S3er$eich= 
niffe  gewahren:  bag  tjtcr  ber  gorfcher  feinen  ©tüfcpunft  $u 
fuchen  hat,  um  bie  Ingeln  ber  Urzeit  anjufaffcn.  Der 
33licf  ber  beiben  Sküber  roar  auf  anbere  fünfte  gerichtet» 
Die  hochfte  jener  ©leid^ettigfeiten  erreichte  nur  ben  Verfall 
be$  Stehet,  welches  fie  für  bie  ©efchichtc  erobern  wollten, 
oiele  Sa  Wunberte  nach  jenen  Dpnaftieen,  in  welchen  bie 
©roge  ber  Pharaonen  leuchtete,  unb  beren  £>er|teuung  dm 
ropa,  als  9)rei$  feines  oomehmen  ©laubenS  an  bie  SBefenfc 
lid&fett  unb  gruchtbarfeit  ber  ()ieroglt)pi)ifc^en  @ntbecfung, 
tfyeilS  mit  fiotyn,  thetlS  mit  ©ebnfucht,  forbette. 

©oüte  ftd)  nidf)t  (fo  fragte  ßhampollion;  gigeac)  in  ber 
dgt)ptifd)en  ©efchichte  felbft  ein  $)unft  fmben,  ber  mit  einem 
aftronomifch  berechenbaren  (5retgniffe  beS  Rimmels  jufam^ 
menftele?  Dann  wäre  offenbar  für  bie  dgpptifche  gor^ 
fd)img  in  ben  Seitrdumen,  welche  ihr  bie  wichtigen  fein 
muffen,  ein  ganj  neueS  gelb  gewonnen. 

Dtefe  locfenbe  ^Betrachtung  oerleitete  ^uerjr  ihn,  in  jener 
oon  il)m  gänzlich  migoerjknbenen  ©teile  ber  £iffe  beS 


296  erflc*  <8ud).  dritter  2lbfd)nttt. 


Unbekannten  beim  (S^nccßuS  über  einen  Äonig  ßond&arte 
bie  Angabe  bes  SSer^dttntfTeö  zu  ftnben,  worin  bie  alte  £6* 
nigSreibe  2fegt)ptenS  mit  bem,  nachweislich  in'S  Satyr  1322 
vor  6J)ri(lu§  fallcnben,  Anfange  beö  $unt>SjternfreifeS  gefram 
ben  l)abe,  aB  baS  alte  ?){)araonenrei(^  burd)  ben  (Einfall 
ber  £irtenvölfer  unterging.  £)ie  mit  gldnzenbem  <Sd)arfc 
finne  bargejMte  vermeintliche  @ntbecfung  festen  burd)  bie 
Unbejlreitbarfeit  a|tronomifd)er  ^Berechnungen  über  langweil 
lige  unb  bornige  Unterfuchungen  fheitiger  pbilologifcher  unb 
hifforifeber  fünfte  wegzuheben,  unb  burd)  ba3  hohe  lilttx, 
welche^  fte  bem  Seitalter  ber  ©efofiriben  fieberte,  ben  unbe; 
quemen  aqt)ptifcf)en  Sab^n  unb  ber  bebrohlichen  Spenge  ihrer 
Äonig^fchilber  einen  weiteren  (Spielraum  zu  gewahren.  £)iefe 
2ütSftcbt,  unb  befonberS  ber  SBunfd),'  bie  achtzehnte  unb 
neunzehnte  £h)naftie  fogleich  in  htjrorifd&em  ©ewanbe  erfd)eu 
nen  zu  laffen,  verführte  auch  ben  jüngeren  SBruber,  auf  jene 
^Berechnung  ohne  felbjrdnbige  gorfchung  einzugehen,  unb  fte 
ben  Scnbfchreiben  au£  Surin  an  ben  Herzog  von  SBlacaS, 
fo  wie  bem  l;-teroc^Ippf)ifrf)en  ^anbbuebe  zn  ©runbe  zu  legen. 

Sene  SSoreiligfeit  war  aber  von  ben  traurtgjfcu  folgen 
für  bie  dgpptifcbe  gorfchung  unb  für  ßbampollton  unb  feine 
<Sd)üler  felbff.  £)enn  burch  jene  Annahme  war  ihm  ber 
Anfang  ber  achtzehnten  £)pnaftie  um  britthalbhunbert  Sahre 
ZU  hoch  hinauf  gefchoben  unb  alfo  ber  nur  fech^hunbertjahrige 
Seitraum  z^ifchen  (Scbefcbonf,  9?ebabeam§  3eitgenoffen,  unb 
?(mo6  um  eben  fo  viel  verlängert.  £)iefe3  pagte  aber  ge* 
rabc  mit  ber  fchlechtefren  gorm  ber  mariethonifchen  £ifren, 
unb  fo  mußte  es>  ihm  entgehen,  baß  er  mit  ber  richtig  ver= 
(ranbenen  3eitrechnung  ber  SBibel  unb  ber  ganzen  ©lieberung 
ber  alten  SSolfergefchichte  in  unheilbaren  Sßiberfpruch  ge; 


III.  B.  ©alt,  «urton,  2Btlfinfon,  itöfc  ®eu\  297 

rietf),  t>erborbenen  unb  tterfdlfd)ten  SSer^eidmiffen  Siebe, 
beren  (5mf$iebungen  tf)m  fonft  fd)on  burd)  bie  Safel  t>on 
2lbpboS  würben  beutlid)  geworben  fein,  ©erabe  biefe  SSers 
berbtfjeit  ber  Giften  aber  füllte  ben  leeren  SRaum ,  für 
welken  alle  Sßürflid)!ett  fehlte,  auf  eine  fcfyeinbar  bequeme 
SBeife  au5. 

(£3  fonnte  il)m  alfo  bamalö  nid)t  einmal  gelingen,  für  ben 
großen  ©efoftriS ;  9?ameffe3  ben  richtigen  manetl>onifd)en  $0; 
nig  ju  ftnben,  benn  wie  wir  im  britten  33ud)e  fer)en  wer; 
ben,  enthalten  bie  t?on  @f)ampollton  §u  ©runbe  gelegten  2t; 
jlen  il)n  nid)t  einmal,  fonbern  mefyreremale. 

©o  gldnjenb  alfo  aud)  einzelne  Unterfucfyungen  in  jenen 
beiben  <Senbfd)reiben  ben  gellen  ©eniuS  (51)ampollton3  be; 
wahrten,  fo  mugte  boer;  ber  ^aupt^weef  gan^lid)  t>erfef)lt 
bleiben, 

Unterbeffen  waren  engliferje  gorfdjer  unb  Sieifenbe  be; 
mufyt,  ber  2Baf)rfteit  auf  einem  anbern  SBege  nal)e  ju  fom; 
men.  2(n  £)rt  unb  ©teile  war  e§  ifynen  nid)t  entgangen, 
bag  SfameffeS  ;9fttamun  ber  £)enfmdler  unmöglich  Oer  fed); 
Sehnte  ^adjfolger  be£  2lmo3  fein  fonnte,  welcher  auf  ber 
Safel  t?on  2lbpbo$  nur  burd)  jefyn  Könige  oon  bem  ©d)ilbe 
be3  burd)  feine  £>enfmdler  laut  oerfünbigten  (£roberers>  ge; 
trennt  tjt  ©alt,  23urton,  SBtlftnfon,  $elir  in  2fc 
gppten  unb  ©eil  in  $om  gingen  fettbem  üon  bem  fe= 
ften  fünfte  jener  itonigStafel  auS,  unb  fugten  fo  bie  ge= 
wunfd)te  v^erflellung  ber  ad^efmten  unb  neunzehnten  SDps 
naffte  p  bewerfjMigen.  £)er  ©ewinn  ber  2lnffrengungen 
biefer  Banner  fann  nid)t  Ijodt)  genug  angefdjlagen  werben. 
£)enn  wdfyrenb  bie  ©efdt)trf>t6forfcf>er  oom  gad)e  in  Gmg; 
lanb,  wie  mit  9toebuf)rs  2(u3naf)me  in  £)eutfd)lanb,  mit  UU 


298  (£rtfe$  «uaV  dritter  2ll>fd)mtt. 

ter  ©leichgültigfeit  —  &um  Sheil  Srdghett,  &um  Sheil  gurcht 
—  ftd)  von  ben  auf  tl>r  ©ebtet  recht  eigentlich  gehörigen 
Vorarbeiten  unb  gorfchungen  fern  gelten,  Durchbogen  jene 
Reifenben  2tegvpten,  hübten ,  ja  bie  SBüjten  ber  arabifchen 
£albinfel,  um  bie  allenthalben  ^erflreuten,  unter  ©d)utt  unb 
(5anb  vergrabenen  Äonigefchilber  ber  Pharaonen  mit  mög; 
lid)j?er  SSolljtdn  bigfeit  ^u  fammeln,  unb  ©eil  lieg  ftd)  buref) 
fd^mer^afteö  ©iechthum  nicht  abgalten,  ihr  SSaujcug  ju  orb= 
nen,  $u  verarbeiten  unb  jene  greunbe  $u  immer  neuen  gor; 
fd)ungen  anzufeuern.  £>te  (^rgebniffe  berfelben  in  SBejiehung 
auf  bie  Chronologie  unb  bie  £erffelhmg  ber  £)vnajrieen  unb 
Regierungen  biefeS  3eitraume3  liegen  ber  2Belt  t>or  in  2Bil= 
finfonS  Materia  hieroglyphica  (9Mta  1828)  unb  in 
ben  $l)araonenlijfen  beä  2D?ajor  gcltjr,  £orb  ^rubhoeS  Reife; 
gefaxten,  n>eld>e,  1828  gefchrieben,  J836  erft  gebrueft  er; 
fd)ienen. 

£)iefe  gorfchungen  fyattin  auch  (Shampollion  fchon  frühe 
auf  bie  ßücfen  unb  gehler  feiner  vf)erfrellung  aufmerffam 
gemacht,  obwohl  ftc  ihm  nicht  ben  ©runb  berfelben  enthüll; 
ten.  2ütd)  er  wollte  an  £)rt  unb  (Stelle  weiter  forfchen,  unb 
an  ben  £)enfmdlem  felbjr  einen  frifchen  &Micf  geroinnen. 
£)urd)  bie  ©rogmutl)  nicht  weniger  ale  ben  Hinflug  feinet 
hohen  ©onnerS  erhielt  er  enblich  im  SuniuS  1828  bie  $JliU 
tel,  feinen  fehnfüd)tigen  SBunfch  ^u  erfüllen.  Sn  biefem  unb 
tm  folgenben  Saht*  fchrieb  er  bie  ftuerjr  in  &3ruchfrücfen, 
bann  1833  volljldnbig  erfchienenen  SBrtefe,  welche  feine  lefc; 
ten  fchriftlichen  Sftittbeilungen  über  bie  ^erjrellung  jener  £)p; 
najtieen  enthalten.  Leiber  raffte  ihn  ber  £ob  hinweg,  ehe  er 
bte  bort  andeuteten  $eime  neuer  $orfd)ung  entwicfeln 
fonnte.  ©o  wie  bie  ^Briefe  vor  um?  liegen,  fmb  fte  voller 
SBiberfprüche,  namentlich  auch  über  jenen  $unft:  unb  an 


III.  B.  «RofeUini. 


299 


tiefe  leidet  erFenntlicfyen  glecfen  mögen  ftd^  Diejenigen  galten, 
welche  barin  einen  £roft  über  feine  ©röge  ober  einen  Sßors 
wanb  für  ti>re  eigene  Unwijfenfyeit  ftnben.  2Ötr  wollen  ba* 
gegen  fpdter  heroorfyeben ,  wa3  er  in  einer  ©runbe  frtfrf>er 
2luffaffung  flüchtig  in  einem  ber  testen  23riefe  Eingeworfen, 
aB  ba§  treuefre  S3ilb,  wie  ba3  ©an$e  ftrf)  if)m  bei  unbefan; 
genem  2lnfd)auen  ber  2)enfmdler  barffelfte.  3n  weiterer 
9?ad)forfd)ung  war  er  felbfr  fo  wenig  gekommen,  bag  er  ben 
if)tn  fur$  oor  feinem  £obe  oon  S^ofeUtnt  vorgelegten,  fyinftcrjts 
lief)  ber  ^erfon  be§  ©efojrriS  unb  einzelner  fünfte  berief^ 
tickten,  fonfr  aber  fafl  ganj  ftd^  an  ba3  frühere  ©pflem  ans 
fcfjliegenben  Entwurf  einer  Chronologie  für  ba3  gemeinfct)afti 
licfye  SBerf  entfetteten  billigte  unb  annahm. 

btelbt  un3  je£t  noer)  übrig,  oon  bem  (Elftem  $u  re* 
ben,  welcfyeS  fein  ebler  unb  geijtretcrjer  <5d)üler  unb  greunb, 
Sppolito  SRofellini172),  in  jenem,  nad)  be£  50?etflera 
£obe,  $u  feiner  unb  Stalten^  (5t>re,  allein  herausgegebenen 
SBerfe  $u@runbe  gelegt  hat.  Sftiemanb  wirb  ben  ©eftcf)tSpunft 
oerfennen,  au6  welchem  biefer  Sfjeil  beS  SBerfeS  beurteilt 
werben  mug.  Unfd)d£bare  £)enfmdler  für  bie  £unjrgefd)icf)te 
nid)t  aüän,  fonbern  für  bie  allgemeine  ©efcr)id)te  ber  S^enfcfe= 
fyeit  waren  nact)  GtyampollionS  £obe  gewiffermagen  feiner 

172)  Seibcr!  ift  feitbem  biefer  eble  unb  ItebenSwürbige  9J?ann  unb 
reMidje  gorfetjer  burd)  einen  frühzeitigen  &ob  bem  SSaterlanbe 
unb  ber  Sffiijfenfdjaft  entriffen,  ©ein  SKatne  wirb  immer  geefjrt 
bleiben  unter  ben  gorfdjern  unb  -ftunjtfennern  beS  3a$r&un* 
bertö:  unb  feine  ägqptifdjen  ©entmaler  werben  nidjt  allein 
burd)  bie  (SAontjeit  ber  Ausführung,  fonbern  aud)  burd)  Sreue 
unb  3ut>erläfftgfeit  ben  greunben  beS  ägnptifdjen  Altertums 
unb  ber  Äunjt  unentbehrlich)  bleiben*  Sie  Sollenbung  beS 
äßerfeS  mochten  wir  oon  bem  SSernabiten  ^)ater  UngarcUi, 
bem  forgfamen  unb  gelehrten  Herausgeber  ber  romifcfyen  Öbe* 


300 


grjteö  35ud).  dritter  2lbfd)ium 


Pflege  anheimgefallen173)»  9lut  burd)  ihre  ©efammtfyet; 
autyabt  unb  gebrannte  (Erläuterung  Fonnte  bie  allgemeine 
Teilnahme  für  bie  dgtwtifchen  gorfchungen  erweeft  werben, 
bte  ihnen  noch  fehlte,  unb  zugleich  bie  Sünger  berfelben  unb 
überhaupt  bie  Philologen  unb  ©efdfytdbtSforfcher  be3  Alters 
thumS  9fluth  unb  Littel  gerainnen,  buref)  ihre  vereinten 
S5ejlrebungen  ben  <5d)afc  ^u  heben,  ben  bie  groge  (Entbechmg 
ber  £ierogtyphen  unferem  ©efchlechte  übergeben  hat  2Bir  ha; 
ben  fchon  oben  im  Allgemeinen  gezeigt,  bag  bie  philologt- 
fchen  unb  fritifch^hiftortfehen  Vorarbeiten  für  eine  dgt)ptifche 
Chronologie  biefeS  3eitraumeS  noch  keineswegs  gemacht,  baß 
fte  vielmehr  großenteils  noch  $u  machen  fmb,  unb  wir  wer; 
ben  S5elege  im  (Einzelnen  bafür  nicht  fchulbig  bleiben.  $Ro; 
felltni  hatte  weber  bie  Aufgabe  noch  bie  Abftd)t,  biefe  33or; 
arbeiten  $u  machen:  vielmehr  rodre  eine  folche  mit  feinem 
flaren  unb  wichtigen  ^Berufe  unb  ben  Abfluten  unb  2Öün= 
fchen  einer  wof)lwollenben  Regierung  für  bie  ungefdumte 
Verausgabe  jeneS  großen  SßerfeS  unvereinbar  geroefen.  SBenn 
wir  baher,  nach  unferer  Ueber^eugung,  fein  cbronologifcheS 
©pflem  wefentlich  nicht  für  begrünbeter  halten,  ale  baS  t>on 

Itöfen,  t)crt)offcn  bürfen.  S3t6  je|t  ft'nb  erfetyienen:  Monumeuti 
civili  mit  bret  SSänbCtl  Scpt :  Monumenti  Reali  mit  93b.  I. 
II.  III.  A.  B.  [V.  SC]Ct;  enbtt'd)  Monumenti  dcl  culto  of)ne 
Zext  (£ecbi\  1843.). 
173)  @ö  ift  t>on  ifjnen  feitbem  auet)  in  sparte  eine  fvan^oftfe^e  tfuö* 
gäbe  erfdjtenen.  ©te  ift  rein  topograpt>tfd?  georbnet,  wäfyrenb 
baö  italtenifdje  Sßerf  metjr  ben  ge[d)id)tlid)en  unb  inneren  gjn* 
fammenfjang,  nad)  ©c[d)id)te,  Seben  unb  Religion,  barfrellt : 
Monumens  de  1'  Egypte  et  de  la  Nubie ,  exe'cutcs  d'  apres 
les  desseins  de   Champollion  le   Jeune.    2Cuf  Soften  bei'  5Ke* 

gierung  gebrueft  (Srfter  SSanb  1837,  35i$  je|t  brei  SSdnbe 
Tupfer  in  golio. 


III.  B.  (Ergebnis 


301 


Gtyampollion  bei  feinen  Arbeiten  ©runbe  gelegte,  fo  h<*3 
ben  wir  bennod)  ben  eigentlichen  SBerth  beS  trefflichen  Sßers 
h$  wenig  berührt  £)a$  jeneS  (Spftem  nur  ein  oorlduftgeS 
gad&werf  für  bae  beabftd)ttgte  (£inorbnen  unb  Aufzahlen  ber 
dgppttfd>en  Denfmdler  fei,  unb  baß  e6  nicht  bamit  auf  bie 
£)auer  genügen  fonne,  bas  brdngt  ftrf)  bem  ^Beobachter  aU 
lerbingS  fet)r  balb  auf.  @§  lagt  ftch  begreifen,  baß  bie  ma^ 
nethonifchen  Sijten  manchmal  einen  tarnen  geben,  ber  nicht 
ber  ber  £)enfmdler  ift,  unb  33etfptele  baoon  werben  wir  im 
2aufe  ber  Unterfuchung  nachzuweifen  höben:  ft'e  fonnten 
vielleicht  fratt  jener  Denfmalnamen  theilS  ^Beinamen  auffüh- 
ren, tfjeilS  griechifche  ober  oergriechte  ^Benennungen ,  bie  ben 
£)enf malern  fremb  ftnb,  unb  boch  ^abd  mit  biefen  in  Ue^ 
bcreinfttmmung  blieben.  Mein  e$  fcheint  unmöglich,  eine 
folche  anzunehmen,  wenn  in  ben  £tjfen  bem  £)enfmalnamen 
ein  nicht  minber  bekannter  £>enfmalname,  aber  eines  anbern 
ÄontgS,  gegenübersteht:  wenn  23.  2Tmo3  bem  TimmopfyS, 
unb  2lmenophi^  oern  SuthmoftS  entfprechen  foll.  (5ntweber 
muß  alle  Hoffnung  frittfcher  ßofung  aufgegeben  werben, 
ober  e£  liegt  hier  ein  Srrthum  ober  eine  SSerfdlfchung  ber 
£tjren  zu  ©runbe. 

(Sicherer  !ann  beßwegen  ber  2Beg  fcheinen,  welchen  bie 
englifchen  9?etfenben  büuttn  haben,  Mein  befrtebtgen  fann 
auch  er  feineSwegS.  £)enn  erftlid)  erfrreefen  ftdt)  bie  erhak 
tenen  ÄonigSreihen  ber  £>enfmdler  nicht  weiter  aU  oon 
2lmoS ,  bem  Raupte  ber  achtzehnten  Stynafite ,  bis  auf  $a* 
meffeS,  ben  ©lanzpunft  ber  neunzehnten.  SenfeitS  biefeS 
?)un!te3  flehen  alfo  jene  Scanner  auf  bemfelben  ungeebneten 
unb  unftchern  SBoben  wie  Ghampollion  unb  StofeUini.  3weu 
tenS  aber  haben  biefelben  für  jenen  3eitraum,  wo  fte  ganz 


302 


£rfte$  Q3ud),  dritter  5l(>fd)m'tL 


ober  überroiegenb  ben  alten  ßomqSretyen  folgen,  offenbar  mit 
ber  ÄönigSfolge  unb  3aty  aud)  bie  3<*f)len  ber  Regierungen 
aufgegeben,  unb  fte  geraden  alfo  in  einen  nod)  größeren 
SBtberfprud)  als  bie  gran^ofen  unb  Italiener,  roenn  fte -tiefe 
3al)len  unb  übtxijauyt  bie  ßiffen  beffenungeac^tet  anroenben, 
voo  unb  wie  e3  ihnen  bequem  erfd)etnt  ©ine  fritifche  SSor; 
frage  ober  Vorarbeit  über  bie  manethonifchen  Giften  haben 
aud)  fte  nicht  ben  SBeruf  gefüllt  anpfMen,  nod)  haben  ihre 
gelehrten  £anb3leute  üon  gad)  biefeS  für  fte  getfyan. 

Sftemanb  alfo  hat  bis  jefct  bie  fritifchen  Vorfragen  ftd) 
gejtellt,  mit  beren  ^Beantwortung  mir  un3  in  ben  bisherigen 
Unterfud)ungen  befd)dftigt:  wie  ftnb  bie  £i|fen  entffanben? 
wie  überliefert?  wie  fonnen  ftd)  bie  £)r;najfieen  $u  @ra; 
to|rhene$>,  wie  beibe  ju  ben  itomgefolgen  verhalten?  wae>  ift 
eine  £>vmajfre  im  manethonifchen  ©tnne?  ©ehoren  bie  ©ums 
men^dhlungen  5D?anetho  ober  2(fricanu$>  ober  ©tmcelluö? 
SÖdhrenb  CrratoftyeneS  unb  2lpolloborus>  Könige  burd)  bie 
Angaben  biefer  Ärttifer  gar  feiner  ^Beachtung  geroürbigt 
ftnb,  tat  man  auf  bie  jämmerlichen  Nachwerfe  ber  alten 
Ghronif  unb  ber  fpnceUifd>en  Äontgslifte  fogar  9?ücfftd)t 
genommen. 

2Bdl)renb  mir  alfo  über  bie  bilblicfee  ^arfrellung  be3 
hdu£lid)en,  gefelligen  unb  ©laubenS^ebenS  ber  2(egt)pter, 
über  ihre  tterfchiebenen  Äunjlfertigfeiten  unb  über  bie  £o; 
pographie  fcon  Sieben  burd)  baS  clafftfd&e  SBerf  fcon  ©ir 
©arbner  2Bilfinfon I74)  tiefet  SitelS,  unb  bie  nod)  reiferen 

1  74)  Topography  of  Thebes.  London  1835.  Manners  and  Customs 
of  the  ancient  Egyptians.  3  Voll.  8.  London  1837.  Second 
series,  2  Voll,  and  a  volume  of  plates.    London  1841.  £)te 

d)ronologtfd)en  Angaben  ftnb  wtebertjolt  aud)  in  bem  neueren 
SSBerfe  beö  SßcrfaffcrS ,  Modern  Egypt  and  Thebes.  2  S3be.  8. 


III.  B.  (?rgcbntfj. 


303 


„©ttten  unb  ©ebrdurf>e  ber  alten  #egt)pter"  eine  £ut>erldfs 
ftgere  unb  anfcbaulicbere  ßenntniß  befugen,  als  felbft  über 
bie  entfpred)enben  3weige  ber  clafftfcben  2ütertf)um3funbe, 
ja  wdbrenb  bie  dgtwtifcbe  ßunjtgefcbicbte  nur  bie  gejtjtettung 
ber  Chronologie  erwartet,  um  urfunbltd)  fixerer  aufgebaut 
ju  werben  nacb  ben  Grpocben  tbrer  Grntwtcflung ,  al§  bie 
betfenifdf)e :  ftnb  wir  obne  alle  ©idjerfyeit  jenfeitS  beS  spunfs 
te$,  wo  bie  3eitrecbnung  bes  jübifrfjen  SSotfeS  im§  ^erlagt. 
£)ie  £)mtaffie,  unter  welcher  ber  2üt$$ug  jrattfanb,  ftebt 
um  brei  Sabrbunberte  in  Ungewißheit,  unb  über  bie  #&ffQ#5 
jeit  ift  nid)t  einmal  ber  Anfang  einer  gorfebung  gemaebt, 
fo  baß  ba3  alte  Oteicb  tfom  neuen  bureb  eine  unüberfebbare 
Äluft  getrennt  ift.  £>ie  ©runbanfebauung  GbampolIionS  von 
ber  £>rettbeiltgf eit  ber  dgpptifcben  ©efebiebte  unb  fein  gldus 
bigeS  gehalten  am  boben  unb  nachweislichen  2(lter  be$ 
dgpptifd)en  3?eicbe3  unb  ber  dgt)pttfd)ett  ©ebrift  ftnb  unb 
bkibm  bie  bebeutenbfte  (5rrungenfcbaft  ber  ^wan^ig  Sabre 
dgt)ptologifd)er  gorfebung  auf  biefem  ©ebiete. 


2öir  baben  bie  Quellen  ber  dgpptifcben  3eitrecbnung 
nacbjuweifen  unb  ben  gefebtebtlicben  unb  ebronologifeben  ©e^ 
balt  ber  UrFunben  anfebaulieb  ^u  mad)en  gefuebt,  we(d)e  un3 
über  biefelben  enthalten  ftnb.  9ttanetbo'3  £iften  ftnb  uns  als 
2Cu^ug  au3  bem  ©efd)tcbtSwer!e,  wenn  gleicb  obne  ben 
ebronologifeben  ©d)lüffel  ober  $anon,  erfebienen:  biefen  tu 
gab  unS  bie  gorfebung  über  Grratofrbene$>  für  ba$  alte  dltid), 
unb  über  2Tpoüoboru$  für  ba3  mittlere.  2Ba3  ber  ©runb 
beS  btö^ertgen  Söflingen»  ber  £erftellung  jener  3eitreibe 
bi^ber  gewefen,  waS  bafür  vorgearbeitet,  b^ben  wir  in  einer 


304  (£rfh?ö  23ud).  dritter  Wdjnitt. 

gefd)icf)tu'cr)en  Ueberftd)t,  jugletd)  in  SSerbinbung  mit  ben 
biblifcfyen  Angaben,  erfennen  gefugt  £)er  2Beg  für  bie 
Grrforfd&ung  ber  £)enfmdler  unb  ber  übrigen  Urfunben  tft 
un$  alfo  fcorge^etefmet ,  unb  erji  nad)  ber  v£>erfMung  ber 
dgt)ptifd)en  3ettret(>e  fonnen  roir  bie  ©letd^^etttgf eiten  befyans 
beln.  2Cber  el>e  wir  l)icr^u  übergeben,  muffen  roir  un$  ju 
ben  Anfangen  be$  dgpptifcfyen  SSolfeS  roenben» 


SSierter  #bfcf)nitt 


3)ie  <&pzafybiibunQ  ber  %t#$pU& 


Gr  i  n  l  e  i  t  u  n 
©ii  allgemeine  Statur  ber  Anfange» 

<\5n  ben  brei  erffen  2Cbfd&nttten  btefeS  33ud)e3  ifr  ber  unge^ 
fdfyre  Umfang  ber  gefcf)id)tltcf)en  Seit  ermejfen,  welche  ba£ 
SSotf  ber  2Cegppter  mit  feffer,  aufammenfydngenber  Safyre^ 
recfynung  t>on  9Äenes>  bis  2(leranber  Durchlaufen  J>at» 
fyol)t  2ttter  unb  ber  n>eltgefcfyttf)tltcl)e  S35ertJ>  ber  Quellen  bte= 
fer  SdtxttimmQ  ftnb  anfcfyaultd)  gemacht,  fo  weit  bieg 
of)ne  bie  gorfcfyung  über  ba£  (Steine  unb  ofyne  bte  $unbe 
ber  £)enfmdler  gefd)ef)en  fann,  £)te  SSerluflc ,  welche  bte 
gorfd)ung  rodfytenb  fo  vieler  Safyrtaufenbe  erlitten,  ftnb  nafy 
gewiefen:  bie  (Erfolge  be£  ebeln  SRmgenS  ber  ©riecfyeh,  be§ 
cfyrijtltcfyen  9ttotgenlanbe3  unb  be3  2lbenblanbe3  nadf)  ber  £er; 
(Teilung  jener  geitteifje,  unb  bie  S3ebeutung  ber  geretteten 
Sfajte  berfelben,  ftnb  gefcfyilbert:  enbltd)  tjt  un3  ber  2Beg  flar 
geworben,  ben  je&t,  nadf)  ber  SBteberentbecfttng  ber  $iero* 
glt)pf)enfd)rift,  unfere  unb  bie  fünftige  gorfd&ung  wirb  roan* 
I.  ,  20 


306  €rfleö  93ud>,  Vierter  Sfbfcbm'tt. 

beln  muffen,  um  ben  lange  vergebens  gefugten  ©chafc  enb* 
lid)  zu  ()eben. 

2lucb  baS  ijf,  hoffen  wir,  wdhrenb  btefer  ttorlduftgen 
^Beleuchtung  beSSBobenS  flar  geworben,  bag  nicht,  wie  man 
gewöhnlich  glaubt,  nur  bie  naefte,  troefene  3eitrecr)nung  allein 
gerettet,  bie  eigentliche  fogenannte  ©efchichte  aber  untergegangen 
fei  20lerbingS,  gäbe  eS  feine  ©efchichte  beS  ©eifreS  in  ßunjt, 
S35tffcnfct)aft  unb  ©itte,  wäre  bie  ©efchichte  auf  pragmatifche 
£)arjtellung  ber  Kriege,  Eroberungen  unb  überhaupt  beS  äuge* 
ren  SebenS  ber  SSolfer  befchrdnft;  fo  würbe  ber  gefchicf)tliche 
(Stoff  ^ur  Ausfüllung  fo  oieler  Sahrhunberte  ber  2legt)pter 
fcJ>r  bürftig  ausfallen.  SBir  müffen  einen  grogen  £f)eil  ber 
Einzelheiten  ber  fogenannten  gefebi ertlichen  Ueberlieferung  über 
bie  2£egtwter  tn'S  ©ebiet  ber  SßolfSfagen  unb  SSolfSmdrcben 
üerweifen,  unb  wir  zertrümmern  gänzlich  baS  morfche  ©es 
bauht,  welches  man  tbeilS  auf  biefen,  theilS  auf  migoerffans 
benen  btblifchen  Ueberlieferungen  als  3eitred)nung  unb  ©es 
fliehte  Aegyptens  oor  ?>fammettch  aufgebaut  unb  überliefert 
hat  Unb  fo  blüht  unS  nicht  oiel  mehr  SBürflichfeit  übrig 
uon  biefer  fogenannten  ©efchichte,  als  waS  unS  bie  fteiner; 
nen  Urfunben  beilduftg  lehren:  ob  zwar  auch  btefeS  üiel  mehr 
tjt,  als  bie  SSerdchter  ber  t>terogt^pJ)trd>en  gorfchung  geahnt 
bet  haben.  2lber  wir  haben  fd)on  in  ber  Einleitung  jenen  er; 
bdrmlichen  ^Begriff  fcon  ©efchichte  als  unferer  Seit  unb  bte= 
feS  ©egenjranbeS  unwürbig  oerworfen,  unb  wollen  barüber 
hier  fein  SÖort  mehr  verlieren. 

SBohl  mochte  eS  unS  gelüffen,  inbem  wir  baS  heilige  ©ebiet 
ber  Anfange,  b.  h.  ber  t>orcbronologtfchen  3ett  2legpptenS  unb 
bamtt  ber  9ttenfd)beit,  betreten,  bie  ©chranfen  unferer  gegem 
wdrtigen  Unterfuchung  zu  burchbrechen,  unb  unS  auf  bie$6he 
ber  ^Betrachtung  z«  fchwingen,  t>on  welcher  bie  S5ebeutung 


Einleitung. 


307 


jener  Anfange  erfannt  unb  ber  SBeg  jit  ihrem  ttolljidnbigen, 
b.  t).  weltgefd)i  ehrlichen,  SSerfrdnbniffe  überfehen  werben  fanm 
Allein  ber  tylan  unfereS  SBerfeS  gebietet  uns,  frreng  auf  dgt)p:: 
ttfd)em  S5oben  ^u  bleiben.  SeneS  SSerjidnbnig  ifr  nur  baburcr) 
möglich,  bag  man  bie  £)enfmdler  ber  dgpptifcben  Anfange 
in  ben  3ufammenhang  ber  weltgefd)id)tlichen  Entwicklung 
bringt:  biefer  Stanbpunft  ber  ^Betrachtung  aber  ifl  bem  fünf* 
ten  33ucf)e  ^ugewiefen.  Sßir  wollen  hier  alfo  nur  einige  SBorte 
fagen  %m  Einleitung  in  bie  folgenbe  tJ>atfdc^lic^e  £>ar|Mung 
ber  dgpptifchen  Urfunben  biefer  Ur jett. 

£)a3  £eben  aller  SSotfer,  bie  in  ber  ©efd)tc&te  auftreten, 
bewegt  ftd)  wdhrenb  ihrer  Anfange  innerhalb  zweier  $ole, 
burch  beren  eleftrifcheS  SBed&felfptcl  ba§  SSolfSbewugtfein  üer; 
mittelt  wirb»  £)er  eine  biefer  $ole  tji  bie  Sprache,  ber  am 
bere  bie  ©otteSüerehrung,  £)urcr)  jene  werben  bie  einzelnen 
£)inge  mit  ben  auf  fte  gerichteten  SBorjMungen  be3  ©eifreS 
in  SSerbinbung  gefegt  unb  ihre  fortfd)reitenbe,  bewußte  Er; 
fenntnig  möglich  gemacht:  burch  tiefe  wirb  ber  £*erfer)r  be3 
SBewugtfeinS  be$  SDJenf  d)en  mit  bem  Sttittelpunfte  alleS  SeinS 
unb  £)enfen3  georbnet  unb  bebingt  £)fme  Sprache  feinet 
ligion,  unb  ohne  urfprünglicf)e$  ©otteSbewugtfem  feine  SSer^ 
binbung  t>on  Sein  unb  Seienbem,  alfo  fein  Safc,  alfo  fein 
SBort,  alfo  feine  Sprache:  ohne  beibe,  Religion  unb  Sprache, 
feine  SBiffenfchaft,  feine  &m#,  fein  SBeltbewugtfein,  alfo  feine 
jtaatliche  Entwicklung,  feine  ©efcfjichte. 

ES  fann  in  biefer  alten  3eit  feine  3eitrecr)nung  geben, 
benn  bie  3eitrecr)nung  fefet  ba3  S5ewugtfein  etneä  Hintergrund 
beS  unb  eineS  gortfcbreitenS  t>orau3,  unb  bieg  ift  erfl  bie 
golge  ber  Anfange,  bie  Stufe  nach  ber  Urzeit 

£)ie  Urzeit  jdhlt  für  un£  nach  Epochen,  nach  Schichten 
be$  9lieberfchlage3  jener  untergegangenen  Sähthunberte  ober 

20* 


308  erfteö  Q3ud)*  Vierter  %W)t\itt. 

Sahrtaufenbe,  welche  ben  gruchtboben  ber  SSotfergefd&tcfete 
bilbem 

S^re  Urfunben  ftnb  (Sprache  unb  SDtythologie :  ii>r  bid)s 
tertfd&eS  £)enfmal,  gletchfam  ihr  ©rabjtetn,  ftnb  SSolfölieb 
unb  S3olf3fage  mit  ihrer  Ueberlieferung  t>on  ©otter^errfd^aft, 
©otterjahren  unb  ben  Gh^dhlungen  oon  ber  ©otter,  £eroen 
unb  2lhnen  SBunbern  unb  ©rogthatem 

£)ag  wir  eS  alfo  ganj  flar  unb  fcharf  f)tnjMen:  wir 
fudfoen  in  ber  dgpptifchen  Urzeit  nid)t  nach  bem  ©inne  unb 
ber  Deutung  oon  9J?drd)en  unb  ©agen,  nach  flugen  —  ober 
tfyörtdjten  —  Gnfldrungen  affronomifcher  Klügeleien  unb  ajlros 
logtfd&er  Starrheiten,  nod)  wollen  wir  ben  t>teten  etymologt^ 
fd)en  ßünjren  neue  hinzufügen,  um  biefe  ober  jene  Meinung 
üom  Urfprunge  be6  23olfe3  n>at)rfd>etnltct)  ja  machen.  £)er 
©egenjtanb  unferer  gorfcr)ung  ftnb  (Sprache  unb  ©otterbils 
bung  felbff :  Ur!unben,  reifer  als  alle  gefcf>tc^tlid>en  ber  alten 
SBelt,  uralte  £f)atfacf)en,  bie  alle  fpdteren  bebingem  £)te  $Rtt 
thobe  aber  für  ihre  S3ef)anblung  wirb  un3  biefelbe  fein,  bie 
wir  bei  ben  Quellen  ber  ^ettfunbigen  ©efd^td>te  angewanbt: 
wir  werben  Urfunben  unb  £hatfad)en  felbjt  überftchtlich  unb 
jebem  unferer  Sefer  oerffanbltd) ,  ja  in  ber  v£auptfad)e  t>otfs 
ffdnbtg  barlegen. 

Unfere  Unterfuchung  wirb  alfo  eine  Dreifache  fein,  £)er 
crfle  ber  brei  folgenben  2lbfd)nitte  wirb  bie  (Sprache  barftek 
len,  ausgebtlbet,  wie  wir  fte  balb  nach  bem  Anfange  be$  9J?e= 
neureiches  ftnben:  ber  zweite  bie  (Schrift  ber  2(egt;pter:  jene 
bie  dttefte  £hatfad)e  ber  SSorjeit,  biefe  bie  jüngfre,  fcr)on 
in  bie  Epoche  ber  oolflichen  Anfange  gehorenbe,  3«>if*en 
beiben  liegen  bie  mptl)ologifd)en  Anfange,  welche  ben  Dritten 
©egenjranb  unferer  Unterfuchung  bilben.  2Me  ®rf>rift  i|r  dugers 
lieh  unb  innerlich  S5ebingung  ber  Seitrechnung,  Sftit  ihr  tritt 


(Entfettung. 


809 


baS  S5olf ,  dgt>pttfrf)  in  (Spraye  unb  ©otteSbewugtfem,  in 
jenes  üolle  33ewugtfein  weltgef<$id)tltcf)en  SBefranbeS,  welches 
bie  3^^nung  bebingt.  2Cud)  f)ier  §etgt  ftd)  baS  dg^pti^ 
fd)e  2Sotf  als  bas  weltgefd)icf)tlicf)e  £)enfmafoolf  ber  (£rbe. 
3n  ber  erfreu  (Stufe  ftnben  wir  ein  ttollftdnbig  ^er^ufrellenbeS 
©pracfyfpfrem,  unb  $war  üon  einer  S3ebeutung  für  bie  Qtx? 
fennrnig  beS  CnitwtcflungSgangeS  ber  (Sprache,  wie  hin 
anbreS  §Bolf  fte  beftfct.  Sn  ber  ^weiten  begegnen  wir  einem, 
ebenfalls  fcr)on  in  ber  urgef<$id)tli<f)en  Seit  auSgebilbeten 
©pjreme  von  ©otterf  reifen.  2(u$  ber  britten  ift  unS  ein  ntd^t 
minber  weltgef$id)tlicr)  merfwürbtgeS  ©d^rtftfpfrem  erhalten, 
mit  welchem  baS  9ftene3reicf)  in  bie  ©efcr)icr)te  eintritt  ttn^ 
fere  9Mf)obe  wirb  in  allen  biefen  Urfunben  ffreng  baS  Ur; 
gefcbicfytlicfje,  2(eltejfe,  t>on  ber  fpdteren,  geftf)id)tlicf)en 
bilbung  unb  gortbttbung  $u  fdjeiben  futfjen. 

3f)re  eigentliche  SBegrünbung  unb  f)öd)ffe  ©ewdrjr  liegt 
in  ber  ttnterfudjung ,  welche  wir  bem  fünften  33ud)e  haben 
vorbehalten  muffen.  3Ba3  wir  barüber  hier  beibringen,  mag, 
wie  baS  eben  ©efagte,  einfad)  als  praftifd)e  Klärung  ber 
£)ar|Mung  felbfr,  nid)t  als  S3erfud)  einer  pr;i(ofopr)ifcr)en  Sßt- 
grünbung  angefehen  werben» 


310  @rftc$  Q3ud).  Vierter  5lbfd>nitt. 


@rfteö  £aupt{tücE* 

©efcfncfjte,  ©tanbpunft  unb  9ttetf)obe  ber  gorfefjung 
über  bie  (Sprache  ber  2Cegr)pter* 

3)er  33ewei$,  bag  bie  altdgt)ptifd)e  (Spraye  im  SBe^ 
fentlicben,  fo  weit  wir  fte  kennen  ober  erforfcfyen  mögen,  ein 
Grrbtbeil  war,  weld)es>  ^enes*  unb  fein  3ieid)  t>on  ben  SSor^ 
üdtern  überkommen  b^tte,  liegt  auf  ber  ^anb.  2Öir  bes 
ftfcen  Denkmäler  t>on  ber  britten  Stynajtie  bis  $ur  zwölften 
(ber  öorle^ten  be$  alten  3?etcf>6) ,  fcor^ugSwetfe  üon  ber 
ferf))ren  unb  ber  vierten:  in  btefen  allen  ftnben  wir  biefelbe 
©pracbe  unb  biefelbe  ©d&rtft:  beibe  in  SBortbilbung  unb 
SBortfügung  nur  bureb  kleine  Grin^elbetten  &u  unterfd)eiben 
t)on  (Spracbe  unb  ©cfyrift  bcS  neuen  dlcityS,  namentlich  fei* 
ner  bdbm  erften  unb  berühmteren  £)miafrieen ,  ber  acht- 
zehnten unb  neunzehnten.  £)iefe3  £>enkmal  ber  Urzeit  gilt 
e3  im  gegenwärtigen  2lbfd)nitte  oor  2lugen  legen. 

3Me  (£mbeit  ber  alten  unb  neuen  dgpptifcben  (Sprache 
warb  tton  ben  Äircbent>dtern  einjtimmig  erkannt.  2(ber  So= 
fepbuS  Ijatte  aud)  bereits  ben  Unterfrf)ieb  jwtfcben  „bem  fct? 
ligen  &ialdt"  unb  ber  gewöhnlichen  (Sprache  angemerkt. 
Sebe  beilige  (Sprache  ift  aber,  ibrer  Sftatur  nach,  nichts  al§ 
eine  ehemalige  SBolkSfpracbe,  welche  bureb  beilige  SBücber 
feftgebalten  worben.  (So  ba3  v£>ebrdifcbe  im  ©egenfafce  beS 
fogenannten  dbalbdifcben:  baS2Cltbellenifcbe  in  ber  griedn'fcben 
Ätrcbe  neben  bem  ^eugriedjifcben:  ba3  £ateinifcbe  neben  bem 
Stomanifcben:  ba§2tttflat>onifcbe  neben  ben  neueren  flamfcben 


I.  ©efcf)td)te  ber  gorfdjuna,  über  bie  (gpraaV  ber  2legppter,  311 


©prägen,  £)arau3  folgt  nun  allerbingS  nicht,  bag  bie  neuere 
(Sprache  allenthalben  ber  unmittelbare,  unvermittelte  @pro§ 
ber  heiligen  (Sprache  fei:  ba3  wahre  S3erhdltntg  beiber  liegt 
am  anfchaulichften  bei  ben  romanifchen  unb  flavifchen  <Spra^ 
dt)en  vor,  <So  folgt  alfo  auch  nicht,  bafi  bie  ..gemeine  <Spra; 
tf)e"  ber  2(egvpter  bie  unmittelbare  Softer  ber  heiligen  (Spra* 
che  biefeS  SßotfeS  fei:  aber  ihr  Unterfd)ieb  von  biefer  wirb 
nur  ein  bialeftifcfyer  fein,  ba  mir  in  2(egt)pten  nur  auf  eine 
3wetheit  be3  nationalen  33ewugtfein3 ,  £)ber^  unb  Untere 
dgppten,   ^urücfgehen  fonnem  mar  alfo  mit  jener 

^unbe  fo  t)iel  gegeben,  bafi  bie  (Sprache  ber  chrijfttchen 
gt)pter,  Zopten  genannt,  nichts  fei  als  eben  ber  jüngere 
3weig  ber  dgtwtifchen  (Sprache,  bie  fpatefte  gorm  ber 
SBolfsfprache,  nur,  von  bem  3eitalter  ber  $)tolemder  an,  mit 
gried)ifcf)en  SBörtem  unb  SÖortformen  vermengt,  unb  feit 
bem  tütttn  ober  vierten  Sahrhunbert  mit  einem  Alphabet 
gefcfyrieben,  welches  auger  ben  24  ^auptbucfyjhben  beö  ©rte^ 
d^ifdjen  noch  fünf  altdgtjptifche  enthalt,  £)iefe  Anficht  \)kh 
ten  bie  großen  ©elehrten  ^ur  3eit  ber  £erfrellung  ber  2Btf= 
fenfehaften  fe|r,  welche  fid)  mit  2legppten  befcf)dftigten;  boef) 
war  eS  juerft  ber  beutfd)e  Sefuit  2ltf)anaftu3  $ircher 
in  9?om,  welcher  im  Saln*  1636  burd)  feinen  Prodromns 
Aegyptiacus,  unb  bann  1643  burd)  bie  Lingua  Aegyptiaca 
restituta  ftd)  baS  Berbienft  erwarb,  ein  allerbmgS  fehr  um 
juverldfftgeS  SÖBorterbud)  ber  foptifchen  (Sprache  l)er^uftel= 
len 1 7  5X  &  benu^te  babn  bie  f optif ch^arabtfehen  Söorterbücher 
von  (Semnubi,  eine  arabifd)  gefaßte  (Sprachlehre  unb  einige 
foptifche  £erte,  welche  ^ietro  bella  SSalle  nach  fRom  gebracht 

175)  ©♦  über  bie^  unb  baö  $olgenbe  bie  fetyone  Unterfudjung  »on 
Etienne  Quatremere ,  Recherches  sur  la  langue  et  la  litd- 
rature  copte.  Paris  1808.  @.  48  ff. 


312 


€rfh?S  <5ucf>*  Vierter  Wfönitu 


hatte,  fo  wie  bie  (Sammlungen  t>on  ?)etrefc»  2ttlein  feine  betrü* 
gerifchen  Erklärungen  ber  £)beliSfeninfcbriften  verführten  ihn, 
nicht  allein  foptifeben  Sßortern  falfd&e  28ebeutungen  beizulegen, 
fonbem  auch  SBörter  aufzuführen,  »on  benen  er  am  heften 
wugte,  baß  fte  erbietet  waren.  <5almaftu3  machte  üonbie; 
fen  Arbeiten  einen  im  ©an^en  glücklichen  ©ebraud),  um  mehrere 
t)on  ben  2llten  überlieferte  dgt>pttfct)e  Sßorte  $u  erklären, 
wohl  e3  in  Europa,  namentlich  in  9?om  unb  $art3,  £anb* 
fünften  t>on  ber  fefyr  alten  unb  febd^baren  Ueberfe^ung  beS 
neuen  SejhmentS  gab,  unb  obwohl  in  $om  ftcb  immer  fop* 
tifebe  ^Priejrer  aufhielten,  fo  warb  bod)  erft  im  Anfange  bes> 
18ten  Sabrbunbert6  eine  (Schule  foptifeber  ^P^tfotogte  burd) 
preugifebe  Geologen  gefriftet  £)er  ©rünber  war  £)aütb 
SGBtlf in welcher  in  £)rforb  baS  neue  Seflament  (1716) 
unb  ben  ^Pentateucb  (1730)  Verausgab,  (£r  unterrichtete  3a; 
blonSft  unb  thnttt  feine  2Cbfcbriften  foptifeber  33ücber  bem 
^Prebiger  £a  @ro^e  mit.  tiefer  btavbciUtt  ein  foptifcbeS 
Sßorterbucb,  gelangte  aber  nie  beffen  Verausgabe.  £)ie 
Vanbfchrift  fam  nach  Serben:  J)ter  lieg  fte  (Scholz,  9)rcs 
biger  in  ^Berlin,  bureb  SBoibe,  einen  geborenen  tyoUn  unb 
ettangeliftfjen  ©otteSgelebrten,  abtreiben.  Söoibe  legte  fiel) 
nun  mit  großem  (Erfolge  auf  weitere  Jorfchung,  t>on  ©eorg  III. 
unterftü^t,  unb  gab  1775  £a  (Sro^e'S  SBorterbud)  febr  be^ 
reichert  beraub.  (Seine  Verausgabe  ber  33rud)jfücfe  ber  tbe= 
baifcf)en  Ueberfe^ung  bes>  neuen  SeftamentS  (£)rforb  1799) 
gewahrte  perft  eine  urfunbliche  Äenntnig  biefer  Sftunbart, 

gür  bte  2lnwenbung  beS  Äoptifchen  auf  bie  dgpptifchen 
tarnen  waren  in  biefer  (Schule  SablonSkt'S  Arbeiten  baS 
S5ebeutenbfte176X    (Seine  Erklärung  aller  erhaltenen  dgpp^ 

I76)  Pauli  Em.  Iablonskii  Opuscula,  ed.  Te  Water.  Lugd.  Batav. 
1804.  3  S5be.  8. 


I.  ©cfd)td)te  ber  gorfdjung  über  bie  ©pradje  ber  2(egt)pter.  313 

ttfd&en  ©otter  =  unb  ÄömgSnamen  unb  anberer  SBorter  ber 
alten  ©prad&e  leitet  was  bamalS  moglid)  war»  2Cber 
obgleich  ba3  Äoptifdfoe  in  feinen  nationalen  S5eftanbtt)eilen 
bem  2Cltdgt)ptifcr)en  ndfjer  frefyt,  atS  ba$  9^eugried)ifc^e  bem 
2Cltf)ellemfcf)en ;  fo  fonnte  eS  bod&  nod&  t>iel  weniger  gelin; 
gen,  dgt)ptifd)e  SBorter  au3  bem  £optifd)en  erfldren,  als 
man  im  Staube  fein  würbe,  #omer  au£  ben  neugriecfyifcfyen 
SSolfSliebem  $u  entziffern.  £)enn,  wie  wir  balb  feJjen  wer; 
ben,  ee>ififelb|l  ein  altdgpptifcfyeS  SOSorterbud^  ofyne  erfldrenbe 
SBilberfcfyrift  eine  fefyr  ungenügenbe  Angabe  ber  SBorter.  £a; 

fommt,  baß  bie  foptifd&e  Sprache  bei  ifyrer  SBortbtlbung 
eine  Spenge  t>on  ^artifeln  gebraust,  welche  ber  dgtjptifcfyen 
fremb  ftnb,  unb  ben  2lrtifel,  fo  wie  bie  perfonltcfyen  ^rono; 
mtnaWfirc  bei  9tan;  unb  «Sagewort  regelmäßig  üorn  an; 
fefet,  welche  bie  alte  Sprache  ber  SBur^el  anfangt  So 
muß  eS  niemanben  wunbern,  wenn  ftd)  je^t  bie  meijlen  je; 
ner  (grflärungen  als  gan^lid)  öerfe^t  jetgen. 

Sieben  biefer  Sd)ule  barf  nicfyt  üergeffen  werben,  baß 
ein  2(egt)pter,  ber  in  SRom  lebenbe  fopttfcf)e  ©eiftlicr)e  £uft, 
ben  spfalter  (1744)  Verausgab,  aud)  eine  fopttfcf)e  Sprad); 
lefyre  verfaßte,  welche  au3  bem  2lrabifdf)en  gebogen  tft  unb 
1778  in  dlom  erfcfyien. 

2Me  erffe  umfaffenbe  2Crbett  jur  £5efanntmacr)ung  an; 
berer  foptifd>er  Sßerfe  unternahm  ber  bdnifebe  $f)ilologe 
unb  2£rcf)dologe  3oega  in  Sftom,  wo  bie  Sd&dfce  ber  t>a; 
ttcantfdjert  33tbliotl)ef  unb  befonberS  bie  Sammlungen  be§ 
@arbinal$  SBorgia  eine  reiche  gunbgrube  für  foptifcfye  Spradl); 
funbe  bilbeten.  3oega  fyatte  Sterbet  bie  (5rforfc$ung  be3 
dgt)ptifd)en  2Cltertf)um$  »or  2fugen,  in  weld&eS  einjubrin; 
gen  biefe  «Sammlung  unb  fein  tief  gelehrtes,  grünblidf)  for; 
fcr)enbe$  SBer?  über  bie  £)belt3fen  $om$  (1792)  einen  f)el; 
benmütf)tgen  SSerfudb  mafytt.    Settbem  tjl  bie  Äenntniß 


314 


€r|teö  Q3ud).  Vierter  2l&fd)ttitt. 


ber  foptifcf)en  @prad&e  burd)  bie  2öörterbttd)er  unb  (Sprach 
lehren  üon  Zattam  unb  ^epron,  befonberS  bie  beS  k%U 
genannten  frttifd)en  unb  clafftfd)  gebilbeten  gorfcfyerS,  bebeu* 
tenb  gefordert  £)ie  in  ben  legten  Sagten,  fcornefjmlid)  burd) 
bie  Vemüfmngen  be$  eüangelifdjen  SO^tffionarö  lieber  in 
Raixo  unb  butd)  £attam  bewetfftelligte  2Cufftnbung  fdmmt* 
lieber  33üd)er  beö  alten  33unbe3,  mit  2CuSnafnne  ber  (immer 
nod)  ntd)t  entbe(ften)  S3ürf)er  (Samuels  unb  ber  Könige,  lagt 
unS  balb  eine  Vereiterung  unb  Berichtigung  beS  foptifcfyen 
(5prac^fd)a^e6  tterboffen.  £>ie  bdbm  bis  jefct  erfd)ienenen 
S5dnbe  ber  Einleitung  ju  ©cfywarfee'S  großem  dg^pttfcfyen 
SBerfe177)  geben,  auger  ber  ©efdbtd&te  ber  dgpptifcfjen 
<5prad)forfdf)ung  bis  $u  GbampollionS  &obe,  üorjugSroetfe 
Unterfudjüngen  über  baS  $optifd)e,  unb  feine  eben  erfcfjeb 
nenbe  frtttfd)e  2(uSgabe  beS  ^falterS  ift  ebenfalls  eine  f)öd)ft 
wichtige  (5rfd)einung  im  ©ebiete  ber  fopttfdjen  ©prad); 
wnjfenfd&aft, 

2BaS  aber  bie  (£rforfd)ung  ber  altdgpptifdjen  ©pracfye 

betrifft,  fo  fonnte  erft  bie  CntfbecFung  ber  £ieroglppf)enfcf)rift, 

welche  wir  im  folgenben  2lbfd)nitte  barjMen  werben,  eine 

fixere  ©runblage  bafür  bitten :  jeboefy,  bag  wir  eS  gleid) 

f)ier  bemerken,  nur  burd)  bie  oon  ßfjampollion  befolgte  SDte 

tfyobe,  bie  ber  £)enfmalforfd)ung,  unb  x>ox  7(Utm  burd)  bie 

SSergleicfyung  bieroglppbifdjer  £erte  gleiten  SnfyaltS  unter  eins 

anber  unb  mit  l)ieratifd)en  £anbfd)riften,    2dlerbmgS  fdjetnt 

eS  9ftancf)en  nod)  jefct  ein  3irfel  ju  fein,  bag  man  eine,  ge^ 

wiffermagen  unbefannte  ©pradbe  burd)  eine  ©d&rtft  entbeefen 

t77)  Dr.  $fl.  ®.  (gdjrcarfce,  ba$  alte  Xegqpten,  ober  (Spraye, 
©efätc^te,  Religion  unb  SBerfafTuna  beS  alten  2fegr)ptcnö. 
(Srfter  Sljetl,  SDarflelluna,  ber  pometymften  (5ntsiffcrung6fr)* 
fteme  ber  3  altdgt)ptif^en  (Schriftarten*  ßeipsig,  bei  SSartb. 
SSiS  jefct  2  2n>tl;etluna,en,  in  2183  jweifp*  ©eiten,  in  &uart. 


I.  ©efd)td)te  Der  gorfd)ung  über  bie  ©prad)e  ber  2legt)pter.  315 


wolle,  beren  Äunbe  gdnjlid)  untergegangen,  unb  bie  wie; 
berum,  fobalb  fie  über  tf>re  £6nig3namen  hinaufgeht,  tfc 
rer  Rechtfertigung  unb  SMenbung  ber  (Sprache  bebarf,  »eis 
dje  f)erge(!eüt  werben  foll  Mein  @hampollton6  ©eniuS  jer^ 
fchnitt  tiefen  Sirfel  burd)  jwei  mit  groger  ©eiffeSfraft  burcfc 
geführte  ©ebanfen.  (5r  tykit  juerfit  fefl,  unb  im  20lgemeU 
nen  mit  ooüem  Recht,  bag  bie  dgpptifc^en  SBurjeln  unb 
formen  ftd)  im  Äoptifd)en  ermatten  haben.  £)ann  aber  ging 
er  barauf  hin,  bei  bem  Langel  jweifprad)iger  £)enfmds 
ler  auger  bem  Rofetteftein  unb  ber  turiner  ©tele ,  bie  ?)a; 
ppruSroHen  be£  £obtenbuch3,  welche  t^etB  in  reiner  SßiU 
berfchrift,  tt>etta  in  t>terattfdt>er  S3üd)erfd)rift  tterfagt  finb, 
für  bie  (Sntbecfuncj  biefer  Sprache  felbft  $u  gebrauchen.  £)a 
ndmlicf)  ein  2öort  eben  fo  gut  burd)  fein  llbbito  ober  (Sinn; 
bilb  gefchrieben  werben  fann,  als  burd)  bie  Silber  feiner 
Saute,  b.  f).  feiner  (Selben  unb  S3ud)ftaben ,  unb  ba  es>  wie; 
berum  fajt  für  jeben  Saut  üerfchiebene  Seichen  giebt;  fo 
fommt  e§  nur  barauf  an,  bie  t>erfd)tebene  (Schreibart  etneS 
unb  beffelben  SBorteS  &u  Dergleichen.  £)ie  Sautjeichen  geben 
baS  SBort,  ba3  23tlb  flellt  gewöhnlich  ben  burch  baS  Söort 
auSgebrücften  ©egenjlanb  bar,  unb  giebt  alfo  bie  33ebeutung. 
3jl  biefe  einmal  gefunben,  fo  tfl  e3  wenigstens  wahrfchem; 
lieh,  bag  eine  bemfelben  S5ilbe  beigefchriebene  anbere  Sau; 
tung ,  wenn  gleich  nicht  alle  ihre  Seichen  fd)on  begannt  fmb, 
baffelbe  Sßort  auSbrücte.  3«  folgen  ^Begleichungen  nun 
bktm  fchon  bie  £>enfmdler  vielfache  ©elegenheit.  2)enn  fte 
geben  —  wie  namentlich  bie  ©rdber  t>on  SBenihaffan  au§  ber 
zwölften  £)pnaftie  —  oft  bie  reinen  2£bbilber  ber  bambtn  in 
Sautbilbem  gefchriebenen  ©egenftdnbe  —  Spiere,  ^ffanjen 
u.  bgl  ©o  h«t  man  alfo  S3ilb  für  Saut  unb  Saut  für 
SBilb,    Sn  folgen  gdllen  nun  bewahrt  in  ber  Regel  ba$ 


316  ertfes  93ud),  Vierter  Mfänitt. 

.ftoptifd&e  jenen  Saut  treu  für  benfelben  ©egenfranb,  ober 
Qtebt  wenigftenS  bie  2Burjel,  auS  ber  jene  Söebeutung  ftcf) 
letc^t  erflärr.  £)ieg  tjl  eine  Styatfad&e,  t>on  welcher  fidf)  jefet 
Seber  tetd^t  überzeugen  fann.  £)a^u  fommen  nod)  ^roet  be; 
fonberS  günfltge  Umftdnbe.  £)ie  ©etyrift  felbft  ^at  —  rote 
wir  unten  fef)en  roerben  —  eine  groge  2£njat)(  t>on  ©attungs* 
bilbern,  woburef)  angezeigt  wirb ,  bag  baö  lautlid)  Oberauel 
ftnnbilblicf)  gefdjrtebene  SBort  ein  Sfyier,  eine  ^Pflan^e,  ein 
detail,  eine  ©teinart  be$eid)ne,  ober  aud)  einer  geroiffen 
2Trt  oon  $anblungen  unb  3uftdnben  angehöre,  wie  ber, 
klaffe  ber  tfyätltc&en  (tranfttfoen)  ©ageworter,  ober  gewalt; 
tfydtiger  ober  milber  i)anblungen,  ober  fold>er,  bie  einen  3«5 
fammenfyang  mit  3?eben,  2eurf)ten,  ^Brennen  u.  bgl  t)aben. 
%ud)  f)ierburd)  wirb  ber  (Sinn,  mit  SBenu^ung  beS  foptu 
fcfyen  SßorteS  t>on  entfpreebenber  S3ebeutung,  burd)  bie  SSer^ 
gletcfeung  t>on  £aut;  unb  ©innbilbäeidjen  fer)r  oft  mit  ©i; 
djerfjeit  benimmt  werben  fonnen.  Ghtblid)  enthalten  bie 
£enfrndler  aller  2(rt  eine  fe(>r  groge  Hn^aty  wieberfefyrenber 
gormein,  welche  balb  abbilblid),  balb  ftnnbilblicf),  balb  lauU 
bilbltdj  gefcf)rieben  werben.  jDft  ift  ber  ©inn  flar,  aber  bie 
2Cu3fprad)e,  ba3  2öort  fef)lt:  oft  tjt  baö  Sßort  ausgemacht, 
aber  ber  ©inn  unbekannt.  £ier  nun  tritt  allerbingS  bas> 
Äoptifd&e  fef)r  oft  auSfyelfenb  ein:  allein  bie  ©ewigfyett  giebt 
erft  eineS  SfjetlS  bie  SBergleidjung  bee>  ©inneS  oerfdjiebener 
©teilen,  unb  zweitens  bie  2ütfftnbung  beS  £3ilbe3  in  einer 
unb  berfelben  gormel.  ©o  weit  reiben  bie  £)enfmdler.  2te 
lein  Gfyampollion  warb  balb  gewahr,  bag  jene  in  mehreren 
©rdbern  gefunbenen,  in  ^ieroglppfyen  s  ober  f)ieratifcr)er  ©cf)rift 
verfaßten,  ^appruerollen,  mit  DarjMung  be3  ßeicfyenbegdngi 
niffeS  unb  be3  £obtengerid)teS,  mefyr  ober  weniger  üolljrdn- 
btge  £anbfd)rtften  befjelben  S3ud)e3  feien,  ndmltcfy  be£  im 


I.  ©cfd)td)te  ber  gorfdmng  über  bte  (Spraye  Der  Slegppter.  317 


erften  Kbfömttz,  bei  Den  heiligen  33ücf)ern  ber  2(egt;pter,  nd; 
her  betrachteten  £obtenbuche§.  (5ine  berfelben  war  in  ber 
33efd)reibung  2legppten3  abgebttbet;  ßhampollion  fanb  bte 
t>ollfrdnbigj!e  aller  in  bem  turiner  9Jhtfeum  unb  legte  Don 
bem  2(ugenblttfe  an  biefe  unfchdfebare  Urfunbe  feiner  Sprach* 
forfchung  $u  ©runbe.  2£uf  biefem  SBege  ttor^ugSweife  ent* 
becfte  er  nicht  weniger  bie  dgpptifche  (Sprache  als  bte  dgt>p; 
tifche  ©chrift,  unb  ba$  benf  würbige  (£rgebntg  einer  folchen 
beruften,  tterjidnbigen  unb  geijrreichen  gorfd)ung  liegt  feit 
1841  in  ber,  nach  feinem  £obe  (oon  1836  an)  herauSgege* 
benen  dgtwttfchen  (Sprachlehre  üollffdnbig  üor  2utgen.  (5twa 
brethunbert  SBorter  ber  altdgtwtifdjen  (Sprache,  auf  jene 
SEBeife  urfunblid)  gefunben,  r)at  er  in  berfelben  aufgeführt, 
unb  eine  bebeutenb  größere  Hn^aty  liegt  in  bem  eben  jefct 
(Sebr.  1844)  üoüjtdnbig  erfchienenen  dgpptifchen  SBorterbuche 
t>or,  £)ie  Sntbecfung  etne£  jeben  berfelben  fe^t  lange,  müh- 
fame  gorfchung  unb  glücflicr)e  2£nfd)auung  unb  SSerbinbung 
t>orau5,  unb  bie  ©efd^tct)te  feiner  2(ufftnbung  würbe  eine  2£b; 
hanblung  erforbern. 

2Cuf  biefem  mühfamen,  aber  einzigen  SBege  ftnb  bem 
großen  SJta'jter  bisher,  fo  weit  bie  S3üdf)er  e6  auSweifen, 
nur  ^wei  Stalidner  unb  ein  £)eutfd)er  nachgefolgt:  fRo* 
fellint  unb  (Saloolini,  beibe  @ef)üler  t>on  ßhampollion ,  unb 
£epfüi§.  Sppolito  Sfrofelltnt'S  philologifche  'Kxbtikn  über 
bie  dgpptifche  (Sprache  ftnb  in  bem  £erte  feinet  großen 
SßerfeS  gerfhreut,  t>on  welchem  wir  noch  oft  ju  reben  hö- 
ben werben,  unb  geigen  einen  gewiffenhaften  unb  fdt)arfs 
finnigen  gorfcher.  5Ba3  ©afooltm  unb  2epftu3  betrifft,  fo 
werben  wir  beiber  SSerhdltniß  p  einanber,  ju  @hampollion 
unb  jur  SBtjfenfchaft  unten  bei  ber  ©efchichte  ber  Gfntbecfung 
ber  dg^ptifchen  (Schrift  naher  beleuchten»   %btt  (Salüolk 


318 


<£rßed  Q5ud>.  Vierter  Mfänitt. 


nt'3  drrfldrung  ber  9famfes ^apprus  unb  ber  hierogfyplji* 
Wen  Snfcbrift  oon  Stofette  (1835  unb  1836)"  würbe  fd)on 
hier,  a(8  ber  erjte  SSerfud)  pbilologtfd)er  SBebanblung  einer 
dgpptifchen  UrFunbe,  genannt  werben  muffen,  wäre  nur  aus* 
gemacht,  wie  t>iel  bavon  ihm  jugef)6rt  unb  ntd^t  aue>  ben 
veruntreuten  ober  entwenbeten  papieren  bes  ßehrerS  genom; 
men  fei.  Die  wifjenfd)aftliche  3erglieberung  ber  ©pracbe  be; 
ginnt  mit  !R t rf) a v b  ßepftuS  ©enbfd)reiben  an  SRofrU 
üni  (2(nnalen  bes  ard)dologifcben  Snftituts  $u  Sftom,  1837), 
befonbers  burco  bie  barin  enthaltene  Berichtigung  einiger 
burd)gef)enben  grammatifchen  Sfftißgrifft  Gihampollions ,  fb 
wie  burrf)  bie  Grntbecfung  unb  (£rfldrung  mehrerer  xvifytv 
ger  dgvpttfcher  SBur^eln  unb  SBorter.  Damit  ber  oon  ihm 
eingefd)lagene  SBeg  jur  fortfd)reitenben  Grntbechmg  ber  alten 
heiligen  (Sprache  2tllen  zugänglich  werbe,  ftat  er,  mit  berfek 
ben  foniglidfjen  Unterfrü^ung ,  welcher  bie  SBtffenfchaft  feine 
9?eife  oerbanft,  jene  ©runblage  aller  &ertoergletd)ungen,  ba3 
Sobtenburf),  nad)  bem  turiner  $>apprus  unmittelbar  oor 
feiner  2£bretfc  herausgegeben  (1842),  wie  wir  fd)on  oben  bei 
ber  Unterfudjung  über  bie  heiligen  33üd)er  ber  2legppter  be; 
merft  hoben.  9£ad)  fetner  9?üd?ehr  bürfen  wir  bie  vergieß 
d)enbe  SSefanntmadnmg  anberer  2Ibfcbriften  beffelben  äßerfes 
erwarten;  er  befifct  für  einige  2£bfchnitte  bis  gegen  achtzehn 
£erte.  Daburd)  wirb  ber  eine  £aupttl)cil  bes  SBerfyeuges 
vorliegen,  mit  welchem  jener  ©elehrte  fo  methobifd),  fo  ge* 
wiffenhaft  unb  fo  erfolgreich  gearbeitet,  ©cbon  jefct  aber  tfi 
burd)  ben  2(bbrucf  bes  turiner  Sobtenbuches  bie  ©runblage 
aller  fruchtbaren  philologifchen  gorfdmng  über  bie  altdgpptu 
fche  @prad)e  gegeben.  2Bas  ben  ^miUn  v^aupttheil,  bie 
Denfmdler,  betrifft,  fo  bkttt  namentlich  bas  $ofettmi'fd)e 
SBerf  bem  gorfcher  einen  reichhaltigen  unb  ^uverldfftgen 


I.  ©tanbpunft  tu  9Mb.  t»cr  gorfd).  üb*  bie  ©pracbe  ber  2(eg.  319 

©toff,  unb  in  ben  Ghrfldrungen  be3  eblen  unb  gelehrten  SSerfaf* 
ferS  willfommene  £ülfe  unb  Unterftü^ung  für  ben  felbft  for* 
fchenben  £efer. 

2ln  ßhampollion  unb  ßepfuis  ftch  anfchließenb ,  f)at  im 
Sahr  1841  ein  beutfcher  ©eleJjrter,  (5arl  Sltteper,  bie 
©runblinien  einer  dgtjpttfdben  ©prad)  s  unb  ©chriftlehre  tnU 
worfen:  in  einer  ausführlichen  33eurtf)eilung  t>on  ßhampok 
lionS  (Sprachlehre  unb  ßepfuiS  ©enbfchreiben 17  8).  2Btr 
hoffen,  baß  biefer  geiffreiche  unb  gelehrte  <5prad)ftmbige  bie 
2Cuffdfce,  welche  fchon  jefct,  trofc  einiger  gewagten  33ef)aup; 
tungen,  über  bie  wichtigen  unb  bunf  elften  fünfte  ber  alk 
gemeinen  (Sprachfunbe  ein  fo  überrafchenbeS  Sicht  werfen, 
ju  einem  felbffdnbigen  SBerfe  oerarbeiten  werbe. 

d$  Unn  unfern  Sefern,  nach  oem  ©efagten,  nicht  jweis 
felhaft  bleiben,  welche  9ttetf)obe  wir  für  bie  geeignete  §aU 
ten,  um  ju  einer  gerichtlichen  £)arftellung  ber  (Sprache  gu 
führen  unb  bie  altdgr;ptifcr)e  (Sprach  forfchung  wefentlich  unb 
ftcher  ju  förbern.  £)a3  SSerftdnbniß  be3  .ftoptifchen  tft  eine 
unerläßliche  SSorbebingung;  unb  hier  h<*t  (Schwarbe  eine 
neue  S5ahn  gebrochen,  tnbem  er  bie  foptifche  Philologie  mit 
ber  allgemeinen  beutfehen  <Sprachforfcf)ung  in  ihrem  weiteren 
Umfange  in  SSerbinbung  gebracht  Sa  wir  flehen  nicht  an 
ju  behaupten,  baß  alle  Hoffnung  bebeutenben  gortfchreitenS, 
jenfeitS  be$  oon  @h<unpollion  ©eleifteten  unb  von  feinen  bret 
Nachfolgern  ergänzten  unb  berichtigten,  ihre  unerläßliche 
SSorbebingung  mehr  als  je  t)axin  hat,  baß  ber  2legpptologie 
eine  gleich  grünbliche  Äoptologte  &ur  (Seite  gehe.  Qt$  giebt 
Snfchriften  —  wie  bie  ber  £>beli3fen  —  unb  ganje  (Seiten 

178)  ©etefcrte  feigen  ber  f.  bo^enfa^cn  2(fabcmtc  ber  Sötffen* 
fäaften.  1841.  (Srjiet  Hrttfel  SRr.  66  —  71.  3wettcc  2fr* 
tifel  «Rr.  238  —  245. 


320  @rfle$  Q5ud).  Vierter  2fbfd)tittt. 

beS  SobtenbudfoeS,  welche  jefet  im  öffentlichen  gelefen  unb 
crfldtt  werben  fonnen,  fo  gut  oI§  bie  f)teroglt)pf)tfc§e  3n* 
fcfyrtft  üon  S?ofcttc  mit  $ülfe  unb  Seu^ntg  be3  griedjifdjen 
£erte3  würflief)  großenteils  lesbar  unb  erfldrbar  ift,  wie 
benn  in  ber  £auptfacf)e  ßfjampotlion  beibe  dgt)ptifd)e  Serte 
berfetben  bereits  t>or  ber  Sfetfe  nad)  2(egt)pten  la§«  Mein 
wir  fagen  mit  berfelben  S3efHmmtf)ett,  bag  fein  9^enfd&  lebt, 
welker  im  ©tanbe  wäre,  irgenb  einen  2Cbfd&mtt  beS  lobten* 
bucfyeS  ganj  &u  lefen  unb  ju  erfldren,  noef)  t>tet  weniger  eine 
ber  gefcf)id)tlid)en  ^aptjruerollen.  £)ie  S3ebingung  beS  gorts 
fd^rettenS  nun  tjl  eine  lebenbige  Äenntmg  beS  Äopttfd&en« 
£)urcf)  fte  fonnen  bie  unoer  jldnblt<f)en  Sßorter  fo  weit  erras 
tfyen  werben,  als  ^u  einem  weiteren  oergfeicfyenben  Jorfdfjen  im 
2(eg9p  tifd)en  felb|t  notfywenbig  tji.  £)enn  tton  ben  etwa  900 
3eid)en,  £auts  unb  ©innbilber  jufammengered&net,  welche 
bie  £ieroglt?pf)enfd)rtft  jetgt,  fonnen  wir  etwa  700  lefen; 
unfere  <5d)wierigfeit  liegt  alfo  überwiegenb  im  Sßerfiefyen  ber 
(eßbaren  ©ruppem  Sn  biefer  S5e^tet)ung  fann  man  bie  txU 
ttfcfye  unb  lebenbige  Äenntnig  bei  Äoptifdjen  nid)t  fyorf)  ges 
nug  anfd)lagen,  unb  baju  wäre  felbjl  baS  2luffaffen  ber 
2lu3fpra<#e  v>on  ben  Sippen  ber  wenigen  foptifcfyen  spriefier, 
in  welchen  bie  Ueberlieferung  berfelben  noef)  lebt,  oon  groger 
2Bicf)tigf  eit:  am  wichtigsten  aber  bleibt  bie  SSeroollftdnbigung 
beS  foptifcfyen  ©prad)fd)akeS, 

Allein  alle  foptifcfye  Biologie  fann  beim  gegenwärtigen 
©tanbpunfte  für  bie  Ägyptologie  burdjauS  nichts  f)ek 
fen,  wenn  bie  dgt)ptifd)e  gorfcfyung  felbjr  nicht  in  ber  oben 
angebeuteten ,  t>on  ßfyampollion  gelehrten  SBeife,  alfo  nadf) 
ben  £)enfmdlern  unb  Urfunben  geübt  unb  gefunben  wirb, 
£)ieg  iff  bie  bis  jefct  »on  allen  beutfd^en  (Seiehrten,  £epftu3 
aufgenommen,  gänzlich  oemachldfftgte  ©eite  ber  gorfrfjung, 


I.  Sorföung  über  bie  (Sprache  Der  Slegppten 


321 


wa3  ftcr)  jum  Streit  allerbingS  barau6  erfldrt,  baß,  bis  $u 
bcn  jüngften  ^Bereicherungen,  feine  beutfche  (Sammlung,  felbft 
nicht  bie  be3  ^Berliner  9ftufeum3  bie  vgmlfSmittel  barbot, 
welche  ber  franjoftfd^c ,  engltfd^e  unb  italtdntfdbe  gorfcber  in 
9)aris,  £onbon,  Surin  unb  9?om  fanb.  2(ber  SepfutS  Stob; 
tenburf)  eröffnet  2ttlen  eine  reiche  gunbgrube  ber  gorfchung, 
unb  eS  fommt  fortan  nur  auf  üerftdnbige  unb  flare  33erfok 
gung  be$  geraben  SBegeS  an,  um  ben  bloßlegten  (Schafc 
t>öllig  $u  heben.  SSergebenS  würbe  man  t)on  ber  (Sntjtjfes 
rung  ber  bemotifchen  3nfd)riften  mehr  erwarten,  als  wa3 
wir  t>on  bem  Äoptifchen  eben  gefagt.  £)ie  (Sprache  ifr  bie* 
felbe,  bie  gemeine  £anbe3fprache  memphitifcher  SJhmbart, 
unb  baS  SSerftdnbniß  ihrer  Lautung  unb  (Schreibung  unb 
it)reS  SQ^ort  =  unb  gormenfcfea^eS  ijt,  wo  möglid),  noch  wicr); 
ttger,  3f)re  ^wetfpracbigen  Urfunben  unb  bie  £eibener  ©lofs 
fen,  beren  ^Bekanntmachung  wir  bem  tätigen  2eeman3  tter* 
banfen,  ftnb  auch  noch  bei  SBeitem  nicht  genug  erforfcht. 
Allein  tfyoricfyt  wäre  e3,  um  ihretwillen  bie  £auptfadje,  bie 
altdgr;ptifchen  Urfunben,  ju  üernachldfitgen ,  ober  auch  nur 
ben  (SdjlüjTel  ber  l)terogtppJ)tfc^en  gorfd)ung  in  ihnen  ju 
fuchen,  Umgefehrt  bie  altdgtwtifche  ©pracf)e,  wie  fte  allein 
eine  weltgefchichtliche  SBichtigfeit  t)at,  ijr  zugleich  ber  3$ltsf* 
fei  be6  inneren  SSerfrdnbniffeS  be3  jtopttfchen  unb  überhaupt 
Sfteudgpptifchen.  £)iej  alfo  tjl  unfere  Ueber^eugung  über  bie 
auf  biefem  ©ebiete  &u  befolgenbe  Sttethobe  ber  gorfchung* 

£>ie  9)?etbobe  ber  gegenwärtigen  ^arftellung  fann  aber 
noch  Diel  weniger  zweifelhaft  fein,  3h*  3wecf  iji  nur  ein 
thatfdchlich^gefchichtlicher.  £)ie  SÖBorte  unb  3eichen  ber  <Spra= 
che  ftnb  unS  in  ber  SSorjeit,  wa£  in  ber  eigentlichen  ©e^ 
fchichte  bie  tarnen  unb  Regierungen  ber  Könige  ftnb:  ZfyaU 
1.  21 


322 


@rfie«  33ud).  Vierter  2fbfd)tiitt. 


fachen,  beren  SSerffdnbnig  t>on  ber  9ttöglid)Feit  ifyrer  2Tnorfc 
nung  in  ber  Seit  abfangt 

2öir  werben  alfo  zuerft  bas>  SSerbdltnig  unferer  $unbe 
beS  altägvptifd&en  ©prad)  =  unb  §ormfd)afce$  bem  noct) 
unentbeeften  Streite  beffelben  fe|f$u|Men  fud)en:  bann  bie 
einzelnen  ©runbbejranbtbetle  ber  (spräche  unb  ifyr  £autft)|fem 
unterfud)en,  unb  fcon  ba  jur  SBur^elbilbung  übergeben.  (Sine 
überftd)tltd)e  £)arjMung  ber  bis  jefet  entzifferten  Sßur^eln 
felbff,  bie  in  £)enfmdlern  be$  alten  9?eid)eS  oorfommen,  wer; 
ben  wir  als  2{nf)ang  $u  dnbe  biefeS  33ucf)ee>  geben,  Jener 
begnügen  wir  un3,  bie  bisher  urfunblid)  aufgefunbenen  gorm; 
worter  unb  formen  ^ufammen^ujleUen ,  um  in  biefem  wicr> 
tigen  Sbeile  ber  ©praebbilbung  bie  <3prad)e  als  eine  ge= 
fd)icr)rlid)c  UrFunbe,  ja  als  bie  UrFunbe  bee>  ^enfcr)engefd)lecr> 
te$  *ur  2£nfdf)auung  ju  bringen. 


Sic  dgr)ptifrf)e  2aut=  unb  Söortbilbung. 

A.    Umfang  unb  Urb  ejranbtbeile  bee>  <Sprad)= 
f  cf)  a  g  e  3. 

Um  einen  oorlduftgen  Söegrtff  t>on  bem  Umfange  jener 
©pradbentbeefung  $u  geben,  genügt  e3  ^u  fagen,  bag  bie 
bis  jefct  entzifferten  SBorter  (etwa  500)  großenteils  felbjrdn^ 
bige  SBurjeln  fmb,  unb  bag  fte  ftd)  fa(t  fdmmtlicb  unoer^ 
dnbert  in  ber  ncudgtwtifdjen  (Spraye  naebweifen  laffen,  bie 
beren  überhaupt  etwa  900  baben  mag.  3n  jener  3abl  ftnb  nirf)t 
begriffen :  bie  ©ramme  ober  9?efre  oon  ©rammen,  welche  wir 
gormworter  ober  grammatifdje  2Öörter  nennen  mögen ,  gür^ 


II.  A.  Umfang  t>e$  <3prad)fd)a&e$* 


323 


worter,  SSorworter,  EigenfcfyaftS  s  unb  3<*f)fa>6rter,  ©ä$s 
worter  unb  EmpfmbungSworter  (Ausrufungen),  (Solcher 
(Stamme  fennen  wir  etwa  50,  unb  eS  ijt  nid)t  waf)rfd)eini 
lieft,  bei  bem  fyduftgen  SSorfommen  berfelben,  bag  bie  alte 
dgt)ptifd)e  (Sprache  &u  9tteneS  3^it  berfelben  mefyr  gehabt 
Sßielmefyr  gebort  eS  $u  einer  tr)rer  Eigentümlich eiten ,  baß 
fte  berfelben  weniger  f)at,  als  bie  neudgpptifcfye ,  unb  bag 
t()re  ^Partifeln  einfacher  ftnb,  atS  bie  ber  neuen  ©pracfye: 
eine  Erfahrung,  bie,  wie  jeber  Äunbige  weig,  golge  eines 
allgemeinen  ©efe^eS  ber  <2prad)bilbung  tjr.  2BaS  aber  jene 
allgemeinen  SBortfrdmme  betrifft,  fo  geboren  mehrere,  in  tfc 
nen  nid)t  enthaltene,  welche  bie  foptifcfyen  S5ücr)er  barbieten, 
offenbar  in  bie  jüngere  ober  jüngfte  SBilbungSepocbe  ber 
dg^ptifcfyen  <Sprad)e,  aß  £*erfrdrfungen,  Erweiterungen  ober 
burd)  2(bfd)leifung  entjfanbene  SSerflacbungen  alter  dgppti; 
fdjer  Sßur^eln.  2WeS  jufammengenommen,  glauben  wir,  bag 
bie  dgtwtifcfye  ©pracfye  im  3?eicf)e  beS  5Ü?eneS  unb  ber  SSutfc 
mofen  ungefähr  eben  fo  totclc  SBortfrdmme  befag,  als  bie 
fopttfcfye.  Einige  gingen  in  biefer  oerloren,  bagegen  bilbeten 
fttf)  neue  buref)  bie  eben  angebeuteten  SftitteL  £)er  $ufam; 
mengefe^ten  SBorter  aber  waren  gewig  mel  mein*  im  .ftoptu 
fcr)en  als  im  2Htdgt)ptifd)em 

£)ieg  wirb  bem,  welcher  bie  50?enfcr)enfprad^e  nur  aus  ben 
neueren  ©pracfygebilben  fennt  —  üon  ber  griecfyifcrjen  bis  ju 
ben  romanifd)en  — einen  wenig  oortl)eill)aften^ßegriff  oon  ber 
(Sprache  ber  alten  Acgtjpter  geben,  SOStr  fonnen  f)ier  baran 
erinnern,  bag  bie  (Sprache  ber  ^eiligen  £3ücf)er  beS  alten 
SBunbeS  ntd)t  mefcr  als  Weyens  1200  SBur^eln  jä&lt,  bie 
9)arti£el|rdmme  eingeregnet  ES  mug  aber  allerbingS  habei 
in  2lnfd)lag  gebracht  werben,  bag  baS  ^ebrdifcfye,  wie  alle 
aramdifcf)en  ©praeften,  eine  oiel  grogere  Zn^l  oon  Sßorts 

21  * 


824 


€r|tc$  Q5ud)*  Werter  2lbfd)m'tt. 


bilbungSformen  unb  alfo  von  abgeleiteten  SBörtern  beftfct, 
aU  ba3  2(egvptifche,  (£3  ift  eine  ber  wtdötttqften  Aigens 
thümlichfciten  biefer  Sprache,  bag  jene  von  un$  als  2Bur; 
^eln  bezeichnete  SÖorter,  welche  ein  Sagewort  au§brücfen, 
ohne  alle  S3erdnberung  jugtetd)  Kennwörter,  unb  ^war  fo* 
wof)l  £>aupt;  als>  SBeiworter  fmb.  So  ^eigt  (anech) 
(eben,  ba3  £eben,  ber  £ebenbe,  lebenbig. 

Schon  barauS  geht  hervor,  baß  e3  in  ber  Katur  biefer 
Sprache  liegen  muffe,  verhältnismäßig  wenige  Söörter^u 
haben.  £)affelbe  $eigt  ftcf)  auch,  wenn  wir  bie  einzelnen 
2Bur§eln  mit  einanber  vergleichen.  £)a  ftnben  wir  eine  2Bur* 
jel,  welche  nach  ber  dgvpttfchen  Sautbejeichnung  eine  unb 
biefelbe  ift,  brei,  vier  unb  mehrere  Sftale  in  grunbverfd)iebes 
nen,  von  einanber  unabhängigen  S5ebeutungen.  So  Jjctgt 
men  (gefchrieben  mn)  grünben  (©rünber,  ©ebdube)  —  fdu; 
gen  —  Schwalbe  —  SSorbertheil  von  llxm  ober  S5ein;  unb 
fo  in  vielen  anberen  SBeifptelen.  £)ie  foptifche  Schreibung 
folcher  SBur^eln  giebt  unS  einen  SBin!  für  biettnterfcheibung 
berfelben  burch  t)6l)cre  ober  tiefere  Lautung.  (So  heißt  men 
im  erffen  Sinne  man,  inen:  im  ^weiten  moni:  im  britten 
benni:  im  vierten  fehlt  c§  ber  Sprache. 

5D?an  fönnte  auch  verfucht  fein,  bei  manchen  gletchlau* 
tenben  SBur^eln  einen  leifen  Unterfchieb  in  ber  2Tu3fprad)e 
ber  im  dgtwtifchen  Alphabete  al§  gleichlautenb  (homophon) 
geltcnben  3eicf)en  ju  vermuten.  SBürFltd)  begehen  im  $op; 
tifchen  für,  ba$>  k  ber  alten  Sprache  brei  Lautungen  (k,  dj 
unb  *s)  unb  von  biefen  ifl  bas>  Djandja  au§  bem  allgemein 
nen  Sachen  für  k  (£affe  mit  #enfel),  ba£  anbere  (Tsima) 
au6  bem  befonberen  Splbenjeichen  entftanben,  womit  unter 
anbern  Khemi,  #egt)pten,  gefchrieben  wirb179),  dagegen 

,79)  Lepsius,  Lettre  PI.  B.  I. 


II.  A.  Umfang  u.  Ur&eftortDtOeile  &eö  @prad)fcha8e$*  325 


wirb  ba$  reine  dgpptifche  k  burdj  ba$  grtechifche  auSgebrücft, 
9?un  hat  bie  dgppttfcbe  <5d)rift,  wie  für  k,  fo  für  bie  mei; 
flen  ihrer  übrigen  15  SBuchftaben  mehrere  Seichen,  ©o  ba£ 
a,  auS  beren  einem  (bem  2lbler)  im  Äoptifchen  ba3  hori 
als  h  entffanben  t|t.  Mein  wir  bürfen  e3,  nach  £epftu£ 
Unterfuchung  namentlich,  als  aufgemacht  annehmen,  bag  bie 
t>on  ihm  aufgehellten  34  Seiten  würflich  nur  15  Saute  be= 
zeichnen  follten,  ba  fte  in  £>enf malern  berfelben  Seit  abweef); 
felnb  gebraucht  werben,  <Bo  weit  alfo  unfere  Dermaler  reis 
cr)en,  befaß  bie  alte  (Sprache  würflig  nicht  mehr  aB  funfc 
jel)n  Lautungen, 

£)a$  wahre  SSerfrdnbniß  ber  ©prachwurjeln  liegt  aber 
nur  in  ber  2lnfd)auung  biefer  felbft  unb  in  ber  reinen  2(uf= 
faffimg  ihrer  Urbeftanbthetle. 

Snbem  wir  ju  biefem  wichtigen  Steile  unferer  £)ar)rek 
(ung  übergehen,  legen  wir  §uoörber|r  jene  15  Saute  überftchk 
lic^  twr,  9^ad&  ber  gewöhnlichen  2lbtl)etlung  geben  fte  ftch 
folgenbermagen : 

4  reine  Raucher:    a   u   i  h 

3  flüfftge  Saute:    m   n  r 

2  3ifd)laute:         s  %(skh) 

!3  Stppenl,:    *b  (ft$,  v)  f  p 
2  ©aument:  k  ^(ch) 
1  3«ngenl,:  t 
9Äeper3  3ufammen|rellung  (f,  oben      319)  ergiebt  fol- 
genbe  SEafeh 


326 


@rtfe$  93ud),  Vierter  2lbfd)tittt. 


u  ü 

5. es  3 

©  e 
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Stppenbe* 
rcegung. 

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£aud);  unb  ©mnbüocale 

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©tttdjlauter.  

tonenb  bumpf 
'b(v)  f 

X 

r 

2Ba$  nun  bte  33efcr)affenf)eit  unb  ©ettung  ber  einzelnen 
Saute  betrifft,  fo  tjt  äut>6rberj!  $u  bemerken,  bag  t»on  ben 
brei  Urüocalen  voenigjlenS  a  unb  u  eine  verlorene  boppelte 
Lautung  gehabt  $u  haben  fefteinen.  £enn  üon  ben  brei  3«5 
d)en  be3  a  (2(rm,  2(bler,  9?ol)rblatt)  wechfelt  ba£  lefcte  allein 
mit  bem  h,  hatte  alfo  n>al)rfd)etnltd)  eine  merklichere  $axu 
chung  als  bie  beiben  anbern.  2ütd)  fleht  immer  ba£  S3latt 
alö  5Borfcf)lag,  in  SBorten  wie  atef  (Später)  ftatt  tef,  etef: 
anek  (irf))  ftatt  nek,  enek:  aran  (2Tmmon)  ftatt  mri,  b.  ()♦ 
emen180)»  ßibenfo  f dt)etnt  bie,  in  ben  alteren  £)enFmdlern 
feltene,  (Schleife  aB  u  eine  eigentümliche  Lautung  gehabt  ^u 
haben,  ba  fte  mit  ben  allgemeinen  Seichen  für  a  nie  wed)s 
feit181).  2CHe  brei  Urwcale  fmb  übrigen^  SBur^ellaute,  b,  h. 
felbfldnbige ,  wortfähige,  wur^elhafte  lauter,  unb  alfo  im; 
mer  lang, 

£)a3  h  t(l  fo  jrarf  gebucht,  bag  e3  oft  mit  u  wcd&fclt, 
oft  t>on  ben  ©riechen  burch  m  wiebergegeben  wirb,  2Bir 

IS0)  Lepsius,  Lettre  p.  57.  N.  67. 
181 )  (Sbbf.  p.  46.  N.  51. 


II.  A.  Urbeftan&t&eUc  M  @prad)fd)al$eS.  327 


werben  barauf  unten  ^urücffommen.  £)a3  k  wirb  eine  (rar!e 
unb  in  ber  (ebenbigen  9?ebe  f)duftg  oerftdrfte  ^audjung  ge; 
habt  haben,  ba  im  Äoptifchen  ihm  jene  brei  oben  genannten 
2aute  entfprechcn,  beren  lefcter  je£t  atö  oerftarfter  3ifcf)laut 
erfd)etnt;  urfprungltcf)  war  er  nothwenoig  gequetfd&t ,  n>te  e$ 
ber  anbere  nod)  jefct  t|r.  (5o  bitbete  ftd)  im  gran^öftfchen 
au$>  carus  eher,  aus?  caro  ehair.  £)en  mit  bem  jufam; 
mengefe^ten  griechifchen  3uge  auSgebrucften  ^ifcfjenben  Äet)l= 
laut  haben  wir,  wie  ben  griechifchen,  nicht  glatt,  wie  sj, 
fonbern  rauh,  wie  skh  aussprechen.  £)en  r-£aut  haben 
wir  un3  als  einen  ^wifd)en  unferm  r  unb  1  fchwanfenben 
3itterlaut  ju  benfen;  er  brüeft  in  fremben  SÖortern  1  fo  gut 
wie  r  au6:  im  Äopttfd)en  tji  er  au3nahm3wetfe  btäweÜcn 
mit  biefem  auSgebrücft,  ohne  baß  jeboef)  auch  ^>ter  irgenb 
ein  urfprunglicher  £autunterfchieb  aus  ben  alten  3etct)en  nacr> 
juweifen  ober  ju  oermuthen  wäre,  2Cm  Crnbe  be3  SBortes 
hat  er  fiel)  in  ber  S3olf3fprache  am  metfren  oon  allen  abge- 
fchliffen,  wdhrenb  ber  s-Zaut  immer  erhalten,  oft  aber  t>er; 
bitft  ijt  (in  sj  ober  skh), 

Seber  biefer  15  £aute  nun  iff  fähig,  ein  wefentlict)eS 
felbjtdnbigeS  SBort  &u  bilben,  @o  §uer(f  bie  brei  ©elbjrlau; 
ter,  £)ie  Wlitlaukx  müjfen  natürlich  immer  einen  begleiten; 
ben  v£aud)  mit  ftch  geführt  haben,  unb  über  ben  jebem  ein; 
feinen  Sttitlauter  oorjug^weife  betflingenben  £aut  haben 
ßcpftuS  unb  befonbere  auch  Sfteper  fc^r  fruchtbare  SBtnfe 
gegeben,  2CUetn  wir  haben  SBur^eln,  bie  regelmäßig  nur  au£ 
(Einern  folgen  Mitläufer  befielen,  23.  h,  b,  f).  he,  ben 
Sein  ausreißen.  SBiSwetlen  fmben  wir  eine  boppelte  gorm: 
eine  oerjrdrfte,  wo  einer  jener  brei  ©elbftlauter  oor;  ober 
nachritt:  eine  einfache,  wo  ber  unbestimmte  |>aud>  gebaut 


328 


<£rfteö  93ud).  Vierter  2lbfcf)tiitn 


werben  muß,  welchen  wir  buret)  e  be^eidmen,  bem  ftebrdU 
fct)en  ©ct)wa  t)ergletct)bar.  Sn  jener  gorm  aber  fyaben  wir 
ein  einfaches  unb  alfo  wot)l  uraltes  33etfpiel  berSBilbung  oon 
^weilautigen  SBur^etn  au3  eintourigen:  ein  ©ebanfe,  ben 
Sfteper  juerfl  in  jener  2lbt)anblung  aufgehellt  unb  mit  biefen 
SBorten  be§ctdt>net  t)at  (5m  entfprect)enbc3  SSetfptel,  bie  3u; 
fammenwact)fung  ber  beiben  <5elbftlauter  au  in  einen  einfyk 
bigen  Doppellaut,  mact)t  ber  foptifct)e  2lu3brucf  buret)  ö 
(b,  t),  oo)  wat)rfcr)einltct) :  boct)  nact)  einem  allgemeinen 
©pract)gefefce  ijt  biefe  3ufammen^iel)ung  jebenfalß  baS  <5pd; 
tere,  <5o  ift  bas  gran^oftfdfje  au  (jtatt  al)  eine  fpdtere 
$orm:  fo  ift  im  £atetnifct)en  au3  faux  focillum  t)ert)or= 
gegangem 

2Cuf  biefe  Söeife  entfielt  un$,  nidt)t  bie  reine  @9lbe  — 
benn  bie  liegt  fct)on  in  ben  Sßur^eln,  welche  mit  (finem  ber 
15  33uct)fraben  auSgebrucft  werben  —  wor)l  aber  bie  un= 
reine  ober  jufammengefe^te  ©plbe.  Unb  t)ter  mact)t  ftet)  un6 
ber  Langel  einer  burdjgefübrten  Unterfuct)ung  ber  ©efefce 
bemerket),  nact)  welchen  bie  alten  2fegppter  bie  Sftttlauter 
lautbar  matten,  ©ie  konnten  ben  gefcr)riebenen  £ulf3laut 
oor  ober  nact)  bem  Sttttlauter  fprect)en.  n  fonnte  en  ober  ne 
lauten.  2Öir  wollen  jenes  Anlaut  nennen,  biefeS  Zubaut 
Der  unfehlbaren  foptifct)en  (Schreibung  nad)  i(r  ba»  zweite 
bie  SRegel:  ber  <Selbff  lauter  fommt  nicht  $u  Anfang  oor,  aus 
ßer  bei  einigen  Vorwörtern  (wie  m,  ri,  r),  wo  aber  auet) 
gewol)nlict)  ftet)  bie  vollere  gorm  ftnbet  (am,  an)f  Da3  s 
fct)eint  oor  einigen  bauten,  ^  23,  bem  t,  einen  S3orfct)lag  ge^ 
bilbet  ju  t)aben,  ot)ne  t)6rbareS  Da^wifctjentreten  be3  ©ct)wa: 
fo  in  stern,  welct)e3  bie  ©riect)en  stimmi  fprect)en,  bie  £a; 
teiner  stibium  nennen.    Dieß  wirb  aber  auet)  in  ben  mei; 


II.  A.  UrbcftonDtfjeile  oeö  ©pr<utfd)aßeö,  329 


(fen  $äUtn  baburd)  erfldrt,  tag  ba3  s  eine  33ilbung3ft)lbe 
tfr,  welche  ben  ©inn  ber  SBur^el  beteiligt  unb  jum  #U5; 
brucf  einer  urfdcr)Üd>en  £anblung  abwanbelt,  £>enn  s  tji 
ba$  Sctcfeen,  woburcf)  au£  einem  3ufianbe  eine  #anblung, 
ober  au$  einer  v£>anblung  bie  Urfacfye  einer  $anblung  wirb: 
wie  smen,  bauen  lajfen,  oon  men,  bauen:  alfo  ein  2(nfa£ 
^u  ber  2(bwanblung  be£  ?)rdbicatbegrtff3 ,  woburcf)  in  ben 
femitifcfyen  (Sprachen  ba3  entfielt,  wa3  man  Konjugation^ 
formen  nennt:  wdfyrenb  bie  Konjugation  ber  inbogermanifcfyen 
(Sprachen  in  ber  2lbwanblung  be3  reinen  <5einbegriff3,  nacf) 
3eit  unb  SBeife,  befreit;  eine  2tbwanblung,  bie  in  ben  fe; 
mitifcfjen  (Sprachen  fet)r  in  ben  ^tntergrunb  tritt  unb  oer^ 
gleicfyungSweife  l)6cf)fr  unoollfommen  iff. 

S3et  folgen  Salbungen,  wo  ber  SBorfd)lag  mit  ber  am 
lautenben  SBur^el  oerfdjmolj,  mochte  alfo  aucf)  wof)l  ein  Itn* 
laut  eintreten.  (So  fonnte  S .  men-teti  wie  Ismandes  ober 
Osyrnandyas  lauten:  unb  wir  glauben,  bag  beibe  gormen 
jenen  dgt)ptifd)en  tarnen  würflig  wiebergeben. 

liefen  ©runbfd^en  fmb  wir  in  ber  Umfcfyreibung  ber 
dgtwtifcfyen  Sßorter  gefolgt,  tnbem  wir  un3  übrigens  bem 
oon  SepftuS  im  Sobtenbucfye  angewanbten  ©pffeme  ber  Um^ 
fcfjretbung  bee>  2Cegtwtifd()en  anfliegen,  33et  ber  Umfdjrei; 
bung  be3  ßoptifcfyen  ()aben  wir  ebenfalls  immer  bie  Kinfjeit 
bes>  33udf)fraben3  bewahrt  Sei  ben  £luetf flauten  fefcen  wir 
bafyer  ben  beteiligten  £aut  bem  £auptlaute  oben  in  fleine^ 
rer  ©dt)rtft  oor  (dj  für  ba3  djandja  unb  *s  für  ba3  tsima). 
UebrigenS  tjaben  bie  mtmblid)en  Mitteilungen  be$  ebeln 
©laubensboten  ßieber,  welker  mit  $rufe  in  Äairo  bie  um 
glücflicfycn  9?acf)fommen  ber  2Cegt)pter  wteber  ^um  23erjtdnbs 
niffe  ber  Sföutterfprad&e  ermutigt  unb  anleitet,  un$  bte#offc 


330 


grjleö  Q5ud).  Vierter  2lbfd)nitf. 


nung  gegeben,  bag  ntd^t  allein  tue  #ugfprad)e  beg  ^optt= 
fd)en,  welche  bag  SBerftdnbmg  um  etwa  ein  3af)rl)unbert 
überlebt  l)at,  fonbern  bie  ©pracr)e  felbft  in  einigen  abgelegen 
nen  Dörfern  ber  &t)tbaiö  nod)  ein  fümmerlid)eg  £)afein  frU 
jren  bürfe.  (£g  wäre  gewig  ber  SEfturje  wert!),  biefen  ©puren 
nacr)ftugef)en.  SDZtt  ber  lebenbigen  Ueberlteferung  ber  2£ug; 
fpracfye  gef)t  unenblid)  mef)r  oerloren,  als  wag  man  gewofyns 
lid)  2Cugfprad)e  nennt.  £epftug  fyat  in  feinem  (Senbfdjreiben 
nod)  auf  einen  Umjlanb  aufmerffam  gemalt,  ber  in  SBe^ie^ 
fjung  auf  bie  ^erftcllung  bt$  dgpptifdjen  Sautfyflemg  oon 
befonberer  S5ebeutung  fein  bürfte.  (£r  bemerft,  bag  ber  oft 
ju  Cünbe  einiger  mefyrfplbigen  dgpptifcr)en  SÖörter  getriebene 
©elbftlauter  ftd)  im  jtoptifcfyen  regelmdgig  alg  Lautung  ber  erften 
©plbe  auggebrüdt  fmbet.  (So  roirb  Abydos,  Foptifd)  Eböt, 
l)ieroglppl)ifc&  ebtü  gefdjrteben:  Atmbis,  Ancpu;  Möntli 
(Mavft)  Mentuj  Chüns  (Xcovg)  Xensu.  foptifd)e 
?Bort  für  9fteer,  iom,  wirb  f)ieroglr;pf)ifd)  ima  gefcfyrieben: 
für  jene  2lugfpracr)e  fyaben  wir  aud)  bag  t>ebrdtfcf>e  iöm. 
S3efonberg  be^eidjnenb  ift  aud)  bie  l)ieroglppl)tfcr;e  ©djretbung 
beg  $ro{?obilg,  wcld)eg  foptifd)  Emsuh,  Emsooh  tankt 
£Me  ^ieroglppl)en  geben  balb  emseh5  balb  emshu,  balb 
emsuh.  ßepftug  nennt  bieg  bag  einige  Sßetfpiel,  bag  ein 
SQtttteloocal  in  ber  £ieroglt)pf)enfd)rift  ba  oorfomme,  wo  bie 
foptifcfye  2Tu^fpract)e  il)n  in  ber  Wittt  gebe,  dx  erfldrt  biefe 
fetjeinbare  2üignal)tne  baraug,  bag  bag  Sßort  ein  ^ufammen^ 
gefefcteg  fei,  ndmlid)  em-suh,  „aug  bem  (£i":  alfo  ber 
©elbfflauter  u  fein  jufd^lid^er  (fupplementarifd)er),  fonbern 
ein  wurjelfyafter ,  eben  fowofyl  als  in  bem  urfprünglid)en 
Sßorte  suh,  (£i,  Foptifd)  soühe. 

$iernad)  nimmt  £epftug  in  jenem  ©enbfd)reiben  bie  9te 


II.  A.  Urbefhn&tfKife  M  <3pracfofd)a8eS.  331 

gel  an,  baß  ber  hinten  gufd^ltdö  angefügte  ©elbftlauter  nur 
al$  ortl)ograpf)ifd)e  2(nbeutung  ber  2fu^fpracf)e  be3  in  ber 
Sftitte  nötigen  2aute3  hinzugefügt  fei, 

jDfyne  ber  erfd)6pfenben  Arbeit  jenes  gorf<f)er3  über  ba3 
(£h)lbenft)ftem  ber  alten  2£egt)pter  üor^ugretfen ,  weld)eS  er 
in  einer  2(nmerfung  feines  ©enbfcfyretbenS  hoffen  lagt,  woU 
len  wir- f)ier  nur,  be^ufS  be3  SSerfldnbnijJeS  ber '  SGBurjetyafs 
ttgf ett  ber  einzelnen  bu<i)fidblid)en  S3efranbtf)eile  eineS  2öor/ 
te$  im  2Cegt)pttfd^en,  golgenbeS  bemerken.  2Ötr  ftnb  ber2Tn; 
ftdjt,  bag  jener  anS  (5nbe  getriebene  Saut,  welcher  im  Äops 
tifeben  in  ber  5D?ttte  tont,  urfprünglid)  in  ber  Ttittz  unb  am 
(£nbe  gebort  würbe,  fo  bag  bie  urfprünglicfye  2Cu6fpract)e  fcon 
Anubis  war  A-nu-pu:  eben  fo  t?on  Chöns,  ber  ©rieben 
£erafree>,  Chun-su: 

üon  Month,  ber  griecfyifcben  Umfd)retbung  oon  Mentu, 
Mun-tu: 

t)On  Abydos  ,  Ebu-tu: 

ÜOn  Ern-suh^  Em-su-hu. 
©emdg  bem  allgemeinen  ©efefce  be3  €>prad)leben3  ()at  ftd) 
nad)  biefer  2tnfi<$t  ber  Gniboocal  im  $opttfcf)en  hinten  abges 
fd&ltffen,  in  ber  Wittt  erhalten,   dlnx  fo  fd&etnt  ftdt)  bie  dgpp* 
tifd)e  (Schreibung  unb  2lu3fprad)e  befriebigenb  $u  erklären. 

2ßtr  fmben  eine  23ef!dtigung  biefer  Anficht  in  ber  2frt, 
wie  bie  offenbaren  SBurjelfelbjllauter  foptifd)  auSgebrücft 
werben.  2Bir  wallen  bie  SBeifpiele  au3  SepftuS  (Senbfcfjrei; 
ben  (©.  39). 

sü,  ©etreibe,  foptifd  süo, 

%xu,  2ttter,         s  %eui 

ftü,  t)ier,  =  ftoü, 

ma,  2Bal)rl)eit,    =      meei,  mei. 


332 


@rftc$  Q5ud).  «Dimer  2fbfd)tutt, 


2Bir  glauben  in  btefer  burebgangig  beobachteten  Umfd^reibung 
ben  33eweiS  ju  fmben,  tag,  wenn  ein  W\t?  unb  @etbfltau= 
ter  ftcf)  $u  einer  SÖu^el  fcerbunben,  betbe  abgefonbert  er* 
fangen,  faß  ^wetfolbig.  $läml\ü)  ber  wur^etyafte  ©elbjftaus 
ter  flang  als  emwofynenber  £ttlf§laut  in  bem  SJtftlaute,  unb 
$war  nicf)t  blog  wenn  ber  Sttitlauter  ben  SSorfcfylag  bilbct, 
im  Anlaut  fref)t,  fonbern  aud)  wenn  er  nafylaukt  unb  un£ 
als  Hu&aut  be3  <Selbf!lauter3  erfd)eint  (So  t>erfd)winbet 
alfo  ganj  ber  (Schein  tobter  (5inft)lbigFeit  ber  altdgt>pttfd)cn 
©pracfyc,  <5ic  t)at  nur  15  urfprünglicf)e,  unheilbare  erfte 
33ejTanbtl)cile ,  allein  jeber  biefer  £3effanbtl)eile  lebt,  weil  er 
als  wefenfyaft  empfunben  voirb,  unb  fo  Fommt  e$,  bag  aud) 
bei  &ufammengefefcten,  b,  f),  mefyr  al§  einlautigen  Sönnern 
jeber  feinen  $aud)  unb  Saut  r)at. 

£ier  liegt  bie  weltgefd)tcf)tltd)e  2Btd)tigFeit  jener  ©pra= 
d)e  fd)on  $u  Sage.  t(l  eine  Annahme  ber  neuen  ©praefc 
wtjTenfdjaft ,  ba§  baS  Urfprünglicfye  in  Saut  unb  Sßebeutung 
etwas  SBefenfyafteS  fein  muffe:  unb  biefe  2(nnaf)me  hoffen 
wir  im  fünften  33ud)e  als»  9?aturgefe£  ber  9ftenfd)enfpracf)e 
erweifen.  £ier  aber  fyaben  wir  e3  ntd)t  mit  §5orau& 
fefcungen  $u  tfmn,  fonbern  fdjauen  bie  £f)atfad)e  fclbjl  an, 
£)enn  wie  konnten  fonfl  einlautige  SCBur^eln  irgenb  einen  33e; 
griff  auSbrücf en  ?  £)ae>  aber  tl)im  fte.  £)enn  oon  üftaturlau* 
ten,  weldbe  ©efüfjle,  b.  f).  ba3  rein  Seibenbe  beim  Grtnbrucfe  ber 
2fagenwelt,  wiebergeben,  tji  fyier  bie  $ebe  ntd&t»  Sene  Ur; 
laute  brüden  im  #egt)ptifd)en  ^Begriffe  au£,  unb  jwar  febr 
bejltmmte  unb  fcfyarf  abgegraste.  Tlit  ber  Gnnftdjt  in  biefe 
Statur  ber  dgpptifd)cn  (Sprache  fallt  ber  größte  Zfyut  ber 
Klärungen  auSgebtlbeter  SBur^eln  im  &optifd)cn  au3  me= 
d&amfd^er  Sufammenfe^ung  weg,  womit  fcfyon  bie  Zopten, 


II.  A.  Ur&cffanbt&eite  bcS  <Sprnd>fcf>a^cö.  333 

nod&  mefjraber  bie  curopdtfd^cn  (Etymologen,  felbftSablonSfy, 
3oega  unb  be  Stofft  mct  9ftißbraucf)  getrieben  unb  tton  benen 
ftd&  fclbflt  ©d&roarfee  ntc&t  immer  ganj  frei  gehalten  ju  fyaben 
fdjeinr. 

£)ie§  füfert  un3  auf  bte  ^Betonung  ber  einzelnen 
Saute.  Seber  Saurer,  (Selbfllauter  ober  gef)aud)ter  50^tt(au=: 
ter,  !ann  jrdrfer  ober  fcfyw ad) er  betont  fem.  Sßtrb  biefe  ©rafc 
oerfd)iebenf)eit  ber  Sonjrdrfe  burd)  bte  EX^ttlauter  auSgebrücft, 
fo  entfielt  baburd)  bie  in  ber  gried)tfdjen,  tatetntfc^en  unb 
gotf)ifd)en  @pracr)e  fo  regelmäßig  unb  organifcf)  autytbiU 
bete  ©d&etbung  ber  Sippen  s,  ©aurnen^  unb  Sungenlaute  in 
fd)wa$e  (p,  k,  t),  mittlere  (b,  g,  d)  unb  gel)aud)te  (ph, 
ch,  th).  Sßirb  fte  hingegen  in  bie  ©elbfllauter  gelegt,  fo 
biibtt  ftd^  notf)wenbig  ein  ©pffem  oon  ^Betonungen  (2Ccccnt), 
wie  cS  bie  (Sfyinefen  in  ber  größten  2fu3btlbung  beftfcem 
(Eine  fold&e  balb  ftdrfere,  halt)  fd)wdd)ere  ^Betonung  nadf) 
bem  ©rabe  ber  SuftfrdrFe  beim  «Sprechen  nehmen  wir  alfo 
mit  SSlfytx  an.  tiefer  gorfc&er  l>at  juerfr  ben  Unterfd)teb 
biefer  2luffafjung  oon  ber  icfet  gewöhnlichen  aufgewiefen,  wo* 
nad)  jene  2fu§brücf e  baS  £)umpffem ,  Sonen  ober  &ef)If)afttgs 
werben  ctneS  ber  brei  ©toglauter  (p,  t,  k)  auSbrttcfen.  £)ie 
foptifd)e  (Schreibung  folcf)er  SBur^eln,  bie  im  2Ceg9ptifd)en 
ganj  gleich  gefd&rieben  werben,  burcr)  oerfchtebene  ©elbfb 
lauter  beweifr  bieg  ebenfowohl,  als  jene  2£uSbilbung  be§ 
k-Saute$,  welche  allgemein,  unb  bie  beS  t-Saute3  (in  th), 
welche  meifi  bialeftifd)  ijr.  £)er  mittlere  Sippenlaut  (b) 
fd^etnt  jebodf)  gefehlt  ju  fjaben:  benn  ba$  dgpptifche  b  iftbaS 
franftoftfd&e  v  in  noch  böserem  ©rabe,  aU  e3  baS  griechtfche 
beta  gewefen  fein  muß.  2Cm  ndchjten  mug  biefem  b-Saute 
ba3  dg9ptifd)e  m  gekommen  fein,  welches  bie  ©rieben  fehr 


334 


@r(te$  $ud),  Vierter  »bfebnitt. 


fyduftg  burd)  ifyr  b  austrugen.  (So  geben  fte  Semnut  burd) 
Sebennytus  lieber:  fo  bie  Lateiner  stimmi  burd)  stibium. 
£>er  ägtyptifd)e  h-2aut  ifr  ba3  gerabe  ©egentfjctl  t>on  bem 
9tted)tfd)en:  btefer  ijt  bafyer  aus  bem  gried)ifd)en  2ttpf)abete 
üerfcfywunben  unb  tat  ftd^  mit  ben  bret  (Stoglautern  §u  eins 
facf)en  .ftefyllauten  t>erfd)mol$en:  ber  dgwttfcfye  bagegen  ifl  fo 
felbfrdnbtg ,  bag  er  &,  S3.  mit  t  t>erbunben  ba§  SBort  tehe 
bitten  würbe, 

(So  ftnb  alfo  btc  einfachen  dgt)ptifd)en  SBur^etn  unmits 
tetbar  auS  bem  ©efüfyle  ber  2Befenf)aftigfeit  jebeS  ber  15  Urz 
laute  entjfanben,  in  welche  bie  (Spradbe  ber  alten  2legr;pter 
ftd)  auflojt,  unb  burd)  bie  SBerbinbung  ber  Sttitlauter  unb 
(Selbjtlauter  fyaben  ftcr)  bann  ^mllauti^t  SBur^eln  gebilbet. 
2Mefe  ftnb  meiftenS  nod)  einfplbig,  b.  f).  als  Gnn  (Stög  ber 
(Spradfowerf^euge  $u  benfen.  (So  tu,  men  unb  mele  an* 
berc.  Mein  wir  fyaben  aud)  eben  fo  $al)lreid)e  jroets 
lautige  SBur^etn,  bic  au£  jener  Gstnljeit  t)ert>ortreten ,  b.  fy. 
^wei  (Selben  bilben,  33.  te-hu  (fpridj:  tuhu),  gefa^ries 
ben  thu,  (Strol)  (t  tab),  ober  betrunfen  fein  (f.  tihe). 
£ier  fyaben  wir  un§  alfo,  wa3  bie  2£u^fprad)e  betrifft,  fd)on 
2Cuf  *  unb  9?iebertact  (2Crft§  unb  S&eflS)  j$u  benfen. 

OTen  biefen  einfachen  ©ebtlben  ber  dgpptifcfyen  <Spraz 
döc  jtef)t  nun  bie  bretlautigc  SBur^el  gegenüber.  (So  wirb 
au§  sm  b.  fy.  sme  (l)6ren,  foptifd)  eben  fo,  fyebrdifd) 
sma)  s-t-m,  foptifd)  softem,  in  berfelben  SSebeutung.  9)?eper 
tat  mehrere  S3eifpie(e  gegeben,  dr  unterfcfyeibet  Erweiterung 
gen  im  2lnlaut,  im  Snlaut  unb  im  2lu6laut  Allein  bic  äU 
tefle  (Sprad)bilbung  bklbt  fyter&et  nid&t  fielen,  (Sie  ^eigt  auef) 
fd^on  Söortbtlbungen,  woburd)  eine  nad^uwetfenbe  SBur^el 
burd)  Anlaut  ober  2lu6laut  fo  angetan  wirb,  bag  ber  S5e- 


II.  A.  Urbeflanbtheile  be£  <gprad)fd)a£e$.  335 


griff  bes>  SßorteS  eine  SSerjldrfung  ober  anbertoeitige  gar* 
bung  erhalt.  SBir  fyabm  oben  bereits  auf  bie  Äraft  be3  oors 
gefegten  s  aufmerffam  gemacht.  Sehnliche  33eifptele  ftnb  3«2 
fammenfe^ungen  mit  ti5  ta,  geben,  ©o  entfielt  au$  aan, 
Shifurt,  ti-aan,  rühmen. 

£)ie  voeltgefd)ichtltche  2Bid)ttgfeit  ber  ^achroeiöbarfeit  bie^ 
fer  SBtlbungSjhifen,  eben  fo  roie  ber  urfrdftigen  gdhigfeit  oon 
3ufammenfe£ungen  ber  2Bur$eln  im  2Cegr;pttfd)en,  werben 
voir  im  fünften  S3ud)e  nachreifen, 

©ahm  oerfparen  roir  auch  alle  gefährlichen  ©prach* 
Oergleichungen,  inbem  roir  f)ier  nur  bie  £h<*tfachen  glctd>lau- 
tiger  unb  gleid)bebeutenber  SSSur^eln  bemerken,  roeldje  auf 
ber  v^anb  liegen.  2ßir  haoen  hierfür  in  (Schwarte'S  (Einlei- 
tung fct)d^bare  ^Beitrage  gefunben.  (Er  fyat  bie  9?offt'fd)en 
unb  $oppe'fd)en  3nfammen|fellungen  !optifd)er  SBörter  mit 
bem  ^ebrdifchen  unb  2(rabifrf)en  geftd)tet  unb  geläutert,  unb 
bie  mbogermanifchen  2Öur,^eln  herangezogen.  Mein  e6  fehlt 
allen  fold)en  33ergleid)ungen  beS  Äopttfctjen  bod)  bie  wahre 
©runblage,  fo  lange  bie  altdgpptifche  (Schreibung  unb  Ur* 
bebeutung  ntd>t  befannt  ijt.  ©iefe  l>at  (Schwarbe  nie  bes 
rücfftd)tigt.  2lber  roir  fennen  auch  noch  nicht  altdgpptifche 
SÖBur^eln  genug,  um  eine  ganj  entfeheibenbe  unb  nach  burch* 
geführten  2(nalogteen  unb  ©efe^en  fortfehreitenbe ,  weltge* 
fchichtliche(Bprachoergleichung  anjufiellen.  ©a^u  bürften  noch 
roentgfrenS  jehn  Sah«  weiterer  europäischer  gorfchung  ers 
forbert  roerben:  ja  eine  ganj  unbefrtmmbare  Seit ,  roenn 
fortbauernb  nicht  mit  oiel  größeren  Gräften  als  bisher  unb  mit 
Sttethobe  unb  Klarheit,  foroohl  in  ber  £iefe  atS  in  ber  SSreite, 
geforfcht  roirb.  2Bir  finb  noch  lange  nicht  fo  roeit,  bie  engs 
lifchen  geilen  ©rimm'fcher  ©prachforfchung  an  ben  dgpp^ 


386  €rtfe$  Q5ud).  «Otertcr  Wcf)tittt 

ttfcf)en  (Spracfyfiamm  anzulegen.  (53  J>anbelt  fid)  barum,  if>n 
crfl  im  ©roben  f)erau^umeigeln, 

£)er  $lan  unferer  eigenen  £)arfreHuna,  im  2Cnf)ana,e, 
gletd&fam  einer  ©efd&id&t§erjdf)lung  ber  (Spracfybilbuna^epocfje 
ber  SCegppt.er,  ijt  folgenber. 

Sßir  fcfylteßen  2£Ue3  auS,  was  ftd)  un3  ntd)t  au§  t>or; 
liegenben  £)en?mdlern  unb  Urfrmben  bes  alten  $eid)ee>,  alfo 
ber  etflen  ^wolf  £)pnaflteen  als  nachweisbar  unb  fidler  ge^ 
^eigt  hat  £)ie  SBolljfänbtgfeit  biefer  Sifren  tterbanfen  wir 
ber  gorfdjung  unb  freunbfd)aftlicfyen  SQftttheilung  Don  #rn. 
Sir*. 

£>te  gotge  ber  15  dgpptifchen  Saute  be3  2(tp(>abet^  i(l 
uns  folgenbe: 
a 

u,  b 
i,  h 

s,    k,  x(ch)  ^(sklli) 
f,    p,  t 
m,  n,  r. 


III.  gormen  -  u.  2Bortlef)re* 


drittes  $aupt$ud. 
Söie  formen  =  unb  Söortte^re  ber  ägppttftyeri  Sprache. 

Einleitung:  SBegriff  ber  gormworter 
unb  formen. 

£>en  SBur^eln,  welche  ein  felbfldnbtgcS ,  befonberbeitfo 
d)e&  ©eienbe  ober  <&c'm  auSbrücfen,  wie  Kennwörter  im  em 
geren  ©tnne,  ^Beiwörter  unb  ©ageworter,  freien  in  ber  dgppz 
tifdjen  (Spraye  anbere  SBorter  gegenüber,  welche  bie  gorm 
beS  ©etenben  ober  ©einS  bejetd&nen.  £>iefe  befreien  aus?  jwet 
klaffen,  £te  eine  begreift  folcfye  £B6tter,  welche  entweber 
bas>  Allgemeine  in  einem  befonberfyettlicfyen  ©eienben,  in  S3e^ 
gug  auf  bte  brei  ?)erfonen  ber  9?ebe,  ober  auf  9?aum  unb 
3al)l  ausbrücfen:  ober  ba£  Allgemeine  in  bem  befonberfjeit; 
liefen  ©ein,  woburtf)  ©ubject  unb  ?)rdbtcat  in  bie  Einheit 
be£  ©a£e3  tterbunben  werben.  Seneö  ftnb  bie  Fürwörter, 
fowofyl  bie  perfonltd)en  als  bie  rdumlid)en  (bemonjtratioen 
unb  relatioen),  unb  bie  3af)lw6rter.  £)en  beiben  leiteten  ent* 
fprecfyen  bie  fogenannten  Aboerbien,  ober  SBejttmmungen  ber 
©ageworter  nad)  9taum  unb  Saty.  £)ie  zweite  klaffe  ber 
gormworter  ftnb  biejenigen,  welcbe  bie  SScr&dltntflc  be£  ©eiern 
ben  unter  ftd)  ober  mit  bem  ©ein,  ober  mit  ganzen  ©d£en 
auSbrücfen:  gürwörter  (SPrdpoftttonen)  unb  ©a^worter,  ober 
(5onjunctionen.  £ierburd)  gewinnen  wir  folgenbe  Ueberftcfyt: 
Sormroorter 

Sorm  ber  SBejicfoung  auf  tyerfon,       Sorm  ber  55erWItniffe  ber 
SHaum,  3af)l  9}enn-  unb  (Sageroörter 

Pronom.  Pronora.  Articulus  Nume-    Praeposi~  Coniunctiones 

perso-  deinon-     demon-    ralia  tiones. 

nalia  strat.        strat.  — 

|  |      Adv.  num. 
Possessiya  Adverb.  Relativ. 

Verbum  loci  — 

subst.  Adv.  relat. 

J.  22 


338 


grfteö  $ucb.  Vierter  Slbfcfonitt. 


2(n  tiefe  fd&ltegen  ftd)  bie  SBörter  be3  unentwickelten 
(Sa^es  an,  b.  f).  biejenigen,  welcbe  vor  bei*  (gcfyeibung  beS 
(Seienben  Vom  (Sein,  be3  SubjectS  vom  $)räbtcate  liegen, 
©olcfye  Söorter  fpredfjen,  wie  fd&on  oben  angebeutet,  nur  ba3 
rein  pcrfonltdbc  (fubjective),  ba$  ungeteilte  ©efül)l  au£,  wo; 
bei  baS  gegenfranblid)e  (objective)  gan^  verfcfywinbet.  Sftan 
nennt  tiefe  SÖörter  gewobnlicb  Snterjectionen. 

9)M)rere  neuere  (2prad)forfd)er  baben,  feit  v£orne  SooFe, 
in  jenen  gormwortern  untergegangene  9?enn  s  unb  <2agewor= 
ter  erfannt;  bergleicfycn  ftnb  audr)  in  mehreren  (Sprachen  fo 
weit  wcnigjlenS  nacfjgewiefen,  bag  e3  vernünftig  Wien,  bie; 
fen  Urfprung  aud)  für  biejenigen  $>artifelw6rter  anzunehmen, 
welche  feine  Ableitung  mebr  fanben.  J&terin  bittet  gürft'3 
d)albdifd)e  »Sprachlehre,  unb  fein  Oftefenwerf,  bie  l)ebrdifd)= 
cfyalbdtfdjc  S3ibeIs@oncorfcanj,  eine  (5pod)e.  (£3  muß  tem 
fünften  £8ud)e  vorbehalten  roerben  $u  fcetgen,  ^efe  *5r5 
fct)einung  notbwenbige  golge  eineS  SßaturgefefceS  ber  Sprache 
tji  £>ort  aud)  hoffen  wir  ^u  geigen,  baß  bie  dgvptifche 
Sprache  ber  weltgefd)icbtlicbe  $Punft  tji,  auf  welchem  bie 
fpracbbilbenbe  Sftatur  noch  ihre  urfprünglicbe  ©efralt  jetgt, 
fur§  ehe  fte  bie  ©Owingen  lüftet  unb  in  ben  weltberrfd)en= 
ben  Golfern  eine  gan$  antere,  geizigere  ©eftalt  annimmt, 
wdbrenb  fte  in  ben  übrigen  nach  bieder  noch  gar  nid)t  er? 
forfd)ten  ©efefcen  in'3  2ftomifttfd)e  unb  93?e<±)antfci)e  verftnft, 
ober  bochftenS  in  3weigbilbungen  unb  Seitenfcboßlingen  au^ 
fd)ldgt.  Unterteffen  verweifen  wir  bie  £efer  auf  S5enfep'S 
eben  erfd)etnenbe6  SBerf,  wcld)e$>  eine  SSerglcicfyung  ber  foptb 
febengormen  mit  benen  ber  femitifc^n  Sprachen  enthalt.  2ütd) 
feiet  tfi  nur  §u  bebauern,  baß  bie  alt= dgv>ptifd)en  gönnen  nicht 
berüefftebtigt  ftnb,  Sbre  Begleichung  würbe  vor, manchen  Srr; 
tbümern  bewahrt,  aud)  manche  SSermutbungen  beS  fd)arfftnni; 
gen  SBerfafferS  gldnjenb  beftdtigt  baben.  £ier  wollen  wir  nur 
vorläufig  ^ur  Wcbauung  bringen,  in  wiefern  bie  dguptifcbe 
(Sprache  bewetfr,  wag  alle  übrigen,  felbft  bie  Sanöfritfprache, 
bei  ben  meinen  jener  SBorter  nur  vorau3fe£en  laffen. 


III.  gornten*  u.  2Bortlef)re. 


339 


2Ba3  nun  bie  formen  betrifft,  woburcr)  Stenns  unb 
(Sageworter  abgewanbelt  werben,  b.  f).  £aute,  bie  ftd)  gar 
nid)t  auf  Sßorte,  alfo  ntdt)t  auf  ^Begriffe  ^urucf  führen  laffen; 
fo  werben  wir  ftc  jwifd&en  ben  pronominale  unb  Parttfek 
(lammen  barftellem 

Sn  allen  biefen  Darlegungen  fdf)lie§en  wir  bie  formen 
auS,  welche  nur  burd)  SBeifptele  aus?  ber  ptolemdifcr^romts 
fct)en  Seit  belegt  werben  fonnen.  $la<fy  biefem  ©runbfafce 
f)aben  wir  bie  au3  @f)ampollion3  ©prad)lef)re  entnommenen 
SBeifpiele  ausgewählt. 

A.  Perfonlid^feit^bejeic&nung  be6  Kennworts 
ober  bie  perfonlicfyen  Fürwörter  (pronom. 
per«  on.). 

I.  sperfönlicfye  gürwötter  als  ©ubject. 
3d)  anek,  enek,  nek    (fopt.  anok,  anak,  ang),  f>ebr*  anojgi 

£)U  9ftaitn    entek  (ritok,  ritak,  ntfc,  iit'ok),  j).  antah  (b.  f)»an-tah) 

£u  grau      enta  (rito  rito) 

@r  entuf  (ritof,  ritaf,  ritof),  h.  hu,  hy. 

@te  entus,  entes  (ritos,  ntas  ritos) 

933  ir  (nod)  nid)t  QCfunbcn)  (anon,  anan,  anri),  notfyroenbig  anun,  anen,  f). 

anü  I82) 

eintüten  (?)  )  (ritöten,  ritaten,  riteten,  rit'öten), 
entuten         j  fy.  männltd)  atem,  roetbl.  aten 


3f)r 


entesen         i  , 

@  i  c                                 [  (ntou,  ntau,         nt  öu). 
sen  ) 

H.  ^erfonlidje  gürworter  als  Dbject  (2Cffipe). 

SÜHr,  Sfttd):         a  (nai,  nei),  f).  i 

£tr,  £)td):      ttt.  ek,  ro.  et  (nak,  nek,  ne),  ()♦  *a,  £ 

3&m,  3bn:  ef,  u  (?),  su,  se(naf,  nef),  t).o(y),  »gl.  seh,  su (Dtefer)  I83) 

3br,  ©te:  es  (nas,  nes),  fy.  ha 

Unö:  en  (nan,  nen),  J).  nu 

Sud):  ten  (nöten,  neten,  netn,  teutri,  tenu,  t'enu),  |),  ttt,  tem;  tt).  ten 

3bncn,  @te:       sen  (nöu18*),  nau,  neu),  f).  ttU  hera,  tt).  hen. 

182)  djalb*  u.  famar*  anan:  «Benfe*)  (©.  99)  weift  jebod)  tiefe  SSergleidjung  ab, 

183)  fan6fr,  sa ,  er. 
1S4)  «Benfes  ©.  64. 


22 


340  @r(to  Q5ucf).  Vierter  Wd)nitt, 

B.  9t  d  umlief ettSbejeicfynitna  ber  Kennwörter. 

I.  £>et  2Crtifel,  als  getgenb  a,ebraud)t,  n>ie  bei  Horner,  ober 
ZvtiM  unb  2)emon(tratto  2  Pronomen. 

©er  (0):  pa,  pe  (pi,  pe) 

©je,  (ff):  ta     (ti,  te) 

©te,  pl.  (o£,        to:):  na  (ni,  ne) 

Smmer  üor.qefe^t:  aud)  fclbffdnbia,  .qebraucfyt,  roie  £5. 

ueb  pe  s;j;ai:   If^vg  o  riov  ßt'ßXcov,  p.  189. 

pa  petti  suten:  ber  bcö  35ogen6  beö  ftonigö,   ber  35ogen- 
fpanncr  beö  Söntgö* 

H.  3  e  1 9  f  11  r n>  0  r  t  (oerjtärfte  9?aumli(^feit6bejcid)nung). 
©er,  btefer:      pai  (f.  pai,  pei,  pe,  p'ai,  p'e) 
CDte ,  biefe:       tai,  3»  35.  tai  unu,  btefe  @tunbc  (tai,  tei,  te,  t'ai,  t'e) 
©te,  biefe,  pl.:  nai,  3.  35.  nai  tet,  biefe  2336rtcr  (nai,  nei,  ne). 

Sftacfygefe&t  (aram.  pun,  pon,  f.  gürft  <S,  231.). 
©et/  btefer:    pen,  3.  33.  Men  pen,  biefeS  ©ebaube 

hef  %ieu  pen,  biefe  lange  @d)Iange 
©te,  btefe:      ten,  3.  33.  Kah  ten,  btefe  ©egenb 

neteri  ten  cm  se^r  pen,  btefe  ©Otter  tri 

btefem  ©emdlbe 
©ie,  btefe,  pl.:  apu,     35.  em  maü  apu,  in  biefen  233ajTern 

apen185),  3.  33.  £et  neb  iri .  ut  em  hbai.u  apen,  alteö 

Uebrige,  roaS  gettyan  wirb  in  biefen  23erfatntnlungen. 

III.  S3c§ügttcbc .9ldumttd)f ett  (pron.  relat.),  nad)  9Jenn= 

Wort : 

1)  SBerfHrfter  2lrtifel.:  roie  ber  =  roe(d)er,  ju  ber  (2lr* 
tifel)  ftd>  t>crr>Ä(t ;  t>gL  o's  unb  0. 

©er  n)C(d^er:     pai  ober  pefi,   3.  33.  neter  pefi  hem  maü,  ©Ott, 

ber  im  SBaffer 

©ie  rceld)e:     tui,  3.  33.  abt  tui  hem  neter -ker,  bie  SBopnung, 

roeld)e  in  Weterfer  (i)ttnmftfd)e  ©egenb) 
©ie  roeld)e  (pl.)  

185)  (S&ampoUton  (p.  183.)  faßt  biefräBort  irrig  alß  SemonftratiD. 


Iii.  gormen  *  u>  933ortIeI>re. 


341 


2)  35 o 1 1 F ommcnc  (gd)eibung  be$  £emontfrötit>en  unb 
SKcIattt>cn  (wie  ber  — roeld)er,  ii  quäle,  lequel). 

a.  Unbefti  mmt: 

enti,  ent,  für  alle  ©efd)fed)ter  unb  Sailen  {t  ent,  en,  e). 

b.  Q5e  fUmmt: 

f.naint,nei  nt 


pui .  ent 

f.paint,  pei 
1  nt,  pe  rit, 

tui .  nt 

f.  taint,  teint, 
1  te  nt, 

pa .  ent 

pe  nt 

ta  .  ent  < 

na .ent  < 

p .  ent  | 

pent,  ber, 

roetd)er 

t.ent  1 

tent,  tnt,  b\C' 

jcnigc/n)e(d)c 

n . ent  / 

gen,  roeidje. 


«ctfptclc  (©♦  305  ff.). 

tet  en  (öer .  u)  enti  eratu  hent.  ef,  9^ebe  <W  bie  güf)rer,  n)Cld)C  t)Or 

©einer  5D?a;cftat  (ftnb) 

neter  neb,  neter.  t  neb,  enti  em  pe.t,  enti  era  (to) ,   jeber  ©Ott/ 

jebe  ©öttin,  roeldie  im  Gimmel  (unb)  auf  ber  (£rbe  (ift). 
p.enti  neb,  ber,  roeld)er  bem  £errn  (gebort) 
a  neha.t  tui. ent  Net. pe,  o  (Spfomore,  bie bu ber 9ietpe (angehörff) 

lina  na  (öeri.u)  enti  n  .  enti  pe  (to.u)  (na)  he  eni  ane#,  mit  ben 

©rofjen,  roeld)e  oon  benen  (ftnb),  bie  .  .  .  ber  großen  2Bo&* 
nung  beö  ^ebenö  —  wofür  in  berfelben  3nfd)rift  (im  £empel 
von  3&ffl«ibu()  aud)  ficht: 

na  (öeri.u)  en.na  pe  to.u  U.  f.  tt).,  bte  ©rofjen  t)0U  ben  .... 

C.  $Petf6nltd)e     et tt> orter  (pronom.  possess.). 
I.  ©efonbert,  t>or  bem  9cennn>orte: 
a)  Grrjte  *Perfort  ber  Grinsafyl:  wein,  meine,  ber  metnige, 
bie  meinige,  bie  meinigen. 

d  ^ov  Pai,  pui,  pa,  pi  (P0*>  P  °'  5  Pa)  186) 

fiov  Tai,  tui,  ta,  ti  (toi,  tcöi;  ta) 

oi,  al  Liov  Nai,  na  (nui;  na). 

b)  3  tt>  e  i  t  e  *Petfon  ber  (Sina  aht:  betn ,  beine,  ber,  bie 
beinige,  beinigen. 

6  6ov,  m.  Paik,  puik,  pak,  pik  (pök,  p'ök;  pek) 

6  6ov,  f.  Pait,  puit,  pat,  pit  (pö,  p'ö;  pe) 

7]  6ov,  m.  Taik,  tak  (tök,  t'ök;  tek) 

rj  6ov,  f.  Tait,  tuit,  tat,  tit  (tö,  t'ö;  te) 

oi,  cll  6ov,  m.  Naik,  nak  (nuk;  nek) 

o\,  al  6ov,  f.  Nai,  na,  ni  (nu;  ne). 

186)  !.  pöi,  etc.  ift  nid)t  fgntaftifdj,  wobt  aber  genettfd)  baffelbe. 


342 


<£rjteS  «Sud).  Vierter  2f&fc&ttttt. 


c)  «Dritte  *Perfon  bei-  (5tn g a f> t :  fein,  tfyr,  ber,  bie  fei- 
nige ,  fetntgen ,  ber,  bie  ifyrtge,  irrigen. 


d  avrov  Paif,  puif,  paf,  pif  (pöf,  p'öf;  pef) 

d  avrrjg  Pais,  puis,  pas,  pis  (pös,  p'ös;  pes) 

rj  avrov  Taif,  tuif,  taf,  tif    (töf,  t'öf;  tef) 

rj  avrrjg  -       Tais,  tuis,  tas,  tis    (tos,  t'os;  tes) 

ol,  ecl  avrov,  avrrjg :  Naif,  naf,  nais,  nas  (nuf,  nöf,  nus ;  nef,  nes) 

d)  (Srjre  *Perfon  ber  SD? e f> r 5 a l> ( :  unfer,  ber,  bie  unfrige, 

unfngen. 

d  rjficov  Pan,  pin  (pön,  pön;  pen) 

rj  rjficov  Tain,  tan,  tin  (tön,  t V>n  ;  ten) 

o£,  al  rjficov  Nain  (nun;  nen) 

e)  3  weite  *Perfon  ber  5D? e t> r 5 a t) t :  euer,  ber,  bie  eitrige, 

eitrigen« 

d  vficov  Paten,  peten  (p«tn,  p'öten ;  peten) 

7)  vficov    (tötn,  töten ;  teten) 

ol  vficov  Naiten,  naten  (nutn,  nuten,  nöten  ;  neten) 

f)  dritte  ^erfon  ber  SO?  e  {)  c  §  a  t :   ii)r,  ber,  bte  irrige, 

irrigen. 

d  avrcov  Paisen,  pasen,  pisen  (p<>u;  p'öu;  pu) 

rj  avrcov  Taisen,  tuisen,  tasen,  tisen  (töu,  t'öu ;  tu) 

ol  avrcov  Kaisen,  nasen  (nun,  nöu;  nu) 

«etfpiele  (@.  267  ff.). 


Pi  neb,  mein  #err 

Pe  ran  pui .  k  LXXII.  neter .  u 

ber  9iame  betner  72  ©öfter 
Pi.sen  (öer),  tf)r  Wuf)rer 

An.ti    tu  en      pi    matai .  u,    hna  na.i  t .  ent  hetra 

id)  gab  2Bort  meinem  gu&volf,  jug(eid)  meiner  Reiterei 
(roörtlid):  ber  (2ibtt)ei(ung),  roeldK  <Pferbe  (t)at)) 

tet:  s.men  tenu,   s.men  het  tenu,  pai      matai .  u 

fagenb:  bereitet  eud),  bereitet  baö  £er$  euer,  t()r  gußüoit" 

nai    tent    hetra  (tyapnruS  »on  SKamfeS  gelbjügen) 
bieifyr,  roeld)e3u  Werbe 

nai .  f  s .  mat .  u,  feine  Rechtfertigungen  (p.  413), 


III.  gormen-'  u.  SBortlebre. 


343 


II.  2(  ng  e  &  an  g  te  #ffijce  ber  perfonlichen$ur; 
tt)  orter. 
Si .  k,  Dein  (Sohn,  f.  p.ek.si 

Si.f,  fein  (Sopn,  f.  p.ef.si 

Set.ten,  eure  XO(hteV,  t  te.ten.set. 

©öS  5topttfd)c  hat  biefe  einfache,  im  (Semitifd)en  allein 
febenbe  gorm  ber  (Suffixen  md>t  gan$  verloren,  dt  bewahrt  aber 
meifr  nur  noch  bie  fürjefre  gorm  ber  erften  Seacidwungöroeife/  nam- 
(14)  bte 95erbtn&tmg  beg  Sirtifclö  mit  ben  pcrfonh'd^en  (Suffiren:  bie 
pollftanbigere  gorm  biefer  2Betfe,  baö  Anhangen  berfelben  (Suffiren 
an  ben  uerfrörften  Slrttfel,  ba6  Scmonfrratioum,  ift  ihm  rocmgftcnS 
formell  geblieben,  GhampolHon  oerfannte  biefen  Untcrfditeb  unb 
laö  alle  33cifpiele  ber  srociten  2Beife  nad^  ber  fopttfeben  2lrt,  gegen 
bie  #ierog(rphen.  l'cpfiuö  bat  biefen  i 0 g r  1  ff  berichtigt,  fclbfi  aber 
bie  im  Äopttfchen  erhaltene  gorm  ber  alten  (Sprache  abgefpro* 
chen  l87).  ©er  Unterfchicb  ber  beiben  (Spraken  fcheint  mir  alfo 
biefer.  3nt  2lltfigpptifchcn  rann  ber  ^ofteffto begriff  auögebrücft 
roerben,  ohne  bajj  baö  9iennroort  ben  s2lrtifel  bat,  ber  in  biefer 
(Sprache  überhaupt  mehr  bemonftratio  ifh  £)aö  perfonltdK  gürroort 
tritt  einfad)  an  baß  ^ennroort :  Tef .  k,  bein  5}ater,  roie  nurrjo  cov. 
3mftoptifd>en  unb  fd)on  im  £)emottfdKn  ift  ber2lrtifelmeifrcnönoth-' 
roenbig,  unb  baö  perfentid^c  3etd)cn  fddicfct  ftd)  ihm  an:  pek.si, 
bein  (Sohn.  £)a6  2lltdgpptifd)e  fennt  biefe  2Beife  aud),  unb  aroar 
in  boppclter  gorm.  fann  paik  tef,  cvrog  (o's)  aov  Trcttyg,  unb 
pak  tef,  o  cov  navrjq,  fagen;  aber  roir  finben  nid)t,  bafj  e$  pe 
tef .  k  fagt. 

D.  3<**)*tt>6rter. 
£)ie  gewöhnliche  ^Bezeichnung  ber  3<*hfen  im  2£egnpti= 
frf)en  iji  rein  bilblicf):  nur  ^fällig  werben  bie  3ßf)foorter 
mit  Suchjfaben  gefebrieben,  wo  fte  bann  gan§  mit  ben  fop; 
ttfd>en  Bimmen.  &3ei  ben  ^ufammengefe^ten  3af)kn  (oon 
11  an)  beweijt  auch  bie  jDrbnung,  nach  welcher  bie  3eicf)en 
ber  höheren  ©attung  ben  (Einheiten  vorhergehen,  ba§  bte 
SBorter  ben  fopttfeben  'entsprechen,  in  welchen  nämlich  bie= 
felbe  SDrbnung  fratt  ftnbet.    £)ie  bis  jefct  nicht  in  ^ierogln^ 

I87)  Lettre  p.  72  f. 


344 


(£rtfe$  «5udv  Vierter  2fbfd)nitt. 


pfyen  gefundenen  3<*()foorter  ftnb  burd)  klammern  al§  top; 
ttfdbe  formen  be^eietynet.  lieber  baö  33err;dltnig  ber  dgpptis 
fd)en  3<*f)lrc>6rter  ju  ben  inbogermanifd)en  unb  femitifcfyen 
geben  wir  eine  Ueberftcfyt  ber  r>on  ßcpfiuS  1836  angejMten 
gorfd)ung,  n>elcr)e  auf  jeben  gall  alles*  anbere  barüber  ©e^ 
fagte  weit  hinter  ftd)  juritcflägt,  unb  eine  (£pod)e  in  ber  fyös 
fyeren  (sprad)t>ergleicf)ung  bt(bet  T88). 

1  (uai,  ua,  uöt,  rü.  uei,  ui,  uöt)  ar.  v  .  ahidun,  unus :  av.alun, 
primus:  jenb.  aevö. 

2  (snau,  rü.  sente,  snuti)  ©tflttim  sn :  f)ebl\  %ne. 

3  (^oraent,  ^ament,  %amet,  %omt,  tt).  %omti,  %omte)  (gtflltltn  sra : 

in  ben  tnbogcrnutmfcbcn  @prad)cnurfprünglid)er,  t  mit^Iurnlf. 

4  Ftu  (ftöu,  ftoü,  ro.  ftoe,  fto),  aft  (tafte  in  3ufammcnf.)  =  n£- 
xoQct  —  7is-Toqct  (1  -f-  3),  pgl.  qua-tuor  u.  qua-ter:  föfr.  tt). 
ca-tasras  (ro.  tisras  3). 

5  Tu  (tiu,  ro.  tie)  =  2  +  3,  pgl.  teui,  mempf).  =  50:  ba$  Bei- 
den für  2  itf  Dorn  abgefallen* 

6  (Soü,  ro.  soo,  Boe,  so),  f>.  föfr,  ©ebilbet  aB  ^cr= 
boppelung  bed  ju  s  erroetdbten  t:  ber  Drcijaf)!. 

?7  Sefejj;  (sa^f,  se^f,  sa^sf,  sas^f,  ro.  %asfi,  sa^fe),  l).  %eba,  fefr. 

saptan,  gotf).  sibun,  cntjknbcn  auö  3  +  4  (rote  bie  3abl  bi<?; 
roglppbifd)  bargetfetlt  roirb),  septem,  alfo  =  s  (jlatt  tr) 
+  p  .  tm  =  3  -j-  (1  +  3).  2legt)pttfd>er  Stamm  %f. 

8  (%raun,  ^men,  ro.  %mune,  ^mene,  gmeni)  sI<gl.  ©tamm  ÜOU  3: 

vorn  k(ft.  kp,  p  =  l)  weggefallen.  2(1  fo  Dualform  oon  öier. 

9  (Psit,  psis,  ro»  psitti,  psiti,  psite)  =  pis  - t  —  4  +  5,  ogl.  50  u.  90. 

10  (ment,  mnt,  met,  ro.  raeti,  mete). 

11  (ment .  üe,  met .  iia,  met .  uai,  ro.  ment .  üei,  met .  ui)  =:  10+1, 

rote  ein-lif  (eins  bleibt)  =  eilf. 

12  (ment .  snoüs ,  met .  snoiis ,  met .  snau ,  ro.  mnt .  snoüse ,  met . 

snuti)  =  10  +  2 ,  rote  tva-lif  (jroei  bleiben)  =  zwölf. 

I8S)  3*.  SepftuS,  sroei  fprad)t>etgleid)enbe  2(bf)anbtungen.  2.  Ueber 
benUrfprung  unb  bie  SSerroanbtfdjaft  bev  3<*l)ln>orter  in  ber 
bogermantfcfyen,  (Semitifdjen  unb  ber  Äopttfcfyen  <Sprad)e.  35er; 
lin  1836.  8.  p.  83  —  150.  SfteqcrS  ©nftem  in  ben  oben  ange; 
führten  Hrttfeln  in  ben  SSagertidjen  ©eletjrten  2Cnjetgen  giebt 
fein  nachweisbares  (Srgebntp.  SJttan  finbet  eö  gufammengefteUt 
in  ber  tfnm.  &u  p.  643  gegen  ba6  (Snbe  be§  feiten  tfrtifelS. 


Iii.  gormen*  iu  SBortlefyre* 


345 


13  (ment .  ^oment ,  met.^omt,  met.  ^omt,  tt).  mnt .%omte  ,  met. 
«^omti) 

20  (djuöt,  djöt,  tt).  djuöte,  djiiöti) 

30  (maab,  mab,  map,  rü»  raaabe) 

40  (hme,  hme) 

50  (taiü,  teni) 

fiO  (se) 

10  (%fe,  %he) 

80  (hmene,  khrnene,  khamne,  kherane) 

90  (pestaiü,  pisteüi),  b.  h.  40  (febe  4)  +  50 

100  (%e).    <Had)  Q5ird)  bebeutet  baö  3ctd)cn  „35ünbel",  alfo  3u* 

faminenfaffung. 
200  feet)  offenbare  £>ualform  oon  ^e. 

1000  %a  (^o,  feiten  %a):  geroobnlid) :  otele,  grojie  2ln$abl: 

roie  im  @ried)ifd)en  pvgtot  (mile,  mille). 
10000  teba  (3eid)en:  ber  Singer,  ägnpt  teb),  f.  t'ba,  tba.  Wad) 

2D?eperV23emerfung  (o.a.  £).)  SKeft  einer  8inger--3ablenfprad)e. 

Df)ne  2lrtifel  (leben  bie  3o^n)6rter  ibren  9knnro5rtern  nad): 
mit  t'bm  ab"r  oor  benfelbem 

£)ie  JDrbnungSjablen  roerben  burd)  SBorfe&ung  »on  meh 
gebilbet,  roel*e£,  allein  gebraud)t,  Dielfad)  bebeutet.   %.  Q5. 

meh-^oment,  ber  britte  (f.  mah,  meh:  mah .  ^omt,  tertius,  meh. 

^omte,  tertia  u.  f.  ro.).  ©er  ertfe,  bie  erfte  f>ci§t  api,  ape,  ro* 
apet  (oon  ape,  £aupt),  L  huit,  ro»  huiti,  sufammenbängenb  mit 

ua  (einö)  Unb  %orp,  fcörp,  %arep,  %arp  ,  %erp ,  %rp,  tt).  ^orpi, 
%orpe,  %arpi  (agppt.  #erp  ,  prineeps). 

(Ein  £alb  wirb  auägcbrücft  burd)  m,  b.  b»  n)obl  met,  mete, 

£)ulfte  (DgL  f.  meti,  mete,  medium). 

£)ie  übrigen  Q5rüel)c  roerben  fo  gebtlbet,  bajj  ein  über  bie 
Babl  gefegtes  r  (re,  Sfceil,  f.  ra,  re)  ben  3«t>Icr  1  auöbrücft: 
bie  3<W  fefbfl  fteüt  alfo  ben  Kenner  bar» 

Unbefttmmte  3af)lbeftimmung,en. 
Si  (pgl.  f.  sa),  jemanb,  ein  geroiffer 

Neb  (niben,  nibi,  nim),  jeber,  alle 

Si-neb,  ein  jeber,  jebeö 

Un-neb,  ein  jeber,  jebeS:  pon  ün,  esse:  pgL  wv  mit  'unis 

Ki,  ke  (ke,  »ke,  ske),  ein  anberer,  anbere 
Xet  (ket,  ^et,  ro.  zeti),  ein  anberer,  anbere 
Aet  neb,  alle  anbern,  alles  anbere* 


346 


(JrtfeS  $ud>.  SOterter  2lbfd)mtt. 


E.  Die  2(bwanblung  ber  Kennwörter  unb  $8eu 
wort  er, 

Da6  männliche  Subfrantio  ift  ber  reine  (Stamm:  eS 
bebarf  alfo  fetner  befonbern  S^etcfynung:  ber  2£rtifel  pa, 
pe,  pi,  ber  Ü)m  bisweilen  oorgefegt  erfcfyeint,  ift  tt>efent(td> 
ein  rdumltcb  nacfyweifenber ,  auftetgenber:  ber  2tu6brucf  ber 
ftcrjtbaren  ©elbftdnbigfeit. 

Die  weiblichen  Kennwörter  fyaben  feineSwegS  notfywens 
big  eine  befonbere  (£nbung  ober  einen  2tbbiegung3laut:  fo 
ftnb  iri,  2luge,  men,  23cm,  renpa,  ^alrne,  Sabr,  ma,  SBabrs 
beit,  ©erecfytigf  eit,  roetbttd^e  SBorter.  S3ei  SBorrern,  wie 
%ere.  ©obn  unb  £od)ter,  wirb  bie  weibliche  £3ebeutung  bnret) 
ein  angelangtem  t  bezeichnet.  Daffelbe  3eicben  ftnbet  ftcf) 
auch  regelmäßig  hinter  jenen  SBorrern,  fo  wie  hinter  hime, 
SBetb,  mu,  Butter,  unb  ähnlichen.  Da§  e3  bt^tx>etten  audb 
auSgefprocben  fei,  febeint  bie  Anführung  oon  muth  bei  $lu= 
tard)  aB  Käme  ber  3fi§  511  beweifen,  welche  wurfrief;  fo  ge= 
fdfjrieben  wirb:  ©et)er  mit  t  =  mu.  t.  3n  anbern  Kamen 
hingegen  febeint  ba3  weibliche  3eicben  nur  be£  SScrftdnbntfs 
feg  wegen  gefebrieben  $u  fein.  28ir  bürfen  alfo  wohl  an- 
nehmen,  ba§  jenes?  t  nur  bann  gefproeben  würbe,  wenn  man 
bie  sperfönlicbfcit  naebweifen  wollte,  wie  buret)  ba3  oorge- 
fegte  pe  bei  ben  männlichen  Kennwortern  gefebiebt.  Sftan 
barf  alfo  nur  in  biefem  (Sinne  barin  einen  naehgefe£ten  lix- 
rifel  erfennen:  im  Äopttfcben  ift  t  würflieb  ber  weiblicbe  2frs 
tifel,  ber  alfo  oorgefe^t  wirb,  liefen  Unterfcbieb  be3  2fc.qt>p= 
tifeben  unb  Äoptifcben  l>at  SepftuS  ftuerft  naebgewiefen ,  ba 
ßbampollion  immer  bie  dgt)ptifcben  SBortc  nacb  bem  jtop^ 
tifeben  umfebreibt,  wag  gänzlich  $u  oerwerfen  ift189). 

Die  einige  ^(bwanblung  ber  Kennworter  ift  bie  £3e; 
Zeichnung  ber  3weil)eit  unb  Mehrheit.  Der  Dual 
wirb  bureb  ti  bezeichnet,  bem  bei  weiblicben  Kennwortern 

I89)  Lepsius  Lettre  p.  62  f.,  »gl.  p.  83  ff. 


III.  Sormen*  u*  SBortfefyre- 


347 


bewettert  ba3  ©efd)led)tSäetc&en  t  t>orf)ergef)t,  j.  33.  neter 
sen.ti,  bte  btibtn  ©otterbrüber;  men.t.ti,  bie  beiben 
S3eine  l9°). 

gür  ben  Plural  giebt  eS  tm2flraqt)pttfdfoen  nur  biej^nbung 
ut9t):  f.  öüj  öüi,  oüe,  aui,  auei,  eiii,  eüe,  eui,  euei,  iüi, 
Iii,  uei,  eu,  aud)  oor:  fdmmtttd)  2Cu§brucf  ber  Urform,  mit 
S3erfidrfung. 

2Ba3  bie  £3  ei  wort  er  ober  2(bjecrioa  betrifft,  fo  t(i  bie 
3af)l  berfelben  unenblid)  gering.  Sn  fefyr  bieten  gdllen  roirb, 
wie  im  £ebrdifd)en,  jratt  bes  9?ebenorbnen3  einer  (5igenfd)aft 
neben  einer  <2elbjrdnbigfeit  (roie  ..golbneS  ^aBbanb")  ba£ 
Unterorbnen  gewagt,  inbem  bie  (£igenfd)aft  als  t>on  bem 
£)inge,  we(d)em  fte  einwohnt,  abhängig,  ober  biefeS  als 
tton  ber  @igenfd)aft  au^gefyenb  gebacfjt  roirb.  ©o  fagt  ber 
2tegt)pter  en-nub,  ba3  v£)aßbanb  ^  ©olbeS:  Dek  nub. 
ber  ©olb  Sperber:  (kah)  mehit.  bie  ©egenb  be5  Horbens, 
baa  9?orblanb:  (kah)  sari,  ba£  fubltcrje  £anb. 

Dag  SfobenorbmtnqS*  Softem  lagt  aud)  jwet  9?ennwors 
ter  ju:  fo  neter  senti.  bte  beiben  rettenben  ©otter,  wortlid)  bie 
beiben  ©otter,  Detter.  £)a$  (*tgenfd)aftswort  jie&t  f>ter  nad), 
roie  bort  (£ben  fo  finb  bie  2tuSbrucfe  suten-tef,  neter- 
mut  für  ..f6nig(td)er23ater",  ..göttliche  Butter"  $u  faffen  I92). 
2Cß  würflige  S3eiro6rter  ftnb  fajt  alle  SBur^eln  oon  (2age= 
Wörtern  anheben,  wie  ane^  (eben  =  lebenb,  lebenbtg:  ueb, 
rein,  Zeitig  fein  =  rein,  geheiligt:  ne#t;  jtarf  fein,  ftegen: 
sems.  erwarten  =  au6crwdJ)It  Crnblid)  giebt  e3  einige  ber 
unentbehrlichen  unb  alfo  urfprünglid)fren  ßigenfcfyaftSwörs 
ter,  benen  feine  (Sagewurjel  entfyrid)t,  wie  grog,  flein,  weig, 
rotf)  u.  bgt,  unb  in  biefen  ftnbet  ein  bis  je£t  nocr)  nid)t  aufs 
gefldrteS  S3erf)dttnig  ^u  ben  3eicf)en  fratt.  (Sie  werben  ndms 
lid)  oft,  ja  einige  auSfdjliegttd) ,  burd)  &3i(ber  auSgebrücft, 
welche  offenbar  in  einem  innerlichen  3ufammenbange  mit 

I9°)  (Sbenbaf*  p.  66. 

191)  ©benbaf. 

192)  Anberg  (Si)ompoUion  p.  324.    Qt  ftef>t  Sterin  eine  2Cuönaf)me. 


348 


@rflc$  Q3ud).  Vierter  2lbfd>nttt* 


t>er  (£igenfcf)aft  flehen:  fo  ber  SBegriff  grog,  mächtig, 
Weiterer,  gül)rcr,  burd)  eine  ft<±>  (fchnell  erfyebenbe)  (5d)walbe 
ober  einen  (hod)  leud)tenben)  <Stern:  mit  ober  olme  ein  r, 
welches  alfo  bae>  @nbe  ber  $u  fprect)enben  SBurzel  bezeichnet 
2luct)  tetbet  e§,  in  golge  griechifcher  Ueberliefcrung  unb  Um; 
fchreibung  oon  tarnen,  feinen  3roetfel,  bag  jenes  SBort  üer 
gelautet  habe  (cn^p),  obwohl  bie  ©chwalbe  immer  men  unb 
ber  ©tern  sia  heigt.  dbm  fo  wirb  kui,  Hein,  burch  eine 
2Crt  3aun?6nig  auSgebrücft,  beffen  9?ame  un3  jebod)  ganz 
unbefannt  ift.  (So  ijr  ee>  mit  einem  Seichen ,  welches  nad) 
ben  ©emdlben  eine  junge  3w>tebel  fdjeint,  unb  ben  ^Begriff 
weig  auSbrücft,  waS  in  ber  Sud)jrabenfd)rift  üh%  (t  uöb%) 
lautet.  £)ag  aber  eine  3wiebel  würFlich  fo  geheigen,  wiffen 
wir  nicht.  9?  o  t  J)  (tc^er)  bezeichnet  oft  ein  SSoget  mit  feuere 
farbenen  gebern:  gut  (nefru)  eine  Saute,  beibe  unbefann; 
ten  9kmenS:  jeneS  aber  wenigftenS  ftnnbttbttcf)  unoerfenn^ 
bar,  £)er  SBegriff  wüthenb,  jähzornig  (kent)  wirb  burd)  tu 
nen  anfprtngenben  Affen  auSgebrücft, 

2Bir  haben  l>tcr  ber  Seicfyen  erwähnt,  weil  fte  bie  9?a; 
tur  ber  (Spraye  erklären  Reifen.  SÖBtr  beftnben  unS  auf  tU 
nem  (Etanbpunfte,  wo  eS  zweifelhaft  ijr,  ob  eine  junge  3roie; 
bei  „bie  weige"  genannt  fei,  ober  weig  buret)  SÖort  wie  33Ub 
..3rciebel"  bezeichnet.  Angenommen,  jeneS  fei  ber  gall,  fo 
werben  wir  für  bie  Gnrflärunfl  beS  9?amenS  auf  eine  nod) 
frühere  SSerbinbung  ber  (Stgenfdjaft  mit  einem  £)inge  (beS 
(SeinS  mit  einem  ©eienben)  zurückgeworfen.  31?  tiefet  aber 
als  baS  ^idjtigc  anzunehmen,  fo  fyaben  wir  bie  urfprüng; 
liehe  Auffaffung  im  33tlbe  erhalten. 

£)aS  dg^ptifche  Abjcctio  nimmt  3eict)en  beS  £)ual  unb 
Plural  an,  fo  gut  wie  baS  Kennwort.  (£§  fcr)eint  aber, 
bag  ber  £ual  bie  gorm  oon  ui  r)at  £)a3  wenigfrenS  er^ 
giebt  baS  oon  (5r)ampollton  angeführte  &3eifptel  (©.  326): 

(£)ie  betben  ©6ttcr)  uer.ui  na.ui,  bie  mdcl)ticjen,  großen. 


Iii.  gormen^  tu  2Bortlcf)re* 


349 


formen  für  bte  35ergleicf)ungSgrabe  giebt  e§  ntdjt, 
fo  üiel  wir  wiffen,  im  2(ltdgt)ptiftf)en.  Um  ben  (Superlativ 
au^ubrttcfen ,  fefct  e3  emfad)  ba$  ^Beiwort  t>or  btc  S^e^rja^ 
beö  Kennwortes,  5.  33, 

Usire    neter    naa    neter .  u 

JDfiriS,  ©ott  ber  große  ber  ©ctter,  b.     ber  gr6tjtc  ©Ott* 
£)ie  fpdtere  gorm  tfi,  bem  Kennwort  bie  ^rdpofttton  en 
üor^ufe^en:  ber  große  t>on  ben  ©Ottern, 

£)f)ne  3n?etfe£  bezeichnete  man  ben  ßomparatw  eben  fo, 
tnbem  man  ba3  Kennwort  in  ben  £)ual  fefete. 

£)ie  aüferdttefle  gorm  ijf  tt)a^rfc^etn(id)  bie  zweifache  ober 
breifacfye  2Bieberf)olung,  bie  ftcf>  mehrmals  frnbet:  fo  ber  ©eis 
name  bes  £oth:  groß,  grog ,  b.  h-  ber  zweimal  große:  ober 
nefru,  hefru,  nefra,  ber  breimal  gute,  b.  ^  ber  ©rößere, 
ber  S3ejfe. 

F.  £)te  2(bwanblung  beS  (SageworteS. 

I.  £)a3  reine  (Sag  ewort  (verbum  substantivum). 

2Benn  baS  perfonliche  gürwort  baS  allgemeine  üftenn* 
wort  Reißen  fann  in  feiner  reinen  ober  feiner  verjldrften  $)ers 
fonltdbfeit;  fo  tft  baS  reine  (Sagewort  eben  baffeibe  in  SSers 
baiform,  b,  h*  als  (Sein,  nicht  als  (SeienbeS  gebadet  SDteg 
ijt  nirgenbS  ftchtbarer  unb  weltgefd)ichtltch  merfwurbiger  als 
bei  ben  2(egppterm 

£)ie  (Sa^form  (reine  dopula)  fann  im  2Tegpptifc6en  in 
folgenben  formen  auSgebrttcft  werben: 

1)  pa  (nac^  bem  (Subject),  für  bie  beiDen  ®efd)lechter  unb 
bie  brei  3«^en  gleich.    Pa  ijt  aber  nichts  als  ber  urs 
fprüngliche  2(uSbrucf  für  ber,  b.  h«  biefer,  bie  rdum^ 
liehe  <Selb|tdnbigfett  beS  (Seienbem   3-  85. 
(Steine  Q3robe)  pa  em  serit  ub%,  finb  au$  hörnern  roeifetn 

^ierauS  tfr  ber  foptifche  ^uSbrutf  pe,  te,  ne,  er  tfi,  fte 
t|t,  fte  ftnb,  entfranben. 


350 


grtfeö  Q3ud).  «Btcrtcr  2Tbfd>nttt. 


So  fagt  ber  Semtte:  ©ort  er  gut  (hu)  unb  aus  hu 
tjt  hava,  hajah.  er  ift,  gcbtlbet. 

2)  ar,  ttorgefefct,  unöerdnbert,  biebrttte  ^erfon  iff,  finb(f. 
are,  ale,  ere,  ele :  ügl,  er.  ff  anb.  =  i  ft :  are.  engt,  f  { n  b) ; 

a  r  mehi  II    ein     ape  .  f 

ftnb  bic  sroci  gebern  auf  feinem  Raupte» 

3)  au,  üorgefe^t  (f.  ö,  o):  unüerdnbert,  ober  nad)  ben  t>er* 
fcr)teoenen  ^erfonen  mit  ben  ^ronomtnalfufftjcen.  3. 

au  tu.k  me.t,  betn  SBort  ift  2Baf)rt)etr. 
au.i,  id)btn:  au.k,  bu  bffl:  au.f,  er  ift:  au.sen,fte  ftnb  (t>aj. 
au  in  ai'-To's). 

4)  un  (fprid):  unu),  F.  uon,  un:  fdjetnt  regelmäßig  wie 
bie  gewöhnlichen  Sagewörter  abgewanbelt  $u  werben. 
3.  ®. 

un .  n .  f,  er  ifl  geroefen. 
ftef)t  fer)r  oft  fo,  baß  e3  am  einfachen  als  spartijtp 
gefaßt  wirb:  »gl.       6V,  f.  e.  an.   3m  Äopttfd^en  tjl 
bie  SSebeutung:  jemanb,  einer,  erhalten  =  unus. 
Sn  fpateren  Seiten  Fommt  aud)  iri,  machen,  tf)un, 
alo  (Soputa  ttor,  bod)  fafi  immer  mit  einer  eigenen  2Ben= 
bung,  bie  auf  ben  urfprünglicrjen  Q$tbxaud)  binweift,  35. 
12  unb  12  2(ruren  finb  (machen,  iri)  24  Ogl.  arab.  kana, 
machen). 

2Bir  üerbinben  hiermit  ben  2(uöbrucf  ber  33ejaf)ung 
unb  Verneinung. 

£)er  2lu3brucf  ber  ßopula  (ba3  Verbinben  be3  (Sein§ 
unb  (Setenben)  fann  aud)  bloß  in  ber  (Stellung  liegen.  dUm? 
lid)  üoran  gebt  baS  (Subject,  bann  folgt  ba£  ^»rdbicat.  lind) 
fann  baS  9)rdbicat  (Verbum)  Doranjiefyen,  roenn  ba$  Smbject 
eine  Erweiterung  feat.  3-  33. 

hak  Hur  si  His,  eß  erfreuet  ft'cb  #oru6,  ber  ©ofyn  ber  3ft^ 

£)ie  Verneinung  ber  @opula  (ba§  brennen  be3  SeinS 
t>om  ©eienben)  wirb  bilblid^  burd)  ^wei  nad)  beiben  Seiten 
auSgejtrecfte  abwefyrenbe  3£rme  ausgebrueft,  unter  welchen 


Iii.  gornten-  u.  2Bortlehre. 


351 


bisweilen  ein  in  tterfehrter  Dichtung  gezeichneter  (Sperling, 
ba3  £3ilb  alleS  3erfrorenben,  gefegt  wirb.  (Sie  feat  aber  aud) 
in  ben  JMeroglpphen  einen  eigenen  2fuSbrucf,  welker  at& 
bann  jebe  ber  eben  aufgeführten  ^Bezeichnungen  für  bte  be; 
jahenbe  ßopula  au3fd)liegt. 

£)te  beiben  formen  ber  üerneinenben  @opula  ftnb  en, 
nen,  oorangefe^t  (f.  en,  n,  an,  n— an,  n — •  en).    3.  SB. 

ne    Suten    ri    Kemi    iri  sa 

md)t  ftönig  in  Slegppren  bat  bergletoVn  getpan. 

ne  s.^et.i  (©anfe)  sen,  ntcbt  habe  id)  gefinfelt  tf>re  ©anfe, 
£)ie§  i|t  bte  ©runblage  ber  tterneinenben  Konjugation  im 
Äopttfchen. 

n  t  e  m  (f.  tm,  % .  tem)  mit  angelangten  perfonü'chen2ffftren : 

iri    ri    tetf.u    nib  ri    tem .  sen    uh    ru  •  i 

mnd)e/  bafj  m'd)t  @d)langen  alle  md)t  »erfolgen  mtd). 

II.   £)  a$  *Pra  b  i  cat  s  o  b  e r  (5t q  e  nf d) a f t$  =  <S  a g  eroo  1 t. 
£)ie  reine  SBur^el  tfr  ber  Snftnttto.   3-  25. 

Ra      neter    na,     ti .  k    mii    Hatber  sate.u.k 

£elioS,  ©ott  großer,  gteb  fd>auen  £athor  beine  (Simplen 
(b.  I).  gteb,  ba{?  £atpor  beine  (Straelen  fd)aue)* 

tiefer  (Stamm  nun  brüdt  ohne  SBettereS  alle  $erfonen 
auS,  fei  es,  ba§  ba3  (Subject,  wie  gewöhnlich,  vorhergeht 
(Jürwort  ober  Kennwort,),  ober  baf?  ba6  SBerbum  ben  (Sa£ 
beginnt.   3-  £3. 

nek  ^unsu    ter    tenten    nib .  u 

id)   Ctyonö  burd)bohre  bte  Aufruhrer  alle* 
hak  Her  si .  Hes,  c6  freut  ftd)  .froruö,  ber  (Sohn  ber  3fi3 
2Meg  ift  gleichfam  bie  bleibenbe,  allgemeine  ©egenwart.  ZU 
lein  e3  giebt  aud)  formen  für  bie  ©egenfd^e  oon  ©egen= 
wart,  Vergangenheit  unb  S^unft,  fo  wie  für  bie  oerfchie^ 
benen  Sßeifen. 

1.  £)ie  er^dhtenbe  SÖeife  (Snbicatio  u. ßonjunetio). 
a)  (gegenwärtige  Seit:  burd)  2(nhdngung  ber  $rono; 
minal;2(fftre  an  ben  (Stamm: 


352 


grfteg  *8ud>*  Vierter  Sfbfdwitt. 


3d),       a  (i,  ei)  g^ir,  en 

2>U,  ttl,  ek  3^r,  ten 

».  t 

^r/         ef  @ic,  sen 

©je,  es 

iri.a  —  .  .  .  id)  mad)e 

iri .  ek  —    iri .  et     bu  ttiad)ft 
iri.ef  —    iri.es    er,  ftC  tttfld)t  • 

iri .  en  —  iri .  ten  —  iri .  sen,  mir  mad)en,  ifyr  mnd)t,  fte  madjen. 

£5ie  foptifd)c  Sonjugction  fcl>rt  bieg  um,  alfo : 
ei .  iri        —    .    .    .    id)  mnd)c 
ek.iri       —    te .  iri    bu  mad)ft 
ef  (ere) .  iri  —    es  (ere)  .  iri ,  er  /  fte  mad)t 

en(ten).iri—  .  .   .  wir  mad)en 

teten  (ereten)  .iri  —    .    .    .    ifyr  mad)t 
u4(se  ob*  ere)  .iri  —    .    .    .    ftc  tt1fld)en. 

@f)ampollton  bat  aud)  i)ter  irrtbüm(td)  bie  foptifd)e  gorm  ber 
ugpptifd)en  aufgebrungen,  gegen  bie  einbettige  <2d>reibart  ber  f)ie= 
rog(npf)ifd)en  unb  f)ieratifd)en  £crte.  £epftu£  bat  ba$  SKid)tige 
bergetfeüt193)* 

b)  Vergangene  Stit,  3wtfd)en  ©ramm  unb  2Cfftr  wirb 
en  etngefd)oben,   2(lfo  5.  35» 

iri .  en .  a    —  .   .   .   .    id)  t)abe  gemad)t 

iri .  en  .  ek    —    iri .  en  .  et    bu  gemad)t 
iri .  en  .  ef    —    iri .  en  .  es   er,  ftC  bat  gcmad)t 

iri .  en .  en  —  .  .  .   .    nur  baben  gemad)t 
iri .  en .  ten  —  .  .  .  .    tyr  babt  gemad)t 
iri .  en .  sen  —  .  .  .   .    ftc  baben  gemad)t, 

©IC  foptifd)e  SBeife  ijt:  nai .  iri .  pe:  nak  .  iri .  pe  :  naf,  nas: 
nan  :  nareten :  naü  ,  nare  .  iri .  pe. 

c)  Sufunftige  3eit  £)em  stamme  wirb  t>orgefe£t  au  .r 
(t  e),  esse  versus,  wie  ba3  italienifcfye  essere  per.  £)ie 
^erfonbejhmmungen  werben  an  au  angelangt    r  fann 

I93)  Lettre  p.  73. 


Iii.  gormen-  u.  SBortlefjre. 


353 


aud)  weggelaffen  werben.  2£Ifo  entfprtd&t  ba$  dgt)ptifd)e 
au .  a .  r .  mai  (  sono  io  per  amare  ===  amerö  )  bem 
fopt.  eiemai  b.  f).  ei.  e. mai 5  au.ek.r.mai,  unb  fo: 
eke,  ere :  efe,  ese:  ene :  eretene:  etetne:  eue.mai, 
bu,  er,  fte  u.  f.  w.,  wirft,  wirb  u.  f.  w,  Heben. 

au  .  a  .  r  iri  —  au .  a  iri  id)  ttJCrbe  mqd)en  (f).  a  .  aseh) 

au  .  ek  .  r  iri  —  au  .  ek  iri  bll  wirft  ttiad)en  (f).  t»  .  aseh) 

au  .  et  .  r  iri  —  au  .  et  iri  bu  (28eib)  Wtrfi  ttiad)Cn  (f).  t .  aseh  .  i) 

au  .  ef\  r  iri  —  au  .  ef  iri  er  wirb  mad)en  (f).  j  (v)»  .  aseh) 

au  .  es  .  r  iri  —  au  .  es  iri  fte  wirb  tttaaVn  (l).  t»  .  aseh). 

au  .  en  .  r  iri  —  au  .  en  iri  wir  Werben  m(td)en  (f).  n*  .  aseh) 

au  .  ten  .  r  iri  —  au  .  ten  iri  if)r  werbet  m<ld)en  (f).  ta.  asu,  t».  aseh. na) 

au.sen.r  iri  —  au  .  sen  iri  fte  werben  ttt.  (f)*j.  (v)a  asu,  t»  .  aseh  .  na). 

2.  £)ie  SDptatioform  mai,  weld)e  bem  Stamme  oor^ 
gefegt  wirb  (mit  bem  bilblicfyen  Seiten  eines  bie  $anb 
erfjebenben  SfftanneS  ober  einer  grau):  balb  ofme  weitere 
SBe^eic^nuna, ,  23. 

mai  fai,  fai  hai .  i,  mogeft  bu  fliegen,  fliegen/  meine  (Seele; 
ober  mit  ben  öftren ,  5.  33,  mai .  iri .  u  möge  id)  machen. 

mai .  rem  .  i  baj?  id)  Weinen  m6d)te       dav.gv  otfii 

mai.  rem.  ek,  et  bd§  bu  Weinen  lUod)te|t  öaKQvoig 
mai.  rem.  ef,  es  b(l§  er  (fte)  Weinen  m6d)te  öccy.qv  ol 
mai. rem. en        b(l{?  Wir  Weinen  mod)ten  day.qvoifisv 
mai .  rem  .  ten      baf?       Weinen  m6d)tet      öaxgv  0  lt  £ 
mai .  rem  .  sen      ba§  fte  Weinen  m5d)ten       dangy  Oliv  (ffay)~ 

Sm  Äoptifcfyen  lautet  mai :  mare,  male,  unb  bie  ?)erfonen 
werben  an  il)m  be^eicfynet:  33.  muri;  marek,  maref,  wor; 
auf  bie  3Burjel  folgt.    2Clfo  mari  rime,  marek  rime  u,  f.  W. 

3.  £>ie  befefjlenbe  Söetfe  (Smperatio,  bttblicf;:  ein 
auSrufenber  9ttann).  £)em  ©tamme  wirb  ma  (f.  ma) 
oorgefefct,     33,  oon  ber  SBur^el  i,  fommen: 

ma  .  i       f  ottim  ! 

ma.i.en  lnjjt  uns  fommen,  m&gen  wir  fommen. 
J.  23 


354 


(Srfteö  55ud).  Vierter  2Xt>fd>nttt. 


SMefe  S°rm  Weint  SSer!ür^ung  ber  £)ptatioform :  ober 
ob  an  ma,  geben,  ^u  benfen  ijt? 

4,   £>a£  ^artteip  (©age  ;33eiroort) ,  ba3  perfonttefe  ge= 
roorbene  <5ein&roort,  im  2(egt)ptifd)en  mit  ber  britten 
?)erfon  ber  @in$al)l  äufammenfydngenb,  b,  t).  cS  voirb  bem 
(Stamme  f  ober  s  (er,  fte)  angelangt,  im  Plural  u. 
3,  05.  suben,  erfeud)ten  —  suben .  f,  erleud)tenb. 

Kern  n.s.t,  2Jegnpten  barbringenb  bir  (3ft6)» 
(2)ie  Seinbe)  stut .  u,  jitternb,  oon  «tut,  jittern,  f.  eu .  stöt. 

Einige  ©aoewortcr,  roelcfye  eine  jtarfe  SBur^el  mit  e- 
Sttitlautern  fyaben,  bilbm  ba3  ^artieip  buref)  angelangtes 
ii« ,  j.  m. 

8etcm,  ()6rcit  —  setem  .  iu,  fj&renb 

hen,  anbeten  —  hen.iu,  anbetenb 
un,  Sffnen     —  un  .  iu,  fcffnenb. 

(5nb(td^)  ftnbet  ft<±>  aud)  in  biefer  SBebeutung  at,  et 
ber  SBur^el  angelangt,  foroofyt  wenn  fte  auf  einen  SÖfttlau; 
ter  enbigt,  aB  auf  einen  ©elbfrlauter,  5.  33, 

an^,  (eben  —  an# .  at,  lebenb 

seneba,  jkrf  fein  —  seneba .  et,  ftarf  feienb 

se .  men^,  erbauen  —  se .  men^ .  et,  erbauenb 

sca,  f)crrfd)cn  —  j&a.et,  fyerrfaVnb. 

£Me  umfcfyretbenbe  gorm  ijt  ent,  enten,  Oer  welcher, 
t>or  ber  SBurjel,  S5. 

enten  him,  t>er  SKettenbe. 

gür  baS     af fit) um  giebt  e§  eigentlich  feine  Jorm, 
auger  bem  9>  a  r  1 1  c tp ,  welches  ut  (f.  ut)  lautet  2Cber 
inbem  btefeS  jroifcfjen  SQBurjel  unb  2Cfftjre  gefegt  wirb,  ifr  bie 
9#6glid)feit  einer  Konjugation  gegeben:  S5. 
aa,  anbeten  —  aa .  nt,  angebetet  —  aa .  ut .  f,  er  wirb  angebetet. 
SD?an  r»erg(etd>e  baö  (atetntfd>c  t  im  paffinen  <J)articipe  (ama- 

tus,  auditus). 


Hl.  Sormen*  u.  2Bortlej)re. 


355 


G.  2)ie  SBerfydltntgworter  (9)rdpoftttonen), 
L  Grtnfacfye  sprdpofitionen. 
A  n ,  üerf ur^t  e  n  ,  t  en  ,  and)  hen : 

1)  ©enitto4ßerf)iUtmfj  (engf.  of,  franj.  de),  55.  (ba$  £anb) 
en  re*i,  ber  S^ctntgfcit* 

2)  50crbaT  -  (Erweiterung,  t>on,  burd):  sah  ket  en  Suten, 
(gcMofc  gebaut  oom  ft6nig. 

3)  Sroecf,  ju:  ( (Spiegel)  en  mii  pe  hra,  ju  befd)auen  ba$ 
©eftd)t. 

4)  SHiduung,  gegen,  roiber:  (bie  SGBa^rfjctt  red)tfertigt 
£oru6)  an  zeft.u,  roiber  bie  geinbe. 

Hem  (f.  hemmen), in  (rdumltd)):  urfprtmgl. Kennwort: 
hem.u  =r     ovrf?  ivSov ,  bie  (Jinroofyner.    hem.t,  bie  35e* 

roc-bnerin:  aud)  in  ber  gorm  ahem,  ahem.u. 
Am,  em,  f.  hem:  SBerfurjung  ber  vorigen  gorm. 

1)  in  (räumlid>):  ne^t  em  ter.u  neb,  (Sieger  in  allen  £an* 
ben;  neter. u  haak.u  em  mii.f,  bie  ©otter  erfreuen  ftd) 
in  feinem  2lnfd)aun  (iv  6gäv  avrov). 

2)  burd)  (Littel):  3.  55.  (boö  gelb  bearbeiten)  em  hebe, 
mit  bem  Pfluge. 

3)  ju  (Sroecf):  em  siai  het,  ju  erfreuen  ba£  £erj. 

Er  (baS  &ifym  be3  S3ucr))raben  r,  bcr  Sföunb),  f.  e. 
SBfiL  fcebr.  L 

1)  2)ati»  =  35erl)altni§:  erfent.ek  an^  re^i,  beiner  t^afc  (rourbc 
gegeben)  reinem  £eben. 

2)  gegen  (SKid)tUng)  :  ti .  n .  n .  ek  ken  er  sari ,  ne^t  er  mehet. 

roir  b^ben  bir  gegeben  gu  f)errfd)en  gegen  ©üben,  ju  fte-- 
gen  gegen  Horben. 

3)  in  (röumlid)):  ti.tbai.ekerpepe.em.er, id) (®5ttin) gebe 
beine  (Seele  Gu  fein)  im  Gimmel,  beinen  £eib  im  ©lanj. 

4)  3U  (Sroecf):  m.i  er  tet,  rat.u  er  sem,  meinen  Sföunb 
aum  SKeben,  meine  gu|je  jum  ©eben. 

5)  em  ...  er  =  »on  ...  biö. 

2Birb  gefd)rieben  unb  gefprod)en  als  reineö  £autjeid)en, 
fyfingt  aber  urfprunglid)  roobl  aud)  mit  bem  begriffe  9Cttunb, 

ru,  jufammen.  23gl.  to  sail  in  the  teeth  of  the  wind,  ge* 

gen  ben  SBinb  fegein. 

23* 


35(5 


@rtfe6  $ud).  Vierter  s2Jbfd)nitt. 


5)  Pe  (Gimmel). 

21  Uf  (super),  nur  in  ber  gormd:  neter  na  pe  hemsi.f,  ein 

großer  ©Ott  auf  feinem  Sfyrone.  Ä.  ri  t.pe,  super. 

6)  hra  (ßfyampolitOrt  U.  ßepftuS  ho,  ©eftd)t,  f.  hra),  fpfc 
hra  in  e  hrai,  e  hrei,  super.   33gl  fyebr,  pne. 

1)  fl  U  f  (super):  men  hra  ueri,  %a        neb  .  .  . 

fe|l  auf  bem  Ärieg^roagen,  rote  ber  £err . . . 

rir    en   Tafne  hra  men  .  rat .  s 

baö  Äinb  ber  £afne  auf  ifyrcm  ftnie. 

em    suten  hra       keh  Hur 

ju  |)errfd)en  eroiglid)  auf  bem  Sfyrone  beö  £oru£. 

2)  über  (b.  ^  mefjr  alö):  (er  giebt  mir  Diele  Safrrc) 

hra       remp  .  u    ente  anj£ 

über  bie  %at)tc,  roeld)e  baö  £ebcn  bat194). 

tef   nek     h  .  u       hra       h  .  u     em  remp .  u 

er  giebt  bir  Oabrfreife  über  %atyvtvetfe  ber  %a\)tc. 

3)  JU  (OOr  3nftn*):      mena    hra  renen 

2imme  jum  9}«f)ren  (ober  Slufjiefyen). 

301  it  ben  ©Uffijrcn:  hra.i,  hra.k,  hra.f,  f.  e  hrak,  etc. 

7)  ker  (bttbltd):  gugfcfyemeO ,  unter,  f.  ha,  ^a. 

ker  rat.i,  unter  bie  güfe  =  hebr«  au  ©cbemcl  betner  gü§e. 
ker  teb.ti,  unter  bie  ©anbalen. 

2lud)  im  ©tnne  t>on  bei:  $♦  33.  (bie  Stonigöroürbe  rotrb  bleu 
ben)  ker.ef  ha  grnt.ii.f,  bei  if)m  unb  feinen  Äinbern. 

SERit  ben  Suffiren:  ker.i,  ker.ek.  ker.ef:  in  beiben  Q5ebeu= 
tungen. 

ftopt.  t>ieUeid)t  ejrei,  ri^rei,  unter195). 

8)  *ar,  #er,  ju,  gegen  (versus),  t  jgaro. 

tet    ...    %cr    Amn  Ba 

S^ebe  ...   ju  2lmmon  SKa. 
enek  i  .  i  %a. .  rek,  id)  fomme  JU  bir  (f.  %arok). 
2)at)er  biö:  in  ber  gormel  *er  tete,  bti  in  (Jroigfett. 

5??it  (Suffiren  :  ^e.ri,^e  rek,  2e.ref(Gr;.  f.  %aroi.  %arok,^arof ). 
19*)  (SijampoUton  nimmt  tjiet  enteren,  3^ic^en  beS  ©enitioö:  eben 

[o  ©alooltni  in  ber  elften  £Heif;e  ber  Snfdjrift  con  Sftofette:  biefj 

ift  aber  niri)t  jutdffig» 
l95)  G>f).  p.  468»  giebt  #arm,  harem  al§  tjorau^jufe^enbe  fopttfdje 

formen  an. 


IH.  gönnen--  u.  SBortlehre* 


357 


£>er  urfprüngltd)e(gelbfflauter  jetgt  fid>  tn  ber  gorm  ^era.k, 
^era.n,  bei  bir,  bei  uns,  roaö  roahrfd^einu'd)  (autete^ara.k, #ira. n. 
ftopt.  nad)  GihampoUion,  aB  ttorau$3Ufe#enbe  gorm,  %aren. 

9)  %a,  gcmdfl  (secundum). 

%a  (Q5efehQ  en  tef.ef,  nad)  bem  Q5cfcl)fc  feines  33ater$. 

10)  hna,  mit  (t>gl.  f,  hön,  fym^ufucjen),  erhalt  bte  9)rom>s 
minalfufftre. 

hna. k,  mit  bir 
hna  .f,  mit  ihm  u.  j\  ro. 
2(ud)  im  (ginne  t)on  gegen:  (Äampf  beö  £oru6)  hna  Set, 
mit  ©et  (Xpphon). 

her,  in  bemfelben  (Sinne  ift  nur  fpdten  @ebraud)3,  3.  03»  in 
ber3nfd)rift»on$Kofette.  2fud)tnit@uffircn:  her .  i,  her .  ek,  her .  ef, 
mit  mir,  mit  bir,  mit  i()m  u.  f.  ro. 

11)  ma  (locus,  vice),  anstatt 

(jDftriö  nimmt  ba$  SKcid))  ma  tef.f  Amn,  anflatt  feines  35a= 
terö  2lmmon,  fpt.  e  pma. 

II.  3uf ammengefefcte  ^)rapoftttonett. 

1)  ha  (kn)  =  f.  djö?£aupt.  3m Äopttjl ha  unter,  gegen, 

ha-djo  heifjt  coram,  tfor. 

ha  ku .  s,  t>or  ihr  (»or  ihrem  Raupte  =  2fnge|td)t), 

2)  3ufammenfe^ungen  mit  hra  (©eftcfyt), 

a)  en  hra  (f.  na  hren),  in  facie,  im  2Jngefid)te,  tt)ie  baö 

hebräifd)e  al  pne:  empfangt,  roie  btefeö,  bte  ©uffira: 
en  hra.k,  t>or  beinern  SHngeftchte,  t)or  bir,  f»  na  hrak. 
2lud)  nod)  ganj  im  urfprüngud)en  (ginne:  iri.n.i  hennu 

en  hra.k  nefru,  id)  habe  bie  Anbetung  gemad)t  »or  beinern  fd)6- 

nen  2mgeftd)t  (®ott). 

b)  hra  het  (facies  cordis ,  in  corde),  im  O^Hern,  tn  (@h. 
P.  467,  pgL  488.). 

c)  hra-ku:  f.  e  hrai  e  djö,  super  caput  =z  Über,  auf. 

üben      ra      hra         ku       hei .  t .  et 

tfrahlt  ©onne  über  SBohnung  bein  (ber  grau). 
(Sigentlid)  =  auf  bem  Raupte.  ©0: 

s .  men  te%  hra     ku .  k    %a.  Aran 

er  fe$t  feft  ben  £elm  auf  bein  Jpaupt,  rote  2Jmmon. 
(id)  habe  meine  Slrme  gelegt)  hra  ku .  k  Usiri  =  auf  bein 
£aupt,  Ditrtö. 


358 


<£rtfe$  33ud).  Vierter  2fbfd)nitt. 


Stttt  ©ufftren  :  hra  ku  .  i,  hra  ku  .  k,  hra  ku  .  f  rr  f .  e  hrai 
e  djöi,  e  hrai  e  djök:  auf  (Über)  mir,  bir. 

d)  hra  ru,  auf.  Über.     2}gf.  f.  hirö,  hiren  (ft'ehe  1.)  im 
(ginne  pon  gegen,  3.  25.  ha-rok,  gegen  btd>* 

hra  m  hemsi.t,  auf  ihrem  ZtyXQtie. 

em    ne^t    apep         neter    na    hra    ru .  sen 

roenn  fiel)  ergebt  ber  große  ©ott  über  fte  (eos). 

9Hit  ben  ©uffiren :  hra .  ruh ,  hra .  ruf.  rote  im  Soprifchcn : 

hiröi ,  hirök,  hiröf. 

e)  hra  pe,  baffefbe:  auf,  über;  ro6rtf.2fngeftd)tbeö#immef6\ 

hra  pe  herasi,  auf  bem  Shrone. 

Amn     Ra    neter      naa    hra  pe  neter .  u  neb 

s2/mmon  SKa,  großer  ©ott  über  aüe  ©öfter. 
Erhalten  im  fopt.  hi  tpe,  oben,  barüber. 

f)  hra  ru  pe,  bflffelbe. 

hra  ru  pe  hemsi,  auf  bem  £f)rone. 

g)  hra  hra  ru,  flhnlid)e  SBerflfirfung ,  in  bemfefben  (Sinne 
von:  auf,  über. 

VJlit  (Suffixen:  hra  hra  ru.k,  über  bid). 

h)  hru  hra  (»gf.  fopt.  huru,  »erachten,  »crnadjfäfftgen ), 
negligens  faciem,  auf? er  (ohne  ju  red^nen  roaö). 

Suten  s .  ubenet  Amn  he  %a  ((Ronnenberg)  en  pe ,  hru  hra 

iri.n.ef  em  he  naa:  ber  ftontg  hat  »erfd)6nert  £>iotyo* 
Iis  (Xfjeben)  roie  ben  (Ronnenberg  beö  JMmmefß,  aufjer 
bem,  roa$  er  gemad)t  (gebaut)  hat  im  tyafaft. 
3)  em  (to)  (S5t(b  bes>  Gallus:  wörtlich  in  pene,  tat 
penes),  t>or,  in  ©e  gen  wart,  im  2Cn gefielt 
@h.  lieft  baß  2Bort  emto,  nad)  bem  foptifdjen  SEBorte  emto, 
emtho,  mit  berfelben  33ebeutung,  rocId)c6  ^epron  ganj  um 
3ul5fftg  »on  „emtho,  ©egenroart",  alü  einem  ungebräud)* 
lid)en  933orte  abfeitet.    Shampoüionö  (ürrflärung  würbe 
Dollfommen  beliebigen,  roenn  fid)  ber  £aut  tu  irgenbroie 
bem  3<?id)en  beifegen  fiefje  I96). 
SOiit  ben  2Ifftren,  3.  33.  em  .  .  .  f,  coram  eo,  oor  ihm,  rote 
baö  foptifd)e  pe  .  f  emto. 
I96)  phallus  beißt  im  tfegpptifchen  han.    2HS  Sautjeicbcn  bat  man 
nur  btc  Sßabl  jwtfchen  i,  a,  hi,  ha. 


Iii.  {formen  u.  SBortlefjre* 


359 


4)  Sufammenfefcungenmtthe  (ober  mitgeminingeidfjen 
he .  t) :  £3ttb  be3  S3orberletbe>  eineS  2bmn,  in  anteriori- 
bus  =  DOX,  ante,  coram,  rote  bte  OOrtge  gotm. 

a)  hem  he,  ober  era  he.    $opt.  he,  the. 

b)  er  he  (he  .  t) ,  (röörth'd)  versus  anteriora  ) ,  baffclbe,  fopt. 
e  the. 

c)  ker  (Sufjfcfoemel)  he  (he.t),  Daffelbe,  f.  ha  the. 

9)iit  2iffircn:  ker  he.t.i,  ker  he.t.ek,  oor  mir,  oor  bir, 
f.  ha  tahe,  ha  tekhe. 

5)  ker  .  .  .  (^nnterletb  etneS  £6roen),  1)  inten  (rdumlid)). 

Äopt.  pahu,  phahu. 

6)  3ufammenfefcun$en  mit  sa  (bilbltd)  ber  Mü)a* 
becfel,  <5&.  sa,  f opttfeft ,  £f)eil),  hinter,  nad), 

a>em  sa,  f.  en  sa.   £)ie  foptifd)e  gorm  fd)eint  bic  fpätere 
ägpptifd>e  (gd)rctbung  roieberaugeben :  en  .  s. 
Wlit  ©uffiren :  em  sa  .  i,  em  sa  .  ek,  hinter  mir,  btr.  $opt 

n  söi,  n  sök  U.  f*  tu. 
b)  hra  sa,  boffetbc. 

9Jud)  aeittid):  nad). 

hra  sa  ter,  nad)  ber  Söelt. 

7)  er  ma,  versus  locum ,  in  loco,  vice,  anjlatt, 

er  ma  .  k,  versus  locum  tuum  —  versus  te,  f.  e  pema,  e  mau, 

m  mau  (geroöfynlid)  alö  2iboerb.  a,ebraud)t,  bafetbft)* 

8)  er  her,  SBerfldrFung  ber  gorm  her,  in  bemfelben  (Sinne, 
mit:  ifl  eben  wie  bte  einfache  gorm,  nur  fpdteren  ©e- 
braucfeeS. 

er  her.i,  er  her .  ek  =  her.i,  her.ek,  mit  mir,  mit  btr* 

H.  £)te33efHmmun33ro6rter  (2ft>oerbia). 
I.  91  ad)  3?aum. 

1)  ma  (prt,  jtefye  9>rdp.  10.,  ogl.  fyebr.ma-kum,  ber£)rt?), 
f)ter, 

er  ma  (f.  e  pema,  e  mau),  versus  locum ,  Da  WO  (ubi). 

2)  hra  pe  (facies  coeli),  oben.  £)arau3 

er  hra  pe  (versus  faciem  coeli),  nad)  oben 

em  (ober  en)  hra  .  pe  (de  facie  coeli) ,  0  0  n  0  b  C  n. 


360  erfleö  Q3ud).  Werter  2(bfd)mtt. 


3)  er  he.t  (f.  jufammengef.  9)rdp.  4.),  Dorn. 

4)  er  (hu)  (ebenbaf.  5.),  f)  inten. 

5)  em  ne%t  (in  forti),  Dom, 

6)  er  sa  (^ufammengef.  $rdp.  6.),  hinten:  f.  u  sa. 

II.  9*  ad)  Bett. 

1)  as,  bamale>  ( r)ebr»  as).  aud)  a l ä  (quum),  engl  as. 
3m  9?ad)fafee  wie  ecce,  ftefje  ba!  wie  ba$  foot.  is,  eis. 

CDariuö  befahl  mir  nad)  Slegnpten  gefyn)  as  hent-suten.ef 
hem  Arema:  bamalö  war  ©eine  Sftajetfät  in  5fram  C^f= 
fnrien?). 

(€ö  gcfd)öl)  bie  s2lnhinft  @.  9??.  be$  ft6nig$  ftambpfeS) 

as    kah  .  u    neb    hna  .  f 

ba  (waren)  alle  £anbcr  mit  tfjm. 

2)  as.tu,  geroofmlid)  as.t.  baffelbe:  ba,  ftefye  ba. 

as  .  tu  ka  ub^  he .  t  suten  hent .  f,  ftcf>C  ba  (gel)t)  ber  tt)etfje 

©tier  oor  ©einer  SCftajeflat. 

3)  %er,  fettbem, 'fobatb  a(6:  f.  isdjen ,  e%dje. 

(@r  erfd)ien  nid)t  sum  Stampf)  .  .  .  iri.n.ef  suten  hent.f, 
fobalb  er  ©.  9??.  erblidt. 

4)  ajeft,  fobalbatS,  feitbem,  roenn:  fopt,  ntd)t  nad)5Us 
roetfen:  roaf)rfd)einlicf)  ^ef.  t  (#ef.  tu?  föteUetd^t  jitfam= 
menf)dngenb  mit  bem  fopt.  %eb,  anberer,  t>erfct)tebener  ?). 

5)  flaa      %a)>  bis. 

6)  hau  neb  (f.hoü  niben,  hoünim, hau nibi,  nim),  tdgltcf). 

7)  em  pe  hau  (f,  m  poü,  in  poü  unb  ol)ne  m),  an  tie- 
fem Sage,  b.  f).    e u t e. 

8)  sif  (f.  saf,  sef,  sab),  geftern. 

9)  heh  hau,  er  heh  hau  (f.  (e)  hah  en  hoü),  per 
multos  dies,  b.  r).  baS  gan^e  irbifd&e  2eben,  bie  Sebent 
jett  fyinburef),  lange,  diu,  immer  (nicfyt:  eroig). 

10)  tete  (oorn  mit  ber  aufgerichteten  (Solange  gefcfyrieben) 
entfprid)t  bem  foptifdjen  eneh,  eroig,  für  eroige  Sei; 
ten.  2lud)  tete  tete,  roie  f.  eneh  en  eneh,  ogl.  in 
secuta  seculorum,  eig  cciavag  rav  alcovav.    2Cuct)  mit 


III.  Sonnen--  u.  SBortlebre. 


861 


oorgefe^ter  $>rdpofttton  en,  em,  er  tete,  für  immer, 
auf  immer. 

11)  %aa.tet.  bis  in  bie  (Sroigfeit. 

12)  dnbltd)  aud)  %aa  heh  hau  tet,  usque  ad  (in)  se- 
cula  seculorum:  unb  hau  %a  tete,  hodie  ut  semper, 
hodie  ut  in  aeternum.  (©d&fagformel  Meter  5nfd)riften). 

13)  nc (S5emeinung6^etd)en)  sep  (f. ri u sop an),  niemals. 

Iii,  dl  ad)  TLtU 

1)  %e*  f<>        (ogl  $rdp.  9.). 

2)  %a  euti,  eben  fo  wie,  de  la  "meme  maniere  que 
(ntat'm  (Erweiterung). 

3)  %a  %a  (mit  2Steberbolung^eid)en  gefebrieben),  gteid)  er; 
m  agen. 

4)  mu  ran,  gleicbbebeutenb  (im  £opt  md)t  nacb^u weifen). 

IV.  «Rad)  3af)l. 
2Bie  ber  botung:  mal,  burd)  33orfe$ung  oon  sep  ober 
em.sep,  fopt.  sop,  söp ,  sap,  sep,  sp,  soop,  sööp, 
binter  bem  3ablroort. 

ftu  em  sep  (f.  ftoü  n  sop),  viermal, 
sep  (Moment)  ein  her,  breimflt  am  Xage. 

sep  (snau),  jrüeimal  (2Bieberboluna,63etd)en,  bis), 
I.  ©afcbeffimmungen  (Gonjunctionen). 
A.  SSerbtnbung  b e ö  ©e festen  (Ö?e(attv> - Söerbinbungen, 

Crrroetterungen  be$  @a$e$). 
1)  &etatiü;(Sdfce. 

a)  bureb  pa  entet  (f.  oben  ftam«),  ber  weteber:  baS 
folgenbe  Kennwort  bat  bann  (wie  im  v£>ebr.)  fein  ©ufft'r. 

neter     pa     entet    hra .  f  em  Tesem 

ber  ©ott,  beffen  »ntfifc  (bnö)  oon  £efem  (ifl). 

b)  obne  fRdativ»,  nur  burd)  2(nbdngung  beS  ©uffir,  wie 
ebenfalB  im  £ebrdifd)en: 

%et     neb     nefru      ueb       an# .  t  neter  am  sen 

2We$  anbere  ©ute,  ^eilige,  lebenb  ©Ott  burd)  fte  (b*  f). 
burd)  roetd)e$  ©ott  lebt). 


362  <£rjteö  55ud).  Werter  21  bfd)nitt. 

Snten    neter  .  u    s  .  %a. .  f 

ber  Äonig  ber  ©otter,  (rocfct>cr)  iljn  auf  ben  £fyron  ge* 

2)  ffielattösSParttfeln. 

entet,  id  quod,  2CuSbrucf  beö  Dbjecte  im  <2a£e,  ttql. 
ort  (ö,Tt)-  t>  wcibücfeeS  Seichen,  t|i  Neutrum, 

B.  ©a&Derbinbungen  (eigentliche  Gonjunctionen). 

J.  3? eine  SBerbinbung,  2(nf  nupfuncj.   SBirb  fef)r  oft 
a,ar  ntdbt  auSgebrucft  (asyndeton). 

1)  au,  t  auö,  unb  (üergl,  og,  bdnifcf)  =  aud),  ober 
bebr.  ve?). 

2)  ha,  t  hö,  unb,  au*,  ©abolim  (3nf#r.  t>.  9tof. 
p.  99.)  v>ergletdt>t  ha,  ©lieb,  im  ©inne  t>on  ipse  (wie 
persona,  fopt.  ho). 

3)  her,  baffelbe:  t>gl.  Fopt.  hi. 

4)  ker,  baffelbe. 

5)  kl,  baffelbe,  f.  ke. 

II.  Folgerung. 

1)  k  e  r,  f.  9ke,  8ke,  dje,  a  If o,  tt>  a  f)  t  Ii  d)  (ücjl.  ke,  anberer). 

2)  hra  enti  (facies  eius  quod),  weit,  benn;  Dergl. 
ölotl,  parceque. 

(@pred)t  meine  SHed)tfertigung  por  Djtrte)  hra .  enti  iri  n  .  i 
ma  em  (Slegppten),  weil  tei)  ©ered)tigfeit  getfjan  in 
2legppten. 

UJ.  SUjuncttt),  2Cbt>erfattt>. 
kes  (in  l)teratifdt)cn  Herten),  entroeber,  ober. 

K.  2Cu3rufuncj3tt>6rter  (3nterjectionen). 
a,  ha,  hu,  hi,  o!  ad)!  fya! 


fünfter  Äbfd&nitt 


JDie  <S$tiftbübung  ber  Zt^pta* 


Einleitung. 

ie  Crrfmbung  unb  Entroicflung  ber  ©d&rtft  ijt  bie  zweite 
große  äftatfad^e  ber  dgpptifcben  SSor^ett  auf  bem  ©ebiete 
ber  ©pracfybilbung,  unb  bie  Dritte  unb  lefcte  in  ber©efammt; 
reif)e  ber  urjeittidjen  ©efcr)icf)te.  Sänger  als  <3prad)s  unb 
©ötterbitbung ,  welche  fte  beibe  üorauSfe^t,  ijr  bie  @cf>rift 
bod)  eben  fo  gut  baS  unbeffreitbare  Eigentum  ber  SSorjeit 
2Cegppten6:  benn  ba3  <2d)riftfr;jrem,  wld)t$  un3  bie  ©enfs 
mdter  ber  Sutfymofen  unb  ?)fammeticr)e  geigen,  tritt  unS  auf 
ben  £)enfmdlem  ber  vierten  £)t)najtie,  alfo  mit  bem  Anfange 
be3  fünften  SafyrfyunbertS  be3  9?etcr)£>,  üoKftdnbig  auSgebik 
bet  entgegen.  2Cud^  bie  tarnen  ber  Könige  ber  britten  £)ps 
naftie  au3  bem  britten  unb  werten  Safyrfumbert  geigen  bafc 
felbe  (Elftem,  unb  eS  ifr  bei  biefer  £>t)nafrie,  baß  in  ben 
manetf)ontfcr)en  2fo^ugen  bie  einige  Errodlmung  einer  SSers 
befferung  ber  ©d&rift  angezeigt  wirb.  SBer  nun  bie  jufam^ 
mengefefcte  Sftatur  unb  Äönjtttd&fett  jene6  ©pfremS  fennt,  unb 
bie  3df)igfeit  ber  dgt)ptifd)en  Einrichtungen  bebenft,  wirb 


364 


@rfte$  $8ud>*  fünfter  Wchnitt. 


ntd>t  einen  2utgenblicf  glauben,  tag  bie  betten  ober  bie  bret 
erffen  Sahrhunberte  be3  Meiches  eine  wefentltd)  Derfd)te= 
bene  ©c^rtft  gebraucht  f)dtten.  Crtne  ©efcf)ichte,  eine  Grnts 
wicflung  mug  aber  bod&  auch  biefe  (Schrift  gehabt  haben, 
unb  jwar  eine  dgt>pttfrf>e :  fte  muß  ftch  in  bemfelben  9ftl= 
tfyat,  burch  benfelben  S3ottN>ftamm,  im  £aufe  früherer  Sahr- 
hunberte fo  auSgebilbet  haben,  wie  fte  un3  jene  uralten  £)enf; 
mdler  geigen, 

2lber  e3  fommt  noch  eine  anbere  l)6d)f!  wichtige  ZfyaU 
fache  #x  biefem  erften  S3eweife  l)inju.  2ßir  bürfen  vorweg^ 
nehmen,  bag  bie  fyierattfdbe  (Schrift  nichts  als  bie  für  ?>apt)s 
ruSrollen  unb  ben  ©ebraucf)  bes>  gewöhnlichen  Sebent  erfun^ 
bene  dltefte  SSerfür^ung  ber  £5enfmalfcf)rift,  b.  h.  bcr  £iero^ 
glpphenfcfmft,  fei.  £)tefe  nun  fmbet  ftch  gänzlich  auSgebilbet 
fd)on  im  Anfange  ber  achten  ^pnaffte,  b.  h»  $u  Anfange  be3 
achten  Saf)rf)unbert3  beS  Meiches,  2)ieg  beweifen  33rud)|fücfe 
t)on  ?)appren,  welche  ftch  auf  bem  S3oben  be£  J)6(jernen  (Sarg^ 
gehdufeS  ober  <Sarfophag3  be6  Äö.nigS  Sftentef,  im  brittifchen 
ÜÜftufeum,  aufgeflebt  befmben.  (Sie  zeigten  ftch,  bei  beghalb 
angepeilten  funbigen  Serfuchen,  fo  innig  mit  bem  ^ol^e  t>ers 
bunben,  bag  an  einen  ^Betrug  burch  bie  Araber,  welche  biefes 
£)enfmal  in  einer  gelfenfluft  bei  Sieben  fanben  unb  an  dnxo^ 
pder  üerfauften,  gar  nicht  gebaut  werben  fanm  Sa  Die 
flüchtig  umriffenen  $ievocjtyph*n  auf  ben  (Steinmarfen  ber 
sppramtben  ber  vierten  £tynafüe  enthalten  fchon  ba3  ?)rincip 
ber  hieratifchen  (Schrift. 

2llfo  bag  ba3  9?eich  bes  StteneS,  mit  welchem  unfere 
chronologifche  ©eftfuchte  beginnt,  bie  (Schrift  im  2Befentlicf)en 
eben  fo  gut  üorfanb,  wie  bie  (Sprache  unb  bie  ©ötterfreife, 
biefe  Shatfache  fcheint  feinen  vernünftigen  3weifel  ^ulaffen. 
2Benn  wir  bemnach  biefeS  (Spjlem  fo  barfMen,  wie  ea  bie 


gtnleitung. 


365 


früheren  unS  erhaltenen  £)enfmdler  beS  alten  3?eicf)3  geigen, 
fo  bürfen  wir  behaupten,  baburdj  im  SBefentltchen  eine  ber 
grogen  Urfunben  ber  *>orgefchtchtltchen  3ett  zur -2Cnfchauung 
gebraut  unb  einen  ^Beitrag  zu  bem  SBilbe  berfelben  geliefert 
ZU  haben,  Unfere  £)arjtellung  mug  baher  auch  biefe  Urzeit 
befonberS  in'S  2(uge  f äffen,  £>ie  gorfdjung  ber  Entbecfer  ber 
dgt)ptifd&en  ©chrift  mugte  natürlich  am  anbern  Enbe  mit  ber 
Entzifferung  ber  griechtfehen  unb  römtfehen  tarnen  in  ben 
vg>teroglt;pr)en  unb  in  ben  bemotifchen  3etcf)en  beginnen,  Mein 
biefe  rückgängige  SSttetbobe  bat  mit  ber  2lufftnbung  beS  211* 
pbabetS  auch  eigentlich  ihr  Enbe  unb  3te(  erreicht  SOBtr  müfc 
fen  begbalb  oon  bem  Augenblicke  an  jeben  SSerfud),  fte  in  ber 
£>ar|Mung  festhalten ,  für  einen  ganz  unjuldfftgen  erach* 
ten,  für  einen  wiffenfchaftltchen  Anachronismus  SBdbrenb 
Manche  noch  zu  glauben  fcheinen,  bie  fpdteflen  romtfehen 
tarnen  muffen  immerbar  als  bie  einige  ftchere  ©runblage 
ber  ganzen  Entzifferung  betrachtet  werben,  zeigen  bie  erfc£)lofc 
fenen  ^enfmdler  fchon  jeftt,  bag  jene  tarnen  bie  33ewetfe 
nicht  allein  einer  nachweislichen  SSerdnberung,  fonbern  auch 
ber  Entartung,  vielfacher  9ftigt>erjtanbnifie  unb  SBilltubr  an 
ftch  tragen,  welche  ben  ^ierogrammaten  ber  alten  Pharao* 
nen  ein  Entfern  erregt  haben  würben,  AnberS  ijt  eS  aller* 
bmgS  für  bie  ^orfchung  oon  bem  (Stanbpunfte  ber  foptifchen 
Philologie:  benn  für  bie  allmdhltge  S5ilbung  beS  Sfteudgpp* 
ttfehen  ifi  gerabe  aus  ben  iüngfren  Denkmälern  Sieles  zu 
lernen,  wie  (Schwarte'S  grünbltcheS  Söerk  jetgt 

Aber  für  bie  altdgtwttfche  gorfdbunq  ijt  bie  umgekehrte 
Sftethobe  fortan  bie  einzig  richtige,  ©ie  allein  ift  auch  oie 
gefchichtliche.  Eine  gefchichtliche  Darfrellung  mug  oom  An* 
fange  ausgehen,  £te  $erjMung  ber  Ehronologie,  beren 
®runb  wir  oben  gelegt,  unb  beren  ausführlichen  ^Beweis 


366 


grtfo*  Q3ud).  Sünfter  2lbfd)tmt. 


bte  betten  folgenben  SBucfyer  liefern,  fefet  un3  fogar,  wenn 
wir  nicfyt  ganj  irren,  in  ben  <5tanb,  bie  wafyre  SBebeutung 
ber  ^teroglppfyen  in  ber  fiauptfafyt  mit  oiel  größerer  ©fe 
cf)erf)ett  fefoujMen ,  als  e3  am  entc^egengefefeten  @nbe  mog* 
lief)  tfl.  3Me  ©cfyrift  beS  alten  2Ketd)ee>  t|t  urfunblicf)  ftd&e* 
rer,  als  bie  ber  ptolemätfc^rämtfctjen  3ett ,  fo  feltfam  bieg 
and)  Sttandbem  Hingen  mag. 

Mein  wir  glauben  nod)  bebeutenb  weiter  gelangen 
fonnen,  ttermitteljt  ber  in  ben  SSorerinnerungen  angebeuteten 
Sföetfyobe,  welche  in  bem  ©eworbenen  ba$  Sterben  unb,  wo 
möglich,  ba£  ©efe^  beS  SBerbenö  ftnbcn  lefyrt. 

©inb  (fo  fragen  wir  au£  biefer  9ttetl)obe  r)erau3)  bie 
t>erf ergebenen  Steile  be£  dgmptifd)en  (ScfyriftfyjlemS  gleichzeitig 
entftanben?  unb,  wenn  bieg  verneint  werben  mug,  welche 
Steile  ftnb  bie  dltejten? 

(5f)e  wir  biefe  unb  dfynlicfye  fragen  beantworten,  müffen 
wir  bie  (£ntbecfung  ber  $ierogtppl)enfcf)rift  felbff  als  eine  ber 
merfwürbigfren  (5rfd)einungen  in  ber  ©efd)td)te  beS  menfcfylt= 
d)en  ©etfteS  unferer  3eit  bar^ufteüen  fucfyen. 


I.  A.  @ntbecfung  t>.  ©enfmalö  u.  baS  große  ägppt.  233erf.  367 


(StfteS  £au£t  flu  cf* 

©efcf)tcf)te  ber  ©ntbecfuncj  ber  dgpptifdjen  <Sd>rift  unb 
(S'rfldrung  ber  £)ar(Muncj  bei  (Siemens 
Don  2flejcanbrtcu 

A.  ^>te  (£ntbecfung  be$  £)enfmal3  unb  ba$ 
große  dgpptifcfye  SÖBerf. 

(£3  war  im  2(uguft  1799,  baß  ein  fran^oftfcber  2£rtttle= 
rieofftcier,  33oucf)arb  mit  tarnen,  bei  ©elegenfyeit  t>on  2te 
beiten  an  ber  (Scfyan^e  t>on  <5t.  Sulien  in  S^ofette  (9?efd)ib) 
ba3  33rud)jfttcf  einer  langlid)  merecfigen  platte  von  fcftwar^ 
Heftern,  bafaltdbnlicbem  ©ranite  fanb.  ©te  bot  eine  breifacfye 
Snfd&rift  bar:  oben  in  ^terogtpp^en ,  unten  in  gried)ifd)en 
35ud)jhben,  ärotfcfyen  beiben  in  einer  ©ebrift,  welcbe  ber 
griecfyifcbe  £ert  bie  encborifdje  ober  lanbeSüblicbe  nennt.  £tes 
fer  gried)ifcf)e  £ert  bewies  fogleid),  baß  bie  Safel  bie  3uer^ 
fennung  ber  bocbjfen  tytyaxaomnzfyxzn  ju  ©unften  be5  sptoles 
mduS  GfpipbaneS  ©eitern»  ber  in  9J?empbiS  vereinigten  9)rie; 
frerfdjaft  enthielt.  £>cr  ©cbafc  würbe  erfannt  unb,  nad)bem 
2(bfd)rift  t)on  iftm  genommen  war,  aufbewahrt  unb  verpaeft. 
£)er  ©ieg  ber  @ngldnber  bei  2tteranbria  unb  bie  Uebergabe 
ber  <&tabt  braute  ü)n  in  bie  £dnbe  eines  ber  funbtgffen 
unb  für  bie  SBtffenfdjaft  begeijlertfren  Banner,  be3  SSerfafferS 
ber  2legt)ptiaca,  welcher  im  brittifeben  £eere  als  ^Regierungen 
betJoUmdcbtigter  ftd)  auffielt:  SBilliam  Hamilton.  £)er  (Stein 
warb  als  ein  ©cbafc  öerfanbt  unb  im  brittifeben  Sföufeum 
aufgehellt,  ftatt  in  bem  beS  Souöre.  ©eltfamer  ©ang  unb 
ernfte  2efyre  ber  2Beltgefd)id)te !  tiefer  unanfet)nticf>e  (Stein 


368 


<£rded  33ud).  günfter  2(bfd>nttt. 


tfjettt  mit  bem  grogen  $rad)twerfe  ber  33efcf)retbung  2(egtip; 
renS  ben  fKuljm,  ba§  einige  weftg cf dj)id)tlid&e  (5rgebnig  eineS 
grogartigen  3uge3,  einer  gldn^enben  Eroberung  unb  etneS 
blutigen  Kampfes  um  2Cegt)pten  &u  fein.  Sene  ibeenretd&e, 
oorfcfyauenbe  Unternehmung  eines  jungen  gelben  —  bie  euro^ 
pdifcfye  tfnftebfang  2(egt)ptcn3,  we(d)e  2eibni£  ßubroig  XIV. 
angeraten  fyatte,  unb  SBoffuet,  wie  eine  ©teile  feiner  SÖelt- 
gefrf)id)te  beweijt,  bringenb  empfohlen  —  fcfyten  gdnjltd^  mtg= 
lungen,  unb  fpurloS,  voie  ein  (Strich  im  SBajfer,  au3  ber 
©efrf)id)te  &u  üerfd)winben  befrimmt  9lad)  Mutigem,  nod) 
ba^u  unnötig  in  bie  £dnge  gezogenem  Kampfe,  welcher 
©cfyd^e  oon  fielen  Wiüiomn  t>erfcf)tang  unb  unge^dbfte 
v^efatomben  al$  £)pfer  forberte,  würbe  bie  Stiege  ber  f&iU 
bung,  ba£  £anb  ber  £)enfmd(er,  ber  33arbarenf)errfcf)aft  um 
bebtngt  jurüefgegeben.  £ag  üfttemanb  an  einen  Sßorbefyalt 
bad)tc  für  ben  (Scfyufc  ber  ©laubenSbrüber ,  bao  lieg  ftd)  ba= 
male>  t>on  ben  jrreitenben  ^arteten  nicf)t  anberS  erwarten. 
2Cber  bie  2Biffenfd)aft  war  in  (£nglanb  wie  in  granfretet) 
geartet,  ja  im  £eere  £3onapartc'3  würbig  unb  gldn^enb  bar^ 
gebellt:  unb  e§  ift  eine  gefcfyi cfytlicfye  £l)atfad)e,  bag  feit  je= 
ner  (Eroberung  mef)r  £)enfmdler  ^erfrort  ftnb,  aU  in  ben  feite 
fyeren  3af)rf)unberten  ber  türftfcfjen  £errfd)aft.  2ülerbings> 
fonnte  man  unter  biefen  itmjrdnben  ba£  groge  unb  prächtige 
dgpptifcfye  Söerf  oor^ugsweife  gleicfjfam  als  ba3  ©üfynopfer 
für  baS  imnüfe  ttergoffene  &3lut  betrachten.  3Me  Scanner  ber 
2Biffenfd)aft  im  ©efolge  be£  (Eroberers  waren  wdljrenb  ber 
33efe£ung  tcö  £anbe§  naef)  allen  ©etten  l>tn  tf)dtig  gewefen, 
unb  jenes,  bamalS  im  2öefentlid)en  vorbereitete  2Ber£  Meibt 
für  alle  Seiten  ein  unüerwelflicfyer  Lorbeer  für  ben  Eroberer 
unb  für  baS  franjoftfd^e  $ßolt  Zxo%  feiner  uerfpdteten  (§r* 
fcf)einung  unb  feiner  langfamen  SSoEenbung,  felbft  ber  ^ 


I.  A.  (EntDecf*  t>.  ©enfmalö  u*  baö  große  ägppt*  SBerfV  369 

crfl  beenbtgten  Rettung,  ber2(fterftümer  (1809— 1818) l97), 
waren  e3  feine  DarjMungen  ber  Denfmdler  unb  tfyre  ge^ 
lehrten  (Erläuterungen,  welche  bie  2Cufmerf  famfett  beS  euros 
päifd)en  ©eifteS  ^uerft  lieber  allgemein  auf  bie  faf!  aufgege* 
bene  dgtwttfcfye  gorfcfyung  mächtig  f)inwenbeten,  DiefeS  2ßerf 
gab  nid)t  allein  bie  wtdjttgjfen  Denfmdler  2fegtypten$,  fon^ 
bern  aud)  ben  grogen  £obtenpapm*u3  unb  anbere  f)6cf;jt  wid)= 
tige  Urfunben  dgpptifd&er  ©cfyrift,  unb  ^war  mit  einer,  für 
ben  bamaligen  3uffanb  ber  Äenntntg  ber  Seiten  unb  Qfyas 
raftere,  lobenswerten  ©enauigfett  2(ber  ba3  SRdtfyfel  ber 
<5pf)inr  blieb  ungelojr,  wie  ju&or.  Die  Denfmdler  blieben 
ben  franjoftfd^en  2(eg9ptologen  fo  frumm,  bafj  fte  oft  bie 
dltejren  für  bie  jüngffen  unb  bie  jüngjren  für  bie  dltefren 
gelten.  Die  $orfd)ung  über  bie  ^terogfypfyen  felbft  erreichte 
trofc  ber  3ufammenjtellung  ber  Seiten  faum  ben  Don  Soega 
im  vorigen  3af)rf)unberte  gefunbenen  ©tanbpunft,  unb  für 
bie  (Entzifferung  ber  $>apm*u3rollen  fc&ien  alle  Hoffnung  nun 
crfl  red)t  üerfdjwunben,  ba  fte  urfunbltdj  vorlagen.  $lid)t 
alfo  üon  jenem  SBerle,  fonbern  üon  jenem  (Steine  ging  eU 
gentlid)  ba3  £id)t  au§,  welches  ben  Denfmdlern,  wie  ben 
Urfunben,  (Sprache  unb  weltgefd)td)tlid)e  Sßebeutung  gelier 
f)en  tyat  Der  «Stern  war  ber  wichtige  #ebel,  oermittelft  befc 
fen  nid)t  allein  bie  <Sd)dfce  jenes  SßerfeS  für  $unjt  unb  ©es 
fd&td&te  gehoben  werben  ftnb,  fonbern  burd)  beffen  SBeleucfc 
tung  bie  gan^e  dgt)pttfd)e  (Sprad)^  unb  ©d)riftforfd)ung  in 
ba3  Dunfel  ber  Safyrtaufenbe  eingebrungen  tjr,  bie  ©rangen 

197)  £)a$  ©enauere  gtebt  folgenbe  Ueberftdjt: 
Antiquites  1809  —  1818. 
Etat  moderne  1809  —  1822. 
Histoire  naturelle  1809—  1826. 
Carte  topographique  1828. 

9leue  Auflage  1820  —  1831  ,  in  12  SSänben,  bie  Safetn  entfjal-- 
tenb,  mit  24  £>ctaübdnben  Zerf. 

1.  24 


370 


<£rtfeö  Q3ucf),  gunfter  2(bfd)mtt. 


bee  gefchichtlichen  SBtffenS  erwettert,  unb  bie  9ttöglichfett  tu 
ner  ©rforfchung  ber  Urzeit  be3  ^enfchengefchlechteS  gegeben 
worben.  2f£fo  üer^weifle  ntemanb  an  ber  grucfyt  etneö  grogs 
artigen  ©ebanfenS  unb  einer  großmütigen  Unternehmung; 
t)or  Klient  aber  hüte  man  ftd),  ba$  Unfd)einbarfte  auf  bem  ©e- 
biete  ber  £)enfmaler  ber  SSor^ctt  gering  &u  achten  unb  &u 
überfein, 

B.   @rfter  ©d&ritt:   bie  ^onigSnamen  unb  ba£ 
enchorifche  2£lpt)abet.    (SplüefUe  be  ©acp, 
2tferblab. 

£)ie  ©efd)id)te  ber  Grntbecfung  ber  dgppttfchen  (Schrift 
^at  $u  Dielen  (Streitigkeiten  unb  ^Bitterkeiten  geführt,  in  mU 
cfyen  bis  auf  ben  heutigen  Sag  eine  »ornehm  thuenbe  SBe^ 
quemltd)fett  ben  erwünfchten  Deckmantel  für  ihre  Unthdtig^ 
feit,  unb  bie  gebilbete  SBelt  bie  (MfchulDigung  für  ihre  Uns 
wtffenhett  gefucht  fyat  (£ine  gefchichtltche  £)arfiellung  mug 
bae>  3ufdÜige  unb  bloS  $>erfönltche  ber  SBergefienheit  überge= 
ben,  obwohl  beflen  «ftenntnig  bem  nothtg  ift,  ber  fte  ju 
fchreiben  unternimmt.  £)ie  wefentltche  ©efchtchte  einer  gro* 
gen  Gnitbechmg  aber  ift  !aum  minber  lehrreich  al$  biefe  felbff, 
fchon  beghalb,  weil  bie  Grntbeckung  wefcntltcf)  in  ber  Stte^ 
thobe  liegt,  b,  h-  in  bem  SÖege,  welchen  ber  fuchenbe  ©e^ 
niuö  beö  JorfchenS  in  ber  SBorahnbung  beS  3teleS  wählt 
£>aS  v£)öch(!e  in  "jeber  (Sntbecfung  i(l  ber  (5ntfd)lug  be§  ©eu 
fteS,  au3  einer  richtigen  2lnfd)auung  ber  Statur  unb  ber  ©e^ 
fe^e  be§  ^u  erforfchenben  ©egenfranbeä  ftd)  eine  Srage  ju  frei; 
len,  welche  auswerfen  oft  fchon  fte  beantworten  fyetgt,  unb 
bie  bod)  niemanb  thut,  ber  auf  bem  gewohnten  ?)fabe  fork 
wanbelt198). 

I98)  £)te  woUfldnbtgfte  3ufammenjMung  t>on  Mem,  roaS  ftd)  auf  bie 
©efdjtdjte  ber  (Sntbecftwg  beö  tflpfjabetö  tnsbefonbere  begießt. 


I.  B.  (Srfter  (stritt:  bte  $6ma,$n.  u.  M  end)or.  2(Ip^abet.  371 

£)er  £)dne  ©eorg  3oega  fyatte  in  feinem  tt>at>rt>aft 
gelehrten  SBerfe  über  bie  £)beltSFen,  unmittelbar  ttor  bem 
dgpptifchen  3uge  (1798),  bie  Grrforfchung  ber  (Sprache  unb 
(Schrift  ber  2Cegppter  oon  ^roei  (Seiten  angegriffen,  oon  ber 
Ueberlieferung  ber  ©rieben  unb  oon  bem  $optifd)en,  unb 
auf  beiben  Sßegen  nicht  ohne  (Erfolg,  ©eine  fopttf d)en  gor* 
fchungen  forberten  fpdter  jum  erfreu  9ttale  (1810)  eine  reiche 
(Sammlung  neudgrjptifcher  (Schriften  au§  ben  erfferen  d^rtfltu 
d)en  Sahrhunberten  $u  Sage,  Sn  jenem  SBerle  fchieb  er  ^ 
erjr  bte  ^ieroglppfyen  gan^lid)  fcon  ben  gleich  ihnen  einge= 
hauenen  rein  bilblicben  £)arfMungen,  mit  benen  fte  oft  Oer* 
mifcht  roorben  waren.  (£r  ernannte  ferner  if>re  befchrdnfte 
3af)l,  ja  er  beffimmte  biefelbe  mit  groger  ©enauigfeit,  £)a3 
Däfern  üon  £aut$eichen  unter  ihnen  fpract)  er  beffimmt  au$, 
bem  hergebrachten  eingewurzelten  £3orurtheile  einer  au§fd)lteg= 
lid)  ftnnbtlblichen  unb  mt)thtfchen  S5ebeutung  ^um  £ro£;  er 
erfanb  bafür  ben  tarnen  ber  phonetifchen  3eichen  I99).  £)ag 
bie  auf  ben  £)enfmdlem  fo  häufigen  3ftnge  .ftönigSnamen 
enthalten,  h^tte  fchon  SBarthelem^  oermuthet:  3oega  fanb 
biefe  SSermuthung  fet)r  roahrfcheinltch.  SSer  hdtte  nicht  bem 
fen  follen,  bag,  oon  folchen  Itchtoollen  Sölicfen  ausgehenb,  er 
felbfi  ober  nach  ir)m  bie  ©elehrten  be3  fran^oftfchen  2Berfe£ 

giebt  @(^K)ar|e'ö  im  vorigen  2Cbfdjnitte  bereits  angeführtes 
SBerf,  auf  weldjeS  wir  eins  für  aUemal  »erroeifetu  Sn  biefem 
SBerfe  tft  aud)  jum  erften  Sftale  ein  üolljtänbiger  Hieroglyphen; 
bruef  burcfygefüf)rt  roorben:  eine,  unter  ber  Ccitung  jenes  ©es 
lehrten,  burd)  ben  um  bie  $orberung  alles  SGStffenfdjaftltcrjen 
im  beutfa>n  SSaterlonbe  fo  tjerbienten  £errn  tfmbroft'uS  25arti) 
juerft  burdjgeführte  großartige  Unternehmung,  weldje  bem  beut; 
fc^en  S3ud)hanbel  unb  Äunftfleiße  bie  größte  Qfyu  madjt*  3m 
©anjen  geben  bie  Hieroglyphen  aud)  ben  ägtyptifdhen  (Sharafter 
rcd)t  gut  wieber:  bod)  tft  in  biefer  4>tnftd)t  (ShampollionS 
©pradjlehre  baö  t)6<%ftc  Sttuftet* 
I99)  De  obeliscis  p.  439.,  vgl.  p.  454  u.  522  ff, 

24* 


372 


@rfre$  Q5ud).  günftcr  »Ijfcbnttt* 


(welche  ihn  übrigens  faum  gekannt  ju  haben  fd>etnen)  bie 
hart  baxan  jlogenbe  SBahrheit  Ratten  entbecfen  muffen? 

(Sobalb  Zeichnungen  unb  2fbbrücfe  beS  SRofettefieinS 
in  ^uro^a  bekannt  würben  —  wofür  bie  englifchen  .©elefjrs 
ten  unoerzüglid)  (Sorge  trugen  —  (lettre  ftd)  bie  Entzifferung 
ben  (Sprarf)forfcr)ern  ale>  eine  lösbare  Aufgabe  bar.  £)ie  grie^ 
chifche  Snfd&rtft  fanb  ihren  $erjletter  unb  Erklärer  an  £et)ne 
unb  ^orfon,  unb  tamit  war  ber  2Beg  jener  Entzifferung 
angebahnt.  (Seltfamer  Sßeife  gingen  nun  biejenigen,  welche 
äuerjt  ftcr)  an  bie  beiben  dgpptifchen  £erte  wagten,  oon  ber 
gan^lict)  unbegrünbeten  Annahme  au3,  welche  3oega  ange^ 
fochten  hatte,  nämlich  bag  bie  heilige  ober  ^teroglpphen^ 
fchrtft  eine  rein  fmnbilblicf)e  gewefen.  Sa  ft'e  fügten  ba^u  bie 
eben  fo  grunblofe  Annahme  oon  ber  rein  alphabetifchen  9la; 
tur  ber  enchorifchen  (Schrift  (So  kam  e$  benn,  baß  alle 
ohne  SßeitereS  in  beiben  Snfchriften  biefelbe  (Sprache  annale 
men,  bie  nur  in  boppelter  SBeife  gefchrieben  fei.  £a3  war 
bie  britte  irrige  SSorauSfefcunq.  ^ier^u  Farn  entlieh  bei  meiert 
tie  eben  fo  willkürliche  Annahme  oon  tcr  Einerleiheit  ter 
enchorifchen  (Schrift  bc6  £)enkmal£  mit  ter  hieratifchen  (Schrift, 
welche  oiele  alte  ^apwitSrollen,  namentlich  bie  mit  QaxftcU 
lungert  be3  33egrdbniije3  unb  be£  £obtengericr)te3  bar|Men. 
Unb  ba£  war  ber  vierte  Srrthum. 

Wit  folchen  SSorausfer^ungen  begtnnenb,  !onnte  man  im 
befren  galle  $u  einer  fehr  unoottkommenen  Äenntnig  ber  en= 
chorifchen  (Schrift,  b.  h.  ber  Schrift  ber  £anbe$fpracr)e,  gelam 
gen.  X)kk  i|r,  wie  wir  jefct  beweifen  können,  bie  noch  nicht 
mit  griechifchen  Söörtern  oermengte  koptifche,  unb  wir  ken= 
nen  oon  ihr  Denkmäler  oon  ber  3ett  ber  ^fammetiche,  (Sie 
unterfchetbet  ftet)  oon  ber  heiligen  (Sprache  nicht  bloS  in  ein^ 
jelnen  Sßortern,  fonbem  auch  vielfach  in  ber  gormenbilbung. 


I.  B.  grjh  ©cbrtrt:  bie  ßöntgSm  u.  boö  <?nd)or.  Sllphöbet  373 


dagegen  ijt  bie  heilige  (Sprache  bie  (Spraye  ber  SOBtffenfc^aft 
unb  be£  ©d)rtftthum§  ber  2£egt)pter.  2113  (Sprache  ber  £)enfs 
mdler  t|r  fte  aKetn  bie  Urfunbe  ber  gleichzeitigen  ©efcr)ichte, 
fo  wie  bie  einige  Seugin  ber  Sage  ber  djronologifd)  unbe* 
ftimmbaren  SSor^ett  jenes?  weltgefchichtlichen  SBolfeS.  2£tfo 
für  baS  eigentlich  Sßichtige  fonnte  auf  jenem  Sßege  gar  nichts 
gefchehen. 

SBie  weit  man  aber  auf  bem  SBege  ber  Entzifferung 
ber  encr)orifd)en  Snfchrift  unb  alfo  in  bem  SSerffdnbniffe  ber 
Urfttnbe  ber  #anbe§fprad)e  gelangen  würbe,  bas>  mufte  tton 
ber  9ftethobe  ber  gorfchung  abfangen,  Unb  f)ter  lag  eine 
boppelte  oor,  2Me  erffe,  oorlduftge,  ijt  bie  ber  reinen  <Scr)rtfk 
entzifferung ,  wie  fte  bei  geheimen  (Schriften  angewenbet 
wirb.  $Jlcm  fucf)t  bie  3al)l  ber  Seiten  zu  entbeefen,  bann 
wieberfehrenbe  ©ruppen  auSzufdjeiben,  enblid)  bie  Erfldrung 
berfelben  au£  ber  öorauSgefefcten  (Sprache  nach  bem  ange^ 
nommenen  ober  bekannten  Inhalte  zu  ftnben.  £ier  war  ber 
Snhalt  im  5Befentlicf)en  befannt.  3Me  SSorauSfefcung  ber 
foptifchen  ober  einer  oon  ihr  nur  wenig  t>erfd)tebenen  gorm 
ber  dguptifchen  Sprache  war  eine  ju  natürliche  Annahme, 
um  nicht  fogleich  oon  allen  fähigen  Äopfen  ergriffen  unb  fefc 
gehalten  ju  werben,  £)ie  jweite  Sftethobe  ift  bie  eigentlich 
philologifche.  (Sie  fucht  bie  ©eltung  ber  einzelnen  3^chen 
unb  burch  fte  bie  ^erjtellung  üon  SBortern  unb  grammati; 
fchen  gormen  §u  ftnben. 

Senen  SBeg  bttxat  zuerjr  ber  glückliche  Entzifferer  ber  3n= 
fehrtften  ber  ©affantben,  ber  ^erfreller  einer  feit  9?ei3fe  oernacr> 
lafftgten  grogartigen  unb  gefchichtlichen  arabifchen  Philologie, 
(Sploefrre  be  (Sa  et),  beffen  tarnen  wir  nicht  nennen  fön^ 
nen,  ohne  baS  2(nbenfen  beffelben  aB  £ehrerS  unb  9ftenfd)en 
mit  oielen  unferer  SanbSleute  ehrenb  unb  banfenb  zu  fegnem 


374 


@r|tc§  «Sud)-  günfter  2(bfcf>nitt* 


tiefer  groge  ©elehrte  erfannte,  bag  ber  etnjtg  fixere  2fo 
fangSpunft  ber  Entzifferung  in  ber  2lufftnbung  ber  Eigen; 
namen  Hegen  muffe,  bie  in  ber  Snfcbrtft,  unb  zwar  bie  mtu 
fren  wieberbolt  oorfommem  Er  zeigte  im  Sabre  1802,  in 
einem  (Senbfchreiben  an  ben  auch  auf  bem  pbilologifchen 
unb  gefcfyitf)tu'd)en  ©ebtete  gebilbeten  Sfftinifter  ber  SRepubltf, 
Ef^ptal,  brei  ©ruppen  auf,  treibe  bie  tarnen  t>on  9)tole^ 
mduS,  33erentf?e  unb  2(leranber  enthalten. 

£)er  fcharfftnnige  fchwebifd)e  ©praebforfcher  2£ferblab 
gelangte  aber  bcbeuUnb  weiter,  ©ein  in  bemfelben  Sabre 
an  ©aep  gerichtetem  <2enbfd)reiben  wci|l  nach,  baß  jene  ©rup; 
pen  einer  3?rlegung  in  33ud)fraben  fähig  feien.  Sa  er  ge; 
wann  burd)  fte  unb  breizebn  anbere  ©nippen,  worunter  ftd) 
bie  foptifeften  SBörter  Chemi,  2tegppten,  Phuro.  ber  Äonig, 
Nierpheui,  bie  Tempel,  Ueb,  ^)rie(ter,  beftnben,  ein  2£lpbas 
bet  für  fajt  alle  33uchjT:aben  ber  eneborifeben  (Schrift  £Mefe 
(Schrift  felbft  ernannte  er  nicht,  mit  (Sact),  al£  bie  bemotifdje 
(Schrift  £erobote>,  fenbern  fyielt  fte  für  gleich  mit  ber  hieran 
tifchen.  £ier  war  alfo  mit  glücklichem  (Scbarfftnne  ber  erfre 
groge  (Schritt  ber  Entzifferung  be£  bemottfcf)en  2£(pf>abetS 
getban,  unb,  obwohl  mit  tbeilS  irrigen,  tbeilS  einfettigen  ILm 
nahmen,  boch  fchon  mit  acht  philologifcher  9ftetf)obe.  SSiel 
weiter  fonnte  man  aber  überhaupt  auf  btefem  5Bege  nicht 
gelangen;  benn  baS  Däfern  oon  ftnnbilblichen  3eicben  in  je- 
ner Schrift  würbe  t)on  2lferblab  fo  wenig  geahnbet,  aB  ba£ 
£)afetn  oon  ^aut^etdjen  in  ber  bieroglppbifchen. 

SBeibeS  geahnbet,  fcharfftnnig  unb  mitbfam  verfolgt, 
auch  theilweife  bargethan  zu  fyabtn,  tft  baö  unterbliebe  33er* 
bienjt  einem  EngldnberS,  unb  ber  zweite  groge  (Schritt  auf 
biefer  S3abn, 


I.  C.  gortfd)rttt  in  b.  end)ot\  ©djrtft  u.  ^ad>n>,  pf)onet  375 

C.   gortfdjritt  in  ber  encf)orifd)en  ©d&rtft  unb 
9lad)  roeifung  p  1)0 nettf ct)er  ^teroglpp^en. 
£f)oma£  $oung. 

Ein  gelehrter  2(^1,  bejfen  matl)ematifd)e  unb  pl)t)ftfalt; 
fct)e  Entbecfungen  feinen  tarnen  in  ber  3Biffenfd)aft  unfterbs 
liefe  gemacht,  £f)omaS  3)oung,  war  befonbers  feit  1813 
burd)  ben  f?J?ttt)rtt>ate6  oon  2(belung  unb  SSater,  über  voek 
d)en  er  eine  gelehrte  ^Beurteilung  lieferte  200),  auf  bie  große 
dgpptifd)e  Aufgabe  ber  Seit  geführt  roorben.  ©ein  füt)ner 
©eifl  begnügte  ftd)  nid)t  mit  ber  gorfefeung  über  bie  end^o; 
rifcfje  Snfcferift  2)oung  faßte  aud)  bie  Entzifferung  ber 
£ierogh)pf)en  in'S  2luge  unb  wanbte  auf  beibe  £erte  eine 
2$etf)obe  an,  in  beren  einfeitiger  Verfolgung  man  mefyr 
ben.  geübten  9ttatf)emattfer,  als  ben  gebornen  ©prad); 
forfdber  erfennt.  Er  oerfucfyte  e§,  bie  beiben  dgpptifcfyen 
Serte  auf  ©runb  ber  gried)ifd)en  Snfcfjrift  in  ©ruppen  $u 
^erlegen.  Er  rüftete  ftd)  feieren  mit  Erlernung  be£  stopfe 
fefeen,  unb  benu^te  baS  2lferblab'fcf)e  2flpl)abet  für  bie  3er* 
legung  be£  encfyorifd)en  SerteS.  Er  voief)  jebod)  baburefe  tnU 
fd)ieben  t>on  jenem  ©elefyrten  ab,  bag  er  neben  ben  alpfjas 
bettfdjen  3etc^en  biefer  ©eferift  nod)  ftnnbilblicfye  annahm, 
gür  ben  feierogh)pl)ifd)en  £ert  fud)te  er  ©ruppen  baburd)  ju 
geroinnen,  bag  er  roteberfefyrenbe  £ierogh)pl)engruppen  mit 
ben  in  ber  griedjifd)en  3nfd)rift  ftd)  voieberbolenben  SBörtern 
unb  ben  aU  entfpred)enb  angenommenen  end)orifcr)en  Seiten 
gufammcnjleUte.  Sn  biefer  Arbeit  fd&rtrt  er  fo  rafd)  oor; 
rodrtS,  bag  er  bereits  im  Sftooember  1814  mit  einer  ..mitriß 
maßltd)en  Ueberfefcung  ber  dgpptifcfeen  Snfdjrift  beS  9?ofette^ 
fteins"  zu  ©tanbe  fam  201)*        erfdjicn  of)ne  §)oungs>  9la; 

200)  Quaterly  Review  1813. 

z01)  Transactions  of  the  socieiy  of  antiquaries:  alö  2tni)Ong  „etnc3 


376 


mcn  im  Tlax  1816,  mit  zwei  ^Briefen  an  ^act)  uom  2üi; 
gujt  unb  ^Dctober  1814.  £)er  fcfyarffmnige  2!ttann  erfldrt 
Sterbet ,  baß  er  ^war  üon  2(ferblab6  2£tpi)abet  eine  flüchtige 
«ftenntniß  genommen,  aber  anf  gan$  anberm  SÖege  jur  Ent- 
zifferung gelangt  fei,  ndmltd)  (wie  er  fagt)  ;?of)ne  ftd)  um 
„ben  SBertr;  ber  ßriaraFtere  zu  befümmcrn,  au$  welchen  bie 
..einzelnen  ©ruppen  befreien".  Er  (Timme  alfo  in  16  ßf)a; 
rafteren  mit  Ztublab  überein,  fyabe  aber  aud)  biefe  auf  fei; 
nem  eigenen  Sßege  gefunben;  baneben  nun  gebe  e6  in  ber 
Snfcrjrift  fmnbtlblicr)e  Seiten,  unb  überhaupt  etwa  100  t>er* 
fcfytebene  ßfyaraftere,  T)aö  Ergebnis  ber  bisherigen  gorfd)ung 
flettt  er  im  zweiten  ©enbfd)reiben  an  @acp  folgenberma§en 
bar:  19  33ud)fraben  2(ferblab3,  12  eigene,  wozu  norf)  ein 
©tern  als  3eid)en  be3  EnbeS  eines  Eigennamens  fommt, 
als  bas>  breizel)nte.  £ann  giebt  er  50  SBortgruppen ,  beren 
erfte  brei  bie  üon  ©act)  aufgezeigten  unb  t>on  2CFer6(at>  zer* 
legten  ftnb;  bann  bie  16  t>om  fd)webifcf)en  ©elefyrten  ganz 
neu  gefunbenen  unb  jum  £l)eil  zerglieberten  SÖorter:  bie  übri^ 
gen  ftnb  feine  eigenen,  liefen  fügt  er  norf)  150  ©ruppen 
fyinzu,  welche  er  grierf)ifd)en  SÖörtern  ber  Snfcfyrift  gegenüber 
fteltt,  zum  £l)etl  mit  92acf)weifung  be6  foptifdjen  SBorteS, 
£>ie  Deutung  biefer  SBortgruppen  i(r  zum  &\)tit  üollfommen 
falfcf),  ntrgenbS  aber  burdb  eine  pl)ilologtftf)e  getüfoberung  - 
belegt 

3n  ber  Jortfe^ung  feinet  53riefwecf)feB  mit  (Sacp  im 

folgenben  Safyre  1815  unb  in  bem  gleichzeitigen  S3riefwecf); 

fei  mit  2tfcrblab,  ber  feine,  in  $arts  begonnene,  gorfc&ung 

geteerten  greunbeg"  ju  einer  9fltttf)ettung  S3ougf)ton  t>om  19» 
SQtat  1814,  2Bag  barin  S)oung  getjort  (b.  f).  fafl  JCUeS) ,  machte 
biefer  (nod)  immer  ofyne  tarnen)  im  Sambribger  Museum  cri- 
ticum  No.  VI.  (crfd)tenen  Sftat  1816)  betannt.  2(u6  biefem 
tfrttfel  ergiebt  ftd)  ber  3cifpun1Bt  für  jene  Ueberfefcung. 


t  C.  gortfd)Htt  in  t>.  encbor*  ©cbrtft  u.  9?ad)ro.  pljonet  Sp.  ST* 


fettbem  in  $om,  jebod)  ofyne  Grrroeiterung  feines  @ejtd)t§* 
t reifes  fortgefe^t  202),  jei.qt  ftd)  Kar,  rote  $oung  ftd)  bte  Sttit* 
tet  ber  $orfd)ung  mit  großem  ©d)arffmn  unb  berounberungS* 
roürbtger  ©ebulb  unb  Gebauer  ju  erweitern,  aber  jene  Tlts 
n)obe  nirf)t  roefentlidf)  ju  oerbeffern  oerjranben  fcatte.  <5ein 
glüd'licfyjier  ©eoanfe  roar  folgenber.  (£r  fanb,  baß  bie  ettros 
pdifd)en  (Sammlungen  eine  Zniaty  oon  ^aopruSrolIen  ent* 
galten,  roelcfye  ftd)  burcf)  bie  (Sinerleifyett  ber  ben  einzelnen 
TCbfd^nttten  oorflefyenben  bilblidfjen  £>ar|Mungen  alS2(bfc£)nttte 
eineö  unb  beffelben  SobtenbucfyeS  funb  geben,  £>te  bis  ba* 
f)in  bekannte  oollfrdnbigffe  vg>anbfd>rtft  biefer  2Crt  gab  if)m 
baS  große  franjoftfd&e  SBerf.  £)tefe  nun  tfl,  rote  anberc 
v£)anbfd)riften  beffelben  23ud)S,  mit  *£)ieroglt)pf)en  gefd)rieben, 
rodfyrenb  bie  anbern  in  einer  ©djrtft  oerfaßt  ftnb,  roelcfye  auf 
ben  erjten  2Cnbli<f  ber  mittleren  ©cfyrift  beS  SfofettejreineS 
gleicht,  audf)  roürfltcf)  einige  Seidben  mit  if)m  gemein  f)at» 
£aS  $erbei$tef)en  biefer  Urfunben  roar  eine  f)öcfyjt  glücflid)e 
2(f)nbung,  obroofyl  tt)re  Verfolgung  notfyroenbig  für  ?)oung 
bie  Quelle  großer  Strtfutmer  roerben  mußte,  ba  ber  ©ebanÜe 
felbft  ein  großes  (Clement  oon  Srrtyum  enthielt,  unb  auf 
feinen  galt  jum  Siel  führen  fonnte,  ©anj  rid)ttg  nod)  roar 
ber  ndd)ffe  Schritt,  bie  2(nnal)me,  baß  jene  ©d)rift  beS  (Stet- 
neS  unb  biefe  ber  f)ierattfd)en  ?)apr;ruSrolIen  ©puren  einer 
2£bframmung  oon  v£>ieroglppf)en  geigen,  burcf)  attmdf)lige  §B'\U 
bung  einer  @urftofdf)rift  Allein  über  biefen  9)unft  fyinauS 
t(t  2(UeS  bei  tym  trrtf)umttd&»  %n  jene  beiben  2Cuffaffungert 
unb  an  bie  ©runbannafyme  oom  £>afein  ftnnbilblicber  3etct)en 
in  beiben  (Schriftarten,  ber  f)teroglp»l)tfcfyen  unb  ber  laufen^ 
ben,  fnüpften  ftd)  bei  tl)m  unmittelbar  $roet  Srrtfyümer,  £)er 
erfte  roar,  baß  bie  fyieratifd&e  ©d&rift  ber  Sollen  unb  bie 

202)  Museum  criticura  a*  a*  £), 


378 


erfteö  35ud).  günftcr  2lbfd>trttt 


encfyorifcfye  beS  ©teinS  biefetbe  fei,  nur  mit  bem  Unterfd)iebe, 
ba§  bie  groeite  eine  nod)  größere  Entartung  ber  Seiten  be* 
urfunbe  203).  2£IXerbtng6  t>erfud)te  er  mit  großem  ©djarfftnne 
unb  jum  Steile  mit  ©lücf  bie  3ttge  ber  fyterattfcfyen  Sollen 
unb  ber  end)orifd)en  Snfcfyrift  in  bie  ^ieroglppfyen  &urücf  ju 
überfein,  auS  benen  fte  entfranben  waren.  2Ba3  aber  bie  in 
jenen  >8ergletd)ungen  fyierogtpp&ifdjer  unb  fyieratifdjer  v£)anbs 
fd)riften  geroiffermagen  gegebene  Spur  für  bie  Entzifferung 
ber  Jc>terogh)pf)en  betrifft,  fo  üerlor  er  biefelbe  fo  gan^lid), 
baß  er  fogar  fagt:  ..ntd)t  eine  einige  ©ruppe  jener  l>iero- 
„glppfyifdjen  Sollen  ftnbe  ft'rf)  auf  bem  ©teine  204)  roieber" 
Sa  er  ging  1816  fo  roeit  205),  $u  behaupten,  baf  nirf)t  allein 
bie  £ieroglppr)enfd)rift  feine  al$l)abcüfd)t  fei,  fonbern  bie 
r;ieratifd)e  eben  fo  wenig.  £)iefe  aber  blieb  il)m  immer  nod) 
nid)t  allein  bie  Scfyrtft  berfelben  (Spraye,  fonbern  aud)  im 
3ßefentlid)en  biefelbe  Schreibart,  Sa  er  nutzte  mit  bem  am 
genommenen  3ufammenl)ange  ber  v£)ieroglt)pf)en  unb  ber  Gur^ 

203)  Letter  to   Sylvestre  de   Sacy  3  August  1815.     (gr  nennt  biß 

3eidjen  ber  tjieratifd^en  Sollen  „imitations  of  hieroglyphies, 
adopted  as  monograms  or  verbal  cbaracters,  mixed  with 
the  letters  of  the  aiphabet.  .  .  .  The  only  remaining  hope 
appears  to  be ,  that  \ve  may  be  able  to  interpret  the  old 
Egyptian  manuscripts  in  general,  by  means  of  the  hierogly- 
phies" (p.  203  0.  0.  £).)♦ 

204)  It  is  remarkable,  that  not  a  single  group  has  been  observed 
(nämlich  in  ben  fjierogltyp&ifchen  £anbfchriften  beö  £obtenbud)$) 
that  aJIords  a  word  distinguishabJe  upon  the  stone  of  Rosette 
(Q.  Ct.  £).). 

205)  Letter  to  Archduke  John  of  Austria  im  Critical  museum  No. 
Vir.  (Decbr.  1821).  £)urd)  bie  S3ergleicbung  ber  bterogh)pf)i; 
fdjen  ^anbfehrift  beö  grejsen  ägnptifchen  SOBerfg  mit  onbern 
in  G>utftrjfd.)rift  C»in  tne  running  band")  gefdjriebenen  flehe 
f eft  I  „that  the  characters  agreed  throughout  with  each  other 
in  such  a  manner  as  completely  to  put  an  end  to  the  idea 
of  the  alphabetic  nature  of  aivy  of  them." 


L  C.  gortfd)ritt  in  t>.  end)or.  @d>rift  u.  9}ad)ro.  phonet.  379 

ftt>fd>rtft  burd)  allmdf)lige  Entartung  ber  SBtlber  fo  wenig 
anzufangen,  ba§  er  (1816)  bejfimmt  auSfagt:  ..eS  lafTe  ftd& 
„felbjt  in  tiefer  Gurffoförtft  nichts  nad&weifen ,  al§  eine  2Crt 
„Pon  Splbenfcfyrift  für  Eigennamen  20 6).  £)iefe  Sbeen  wurs 
gelten  fo  feft  in  ifym,  tag  ti>re  nähere  S5egrdnjung  unb  mefjt 
pfytlologtfcfje  £3efrtmmung  in  ber,  übrigens  Epoche  mafymz 
ben,  2(bf)anbhmg  oom  3<*f)re  1819  über  bie  (Bprad)e  unb 
©cfyrift  ber  2(egt)pter207)  in  manchen  fünften  ifyn  noef)  oiel 
weiter  üon  ber  2Baf)tf)ett  ablenfte,  nirgenbS  $u  einem  philo* 
logifd)  richtigen  uno  nachweisbaren  Ergebmffe  führte.  3war 
warb  ihm  fettbem  ber  Unterfrfjteb  ber  fyieratifdjen  unb  endlos 
rtfd^en  Schrift,  nach  fortgefe-fcter  SSergleichung  namentlich 
auch  bemotifcher  ^appruSrollen,  flar;  allein  er  nennt  nun 
biefe  eine  Entartung  ber  Hieroglyphen ,  welche  burd)  bie 
hieratifche  Schreibart  burdjgegangen  fei  208),  £)ieß  nun  be* 
weift  er  natürlich  nicht  —  wie  feine  Sftetfyobe  überhaupt  fei* 
nen  ftreng  philologifchen  23eweiS  anftrebt  ober  %ulä$t  • —  aber 
bie  Annahme  ift  auch  überhaupt  unrichtig.  ES  iff  eben  fo 
unmöglich,  bie  bemottfdbe  Schrift  auS  ber  hieratifchen  ab^u* 
leiten  unb  jit  erfldren,  als  fte  gan$  alphabetifd)  $u  faffen, 
wie  lihxbiab  getrau. 

2üIerbingS  machte  er  in  tiefer  2lbhanblung  Eine  glücf* 
liehe  Entzifferung,  unb  biefe  ijl  eS,  welche  burd)  ihre  Ein* 
wirfung  auf  Ehampollion  %u  ber  größten  Entbecfung  beS 
3af)r()unbert5,  bem  2Ctpi>abete  ber  altdgpptifchen  Sprache  unb 

206)  ©benbaf.  A  loose  imitation  of  the  hierogh-phic  characters  may 
even  be  traced,  by  means  of  the  intermediate  Steps  in  the 
enchorial  name  of  Ptolemy  (im  Sfofetteftetn).  At  the  same 
time,  it  can  scarcely  be  denied  ,  that  something  like  a  syl- 
labic  aiphabet  may  me  discovered  in  all  the  proper  names. 

20 7)  Supplements  to  the  former  editions  of  the  Encyclopaedia 
Britannica  Volume  IV.  (Dec.  1819). 

208)  ebenbaf,  p.  54. 


380 


€rfies  <5ud).  gunfter  Sfbfdjnitf. 


©dbrtft ,  geführt  f)at  2lllem  man  pellt  ftrf)  bie  ©ad)e  gdn^ 
It c£>  fatfd)  oor,  wenn  man  glaubt,  er  fei  ba^u  auf  einem  wtfs 
fenfct)aft(tc^en  SBege  unb  burd)  ein  9)rincip  gelangt,  welcfyeS 
ein  Clement  bes>  gortfcfyreitenS  in  ft'd)  trüge,  ©eine  fortge^ 
fegte  S3ergleid)ung  bemottfcfyer,  f)icrattfcf)er  unb  l)ierogtypI)ts 
fd)er  ©nippen  —  benn  tiefe,  unb  nid)t  t^re  einzelnen  S5e^ 
jfanbtfyeile  bilbeten  bie  Grinfjeiten  feines  gunbeS  —  brachte 
il)n  allerbing3  balj'm,  in  ben  Äonigsringcn  be6  3?ofetteff  eines* 
unb  ber  £)enfmdler  ^onigfmamen  an$unel)men,  wa3  übrt= 
genS,  wie  wir  gefefycn,  frf)on  33artl)elemr;  unb  3oega  getr)an 
Ratten.  @r  (feilte  in  jener  2lbbanblung  einige  jwanjig  fok 
d)er  tarnen  jufammen,  unter  tbnen  aud)  ben  tarnen  $tole^ 
maus,  welcber  in  bem  f)teroglt)pf)ifd)en  £erte  enthalten  iff, 
£>en  fyter  fel)lenben  tarnen  ber  SBerenife  fanb  er  in  ber 
bilbung  einer  f}ierogh)pf)ifd)en  Snfc&rtft  bc3  £f)orweg3  t>on 
■ftarnaf,  wo  beibe  jufammen  al£  bie  rettenben  ©otter  ge^ 
nannt  werben,  £)iefe  beiben  tarnen  nun  oerfud)te  er  fyiero^ 
gtypl)ifd)  ju  entziffern,  wa3  ibm  aber  fo  unoollfommen  ge= 
lang,  baß  er  oon  ben  treten  3etd)en  nur  etlf  $u  erfldren 
unternahm  unb  oon  biefen  eilf  acfyt  mefyr  ober  weniger  un* 
richtig  btutett,  SBie  fonnte  e§  aud)  anberS  fein,  ba  er  gar 
nid)t  oon  einer  fieberen  unb  bejfimmten  (Geltung  ber  ein^els 
nen  £ieroglt)pf)en  ausgegangen  war!  £)a3,  wa3  in  jener 
CrntbecFung  wafyr  blieb,  würbe  wieber  oerbunfelt  burd)  ba£ 
t>orwaltenbe  galfcbe*  SeneS  geborte  §)ounge>  fcfyarfftnniger 
SSerbinbung  be3  ^ptolemdusnamen  beS  ©teineS  mit  bem 
©dnlbe  in  jtarnaf;  biefe£  war  notfywenbige  golge  ber  fefc 
lerfyaften  9ftetf)obe,  <5o  Farn  e£,  baß  er  ba3  £)afein  eine3 
reinen  2llpf)abet3  gar  md)t  al)nbete,  oielmef)r  „eine  2£rt  ©pfc 
benfdbrift"  oermutf)ete,  wa3  fcfyon  an  ftd)  ein  ganj  unklarer 
unb  unpf)ilologifd)er  2lu3brucf  ijf,    (£ben  fo  wenig  afynbete 


L  C.  5ortfd)ritt  in  b.  encfeor.  <Sd)rift  u.  5^ad>nj,  pbonet.  381 


?)oung  ba3  Däfern  mehrerer  3eicfeen  für  Einen  £aut,  ber 
fogenannten  feomopfeonen  3etd)en ,  bert  eigentlichen  ©c^lüffcl 
ber  v£ierogh)pfeenfcferift,  obroofel  bie  oon  tfem  t>ergltrf)enen 
feieroglppfetfcfeen  ^anbfcfertften  bee>  £obtenbucfee3  fljm  fcdtten 
batauf  bringen  f  ollen. 

Enblicfe  aber  war  tfem  bte  2Crt  2llpfeabet,  roekfee  er  ans 
nafem,  fetneSroegS  ein  2£lpfeabet  für  bte  <Eptacfee,  fonbern 
nur  für  bte  (Schreibung  öon  Eigennamen,  unb  jwar  nur 
ber  fremben:  alfo,  rote  er  aucfe  felbft  gefagt  feat,  nacfe  2lrt 
ber  Efeinefen,  b.  fe.  nacfe  ber  !U?etr)obe  einer  aller  ^aut^etcfeen 
entbefetenben  3etcfeenfcfertft. 

SSetgebenS  fucfete  er,  äl$  Efeampollton  im  ^erbjre  be3 
Saferes  1822  fein  2llpfeabet  aufgeteilt,  im  folgenben  Safere 
biefe  Entbecfung  ftcfe  jujuetgncn.  Et  beftanb  auf  ben  $laz 
men  oon  Sftemnon,  ©efo(hi§  unb  anbern,  beren  ©cfetlber 
er  mit  großem  Scfearffmne  aus>  ben  £5enfmdlern  feerauSge* 
fpttrt,  ofene  jebocfe  aucfe  nur  in  Einem  galfe  ifere  2efung  er* 
ratfeen  $u  feaben;  benn  tfeetls  gefeoren  bie  ©cfeilber  ganj  an= 
bern  Königen,  tfeeilS  geben  fte  nicfet  bie  tarnen,  bte  er  in 
ifenen  oermutfeete.  Enblicfe  aber  roat  roeber  feine  Kennte 
nig  nocfe  überfeaupt  bie  Kunbe  ber  ^terogfypfeif  burcfe  ein 
folcfeeS  Ratfeen  nicfet  roaferfeaft  entzifferter  tarnen  im  ©ering^ 
ften  gefotbert.  3)oung  featte  mit  Ratfeen  angefangen,  unb 
mit  Jinben  zweier  roicfetiger  9?amen3fd)tlber  unter  einigen 
jwan^ig  aufgefeört;  rein  entziffert  unb  entbecft  featte  er  gar 
nicfetö.  3Me  weiteren  frucfetbaren  gorfcfeungen  $oung3  be* 
fcferdnfen  ftcfe  auf  bie  encfeorifcfee  ober  bemotifcfee  ©cfertft.  Er 
macfete  meferere  Urf unten  berfelben,  Kaufverträge  unb  dfen^ 
licfee  befannt,  unb  axbtxUXt  julefet  nocfe  ein  Söörterbucfe  ber 
©pracfee  au3,  roelcfeeä  nacfe  feinem  £obe  erfcfeten  209).  3n 

209)  Th.  Young,  Rudiments  of  an  Eg}'ptian  dictionary  in  the  an- 
cient  enchorial  character.  London  1830.  8. 


382 


t>et  Erfldrung  jener  Urftmben  unb  in  bem  SBörterbuche  fetbft 
giebt  er  jebod)  feineSwegS  mehr  als  zuüor  9^ed)enfd)aft  t)on 
ben  erf (arten  SBörtern,  il?rer  Entzifferung  unb  ihrer  Sefung. 

2)er  erfte  Anfang  frreng  phtlologifcher  gorfchung  auf 
biefem  ©ebtete  war  eigentlich  $ofe  garten  3  nod)  ju  §)oung3 
Lebzeiten  unternommene  Entzifferung  ber  in  einem  zweifpras 
ewigen  ^appruS  ber  berliner  Sammlung  üorfommenben  üftas 
men  unb  33etnamen  mehrerer  ^ptolemder,  aus>  benen  er  ben 
Anfang  eineS  Alphabets  bilbete,  unb  mit  ihm  mehrere  grams 
matifche  formen  entbeefte 2I0). 

Nachrichten  auS  ?>ari6  in  ben  öffentlichen  ^Blättern  jus 
folge  bürfen  wir  t>on  v£>rn.  Saulet)  eine  umfaffenbere  2Crbett 
über  ba§  £)emotifche  erwarten,  fo  wie  t>on  Ampere  über 
ba£  £ieratifche.  33i3  je£t  ftnb  beibe  Schriftarten  weniger 
geförbert  als  bie  £ieroglt)phit\  9to  ba£  S5eobad)ten  beffels 
ben  Verfahrens,  wie  bei  biefer,  tagt  einen  bebeutenben  Ers 
folg  hoffen ;  an  Urfrmben  für  beibe  fehlt  e$  auch  iefc*  m 
^eutfchlanb  nicht,  feit  burch  fönigltche  Jürforge  unb  greis 
gebigfeit  ba$  berliner  Sftufeum  feinen  bemottfehen  Sollen 
noch  mehrere  fehr  wichtige  hterattfd&e  erhalten  fyat 

D.  £)a£  J>terotqtppt)tfc^e  2C Iphabet:  Ehampols 
lion  ber  Süngere. 

Jean  Frangois  Champollion ,  le  Jeune  genannt,  ber 
Stolj  ©renoble'3,  in  beffen  9kchbarfcf)aft  er  1790  geboren 
warb,  fchten  t>on  früherer  Sugenb  an  für  bie  dg^ptifche  gors 
fchung  bejtimmt  ju  fein.  Ergriffen  v>on  bem  3<*uber  be£ 
SBunberlanbeS  unb  bem  SRuhme  ber  großen  Unternehmung 
S3onaparte'3 ,  legte  ber  ftebenzehnjdhrige  Süngling  im  Seps 

2I0)  3.  ®.  C.  Äofegarten,  SBemerfungen  über  ben  dggpttfc&en  Zext 
eines  spap^rus,  ©retftroalbe  1824. 


I.  D.  £>as  f)ieroglt)pf)tfd)e  5l(p^abet,  383 


tember  1807  feinen  Cc^rcrn  in  ©renoble  einen  9)lan  feinet 
SBerfeS  über  bie  alte  Erbfunbe  2legt)pten3,  mit  Einleitung 
unb  $arte,  oor,  unb  jroar  als  Entwurf  be3  erjlen  StyetlS 
eines  umfaffenben  SBerfeS  über  ©pracfye,  ©d&rift  unb  ÜUlh 
gion  ber  2£egt>pter.  50?tt  biefem  Sßerfe  (Teilte  er  ftd)  ben 
Stteiffern  ber  Söiffenfcfyaft  in  $>ari3  wr,  unb  nacf)  bretjdr^rt- 
gen  gorfcfjungen,  befonberS  unter  ber  Leitung  oon  ©aa), 
begann  er,  im  September  1810,  ben  2)rucf  ber  Einleitung 
jeneS  23ud)e6,  roeld&eS  im  Sal)re  1814  erfd)ien*  Sn  jener 
Einleitung  erwähnt  er  beiläufig  einiger  Berichtigungen  unb 
Ergänzungen  be$  #ferblab'fd)en  2llpl)abet6  ber  endjorifcben 
Snfd)rift 21T) ,  unb  giebt  eine  furje  Ueberftd)t  ber  umfaffem 
ben  unb  metf)obifd)en  gorfd)ungen ,  bie  er  für  ba3  $optifd)e 
gemacht:  eine  @pracblef)re  unb  ein  2B6  rter  bu  er; ,  welche  er 
bamals  für  baffelbe  angelegt,  warb  t>on  Zennern  nocf)  fad* 
ter  geföäfet 

<£d)on  jenes  Sßerf  beroeift,  baß  Eljampollion  auf  llhxz 
blabö  2Beg  in  ber  Entzifferung  ber  encfyortfcfyen  Snfcfyrift  mit 
entfcfyiebenem  Erfolge  oorrodrtS  gegangen,  aurf)  nafye  haxan 
war,  bie  in  berfelben  üorfommenben  ftnnbilblicf)en  3ei$en  P 
ernennen212).    £)te  #teroglw>f)enfd)rift  fyielt  er  offenbar  mit 

211)  ©.  23.  tüeb,  spriefterin,  ep,  3in§,  mes,  erzeugen,  ennuti,  gott* 
ltd}.  @,  4L  ti- sehen",  Softer,  xoo  er  baö  ftnnbtlbltd^c  3eu 
eben  für  eine  „ftefyenbe  tfbtürfcung"  erfldrt:  ben  Sfaft  beS  ^a* 
mens  ber  tfrftnoe  nad)  bem  ber  Äanepfyore  erfannte  unb  für 
Diogmes  Tecknö  lieft  (IKferblab  hatte  Tic-kne  gelefen).  @» 
103.  Rem- cheme,  Scanner  ^egijptenS,  b.  h,  tfegtypter,  oon 
©ahib.  kerne,  SBafdjm.  kemi,  Sföemphit.  chemi,  2Cegt)pten*  106. 
über  bie  tfuSlaffung  berS3ocale  in  ber  dgt)ptifd)en  (b.  t).  bemo; 
tifdjen)  Snfcfertft.  ©♦  362.  Mephi,  smemptjiö.  ©.  265.  Man- 
Aleksantros,  Ort  2Ueranber$ ,  b.  f).  2Cleranbrten. 

212)  ©.  bog  in  ber  üorhergehenben  tfnmerfung  angeführte  23etfptel 
\)on  @.  4L 


384  (JrfleS  93ud).  fünfter  2fbfd)mU 


allen  SzitQmoftm,  tro£  Soega,  für  reine  ©innbilberfchrift. 
Gnne  wettere  gorfdjung  auf  bemfelben  Sßege  ergab  ihm  bie 
Ztyatfafyt,  tag  bie  (Schrift  ber  Ijterattfchen  $>apm-u3rotlen 
au3  ber  f)teroa,fypf)tfd)en  entjtanben  fei  als  eine  ©efd)winbs 
fdmft,  3)arau§  er  in  einer,  1821  ber  2fiabemie  ber 
SBifjenfcfyafren  in  $ari3  vorgetragenen  2£bl)anblung  2I3)  ben 
(Schlug:  alfo  fei  auch  bie  hievatifche  ©d&rift  ftnnbilblid),  unb 
nicht  alphabetifd).  Ghampollion  war  auf  jene  wahre  2(ns 
fchauung  eben  fo  gut  felbfrdnbig  gekommen,  wie  §)oung 
auf  bie  feinige,  obwohl  beibe  ©elebrte,  befonberS  burd)  ©a^ 
ci)'6  Vermittlung,  t>on  ihren  50rW"ngen  ^unbe  hatten,  unb 
obwohl  ein  warmer  SBetteifer  beibe  ©eiffer  anfeuerte.  £>a$ 
£dugnen  aller  £autbttber  in  ber  fykxatiffyn  ©d&rift  war  ber 
folgerechte  ©d)tufjl  aus  einer  falfchen  Annahme,  welche  (5l)am^ 
pollion  mit  allen  2(nbern  feilte:  2)oung  war  ber  entgegen^ 
gefegten  S33at)rt)ett  nur  burd)  eine  feinem  ©pjteme  frembe 
unb  von  ©runbe  au3  unzertrennlich  mit  Srrthum  behaftete 
Annahme  nal)e  gekommen. 

3u  biefer  2Baf)rf)eit  gelangte  ^^mpollion  fd)on  im  fol* 
genben  Satyt,  offenbar  angeregt  burd)  ©oungä  t>erfud)te 
3erlegung  jener  jweter  (3d)ilber,  über  beren  33ebeutung  fein 
Sweifel  fein  fonnte;  aber  t>ermitteljr  einer  gan^  anberen  unb 
ihm  eigentümlichen  unb  natürlichen  Verhöbe,  ©ein  un^ 
frerblid)e3  ©enbfchreiben  an  £)acier  t>om  ©ept.  1822  (oer= 
öffentlich  im  December  beffelben  S^hreS)  zeigt,  wie  er  nur 
jenes  SSorurtheil  über  bie  auSfchließlitf)  fmnbilblid)e  üftatur 
ber  Hieroglyphen  abschütteln  brauchte,  um  auf  tinmal  bas> 
SÖSahre  ju  ftnben. 

21 3)  De  l'e'criture  hie'ratique  des  anciens  Egyptiens  par  M.  Cham- 
pollion  le  Jeune ,   ancien  professeur  a  la  faculte'  des  lettres 

de  l'Acad.  de  Grenoble  (er  war  wegen  feiner  polttifdjen  2leu= 
gerungen  feine»  2Cmte6  entfefct).  Explication  des  planches.  1821. 
gol.   7  Seiten  Sert 


I.  D.  £)a$  f)terogIt)pf)tfd)e  Sllphöbet.  385 

2Bir  fyattin  un3  bet  tiefer  Sßerfchtebenheit  ber  fÜ^et^obe 
ntc^t  berechtigt  fagen,  ßhampollion  f)abe  $oungö  Grnt; 
becfung  fortgefe^t:  benn  er  hatte  üon  Anfang  an  bie  entge= 
gengefe^te  9ttethobe  angewanbt,  unb  biefe  ohne  2lferblabS 
Gnnfettigfeit  unb  mit  fciel  größerer  Sreue  unb  Siefe  »erfolgt 
@r  hatte  ferner  bie  bemotifche  gorfchung  liegen  laffen,  erfen^ 
nenb,  baß  $oung$  fcharffmntge  Skrgletchung  berfelben  mit 
ben  $)apyru3rollen  unftchere  demente  in  bie  Unterfud)ung 
bringen  mußte.  £ie*hieratifche  (Schrift  hatte  er  bann  fdjarf 
aufgefaßt,  unb  war  burd)  fte  auf  bie  JMeroglpphen  als  ben 
wahren  2lu6gang3punft  geführt 

SBie  er  in  ben  Hieroglyphen  ben  (Schlüffel  unb  ben  ei* 
gentlichen  $rei3  ber  ©ntbecfung  ber  (Schrift  ber  alten  2(e; 
gypter  erkannte,  fo  erblicfte  er  in  ben  .ftönigSfchilbem,  beren 
fo  t)iele  auf  ben  £>enfmdlern  in  Europa  unb  in  bem  dgyp; 
tifchen  2Ber!e  fcorfamen,  ba3  ftdjere  Littel,  ben  33ewei$>  etneS 
2£lphabet6,  b.  h-  nicht  als  eines  <$tneftfcf)en  Sftothbehelfee  für 
frembe  tarnen,  fonbern  eines  organifchen  33ejtanbtf)eile3  ber 
©chrift  für  bie  gan^e  (Sprache,  unb  ebenfo  bie  einzelnen 
S3e(tanbtheile  biefer  (Schrift  ju  entbecfen,  unb  ba$  ©ntbecfte 
ju  prüfen.  £>ie  Sbee,  baß  bie  Hieroglnphenfchrift  homo^ 
phone  3eichen  habe,  b.  h-  baß  fte  oerfchtebene  Silber  für  eis 
nen  unb  benfelben  Saut  gebrauche,  unb  bann  eine  acht  phi5 
lologifche  9ftetf)obe  in  bem  gortfchreiten  oom  ©ewiffen  unb 
(Sicheren  ^um  Unbekannten  leiteten  ihn  fchnell  auf  bie  (Spur, 
welche  &ur  ©ntbecfung  be£  Alphabets  unb  be$  ganzen  tymo? 
glyphifchen  (SyftemS  führen  mußte.  2CUe  biefe  Wtftyamtn 
gen  waren  2)oung,  wie  feinen  Vorgängern,  fremb. 

©in  zufällig  fcheinenber  Umjtanb,  ber  aber  ebenfalls  eine 
nothn>enbige  golge  be3  im  europdifchen  ©eifte  erwachten 
wiffenfchaftlichen  (Strebend  mit  befonberer  S5ejiehung  auf 
I.  25 


386 


erfteö  Q5ud).  gunfter  2lbfd)mtt. 


2Cegi)pten  war,  begünfligte  jenen  glücklichen  ©ebanfen  über 
bie  33ebeutung  ber$6nig3frf)ilber,  ^Bereits  1816  hatte  ber  be; 
fannte  franzöfifche  3?eifenbe  ßailliaub,  ber  Entbecf  er  9fteroe'3, 
bie  grted^tfd)e  Snfd&rtft  auf  bem  <5ocfel  be$  kleinen  Dbeltöfen 
üon  ^)t)t(d  abgezeichnet,  worin  bie  tarnen  eineSbersptolemder 
unb  feiner  ©chweffer  Cleopatra  vorkommen.  £r.  SBiEiam 
S5anfe^  hatte  feitbem  ben£)belis>fenfelbft  auf  fein  £anbgut  ge= 
bracht,  unb  Abrücke  ber  3etchnung  ber  ^ieroglppheninfchrift 
auf  bemfelben  an  ^reunbe  unb  geteerte  ©efellfdjaften  mit; 
geseilt  §)oung  hatte  bieg  £)enkmal  fo  gut  gekannt  als 
@hampollion,  aber  ntct)t6  bamit  anzufangen  gewußt  (5ham= 
pol!ion  fanb  in  ber  Söergleicfeung  ber  beiben  ©cfytlber  ben 
©chlüffel,  weil  er  ihn  fuchte.  (5r  erfannte  baS  Rotöles 
mderfchilb,  welche^  bem  von  S)oung  entzifferten  entfprach* 
Ott  nahm  an,  ba§  ba3  anbere  ebenfo  bem  tarnen  Äleopa^ 
tra  entfprechen  würbe,  unb  alfo  bie  Seichen  1,  o,  p,  a,  t 
mit  jenem  gemeinfchaftlicb  haben  muffe*  ©eine  Annahme 
beftdttgte  ficb.  5D?tt  beiben  gewann  er  zwölf  Seichen.  £Mefe 
auf  anbere  ÄonigSfchilber  im  dgwptifchcn  SBerke  anwenbenb, 
entbeefte  er  auf  einem  Denkmale  von  Äarnak  ben  9^ 
men  2ttekfantro3  (2Cleranber)  unb  baburch  brei  neue  3eicf)en. 
Sene  von  ?)oung  (1819)  benu^te  Snfd&rtft,  bie  ©chilber  von 
$)tolemdu$>  unb  S5erentfe  giebt,  verhalf  ihm  §u  homophonen 
Seichen  für  k  unb  s  unb  zu  einem  (obwohl  nur  fpdteren)  b. 
2üif  bemfelben  SBege  fortfehreitenb ,  war  er  im  ©tanbe,  fo 
fchnell  mit  feinem  dgppttfchen  £ieroglt)phenalphabet  her^ 
vorzutreten,  beffen  Erweiterung,  SBegrünbung  unb  2Cnwen^ 
bung  er  zwei  Sahre  fpdter  in  feinem  i)anbbucr)e  ber  £iero^ 
glpphif 2I4)  gab,  barin  feinen  Mißgriff  vom  Sahre  1821 
unb  baS  SSerbienjt  $oung3  offen  unb  gern  anerkennend 

2I4)  Precis  du  Systeme  hie'roglyphique  des  anciens  Egyptiens.  1824. 


I.  D.  JDaS  hteroa,lpphifd)e  Wichet.  387 


£)er  gtucfttrf)c  $un£t  für  bte  Entbecfung  be3  Alphabets 
war  bei  3)oung  bte  2ütffa|fung  unb  ba3  gehalten  ber  £h<*k 
fache,  baß  alle  dgpptifche  ©d^rtft  auS  ben  vg>terogIt>pi)en  ent= 
flanben  fei,  unb  alfo  ftnnbtlbliche  S^td&en  enthalten  muffe, 
neben  ben  t>on  2(ferblab  entbecften  alphabetifchen  3«5 
cf)en  ber  enchortfd)en  Schrift;  bann  eine  üerfuchte  2Cmt>en> 
bung  biefer  3bee  auf  £6nig3namen,  gür  ^ampollton  war 
ba$  Ei  bes>  EolumbuS,  bag  er,  alle  anberen  Sftethoben 
t>erfchmdhenb,  ben  Sd)lüjfel  zur  Entzifferung  in  ben  £te; 
roglpphen,  unb  ben  ©chlüffel  $u  ben  £autzeichen  in  ben 
JtönigSfchilbern  furf)te,  unb  burd)  Entbecfung  ber  homophon 
nen  3etcf)en  ftcf)  ben  2Öeg  ^ur  fortfcr)reitenben  33ert>ottjrdn; 
bigung  unb  ^Berichtigung  feiner  Entbecfung  bahnte,  SBon 
biefem  2ütgenbltcfe  an  lag  bte  ganze  £ieroglt)phif  in  feinen 
£dnbem  $oung6  SÖMhobe  hatte  ftd)  ttollfommen  uberlebt, 
nachbem  feine  gorfchungen  ben  Eifer  feiner  £anbSleute  ge= 
roecft,  unb  bte  Entbecfung  ber  dgpptifchen  Schrift  voxbatu 
tet  Ratten. 

t>olXe  Ergebnis  ber  gorfchungen  EhampoülonS  über 
bie  Schrift  ber2Cegppter  ijt  in  bem,  bei  feinem  frühzeitigen 
£obe  (5^drj  1832)  nachgelajTenen  SBerfe  ber  dgpptifchen 
Sprachlehre  (gebrucft  1836  — 1841)  niebergelegt  Er  nimmt 
hier  für  baS  dg^ptifche  Alphabet  232  Sachen  an;  fcon  bies 
fen  bezeichnet  er  36  als  ber  Seit  be£  SBerfalß  (ptolemdtfch- 
romifche  Epoche),  4  al§  einer  Don  ihm  angenommenen  „ge* 
heimen  Schrift"  au$  ber  erjten  gett  be3  neuen  Meiches  am 
gehörig,  unb  ebenfotuele  als  „2(nfangöhieroglpphen"  (Sni^ 
üakn),  b.  h*  folche,  bte  nach  ihm  nur  im  Anfange  eineS 
SBorteS  als  2autzeicf)en  gebraucht  würben,   So  blieb  ihm 

2de  edition  (welche  aud}  ba$  ©enbfdjreiben  an  tarier  enthalt) 
1828. 

25* 


388 


@rftc$  <5udn  Sunfter  2Jbfd)nitt. 


alfü  ein  uratte^  dgr;pttfd)e3  2Clpr;abet  t>on  faft  200  Setzen 
übrig.  2Me  Jortfe^ung  biefer,  wie  ber  ftnnbtlblicf)en  Seiten 
be3  InerogltwfyenfpfiemS  in  ber  fyteratifd&en  Schrift  J>at  er 
üolljidnbtgnacfygewtefen,  bae>  2)emottfd)e,  als  bie  alte  ©pradje 
gar  ntct)t  barjMenb,  gdn^trf)  au3gefd)ieben. 

E.  (SfyampollionS  wettere  gorfcfyung  unb<5cf)ule. 
9?ofc(ltnt.   ©alöoltnt.   ßepfiuS.  fieeraanä. 

2ßer  GtyampollionS  gorfcfnmg  nur  nacf)  bem  beurteilt, 
wa6  er  bat>on  ber  S3eroffentlicf)ung  übergeben,  wirb  bem  gro* 
gen  Spanne  t>telXetd^t  ben  unterbieten  Vorwurf  machen, 
baß  er  nie  bte  33egrünbung  feines  2Hpf)abete3  gegeben,  3<* 
felbft  bie  f)interlaffene  ©prad)lef)re  giebt  biefe  33egrünbung 
nitfjt,  auger  infofern  ^ufdllig  33elege  bafür  in  ben  S3etfpie^ 
len  twrfommen,  welche  er  im  Saufe  ber  grammattfcfyeniDar:: 
fMung  beS  2Berfs  für  bie  t>on  il)m  aufgehellten  Regeln  ber 
©pracfye  unb  ©d&rift  anführt  SBtr  fjaben  aber  fd)on  oben, 
bei  ber  allgemeinen  Einleitung  in  ber  ©efd)icf)te  ber  agtw^ 
tifcfyen  ©prad)forfd)ung,  ben  boppelten  Sßeg  angebeutet,  auf 
welchem  er  für  ftdf)  biefe  S5egrünbung  fud)te  unb  fanb.  (Sie 
liegt  ndmlid)  einmal  in  ber  S3ergleidf)ung  wieberfe^renber 
Sonnen,  bie,  gan$  ober  jum  &l)etl,  balb  budjjrdblicr),  balb 
bilbltcf)  gefcfyrieben  werben,  unb  in  beiben  fallen  oft  mit 
oerfcfyiebenen  3eid)en.  &iefe  Seiten  muffen  alfo  gleiche* 
beutenb  fein.  #ber  noer)  m'el  ergiebiger  unb  im  OTgemei- 
nen  !aum  weniger  ftcfyer  t(r  ber  zweite  2Öeg:  bie  SSerglets 
d)ung  ber  t>erfd)tebenen,  mefyr  ober  weniger  r>olljrdnbigen 
^obtenpappre.  <5ie  geben  offenbar  im  2Befentlid)en  benfek 
ben  2ert,  ber  aber  mit  groger  S3erfd)iebenf)ett  gefcfyrieben 
iff.  ©o  wie  nun  bie  $unbe  ber  <5prad)e  burd)  bie  (£nt; 
beefung  ber  ©d)rift  bebingt  war,  fo  ijt  e6  aud)  ber  Sorts 
fd&rttt  in  tiefer  burd)  bie  3una^me  unferer  ßenntnig  ber 


I.  E.  (Sfcomp.  weit,  gorfd).  iu  ©d)ufc.  —  SRofcUini.  381) 


Sprache.  £>enn  erft  burcf)  ba§  SSerffdnbmß  beS  £erte§  fon^ 
nen  oerfchieben  gefd)riebene  ©rupfen  ott  gleichbebeutenb 
unb  gleid)lautenb  erfannt  werben,  unb  jwar  muß  beibee> 
noch  genau  nnterfrf)teben  werben.  £)enn  e£  fonnte  ja  ber 
Sinn  berfelbe  fein  unb  bod)  ber  gewagte  2Cu$brucf  ein  an^ 
berer,  ^r(t  wieberholte  ^Begleichung  unb  SBejfdtigung  giebt 
hier  üoüfommene  ©xd^erf>ett. 

liefen  2öeg  war  nun  @hampolIton,  wie  ber  SSerfaffer 
felbjt  üom  Sahre  1826  an  bezeugen  fann,  ja  wie  @hantpok 
ItonS  frühefk  Schrift  fd)on  urfunblid)  beweift  feften  Schritt 
te3  unb  mit  unglaublichem  Erfolge  gegangen,  dx  hatte  ftd) 
atfmdhlig  ein  hierogtyphifcheS  SBorterbud)  angelegt,  in  wU 
cr)e$>  er  jeben  gunb  eintrug,  unb  bas>  ftcr)  namentlich  wd^ 
renb  be3  2Cufentr)atte§  in  2Cegt)pten  fajl  täglich  vermehrte 
unb  berichtigte. 

Sppoltto  Sftofelltnt  folgte  bem  9ttetjter  auch  fjiers 
in,  unb  ber  brüberlttf)e  SBerfehr  unb  bie  gegenfettige  5D?tt= 
Leitung  ber  Arbeiten  eines  jeben  £ag£  ^wifchen  betben,  wie 
SRofeumi'S  rührenbe£obtenflage  21 5)  fte  fd)ilbert,  ijl  ein  er)= 
renbeS  £)enfmal  für  beibe.  (£m  frühzeitiger  £ob  h<*t  ben 
einen  wie  ben  anbern  tterfyinbert,  bie  grucht  fo  vieler  müh- 
famen  unb  glücklichen  gorfchungen  $u  oollenben  unb  $u  ge^ 
m'efjen,  obwohl  Slofellim's  großes  SBerf  eben  fo  gut,  wie 
ßhampottionS  Sprachlehre,  bie  S3eweife  ber  ©rünblichfeit 
unb  be£  Erfolges  ber  SDMhobe  in  oielen  33etfpielen  offene 
bart.  Sene  2Crbeit  aber  ift  t$,  welche  bie  eigentliche  ur= 
funbliche  S3egrünbung  ber,  für  bie  einzelnen  Saut^eichen  unb 
©attungSbtlber  in  ber  Sprachlehre  angenommenen  Qtxtläz 

21 5)  Tributo  di  riconoscenza  e  d'  araore  reso  alla  onorata  memoria 
di  G.  F.  Champollion  il  Minore,  da  Ippolito  llosellini.  Pisa 
1832.  4°. 


390 


rung  unb  zugleich)  bie  oolljtdnbige  Ueberftcrjt  ber  rein  ftnns 
bilb(td)en  3eid)en  liefert  (§S  ijr  begreiflich  bag  beibe  9ttdns 
ner  bie  SSefanntmacfyung  berfelben  für  ba£  Enbe  ifyrer  £aufc 
batyn  ^urücftegten,  ba  ifynen  jeber  £ag  neue  ^Berichtigungen 
unb  Ergänzungen  bringen  mugte.  £)ag  nun  @f)ampolIion3 
SBörterbud)  jefct  üolljtdnbig  erfcfyienen  ijr,  fyaben  wir  bereits 
im  vorigen  2£bfd)mtte  erwähnt. 

2(uf  biefem  Sßege  fcr)ien  ein  fcr)arfftnniger  italidnifcfjer 
Philologe  benimmt,  fortschreiten,  roeld)er  ftd)  in  $)aris> 
unter  G>f)ampolIion  gebilbet:  JranceS co  ©alooltni.  Er 
tjt  aber  frühzeitig  geworben,  unb  fein  2£nben!en  ift  burcr)  bie 
bei  feinem  £obe  erroiefene  Veruntreuung  wichtiger  Rapiere 
feinet  9fteijferS  beflecft,  Deffenungearfjtet  barf  ba^  SSerbtenjr 
be3  erften  2r)ei(e6  feiner  gorfcfyungen  über  baS  r)terogtppr)t- 
fcf)e  Alphabet  unb  bie  t)iercg(r;pr)tfcr)e  3nfcr)rift  oon  Büfette 
(1836) 2l6)  nicht  oerfannt  roerben.  (Seine  Unterfuct)ung  über 
ba3  pf)onetifcr)e  Alphabet  enthalt  bie  erfte  öffentlich)  geroor^ 
bene  £3egrünbung  beffelben,  unb  feine  Erfldrung  ber  rofet* 
ttfdben  Snfct)rift  ijr  bie  erfle  pf)ilologifd)e  £ertcrfldrung  be§ 
2(egt)ptifcr)en.  Er  giebt  für  bie  @r)ampolIionifcr)en  Beidjen 
unb  für  fa|f  100  t>on  ihm  hinzugefügte  bie  33eroeife,  roelcr)e 
er  bafür  in  melen  £)enfmdlern  unb  in  ben  ^appruSrollen 
gefunben, 

Leiber!  oermigt  man  jeboct)  oft  babei  geroifFenhafte  SSors 
ficht  unb  ein  burchgebilbeteS  philologifd)e$  Urteil.  Statt 

216)  Analyse  grammaticale  raisonne'e  de  differens  textes  e'gyptiens. 
Vol.  1er.  Texte  hie'roglyphique  et  de'motique  de  la  pierre  de 
Rosette  avec  ua  volume  de  planches  par  Francois  Salvolioi. 
Paris  1836.  4<>.  grüner  fyatte  er  jwet  ©enbTdjreiben  üeröffent= 
ltd)t  Über  btc  S3e&eid)nuna,  ber  £)ateri  :  Premiere,  seconde  lettre 
sur  la  notation  des  dates.  Par.  1834.  3m  3<if)re  1835  gab  et 

bie  Campagae  de  Sesostris  aus  bem  $>ap9ruö  ©allier  (jerauS. 


L  E.  Gfyamp*  mit.  gorfd)»  u.  @d)ule,  —  ©alooltm.  391 


ba$  SMtyfel  eines  reinen  2C^J>abet6  »ort  200  Seiten  für  13 
Saute  $u  erfldten,  t>ermef)rt  er  bie  ©<$roierigt"ett,  mt$t  als 
lein  burd)  bie  2lnnaf)me  t>on  faff  100  3etct)en  mel)r,  fonbern 
burd)  bie  2(uffMung  eine3  ©runbfa^eä,  welcher,  wäre  er 
gegrünbet,  aller  Haren  unb  fixeren  gorfdjung  auf  biefem 
©ebiete  ein  (£nbe  machen  würbe,   dfyampollion  ^atte  be^ 
Rauptet  —  unb  bieg,  ofyne  eS  nad&juweifen  —  bag  man  bie 
33ilber  folcfyer  ©egenftdnbe  ju  alpf)abetifd)en  3eicf)en  ge= 
wdfylt,  reelle  mit  bem  ju  be^eicfynenben  Saute  beginnen, 
S5ei  mehreren  biefer  Sieben,  wie  beim  2£bter  (a^um)  für  a, 
beim  Forcen  (labu)  für  1,  war  bieg  burd)  ba§  Äopttfcr)c 
unb  bie  £ierogh)pf)enfprad)e  felbjr  leidet  erweiSbar:  e3  roar 
vernünftig,  e§  als  allgemeinen  ©runbfafc  au  fju  (teilen,  um  4 
fo  mefjr,  ba  aud)  im  femittfd&en  unb  im  runifd)en  2ttpf)abete 
bie  tarnen  ber  SBucfyftaben  gewiffermagen  fo  $u  erfldren 
ftnb,  (Saloolini  (teilt  aber  einen  ^weiten  ©runbfa^  baneben, 
ben  er  ungefähr  fo  auSbrücft:  „jebeS  &3tlb  lann  ^undcfyft 
„ben  Saut  bekämen,  womit  ber  von  if)m  bargejMte  ©egens 
„ftanb  anfangt;  bann  aber  aud)  ben  2(nfange>laut  bc3  Sßors 
&tt%  weld)e£  bie  burd)  jenen  ©egenftanb  fmnbilbltdj  ange* 
„beutete  Sfree  auSbrüdt  3flfo  ber  (Seter  fann  nid)t  blo§  n  be* 
„jeidjnen,  weil  baS  dgpptifd^eSBort  für  biefenSSogel(nurheü) 
„mit  n  anhebt,  fonbern  aud)  m:  benn  ber  ©eier  ifi  53ilb  ber 
„^ütterlicfyfeit,  unb  Butter  fjetgt  nni,mut."  (Saloolini  nennt 
bieg  eine  glücflidje  S3iegfamfeit  be3  l)ieroghwr;ifd)en©t)ftem§. 
MerbingS  nun  roirb  ber  begriff  Butter  ftnnbtlbtid)  burd) 
einen  ©eier  au§gebrüdt:  aUz'xn  rodre  baburefe  ^ugtetet)  ber 
pfjonettfd&e  ©ebraud)  be3  33i(be3  für  m,  neben  bem  für  n, 
begrünbet,  fo  würben  wir  in  bie  fyeillofefte  33errotrtung  unb 
in  bie  £f)orf)cit  einer  fabbali(ttfd)en  <5d)rift  geraden.  Uebru 
genS  fefylt  c§  an  allem  S3eroeife  für  biefe  S3ef)auptung, 


392 


(Srfleö  Q3uo).  günfter  2lbfd)nitt. 


5BaS  jenes  5Betfptcl  aber  betrifft,  fo  ifr  ber  ©eier  im  %IU  , 
dgt)pttfd)en  gar  nicht  phonetifch,  fonbern  bebeutet  nur  mut, 
Butter»   @rfl  in  ber  romifchen  3ett  warb  er  phonetifch, 
unb  $war  für  m. 

Wit  nicht  geringerem  (Sinne  für  bie  £)enfmdler,  als 
Sfcofelltm,  ba^u  mit  t>tcl  größerem  ©d&arfftnne  unb  größerer 
pJ>tlologtfd>er  ©enauigfeit,  enblid)  mit  ber  umfaffenben 
©prachwiffenfchaft  ber  beutfchen  (Schule  auSgerüftet,  begann 
frf)on  1834  ein  junger  beutfcher  ©elehrter,  obwohl  fein  ©d&fe 
ler  beS  großen  9fteijtetS,  ben  tton  @hampollton  angebahnten 
2öeg  felbjtdnbig  $u  verfolgen.  SKicharb  £epfiuS  i>atte 
bereits  in  jenem  Safyre  burd)  eine  mit  großem  23eifalle  in 
Deutfchlanb  unb  granfreid)  aufgenommene  2lbf)anblung  über 
bie  (Schrift  als  Littel  ber  (Sprachforfchung  feinen  S5eruf 
jur  fyöfyeren  (Sprachwiffenfchaft  unb  feine  Äenntniß  in  ber 
claf[ifdjen,  tnbifrfjen  unb  germanifchen  Philologie  beurfuns 
bet,  unb  roanbte  ftdt),  fo  vorbereitet,  in  jenem Sal)re  berate* 
rogfyphtf  ju.  (5S  ifr  eine  fcr)6ne  Fügung  unb  boppelt  tröffe 
lieh  für  bie  Csftre  ber  beutfehen  SÖtffenfchaft  auf  biefem  Ge- 
biete, baß  eS  bie  fonigliche  2(fabemte  ber  SBiffenfchaften  in 
^Berlin  roar,  welche  bem  jungen  ©elehrten  bie  Littel  gab, 
ftd)  jenen  gorfchungen  ^u  roibmen:  bie  (Stiftung,  welche 
2eibni£  mit  befonberer  Sfcttcfftd&t  auf  (Sprachforfchung  als 
Littel  ber  £er(Mung  ber  ©enealogie  beS  SÄenfchenge^ 
fchlechteS  gegrünbet  im  SSaterlanbe  oon  £a  @ro$e,  SablonSfp 
unb  SBtgnotfeS.  9?och  in  Paris  machte  SepfüiS  balb  eine 
gldn^enbe  (5ntbecfung.  dt  ernannte,  baß  ber  bei  weitem 
größte  Zfytil  beS  @hampollionifchen  Alphabets  feine  reinen, 
b.  h.  allgemein  anwenbbaren  ßautjetchen  feien.  Snbem  er 
nun  folche  Seichen  auSfchieb,  welche  nur  entweber  bei  ge; 
wiffen  SBörtern  ober  für  beftimmte  £autt>erbinbungen  pho? 


L  E.  @!)amp.  mett.gorfc^,  u,  (gdjule.  —  £epf.;  £eeman$*  393 


netifd)  gebraucht  werben  (unb  er  entbecfte  berfelben  felbjr  eilf), 
blieben  ihm  als  et^entltd^eS  Alphabet  34  Setzen  übrig,  bte 
er  ben  brei^ehn  altdgpptifchen  33ud)fraben  juwicS.  Damit 
war  baS  ^>terogtpp^tfdt)e  2£ipt)a6ct  ntcr)t  aüetn  berichtigt,  fon== 
bem  auch  erfldrt  @m  reineS  Alphabet  fcon  200  3etct)en 
begreift  ftd)  fehler:  ba3  33ejlehen  fcon  bur d^f c^nxttüd)  ^wet 
Seiten  für  jeben  Saut  erfldrt  ftd)  fd)on  burd)  bie  üftotl^ 
wenbigfeit,  welche  ber  Denfmalcharafter  ber  <Sd)rift  unb 
ber  fpmmetrifche  ©tmt  ber  2legt)pter  bebingte,  balb  ein  lies 
genbe£,  balb  ein  fler)enbe^  Seiten,  balb  ein  langes,  balb 
ein  breites  S3ilb  $u  gebrauchen,  um  jebe  SBortgruppe  fünfte 
lertfd)  ju  gehalten  unb  ab$ufd)liegen.  Sugletd)  leitete  £ep; 
jtuS  ba$  gefchid)tlid)e  $Princip,  tt?e(cf>e6  ßhampollion  in  bte 
SBtjfenfd&aft  eingeführt,  mel  weiter  fort,  inbem  er  alle  nur 
in  ber  ptolemdtfc^römtfcfyen  Seit  aU  fiaut^cid&en  ttorfom* 
menben  SMlber  t>on  ben  alten  aus>fd)ieb. 

hiermit  fchliegt  ftd)  bie  ©efd)id)te  ber  hieroglpphifchen 
(Schriftentbecfung :  benn  in  bem  Alphabete,  welches  £ee* 
man  3  in  feinem  &erbienfilid)en  Sßerfe  über  bie  dgppttfchen 
Denfmdler  beS  lepbener  SftufeumS  gegeben,  ftnb  wir  um 
fo  weniger  im  <2tanbe  einen  gortfd)ritt  ju  entbeefen,  als 
befTen  Segrünbung  i?on  bem  gelehrten  SSerfaffer  noch  nicht 
gegeben  i|r.  2Bir  zweifeln  fehr,  bag  eine  folche  S5egrünbung 
gelingen  fonne. 

f.  Die  Darffellung  b c S  (Siemens  üon 
2lleranbrien. 

ßaum  war  baS  Aftern  ber  r)teroglppr)tfdhen  ©d&rtft 
entbeeft,  fo  warfen  feine  ©egner  ftd)  auf  bie  Altern  Die 
einen  beffrebten  ftdj  &u  beweifen,  baß  baS,  waS  thatfdcfc 
lieh  nachgewiefen,  nicht  möglich  fei,  weil  bie  alten  (unb  bie 


394  (Srtfeö  Q5ud).  gwnfter  2Ibfd)mu\ 

neuen)  ©d)rift)Mer  ba3  ©egentf)eil  gefagt.  2(nbere  fugten 
irjren  £ro|r  barin,  tag  bie  2ttten  beutlid)  genug  t>on  einem 
rjierogfypfyifcfyen  2itpf>abete  geftrocfjen,  unb  tag  (Siemens  ba$ 
gan^e  ©djrtftfpjrem  feJ>r  genau  angegeben,  in  berfelben  ©teile, 
woraus  fte  ober  il)re$>  ©(eichen  wieberfyolt  baS  ©egentfyetl 
bewiefen  fyatten,  £>ieß  t(l  aud)  gan$  in. ber  £>rbnung  ber 
menfrf)ltd)en  Dinge,  ©obalb  bas>  neue  Snbien  gefunben 
war,  wußten  G>olumbu3  geinbe  genug  £l)atfad)en  (jeroor^u^ 
bringen,  au3  welchen  ba3  Dafein  eines  folgen  fianbeS  ge; 
fcfyloffen  werben  mußte,  unb  wenige  Safyre,  nafybtm  £ar; 
oep  ben  SSlutumlauf  entbeeft  fyatte,  bewies  einer  oon  ben; 
jenigen  englifcfyen  2£er^ten,  welche  biefe  große  Crntbedung 
geldugnet  unb  fyeftig  befdmpft,  baß  bie  ©ad)e  flar  genug 
in  einem  SSerfe  ©alomo'3  auSgefprocfyen  fei.  3n  unferem 
galle  nun  war  bas>  ©efunbene  allerbinge>  oon  ben  2ttten 
gefannt  unb  bezeugt  ^piiniuS  fagt  würflid)  bei  ber  (im  Ur; 
funbenbucf)e*)  abgebrudten)  ©teile  über  bie  £)beli3hn  gleid) 
Anfang  mit  bürren  SBorten:  ,.©ie  ffnb  bem  ©onnen; 
„gotte  geweift:  baS  fagen  bie  Snfcfyriften  aue>.  Denn  bie 
„in  fte  etngef)aucnen  3eid)en  ftnb  dgpptifcfye  £3ud)|raben." 
Die  ©teile  be£  ßlemenS  oon  2tteranbria,  beren  wir  oor; 
läufig  bei  ber  Untermietung  über  bie  ^eiligen  SBücfyer  fyaben 
gebenden  müjTen,  erfuhr  aud)  feit  ber  dntbeefung  fefyr  Oer; 
fcfyiebene  Auslegungen:  2etronne,  ©ulianoff  unb  2epftu$ 
fyaben  fidt>  bie  größten  SSerbienjte  um  if)r  SSerjrdnbniß  er; 
worben;  ber  leitete  namentlich  burd)  bie  oon  ifym  guerfr 
gefunbene  unb  erwiefene  richtige  2fu6legung  be3  oielbefpro; 
ebenen  2fuSbrucfe§  „er|re  Elemente",  womit  gried)ifd)e 
©d)rtft|Mer  einfach  unb  fd&led&tfyin  bie  23  ucfyft  ab  en  be; 
^eic^nen,  im  ©egenfa^e  ber  ©plben,  ein  2Bort,  welches  ur; 
fprünglid)  3ufammenfaf[ung  Wocukt  (Sinen  £f)eil  ber 
*)  c.  II.  k  0»  84, 


I.  F.  £)ie  ©artfellung  bcö  @lemenä  uon  2lleranbrien.  395 


Stelle  laffen  jebod^  alle  bisherigen  Auflegungen  gan^lid) 
unerfldrt,  benjenigen  ndmlidf),  n>e(d)er  fcon  ben  fogenannten 
anaglt)pf)tfd)en  3etd)en  fyanbelt.  S^ad^  £etronne  unb 
@f)ampollton217)  btlben  btefe  Setzen  eine  ganj  eigene  Art 
ber  2)arfrellung  burcf)  fpmbolifdje  Silber,  nifyt  alfo  einen 
£f)eil  ber  £ieroglt)pl)enfcf)rift,  @act)  erfldrt  bieg  für  um 
mogltd),  ofyne  eine  anbere  @:rfldrung  $u  t>erfudf)en,  unb  ©u* 
lianoff  grünbet  barauf  ein  ©wfrem  burd)gef)enber  ©efyeims 
fd^rtft ,  welches,  wenn  e£  bejldnbe,  ber  Crntbedung  (Saarns 
pollionS  allen  Söertf)  nehmen  würbe.  SBtr  fyaben  unfere 
Anftdjt  fd)on  im  erffen  Abfdjnitte  angebeutet  9?adf)  tf)r 
beruht  bie  gan^e  Annahme  t>on  befonberen  „anaglt)pl)ifd)en" 
Beiden  auf  einem  pfytlologifcfyen  SttigüerjHnbnijTe,  Unb 
biefe  Anftd)t  ju  begrünben,  geben  wir  je&t  ^uüorberjt  bie 
Ueberfe^ung  be3  SerteS,  welchen,  wer  will,  im  Urfunbem 
bucfye  *)  felbft  nacfylefen  fann. 

„3Me  Aegt)pter  laffen  bie,  welche  fte  unterrichten,  gus 
„er|r  t>on  Allem  biejemge  ©djreibeweife  lernen,  welche  bie 
„33  ri  effdjrift  (epijto(ograpf)ifd)e)  genannt  wirb;  barauf, 
„als  zweite,  bie  $)ri  eft  erfcfyrift  (l)  t  er atif d)  e),  beren 
„ftd)  bie  ^eiligen  (Schreiber  (v^ierogrammaten)  bebienen: 
„julefct  t)on  allen  bie  fyeilig e  23 ilb erf cfyrtft  (fyierogl^ 
,,pf)ifd)e).  2Mefe  nun  tf)eilt  ftd)  guüorberft  in  ^wei  klaffen: 
„bie  eine  brücft  ftd)  unmittelbar  (fmuologifd))  burd)  33ud)2 
vftaben  (roortltcr) :  er|te,  b.  f).  einfache  £aut$eid)en)  au3,  bie 
„anbere  ijr  3eid)enfd)rift  (fpmbolifd)e).  £)ie  fpmbolifd^e 
„(£teroglwl)enfd)rift)  nun  fMt  bie  £)inge  entweber  un* 

2I7)  Pre'cis  du  syst.  hier.  2de  edit.  II.  378  ff.,  Sgl.  mit  Sylvestre  de 
Sacy,  Journal  des  Savans.  Mars  1825.  Lepsius,  Lettre  p.  17  ff, 
unb  Appendix  A.  —  de  Goulianoff,  Archeologie  Egyptienne. 
3  Voll.  1839.  Vol.  I.  p.  213  ff. 
*)  C.  III.  1,  @.  91. 


306 


€rftca  <8ucf).  Sunfter  Sfbfdwitt. 


„mittelbar  (fyriologtfd))  bar,  burc!)  9?ad)af)mung ,  ober  fte 
„giebt  fmnbilbtid)e  3etd)en  (tropifcfye)  ober  fte  brücft  ft'ci) 
,.ganj  unb  gar  in  ©teic^ntgn>etfe  (allegorifcf))  auS,  oer* 
„mttteljr  geroiffer  £Rdtf)fel.  ©o  machen  fte  einen  JtreiS,  um 
„bie  <5onne,  ein  monbftcf)elarttge§  Seiten,  um  ben  9ttonb  ju 
„fcfyreibcn.  £>a3  ftnb  SBeifptele  ber  unmittelbaren  (fm*iologi= 
„fd)en)  SBeife  (ber  f)ieroglt)pf)tfd)en  @cf)rtft).  £>er  ftnnbilbli; 
„d)en  (troptfd)en)  SÖSeife  aber  bebienen  fte  ft'cf),  tnbem  fte  nacf) 
„einer  gereiften  #npaffimg  ©cgenjldnbe  auf  etroaS  #nberes> 
„anroenben  unb  übertragen,  balb  fte  (mit  einanber)  üerroed^ 
„felnb,  balb  fte  oielfad)  umgeftaltenb.  <2o  nun  fcfjreiben 
„fte  üermitteljr  ber  f)ierogh)pf)ifcf)en  33ilberfcf)rift  bie  33ü; 
„d)er,  roelcfye  ba§  £ob  ber  Könige  in  tfyeologifcfyen  Wlytytn 
„barjMen.  SSon  ber  britten  burrf)  9?dtf>fet  ftd)  au§brücfen= 
„ben  SÖetfe  fei  bae>  ein  SBeifpiel:  SBdfyrenb  fte  bie  übrigen 
„(SBanbelO  ©terne,  roegen  ifyreS  gerounbenen  £aufe3,  burdf) 
„bie  Leiber  oon  ©erlangen  bezeichnen,  (teilen  fte  bie  ©onne 
„burd)  baS  S5ilb  eines  £dfer$  (<&Uxabä\x$)  bar." 

2Bir  nehmen  mit  ßetronne  an218),  ba§  bie  ^uerj!  ge^ 
lehrte  S3rteffd>rtft ,  roeldje  im  ^ofettefrein  als  lanbe6übltcf)e 
(endborifcfye)  aufgeführt  roirb,  biefelbe  fei,  welche  £erobot 
unb  £>tobor  bie  SSolBfcfyrift  (bemotifrf)e)  nennen,  <5cf)on 
GtyampolIionS  lefcteS  SBerf  erfennt  in  biefer  ©cfyrift  aber 
bie  ©cfyrift  ber  £anbe3fpracfye.  <&o  fyieg,  rote  roir  gefefyen, 
tm  ©egenfafce  ber  <Spracf)e  ber  ^eiligen  S5üd)er  unb  ber 

218)  ßepftuö  ©rimbe  bagegen  ftnb  fef)r  fdjarfftnnig  tm  tfnfyang  A.  feis 
ne$  @enbfd)reiben$  auSeinanbergefe§t.  ©r  fa^t  ben  ©egenfafc 
in  ben  tfuSbrücfen  ber  qrted^ifdjen  «SdjnftjMcr  t>on  ^eiligen  unb 
t?olfgtt)ümlid)cn  3ei<$en  fo  auf,  bajj  mit  jenen  bie  S5überfd)rift, 
mit  tiefen  bie  9?id)tbilberfd)rift  bejetdjnet  werbe,  roobei  berUn* 
terfdjteb  üon  tjieratifc^er  unb  endjorifdjer  (3d)rift  unbeadjtet  ge* 
blieben,   2Cudb  SKeqer  t;at  ftet;  ßetronne'S  2Cnft(^t  angefäloffen. 


I.  F.  £>ie  £)arftellung  M  (Siemens  t>on  2l(<?rant)rien.  397 

©enfmäler,  bie  «Spraye,  welche  wir,  fett  fte  in  ber  fyxifo 
liehen  3eit  mit  grogtenthetlS  griechtfchen  SBuchfraben  gefchrie; 
ben  wirb,  bie  foptifche  nennen.  Sn  jener  33rteffchrtft  nun 
ftnben  wir  Kaufbriefe  unb  alle  SSerhanblungen  be3  bürgen 
liehen  £eben£  auSfchlieglid)  gefchrteben,  unb  bie  £)enfmdler 
biefer  Schrift  gehen  bis  jur  3ett  ber  ^fammetiche  hinauf, 
hierauf  lernten  bie  fortfchreitenben  Schüler  bie  ^rie* 
jterfchrtft,  wie  bie  end)ortfd)e  ober  S3rieffd)rift,  bie  auS  einer 
SSerwanblung  ber  hieroglpphifchen  33ilber  in  leicht  frfjreib^ 
bare  3üge  entftanben;  unb  fte  bejknb,  wie  jene,  au6  einer 
50Ztfcr)ung  oon  Saufyeichen  mit  ftnnbilblichett:  biefe  lederen 
ftnb  jebod)  in  tJ>r  weniger  feiten,  als  in  jener,  S3eibe  enb* 
lieh  werben  in  wagerecf)ten  Seilen  tton  ber  redeten  &ur  lin* 
fen  £anb  gefchrieben.  2Cber  e§  ift  ein,  erjl  fpdt  t>on  Qfyamz 
pollion,  unb  namentlich  in  feinem  fyinterlaffenen  SBerfe,  mit 
33efttmmthett  anerfannter  Srrthum,  bag  bieenrf)orifd)e  Schrift 
eine  ©efcfywinbfcfyrift  ber  t)ieratifc^en  fei.  S8ielmef)r  ftnb 
beibe  ©Triften,  unabhängig  twn  einanber,  au£  ber  £tero^ 
gfyphenfchrift  entftanben:  wa£  ftch  auS  unferer  oben  enrwi^ 
cfelten  2£nftcf)t  oon  ber  ©runbüerfchiebenheit  beS  t^ebatfd^en 
unb  memphittfchen  £)ialeft3  erfldren  bürfte.  2Cu6  jener 
nämlich  entftanb,  wie  un3  fcheint,  bie  heilige  Sprache,  auS 
biefer  bie  herrfchenbe  £anbeSfprache*  £>er  v£)auptunterfchieb 
jener  betten  Schriftarten  be|W)t  alfo  barm,  bag  man  mit 
jenen  Seichen  bie  lebenbe  Schriftfprache  fchrieb,  welche  für 
alle  3we<fe  be$  bürgerlichen  Sebent  biente,  mit  biefen  3et= 
chen  aber  nur  baSjenige,  wag  mit  ber  Religion  unb  ber  auf 
fte  gebauten  SÖiffenfchaft  ^ufammenhing  unb  alfo  ben  9)rie- 
(lern  anheimftel,  al6  beren  (£tgenthum  fte  ihr  9?ame  bezeichnet 
2öer  bie  hieratifche  «Schrift  lernte,  mugte  bie  heilige  Sprache 
gelernt  haben,  alfo  in  bie  9)ricfterbilbung  eingetreten  fein; 


398 


<£rfh?S  33ud).  günfter  2lbfd)nitt 


bafyer  fonnte  fte  im  33ilbung6fr;ftem  ber  2(egt)pter  immer 
nur  ben  ^weiten  $)la&  einnehmen. 

Sftan  fonnte  nun  aber  aud)  bie  fyeiltge  ©pracfye  in  ber 
£3ilberfd)rift  ber  Denfmdler  fcfyreiben,  inbem  man  bte  ein^ 
gehauenen  ober  gemalten  Setzen  auf  ifyre  Umriffe  fruxiifc 
führte.  Denn  bag  man  fyeilige  S3ttd)er,  ober  roenigftenS  cfe 
nen  £f)eil  berfelben,  ganj  gerootynlid)  in  folgen  Umrif?f)ie- 
rogh)pf)en  fcfyrieb,  macfyt  fdjon  ba3  oon  ßepftuö  f)erau3ge* 
gebene  £obtenbud)  anfdjaulicf).  Der  9Zame  £ieroglppf)en 
be^etctynet  fyeilige  eingegrabene  Setzen:  ^erobot  nennt  fte 
bucfyfldblid)  mit  btefen  ^Sorten  (II,  166,),  unb  roenn  er  an 
einer  anbern  ©teile  fagt  (II,  124.),  bag  auf  bem  ©tem* 
bamme  be£  @f)eops>  „£f)tere  eingegraben  feien",  fo  roill  er 
txxmit  roenigffenS  eben  forool)l  fyieroglppfyifcfye  3nfd)riften 
als  rein  bilblicfye  Darstellungen  üerjranben  rotffen.  Die  ^te- 
roglt)pf)if?  ber  dgpptifcfyen  <3d)ulen  roar  alfo  bie  SBifTen^ 
fcfyaft,  jene  oon  ben  Denfmdlcrn  entlehnte  l)ierogh)pf)ifd)e 
©djrift  ber  ^eiligen  S3üd)er  lefen  unb,  gleid)  ben  anbern, 
fcfyreiben  ju  lernen.  SBenn  ßtemenS  alfo  oon  ber  £iero^ 
gh)Pf)if  rebet,  fo  mug  ba3  SSerjtdnbnig  ber  Denfmatyiero* 
gfypf)en  allerbingS  mit  einbegriffen  fein;  allein  ber  tmmtte 
telbare,  praFttfd^e  3roecf  roar  ba£  §3er|iänt>mfj|  ber  in  Um^ 
rtgt)terog(t>pt)en  g ef d> r t e b enen  ^eiligen  33üd)er  unb  bie 
gertigfeit,  biefe  Seiten  fclbft  ju  fd)  reiben. 

Die  erfte  2(btl)etlung  ber  v£)ieroglt)pf)en  nun  ijl  bie  in 
Saut  s  unb  3eid)enfcf)rift.  Sene  nennt  GlemenS  ganj  ein* 
fad)  33ud)jtaben.  SSon  tynen  nun,  als  ber  be!annten  unb 
mit  ber  (Schrift  ber  übrigen  SBolfer  ubereinftimmenben 
2Crt,  fagt  (Siemens  md&tS  weiter,  obroofyl  fte  einen  fefyr 
bebeutenben  £3eftanbtf)eil  aller  f)ieroglt)pf)ifd)en  ©d&rtft  bik 
ben.    @r  gef)t  t>on  tynen  of)ne  SBettereS      ber  ^weiten 


I.  F.  £)ie  2)arjMung  beö  (HcmenS  von  2Uerant>rien.  399 


©attung  über,  alfo  jur  3eid()enfcf)rtft,  welche  im  ©egen^ 
fafce  ber  Saute  bie  ©egenjldnbe  barjMt.  @lemen3  nennt 
fte  bafyer  bte  fpmbo(ifrf)e ,  roett  fte  ben  Saut,  fetner  2ütfc 
faffung  nadj)  ben  eigentlichen  3roecf  ber  ©Triften,  nur 
vermittelet  ber  ©egenjldnbe  angiebt.  dt  tfyeilt  fte  bretfad) 
ab»  £)enn  e£  fann  ja  ^uvörberff ,  wie  rotr  jefct  tfyatfdcfyltd) 
n>tffen,  ber  ©egenffanb  felbft  im  2(egpptifd)en  burcf)  ein  leidet 
erkenntliches?  33ilb  bargejlellt  werben.  £)ieg  tfi  al6bann  bte 
unvermittelte  (fpriologifcfye)  £)arfMung  be£  ©egenftanbeS, 
rote  bie  Sautbilber  bte  unvermittelte  £>arf!euatng  be3  Saus 
te3  ftnb.  bie  ©onnenfdjetbe  unb  bie  SttonbeSftrfjel,  £ie= 
roglvpfyen,  bie  ftc^,  nebenbei  gefagt,  nod)  in  ber  3eid)en^ 
fcfyrift  ber  Pronomen  erhalten  haben.  Mein  bie  dgt)»tifd)e 
©d&rift  J>at  eine  bebeutenb  größere  2Cnjaf)l  t>on  Seiten, 
welche  ben  ©egenjknb  mehr  anbeutenb,  alfo  mehr  ober 
weniger  übereinfommltch  barjMen.  <2o  bezeichnet  ein  Wann, 
welcher  bie  vgjdnbe  emvorhdlt,  einen  2Cnbetenben.  Sa  ber 
grogte  SfyeU  ber  Hieroglyphen  ift  rein  fmnbilbltd)  unb  über* 
einfommlich;  fo  33.  bag  eine  (Slle  bie  ©erechtigfett,  eine 
©traugfeber  bte  SBahrheit,  eine  Saute  ben  begriff  gut, 
5tt>et  am  ^nie  abgefrf)nittene  fortfdjreitenbe  Sßeine  eine  fort* 
fdjreitenbe  (tranfttive)  £anblung  bebeuten.  (Snbltd)  bient 
baS  2Tuge  (iri)  aud)  ^ur  ^Bezeichnung  ber  gleid)bebeutenben 
SBörter  jtinb  unb  machen.  Sfilan  ftet>t  fchon  au6  biefen 
SBetfpielen,  bag  (Siemens  ftd)  ganz  gut  au^brucft,  um  einen 
beutltchen  begriff  von  biefen  ftnnbilblichen  3eicf)en  im  ©e= 
genfa^  ber  rein  unb  unvermittelt  bt(bttd>en  $u  geben,  wenn 
er  fagt:  fte  wenben  bilbliche  ©egenjldnbe  auf  etwas  2£nbe^ 
reS  an  unb  fuhren  fte  gleichfam  auf  ein  anbereS  ©ebiet 
(b.  h-  übertragen  fte,  nad)  unferer  litt  ju  reben),  in^ 
bem  fte  btefelben  halt  mit  einanber  verwechfeln ,  balb  fte 


400  @rfteg  Q5uaV  gönfter  2lbfd)mtt. 

melfadf)  umge|f  alten.  £)af)in  gebort  j.  35. ,  baf?  fte  einen 
Ztyil  für  baS  ©an§e  nehmen,  baS  (5nthaltenbe  für  baS  @nts 
haltene  (wie  ben  Sftilchtopf  für  bie  SDftlch),  unb  ütete  an* 
bere  ^d>rifttropen ,  bie  wir  balb  naher  betrauten  werben, 
©o  erflärt,  fd>etnt  un3  bie  2fuSbrucfSweife  beS  (Siemens  üoH- 
fommen  gerechtfertigt  $u  fein. 

@r  ftatte  nun  auch  eine  2Crt  9?dtt>f c(f efertft  ober  ©eheum 
fd&rtft  erwähnt,  fo  ba$  bie  ©erlange  bie  Planeten  bezeichne, 
i^rer  gewunbenen  ^Bahnen  am  Gimmel  wegen,  ber  Ädfer 
aber  bie  ©onne,  wahrfd)einltch  weil  ber  runbe  Gumpen, 
welken  er  t>or  ftd>  fcerwd^t,  als  33ilb  ber  freiSformigen 
(Sonnenbahn  gelten  follte.  (Siemens  nennt  biefe  ©d>rtft  bie 
atlegorifche,  unb  fe^r  richtig:  benn  eS  ijl  baS  Unterfd&eU 
benbe  beS  (Spmboltfchen  t>om  OTegorifchen ,  bag  jenes  bie 
<5adf)e  felbj!  imS3ilbe,  biefeS  eigentlich  bie  SSorftellung,  ben 
^Begriff  ber  Sache,  unb  nur  burch  bejfen  Vermittlung  biefe 
felbjt  barfMt.  (Siemens  35eifpiele  ftnb  ber  befte  33eweiS, 
baß  eine  fold|e  ©eheimfehrift  ben  heiligen  35üdf)ern,  wie  ben 
3>en!mdlern  fremb  iff.  Sn  beiben  fommen  ©erlange  unb 
Ädfer  t>or,  aber  ber  Ädfer  bezeichnet  nie  bie  (Sonne,  unb 
bie  (Schlange  nie  bie  planeren,  £)te  allegorifche  (Schrift 
war  alfo  eine  fünffache  ©eheimfdjrtft,  ber  2(uSldufer  ber 
^ieroglpphif/  urfprünglid)  wohl  für  aftronomifche  unb  ajtro* 
logifdje  Seichen  gebilbet  —  wie  wir  fte  ja  auch  fyabzn  — 
bann  fabbattftifd)  auSgebilbet.  (Siemens  hatte  alfo  Oved^t, 
biefe  $dtf)felfchrift  in  ber  v^ierogftwh^  aufzuführen;  allein 
eS  fonnte  ihm  nicht  einfallen,  fte  als  Sfyzil  ber  eigentlichen 
allgemeinen  Söilberf  cf)rif  t  barzujMen,  welche  fcolk 
jrdnbtg  unb  auSfchliefilich  burch  bie  t>on  ihm  bisher  aufge* 
führten  brei  SBejtanbthetle  gebilbet  wirb:  bie  Sautjeichen, 
bie  S3ilber  unb  bie  (Sinnbtlber.  SSon  ber  2(nwenbung  bie- 


Ii  E.  £>ie  ©artfellung  be£  Clemens  t>on  2Ueranbrien.  401 


fer  SSilberfchrift  nun,  als  ctneS  ©an^en,  beffen  Steile  er 
barge|Mt,  will  er  ein  SSeifptel  anführen,  ehe  er  eine 
Iduterung  über  bie  ©eheimfehrift  giebt.  (56  ijl  S&atfad&e, 
fcafj  nur  bie  ^eiligen  S5üd)er  in  S5xlt?erfd^rtft  gefct)rteben 
waren.  SS  tjl  bemnad)  als  eine  ©d&fofübemerfung  für  bie 
eigentliche,  allgemeine  hierogltwhiUh*  (Schrift  überhaupt  anjus 
fefyen,  beren  (Erlernung  jum  SSerjldnbniffe  unb  (Schreiben  ber 
heiligen  33ücf)er  führte,  wenn  er  fagt:  gewiffe  theologifche 
<2<f)riften  werben  burd)  folcf)e  ^enfmaljeidjen  ober  einges 
grabene  heilige  Seieben  gefchrieben.  Sr  fagt  nicht:  burd) 
£ieroglr;phen,  weil  er  unter  bie  ^ieroglppl)i!  auch  bie  ©e^ 
heim^  ober  9fcdtf)felfc§rtft  einbegriffen  hat,  fonbern  -Ztia* 
glpphen",  welches,  eben  rote  jeneS  SEBort,  urfprüngltd)  ein* 
gehauene  Silber,  feien  eS  <2cf)riftbilber  ober  gewohnliche  $8\U 
ber ,  bezeichnet 21 9). 

Siemens',  unS  allerbingS  auf  ben  erjlen  S51icf  ntcf)t 
fefyr  oerftdnblicher,  2CuSbrucf  geht,  narf)  bem  2Bortftnne, 
nothwenbig  auf  ©  Triften,  unb  wegen  beS  Sufammen^ 
hangS  auf  folche,  bie  mit  ben  bi^er  aufgeführten  ^)iero- 
glpphen,  unb  nicht,  wie  gewohnlich,  mit  einer  ber  beibm 
(Surftofchriften  gefchrieben  waren.  Unb  fo  oiel  ijl  flar,  baß 
er  Sucher  theologifchen  unb  mptr)tfd)en  SnbaltS  meint,  be^ 
ren  ©egenjlanb  baS  £ob  oon  Königen  war.  9?un  fanben 
wir,  bag  eine  2Cbtheilung  ber  heiligen  33üd)er  ben  $)reiS 
ber  mpthifchen  Könige,  namentlich  beS  £)ftriS  unb  $oru§ 
enthalt,  wie  wir  benn  auch  *>on  ben  3ügen  beS  DftriS  fpds 
tere  ^Bearbeitungen  bei  £)iobor  unb  anbern  ©riechen  ftnben. 
Siemens  fonnte  alfo  recht  gut  biefe  als  S3etfptel  aufführen. 
219)  dvayXvcpco  ift  roefentlid) ,  tr>a§  iyyXvcpco:  auf  etroa$  graben 

ift  eben  fo  ridjttg ,  al6  t  n  ctroaö  graben,    avayqdccpco ,  ava- 

ygaqcat  ift  bie  regelmäßige  23e^eid^nung  /  wenn  t>on  ben  Süb- 

nigSüerftetdfoniffen  ber  2(egt)pter  bie  Siebe  ift. 

I.  26 


402 


(Erjtcö  55ud).  gtinftcr  2fbfd)nirr. 


£>aS  Sobtenbud)  ^eigt,  tag  auch  anbere  Steile  ber  ^eiligen 
33üd)er  fo  gefchrieben  würben. 

2Cuf  tiefe  SBeife  glauben  wir,  ben  <5tnn  jener  ©teile 
t£)atfdd)rtd)  erfldrt  haben.  3)enn  auch  ()ier  tjanDdt  eS 
ftd)  jefet  nicht  mehr  barum,  unbefannte,  verlorene  S^alfa= 
d)en  burd)  bieSeugniffe  ber  2Clten  aufeufmben,  fonbern  burd) 
bie  üon  ber  v£>ierogh)phi£  wieber  cntbecften  &hatfad)en  tiefe 
Seugniffe  ^u  tterffeben,  51t  erklären,  §u  rechtfertigen.  2Bir 
laugnen  nicht,  tag  (Gemens  ftd)  für  unS  beutlicher  unt 
beffer  hatte  auSbrüden  fönnen:  allein  eS  genügt,  einen  <Sinn 
für  SBorte  ju  ermitteln,  bie  fonff  gar  feinen  haben  fonnen. 

9hm  erf!  fagt  Klemens  fd&lteßlicfy  nod)  etwas  über  bie 
öon  ihm  bereits  genannte  ®eheimfd)rift,  (Sie  mugte  allers 
bingS  auch  einen  ©egenfranb  beS  Unterrichtes  bitten ,  unt 
jjraar  ben  legten:  benn  jebe  Äabbala  fefet  bie  üoll|tdnbige 
Äunbe  ber  ju  geheimen  Sweden  angewanbten  ©cfyrtft  t>or= 
auS.  (£S  war  bie  ©eheimfchrift  ber  *Priejler.  grühe  fchon 
mag  eine  3?dtt)felfchrift  bejtanben  haben,  5.  &3.  in  ben  Zfyton- 
namen  ber  Könige.  £)ag  jeboch  bie  Lautung  ber  in  ihnen 
gebrauchten  3etd)en  bie  gewöhnliche  war,  beweijl  bie  lieber^ 
lieferung  ber  2(uSfprad)e  mehrerer  berfelben.  S5ei  ber  SBahl 
r>on  ©leichlautern  (homophonen)  bei  fremben  ^6nigSna= 
men  inSbefonbere  mochte  man  oor^ugSweife  Seichen  wählen, 
welche  eine  2£nfpielung  auf  bie  föniglid)e  SBürbe  enthielten. 
2lber  bie  Seichen  ber  üon  (Siemens  hier  bemäntelten  3?dtb= 
felfchrift  Ratten  eben  einen  ganj  anberen,  bem  gewöhnlichen 
©ebraudje  gan^  fremben  ©inn.  ©eine  betben  £3eifpielc 
btxvciicn  bieg  fchon. 

2lber  auch  £orapoüVS  fpdteS  Sßerf  220)  §eigt  unS  beut= 

22°)  9ttan  üetgleidje  bie  gelehrte  2fu$gabe  oon  SeemanS  (Hora- 
pollinis  Niloi  Hieroglyphica.   Amstel.  1835.  8«.   unb  bie  mit 


n.  ©efd)id)tL  JDarffclL  bcö  gef.  faeroglnpf).  @t&riftftflems.  403 

ltd&  bas>  £)afein  unb  ben  ßtyarafter  einer  folgen  ©efyeim; 
fcfyrift.  Sieben  einigen  (Erklärungen,  welche  wir  auf  ben 
£)enfmdlern  wieberftnben,  giebt  baffelbe  größtenteils  nur 
folcfye,  benen  bie  £>enfmdler,  wie  ba3  Sobtenbucf),  wiber^ 
fprecfyen.  £f)eil3  ftnb  bie  (Erklärungen  baS  SBerf  nrilk 
fufyrltdjer  SSerfünftetung  unb  falfcf)er,  fabbalitfifcfyer  SJtyfttf, 
wdfyrenb  bie  einfache,  gefd)tdbtttc^e  (Erklärung  auf  ber  £anb 
liegt;  tfyetlS  ftnb  felbjt  bie  t>on  tf)m  befeferiebenen  f)ierogl^ 
pfytfcfyen  £)arjMungen  jener  ©efyeimfcfyrift  entlehnt  unb 
ftnben  bafyer  feine  2lnwenbung  in  ben  £enfmdlem  unb 
&3ucf)em. 

3tt>eiteS  £auj)tftü& 

£)te  ägpptifdjen  ©cfynftjeicfyem 

(Einleitung:  Sbee  einer  g  ef  d)  t  cf)tli  cf)  en  Qaxftth  i 
lung  be3  gefammten  I)icroglv>pfttfd)en  ©d^rift^ 

2Bir  l)aben  im  vorigen  2Cbfcf>ntttc  gefunben,  baß  bie 
dgt)pttfd)e  «Spraye,  al6  ein  oollfommen  auSgebilbeteS  ©praefc 
gebdube,  wie  bie  gleichzeitigen  Denkmäler  beS  dlteften  $l)as 
raonenreicfyeS  es  un3  jetgen,  fet>r  wenig  für  eine  reine  33ud)= 
jiabenfdforift  geeignet  erfcfyeint  £)enn  fte  f)at  eine  große 
Spenge  vollkommen  gleirf)lautenber  SBorte,  bie  jebod)  fo 
t>erfd)iebene  S3ebeutungen  tragen,  baß  jebeS  berfelben  als 
felbftdnbiger  ©tamm  angefefyen  werben  muß.  ©elang  eS 
un$  aber,  einen  S5ltcf  in  bie  (Entftelmng  biefeS  ©pracfyge^ 

fefyr  jweef madigen  £teroglr;pt)en  erläuterte  von  (Son):  The 
hieroglyphies  of  Horapollo  Nilous,  by  Alex.  T.  Cory.  London 
1840.  80. 


26* 


404 


(Jrjleö  *8ud).  gwnftcr  ?Jbfd)nitt. 


bdubeS  ju  werfen,  bie  (Schichten,  aus  welchen  eS  ftd)  in 
ber  3ett  gebilbet,  $u  ftnben,  unb  baburd)  oielleicht  bem 
©runbe  biefer  £3ilbung  felbjt  naher  $u  fommen;  fo  war 
bie  altere  (Sprache  noch  t>te(  weniger  burd)  Saut^eichen  oer= 
ftdnblid)  auSbrücfbar,  9to  aus  einer  hohem  unb  allge* 
meinen  2Cuffaffung  ber  (Sprache  fann  bewtefen  werben,  baß 
baSjenige,  welches  unS  baS  9?atürlid)jie  ober  einzig  Sftatur; 
liehe  fd)eint,  ber  5D?enfd^^ett  früher  ganj  fern  lag,  ja  ihr 
gar  nicht  einfallen  Fonnte,  2Bie  ber  ©efang  alter  als  baS 
(Sprechen,  ber  feierliche  £anj,  als  $oxm  ber  gefelligen  SBe* 
wegung,  alter  als  baS  ©ehen,  baS  ©eberbenfpiel  unb,  um 
ben  2tuSbrucf  eineS  befreunbeten  (SchriftjlellerS  22  r)  ju  ge; 
brauchen,  bie  (Sprachgeberbe  bte  dltefte  aller  ©ebanFen- 
unb  (SprachbarjMung  iff ;  fo  mußte  aurf)  bie  dlteffe  (Schrift 
eine  £)arj?ellung  ber  ©egenjldnbe  fein,  unb  nicht  beS  2au^ 
teS.  vg)tcr  genügt  eS,  barauf  aufmerffam  ju  machen,  baß 
auch  baS  au^cjebtlbete  (Softem  ber  2(eg\;pter,  worin,  was 
bie  ^duftgFett  beS  ©ebraudjeS  betrifft,  bie  Saut^cicfjen  baS 
Ueberwicgenbe  ftnb,  ber  bilbltchen  £)arjMung  nicht  ent^ 
beeren  fann,  welches  bal)er  fogar  in  ber  bemottfehen  (Schrift 
bhibt  Sn  folgern  3uftanbe  ber  (Sprache  mag  urfprüng^ 
ltd)  bie  oerfchiebene  £onf)öhe  (2Cccent)  unb  bie  ©eberbe 
bem  (Sprcd)enben  beigeftanben  haben:  bie  (Schrift  oerwan= 
belte  bie  oerfdjwinbenbe  unb  unoollfommene  (Sprachgeberbe 
in  ein  bauernbeS  S3ilb, 

2(ue  biefem  ©efühle  wohl  haben  bafyer  auch  (5ham^ 
pollion  unb  2epftuS  baS  phonetifche  (Clement  als  baS  jungjle 
angenommen.  2Öie  aber  ohne  baffelbe  eine  (Schrift  mog= 
lieh  gewefen,  haben  2CUe  unerortert  gelaffem  9ftan  fonnte 
glauben,  unb  @hampollion  war  oieÜeid)t  biefer  Anficht,  baß 
221)  G>atl  9J?et)er  in  ben  oben  angeführten  tfbfyanMungen, 


O.  @cfct)id)tL  ©arfleH.  bcö  gef.  hteroglppf).  ©cbriftfoftemö.  405 


bie  2)enfmdler  felbft  barauf  fuhren,  at6  habe  man  mit  xtU 
nen  33ilbem  angefangen,  ähnlich  ben  mertfantfchem  OTetn 
ba3  würbe  eine  £dufd)ung  fein,  £)enn  £)ar|Mungen  bie^ 
fer  2Crt,  bie  faft  ganz  au3  gegenf!dnblid)en  SMlbern  befte- 
hen,  ben  fünftlerifchen  £)arjMungen  in  halb  erhobener  Ar- 
beit vergleichbar,  fmben  fid)  er|t  im  neuen  deiche,  in  ber 
achtzehnten  unb  neunzehnten  £)t)naftie,  bem  ©lanzpunft 
eineS  fd)on  toerfünftetten  ©efchmacfeS.  £)a3  alte  dlud)  fenrt 
nichts  ber  Zxt,  unb  wir  bürfen  alfo  nicht  hoffen,  jene  Zn? 
nähme  überhaupt  burd)  £)enfmdler  beglaubigen  zu  fonnen. 

2(ber  wir  hoffen,  bie  33egrünbung  burch  2£nwenbung 
jener  Sftethobe  ju  fmben,  welche  jenfeit3  ber  chronologifchen 
3eit,  nicht  mehr  nach  Sahren  unb  SahreSbenfmdlern,  wohl 
aber  nach  ©pochen  unb  GfpochenbcnFmdlern  fitcf>t.  £)aß 
btefeS  gelinge,  ift  für  ben  3wecf  unferer  Unterfuchung  üon 
ber  größten  Sßichttgfeit  £)ie  großen  Shatfachen  ber  Ur^ 
^eit  2Cegi;pten6,  Sprache,  ©chrift  unb  Religion,  ftnb  t>on 
weltgefchichtlicher  SBichtigfeit;  aber  ihr  äSerfiänbnifj  wirb 
nur  erfl  bann  fruchtbar  für  bie  ©efchichte  werben,  wenn 
fte  felbfr  in  ihrer  gefchichtlichen  ©ntftehung  unb  als  eine 
9?eihe  ernannt  unb  bargeffettt  werben.  SSon  unferem  ge^ 
genwdrtigen  ©tanbpunfte  wirb  e3  am  natürlichen  fein,  bie 
©runblage  einer  würflid)  gefchichtlichen  £>arjMung  zu  ge* 
winnen,  wenn  wir  Furz  bie  SBebtngungcn  unb  Kothroen; 
bigfeit  einer  3etd)enfd)rtft  tn'S  2(uge  faffen  unb  mit  ben 
einzelnen  S3e|!anbthetlen  beS  unS  befannten  hi^ogh;pl)ifchen 
©d&riftfpftemeS  jufammenjlcllcn. 

£)a$  erjle  ©rforberniß  ift  bie  £)arffellung  ftd)tbarer 
©egenjldnbe  (bingliche  Kennwörter,  9fealfubjfantma). 
hierfür,  ftnben  wir  nun  rein  gegenfrdnbliche  SMlber:  einen 
9ftann,  eine  grau,  ein  £alb,  ba3  auch  noch  mitten  unter 


406 


€rfie$  «Bud).  günftcr  5lbfcf>nitt* 


£aut$eicf)en  etnfad)  ben  bargeftellten  ©egenjtanb  bezeichnet. 
£>ie  gan&  einfache  £)atftellung  eine6  9?aturgegenjtanbe3,  5,  £5. 
einer  ©a^elle,  eine§@fel3,  unb  ähnlicher,  bebarf  nun  gar  fet- 
ner weiteren  (5rfldrung.  £)enn  fte  ftnb  reine  33ilber.  %U 
lein  jcfyon  auf  biefem  fd>etnbar  einfachen  ©ebiete  begegnen 
roir  fcfyroierigen  Aufgaben,  namentlich  fobalb  an  Umrifhvgne; 
roglppfyen  für  ben  ©ebraudf)  beim  ©^reiben  gebaut  roirb. 
SOBte  iff  33.  ein  $tnb  t>arju|iellen ,  im  ©egenfa^e  eines 
erroacfyfenen  5Q?enfrf)en?  roie  ein  Tempel  unterfcfyeibbar  ju 
machen  oon  einem  SBofmftfee?  2ßie  gar  SDftld)  unb  SBein 
t>on  SBaffer  p  unterfcfyeiben  ?  Sn  ber  £6fung  biefer  einfädelten 
fragen  ber  urfprüngltcr)en  £3ilberfcf)rift  wirb,  gletcf)fam  auf 
einer  jroeiten  (Stufe,  bie  fc?)öpferifcf)c  2Mcf)tung3fraft  unb 
ber  bilbenbe  ßunfffmn  be3  menfcf)lid)en  ©etfle^  in  2Cnfpruct) 
genommen,  burdf)  beffen  urfprüngltcfyeS  SBcben  ba£  roun^ 
berbare  ©ebilbe  ber  (Sprache  cntjtanben  ijt.  2Bie  jebeS 
SBort,  fo  ijt  jebeö  Söortbilb  eine  £)id)tung  unb  ein  £unft; 
roerf;  nur  ijt  bie  .ftunjtbilbung  oon  bem  ©ebiete  beS  £o^ 
ne$  auf  ba§  ber  gorm  übertragen,  t>on  ber  Sftuftf  auf  bie 
spiajlif.  Unb  trenn  roir  in  jenem  Urbenfmale  ber  2ttt$eit 
ben  2fegppter  ba3  (5rbtl)eil  Uraftenö  nacf)  feinem  neuen  Sßt- 
roußtfein  $u  bilben  unb  ju  formen  befcfydftigt  fef)en,  fo  f)a^ 
ben  roir  hier  fein  ganj  eigenes  unb  eigentbümlichcS  SBerf. 
£)er  reine  unb  feltene  &unftftnn  be3  2(egt;pter3  ^eigt  ftcf) 
in  biefem  feinem  eigentlichen  Urbenfmale  eben  fo  gldn^enb 
roie  fpdter  in  ben  £)enfmdlern  ber  ^eu^eit,  ber  Seit  ber 
9)wramiben,  be£  ^abprintbS  unb  ber  thebaifchen  £empel; 
paldfte.  Sebe  ^uffaffung  für  bie  ©d)riftbilbung  ijt  flar, 
alfo  rein  menfchlich;  fct)arf  =  unb  tiefftnnig,  alfo  pbilofo^ 
pbifrf);  poetifrf),  alfo  fd)6n;  für  bie  Sufammenfügung  $u 
einem  ©an^en  geeignet,  alfo  ar d>ttef tonifcf) ;  enblid)  auf  bie 


II.  @cfd)id)tr.  SarfM.  bc$  cjcf.  htcroglpph-  ©dWftfpffcmS,  407 


33ücr)erfchrift  tetd^t  anwenbbar,  alfo  ausgezeichnet  praftifch. 
Sine  Sftenfchengefralt,  welche  ben  Singer  $um  Sftunbe  füt>rt, 
flellt  bem  2£egppter  baS  faugenbe  Äinb  bar,  tetdf>t  tter; 
ftanblid)  unb  ietd^t  fchreibbar.  Sin  priefkrlich  angetbaner 
9ftann,  ber  betenb  $u  einem  fict>  ergiegenben  Spenbfruge 
aufblicft,  zeigt  Sebem  fogtetd)  ben  $  rieft  er  an.  £)arau£ 
ergiebt  ftd)  letd&t  bie  2(bfürzung:  ein  SpenbFrug,  auS  bem 
ftd)  SBaffer  ergießt.  Sin  SSierecf ,  beffen  untere  (Seite  in 
ber  9ftitte  offen  ijr,  bringt  ein  SßohnhauS  zur  2(nfchauung, 
mit  bem  3eichen  eineS  ©otteS:  einen  Tempel  (©otte^ 
hauS),  Sn  biefem  legten  33eifptele  tjabtn  wir  fd)on  auf 
ber  etnfachfren  Stufe  zwei  höchft  fruchtbare  Littel  beS  gort^ 
fchreitenS  in  ber  Bezeichnung:  anbeutenbe  2(bfürjung  eines 
barftellenben  SBilbeS  unb  3ufammenfe£ung.  £)en  ^iw- 
mel  beutet  in  gematten  unb  eingehauenen  £>enfmdlern  eine 
herabfchauenbe  weibliche  gigur  an,  beren  $opf,  |)dnbe  unb 
S3etne  herabhängen;  abgefürjt:  eine  wagerechte  Sinie,  an 
bzibm  Scfen  nach  unten  abfallenb.  X)oxt  wölbt  ftd)  ber 
Gimmel,  bie  Srbe  überhangenb  unb  mit  feinen  £tchtaugen 
fegnenb  anblicfenb;  hier  tfr  bie  £>arjrellung  nur  erinnernb, 
anbeutenb.  Wtid)  unb  2Bein  ftnb  febon  btlbltch  ohne  gar; 
ben  gar  nicht  uub  mit  ihnen  fehr  fchroer  bargUfMen.  £)er 
^egppter  bringt  beibe  leicht,  für  £)enfmdler  roie  für  baS 
Schreiben,  zur  2lnfd)auung,  tnbem  er  baS  Sföilchgefdg,  wie 
baS  SBeingefdg  barjMt,  gletchfam  burch  eine  plaftifche  5D?e= 
tomjmie,  baS  Sntbaltenbe  flatt  beS  Enthaltenen.  Leiber  gor= 
men  offenbaren  ein  grogeS  Scf)önbeit3gefübl  unb  fefcen  eine 
auSgebilbete  ßunftfertigfett  beS  gormenS  unb  33ilben3  t>ors 
auS.  Sin  ähnliche^  ©efdg  mit  ber  S3iene  barüber  jeigt 
ben  vg>onig  an.  Sbenfo  beutet  anfchaulid),  fünftlerifch  unb 
leicht  barfMbar  eine  auS  ber  Pfanne  auffchlagenbe  2ohe 


408 


GrtfcS  95ud>.  günftcr  Slbfdjnitt. 


baS  geuer  an;  noch  mel  einfacher  wirb  ba§  SS  äff  er 
burd)  brei  gebrochene  hinten  über  einanber  angezeigt,  wors 
au£  in  ber  Umrtßfchreibart,  fchon  mehr  übereinfommlich, 
brei  gerabe  hinten  werben.  Die  2Cu6bru(f§n>ctfc  burd)  3u* 
fammcnfe^ung  unb  2(blür$ung  tjl  aber  r>om  2(egt)pter  im 
©an^en  mit  weifer  ©parfamfett  angewandt.  SBdre  ber 
©d)riftgei|i  ber  2Cegppter  auf  bem  2öcge  ber  3ufammenfe* 
fcung  einfettig  fortgefd)ritten,  fo  würbe  er  $u  einer  ftneft* 
fd)en  (Schrift  mit  ©dhlüffeln  gekommen  fein,  baS  heißt,  ju 
bem  unbet)o(fenfIen  unb  ben  ©eijt  becngenbjren,  weit  unter 
Uebereink6mmlid)em  unb  3ufälligem  erftidenben,  ©d&rtftfp- 
(lerne.  Allein  Shotf)  war  kün|t(erifcher  unb  melfeirtger,  alfo 
freier,  als  go.  2Bir  ft'nben  benfelben  künfrlerifchen  ©eijt 
wirkfam,  wenn  wir  t?on  ber  rein  gegensätzlichen  SBelt  nad) 
ber  beS  ©etftee  felbft  fortfchreiten.  Da  begegnen  un3  (Selb; 
fiänbigfetren  (Kennwörter),  welche  ber  ©eijt  gefchaffen, 
inbem  er  einen  3ufranb  auger  ober  in  ihm  als  ein  felb; 
ftdnbigeS  Ding,  gleicfyfam  eine  $)erfon,  auffaßt.  ^)ter= 
{)er  geboren  Sßorter,  wie  9lad)t  unb  Dürft,  weiterhin 
bie  SBorter  ber  reinen  (£igenfd)aft  ftdt)tbarer  Dinge,  wie 
weiß,  rotl);  ober  ber  2Cu3brucf  einer  (Sichtbarkeit,  welche 
auf  $anblung  beruht,  wie  barreichen,  geben,  offnen, 
^Bewegung.  OTe  biefe  .^Bezeichnungen  treten  noch  wtfo 
üergeijtigt  hervor,  wenn  wir  SÖorter,  wie  Sahr,  ©erech^ 
tigfett,  SBahrheit,  ober  ^Beiwörter,  wie  gut,  jtark, 
ober  (Sageworter,  wie  tfjun,  wirken,  tn'S  2(uge  faffen. 
Die  9? acht  nun  ijt  bem  Ttegppter  ber  gefttrnte  Gimmel:  alfo 
bie  oben  betriebene  DarjMung  be3  Himmelsgewölbes, 
mit  (Sternen  barunter.  Dürft,  bürjten,  burjttg —  benn, 
wie  wir  gefehen,  btbmkt  biefelbe  Sßur^et  ohne  ^bdnberung 
Kenn^,  (Sage;  unb  ^Beiwort  —  brückt  ber  2(egr;pter  aus, 


II.  ©efd)id)tl.  JDarftefl*  bc§  gcf.  Oteroglppl)*  ©d)riftfpftcmö.  409 

intern  er  juerjt  ba$  SBaffer  barjtellt  (bie  gebrochenen  f& 
nten),  bann  barüber  ober  baneben,  aber  abgeroanbt,  ein 
laufenbeS  £alb.  Sßetg  btuttt  er  burrf)  ein  ^noUengerodchS 
an,  in  welchem  @hampollton  eine  gan^e  3roiebel  entbecft: 
roth  burrf)  einen  SBogel  mit  feuerroten  gebern.  (Sin  au§* 
gejirecfter  2(rm,  mit  einer  brobdhnltchen  ©abe,  btutti  ihm 
Darreichen,  geben,  ©abe  an;  abgefür^t  roirb  bafür 
ba$  S3rob  ober  ber  Dpferfudjen  allein  gefegt  Söenn  er  eben 
fo  offnen  burd)  eine  Bfyüxt  auSbrücft,  fo  folgt  er  auch  hier 
ganz  ber  (Sprache,  roorin  eine  unb  biefelbe  SBitrjel  (un) 
beibeS  bebeutet  £>ie  ^Bewegung,  ba§  gortfchreiten  beu^ 
tet  bie  £)ar|Mung  etneS  2öege3  mit  S5dumen  zu  bdt>tn  <5tU 
ten  an.  £)a3  Sahr  bezeichnet  bem  2Cegppter  ber  spalm* 
Zroeig,  beffen  3a<fen  ihm  bie  Zfytik  be3  SahreS  ober  eines 
SahrfreifeS  anbeuteten,  ©  er  e  d)  Hg  fett  unb  Sßahrhett 
(urfprunglich  bafjelbe  SBort)  bezeichnen  eine  düt  (als  Svicht^ 
maaß)  unb  eine  ©traugfeber;  bas>  Severe,  rote  es  heißt,  weil 
bas  ©efteber  biefeS  SSogclS  ftdj  immer  gleich  bleibt.  2Beg; 
halb  ber  begriff  unb  ba£  SBort  gut,  fchon,  burch  eine 
2Crt  Saute  ober  3ither  auSgebrü<ft  roirb,  lagt  ftdj  bis  jefet 
nur  tjermutben:  bie  fich  barbtetenbe  philofophtfche  Klärung 
beS  ©uten  alS.beS  geijh'gen  SBohllautS  unb  ber  Harmonie  be3 
Sebent  roürbe  uns  aU  eine  ganz  im  dgpptifchen  ©eifte  ges 
bachte  2utffaf[itng  erfcheinen;  über  baS  «Stnnbtlb  felbfr  fann 
fein  3roetfe(  begeben.  £)a$  Sßort  für  thun,  madben,  ijr 
baffelbe  roie  für  2£uge  unb  (Sohn  ober  lochte r:  iri. 
£>a3  S5tlb  tiefet  SöorteS  tjl  ba$  2ütge.  £ier  roirb  alfo  baS 
S5ilb  be$  2Cuge3  juerft  gebraucht,  um  ba£  2(uge  felbfr  zu 
bezeichnen;  ebenfo  für  bie  SBebeutung  oon  «ftinb;  ja  roir 
ftnben  e$  auch  für  bie  S3ebeutung  thun,  obroohl  hier  nur 
fcheinbar  bajfelbe  SÖort  bargejMt  roirb:  benn  roahrfchein; 


410 


<£rfk$  S8uc&.  günftcr  Sfbfcbnttt. 


lirf)  ftnb  beibe  2Bötter  wur^elbaft  t>erfrf)teben.  Um  ba3  SBort 
nun  in  btefem  legten  (Sinne  ndber  bezeichnen,  fügt  ber 
2fecjr>pter  $n>ei  fortfcbreitenbe  S5eine  bin^u,  alfo  ben  anfcbau; 
licbffen  unb  einfachen  2Cu3brucf  beffetben  SöegrijfS,  ben  wir 
in  ber  grammattfcfyen  <5prarf)e  Gruropa'3  aU  tranf  itit>eeL 
Skrbum  (tbdttgeS  (Sagewort)  bezeichnen,  um  mit  „tranfitfo" 
©agewotter  wie  tbun,  geben,  fcblagen,  t>on  anbern  ju  untere 
fd)cibcn ,  welche  eine  ntcf)t  au3  bcm  (Subject  berauStre^ 
tenbe  ^i)dttgfett  auSbrücfcn,  wie  ruhen,  bkibcn,  (leben. 

£>ieg  jute^t  erörterte  SBeifptel  tterbtent  aber  eine  ndbere 
Betrachtung:  benn  c§  ftnb  in  ibm  bie  bci^tn  grogen  (Schrift* 
ibeen  vereinigt,  welche  bie  2(egppter  jur  Gfntbecfung  ber 
ßautfcfyrtft  unb  baburcb  ^u  einer  weltbifforifd)en  Zfyat  ge* 
fübrt  haben. 

SBir  woUen  zuerff  bie  Jrucbtbarfeit  ber  ^ulefet  oben  erfldr; 
ten  33eftimmung  anbeuten,  rooburd)  iri,  tbun,  von  iri,  2(uge, 
unterfcbieben  werben  fann.  (53  ijt  baburcb  bie  9ft6glirf)feit 
eröffnet,  einen  jeben  ^Begriff,  fo  weit  e3  norl)ig,  feiner  &au 
tung  ober  2trt  narf)  $u  bejfimmen.  2)a3  un3  oorliegenbe 
dgpptifcbe  ©cfyriftfyjfem  macht  baoon  einen  fefyr  ausgebet 
ten  unb  l)6d)fi  getfireichen  ©ebraud),  unb  bie  ©ntbecfung, 
(£rfldrung  unb  fpftemattfrfje  2fnorbnung  ber  fogenannten  £)es 
termtnatio  s^tcroglppt)cn ,  welche  eben  nur  ©attung^  ober 
iSeutbtlber  ftnb,  tft  eine  ber  gelungenen  unb  geiff reichen  2fo 
beiten  (5l)ampoltion3.  2(ber  in  biefem  üollenbeten  (Spffeme 
ber  dgvpttfrf)en  (Schrift  feiert  wir  bie  bejttmmenben  S3ilber 
grogentbeilS  oor  ober  narf)  ßautjctc^en,  atS  ergangene,  erldu* 
ternb  ober  anberweittg  beffimmenb.  £)egbalb  nun  baben  alle 
biejenigen,  welche  bi6r)er  über  biefeS  (Seffern  gefrf)rieben,  am 
nebmen  flu  muffen  geglaubt,  bag  bie  befrimmenDen  S^tc^en 
erff  narf)  ber  Sautfdjrift  erfunben  feien.    2£Uetn  bieg  würbe 


II.  ®efd)id)tf,  ©arfteü*  t>e$..qef.  f>icrogft>p^»  @d)riftfpfleroa.  411 


un£  zuvorberft  in  Sßtberjtreit  feiert  mit  ber  allgemeinen  unb, 
wie  wir  glauben,  wohl  begrünbeten  ftmatyme,  bag  bie 
berfchrift  bie  ältefte  fei;  eine  SMlberfchrift  ohne  SBejIimmungSs 
worter  wäre  aber  gar  feine  ©d&rift  gewefen.  gerner,  wie 
würbe  bei  biefer  Annahme  ftcft  ber  Umftanb  erfldren,  bag 
bie  2(egr;pter  noch  in  ihrem  auSgebilbeten  ©vjfeme  äBejfim; 
mungSzcichen  hinter  SMlbern  gebrauchen,  welche  jum  minbe; 
jten  eben  fo  leicht  verjHnbltcf)  ftnb,  al§  fiel  <So  ftnbet  ftd& 
ba§  3eid)en,  woburd)  baS  vorhergebenbe  33ilb  als  jur  ®aU 
tung  ber  vierfügigen  Spiere  gehörig  bezeichnet  wirb,  nach  bem 
S3ilbe  eines  (SfelS  unb  einer  Biege  222),  £)arfMungen,  bie 
boch  an  ftc$  ^entlieh  flar  ftnb,  unb  benen  noch  ba^u  ber 
9?ame  biefer  Spiere  in  £autzetd)en  vorhergeht  9htr  unfere 
Annahme  fcheint  eine  (5rfldrung  biefer  ©eltfamfett  an  bie 
$anb  geben.  Sene  ©attungSbilber  waren  nämlich  vor 
ber  (Srfmbung  ber  ßaut^eichen  in  fehr  vielen  gdllen  ganz  un* 
entbehrlich,  <3o  fegte  ftch  ihr  Gebrauch  in  ber  ©d&rtft  fejf, 
unb  würbe  beibehalten,  als  bie  ßautfchrift  bie  bilbltche  £5ar? 
Teilung  überhaupt  entbehrlich,  in  fallen  aber,  wie  bie  anges 
beuteten,  ganz  überflüfftg  machte,  Sn  jenem  früheren  3«5 
ffanbe  war  e3  allerbingS  von  ber  grogten  Sßichtigfeit,  fo  viel 
als  möglich  bie  SBortbilber,  beren  manche  bod)  fehr  übereil 
fommltch  waren,  nach  t^^er  ©attung  zu  befrimmen.  £)ie 
£autfd)rift  hatte  jebenfallS  noch  eher  ohne  bergleichen  3eid)en 
begehen  fonnen,  als  bie  reine  ©mn&tlberfd&tift.  ©ahm  red); 
nen  wir  auch  alle  grammattfd)en  Seichen.  (Sine  Stnte  zeigt, 
bag  baS  Söort  als  Kennwort  ju  faffen  fei,  unb  zwar  als 
ein  männliches ;  um  ein  weibliches  Kennwort  zu  bezeichnen, 
wirb  baS  Seichen  beS  Euchens  hinjugefefet,  welches  t?  bie  weite 
liehe  ©nbung  auSbrücft,  3wei  auSgefvreizte  (gleichfam  ab; 
222)  (Stjamp.  ©ramm,  ©.  83, 


412 


(Jrtfcö  $ud).  fünfter  2lbfd)nitt. 


wehrenbe)  2frme  verneinen  ben  folgenben  Sa£.  3wetjaf)l  unb 
SD?cf>rgal>l  brücken  jwet  unb  brei  hinten  auS;  baS  S3t(b  eines 
9ftanneS  ober  einer  grau  vertritt  baS  perfonltche  gürwort  beS; 
jenigen,  welker  rebet  ober  ju  ober  oon  welchem  gerebet  wirb, 
©o  weit  leitet  unS  bie  Schrift  ber  £)enfmdler.  2Bie  man 
bie  zweite  unb  britte  $erfon  oon  einanber  unb  oon  ber  erflen 
biMicb  imterfdjieben,  können  wir  auS  ihr  nid)t  mehr  lernen: 
benn  bie  3etd)en  berfelben  ftnb  alle  2autbilber.  2(ber  bie  23er; 
folgung  jenes  jwetten  ©ebanfenS  wirb  unS  bieg  oielleicht, 
eben  wie  ber  ©ebraud)  beS  Seitens  t  für  baS  weibliche  ®e; 
fd)led)t  am  (5nbe  beS  Kennwortes,  erklären* 

SSiel  wichtiger  unb  folgenreicher  ndmlid)  war  ber  zweite 
©ebanke,  ber  bei  bem  Söorte  iri,  machen,  feine  2(nwenbung 
fmbet.  dS  tfi  bie  (Sitte,  ein  Söort  burd)  baS  S3ilb  eines  ©e; 
genjlanbeS  auSjubrücfen ,  welches  benfelben  £aut  hat,  ohne 
jebod)  im  ©ering|ten  eine  S3erwanbtfd)aft  mit  jenem  in  ber 
SBebeutung  %u  haben.  £)enn  burch  biefe  Sitte  würbe  ber 
©ebanke  beS  SBolkeS  oon  ben  ©egenftdnben  auf  ben  2aut  ber 
Sßorter  geleitet,  unb  baburch  ein  2Beg  geöffnet,  ber  $ur  ooll; 
enbeten  £autfd)rift  führen  mußte. 

üftad)  unferer  Anficht  gefd)ah  biefer  Uebergang  folgenber* 
maßen.  £>ie  2(nwenbung  einer  2£n$af)l  gewtffer,  leicht  bar; 
(teilbarer,  meiftentheilS  einfplbiger  SBörter  für  einfache  wie; 
berfehrenbe  ßautctntjcttcn  führte  nothwenbig  unb  naturgemäß 
$u  einer  S  p  l b  e  n  f  d)  r  i  f  t  £urch  bie  2(uffaffung  einer  Splbe 
als  folcher  warb  nun  allmdhlig  bie  Tluflöfung  ber  bisher  mit 
ben  ©egenftdnben  unb  ihren  Silbern  oerfchmol^enen  SBörter 
in  ihre  organifchen  Sautelemente  behufs  ber  Schrift  bewirft, 
unb  fo  bie  reine  ßautfehrift,  23uchjtabenfd)rift,  als  jüngfteS 
Clement  beS  ägt)prtfd)en  ©d^rtftfoflemö  —  noch  keineswegs 
als  auSfchliegliche  Schriftart  —  möglich  gemacht. 


II.  ©efd)td)tl.  StarHell.  t>c$  gcf.  tytnfippfyGQtiftfpfttwi.  413 

2Bir  begreifen,  unter  tiefer  klaffe  bie  eine  £dlfte  berje* 
nigen  3etd^en,  welche  ßcpftuö  al§  bebtngte  ^autbttber  au3  bem 
Gtyampollionifcfyen  2(lpf)abete  auSgefonbert  f)at.  Grrfefct  ndmlicfy 
ben  34  rein  pl)onetifd)en  3eid)en  etwa  60  3ei$en  entgegen, 
welche  nur  eine  befd)rdnfte  ober  gebunbene  £autbe^eid)nung 
enthalten.  £)ie  hierin  aufammengefagten  Setdben  nun  mödjs 
ten  wir,  oom  gef$id)tlitf)cn  (Stanbpunfte,  üorfd)lagen  in 
&wet  klaffen  fonbern.  SO?et>r  at$  bie  #dlfte  jener  S5ttber 
ftnb  ndmltd)  folcfye  3eid)en,  benen  balb  eine  Sautbejeidmung 
beigefdjrieben  wirb,  balb  aud)  nitf)t.  3n  jenem  galle  wirb 
gewofynlicf)  baS  3eid)en  be$  ©egenfhnbeS  oorangefei^t.  d$ 
erfcfyeint  bann  als  ber  er(!e  S3ud)flabe  ober  bie  erjte  ©plbc 
be$  ganzen  SöorteS,  beffen  übrige  2autbeftanbtl)eile  üoüfldnbig 
ober  unoolljMnbig  folgen,  ©o  fann  ba£  SBort  nefru,  gut, 
balb  burtf)  bie  Saute  (j3M%tt)  auSgebrücft  werben,  balb  burdf) 
bie  Saute  mit  folgenbem  f  ober  r,  ober  f  unb  r  ^ugleidf). 
2(ber  ein  fold)e3  Seiten  beS  ©egenfranbeS  fann  aud)  nadf) 
bem  2£nfang3butf)jlaben  be£  SBorteS  gefegt  werben.  2Cl3bann 
beutet  ba3  Sautjeicfyen,  gletd&fam  einleitenb,  bie  2fuSfprad()e 
be£  ganzen  SBorteS  an,  wdfyrenb  bort  bie  Saut^eid)en  nur  er* 
gdnjenb  eintraten.  Sa  bisweilen  jtefyt  ba3  S5ilb  in  ber  WitU 
ber  oolljldnbigen  2aut^eid)en,  welchen  bann  ^um  (3rf)lug  oft 
noef)  ein  ©attungSbilb  folgt,  bamit  über  ben  (Sinn  ja  fein 
3weifel  fein  fann.  (So  wirb  necht,  (larf,  balb  allein  burdf) 
fein  3ei<$en,  einen  ^ol^fnorren ,  balb  nur  mit  feinen  bret 
33ud)fkben  n,  %.  t  gefrf)rieben.  Allein  man  ftnbet  audf)  fefyr 
oft  bieg  3eicf)en  nad)  bem  n  mit  folgenbem  ch  unb  t. 

biegartige  3eid)en  nun  glauben  wir  in  unferer  £>ar2 
(Mung,  welche  bie  aümä&ltge  Entwicklung  anfdjaulicfy  ma= 
rf)en  foll,  als  9)2ifcf)gruppen,  welche  bereits  baS  ^afetn  ber 
S5uct) pabenf ct)rif t  oorauSfefcen,  t>on  ben  übrigen  auSfonbern 


414 


grfleS  Q3ud).  günfter  2(&fd)mU 


muffen,  welche  wir  ©Dlbcnjctd^en  ober  (Splbenbilber  nens 
nen  unb  für  alter  als  bie  i^uchffabenfchrift  galten,  Unfere 
©rünbe  ftnb  folgenbe.  (£rjtlid)  fyabzn  fte  fdmmtltch  feine 
eigentliche  (Splbengeltung  unb  ftnb  feine  eigentlichen  ©pk 
ben^eichen.  £)enn  alSbann  mügte  ber  in  ihnen  angebeutete 
SBortlaut  ohne  alle  SBe^iehung  auf  S5ebeutung  unbebingt 
auSgebrücft  werben  fönnen.  Vielmehr  bienen  fte  nur  ba^u, 
ein  bejtimmteS  Söort  in  einer  beffimmten  S3ebeutung  au^us 
brücfen.  3m  ©runbe  unterfcheiben  fte  ftrf>  oon  allen  übri; 
gen  S5egripbilbern  nur  baburcf),  bag  fte  aud)  mit  £autbil- 
bern  jufammen  oorfommen,  als  biefelben  bilblich  beutenb 
unb  fcheinbar  ergdn^enb,  wdhrenb  bie  übrigen  nur  allein, 
alfo  rein  als  3^ichen  für  ben  ^Begriff  gebraucht  werben,  <Sie 
fchliegen  ftch  bemnach  an  bie  ©attungSbilber,  wie  (£fel, 
(Stier,  ituh  u.  bergl.  an;  nur  bag  biefe  immer  bem  SBorte 
nachfolgen,  unb  nie  in  bie  phonetifche  ^Bezeichnung  hinein^ 
gebogen  werben. 

©an^  anberS  »erhalt  eS  ftch  tntt  folgen  SBilbern,  welche 
nicht  für  ein  gegebenes  Söort,  als  ben  2ütSbrucf  eines  be== 
jrimmten  33egriffeS,  alfo  nur  in  einer  bestimmten  S3ebcu^ 
tung  beS  £auteS,  gebraucht  werben ,  fonbern  vielmehr  einen 
gewiffen  2B ortlaut  im  Allgemeinen,  als  £aut,  ohne  alle 
^Beziehung  auf  SBur^el  unb  S5ebeutung  angeben.  Diefe  nun 
§taubm  wir  füglich  ©plben^eichen  nennen  $u  bürfen. 
Die  dgt)ptifche  (Sprache  hatte  eine  Spenge  gleichlautenber, 
meifr  einfylbiger  SBörter,  beren  SSerfchiebenheit  man  zuerjr 
burch  ©eberbe,  bann  burch  £3ilberfd)rift  beutltcf)  gemacht 
hatte.  @S  war  ein  ungeheurer  (Schritt  in  ber  (^ntwicflung 
beS  ©eijteS,  bie  (Einheit  biefer  Söorter  unb  (Selben,  als  ein 
unb  baffelbe  2autgan$e  barftellenb,  auftufaffen,  unb  in  ein 
SBilb  nieber^ulegen.  2Me§  festen  noch  SBortbtlb,  alfo  ^Begriff- 


II.  ©efd)id)tl,£artfelL  oe$  gcf.  bieroglppl)*  ©cfertfrfeftemS.  415 


pichen,  unb  war  bod&  fd)on  £autbilb.  £af)er  finbcn  wir 
biefe  <5t)lben$eicben  aud)  für  bie  gormworter  gebraucht, 
b.  h-  folche  Sößörter,  bie  in  ber  auögebtlbeten  Sprache  S3er= 
hdltniffe  be6  (Seienben  unter  ftch  ober  gum  ©ein  auSbrücfen: 
alfo  bie  fogenannten  tyaxtihtn,  bie  jeboch  at§  bie  dlteften, 
früh  abgefd)liffenen,  verbrauchten  unb  ihrer  ©elbftdnbigfeit 
entfleibeten  Stenn*  ober  ©ageworter  gebaut  werben  muffen. 
2C6er  auch  was  in  ber  un$  befannten  (Spraye  nur  als  Grn; 
bung  ober  als  SBorfafe*  unb  Sfcad&fafclaut  (2lfftr  unb  ©ufftr) 
erfcheint,  mug  urfprünglict)  eine  ©plbe  gebtlbet  unb  alfo  in 
biefen  ©plben^eichen  fein  SMlb  gefunben  haben;  fo  t  als  ta 
für  bie  weibliche  (£nbung. 

2Me  3aJ)l  biefer  Seichen  nun  haben  wir,  burcf)  $errn 
S3trd)$  S5elefeni>ett  unterfhu^t,  unb  ben  t>on  £epftu$  einge* 
fchlagenen  2Beg  oerfolgenb,  einer  bebeutenben  Vermehrung 
fähig  gefunben.  2Bir  werben  in  unferer  ^uftdhlung  alle 
Seiten  geben,  beren  Sefung  unS  erwiefen  fcheint 

Sn  bem  bisher  2fngebeuteten  liegt  fcf)on  bie  gerichtliche 
2lnorbnung  ber  hierogtyphifchen  3eidf)em  2Bir  glauben, 
oorberfr  ben  fpdteren  Urfprung  ber  Sautbilber  im  ungemeinen, 
ben  SBegrtffbilbern  gegenüber,  auS  ber  Statur  ber  Sprache 
unb  ben  S5ebtngungen  ber  Schrift  nachgewiefen  ^u  haben, 
£>ann  aber  fyabm  wir  vielleicht  auch  bie  Stufen  gefunben, 
in  welken  ftch  fowohl  bie  3eic^en=  als  bie  £autf)ierogh)phen 
allmdhlig  gebilbet  fjaben. 

2BaS  nämlich  juerft  bie  SBegriffbtlber  betrifft,  fo 
werben  wir  von  ben  allgemeinen  3eicf)en  für  ©egenjrdnbe, 
welche  ein  £)tng  btlbltd)  anbeuten  feilten,  biejenigen  £iero* 
glppben  fru  unterfcheiben  haben,  welche  gar  nicht  auSgefpro* 
cfyen  werben,  fonbern  nur  ben  bargejMten  ©egenjranb  feiner 
©attung  ober  Zxt  nach  befrimmen,  unb  baburch  bie  2fuffaf- 


416 


@rtfe$  Q5ud).  günftcr  2lbfd)mtt. 


fung  unb  2Tu6fprad)e  $u  erleichtern  benimmt  fmb.  SBir  nen^ 
neu  tiefe  3etcf)en  £>eutbilber,  determinative,  £)ie  übris 
gen  S3egriffbtlber  begreifen  wir  unter  bem  gemeinfamen  9?as 
men  von  g  e  g  e  n  ft  d  n  b  Ii  d)  e  n  23  i  I  b  e  r  n.  Sie  fd)liegen  jroet 
verfcbiebcne  Arten  von  3ei<^en  in  ftd> :  rein  gegenjtdnbs 
lidt)e  S3 c g r t f f § e t cf) e n ,  £)ingbi  Iber,  wie  bie  ©ejhk 
ten  oon  Grfel,  Stier,  fiotu^pflanjc 7  für  bie  abgebilbeten  ©e^ 
genffdnbe:  unb  ftnnbtlbttd)  gegenffdnbltche,  ober 
Sinnbilber,  wobei  bem  Silbe  mehr  ober  minber  eine  über; 
einfommliche  S3ebeutung  gegeben  wirb, 

liefen  beiben  flehen  gegenüber  bie  Saut bi Iber.  $kx 
haben  wir  jwei  Abteilungen:  Splben^eichen  unb  S3ucr)s 
fla  ben  ^eichen.  3ene  ernannten  wir  aB  bie  alteren,  nad) 
ber  allgemeinen  Statur  ber  @:ntwicflung  beS  Hieroglyphen; 
fpflemS.  9?ad)  ber  bisherigen  gorfchung  fonnten  wir  für  biefe 
Auffaffung  fchon  ben  Umflanb  anführen,  bag  in  ber  ptoles 
mdifd)en  unb  romtfeben  Seit  oiele  3eicf)en  auB  rein  phonetifd)e, 
alfo  als  SBuchflaben  gebraust  werben,  welche  früher  entwe; 
ber  gar  nicht  phonetifd)  vorkommen,  ober  nmralS  Selben; 
^eichen.  Gtyampollion  hatte  eine  ähnliche  Dichtung  jum  Saut; 
werben  ßPhonett3mu5)  ber  3eid)enfchrift  fchon  in  ben  X)cnh 
malern  ber  jwanjtajlen  dnnaflte  bemerft;  unb  SepftuS  223) 
hatte  auf  bie  Schreibung  beS  üftamene>  eineS  fremben  $eer; 
führcrS  in  ben  £)enfmdlern  bes>  grogen  9?eid)3  aufmerffam 
gemacht.  £>ie  einzelnen  Saute  tiefet  Samens*  fmb  bind)  £ie; 
roglpphen  angebeutet,  welche  fonfl  nur  all  2Bort$eid)en  oor; 
fommen. 

Aber  wir  haben  an  bie  £)enfmdler  be$>  alten  Meiches, 
welche  mit  ber  vierten  dpnaflie  anfangen  unb  mit  ber  jwölf; 
ten  fd)liegen^  bie  grage  gerichtet:  ob  ftch  nicht  in  ihnen 

223)  Lettre  a  Rosell.  p.  34. 


II.  ©cfd)td)tl.  £arfM.  beS  gef.  fcicroglppl).  ©dm'ftfptfemö,  417 


bereite  SBeweife  für  tiefet  allmdf)lige  gortfcfyreiten  teS  pf)o* 
netifdjen  (Elementes  ftnben  follten,  wenn  man  ben  in  ifynen 
üorfommenben  ©ebraud)  ber  ^aut^teroglv>pr)en  mit  benen,  um 
ein  Safyrtaufenb  etwa  getrennten,  bes>  neuen  9?eid)eS  oergleidfrt 
»f)err  S3trd)  fyat  freunbfcfyaftltd)  übernommen,  für  biefen  3wecf 
bie  £)enfrndler  be§  alten  3?eid)e8  im  brittifcfyen  SDhifeum  burd)? 
ftugefyen,  unb  unfere  SSorauSfe^ung  fyat  ftd)  oollfommen  be^ 
jldttat  50?et)reve  ber  34  Seiten,  auf  welche  2epftu3  ba$ 
pfyabet  ber  alten  2(eg9pter  ^urücfgefüfyrt,  fmb  in  jenen  £)enf; 
malern  nod)  Feine3wegS  freie  &3ud) (laben,  fonbern  ©plbenjeii 
djen:  ja  ^wet  berfelben  ftnben  ftd)  auf  ben  f)ier  zugänglichen 
£)enFmdlern  noch  gar  nid>t 

2üt3  ber  SSerbinbung  enblid)  ber  SBegriffbilber  mit  ben 
£autbilbern  ergab  ftd),  wie  wir  gefefyen,  in  bem  auSgebilbeten 
<St)ffeme  ber  £ieroglt)pl)if,  weld)es>  9ftene3  im  2Öefentlid)en 
fo  üorfanb,  wie  bie  dttepen  £)enfmdler  e3  un£  geigen,  eine 
britte  2Crt  l)ierogh)pf)ifd)er  ©ruppen,  welche  wir  SDctfc!)  bik 
ber,  9)Hfd)gr  Uppen  nennen,  weil  fte  au£  einer  Serbin^ 
bung  zwifdjen  ©innbilbern  unb  £autbilbern  befreien:  wir  mei= 
nen  ©nippen  wie  bie  ber  Sitfyer,  nefru,  mit  ben  t>olljtdn= 
bigen  ober  unoolljfdnbigen  Setd&en  ber  einzelnen  £aute  beffel- 
ben  SßorteS. 

Sßenn  wir  alle  3etc^en  ^ufammenfaffen,  bie  wir  in  eine 
biefer  fünf  Älaffen  einorbnen  unb  erklären  fonnen,  fo  erfyak 
ten  wir  etwa  ftebenfutnbert  £teroglppl)en.  33tS^ur  (£rfd)eU 
nung  be3  ßf)ampolltonifd)en  2B6rterbudje§  gab  e3,  feit  3oega, 
gar  feine  3dl)lung  ber  £ieroglt)pf)em  3oega  l>atte  beren  etwa 
960  t>ermutf)et,  @f)ampollion  glaubt,  baß  e3  etwa  800  gebe. 
2Cucf)  an  einer  3ufammenjMung  ber  btSfyer  gelefenen  $iero= 
glt)pl)en,  auger  ben  t>on  (Sfjampollion,  SBilnnfon  unb  £epftuS 
I.  27 


418  Srftcö  Q5ud>.  günftcr  ?lbfcbnitt. 


gegebenen  phonetifchen  Seichen,  fehlte  eS  ttor  ber  (£rfcheinung 
jenes  SöerfeS  gänzlich. 

£)ie  Ueberftcht  ber  Hieroglyphen,  womit  ba£  2ßorterbud^ 
fchliegt,  enthalt  750  Setzen,  wdhrenb  baS  SScrf  felbft  567 
giebt.  Sn  btefem  ndmlid)  ftnb  alle  £)arjMungen  beffelben 
©egenftanbeS  (j,  33.  9ftenfd))  unter  @ine  Kummer  jufams 
mengefagt:  in  ber  Ueberftcht  bagegen  ftnb  ftufammengefefete 
Setzen  (©ruppen)  mit  aufgeführt.  leine  oon  betten  Ve- 
rhoben fd)etnt  un$  bie  richtige,  eigene^  3eicfyen  fann 
wof)l  nur  ein  einfaches  genommen  werben,  auger  voo  aus>  ber 
3ufammenfe£ung  zweier  3eid)en  ein  neuer  ©inn  entfielt 
Gimmel  unb  (Stern  für  9Zad)t,  ba§  ©efdg  unb  bie  S5iene 
für  £onig).  dagegen  barf  fein  Stifytn ,  welche^  benfelben 
©egenjtanb  barfMt  unb  ganj  btefetbe  Sbee  au^brücft,  wie 
ein  üorhergehenbeS,  nod)  befonberä  gezahlt  werben.  (So  be* 
beutet  ber  (Sperber  ben  ©ott  £oru5,  balb  mit  tone,  ©ei= 
gel  unb  ähnlichen  ^Bezeichnungen,  balb  ohne  alle  3utbat. 
dagegen  h<*t  man  ein  9fed)t,  bie  £)ar|Mung  etne6  flet)enben 
unb  eines  ftfcenben  ©otteS  jebe  befonberö  aufzuführen,  ba 
hier  ein  Unterfd)ieb  ftatt  ft'nben  fann.  (So  auch  ntug  |>oru3 
auf  bem  ©olbe  (©olbhoruä)  eigene  gezahlt  werben,  ba  er  in 
ben  ÄonigStiteln  nie  anberS  als  in  biefer  gorm  erfchetnt. 
3Me  ßautjctchen  müffen  natürlich  eigene?  aufgeführt  unb  ge^ 
^dhlt  werben:  tfi  auch  baS  £3ilb  bafjelbe,  fo  tjt  e3  bod)  nicht 
bie  £3ebeutung.  'Auch  bie  Söegriffbilber  in  ben  9ftifchgrup= 
pen  müjTen  gezahlt  werben,  ba  fte,  in  ihrer  SSerbinbung  mit 
ergdn^enben  ^aut^eichen,  eine  eigene  klaffe  aufmachen,  unb 
in  ber  Aufführung  ber  allgemeinen  &$cgriffbilber  fehlen. 

3dl)lt  man  nun  hiernach  bie  alten  Hieroglyphen  allein, 
fo  bürfte  e3  fchwerltd)  t>icl  mehr  als  700  3eid)en  geben. 
Stimmt  man  aber  bie  fielen,  in  ber  fpdteren,  befonberS  römi= 


II.  @cfd)irf)tl.  £ar|M.  bcö  aef.  &terogJpp&.©d)riftfpftemg,  419 

fd)en  ^eriobe,  als  2aut£eichen  gebrausten  Silber  noch  f)inju 
—  eS  giebt  ^eren  uoer  90  —  fo  fann  man  fagen,  tag  bie 
©efammt^ahl  etwa  800  betrage. 

Unfere  £>arjMung  ijt  alfo  ber  erjte  SSerfud),  alle  bis 
je^t  lesbaren  vjneroglpphen  unb  bamtt  über  acht  Neuntel  als 
ler  einfachen  hierogfyphifchen  3etdben  überhaupt,  mit  fur^er 
urfunblicher  Schweifung ,  unb  in  ftcf)  georbnet  ju  geben. 
2Btr  hoffen ,  bamit  bie  (Erlernung  ber  dg^ptifchen  Silbers 
fchrtft  $u  erleichtern:  aber  wir  haben  bei  biefer  3nfammens 
(Teilung  ganj  befonberS  ben  S^ecf  im  2luge,  fo  anfchaulid) 
als  möglich  bie  (Schichten  jenes  bewunberungSwerthen  5D?et= 
fterwerfeS  ber  dgpptifchen  2Clt$ett  bar^ußeHen ,  welches  eine 
nic^t  minber  wcltgefchtchtliche  Stfyatfafyt  ber  t>orgef<$ichtlicf)en 
Seit  bilbet,  al§  bie  (Sprache  felbft,  unb  welches  noch  *>iel  mehr 
rein  dgt;ptifche  Schöpfung  ift,  als  biefe. 

£)ie  Safein  geben  folgenbe  vierfache  2(btheilung: 
A.  £)ingbilber  (signa  obiectiva),  foroohl  rein  gegen; 
fldnbliche  (signa  figurativa)  alS  finnbilb liehe  (symbolica). 
£)ie  2lnorbnung  ber  einzelnen  Seichen  ift  im  SBefentlichen  bie 
bereits  1821  oon  ßhampollion  aufgehellte  natürliche: 

1)  £immlifd)e  ©egenjrdnbe  unb  Elemente, 

2)  Sftenfchliche  ©ejialten,  gehenbe,  ft&enbe  u.  bergl. 

3)  Shierbilber. 

4)  ^flan^enbilber. 

5)  (Steine,  Metalle  u.  bergl. 

6)  ÄünfHiche  ©egenftdnbe. 

7)  Unbekannte. 

2öir  haben,  um  3faum  ju  fparen,  biefe  2lbtl)ei(ungen 
auf  ben  Safein  nicht  angezeigt;  fte  fallen  aber  leicht  oon  felbft 
in  bie  2lugen;  unfere  S^en,  beren  wir  für  bie  (£rfldrung 
unb  Anführung  ber  gegebenen  Seichen  beburften,  laufen  alfo 

27* 


420 


grfteö  Q5ud)*  gwnftcr  2lbfd)mtt* 


burd)  bie  gan^e  9ieihe  ber  Dingbilber  burd).  Die  3<*hl  be= 
tragt,  mit  2lu3fd)liegung  ber  auSnahmSweife  gegebenen  ab; 
weid)enben  Darlegungen  einer  unb  berfelben  £ieroglt)phe, 
etwa  tnerhunbert. 

B.  D eitt bt Iber  (determinativu).  Unter  btefer  2Cb= 
theilung  geben  wir  alle  SBegrtffbilber ,  welche  nicht  ein  auS; 
^ufprechenbeS  SÖort  barjMen  foUen ,  fonbern  gar  nicfyt  $um 
2(u3fprechcn  benimmt  ftnb,  auch  nid)t  ben  3^ecf  haben,  eine 
t>orf)ergehenbe  phonetifche  ©ruppe  bilblid)  bar^ufMen.  Denn 
biefc  (enteren  ftnb  eben  reine  SBegrtjfbilbcr,  bie  eben  fo  gut 
aud)  für  ftd)  gebraucht  werben  fonnen.  <5onbern  unfere  Deut; 
bilbcr  geben  bie  großenteils  übereinfommlichen  3ei$en,  wo- 
burd)  ein  vorhergegangenes  SÖort  ober  33ilb  feiner  ©attung 
ober  2Crt  nad)  bargejMt,  unb  alfo  bie  £efung  ber  vorherge; 
henben  £autgruppe,  ober  baS  äkrjldnbniß  beS  oorhergehenben 
SBilbeS,  ober  SBeibeS  erleichtert  unb  geftchert  werben  foll. 
20fo  gehören  hierher  aud)  alle  grammatifcfyen  &3ilber,  b,  1% 
fold)e,  woburd)  ein  SÖort  als  Kennwort  ober  als  thdttgeS 
©agewort,  ober  als  männlichen  ©efdjlechtS  ober  als  in  ber 
Sftehr^ahl  ftehenb  u.  bergl.  naher  bezeichnet  wirb.  Diefer 
Seichen  ftnb  wir,  burd)  bie  Söelefcnheit  unb  (Mte  unfereS 
greunbeS,  £errn  S3irch,  im  (staubt  gegen  120  ^u  geben. 

C.  Sautbtlber»  £ier  follten  in  ber  gefchichtlichen 
Drbnung  bie  ©p(benbilbevr  vorangehen.  Allein  ba  mit 
biefen  (Bplbenbtlbern  auch  zugleich  ihre  &3uchflabenergdnzun= 
gen  gegeben  werben  muffen,  bie  ebenfowohl  ihnen  beigefügt 
al§  weggelajfen  werben  fonnen,  unb  ba  bie  Äenntnig  beS 
reinen  Alphabets  alfo  ju  ihrem  vollen  33erftdnbnifie,  nach 
bem  Gebrauche  beS  auSgebilbeten  hieroglpphifchen  ©t)jremS, 
vorauSgefefct  wirb;  fo  fyabtn  wir  biefeS  reine  Itipfyabct  vor* 
angebellt.    Natürlich  meinen  wir  baS  ber  alten  <5chrift  vor 


n.  ©cfd)td)tI,©arftcU.  beö  gcf.  f)tcroc5(r)pf)»(gd)riftfpf}cmö.  421 


ber  romtfchen  3eit.  Sf)re  Anzahl  betragt,  in  golge  ber  S5e= 
reicherung,  welche  aud)  biefe  klaffe  burd)  Herrn  33trd)  erhielt, 
über  70.  £)ie  3<*hl  ber  reinen  Sautbttber  ober  &3uchfiaben- 
§eid)en  ij!  bie  oon  £epftu3  bargefleüte,  34, 

£)ie  mit  einem  itreu^e  bezeichneten  Hieroglyphen  biefeS 
2£lphabet3  ftnb  fo(d)c ,  bie  bis  zur  ^roolften  £>ynafrie  noch 
Sylbenzeichen  ftnb,  wdbrenb  fte  in  ben  fo  hduftgen  £)enfmdi 
lern  ber  18.  unb  19.  £)ynafrie  bereits  als  rein  phonetifdj,  als 
SBuchftaben  erfcheinen. 

SDZtt  einem  Sterne  bezeichnen  wir  bie  wenigen,  welche 
auf  ben  hier  zugänglichen  ober  bisher  veröffentlichten  £>tnb 
malern  anberer  Sammlungen  gar  nicht  oorfommen.  @:S 
fann  bieg  rein  jufdllig  fein:  wir  wollen  nur  bie  Zfyatfafyz  be^ 
zeichnen,  bag  wir  fte  nicht  im  alten  deiche  gefunben. 

D.  £)iefe  2(btheilung  begreift  bie  9ftif  d)b  Über,  ©rup= 
pen,  welche  auS  ber  Söerbinbung'  »on  33egriffbilbern  mit 
ihren  phonetifchen  Ergänzungen  entfranben  ftnb.  £ie  hier 
oorfommenben  Hieroglyphen  ftnb  alfo  urfprünglidje  S5e^ 
griffzeichen,  bie  auch  für  fid)  allein  ben  ©egenftanb  angeben 
(bie  Saute  für  nefru,  baS  Äreuz  mit  ^anbhabe  für  anch, 
£eben).  2lber  bie  auf  ben  gefchtchtlichen  £>enfmdlern  fo  ge= 
wohnliche  3ufammcnfe£ung  mit  £autzeichen,  zur  bleichte; 
rung  ber  2(uSfprache,  fe£t  bereits  bie  oollftdnbige  £3ilbung 
beS  Alphabets  üorauS.  Unfere  £afel  giebt  baoon  über  50. 
2Bir  fennen  feine  anberen  S3egrtffzeichen,  welche  mit  phone* 
tifchen  Hieroglyphen  oerbunben  oorfommen. 

211S  Anhang  (lellen  wir  auf  biefer  legten  £afel  bie  3  a l) 
Zeichen  ber  2legypter  bar,  unb  wieberholen  bie  üon  £epftuS 
Zuerft  gegebebene  SSergleichung  einer  (Stelle  ber  Snfchrift  oon 
9?ofette,  nad)  ben  beiben  Serien,  mit  Umfchreibung  ber  Hie- 
roglyphen in  bie  hieratifche  Schrift. 


422  ertfcö  55ud).  günftcr  2lbfd)nitt. 

£5ie  Erläuterung  fdmmtlidjer  Safein,  mit  9lad)roei$  be3 
©runbe6  unferer  £efung,  geben  wir  im  jwetten  2M)ange  bte= 
feS  SucfyeS,  in  möglicher  lurje  unb  Ueberft'd)tli<f>!eit  nad) 
£errn  33ird)3  3ufammenfrellung.  Sn  btefer  SBetfc  fd)ten  ber 
3mecf  einer  allgemein  t>erftdnblid)en  unb  mogUd)(t  jufams 
mengebrdngten  Einleitung  in  ba3  £efen  unb  SScrftdnbntg  ber 
$ierogfypl)en  mit  bem  ßfyarafter  etneö  gefdjicfytltd&en  SBerfeS 
vereinbar,  £>enn  unfer  ^aupt^roecf  bei  biefer  £)arfrelümg 
ijt  aud)  f)ier,  bie  großen  Zfyatfafytn  beS  Sebent  ber  ^Cegt)^ 
ter  unb  ber  t>orgefcfyid)tlicf)en,  b.  f).  üord)ronologifcf)en  3^t 
allen  gebilbeten  ßefem  ^ur  2lnfd)auung  &u  bringen. 


©ecf>fiet  %b\d)i\itt. 


®te  ©otterbitbung  ber  2£egt)pter* 


Einleitung, 
3Dte  bret  ©otterfretfe. 

^önig  9ftene3  <2ol)n  unb  9lad)folger  Ijat  tarnen  unb  9Ja; 
menSbtlb  oom  ©otte  Sljotf)  (£ermeS),  bargefteüt  burd)  ben 
3bi3;  unter  ben  Königen  ber  brttten  £)pnafrie  fyaben  wir 
einen  9ttare3,  b.  \).  einen  oon  9?  a,  9>I>rc  (£elio£),  ©egebenen : 
unter  ben  ©pdteren  im  alten  9?eid)  einen  ?)at  2£tf)r>re3, 
ober  ber  2(pf)robtte,  $at\)  or,  ©eroeifyten,  jwet  oon  $tal), 
bem  ^eptjdfloö,  ^Benannte,  unb  mehrere,  bie  tyren  tarnen 
oon  2(mmon,  bem  Könige  ber  ©otter,  führen;  aurf)  ^era= 
!le3  f)at  feinen  tarnen  roenigfrenS  (Einern  btefer  alten  Könige 
gegeben.  2£Ifo  roaren  bie  grogen  ©otter,  in  beren  $ei()e  jene 
geboren,  bamalö  fcfcon  im  ©otterfreife  ber  2Iegppter.  2lber 
bie  33ilber  unb  tarnen  oon  allen  ftnben  ftdt)  aurf)  in  ben 
£>enfmdlem  beö  alten  S^etd)^,  btlblid)  unb  lautlich,  gerabe 
fo  voie  roir  fte  in  ber  ad)t^nkn  Stynaftte  ftnben.  <5o  £)fiH$ 
unb  9ZetjK  auf  Dem  ©arge  oon  9#en?ereS.    (53  bebarf  alfo 


424  (ErfrcS  <8ud)*  ©ed)tfcr  2lbfd)nitt. 

feines  wetteren  33eweife§  für  unfere  2(nnaf)me,  bag  bie  S5t(= 
bung  ber  ©otterfreife  &u  bem  (Srbtbeile  gehört,  mit  welkem 
baS  3^etcf>  unb  23olf  beS  9fteneS  begann.  £)er  £)epbdfro^ 
tempel  be§  9#ene3  in  9ttempbi6  wirb  nod)  von  ben  fpdteren 
S5erid)ter(!attern  genannt;  ein  9?ejr  beS  SempelpalafteS  von 
Sieben  geigt  nod)  iefet  ben  tarnen  be3  grogen  $errfd)er§ 
ber  ^elften  £)t)nafrie.  2Cber  über  bie  Semmel,  wie  über  bie 
SSerefyrung,  wclcf)e  in  tfynen  unb  um  fte  vorging,  wifien  wir 
wenig,  gar  nicr)t$  aber  barüber,  wie  ee>  in  ben  Sagen  ber 
Urzeit  hiermit  gehalten  worben;  unb  fdjwerlid)  werben  wir 
je  etwa6  barüber  wifien,  trofc  be£  9kd)l)all6  ber  (Sagen  von 
ben  golbenen  Sempein  ber  l)unberttf)origen  £l)ebd,  in  ben 
Seiten,  wo  baS  dgpptifd)e  3?etd)  nod)  in  ber  SfyebaiS  allein 
war.  9ta  fo  viel  Flingt  aud)  f)ier  aUent()atben  burd),  baß 
bie  einzelnen  dgt)pttfcf)en  (Staaten,  welche  bem  9?etd)e  bee> 
9ttene3  vorhergingen,  ibren  georbneten  Sempelbtenfr  batten, 
alfo  aud)  bie  fünfte  befagen,  bie  bafür  in  2(nfprud)  genom* 
men  würben. 

*  Unfer  ©egenffanb  aber  fmb  ntd&t  (Sagen  unb  50?t>tl)en, 
unb  unfere  £)arfMung  foU  ftd)  niebt  in  bobenlofen  SBer^ 
mutfyungen  über  baSjenige  verlieren,  waS  wir  ntd)t  wiffen 
fonnen,  Unfer  3we<f  ift  vielmehr,  bie  große,  ungeheure  ZfyaU 
fad)e  gur  2(nerFennung  gu  bringen,  ba§  baS  5D?ene6retd)  in 
Die  ©efd)id)te  eintrat  mit  einer  SBilbung  von  ©otterfreifen, 
b.  f).  mit  einer  3äbl  t)on  ©Ottern,  welche  tbeilS  in  genealogi; 
fd)em  3ufammenbange  mit  einanber  freien,  tbeilS  einanber 
gang  fremb  fmb.  Unfer  3wecF  bei  ber  £)arjMung  biefer  ©ort; 
Reiten  wirb  alfo  biefer  fein  müffen,  fo  viel  aB  moglid),  eben 
wie  bei  ber  (Sprache,  baS  Urfprünglidje  von  bem  (Spateren, 
ba$  überlieferte  (£rbtbeil  von  beffen  weiterer  ©efd)icf)te  ju 
Reiben.    (£ine  gefrier)  tlid)e  £)arfMung  bat  eS  alferbtngS 


£>ie  Drei  ©ötterfreife. 


425 


nur  mit  bem  beworbenen  &u  tfyun:  allein  fte  mug  baS  9)rin^ 
eip  be£  SÖerbenS  jur  2£nfd)auung  §u  bringen  fucr)en.  £)ie 
befonbere  2Bid)tig£eit  ber  dgpptiftf)en  S5or§ett  i(i  aber  aud) 
f)ter  ber  ttmjranb,  bag  nur  t>ter  eine  folcfye  Unterfucf)ung  ur* 
funbttcb  geführt  werben  fann.  <5ie  bietet  auefe  f)ier  groge 
©cfjwierigfettcn  bar,  aber  tnelletcfyt  in  allen  anbern  unüber^ 
winblicfye,  £)enn  e3  tft  mit  ber  $h)tf)ologie  anberS  al§  mit 
ber  (Sprache.  SMe  SBerdnberungen  in  ber  (Sprache  treten 
(wenn  nicf)t  gewaltfame  Einwirkungen  üon  äugen  bagu  foms 
men)  langfam  unb  urfunblicf)  ein:  bie  alten  formen  ber 
Rebe  erhalten  ftrf)  Sabrfyimberte  lang  norf)  neben  ben  neuen: 
enblid)  fonnen,  fo  wie  ©d&rtft  befielt,  aucr)  bie  <5prad)bilbun^ 
gen  langft  untergegangener  3etten  ber  fpdtcn  9Zad)welt  uber= 
liefert  werben.  2£ber  in  ber  ©efc&td&te  ber  Religionen  Ders 
brdngt  ber  neue  £)ienft  notl)wenbig  ben  alteren,  unb  fud)t 
jebe  ©pur  beffelben  %u  t>erwifd)en.  Gieren,  oft  felb|t  tarnen 
werben,  naef)  bem  ©ei|te  ber  alten  Religionen,  auf  neue  &6U 
ter  übertragen:  neue  Sftptfyen  werben  gefunben,  um  bas  2Cn^ 
ben!en  an  ba£  grünere  &u  »ertilgen:  ja  eine  tiefere  ^Pfyilofo; 
pf)ie  fjat  neuerbingS  bargetfyan,  baß  e6  in  ber  Statur  man= 
cr)er  mptf)ologtfcr)en  ©otter  liege,  in  tt>r  ©egentfyetl  umjufdtfas 
gen.  £)ie  erfre  $olge  ber  Entbecfung  ber  alten  ©ötternamen 
neben  tt)ren  &3ilbern  war  auef)  beßbalb  eine  mein*  üerneinenbe, 
jerjtorenbe,  als  eine  fyerftetfenbe.  2)a3  ftd)ere  (Srqebmg  festen 
nur  btefeS  ju  fein,  bag  bie  ©rieben  wenig  Richtiges  übers 
liefert,  unb  bie  teueren  biefeS  SBenige  meiftenS  migüerffans 
ben  ober  überfein.  £)ie  £obtenpappre  ferner  geben  uns 
eine  Unjafjl  mpjtifcrjer  formen  unb  tarnen  von  ©ottfjeiten, 
twn  benen  ftd&  feine  ©pur  im  Sempelbienfte  ftnbet  SSon 
tfmen  ftd)  nicfyt  fern  genug  gehalten  ?,u  fyaben,  tjt  ein  wefent; 


426 


lieber  geriet  in  GhantpoUtonS  Pantheon,  einem  SBerfe,  weis 
d)e6  wohl  überhaupt  bte  am  wenigffen  befrtebtgenbe  2£rbett 
be£  großen  Cannes  feigen  mag.  SBiel  nüchterner  unb  frts 
tifcher  ftnb  bie  gorfchungen  unb  £)arfreliungen  SBilfinfonS. 
(5r  hatte  bereit©  1828  in  einem  in  SRalta  erfchienenen  höchff 
feltenen  Söerfe  224)  eine  Ueberftcfyt  ber  dgt>pttfci)en  ©ottt>ei= 
ten  gegeben,  ©ine  ausführlichere  unb  oerbefferte  £>arfMung 
i]i  im  vierten  unb  fünften  33anbe  feineS  neueren  SBerfeS 
(23b.  I.  unb  II.  ber  ^weiten  9?eif)e)  gegeben:  ber  fechte  £3an& 
enthalt  bie  bilblichen  £)ar(Mungen:  leiber  ohne  9?act)roeifung 
ber  £)enfmdler  ober  Urfunben,  welchen  fte  entlehnt  ftnb.  £)ie; 
fem  Langel  i(I  burch  3xofeIXtnt'^  9)racr)twerl?  bt'3  auf  einen 
gevoijjen  ©rab  abgeholfen;  leiber  raffte  ber  £ob  ben  ebeln 
SSerfaffer  batyn,  ehe  er  ben  £ert  ju  ben  mr;thologifd)en  £)ar; 
(Teilungen  geben  fonnte.  (Seitbem  üerbanft  bie  SBiffenfchaft 
fehr  wichtige  unb  genaue  Sttittheilungen  bem  in  biefem  SBerfe 
oft  genannten  ausgezeichneten  33orfIeher  ber  dgpptifchenSamm; 
lungen  im  britttfehen  9ftufeum,  v£)errn  Samuel  S3irch. 
£)er  erfte  Ztyil  feiner  ©allcrie  oon  2£ltertt)ümern  enthalt  eine 
9?eihe  mer£wurbtger£)arfMitngen  oon  ©otterbilbern  au6  jenem 
grogartigen  S^ufeum,  mit  (Erklärungen  unb  (Erläuterungen,  wie 
man  fte  oon  bem  gelehrten  unb  dg^ptifch  belefenen  S3erfaffer  er= 
warten  burfte,  namentlich  auch  mit  befonberer  S3erücfftchtigung 
beS  eigentlichen  £twu£  jeber  ©ottheit  unb  beS  Alters  ber 
£)arfMungen  225).  £)a£  reichhaltige  jtttpferwerf,  welches  ber 
gelehrte  SSorfteher  beS  lepbener  9ttufeumS,  $err  £eemanS, 

224)  Wilkinson,  Materia  hieroglyphica.  Malta  1828.  P.  1.  Pan- 
theon. 

225)  The  Gallery  of  Antiqnities,  selected  from  the  British  Museum. 
Part.I.  Egyptian  Art,  My thological  Illustrations.  1842.  Pari.  II. 
Historical  Illnstrations.  1843.  4°. 


£>te  Drei  ©otterf  reife. 


427 


fyerauSgiebt,  enthält  aud)  in  ber  Sterten  ttnb  fünften  Lieferung 
fel>r  fcfydfcenSwertfye  SarfteEungen  226). 

SSon  ben  früheren  gorfd&ungcn  unb  fclbfl  t>on  ben 
fonft  melfad)  fd)d£en§wertf)en  SablonSfi'3,  3oega'3, 
(Steiders  unb  t eft arb ö  f)aben  wir  wenig  ©ebrauc^ 
machen  fonnen,  obwohl  bie  grünbltcfye  ©elefyrfamfett  unb  ber 
(5cr)arfftnn  jener  Banner  tt)ren  SBerfen  einen  bletbenben 
SSßertrj  fieberten,  Cnrft  bie  bierogfypf)ifd)en  tarnen  ber  ®bU 
terbilber  fyaben  uns  bie  ©runblage  aEer  dg^pttfcfyen  Dt^o* 
legte ,  ben  £f)atbefranb  gefiebert  9ftemanb  fann  jefet  mefyr 
in  3weifel  fein,  wie  bie  3(egt)pter  ifyre  ©Ortzeiten  benannt 
unb  in  t>erfd)iebenen  (£pocr)en  bargejMt  f)aben. 

2£ber  auef)  bie  ndd)fre  grage,  bie  #er|lettung  ber  &bU 
terf reife,  an  n>etcf)er  ftd)  ^uerfr  SBtlftnfon  mit  @d)arfftnn  tter^ 
fud)t,  galten  wir  fcfyon  jjefet  für  loSbar.  2Öir  müffen  auf 
jeben  gaE  oerfudjen,  ir)rer  ^Beantwortung  nafye  $u  fommen; 
benn  offenbar  führen  fte  uns  auf  bie  gefcfyicfytltdK  ^uffaffung 
ber  2Cegt>pter  fyinftcfytlidf)  beS  3ufammen^ange6  tt)rer  ©otk 
Reiten,  unb  fo  tneEeicfyt  $ur  2(ufftnbung  ber  ©d)td)ten  biefe£ 
erhabenen  ©ebilbeS  ber  dg^ptifcfyen  SSorwelt  Unfere  9fte= 
tfyobe  wirb  biefe  fein.  SQBtr  fernliegen  ^uerft  aEe  £)arftellun* 
gen  au3,  bie  ftd)  nur  in  ben  £obtenpapm*en  unb  nicfjt  in  ben 
©enfmälern  fmben.  SweitenS  nehmen  wir  auf  ba3  (£igen= 
tf)ümlid)e  ber  ptolemdifdjen  3ett  (alfo  namentlich  auf  ben 
(geraptSbienjt)  feine  3?ücfftrf)t.  Gntblicf)  fudjen  wir  aEe  £>ar; 
jkEungen  $  befettigen,  benen  ftd6>  fein  inbwibueEer  £ppu3 
abgewinnen  lagt  2BaS  un3  übrig  bleibt,  werben  wir  t>er^ 
furzen,  auf  feine  ältejie  unb  t)orf)errfd)enbe  ©ejralt  ^urücf; 
jufüfyrem 

226)  Monuraens  egyptiens  du  Muse'e  d'Antiquite's  du  Pays-Bas,  publies 
par  ordre  du  gouvernement  par  le  Dr.  C.  Leemans.  Fol. 


428 


Srjlcö  Q5ud).  ©cd) ftcr  ?(bfd)m'tt. 


2Me  ©runblage  unfern  2fnorbnung  müffen  wir  aber  jus 
erfl  in  ber  gefd)id)tlid)en  Ueberlieferung  fucfyen.  |)ier  nun 
fdjltefien  wir  alle  üerbdd)ttgen  unb  unftdjeren  Quellen,  t>on 
£)iobor  bi$  &u  ben  Üfteuplatonifern  unb  ben  fpdteften  fyerme* 
tifd)en  ä3üd)crn,  au&  Unfere  ©ewdfyrSmdnner  fonnen  allein 
dd)t  dgppttfd>e  3ufammenfMungen  unb  $erobot  fein,  ©eine 
bret  ©otterorbnungen  unb  jene  ^pnajrieen,  ba3  fyeißt  Solgen 
t>on  ©Ottern,  flehen  offenbar  in  einer  gewiffen  SSerbinbung. 

£)ie  UrFunbe  &on  Surin,  au6  ber  3?amefftben$eit,  giebt, 
nacr)  dgppttfdjer  (Sitte,  eben  wie  9)?anetl)o'3  SBerf,  t>or  ber 
SO?enfcr)enl)errfcr)aft  eine  S?ctt>e  oon  ©ötterbt)najtteen.  3n  i^ 
neu  t(r  notfywenbig  ein  Softem  erhalten  über  bte  allmdl)ligc 
Cnitwicflung  unb  bte  gottergefcr;id)tlid)e  Jolge  jener  ©ottfyeis 
ten,  alfo  ifyre  &3ilbung  burd)  bie  3ftenfd)en. 

£)te  brei  erjten  £>t)nafrteen  fehlen  in  jenem  ?)apt)ru3,  wie 
wir  gefefyen  fyaben.  £)ie  werte  (nad)  (Sepffartf))  war  bie  t>on 
<Seb  (itronoS)  ober  (nad)  (Saloolini)  tton  Dfiris;  bie  fünfte 
£)ftrt§  ober  3ft§,  Sn  beiben  Sailen  ifr  ber  £l)atbefranb 
jjefet  nicfyt  mefyr  au^umitteln;  bie  fecfyfre  jeigt  (Set;  bie  fte* 
bente  v£>oru3 ;  bie  arf)te  Sfyotf);  bie  neunte  9}? a ;  bie  jefynte 
einen  ©ott  mit  Sperber.  9Ätt  ber  brennten  Regierung 
begann  eine  neue  Steine.  25aj3  bei  £oru3  ein  2Tbfd)nitt  war, 
jeigtetne  im  $Papt)ru5  folgenbe33ered)nung,  wonach  biöv£)oru3 
23,000  Sal)re  üerfloffen  waren.  £a§  i$%Ue$,  wa3  jene  Ur^ 
funbe  un3  lefyrt. 

9ttanetl)o  gab,  nad)  (Eufebiuö  2(u^ug  auS  bem  achten 
SBerfe  227),  folgenbe  Drbnung: 

£epf)djro3  ($taf)). 

£eltoS  ($a)> 

2Tgatf)oDdmon  (dl um,  GfynubtS). 
227)  Urfunbenbu^  II.  p.  5, 


£)ie  brei  ©otterfreife. 


429 


£rono3  (©eb). 

£>ftrt$:  £i)prjon  (©et):  £oru3. 

Sann  folgt  eine  3?etf)e  untergeorbneter  (Bettet,  beren  ta- 
rnen Grufebiue  ntd)t  gtebt.  Ser  falfd&e  9ftanetf)o  üerbient 
unb  erlaubt  feine  gorfdjunq  über  feinen  Snfjalt 

Sene  beiben  Reiben  frimmen  barin  überein,  bag  bie  ©6t= 
ter  bee>  DfirtefreifeS  altere  ©otter  ttor  ftet)  fjaben,  unb  jftm 
gere  ober  niebere  nad)  ftd).  £rono3=©eb  get)t  in  beis 
ben  bem  Raupte  jeneS  ßreifeS,  £)ftrie>,  unmittelbar  Dörfer: 
fet)r  moglid)  ifr  es>  alfo,  bag  bie  t>rei  im  ^appruS  fef)tenben 
feine  anbern  gewefen,  als  bie  brei  im  Wlanztyo  genanntem 

©cfyon  fjternadj  gewinnt  bie  £auptjfelle  bei  £erobot228) 
ein  erwünfd)teS  ßtd)t.  (£r  berietet,  baß  bie  dgt)prtfd)en  ©6k 
ter  brei  SDrbnungen  btlbeten.  Sie  erfreu  ©otter  waren  a  dt)  t: 
&u  il)nen  gehörte,  nad)  ben  Sftenbeftern,  $an,  ber  ©Ott  üon 
@r)emmi3  ober  ?)anopoli3.  2ln  einer  anbern  ©teile  fagt  er, 
bie  ©ottin  ber  angeblid)  beweglichen  Snfel  S5uto,  bte  er 
fieto'(ßatona)  nennt,  alfo  als  Butter  üon  2lpollo  unb  Ar- 
temis auffaßt,  gebore  $u  ben  erfreu  ©otterm 

9?ad)  tfjnen  fommen  bte-jwölf  ©otter,  bie  üon  jenen 
ad)t  flammten.  Stefe  3w6lftaf)l  würbe  t>on  ben  2legpptern 
^uerfr  feflgefMt,  eben  wie  bie  für  bie  Monate  beS  SafyreS, 
3u  biefen  jroolf  ©ottern  geborte  £erafle& 

SSon  biefen  flammten  bie  ©otter  ber  britten  Drbnung, 
3u  ir;nen  geborte  DftriS;  £oru3,  fein  ©of)n,  war  berate 
©Ott,  ber  über  2(eg^pten  regierte,  ©eine  Regierung  fallt 
15,000  3ar;re  ^or  2Cmaft3.  £erafle3  Regierung  fallt  2000 
Wt  v^oruS. 

Unter  allen  biefen  ©Ortzeiten  waren  £)ftri$  unb  Stff  bie 
einigen,  welche  in  ganj  2fegt)pten  t>eref)rt  wurbem 

228)  Ii,  145  f.  uergl.  c.  4.  43.  46.  unb  156. 


430 


grfteö  35ud).  @cd)flcr  Slbfebnitt. 


Itoerfennbar  finb  J)erobot5  9?eif)en  ber  erfren,  ^weiten, 
britten  ©otter  eine  £)ar|Mung  jener  dgpptifcfyen  ©ötterbr^ 
nafrieen.  £)er  Unterfd)ieb  aber  ift,  baß  bie  SDfmSbpnajtie 
f)ier  bie  jüngjle  f)eißt:  alfo  faßten  v£)erobot6  ©erodf)r$mdnner 
bie  fpdteren  £>pnafrteen  als  £eroen  ober  Halbgötter  auf. 

2ßa3  nun  bie  3«t>l  ber  ©ötter  betrifft,  fo  bilben  bie 
beiben  erjren  £)rbnungen  v£>erobotS  offenbar  jwanjig:  unb 
c§  fdbcint  fdjon  nad)  feinem  £erte  unsuldfftg,  mit  SablonSfi 
unb  $irt  anjunefjmen,  baß  bie  erfren  ad)t  in  ben  jroölf  ber 
fetten  jDrbnuncj  enthalten  voaren.  libzx  bie  dgppttfd&en 
Denkmäler  laffen  barüber  feinen  Sweifel.  (Sonbert  man  in 
ifynen  bie  be3  £>firisfreife§  au6  —  welche  ntrf>t,  wie  ßreujer 
meint,  brei  waren,  aud)  nicf)t,  roie  $\tt,  fünf,  fonbern  fteben  — 
fo  bkibcn  gegen  jroangig  ©ottbeitcn  übrig,  roie  ffrenge  man 
aud)  bie  fielen  £>arfleliungen  auf  bicfelben,  nur  anberS  ge? 
faßten  $erfonltd)fetten  äurucffüfyrt. 

2(ud)  nad)  tiefen  £>enfmdlern  erfd&etnt  ber  DfiriSfreiS 
würflid)  al$>  ber  britte:  benn  (Seb  unb  9?etpe  (ÄronoS  unb 
Styea),  Don  benen  jener  itreiS  abdämmt,  gehören  offenbar 
bem  ^weiten  ©ötterf  reife. 

^erobotS  &3emer£ung,  baß  £ftri6  unb  Sft'3  bie  einigen 
©Ortzeiten  feien,  roeldje  alle  2(egi)pter  t>erel)ren,  fül)rt  un£ 
melletd)t  auf  bie  ^at)'ad)c,  baß  bie  ad)t  unb  bie  jroölf  ©ott^ 
Reiten  in  t>erfct)tebenen  Steilen  2Tegt)pten5  t>erfct)teben  gufam= 
mengefe^t  roaren:  benn  bie  3^1)1  roar  nact)  üjm  eine  fefte, 
roaS  er  namentlich)  t>on  ber  3n>6lftal)l  auSbrücflid)  fagt 
SÖenn  ftd)  un3  alfo  namentlid)  für  ben  gleiten  .ftreiS  mefyr 
©ottl)eiten  barbieten,  aB  gtrölf,  fo  ift  bieß  eben  nur  ein  S5e- 
roeiS  ber  9?id)tigfeit  ber  f)erobotifd)en  &3emerfung.  2Bir  roer= 
ben  in  bie  Sxoblfaafjl  biejenigen  aufnehmen,  welche  am  all- 
gemeinden  unb  l)öd)jren  oerefyrt  ^u  fein  fcrjeinen. 


Sic  Drei  ©ottcrfretfe. 


431 


Dag  ber  erftc  £rei3  auS  ©ottheiten  üerfchiebener  Sanbs 
fd>aften  äufammengefe^t  tjt,  liegt  &u  Sage,  (Seine  betben 
erjfcn  ©Odetten  geboren  bei*  £hebai3,  Emmern  unb  GStymis 
bt6 :  bann  folgt  ber  memphitifchc  *})tah:  herauf  bie  9^ettf> 
oon  Saig  im  Delta,  enbltd)  ber  ©Ott  ber  tfjebaifd&en  tya? 
nopoltS.  ©o  weit  fann  über  tarnen  unb  Urfprung  ber 
©ottheiten  tiefet  ÄretfeS  fein  ßweifel  fein.  2£Ue  genannten 
haben  auc^  urfunblid)  eine  foSmogonifche  (Stellung  mit  etn= 
anber  gemein.  (53  fann  alfo  nur  zweifelhaft  bleiben,  welche 
bie  übrigen  brei  ©Ortzeiten  gewefen.  Die  geftfMung  beS 
crften  £reife$>  wirb  un3  ben  Seitfaben  für  bie  oon  ben  altes 
fren  ©Ottern  abftammenben  ©ottheiten  geben,  welche  $ur 
3wöIftaW  geborten. 

innerhalb  aller  brei  Greife  aber  werben  wir,  nad)  ben 
angebeuteten  ©runbfdfcen,  ben  örtlichen  Urfprung  junddbft 
fo  weit  ^u  ermit